NetzfundstückeNerdkrams
Nope.js

(Vor­be­mer­kung: Mei­ne per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit Node.js beschrän­ken sich außer der test­wei­sen Instal­la­ti­on von Ether­pad Lite auf den zumin­dest erfolg­rei­chen Ver­such, eine Desk­top­an­wen­dung mit Elec­tron zu schrei­ben. Die­se Anwen­dung wird aller­dings zunächst in einer anstän­di­gen Spra­che neu imple­men­tiert, bevor ich sie für hier ver­öf­fent­li­chungs­taug­lich hal­te; auch, weil Node.js eine schlicht unbrauch­ba­re Pro­gram­mier­um­ge­bung ist.)

Die­ser Tage geht das NPM-Deba­kel durch deut­sche Tech­nik­me­di­en, das sich etwa fol­gen­der­ma­ßen zusam­men­fas­sen lässt: Der Ent­wick­ler einer bekann­ten und viel genutz­ten Java­Script-Biblio­thek, die aus einem Zufall her­aus genau so heißt wie einer der zahl­rei­chen ICQ-Klo­ne, wird von den Machern die­ses ICQ-Klons dar­um gebe­ten, den Namen zur eige­nen Ver­wen­dung frei­zu­ge­ben; er bie­tet ihnen kulant an, dass sie ihm den Namen abkau­fen kön­nen, sie leh­nen ab und dro­hen statt­des­sen den Machern von „npm“, einem gro­ßen Ver­zeich­nis von Java­Script-Biblio­the­ken, mit recht­li­chen Schrit­ten, wenn sie den Namen für ihre geplan­te Biblio­thek nicht frei­ge­ge­ben bekom­men. Der Ent­wick­ler der ein­gangs erwähn­ten Biblio­thek bekommt also „sei­nen“ Namen von Drit­ten ent­zo­gen und zieht dar­auf­hin ver­ständ­li­cher­wei­se erbost all sei­ne Pro­jek­te aus dem Ver­zeich­nis zurück, wor­auf­hin offen­sicht­lich ein bedeut­sa­mer Teil der dort auf­ge­führ­ten Pro­jek­te, dar­un­ter gro­ße Frame­works wie React.js, plötz­lich nicht mehr funk­tio­nier­te, weil sie ihrer­seits für tri­via­le Auf­ga­ben (dazu kom­me ich gleich) auf sei­nen Code zurück­ge­grif­fen haben.

Nun könn­te man dar­über spe­ku­lie­ren, wer hier eigent­lich „die Schuld“ trägt und ob der Kapi­ta­lis­mus nicht drin­gend abge­schafft wer­den soll­te, um sol­che Strei­tig­kei­ten um Mar­ken­rech­te künf­tig nicht mehr zu lukra­ti­ven Neben­ein­nah­men machen zu kön­nen. Dabei liegt das Pro­blem viel näher – das Pro­blem heißt Node.js.

‘Nope.js’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Sie haben den Ter­ror gewählt.

Was immer der Ter­ro­ris­mus will, ob Gerech­tig­keit oder Macht­er­halt, ist Gegen­stand man­cher Spe­ku­la­ti­on; Einig­keit scheint dar­über zu bestehen, dass er die west­li­chen Wer­te bekämp­fen will, näm­lich Frei­heit, Indi­vi­dua­lis­mus und so wei­ter.

Wenn es das ist, was einen Ter­ro­ri­sten defi­niert, dann ist der Isla­mis­mus unser gering­stes Pro­blem.

Frei­heit ist nicht ohne Sicher­heit denk­bar.
@csu

CDU-Innen­mi­ni­ster Tho­mas de Mai­ziè­re gibt zu beden­ken, die Atten­ta­te hät­ten „unse­rer Frei­heit“ und „allen, die Teil der EU sind“ gegol­ten, ist von den Anschlä­gen in Brüs­sel aller­dings anschei­nend so sehr ent­täuscht, dass er künf­ti­gen Ter­ro­ri­sten­ge­ne­ra­tio­nen noch in den „Tages­the­men“ vor­mach­te, wie das mit dem „Anschlag auf die Frei­heit“ künf­tig effi­zi­en­ter als mit irgend­wel­chen Spreng­sät­zen ablau­fen kann:

Daten­schutz ist schön, aber in Kri­sen­zei­ten hat Sicher­heit Vor­rang.

Die­sel­be CDU/CSU, die dem Westen die Frei­heit neh­men will, ruft nun zur Ver­tei­di­gung gegen die Fein­de die­ser Frei­heit auf. Das ist bizarr, aber lobens­wert. Wir soll­ten unser Bestes tun, um die­sem Wunsch nach­zu­kom­men.

SonstigesIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XCVI: Sen­sa­ti­ons­ter­ro­ris­mus

Gefällt mirDie Kom­pa­gnons des geris­se­nen Bur­schen, der sich mona­te­lang zu Hau­se ver­steckt hat­te, was eine mit der neue­sten Über­wa­chungs­tech­no­lo­gie aus­ge­stat­te­te über­staat­li­che Poli­zei nur mit Mühe her­aus­fin­den konn­te, haben heu­te effekt­reich mit­ge­teilt, dass sie es nicht gut fin­den, wenn die Welt nicht mehr von ihnen spricht. Pri­ma, end­lich wie­der was los in Euro­pa!

Was? Nein, nicht pri­ma für den Frie­den und die Ratio­na­li­tät, um Him­mels Wil­len! Für den Jour­na­lis­mus natür­lich, den Goog­le und Face­book fast an den Bet­tel­stab gebracht hät­ten; denn zwar wuss­te man auch nach Stun­den eigent­lich nichts, außer dass das rou­ti­ne­mä­ßi­ge Befum­meln von Flug­pas­sa­gie­ren einen Flug­ha­fen nicht schützt und dass irgend­was explo­diert ist, nach­dem irgend­wer Ara­bisch gespro­chen hat, was in einer Stadt wie Brüs­sel ja schon mal pas­sie­ren kann, aber für „Wir wis­sen nichts“ kriegt man – ich deu­te­te es an – auch kei­ne Wer­be­flä­che voll. Die Anschlä­ge „dürf­ten“, so spe­ku­lier­te man zeit­nah und lan­ge vor der Offen­ba­rung sei­tens der ver­meint­li­chen Draht­zie­her auf „ZEIT ONLINE“, „das Werk dschi­ha­di­sti­scher Ter­ro­ri­sten sein“, und wenn nicht, dann eben nicht.

Schon nach weni­gen Minu­ten hat­te jede halb­wegs gro­ße Nach­rich­ten­web­site min­de­stens einen Live­ticker und meh­re­re Arti­kel mit den immer glei­chen Auf­nah­men: Die immer glei­chen Men­schen, die blu­ten, ren­nen, wei­nen. Mit irgend­was muss man sei­ne not­dürf­tig getarn­ten Wer­be­flä­chen ja bebil­dern, und Men­schen gucken gern dahin, wo es Leid gibt. Gucken­se mal trau­rig, Frol­l­ein. Dür­fen wir Ihre Schmer­zen zei­gen, um Klicks zu gene­rie­ren? Nicht? Machen wir trotz­dem, natür­lich unver­pi­xelt, denn das ist exklu­siv, das bringt Leser. Das ätzen­de „SPIEGEL ONLINE“, das ein trau­ri­ger Zeu­ge des viel zu lang­sa­men Ster­bens von sog. „Online­jour­na­lis­mus“ ist, emp­fiehlt: „Lesen Sie dazu auch: Ama­teur­vi­deo: Flucht und Panik nach der Explo­si­on am Flug­ha­fen“. Das ist authen­tisch, das wol­len die Leu­te sehen. Dau­men hoch! – Dass die Gesten „Dau­men hoch“ und „Dau­men run­ter“, vom jewei­li­gen Feld­herrn aus­ge­führt, in der Anti­ke, so sagt man, über Leben und Tod eines Gla­dia­tors ent­schie­den, ist auch inso­fern eine bemer­kens­wer­te Par­al­le­le.

Aber was macht der Westen nun mit all den Anschlä­gen? Ändert euer Twit­ter­ava­tar, betet für Brüs­sel, denn Reli­gi­on hilft bekannt­lich immer. Je suis le Man­ne­ken-Pis. BND und NSA hat­ten Bel­gi­en bekannt­lich bereits über­wacht, was offen­sicht­lich super funk­tio­niert hat. Da hel­fen nur noch mehr Kame­ras und, natür­lich, die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung; damit man hin­ter­her sagen kann, man habe ja so einen Ver­dacht gehabt. „Recht“ wie in „Rich­ten“, nicht wie in „Frei­heits­rech­te“. Hörn­se­ma, hier ist gera­de der Terrorismus!!11 vor Ihrer Haus­tür und Sie wol­len Frei­heit für sich in Anspruch neh­men? Ganz schön ver­däch­tig, kom­mense mal mit.

Machen Sie Schluss

Bild­strecke! Klickst du an, siehst du Qual!

