Montagsmusik
3epkano – Here’s Hoping

Und die Eule blickte stumm...Es ist Mon­tag und so fühlt er sich auch an, was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt, da man sei­nen Sonn­tag schon am Sonn­abend hat­te und über­haupt gera­de alles durch­ein­an­der scheint, ins­be­son­de­re der Kopf. Visio­nen ret­ten nicht alles, oft nicht ein­mal ihren Besit­zer. Letz­te Aus­fahrt: Anschmie­gen mit Fingerspitzen(-)gefühl. (Und dann: Wohn­mo­bil ein­par­ken und nicht mehr weg­fah­ren.) Welch fei­ne Nar­re­tei. Alaaf, hel­au!

Aus der Welt der Com­pu­te­rei gibt es der­weil Fol­gen­des zu ver­mel­den: In einen Leno­vo-Lap­top einen Dritt­an­bie­ter-Akku ein­zu­bau­en ist nur so lan­ge eine gute Idee, bis man ihn laden möch­te; das geht näm­lich nicht, ohne den Akku­con­trol­ler zu patchen. Offen­sicht­lich wer­fen Leno­vo-Akkus der­art hohe Gewin­ne ab, dass eine Auf­recht­erhal­tung der Ver­kaufs­zah­len auch zu Ungun­sten der bereits zah­len­den Kun­den gebo­ten ist. Viel­leicht soll­te man sich von Leno­vo sowie­so fern­hal­ten. Wer nun aber statt­des­sen zu einem Apple-Gerät grei­fen möch­te, der soll­te auch lie­ber spen­da­bel sein: Nicht auto­ri­sier­te Repa­ra­tu­ren wer­den bestraft.

Ande­res bestraft indes der Welt­geist: In Pisa starb der Schau­spie­ler Rapha­el („Micha­el“, faz.net) Schu­ma­cher, indem er sich in einer insze­nier­ten Erhän­gen-Sze­ne tat­säch­lich selbst erhäng­te. Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen: Das ursprüng­li­che Skript sah Tod durch Erschie­ßen vor.

Drau­ßen und in Live­me­di­en tobt der Kar­ne­val, aber das Alter­na­tiv­an­ge­bot für die­je­ni­gen, die nicht mitt­oben möch­ten, könn­te gar nicht groß genug sein. Ich tra­ge mein Scherf­lein bei. Die Kopf­hö­rer auf dem Kopf, den Part­ner zur Sei­te, die Augen geschlos­sen und die Klap­pe ein­fach auch mal.

Here’s Hoping – 3epkano

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenWirtschaftPolitik
Ter­ror­geld

Das hat All­zweck­losmi­ni­ster Schäub­le schon rich­tig erkannt: Wer in die­sem Land trotz der hor­ren­den Steu­ern, der Infla­ti­on und der Miet­prei­se noch über eine nen­nens­wer­te Sum­me Bar­gel­des ver­fügt, der macht bestimmt was Anrü­chi­ges.

Nur sol­le die Geld­wä­sche bes­ser bekämpft wer­den. Und des­halb erwägt das Res­sort von Finanz­mi­ni­ster Wolf­gang Schäub­le (CDU), eine Ober­gren­ze für Bar­geld­ge­schäf­te von 5.000 Euro ein­zu­füh­ren. (…) Bei dem Vor­stoß, Zah­lun­gen ober­halb einer gewis­sen Gren­ze ver­pflich­tend per Über­wei­sung vor­zu­neh­men, gehe es nicht um die Abschaf­fung des Bar­gel­des, son­dern um die Bekämp­fung von Geld­wä­sche und Steu­er­be­trug im gro­ßen Stil.

Geld­trans­fers mit grö­ße­ren Beträ­gen sind also künf­tig bevor­zugt vir­tu­ell vor­zu­neh­men. Angst vor Über­wa­chung? So ein Quatsch. Die USA haben doch ver­spro­chen, in Zukunft ein biss­chen reu­iger zu gucken, wenn ihre Geheim­dien­ste bei der Arbeit ertappt wer­den. Auch eine Art von Moral.

Seid erkenn­bar; wich­ti­ger noch: seid ver­folg­bar! Es ist ja zu unser aller Wohl. Es wird die mei­sten Ver­bre­chen effi­zi­ent ver­hin­dern, wenn etwa durch unsau­be­re Geschäf­te erwor­be­nes Geld nur noch in Kof­fern aus­ge­tauscht wer­den kann, die höch­stens 5.000 Euro beinhal­ten. Mehr geht nicht, mehr ist ja ver­bo­ten.

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem ver­die­nen.
Fried­rich Schil­ler: „Kaba­le und Lie­be“

In den NachrichtenNerdkrams
Daten­schutz unter Fuchs­feu­er

Im Forum von „hei­se online“ ver­mel­de­te heu­te ein pseud­ony­mer Nut­zer, es brau­che eine Alter­na­ti­ve zur Such­ma­schi­ne von Goog­le, denn „wir“ könn­ten nicht „unser“ gesam­tes Wis­sen durch Goog­le „vor­fil­tern“ las­sen. Wenn doch nur jemand eine zwei­te Such­ma­schi­ne und ein unab­hän­gi­ges Nach­schla­ge­werk erfän­de!

