PolitikIn den Nachrichten
Aus­nahms­wei­se kurz notiert zu den TTIP-Ver­öf­fent­li­chun­gen

Auf der dies­jäh­ri­gen „re:publica“, der Kreis­wichs­ver­an­stal­tung für selbst ernann­te Blog­jour­na­li­sten, hat aus­ge­rech­net Green­peace offen­bar die Hälf­te von TTIP ver­öf­fent­licht, was in der Fol­ge unter ande­rem Horst See­ho­fer dazu ver­an­lass­te, sich vor­erst von TTIP zu distan­zie­ren. So weit ist es schon gekom­men, dass man hoch­ran­gi­ge CSU-Poli­ti­ker für ihre Hal­tung loben muss. Die Medi­en machen sich der­weil einen Spaß dar­aus, ihrer­seits in eine Art Blog­si­mu­la­ti­on zu ver­fal­len, indem sie die spär­li­chen Infor­ma­tio­nen in aller­lei Kolum­nen und Kom­men­ta­re gie­ßen, die ein beque­mes Fei­gen­blatt dafür sind, den jour­na­li­sti­schen Grund­satz, man sol­le sich nicht mit einer Sache gemein machen, end­lich auch offi­zi­ell igno­rie­ren zu dür­fen. Ein­fach nur sach­lich infor­miert zu wer­den hält so ein durch­schnitt­li­cher Kon­su­ment ja auch nicht aus.

(Falls noch jemand sich fragt, war­um aus­ge­rech­net ich mich hier zu TTIP weit­ge­hend zurück­hal­te: Mas­sen­the­men sind nicht die mei­nen.)

Die Ver­hand­lungs­füh­rer aus den USA sei­en jeden­falls nicht beun­ru­higt, heißt es, denn so lan­ge die deut­sche Bun­des­re­gie­rung dar­auf bedacht ist, das Abkom­men bald­mög­lichst zu unter­zeich­nen, sind Hal­tung und Auf­klä­rung des Pöbels von gerin­ger Rele­vanz.

Ich hab‘ die nicht gewählt.

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
Sunn O))) (live) // #emo­nicht­blog

Sei wachsam. Sie wird kommen.Befund: Mon­tag. Ursa­che: Unklar. The­ra­pie: Viel­leicht hilft es, ein­fach ein biss­chen zu schrei­en. Ein Tag, so häss­lich wie Han­no­ver. – Mon­tag ist ja auch: sich füh­len wie Dil­bert, nur mit noch weni­ger Men­schen. Mit Men­schen hält man es ja doch nicht lan­ge aus. (Was sie wohl gera­de tut?) Gibt es eigent­lich ein pas­sen­de­res Wort als Nost­al­gie für die Sehn­sucht nach frü­her? Damals, bei Camel und Meer.

Die Män­ner lei­den am mei­sten dar­un­ter. Män­ner sind gefühls­du­se­li­ger. Weiß ein belie­bi­ger Gei­er, wie­so das immer mon­tags pas­siert; außer natür­lich, weil ein Sonn­tag schon aus dem Gewohn­heits­recht her­aus und ins­be­son­de­re wegen blö­der Herz­schei­ße nicht so enden soll­te und man es doch all­mäh­li­ich doch satt hat, wie ein Teen­ager auf sei­ne Lämp­chen zu star­ren. The­se vin­ta­ge years.

Palim-palim, die Nach­rich­ten. Wir sind wie­der wer.

Die Bun­des­re­gie­rung jeden­falls hat dem ame­ri­ka­ni­schen Ansin­nen nach­ge­ge­ben und sich bereit erklärt, auf­grund des sub­jek­ti­ven Bedro­hungs­ge­fühls erst­mal 1000 Sol­da­ten mit an die litau­isch-rus­si­sche Gren­ze zu schicken.

Die Vor­wärts­ver­tei­di­gung wird sie­gen, kei­ne Gna­de dem Aggres­sor. Wir wol­len ja nur hel­fen; wie damals, als der Iwan der DDR nur hel­fen woll­te, jeden­falls dabei, wie­der­um der Sowjet­uni­on zu hel­fen. Für ein Kriegs­heer vor der eige­nen Gren­ze hät­te also ganz offen­sicht­lich nie­mand mehr Ver­ständ­nis als Putin. Von deut­schem Boden geht kein Krieg aus, wenn der Boden in Litau­en liegt.