Kei­ner soll sagen, er habe von nichts gewusst.


Viel­leicht noch dies als Schluss­ak­kord: Frau­en­quo­ten waren, sind und blei­ben ver­fas­sungs­wid­rig. Empört euch!

PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Geni­tal­ver­stüm­me­lung muss deutsch blei­ben!

Ronald Düker („ZEIT ONLINE“) wirkt ehr­lich begei­stert, dass ihm, äh, den Flücht­lin­gen end­lich mal wer erklärt, wie Ficken geht:

Das Auf­klä­rungs­por­tal „Zan­zu – Mein Kör­per in Wort und Bild“ rich­tet sich an Migran­ten. „Vor allem zu uns geflüch­te­te Men­schen“, heißt es in einer amt­li­chen Mit­tei­lung, „die noch nicht lan­ge in Deutsch­land leben, erhal­ten hier einen dis­kre­ten und direk­ten Zugang zu Wis­sen in die­sem Bereich.“

Man lernt dort: Sex ist ganz in Ord­nung, wenn alle Betei­lig­ten Spaß dar­an haben und nie­man­dem etwas zustößt. Dabei gibt der Ver­ant­wort­li­che für das Schnack­sel­por­tal, das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Gesund­heit, den väter­li­chen Rat­ge­ber, ver­zich­tet jedoch lei­der dar­auf, das mit den Geset­zen all­zu genau zu neh­men:

Nur am Ran­de dräut Ärger durch Über­schrei­tun­gen, die den Flücht­lin­gen dann doch zuge­traut wer­den. Eige­ne Abtei­lung: Geni­tal­ver­stüm­me­lung, die „ist in Deutsch­land gesetz­lich ver­bo­ten“.

So weit, so Quatsch.

Ende Dezem­ber 2012 hat die dama­li­ge Bun­des­re­gie­rung das gesetz­li­che Ver­bot von Geni­tal­ver­stüm­me­lung durch den Erlass von § 1631d BGB gelockert, in dem es heißt:

(1) Die Per­so­nen­sor­ge umfasst auch das Recht, in eine medi­zi­nisch nicht erfor­der­li­che Beschnei­dung des nicht ein­sichts- und urteils­fä­hi­gen männ­li­chen Kin­des ein­zu­wil­li­gen, wenn die­se nach den Regeln der ärzt­li­chen Kunst durch­ge­führt wer­den soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschnei­dung auch unter Berück­sich­ti­gung ihres Zwecks das Kin­des­wohl gefähr­det wird.

Das heißt: Ein sor­ge­be­rech­tig­ter Vor­mund, zum Bei­spiel eine nur heim­lich gei­stes­ge­stör­te Mut­ter, hat hoch­of­fi­zi­ös das Recht, aus nicht nen­nens­wer­ten Grün­den die Geni­ta­li­en ihrer Söh­ne – natür­lich nicht der Töch­ter, die­ses Pri­vi­leg steht in einem anstän­di­gen Patri­ar­chat gefäl­ligst nur Söh­nen zu – ver­stüm­meln zu las­sen (denn was, wenn nicht Ver­stüm­me­lung, ist das Abschnei­den klei­ner Kör­per­tei­le wie Ohr­läpp­chen, Fin­ger­kup­pen oder Vor­häu­ten?), so lan­ge es jemand tut, der nach­weis­lich ärzt­li­che Kunst zu voll­zie­hen ver­mag, und sei sie auch noch so abstrakt.

Es kommt noch schlim­mer:

(2) In den ersten sechs Mona­ten nach der Geburt des Kin­des dür­fen auch von einer Reli­gi­ons­ge­sell­schaft dazu vor­ge­se­he­ne Per­so­nen Beschnei­dun­gen gemäß Absatz 1 durch­füh­ren, wenn sie dafür beson­ders aus­ge­bil­det und, ohne Arzt zu sein, für die Durch­füh­rung der Beschnei­dung ver­gleich­bar befä­higt sind.

So genau muss man es mit der ärzt­li­chen Kunst nicht neh­men: Ein für das Befas­sen mit Kin­der­ge­ni­ta­li­en beson­ders aus­ge­bil­de­ter (zum Bei­spiel katho­li­scher) „dazu vor­ge­se­he­ner“ Heils­brin­ger darf – von not­wen­di­ger Ein­wil­li­gung der Sor­ge­be­rech­tig­ten spricht das Gesetz hier inter­es­san­ter­wei­se nicht – im ersten hal­ben Lebens­jahr dem Kind (lies: dem männ­li­chen Kind) das Fort­pflan­zungs­or­gan zer­schnei­den. Ein paar Kunst­feh­ler fal­len in der Sta­ti­stik kaum auf.