Einen zwei­ten Brow­ser könn­ten „wir“ übri­gens auch mal brau­chen. Bei Mozil­la, einem der frü­her offen­sicht­li­chen Wer­be­kun­den von Goog­le, hat man schon seit län­ge­rer Zeit ein gespal­te­nes Ver­hält­nis zu Pri­vat­sphä­re und Daten­schutz; bei der Ent­schei­dung zwi­schen letz­te­ren Din­gen und einer mög­lichst dep­pen­si­che­ren user expe­ri­ence fal­len die­se Kri­te­ri­en mit­un­ter auch völ­lig aus der Pla­nung.

Ein häu­fi­ges Pro­blem von Web­nut­zern ist es, sich all die kom­pli­zier­ten Kom­bi­na­tio­nen aus Benut­zer­na­men und Pass­wör­tern zu mer­ken. Nicht jeder möch­te eine sepa­ra­te Pass­wort­ver­wal­tung nut­zen. Hier­für gibt es zum Bei­spiel den eta­blier­ten Dienst Ope­nID, der von vie­len Web­sites unter­stützt wird; vie­le Men­schen besit­zen bereits eine Ope­nID-Ken­nung, ohne es zu wis­sen. Mozil­la aber fand, es sei den Benut­zern nicht zuzu­mu­ten, Anmel­de­da­ten über einen Ser­ver ihrer Wahl veri­fi­zie­ren zu las­sen, und ersann Mozil­la Per­so­na, des­sen ein­zi­ger nen­nens­wer­ter Unter­schied zu Ope­nID dar­in besteht, dass es die Pass­wör­ter für 24 Stun­den im Brow­ser spei­chert, was für den Daten­schutz sicher­lich prin­zi­pi­ell sehr hilf­reich ist.

Nach­dem Mozil­la bekannt­ge­ge­ben hat­te, Per­so­na wegen man­geln­den Zuspruchs im Novem­ber die­ses Jah­res ein­zu­stel­len, muss­te natür­lich eine selbst­ge­strick­te Alter­na­ti­ve her, deren schnel­le Ver­brei­tung von vorn­her­ein sicher­ge­stellt sein soll­te. Das neue gro­ße Dings­bums nennt sich Fire­fox-Accounts, es wur­de bis­her vor­ran­gig für den Dienst „Fire­fox Sync“ ver­wen­det und soll künf­tig die ein­zi­ge Anmel­de­me­tho­de für alles sein, was mit Mozil­la zu tun hat. Ver­hin­dert wird damit die Tren­nung zwi­schen meh­re­ren Pseud­ony­men (ein ein­zel­ner Benut­zer von Mozil­la-Pro­duk­ten wird damit leich­ter iden­ti­fi­zier­bar), eben­so wird es nicht mehr mög­lich sein, sich mit einer belie­bi­gen, nicht ein­deu­tig zuor­den­ba­ren E‑Mail-Adres­se zum Bei­spiel auf der Addons-Sei­te anzu­mel­den.

Dem­nächst wird dann ein Mozil­la-Ent­schei­der viel­leicht die­se neue, hip­pe Funk­ti­on „Anmel­den mit Face­book“ ent­decken. Das wür­de das Pro­blem ja ein für alle­mal…

:irre:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Pur­po­seful Por­poi­se – Cycles

ChrrrrrrEs ist Mon­tag, ab jetzt geht’s berg­ab. Das Sonn­tags­mit­ein­an­der erin­nert stets dar­an, wie sehr es das Leben auf­wer­tet und sich dadurch unver­zicht­bar macht. Stand up, stand up, stand up. Das Dasein als Apho­ris­mus, man woll­te es nicht anders. Attrak­ti­on macht Sprach­ge­fühl kaputt und das ist eigent­lich nur ein biss­chen furcht­bar.

Man könn­te es ja auch schlim­mer haben, man könn­te statt­des­sen Staats­be­such aus dem Iran bekom­men. Erst mal die beschnie­del­ten Sta­tu­en ver­stecken. Sonst glaubt der noch, Ita­lie­ner hät­ten eine auf­ge­klär­te Gesell­schaft.

Darf man 2016 eigent­lich noch von einer auf­ge­klär­ten Gesell­schaft reden? Da flie­gen immer­hin Hand­gra­na­ten auf Flücht­lings­hei­me, was ja nun nicht beson­ders zivi­li­siert wirkt; aber kei­ne Sor­ge, die Schul­di­ge ist vom Föje­tong schon ermit­telt wor­den: Frau­ke Petry (AfD) befür­wor­tet bewaff­ne­ten Grenz­schutz, was natür­lich kon­tro­vers dis­ku­tiert („AfD ver­bie­ten! Nazis auf’s Maul!“ usw.) wird, denn die Deut­schen sol­len bit­te­schön nett zu Leu­ten sein, die hier rein­wol­len. Ande­ren geht das ja auch immer noch nicht schnell genug: Der offen­sicht­lich nicht mehr völ­lig dich­te Nato-Gene­ral­se­kre­tär, ein Herr Stol­ten­berg, for­dert mehr deut­sche Berufs­mör­der beim Ein­satz gegen das Böse. Irgend­wo mehr Sol­da­ten hin­zu­schicken war bekannt­lich schon immer ein Garant für ein fried­li­ches Mit­ein­an­der.

Frie­den ohne staat­lich geför­der­te Gewalt­tä­ter kön­nen oder wol­len sie nicht, aber „orga­ni­sie­ren kön­nen die Deut­schen“ (Traudl Jun­ge, 2001) aller­dings, und dafür reicht es alle­mal: Hit­ler ist nun kein Ehren­bür­ger von Ueter­sen mehr. Das hat er nun davon.