Mon­tag, du unflä­ti­ges Wort. Es hilft, viel­leicht, Musik. Musik, so schwarz wie etwas ande­res, das auch schwarz ist. Elo­quenz hab‘ ich voll drauf.

SUNN O))) live at Southwest Ter­ror Fest III, Oct. 18th, 2014 (FULL SET)

Schon bes­ser.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum Gewe­se um den AfD-Par­tei­tag

Es fin­det offen­sicht­lich zur­zeit ein Par­tei­tag der AfD statt. Stets um einen fried­li­chen Dis­kurs bemüh­te Demo­kra­ten lie­fen in Frie­dens­mon­tur auf, um zu ver­hin­dern, dass die­ses Pack (von Men­schen zu spre­chen wäre fatal, denn Men­schen gehört bekannt­lich das Recht auf eine unge­stör­te Ver­samm­lung gewährt) auf gewohn­tem Wege an sei­ner Ver­an­stal­tung teil­neh­men kann.

Aus­drück­lich unge­ach­tet der Fra­ge, was man als poli­ti­sche Par­tei in Deutsch­land eigent­lich alles befür­wor­ten darf und was nicht: Wenn ich das jetzt also rich­tig ver­ste­he, dann gibt es spä­te­stens mor­gen kei­ner­lei poli­ti­schen Extre­mis­mus mehr in Deutsch­land, denn die Kom­bi­na­ti­on aus dem über­wäl­ti­gend über­zeu­gen­den Argu­ment „Ihr seid kacke!“, der kon­ti­nu­ier­li­chen Ruhe­stö­rung auch der Anwoh­ner und der Blocka­de der Zufahrt zu ihrer ange­mel­de­ten Ver­samm­lung hat sie alle zu ver­nünf­ti­gen Men­schen gemacht, die – bekannt­lich befolgt ein typi­scher Wäh­ler die Emp­feh­lung, eine lin­ke Par­tei zu wäh­len, wenn man ihn vor­her nur genug beschimpft und sei­ne Intel­li­genz belei­digt – nur noch harm­lo­se Par­tei­en wie die SPD wäh­len, rich­tig?

Sonst war das doch eine total däm­li­che Akti­on.


Wie­der ein unin­ter­es­san­ter Beruf mehr: Penis­pil­len sind kein Arbeits­mit­tel für Poli­zi­sten.

Netzfundstücke
Saar­land (Sym­bol­mel­dung)

Die­se Glo­ba­li­sie­rung, die unse­re lieb­ge­wor­de­nen Tra­di­tio­nen und unse­re Kul­tur zer­stört, hat nicht mit dem Saar­land gerech­net:

Tra­di­ti­ons­ge­mäß fin­det am 30. April ab 18 Uhr am Ver­eins­heim der Klein­gärt­ner Welles­wei­ler die all­jähr­li­che Hexen­ver­bren­nung statt.

Haben wir schon immer so gemacht.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik XCVIII: Schö­ner ficken

Ent­ge­gen land­läu­fi­ger Mei­nung ist es beim Bum­sen – sagt man das noch, „bum­sen“? – übri­gens gar nicht das wich­tig­ste Kri­te­ri­um, dass es allen Betei­lig­ten aus­rei­chend viel Freu­de berei­tet; offen­sicht­lich viel bedeut­sa­mer ist es, dabei sexy, nicht etwa wie ein schwit­zen­der Och­se, aus­zu­se­hen. Wer fern­ab von Spie­gel und Schmink­täsch­chen mit­ein­an­der vögelt, dem ent­geht Ent­schei­den­des.

Dies sug­ge­rie­ren jeden­falls die ver­blüf­fend gut mit­ein­an­der har­mo­nie­ren­den Titel­bil­der der noch aktu­el­len Aus­ga­ben von „JOY“ und „Cos­mo­po­li­tan“ (letz­te­re zur Abwechs­lung mal mit Jes­si­ca Alba auf dem Titel­bild; „war­um Hol­ly­wood mehr Frau­en wie sie braucht“ fragt so schel­misch wie rhe­to­risch das Inhalts­ver­zeich­nis, und ich ergän­ze: damit es nicht mehr nur zwei Moti­ve für das Titel­bild von Frau­en­zeit­schrif­ten gibt):

Cosmopolitan Mai 2016 JOY Mai 2016

Nackt gut aus­zu­se­hen ist also nur die hal­be Mie­te, man muss sich auch gut bewe­gen kön­nen. Wie, ihr kon­zen­triert euch beim Sex nicht auf euer Aus­se­hen? Das ist aber unge­wöhn­lich. War­um? Das las­sen wir uns heu­te mal von zwei klu­gen und welt­män­ni­schen Frau­en­zeit­schrif­ten erklä­ren.