Man kann nur hof­fen, dass die­je­ni­gen Flücht­lin­ge, die hier blei­ben wol­len, mög­lichst gott­lo­se und anstän­di­ge Eltern haben.

PolitikIn den Nachrichten
Wer­te im Wind

In Ham­burg sitzt seit 2015 die AfD, das in Deutsch­land umge­hen­de Gespenst, in der Bür­ger­schaft her­um, aller­dings als schwäch­ste der dor­ti­gen Par­tei­en mit nur 6,1 Pro­zent der Stim­men. Erstaun­li­cher­wei­se ist Ham­burg seit­dem noch immer nicht von schwe­ren Kri­sen heim­ge­sucht wor­den.

Zeit, das zu ändern, fin­det die Ham­bur­ger CDU:

Die Ham­bur­ger CDU will in öffent­li­chen Schu­len in Ham­burg die deut­sche und die euro­päi­sche Flag­ge his­sen als „iden­ti­täts­stif­ten­de Sym­bo­le unse­rer Wer­te­ord­nung“. (…) Es gehe dabei nicht um „Deutsch­tü­me­lei oder natio­na­li­sti­sche Über­hö­hung“, sag­te Prien. Den Kin­dern sol­le hin­ge­gen ein „wer­te­ge­bun­de­ner Patrio­tis­mus“ ver­mit­telt wer­den.

Es ist inso­fern nur wenig über­ra­schend, dass die CDU sich von der AfD distan­ziert. Mit Ver­rück­ten will man ja nichts zu tun haben.

MontagsmusikNetzfundstücke
Leo­nard Cohen – Store Room

Flügel schonend fliegen.Mon­tag, du Wochen­tag gewor­de­ner aus­ge­streck­ter Mit­tel­fin­ger. Wenn die Auf­tei­lung der Woche Men­schen­werk ist, ist die blo­ße Beschaf­fen­heit des Mon­tags ein wei­te­rer Grund zur Mis­an­thro­pie.

Zumal doch schon Leu­te, die einem nicht mon­tags begeg­nen, an der Sinn­haf­tig­keit mensch­li­chen Daseins zwei­feln las­sen: Het­e­ro­to­pie auf der Toi­let­te, die Selbst­er­nied­ri­gung durch Imi­ta­ti­on ist in der Bild­chen­ge­sell­schaft mit beäng­sti­gend wenig Scham­ge­fühl ver­bun­den. Ich bin ja nicht kon­ser­va­tiv, aber ein wenig weni­ger Gaga wäre der zuge­knöpf­ten Zeit wirk­lich ange­mes­sen. Apro­pos Ernied­ri­gung; ein Blick nach links. Sprach­ver­hun­zer, Twit­ter­trol­le, Kapu­zen­hei­nis, Gen­der­s­pral­los. Ist das ‚links‘? Kann man das „ver­ei­nen“? Will das irgend­wer? Ist das Kunst oder kann das weg?

Gran­dio­se Idee des Monats: WLAN in Herz­schritt­ma­chern, weil ein Gerät ohne WLAN kein gutes Gerät sein kann. Was kann schon schief­ge­hen? – Aber es heißt ja, ein Mensch soll­te nie­mals die Mode igno­rie­ren, auch nicht in der Küche. Für „SPIEGEL ONLINE“ ermit­tel­te man, dass die Mode gera­de auto­the­ra­peu­ti­sches Erkennt­nis­backen umfasst. Ich backe ver­brann­ten Kuchen, schon der Far­be wegen.

Erwähn­te ich, dass Mon­tag ist?

Leo­nard Cohen – Store Room (1967)

There’s not­hing left to choo­se and the­re is so much more to lose.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Karokh – Need­le, Thread & Nail Polish

Karokh - Needle, Thread & Nail PolishWisst ihr noch, Karokh? Waren sie 2014 noch eine Über­ra­schung für mich, so hat­te ich sie im Fol­ge­jahr doch wie­der völ­lig aus den Augen ver­lo­ren. Um so erfreu­li­cher ist ihre Rück­kehr in zumin­dest mein Bewusst­sein.

Nur 31:31 Minu­ten lang ist das mit einem kur­zen Tweet ange­kün­dig­te zwei­te Album der sie­ben Oslo­er, dafür gibt es außer MP3 auch Vinyl dazu. „Nadel, Faden und Nagel­po­li­tur“, frü­her haben sich nur schlim­me Folk­bands sol­che Titel aus­ge­dacht, aber frü­her gab es auch viel zu vie­le davon. Dies jedoch ist Karokh. Karokh ist gut. Hören wir doch mal rein.