Wir hin­ge­gen haben von die­sem Mon­tag auch Musik.

Pur­po­seful Por­poi­se – Cycles

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
ZUGRIFF! – Ent­schul­di­gung. ZUGRIFF! – Ent­schul­di­gung. ZUGRIFF! Entsch-

Hopp­la:

Es ist kurz vor sechs Uhr, als Beam­te des Bie­le­fel­der Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos (SEK) und ihre Kol­le­gen einer Hun­dert­schaft an einem Mehr­fa­mi­li­en­haus an der Güters­lo­her Diek­stra­ße vor­fah­ren, sich schuss­si­che­re Westen und Sturm­hau­ben über­strei­fen und ihre Waf­fen in Anschlag neh­men. (…) Mit den Wor­ten: „Das ist die fal­sche Woh­nung“, ver­schwin­den sie so schnell, wie sie gekom­men waren. An der Tür zur Nach­bar­woh­nung setzt die ver­mumm­te Ein­griff­trup­pe erneut den Ramm­bock an. Wie­der wird ein Mann im Schlaf über­wäl­tigt, wie­der ist es der Fal­sche. Auch beim drit­ten Vor­stoß eine Eta­ge tie­fer sind die Poli­zi­sten an der fal­schen Adres­se. Erst der vier­te Anlauf gelingt.

:wallbash:

In den NachrichtenWirtschaft
VW: Das Manage­ment.

Wenn schon sonst nicht mehr auf vie­les Ver­lass ist, so hat doch wenig­stens der Volks­wa­gen-Kon­zern end­lich eine Ant­wort auf die Fra­ge gefun­den, wie man wie­der zu einer belieb­te­ren Auto­mar­ke wird. Dafür hat Mar­ken­chef Her­bert Diess kürz­lich ein „Zwölf-Punk­te-Pro­gramm“ vor­ge­stellt, das alles bes­ser machen soll.

Näm­lich so (Quel­le: Inter­net):

1. Welt­wei­te Posi­tio­nie­rung

Die ver­füg­ba­ren Auto­mar­ken des Kon­zerns sol­len an die jewei­li­gen Märk­te „ange­passt“ wer­den. Eini­ge Auto­mar­ken wer­den in bestimm­ten Län­dern also wegen gerin­ger Ver­kaufs­zah­len ver­mut­lich ein­ge­stellt wer­den.

Ver­mu­tung: Damit wer­den auch weni­ger Mit­ar­bei­ter benö­tigt.

2. Kosten und Auf­wand

Durch gerin­ge­re Kosten soll mehr Gewinn erzielt wer­den.

Ver­mu­tung: Über­mä­ßig teu­re Posten, zum Bei­spiel zu vie­le Mit­ar­bei­ter, wer­den redu­ziert.

3. Regi­ons­steue­rung

Regi­ons­ma­na­ger von Volks­wa­gen sol­len mehr Ein­fluss erhal­ten, um mehr Kon­trol­le über „ihr“ Gebiet zu haben.

Ver­mu­tung: Mit mehr Ver­ant­wor­tung geht auch mehr Gehalt für Mana­ger ein­her.

4. Neue Unter­neh­mens­kul­tur

Bei Volks­wa­gen soll ein rege­rer Aus­tausch zwi­schen den ver­schie­de­nen Unter­neh­mens­ebe­nen statt­fin­den. Wor­in das resul­tie­ren wird, bleibt abzu­war­ten.

5. Zukunft durch Effi­zi­enz

Es sol­len unter ande­rem Unter­neh­mens­pro­zes­se beschleu­nigt und ent­feh­lert wer­den, unnö­ti­ge und poten­zi­ell Feh­ler machen­de Zwi­schen­glie­der zwi­schen Füh­rungs­ebe­ne und Beleg­schaft und damit Mit­ar­bei­ter oder gan­ze Abtei­lun­gen ent­fernt wer­den. Wachs­tum ist alles.

6. Kom­mu­ni­ka­ti­on

Es soll eine vom Kon­zern unab­hän­gi­ge Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on bei Volks­wa­gen geben.

Ver­mu­tung: Was immer damit gemeint sein mag, es resul­tiert doch letzt­end­lich in out­sour­cing und damit weni­ger Bedarf an Mit­ar­bei­tern.

7. Effi­zi­en­te Pro­zes­se, schlan­ke Struk­tu­ren

Ver­mu­tung: Habe ich eigent­lich schon über Ent­las­sun­gen spe­ku­liert?

8. New Volks­wa­gen

Bereits jetzt beschäf­tigt der Volks­wa­gen-Kon­zern unzäh­li­ge exter­ne Dienst­lei­ster, die als Zulie­fe­rer die „Digi­ta­li­sie­rung“ der Auto­mo­bi­le vor­an­trei­ben. Künf­tig soll die­se „Digi­ta­li­sie­rung“ noch etwas mehr Gewicht bekom­men.

Ver­mu­tung: Da die exter­nen Dienst­lei­ster die ent­spre­chen­den Ent­wick­lun­gen bereits bei­tra­gen, sind weni­ger inter­ne Mit­ar­bei­ter not­wen­dig.

9. Exzel­len­te Füh­rung

Die Wirk­sam­keit von Füh­rung soll im Mit­tel­punkt ste­hen.