Film ab!

‘Medi­en­kri­tik XCVIII: Schö­ner ficken’ wei­ter­le­sen »

PolitikNetzfundstücke
Neu­es von Darth Face­palm

Der Todes­s­tern ist in der fik­ti­ven Welt, in der „Star Wars“ spielt, eine rie­si­ge bewaff­ne­te Raum­sta­ti­on. Er wur­de zwei­mal gebaut und kon­trol­liert vom chau­vi­ni­stisch-faschi­sti­schen Galak­ti­schen Impe­ri­um, der gera­de­zu lie­bens­wert dümm­lich-nai­ven Erzäh­lung zufol­ge also vom bösen Gegen­spie­ler der Alli­anz zur Wie­der­her­stel­lung der Repu­blik und der reli­giö­sen Fana­ti­ker­sek­te der Jedi (also der Guten), und dien­te von Anfang an im Wesent­li­chen dem Zweck, jene Pla­ne­ten, die sich nicht frei­wil­lig unter­war­fen, aus­zu­lö­schen. Die Zer­stö­rung des zwei­ten Todes­s­terns besie­gel­te den Sieg der Guten in der ursprüng­li­chen Tri­lo­gie und wur­de gemein­hin als Befrei­ung von Krieg und Unter­drückung auf­ge­fasst.

Wie ich dar­auf kom­me?

Ach, nur so.

Todesstern gegen Nazis

(via @FrauMaja)

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
Rod Ste­wart – Baby Jane

Irgendwas ist komisch heuteEin Mon­tag, an dem kaum noch etwas ist, wie es war. Wenn sonn­tags das klei­ne pel­zi­ge Wesen kommt, scheint mon­tags die Son­ne; so oder so ähn­lich heißt es bei Paul Maar, aber drau­ßen ist es heu­te eigent­lich nur leer und ver­braucht, als lau­er­ten die Zeit­fres­ser nur noch dar­auf, dass man auf­gibt. Kein Seuf­zen, ein Stöh­nen alle­mal, vom Mon­tag mit dem Ziel­fern­rohr mit­ten ins Gemächt getrof­fen. Paul­chen Pan­da hat die Uhr ver­steckt.

Ah, ein kla­rer Gedan­ke. Ab in die Nach­rich­ten! – Dass der unglaub­lich däm­li­che Digi­tal­cou­ra­ge e.V. sich allen­falls zur Fremd­scham eig­net, ist kei­ne Neu­ig­keit; über­ra­schen­der­wei­se aber hat der­weil die Potem­ki­ni­sie­rung Han­no­vers nicht zu unbe­grenz­ter Lie­be zu aus­län­di­schen Staats­ober­häup­tern geführt: Das Oba­ma-Fie­ber ist vor­bei, als wäre so ein Fie­ber etwas, was man unbe­dingt behal­ten möch­te.

Und sonst so? Das Arsch­loch 2016 war wie­der auf Knei­pen­tour und hat einen die­ser lästi­gen Pop­mu­si­ker geholt, aber all­mäh­lich hat man dann doch auch genug von die­sem gie­ri­gen Jahr. Apro­pos genug: Wis­sen­schaft­ler haben ver­se­hent­lich offen­bar unbe­grenzt oft auf­lad­ba­re Bat­te­rien erfun­den. (Vie­les wirkt so end­gül­tig in die­ser Zeit, aber wie oft kann es das schon sein? Wie lang ist eine Ewig­keit? Wie oft ist das letz­te Mal auch das näch­ste, bevor es nur noch das letz­te war?)

Und war­um müs­sen mei­ne Leser das eigent­lich immer aus­ba­den?