„Poke“ beginnt mit zurück­ge­hal­te­nem Gitar­ren­rhyth­mus, es klingt nach Süd­see und ein biss­chen Grunge. Es set­zen Trom­pe­te und Syn­the­si­zer ein – ah, doch kei­ne Kari­bik-CD, son­dern fei­ner Jazz­rock mit Gen­re­aus­flü­gen in inter­es­san­te Rich­tun­gen. Ina Sag­stu­en ist noch immer eine beein­drucken­de Sän­ge­rin mit Talent zur Vokal­akro­ba­tik, über­haupt ist Gleich­för­mig­keit für das Sep­tett noch immer nicht von Bedeu­tung. Wohl kal­ku­lier­te Miss­tö­ne erin­nern dar­an, dass man dem RIO (mit­un­ter: Thin­king Pla­gue) näher ist und blei­ben will als dem Belie­big­keits­pop. Dass wei­te Strecken des Lie­des mit einem ein­gän­gi­gen Kopf­nick­rhyth­mus unter­legt sind, kon­tra­stiert das schrä­ge Haupt­pro­gramm, des­sen gefühl­te Dis­so­nanz es nahe­zu unmög­lich macht, die­sem Drang nach­zu­ge­ben, vor­treff­lich. Ich mag das.

Apro­pos Kon­tra­ste: Lasst euch von „Smi­le“, etwa vier Minu­ten lang ein qua­si mini­ma­li­sti­sches, hyp­no­ti­sches Stück, nicht in fal­scher Sicher­heit wie­gen; sei­ne ver­stö­ren­de zwei­te Hälf­te, eine recht wil­de Schlacht der Instru­men­te, lässt kei­ne Ein­wän­de mehr gel­ten. Dage­gen klingt „Boo­gies“ teils gera­de­zu düster nach einem sur­rea­len Traum, in dem Pri­mus und Devo gemein­sam Peter Ham­mill covern (oder umge­kehrt), wäre da nicht der wider­spen­sti­ge Bass, der sich in die Wahr­neh­mung fräst und wie zum Trotz auch als letz­ter Ton abklingt. Leich­te Kost ist ja dann doch eher was für „SPIEGEL ONLINE“ als für unser­ei­nen; das haben wir jetzt davon.

Das Titel­stück als vor­letz­tes: Ah, Sech­zi­ger-Jah­re-Rock. Oder? Nein, eine Explo­si­on:

Karokh – Need­le, Thread and Nail Polish

Das vier­ein­halb­mi­nü­ti­ge und in sei­ner Ein­gän­gig- und Kan­ten­lo­sig­keit bei­na­he sin­gle­taug­li­che „Chu­de“, das das Album beschließt, run­det es zugleich wür­dig ab. Karokh haben sich auf ihrem Zweit­ling nicht ein­fach „wei­ter­ent­wickelt“, wie man es ja gern umschreibt, son­dern sind noch expe­ri­men­tel­ler, noch ver­spiel­ter gewor­den. So kann es blei­ben.

Die Plat­ten­fir­ma für das Album heißt „No Fore­vers“. Hof­fent­lich ist das nicht ernst gemeint.

Netzfundstücke
Nom.

Was hat uns allen denn noch gefehlt? Rich­tig:

Jes­sie ist Food­blog­ge­rin und seit kur­zem auch zu sehen bei Nom, einem neu­en Strea­ming­dienst für Essens­vi­de­os des You­Tube-Grün­ders Ste­ve Chen.

Viel­leicht grün­de ich näch­ste Woche „Klatsch“, einen neu­en Strea­ming­dienst für Vide­os, in denen sich Leu­te mit der fla­chen Hand ins Gesicht schla­gen. Kosten­lo­se Wer­bung dafür machen die Ande­ren schon jetzt.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 16. März 2016

Pri­ma Schlag­zei­le: Madon­na fällt betrun­ken vom Drei­rad.


Hur­ra, wir haben jeman­den umge­bracht!


Was pas­siert eigent­lich, wenn man im CDU-Land Sach­sen-Anhalt von der Poli­zei über­fah­ren wird? Mei­stens nichts, aber für even­tu­el­le Lack­schä­den hat man selbst auf­zu­kom­men.