Ver­mu­tung: Mehr Geld für effi­zi­en­te Mana­ger.

10. Stra­te­gie­haus

Es soll mit zusätz­li­chem Per­so­nal eine Mar­ken­stra­te­gie ent­wor­fen wer­den. (Ach so, das ist noch gar kei­ne Stra­te­gie?)

Ver­mu­tung: Das zusätz­li­che Per­so­nal wird, wie so oft, vor­über­ge­hend extern ange­mie­tet. Das Gehalt wird durch Ent­las­sun­gen finan­ziert.

11. Unter­neh­me­ri­sche Zie­le und Struk­tu­ren

Die unter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung soll gestärkt wer­den.

Ver­mu­tung: Gehalts­er­hö­hun­gen für Mana­ger.

12. Erschlie­ßung Chan­cen­märk­te

Volks­wa­gen möch­te auch in Län­dern, in denen es bis­her nicht son­der­lich erfolg­reich ist, „star­ke Teams“ eta­blie­ren.

Ver­mu­tung: Mehr Mana­ger ins Aus­land, dort gibt es auch preis­wer­te Arbeits­kräf­te.


Zur weit­ge­hen­den Umset­zung des 12-Punk­te-Pro­gramms wür­den also zwei Ände­run­gen genü­gen:

  • Mehr Ein­fluss und Geld für Mana­ger
  • Weni­ger Mit­ar­bei­ter in weni­ger Abtei­lun­gen

Ich bin davon über­zeugt, dass es so oder so ähn­lich kom­men wird. Und ich bin davon über­zeugt, dass die Bör­se das gou­tie­ren wird.

In den NachrichtenPiratenparteiMontagsmusik
Explo­si­ons In The Sky – The Only Moment We Were Alo­ne

KnutscheulenMon­tag, du Ekel! Er kommt auch jede Woche frü­her und käl­ter daher, dies­mal aller­dings unter wirk­lich guten Vor­aus­set­zun­gen. Öfter mal was aus­pro­bie­ren, zu zweit kann nichts schief­ge­hen. Ein ange­mes­se­ner Dank kennt kei­ne Wor­te.

Ande­re Leu­te reden zu viel: 93 von 150 Dresd­nern sind rechts­oh­rig. Darf man 2016 noch Wit­ze über Dres­den und Rich­tun­gen machen? Dabei sind doch „Links“ und „Rechts“ mal wie­der so aktu­ell wie sel­ten zuvor: 36 poli­tisch oft weni­ger nütz­li­che Ange­hö­ri­ge des eher am lin­ken Rand fischen­den Ber­li­ner Pira­ten­um­felds, dar­un­ter natür­lich Julia Schramm, betrei­ben jetzt Wer­bung für die „LINKE“. Post­wen­dend hät­te die Ber­li­ner Pira­ten­par­tei bei­na­he beschlos­sen, für die dies­jäh­ri­ge Neu­wahl des Abge­ord­ne­ten­hau­ses nur mehr Par­tei­mit­glie­der zuzu­las­sen, was zu erstaun­li­chen Dis­kus­sio­nen führ­te. Natür­lich leh­ne man die Pira­ten­par­tei ab, aber man wol­le doch trotz­dem für sie antre­ten dür­fen, das habe man doch immer schon so gemacht. So ein Fut­ter­trog lockt eben nicht immer nur die Elfen an. Anders­wo greift man zumin­dest zu hemds­är­me­li­gen Lösun­gen: Auf AfD-Wahl­wer­ber wird mit­un­ter scharf geschos­sen. Und Ihre Demo­kra­tie so?

Eben­falls nicht zu den Elfen gehört die Tele­kom: Für 20 Euro im Monat kann man sich dort von der Stö­rer­haf­tung frei­kau­fen (natür­lich mit Cis­co-Rou­tern, denn mit Cis­co-Rou­tern ist es sel­ten ein Pro­blem, vor Gericht den Übel­tä­ter in File­sha­ring­fäl­len nach­zu­wei­sen), womit die Abschaf­fung der Stö­rer­haf­tung wohl bis auf Wei­te­res poli­tisch erschwert sein dürf­te. Der befreun­de­ten Fir­ma T‑Systems nebst Mut­ter­kon­zern macht man doch als Staat nicht das Geschäft kaputt. Es gibt noch viel zu tun.

Aber vor­her: Musik. Es ist Mon­tag, da kön­nen Herz und Hirn einen klei­nen Anschub­ser ver­tra­gen.

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den Nachrichten
Christ­li­che Papp­na­sen

Man kann gegen Fasching, Fast­nacht, Kar­ne­val eine Men­ge ein­wen­den: Die Musik ist schei­ße, die Wit­ze sind däm­lich, das Publi­kum wür­de unter allen ande­ren Umstän­den samt und son­ders not­ge­schlach­tet wer­den und die immer­glei­chen Ver­klei­dun­gen als Cow­boy, „sexy“ Prinzessin/Hexe oder Bat­man möch­te man ja eigent­lich auch nicht jedes Jahr an Kin­dern sehen müs­sen.