Rod Ste­wart – Baby Jane [Offi­ci­al MV]

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Sonn­tags in Han­no­ver-Güstrow

Heu­te trifft sich Barack Oba­ma mit Ange­la Mer­kel und Ver­tre­tern der Wirt­schaft, um ein wenig über TTIP zu plau­dern, denn nur die­je­ni­gen sind als Dis­kus­si­ons­part­ner erwünscht, die nicht durch blo­ße Anwe­sen­heit eine Gefahr für Leib und Leben des Irren aus Washing­ton – so hei­ßen Prä­si­den­ten doch in der media­len Dar­stel­lung heu­te, oder? – dar­stel­len. Die eben­falls statt­fin­den­de Demon­stra­ti­on gegen die­ses Abkom­men wird jeden­falls wohl­weis­lich dort statt­fin­den, wo die Ver­hand­lungs­part­ner nichts davon mit­be­kom­men, was den Sinn hin­ter die­ser Demon­stra­ti­on zumin­dest in Fra­ge stellt.

Dass, dass Bür­ger nicht erwünscht sind, kei­nes­wegs eine über­mä­ßig über­spitz­te For­mu­lie­rung ist, wird sich mor­gen in (aus­ge­rech­net!) Han­no­ver zei­gen, wo (aus­ge­rech­net!) Barack Oba­ma die Han­no­ver-Mes­se zu eröff­nen beab­sich­tigt, denn nichts ist so eng mit der Han­no­ver-Mes­se ver­bun­den wie der Kriegs­herr der Ver­ei­nig­ten Staa­ten; und in die­ser Rol­le wird er immer­hin selbst auf­tre­ten:

Bereits mit­tags wird er auf dem Flug­ha­fen Lan­gen­ha­gen bei Han­no­ver erwar­tet und dort mit „mili­tä­ri­schen Ehren“ emp­fan­gen.

Aber ist das nicht brand­ge­fähr­lich? Doch, doch; dar­um wer­den Maß­nah­men ergrif­fen:

Im enge­ren Sicher­heits­be­reich gel­ten ab 14 Uhr noch­mal ver­schärf­te Sicher­heits­be­stim­mun­gen. Die Anwoh­ner dür­fen dann bis min­de­stens 20 Uhr ihre eige­nen Bal­kons oder Gär­ten nicht betre­ten. Es herrscht qua­si Aus­gangs­sper­re. (…) Die Sicher­heits­vor­keh­run­gen sei­en sogar zum Vor­teil der Anwoh­ner. (…) Oba­ma sei schließ­lich die gefähr­det­ste Per­son der Welt.

Wenn ein Staats­prä­si­dent, der ein frem­des Land besucht, vor den Ein­woh­nern einer Stadt, in der er auf­tritt, in Sicher­heit gebracht wer­den muss, dann könn­te das Ursa­chen haben, die mit dem vor­über­ge­hen­den Weg­schlie­ßen derer, die dort woh­nen, nur schwer­lich zu bekämp­fen sind. Es ist jedoch nur zum Vor­teil der Anwoh­ner. Klar: Wer in Han­no­ver sein Haus nicht mehr ver­las­sen darf, der muss wenig­stens Han­no­ver nicht sehen. Dar­über hin­aus ist das Errich­ten eines potem­ki­schen Dor­fes sicher­lich nicht die klüg­ste Tak­tik, wenn man nicht nur Zorn auf sich zie­hen möch­te, denn fried­fer­ti­ger wird man nicht dadurch, dass man Bewe­gungs­be­schrän­kun­gen auf­er­legt bekommt.

Ich hal­te den Hin­weis, „Oba­ma sei schließ­lich die gefähr­det­ste Per­son der Welt“, aller­dings auch für einen Tipp­feh­ler, denn viel­mehr haben wir es hier mit der gefähr­lich­sten Per­son der Welt zu tun. Die „gefähr­det­ste Per­son der Welt“ ist jeder, der in einem Land, das von der Armee Barack Oba­mas oder sei­nen Ver­bün­de­ten aus Sau­di-Ara­bi­en bom­bar­diert und besetzt wird, sei­nen Bun­ker ver­lässt, um zum Bei­spiel ein­zu­kau­fen – das ist schnell töd­lich. Gefähr­de­ter als Barack Oba­ma sind selbst die Ein­woh­ner des Han­no­ve­ra­ner Sperr­be­zirks, denn wenn sie es trotz erfolg­ter War­nung wagen soll­ten, wäh­rend der Sperr­zeit aus dem Fen­ster zu sehen, gel­ten min­de­stens unan­ge­neh­me Befra­gun­gen als sicher. Die­se Ter­ro­ri­sten tun immer so harm­los.