Wäh­rend das Fraun­ho­fer-Insti­tut gemein­sam mit der BND-Toch­ter­fir­ma Tele­kom sich mit der Erfin­dung beson­ders schlecht kon­zi­pier­ter Ver­schlüs­se­lung schmückt, hört man sogar von der Pira­ten­par­tei wie­der Sinn­vol­le­res: Die Stö­rer­haf­tung in WLANs ist eine unzu­läs­si­ge Rege­lung, befin­det man am Euro­päi­schen Gerichts­hof.


„SPIEGEL ONLINE“, das Fach­ma­ga­zin für Poli­tik­ver­mei­dung, zeigt sich beru­higt: Wla­di­mir Putin hat kein Bügel­brett im Arbeits­zim­mer.


Beru­hi­gen­de Wor­te schließ­lich auch für das Föje­tong: Wer am Wochen­en­de nicht die AfD gewählt hat, hat Ange­la Mer­kel gewählt und damit – das bleibt im Dun­keln – die Par­tei, die die Außen­gren­zen der EU vor Flücht­lin­gen schützt.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Kein Frag­ment (Klam­mern). // Bryan Fer­ry – Bit­ter-Sweet

Käuzchen in mondloser Nacht(… und dann ist Mon­tag und man hat wie­der ein­mal ver­sagt, weil man es oder wenig­stens sich selbst nicht abwar­ten konn­te und man vor Sich­gut­füh­len manch­mal eben doch die Lage ver­kennt und zeigt, was man für müh­sam unter Kon­trol­le bekom­men hielt, weil man ein­fach nicht ver­ste­hen kann, was man hat und war­um man es hat und dass nichts, aber auch gar nichts ein Zufall ist. Man bekommt, was man ver­dient.

Es ist Mon­tag und man weiß genau, was dar­an falsch ist.

Bryan Fer­ry – Bit­ter-Sweet

Es ist immer zu früh, um ein­an­der ver­lo­ren zu geben, und doch: man ahnt, wie sich ein Käuz­chen fühlt; und schreit.)


Der­weil kol­la­biert die Welt. Drei Bun­des­län­der haben mit böser Mie­ne Quatsch gewählt („Land­tags­wah­len sind eine Art klei­ne Bun­des­tags­wahl“, Han­ne­lo­re Crol­ly, c/o „WELT ONLINE“) und Keith Emer­son ist tot; Frei­tod, sagen sie und mei­nen wahr­schein­lich nicht die drei Bun­des­län­der. Wei­ter möch­te man die Nach­rich­ten auch gar nicht lesen und tut es dann doch. Die Märk­te gehen durch die Decke, die Bos­se tan­zen Sam­ba, alles flüch­tet in Immo­bi­li­en, der Mak­ler reibt Hän­de ohne Ende, nur dei­ne Lebens­ver­si­che­rung ist lei­der total im Arsch, Papi.

Die Kas­sen stim­men. Mit­tel­stand, Gering­ver­die­ner? Das hat sich Erhard, sei­ner Par­tei zum Trotz, wahr­schein­lich auch anders vor­ge­stellt. Geht doch nach drü­ben. Uns geht es gut. Wir schaf­fen das, vor allem schaf­fen wir uns. Das gefällt nicht? Das macht nichts. Seht euch das Elend an und dann wählt etwas ande­res. Die dehy­drier­ten Grei­se, deren Ver­fall vom Gesund­heits­sy­stem in so enge Bah­nen gelenkt wur­de, dass es für ein Kreuz­chen bei Scheiß­par­tei­en alle zwei Jah­re noch aus­reicht, damit als Dan­ke­schön mehr Geld zwecks Ver­pras­sens von ihrer Ren­te gestri­chen wer­den kann, sind eure eige­ne Zukunft.

Die­je­ni­gen Wahl­krei­se in Sach­sen-Anhalt, in denen die AfD nicht zur Wahl stand, gin­gen alle­samt an die CDU; von der man aber auch genau das erwar­tet hät­te. Die Poli­tik von CDU und SPD wird kei­ne bes­se­re, wenn sie statt­des­sen von Grü­nen und AfD gemacht wird. Die Idio­kra­tie frisst ihre Kin­der.

Tief durch­at­men. Sie wer­den kom­men.

Guten Mor­gen.

PersönlichesComputer
Smar­tes Gucken im Aktiv­fern­se­hen

Dass der Mehr­wert des Fern­se­hens für das täg­li­che Leben mit dem nach wie vor anhal­ten­den Anstieg an pri­vat geführ­ten Fern­seh­sen­dern nicht unbe­dingt glei­cher­ma­ßen gestie­gen ist, set­ze ich als bekannt vor­aus. Den Wett­lauf um die schnell­sten Infor­ma­tio­nen hat bis auf Wei­te­res das Echt­zeit­me­di­um Twit­ter – jetzt auch mit Schmink­ge­sicht – gewon­nen, was schon kon­zep­tio­nell bedingt ist; wenn alle drei­ßig Minu­ten eine neue Nach­rich­ten­sen­dung pro­du­ziert wird, pas­siert für irgend­je­man­den Span­nen­des eben gern auch mal dazwi­schen.