All das Gere­de ist aber offen­sicht­lich nicht zíel­füh­rend, also tut end­lich mal jemand was:

Im öster­rei­chi­schen Kar­ne­val soll es kein „Hohn­la­chen von Mehr­hei­ten über Min­der­hei­ten“ wie Les­ben und Schwu­le mehr geben. (…) Gleich­zei­tig ver­bie­tet die Ethik-Char­ta für den öster­rei­chi­schen Kar­ne­val aller­dings auch schar­fe Kri­tik an Reli­gio­nen: „Fasching und Kar­ne­val dür­fen nie­man­den in sei­nen Gefüh­len ver­let­zen. Das gilt in ganz beson­de­rem Maße für den Umgang in reli­giö­sen Belan­gen“, heißt es im dem vier­sei­ti­gen Papier.

Gebo­ten sind daher Wit­ze, die kei­ne Per­son – kei­ne Min­der­hei­ten, kei­ne reli­giö­sen Fana­ti­ker, ver­mut­lich kei­ne Poli­ti­ker, prak­tisch also nie­man­den – dem Spott der Zuhö­rer aus­set­zen; es blei­ben also nur abstrak­te plots übrig. (Zäh­len eigent­lich Städ­te? Kennt man Han­no­ver in Öster­reich?) Da es nur zwei oder drei mög­li­che Poin­ten dafür gibt, ist Kar­ne­val in Öster­reich damit wohl in die­sem Jahr ein sehr kur­zes „Ver­gnü­gen“.

Auch der deut­sche Kar­ne­val kennt übri­gens eine „Ethik-Char­ta“, die in vie­len Tei­len der öster­rei­chi­schen ver­däch­tig ähn­lich ist. In bei­den Fas­sun­gen fin­det sich fol­gen­der Pas­sus:

Eben­so wie die ande­ren Welt­re­li­gio­nen hat das Chri­sten­tum als die prä­gen­de Kraft euro­päi­scher Kul­tur und als Rah­men­be­din­gung unse­res Tuns Anspruch auf gebüh­ren­den Respekt.

Es ist gut, dass sich end­lich mal wie­der jemand auf unse­re christ­li­chen Tra­di­tio­nen beruft, das hat­ten wir bekannt­lich schon län­ger nicht mehr. Das „hei­li­ge Buch“ des Chri­sten­tums, die Bibel, weist an eini­gen Stel­len dar­auf hin, dass Städ­te wie Sodom und Gomor­ra, in denen Homo­se­xua­li­tät prak­ti­ziert wird, vom christ­li­chen Gott durch­aus auch mal zer­stört wer­den. Der „Römer­brief“ wird noch etwas deut­li­cher:

Dar­um hat sie auch Gott dahin­ge­ge­ben in schänd­li­che Lüste: denn ihre Wei­ber haben ver­wan­delt den natür­li­chen Brauch in den unna­tür­li­chen; des­glei­chen auch die Män­ner haben ver­las­sen den natür­li­chen Brauch des Wei­bes und sind anein­an­der erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schan­de getrie­ben und den Lohn ihres Irr­tums (wie es denn sein soll­te) an sich selbst emp­fan­gen.
Römer 1, 26–27

Ach, was inter­es­sie­ren uns noch Jahr­tau­sen­de alte Tex­te in der heu­ti­gen moder­nen, auf­ge­klär­ten Zeit? Neh­men wir ein neue­res Bei­spiel, als 2008 der dama­li­ge so genann­te Ver­tre­ter des christ­li­chen Got­tes auf Erden sich zum lei­di­gen Geschlech­ter­the­ma äußer­te:

Die Mensch­heit sol­le auf „die Stim­me der Schöp­fung“ hören, um die vor­ge­ge­be­nen Rol­len von Mann und Frau zu ver­ste­hen. Alles ande­re käme „einer Selbst­zer­stö­rung des Men­schen und der Zer­stö­rung von Got­tes Werk selbst“ gleich.

Nur mal so aus Neu­gier, „Bund Öster­rei­chi­scher Faschings­gil­den“, und „Bund Deut­scher Kar­ne­val e. V.“:

Wenn eure alber­ne „Fei­er“ schon jedes Jahr wie­der statt­fin­den muss und die Teil­neh­mer das Chri­sten­tum zu respek­tie­ren haben – müs­sen Städ­te, in denen Homo­se­xu­el­le leben, jetzt kom­plett zer­stört wer­den oder reicht es, die Homo­se­xu­el­len, wie in 3. Mose 20,13 emp­foh­len, paar­wei­se zu töten?

Ich will das ja gebüh­rend respek­tie­ren.

In den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 21. Janu­ar 2016

Reli­gi­on ist kaputt, Reli­gi­on kann weg:

Wegen des Vor­wurfs der Got­tes­lä­ste­rung hat sich in Paki­stan ein 15-Jäh­ri­ger nach Poli­zei­an­ga­ben selbst die Hand abge­hackt. (…) In der Pre­digt hat­te der Imam gefragt, ob jemand anwe­send sei, der nicht an den Pro­phe­ten glau­be, berich­te­te die Poli­zei. Weil er die Fra­ge falsch ver­stan­den habe, soll der Jugend­li­che sei­ne Hand geho­ben und sich gemel­det haben. (…) Anschlie­ßend habe sich der Jugend­li­che zu Hau­se die Hand abge­hackt und sie dem Geist­li­chen als Sym­bol sei­ner Reue prä­sen­tiert, heißt es in Mel­dun­gen ver­schie­de­ner Medi­en. Eltern und Dorf­be­woh­ner hät­ten die Tat des Jugend­li­chen als Zei­chen der Zunei­gung zum Pro­phe­ten gefei­ert, erklär­te dem­nach die Poli­zei.