Der Besuch des US-Prä­si­den­ten sei ein wich­ti­ges Ereig­nis für die Stadt, des­halb bit­te er wäh­rend­des­sen alle Ein­woh­ner um Geduld, appel­lier­te Ober­bür­ger­mei­ster Ste­fan Scho­stok (SPD) im Vor­hin­ein.

Ist ja sonst nie was los in Han­no­ver.

In den NachrichtenNerdkramsSonstiges
Recht und Gesetz gegen Cano­ni­cal und VG Wort

Die ver­mut­lich Kri­mi­nel­len des Tages sind die Herr­schaf­ten hin­ter Cano­ni­cal, deren heu­te ver­öf­fent­lich­tes Ubun­tu 16.04 (Sym­bol­bild) mal eben absicht­lich die GPL ver­letzt und somit qua Gesetz ille­ga­le Soft­ware ist. Wel­che Wor­te Linux­er dafür fän­den, wür­de zum Bei­spiel Micro­soft beim Lizenz­bruch erwischt, möge sich der geneig­te Leser an die­ser Stel­le selbst aus­ma­len.

Dicht gefolgt wird Cano­ni­cal in der Rang­li­ste von den in der VG Wort orga­ni­sier­ten Ver­le­gern, die offen­sicht­lich jah­re­lang unrecht­mä­ßig Geld, das Autoren zustand, in die eige­ne Tasche gesteckt haben. Schon liest man erste Kom­men­ta­re, dass die nun zu erwar­ten­den Rück­for­de­run­gen das Ende des Ver­lags­we­sens besie­gel­ten; und noch eini­ge Jah­re nach dem Beschluss des Lei­stungs­schutz­rechts wird mein Bedau­ern dar­über über­schat­tet von einer unbän­di­gen Freu­de. Ich stel­le schon mal den Whis­ky warm.


Nur im über­tra­ge­nen Sin­ne kri­mi­nell ist bekannt­lich die Doof­heit gera­de jugend­li­cher Smart­phonen­ut­zer; selbst mir pas­siert es immer häu­fi­ger, dass ich öde blon­dier­ten Mäd­chen begeg­ne, die vor lau­ter Freu­de am Her­um­wi­schen auf ihrer Wan­ze für unter­wegs gan­ze Grün­pha­sen von Fuß­gän­ger­am­peln ver­pas­sen. Ich lache dann immer ein biss­chen. Die Stadt Augs­burg möch­te mir den Spaß jetzt aber neh­men:

Die Stadt­wer­ke Augs­burg testen der­zeit in Augs­burg an zwei Stra­ßen­bahn-Hal­te­stel­len LED-Boden-Ampeln, die Han­dy-Nut­zer vor Unfäl­len schüt­zen sol­len.

Gemein­heit.

PolitikIn den Nachrichten
F.Digitalkompetenz.P.

Die F.D.P., bekannt aus Funk und Fern­se­hen, macht Ernst:

Ange­sichts oft nur mit­tel­mä­ßi­ger Com­pu­ter-Kennt­nis­se deut­scher Schü­ler will die FDP digi­ta­le Kom­pe­ten­zen im Bil­dungs­sek­tor vor­an­trei­ben. [Gene­ral­se­kre­tä­rin Nico­la Beer] beton­te, Kin­der müss­ten „von Anfang an digi­ta­le Kom­pe­tenz erwer­ben kön­nen – egal, aus wel­chem Eltern­haus sie kom­men. Hier fängt sozia­le Gerech­tig­keit an. Wer digi­ta­les Analpha­be­ten­tum zulässt, ver­sün­digt sich.“

So ganz ohne reli­giö­ses Gedöns geht es eben nicht; und aber jeden­falls sol­len auch die ärm­sten Eltern­häu­ser ihrem Nach­wuchs zuvör­derst bei­brin­gen, wie man, dem von Frau Beer zitier­ten Vor­bild Est­land, wo 2012 das Schul­fach Pro­gram­mie­ren ab der ersten Klas­se ein­ge­führt wur­de, womit die Kin­der schon pro­gram­mie­ren (und ver­mut­lich Eng­lisch) ler­nen sol­len, bevor sie ihre Mut­ter­spra­che und grund­le­gen­de Mathe­ma­tik halb­wegs all­tags­taug­lich beherr­schen – denn wer braucht schon Bil­dung, wenn er statt­des­sen auch in einem IDE sei­ner Wahl das aber­tau­send­ste „Hal­lo Welt“ oder Tic-Tac-Toe zusam­men­klicken kann? -, gleich, mit so Com­pu­ter­krams umgeht, was aus den Rei­hen einer Par­tei, die zum Twit­tern einen exter­nen Dienst­lei­ster braucht, zumin­dest absurd klingt, aber man muss ja mit der Zeit gehen:

„Selbst Est­land hängt Deutsch­land ab bei der Digi­ta­li­sie­rung“, sag­te Beer. „Dort tanzt man schon lan­ge zu dem, was in Deutsch­land besten­falls Zukunfts­mu­sik ist.“ Hier­zu­lan­de indes trä­ten immer noch andau­ernd „Beden­ken­trä­ger auf die Brem­se“, kri­ti­sier­te die FDP-Poli­ti­ke­rin.

Beden­ken­trä­ger etwa wie Phil­ipp Rös­ler, der noch 2012 Netz­po­li­tik als Wirt­schafts­po­li­tik sah und die Wirt­schaft ja nun alles Ande­re als ein Freund des frei­en Aus­tauschs im Inter­net ist; der – Rös­ler – im Übri­gen sei­ner­zeit Vor­stand der­sel­ben F.D.P. war, die im März 2013 gegen ein biss­chen Vor­rats­da­ten­spei­che­rung nicht viel ein­zu­wen­den hat­te. Wenn ich an digi­ta­le Kom­pe­tenz auf dem Niveau eines Grund­schü­lers den­ke, fällt mir auch immer zuerst die F.D.P. ein.

Ob es jetzt unbe­dingt nötig ist, Kin­der zu Pro­gram­mie­rern zu machen, und ob Frau Beer das über­haupt mein­te, bleibt unklar; eben­so unklar lei­der aller­dings auf jeden Fall, woher die­se Digi­tal­kom­pe­tenz ange­sichts mit dem tech­ni­schen Wan­del über­for­der­ten Leh­rern, viel zu lang­sam anzu­pas­sen­den Cur­ri­cu­la und der Eltern­ge­nera­ti­on, die „das Inter­net“ nicht mehr von Face­book und allen­falls Whats­App und You­Tube unter­schei­den kann, denn kom­men soll.

Viel­leicht soll­te die F.D.P. erst ein­mal etwas dafür tun, dass die­je­ni­gen, die Digi­tal­kom­pe­tenz ver­mit­teln sol­len, die­se Digi­tal­kom­pe­tenz ver­mit­telt bekom­men. Dafür gibt es doch sicher auch einen exter­nen Dienst­lei­ster.


Apro­pos Kom­pe­tenz: Schu­le in North Caro­li­na eröff­net einen Schieß­stand. Damit die lie­ben Klei­nen das Zie­len üben kön­nen und nicht immer aus Ver­se­hen ihre Mit­schü­ler umnie­ten, weil sie den Leh­rer nicht erwischt haben.

In den NachrichtenPolitik
Chri­sti­ne Buch­holz: Mit dem Flam­men­wer­fer gegen Brand­stif­ter.

ZEIT ONLINE, 2008:

Vor­stands­mit­glie­der der Lin­ken, wie Chri­sti­ne Buch­holz, sym­pa­thi­sie­ren offen mit der palä­sti­nen­si­schen Hamas oder der liba­ne­si­schen His­bol­lah, die bei­de zur Ver­nich­tung des israe­li­schen Staa­tes auf­ru­fen.

Jüdi­sche All­ge­mei­ne, 2010:

In der Erklä­rung ver­langt die Lin­ke die Schaf­fung eines palä­sti­nen­si­schen Staa­tes, bekennt sich zum Exi­stenz­recht Isra­els in den Gren­zen von 1967, for­dert den Stopp des Sied­lungs­baus und »die Ein­be­zie­hung der Hamas in poli­ti­sche Gesprä­che«. (…) bei (…) einer Gegen­stim­me der Abge­ord­ne­ten Chri­sti­ne Buch­holz

Blog „Mis­si­on Impos­si­ble“, 2014:

Inge Höger, Annet­te Groth Hei­ke Hän­sel, Sahra Wagen­knecht, Chri­sti­ne Buch­holz und Nor­man Paech gehö­ren zu der “Creme de la Creme” der “Isra­el­kri­ti­ker” in der Links­par­tei, sie sind frei­lich nur die Spit­ze des anti­se­mi­ti­schen Eis­ber­ges die­ser Par­tei.