Die Lücken zwi­schen den Nach­rich­ten vom Vor­tag fül­len meist eher unspan­nen­de Sen­dun­gen, die irgend­was mit casting zu tun haben und in denen neue „Talen­te“ zum spä­te­ren Ein­sin­gen von Alten­hei­men und Möbel­häu­sern gekürt wer­den sol­len, mit­un­ter unter­bro­chen von weni­gen Licht­blicken wie den „Simpsons“, die ich (allem Schlech­ter­wer­den zum Trotz) noch immer mag, wobei ich aller­dings bis­her nicht das Bedürf­nis ver­spür­te, mir für sol­che Aus­nah­men ein eige­nes Fern­seh­ge­rät zuzu­le­gen; die Gefahr, zum fal­schen Zeit­punkt das Gerät ein­zu­schal­ten und fort­an in ein Deli­ri­um zu ver­fal­len, wie Men­schen, die fern­seh­af­fi­ne Ver­wand­te und/oder Bekann­te haben, es sicher­lich bereits ken­nen, wäh­rend das Hirn all­mäh­lich eine brei­ig-käsi­ge Bewusst­seins­form annimmt, ist gera­de für uns Kopf­ar­bei­ter zu groß.

Mit dem Auf­trieb von so genann­ten „Smart-TVs“, prin­zi­pi­ell also Fern­seh­ge­rä­ten mit dau­ernd akti­vier­ter Wohn­zim­mer­ka­me­ra, die sich, weil es geht, mit euren Kühl­schrän­ken, Tre­so­ren, Glüh­bir­nen, Uhren und ins­be­son­de­re mit ihrem Her­stel­ler unter­hal­ten kön­nen, hat die Fern­seh­tech­nik sich zwar inzwi­schen auf so absur­de Grö­ßen auf­bla­sen las­sen, dass man das schlim­me Gesicht, das jeweils gera­de dum­mes Zeug im lau­fen­den Pro­gramm von sich zu geben über­be­zahlt wird, um ein Viel­fa­ches ver­grö­ßert ertra­gen darf, allein: die Qua­li­tät hat sich nicht ver­bes­sert. Da aber die Gerä­te nicht nur Daten über’s Netz sen­den, son­dern auch emp­fan­gen kön­nen, las­sen sie es zumin­dest zu, dass man statt einer Dau­er­wer­be­sen­dung, die nur sel­ten von zudem von offen­sicht­lich intel­li­genz­ver­ach­ten­den Ent­schei­dern ent­wor­fe­nem „Pro­gramm“ unter­bro­chen wer­den, auch Sen­dun­gen aus dem Inter­net bezie­hen kann, gern in Ver­bin­dung mit einem Abon­ne­ment von „Enter­tain“, „Net­flix“ (das es zu mei­ner Über­ra­schung auch ein­zeln, also ohne bei­gepack­tes Chil­len, zu geben scheint) oder ähn­li­chen Dien­sten, bei denen Seri­en zu mie­ten mir ähn­lich rat­sam erscheint wie mei­ne Plat­ten­samm­lung durch ein Spo­ti­fy- oder TIDAL-Abon­ne­ment zu erset­zen statt sie allen­falls gele­gent­lich zu ergän­zen, näm­lich nicht im Gering­sten. Die­ses strea­ming aber ver­rin­gert gera­de auch, nach­dem der Video­text vom Fern­se­hen auf ande­re Gerä­te umge­zo­gen ist, gege­be­nen­falls den noch von frü­he­ren Gene­ra­tio­nen geleb­ten Brauch, ein all­zu lang­wei­li­ges Pro­gramm nicht etwa aus­zu­schal­ten, um wie­der am rich­ti­gen (gar: Familien-)Leben teil­zu­neh­men, son­dern zu zap­pen, also so lan­ge die immer grö­ßer wer­den­de Anzahl an Sen­dern auf ihren Gehalt zu über­prü­fen, bis etwas zu sehen war, was zumin­dest für eini­ge Minu­ten nicht zu offen­sicht­li­che Lan­ge­wei­le ver­hieß. Beim „smar­ten“ Fern­se­hen sind die Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten etwas grö­ßer, man kann sich also eigent­lich recht lan­ge ohne nen­nens­wer­te Unter­bre­chung, sofern man das denn möch­te, berie­seln las­sen.