So ein Feig­ling. Sein Kopf wäre doch ein viel ein­drucks­vol­le­res Sym­bol gewe­sen. Allah ist hof­fent­lich sehr ent­täuscht.


Gute Nach­rich­ten: Der Mann, der mona­te­lang in Häu­ser ein­ge­bro­chen war, um Män­ner am Anus zu kit­zeln, wur­de ver­haf­tet.


Sascha Lobo schreibt:

Vie­len Leu­ten bekommt das Inter­net ein­fach nicht.

Had­mut Danisch ergänzt:

Und wisst Ihr (sic! A.d.V.), was mir auf­ge­fal­len ist, näm­lich auf den Jour­na­li­sten­kon­fe­ren­zen, bei denen ich auch Lobo live erlebt habe? Dass wir über­schwemmt wer­den von einer Jung­jour­na­li­sten­ge­ne­ra­ti­on, die über­haupt nichts mehr den­ken und recher­chie­ren kann und sich nur noch in den Social Media bewegt und aus Twit­ter abschreibt.


Was hat uns denn allen noch gefehlt? Rich­tig: Noch mehr Gerä­te mit Inter­net dran!

PersönlichesPiratenparteiMir wird geschlecht
Der Zusam­men­bruch der Hacker­kul­tur durch den Sie­ges­zug des Twit­ter­fe­mi­nis­mus

Die­ser Arti­kel ist Teil 1 von 20 der Serie Congresskrise(n)

(Vor­be­mer­kung: Ich bin zur­zeit Mit­glied von CCC und Pira­ten­par­tei, hof­fe aber, des­we­gen nicht an irgend­was die Schuld zu tra­gen. Es folgt, da mich eini­ge Gescheh­nis­se der letz­ten Jah­re nicht ganz unbe­wegt las­sen, ein idea­li­stisch moti­vier­ter Auf­reg­text, der kei­nes­falls zu einer sach­li­chen Dis­kus­si­on bei­tra­gen soll.)

Felix „Fefe“ von Leit­ner ist aus dem Cha­os Com­pu­ter Club aus­ge­tre­ten. Um zu ver­ste­hen, war­um das ein schlech­tes Zei­chen ist, ist es rat­sam, die Geschich­te der Hacker­kul­tur in Deutsch­land ein­mal genau­er zu betrach­ten.

‘Der Zusam­men­bruch der Hacker­kul­tur durch den Sie­ges­zug des Twit­ter­fe­mi­nis­mus’ wei­ter­le­sen »

Sonstiges
Medi­en­kri­tik XCV: Ein Satz mit X: „POPCORN“ erklärt das Inter­net

In den spä­ten 1990-er Jah­ren – das „World Wide Web“ war noch nicht ganz so furcht­bar wie heu­te, was wohl auch damit zu tun hat­te, dass es mit AOL, Com­pu­Ser­ve u.a. star­ke kom­mer­zi­el­le Kon­kur­renz hat­te – las ich ein­mal im Kin­der­ma­ga­zin „Micky Maus“ eine begei­stern­de Wer­bung für den „Online-Auf­tritt“ des Hef­tes, das damals natür­lich noch über Com­pu­Ser­ve abruf­bar war. Als ich am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de wie­der ein­mal in den Neu­erschei­nun­gen am Zeit­schrif­ten­ki­osk blät­ter­te, fühl­te ich mich in die­se Zeit zurück­ver­setzt, denn ich sah Unge­wohn­tes:

POPCORN 2-2016

Das Fach­blatt „POPCORN“ – die Web­site des Maga­zins datiert gegen­wär­tig offen­bar noch von 2015 – will „fit fürs Inter­net!“ machen. Das ver­spricht doch eine Men­ge Spaß.

Es sind aber lei­der nur drei Sei­ten, zusam­men­ge­fasst unter der Über­schrift „Klick dich schlau! – Inter­net von A‑Z“, es wer­den also 26 Stich­wor­te über „das Inter­net“ kurz erklärt. Eins sei vor­weg ver­ra­ten: Es kommt aus­schließ­lich das Web zur Spra­che, den Rest „des Inter­nets“ hält man bei „POPCORN“ offen­sicht­lich für nicht bedeut­sam. Dass der Anrei­ßer­text „New­bie oder Pro – völ­lig egal!“ lau­tet, ist aller­dings nicht über­trie­ben; new­bies fin­den das Schlau­klicken (wo klickt man in einer Zeit­schrift eigent­lich hin?) sicher­lich lehr­reich und pros höchst amü­sant.

Aber kei­ne Sor­ge, wer­te new­bies, es muss euch nicht pein­lich sein, denn was ihr seid, erklärt man bei „POPCORN“ unter „N“:

„Du Noob“ oder „Was ein New­bie“! – Könn­te als Belei­di­gung benutzt wer­den, ist aber mei­stens nur eine Fest­stel­lung. (Das glau­be ich gern. A.d.V.) Denn unter „New­bie“ oder „Noob“ wird im Web ein Neu­ling bezeich­net!

Fein, fein – dass „Web“ und „Inter­net“ irgend­was mit­ein­an­der zu tun haben, ver­mag der unbe­kann­te Ver­fas­ser gera­de noch zu wis­sen, aber den Unter­schied lei­der nicht. In die­ser durch­di­gi­ta­li­sier­ten Welt ist das aber auch manch­mal schwie­rig, die Inter­net­s­pra­che hält ja Ein­zug in alle Lebens­be­rei­che. Zum Bei­spiel das Sze­ne­wort „Quel­le“:

Im Inter­net bezeich­net man Sei­ten, aus denen man Infor­ma­tio­nen bekommt, als Quel­le.