ZEIT ONLINE, 17. April 2016:

Die reli­gi­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken, Chri­sti­ne Buch­holz, warf der AfD Islam­hass und eine Ver­gif­tung des gesell­schaft­li­chen Kli­mas vor. „Die AfD wirft gei­sti­ge Brand­sät­ze und ist so mit­ver­ant­wort­lich für die stei­gen­de Zahl von islam­feind­li­chen Über­grif­fen und Anschlä­gen auf Flücht­lings­hei­me.“

Feu­er frei.

In den NachrichtenMontagsmusik
June of 44 – Cut Your Face

Och!Es ist Mon­tag. Es könn­te schlim­mer sein, man könn­te in Mag­de­burg woh­nen; aber sein Leben hat man trotz­dem nicht im Griff. Der lau­fen­de Frie­dens­pro­zess wird zur­zeit durch hef­ti­ge Kampf­hand­lun­gen gestört und genau so fühlt es sich auch an, wie hef­ti­ge Kampf­hand­lun­gen mit sich selbst, wohl wis­send, dass man das han­di­cap hat, bei einem Kampf mit sich selbst grund­sätz­lich als Ver­lie­rer her­vor­zu­ge­hen.

Allein: auch Män­ner haben Gefüh­le (es sind, glaubt man Farin Urlaub, unge­fähr drei). Man­che füh­ren sogar eine lang­jäh­ri­ge Bezie­hung mit einer Karot­te:

Dass es dann zu einer beson­de­ren Bezie­hung zwi­schen die­ser Plüsch­möh­re und mir kam, lag vor allem an mei­ner dama­li­gen Freun­din. (…) Ich moch­te es, Dör­te anzu­schau­en. Und da es gera­de die Zeit der ersten Digi­tal­ka­me­ras war und ich viel über­schüs­si­ge Ener­gie in expe­ri­men­tel­le Foto­gra­fie inve­stier­te, hat­te ich den Wunsch, mei­ne Freun­din an unter­schied­li­chen Orten zu foto­gra­fie­ren. (…) Auf Unver­ständ­nis folg­te Streit, dann Wut, dann Trotz, dann mei­ne Möh­re. Statt Dör­te foto­gra­fier­te ich fort­an nur noch mein Lieb­lings­ge­mü­se.

Apro­pos Din­ge, die eine Tugend sind: Die diesmo­na­ti­ge „JOY“ emp­fiehlt 26 „Moves & Posen“ (sic!), die eine Frau anwen­den soll, wenn sie beim Bum­sen sexy aus­se­hen will. Es wird Früh­ling. Merkt ihr’s? Ita­lie­ni­sche Poli­zi­sten ver­tei­di­gen sich als Piz­za­bo­ten, Mam­ma mia, der Witz über Res­sen­ti­ments schreibt sich ja fast von allein.

Aber es ist Mon­tag. Das ist nicht wit­zig. Das ist eher so.

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 15. April 2016

Es war gera­de­zu skan­da­lös:

Beim dies­jäh­ri­gen Linz-Mara­thon, der am Wochen­en­de über die Büh­ne ging, sorg­ten über­mo­ti­vier­te Eltern für ein empö­ren­des Bild: Es zeigt, wie sie ihre heu­len­den Kin­der an den Hän­den über die Ziel­li­nie zerr­ten.

Aber kei­ne Sor­ge – die Eltern haben dar­aus gelernt:

Die Eltern, die ihre wei­nen­den Kin­der beim Lin­zer Juni­or-Mara­thon ins Ziel gezerrt hat­ten, über­rasch­ten sie jetzt mit einem Aus­flug ins Dis­ney­land Paris als Wie­der­gut­ma­chung. Vor Ort ent­brann­te jedoch ein Kon­kur­renz­kampf unter den Eltern. Sie zerr­ten ihre wei­nen­den Kin­der stun­den­lang durch das Dis­ney­land, um vor den ande­ren fer­tig zu sein.

(Rant­no­tiz, absicht­lich mit „t“ geschrie­ben: Eltern, die ihr Kind an sei­nen Lei­stun­gen mes­sen und ihm bei bes­se­ren oder schlech­te­ren Sport­er­geb­nis­sen, Schul­no­ten oder Model­plat­zie­run­gen mehr oder weni­ger Zunei­gung und Für­sor­ge ent­ge­gen­brin­gen, haben es nicht ver­dient, Eltern genannt zu wer­den. Das Kind als Tro­phäe auf­zu­zie­hen, weil man in sei­nem eige­nen Leben jäm­mer­lich beim Ver­such ver­sagt hat, stolz auf sich selbst sein zu kön­nen, ist einer der erbärm­lich­sten Trie­be, die die heu­ti­ge Gesell­schaft noch nicht gene­rell zu einer Äch­tung des Ver­sa­gen­den ver­lei­ten.)