Eigent­lich.

Mein Fern­se­her hat sich gera­de abge­schal­tet, weil seit 4 Stun­den kei­ne Inter­ak­ti­on statt­ge­fun­den hat.

Es mag „abschalt­bar“ sein, aber die Prä­mis­se scheint unmiss­ver­ständ­lich: Wer vier Stun­den lang ein­fach nur fern­sieht, ohne eigent­lich anlass­los auf der Fern­be­die­nung her­um­zu­drücken, der wird von smar­ten Gerä­ten für zumin­dest ein­ge­schla­fen gehal­ten, was über das Ver­trau­en derer, die sol­che Gerä­te her­stel­len, in das, was sie zei­gen, mehr als das Nötig­ste aus­sagt, und wer sich mit einem smar­ten Fern­se­her über Stun­den hin­weg nicht knöpf­chen­drückend beschäf­tigt, der macht sich ver­däch­tig. Inter­ak­ti­ves Fern­se­hen mit Mit­mach­fak­tor ist Gebot, nicht bloß Ange­bot. Wenn ich es auch als ange­nehm emp­fin­de, wenn die Tech­nik sanft dar­auf auf­merk­sam macht, dass Men­schen, die mehr als vier Stun­den am Stück qua­si apa­thisch den unge­sun­den Müll in sich auf­neh­men, der sich Fern­seh­pro­gramm nen­nen lässt, drin­gend etwas ändern soll­ten, was in einer weni­ger roman­ti­schen Dar­stel­lungs­va­ri­an­te auch ein­fach nur irgend­was mit Ener­gie­ef­fi­zi­enz (die­se moder­nen Kern­kraf­t­er­satz­pla­ce­bos lie­fern eben nicht mehr genug Ener­gie, um sie nach Her­zens­lust zu ver­geu­den) zu tun haben könn­te, so bleibt doch die irri­tie­ren­de Erkennt­nis, dass man sich, woll­te man inter­agie­ren und nicht ein­fach glot­zen, lie­ber eine Mini­bar als einen Fern­se­her gekauft hät­te.

Die Rund­funk­ge­bühr soll­te Schmer­zens­steu­er hei­ßen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Marc Ribot Trio – Fat Man Blues

WachwachwachEs ist Mon­tag, es ist Zeit, sich noch­mals bevor­zugt gemein­sam im Bett her­um­zu­dre­hen (wenn nicht gar: zu wäl­zen), bevor die Pflicht ruft. Nacht­schla­fen­de Zeit har­mo­niert nicht mit Tages­licht.

Ande­ren ist die Flei­sches­lust eher fremd:

Über den freund­li­chen Wink an die Jung­stu­den­ten in Form von Kon­do­men herrsch­te ja noch ein leid­li­cher Kon­sens im Stu­den­ten­rat. Doch dann kam der Plan zur Anschaf­fung von je 5 000 vega­nen Kon­do­men und 5 000 dem – so die Erläu­te­rung – „siche­ren Oral­ver­kehr an Frau­en“ gewid­me­ten Leck­tü­chern zur Abstim­mung. Und wur­de von der Mehr­heit auch prompt gut­ge­hei­ßen[.]

Denn wenn Erst­se­me­ster eins wirk­lich brau­chen, dann sind es vega­ne Kon­do­me und Leck­tü­cher!

Aber wen inter­es­sie­ren schon sol­che Kin­ker­litz­chen, wenn es doch weit schlim­me­re Nach­rich­ten zu ver­mel­den gibt? Hes­sen hat gestern gewählt und die Rechts­po­pu­li­sten haben gewon­nen: Unge­fähr vier­zig Pro­zent der Wäh­ler gaben CDU oder SPD ihre Stim­me. Hes­sen hat­te ich gar nicht als so rück­stän­dig in Erin­ne­rung. Viel moder­ner ver­sucht der­weil „ZEIT ONLINE“ zu sein, die einen Arti­kel über das Zei­chen „@“ anläss­lich des Todes des Erfin­ders der E‑Mail Ray Tom­lin­son „Very s@d news“ beti­telt, „Very satd news“ also, was einer­seits herr­lich 90er, ande­rer­seits aber auch nicht weni­ger als däm­lich ist.

Lasst uns unge­ach­tet all des­sen beschwingt in die Woche star­ten.

Marc Ribot Trio Fat Man Blues

Guten Mor­gen.