Ulkig, wie die­se Jugend heu­te redet. Noch so ein kom­pli­zier­tes Wort ist übri­gens „Jubi­lä­um“:

Olé. olé, olé! Auch das Inter­net fei­ert Feste – und es hat­te 2015 allen Grund dazu: Da wur­de die erste Web­site „info.cern.ch“ am 13. Novem­ber 25 Jah­re alt! Kaum zu glau­ben: Frü­her gab’s nur Schrif­ten auf einer Web­site und kei­ner­lei Fotos oder Ani­ma­tio­nen…

Kaum zu glau­ben. War­um erfin­det denn irgend­wer ein System zum Aus­tausch von Nach­rich­ten, bei dem man nicht mal Schmink- oder Kat­zen­vi­de­os sehen kann? Laaaaa­me!

„Lame“ erklärt „POPCORN“ lei­der nicht. Leet ist, was nicht lame ist. Was aller­dings offen­sicht­lich leet ist: Wer­be­blocker.

(…) Das Pro­gramm (sic! A.d.V.) „Adblock“ blockiert die blö­den Popups (…). „Adblock“ gibt’s bei www.chip.de zum Run­ter­la­den! Instal­lie­ren, öff­nen – und zack: wer­be­frei…!

Es ist natür­lich mög­lich, auf einem Por­tal wie chip.de, das vor poten­zi­ell tro­ja­ner­be­fal­le­ner Wer­bung selbst nur so strotzt und des­sen Down­loads gele­gent­lich eigens mit Mal­wa­re ange­rei­chert wer­den, einen Wer­be­blocker her­un­ter­zu­la­den. Es ist natür­lich nur auch kei­ne beson­ders gute Idee.

Tut man es doch, erkäl­tet sich viel­leicht noch der Com­pu­ter („V“ wie „Virus“):

So wie unser Kör­per sich einen Virus ein­fan­gen kann, kann das unser Com­pu­ter auch. (…) Das Ziel eines Virus ist es (…), bestimm­te Datei­en oder gar die kom­plet­te Fest­plat­te zu zer­stö­ren. (Genau, nur dafür sind Viren da. A.d.V.) (…) Ladet mög­lichst kei­ne Pro­gram­me von dubio­sen Web­sites her­un­ter.

Ja, wie denn nun? :-?

Man könn­te mei­nen, der Autor der Inter­net­an­lei­tung lei­de unter Rea­li­täts­ver­lust; wenn nicht gar unter Rea­li­täts-Ver­lust („R“):

(…) Inter­net­süch­ti­ge ver­lie­ren das „ech­te“ Leben völ­lig aus den Augen und leben nur noch in einer „vir­tu­el­len Welt“! Tipp: Begrenzt eure Inter­net­zeit auf 1–2 Stun­den am Tag – am besten mit einem Wecker, der euch sagt, wann Schluss ist!

Die­se 1–2 Stun­den kann man dann mit „Whats­app“ („W“) auf dem „Smar­th­pho­ne“ (sic! Sei­te 19), mit „Zocken“ („Z“), „Chal­lenges“ („C“) auf „You­Tube“ („Y“), „Face­book“ („F“) oder „Strea­men“ („S“) ver­brin­gen. Auf You­Tube gibt es immer­hin span­nen­de Din­ge sehen, zum Bei­spiel – „Wit­zig!“ – das aller­er­ste Video, auf dem der Grün­der von You­Tube im Zoo vor dem Ele­fan­ten­ge­he­ge zu sehen ist. Rof­fel!

Ob es auch was zu „X“ gibt? Aber natür­lich, die essen­zi­ell wich­ti­ge „X‑Taste“:

Smi­leys und Abkür­zun­gen mit dem Buch­sta­ben „x“ sind im Web voll tren­dy. Bei­spie­le: „xoxo“ oder auch der Smi­ley :x – bei­des soll Küsse(n) signa­li­sie­ren!

Zu mei­ner Zeit wur­den Küs­se ja noch durch :* aus­ge­drückt. :x stand für etwas ande­res – „mei­ne Lip­pen sind ver­sie­gelt“, „ich sag‘ nix dazu“. Es tut mir wirk­lich ein biss­chen leid, dass der unbe­kann­te Autor es auf die­se Wei­se erfah­ren muss, aber die Sekre­tä­rin hat auf Ihre Lie­bes­schwü­re also gar nicht mit einem Kuss reagiert.

Eben­falls in die­ser Aus­ga­be der „POPCORN“ zu sehen: Die „Blon­di­ne“ und „hüb­sche Düs­sel­dor­fe­rin“ (ebd.) „Dagi Bee“ gibt ein dop­pel­sei­ti­ges Inter­view ohne Wor­te, indem sie dum­me Fra­gen (etwa „Magen­knur­ren! Hun­ger! Scho­ko­la­de!“) mit min­de­stens eben­so dum­men („wit­zi­gen“) Gri­mas­sen beant­wor­tet.

Mir fällt dazu übri­gens auch eine wit­zi­ge Gri­mas­se ein. Lei­der hat mein Wecker gera­de geklin­gelt.