Aus der belieb­ten Rei­he „ich ernäh­re mich vegan, denn vegan ist gesund“:

Das „Veganz Hanf­pro­te­in-Pul­ver Roh­kost­qua­li­tät“ ent­hal­te so viel Del­ta-9-Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol (THC), dass bei Klein­kin­dern die maxi­mal emp­foh­le­ne täg­li­che Auf­nah­me über­schrit­ten wer­den kön­ne[.]

Die „Ernaeh­rungs Umschau“ (sic!) rät in ihrer aktu­el­len Aus­ga­be ja prin­zi­pi­ell dazu, dass Vega­ner ihre Man­gel­er­näh­rung gele­gent­lich mal über­prü­fen las­sen. Womög­lich soll­te außer­dem ein Dro­gen­be­ra­ter anwe­send sein.


Pro­blem: Debi­an Linux lie­fert zu alte Soft­ware aus. Die offen­sicht­li­che Lösung: Den ner­vi­gen Hin­weis dar­auf, dass es eine neue­re Ver­si­on gibt, ein­fach ent­fer­nen.


Als ich mich unlängst über Raser auf­reg­te, hat­te ich gar nicht bedacht, dass es für Leu­te, die wie Arsch­lö­cher fah­ren, auch freund­li­che­re Begrif­fe geben könn­te. „SPIEGEL ONLINE“ schlägt „Tem­po­sün­der“ vor, denn wenn jemand irgend­wen tot­fährt, weil er zum Bei­spiel in einer ver­kehrs­be­ru­hig­ten Zone drin­gend auf’s Gas tre­ten muss­te, dann rei­chen vier Vater­un­sers und sie­ben Ave­ma­ri­as und dann ist alles wie­der in bester Ord­nung, denn im Gegen­satz zu einer aso­zia­len Straf­tat ver­zeiht der lie­be Kreuz­fah­rer­gott klei­ne Sün­den sofort. Lobet den Herrn.

PolitikNetzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: War­um Jakob Aug­stein nicht wäh­len darf.

Kennt ihr eigent­lich Jakob Aug­stein?

Jakob Aug­stein ist, weiß die Autoren­in­for­ma­ti­ons­spal­te auf „SPIEGEL ONLINE“, der­zeit Ver­le­ger der Wochen­zei­tung „Der Frei­tag“, über die man gemäß jener Spal­te nichts Inhalt­li­ches wis­sen muss, aber wenig­stens sehe sie gut aus:

Die Gestal­tung des Lay­outs vom „Frei­tag“ wur­de bereits viel­fach aus­ge­zeich­net, unter ande­rem durch den Art Direc­tors Club, die Lead Awards, den Euro­pean News­pa­per Award und die Socie­ty for News Design.

Wenn Jakob Aug­stein nicht gera­de Zei­tun­gen ver­legt, deren ein­zig nen­nens­wer­te Eigen­schaft ihr Aus­se­hen ist, schreibt er „SPIEGEL ONLINE“ mit fürch­ter­li­chen Kolum­nen voll, in denen er käsi­ge Den­k­un­fäl­le wie die­sen hier ver­ur­sacht und dann Fah­rer­flucht begeht:

Sol­len die Men­schen an den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen mehr betei­ligt wer­den? Bloß nicht. (…) Es betei­ligt sich eben nicht „das Volk“ – son­dern nur ein bestimm­ter Aus­schnitt, vor allem die Gebil­de­ten und die Män­ner.

Jakob Aug­stein fühlt sich von poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen und erklärt die Demo­kra­tie für geschei­tert, weil nur Gebil­de­te und Män­ner sich an demo­kra­ti­schen Wah­len betei­lig­ten – dass jemand wie er selbst sich da nur unzu­rei­chend ver­tre­ten fühlt, liegt nur all­zu offen­sicht­lich auf der Hand.

Wir brau­chen ein beson­de­res Wahl­recht für Doo­fe, damit auch Jakob Aug­stein eine Stim­me bekommt. Inklu­si­on ist das Gebot der Stun­de.