MusikMontagsmusik
Woo­den Shjips – Flight

Heute (Symbolbild)So mag ich mei­ne Mon­ta­ge, ohne Reue, nicht allein; naja, zumin­dest nicht allein. Tem­po­ra mutan­tur, irgend­was läuft nicht ganz so falsch. Das muss die­ses Alt­wer­den sein, von dem so oft die Rede ist. Ich glau­be, ich fin­de das ganz in Ord­nung so.

Im deutsch­spra­chi­gen Teil Twit­ters der­weil sind Tweets über das Pri­vat­le­ben von Men­schen inzwi­schen ein Trend. All­mäh­lich über­rascht es mich kaum noch, dass klas­si­sche Medi­en immer wie­der Ten­den­zen auf Twit­ter mit „der Stim­mung des Vol­kes“ ver­wech­seln, obwohl das Volk eben auch vie­les redet, des­sen Kennt­nis wohl kaum jemand für eine tat­säch­li­che Berei­che­rung sei­nes Lebens hiel­te. Wer sitzt in der Jury einer grau­en­vol­len Sen­dung, die bereits geschei­ter­te Exi­sten­zen nach kur­zem Auf­blü­hen nach­hal­tig ver­nich­tet? Wie alt ist die gegen­wär­ti­ge Freund­lin eines vor zwan­zig Jah­ren ver­gleichs- wie über­ra­schen­der­wei­se erfolg­rei­chen Musi­kers? Wie teu­er war die Fri­sur eines aus­tausch­ba­ren Berufs­ge­sichts? Was hat das über­haupt alles zu bedeu­ten?

„Oh, was nicht wis­sen find‘ ich toll!“ (Patrick Star, c/o „Spon­geB­ob Schwamm­kopf“).

ZEIT.de weiß indes: „Vinyl ist was für Hip­ster“. Es sei unmo­dern, fri­ste ein Nischen­da­sein und zah­le sich kaum aus. Dabei geht es gar nicht immer um’s Geld, son­dern um viel mehr.

Woo­den Shjips – Flight (Live on KEXP)

Aber dar­auf müsst ihr schon selbst kom­men.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Von allem (Con­tent, Ver­net­zung, TTIP) zu viel

Gute Neu­ig­kei­ten: Der peak con­tent ist erreicht, es gibt mehr Unsinn im Web als irgend­je­mand jemals kon­su­mie­ren könn­te. Schwa­felt um euer Leben! Die Men­schen sind eben noch immer nicht smart gewor­den. Kein Inter­net? Kei­ne Hei­zung! Man kann so vie­les – nicht nur Medi­en­ma­cher – ans Netz hän­gen, viel­leicht soll­te man nur manch­mal lie­ber dar­auf ver­zich­ten.

Ver­zicht­bar auch: Wir haben jetzt vier mit­ein­an­der ver­fem­te CDUs, aber nur zwei Kreu­ze. Viel­leicht ist Par­tei­po­li­tik ein­fach nicht mehr zeit­ge­mäß. Die­se Zeit ver­geht aber auch schnel­ler als man es bemer­ken wür­de, in Super­märk­ten ist es bereits Ostern und dann ist auch bald schon wie­der Weih­nach­ten. Unklar ist nur die Zeit zwi­schen zwei Fest­ta­gen. Viel­leicht soll­te man einen zusätz­li­chen Fei­er­tag im August ein­füh­ren, damit der Ein­zel­han­del nicht so lan­ge dar­ben muss. Das ist ja auch im Sin­ne der Bür­ger, denn ein Bür­ger, der eine flo­rie­ren­de Wirt­schaft nicht zu sei­ner Lebens­ma­xi­me erklärt hat, ist ein­deu­tig ein Son­der­ling:

Sie kön­ne sich die beson­ders star­ke Ableh­nung in Deutsch­land nicht erklä­ren: „Wenn eine Volks­wirt­schaft von TTIP pro­fi­tiert, dann ist es Deutsch­land.“

Viel­leicht ist man­chem Men­schen ein selbst­be­stimm­tes, gesun­des Leben ja doch noch ein wenig mehr wert als das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt. Trotz­dem: „Mein Schwanz bleibt ganz“, mein Kopf macht Platz. Hei­te­res For­de­rungs­ra­ten statt poli­ti­scher Schlag­kraft.

So geh’n die Deut­schen, die Deut­schen, die geh’n so.

KaufbefehleMusikkritik
KoMa­Ra – KoMa­Ra

KoMaRaWelch schö­ner Krach!

So gern ich mich auch mit musi­ka­li­schem Wohl­klang befas­se, so gern schwei­fe ich doch immer wie­der ab. Manch­mal, wenn Welt­schmerz Schö­nes zu bit­te­rem Witz wer­den lässt, ist Sanft­heit viel­leicht auch nicht das Rech­te. Ein Hoch gibt es da auf Com­bos wie KoMa­Ra aus­zu­spre­chen, die die Lust am Kon­tra aus­le­ben.

KoMa­Ra sind die drei Her­ren David Kol­lar (slo­wa­ki­scher Expe­ri­men­tal­jazz­gi­tar­rist), Pao­lo Rai­ne­ri (ita­lie­ni­scher Trom­pe­ter) und der Schlag­zeu­ger Pat Maste­lot­to (King Crims­on, Mr. Mister, Stick Men, HoBo­Le­Ma, ToPa­Ma­Ra und manch wei­te­rer Zeit­ver­treib), die sich 2014 zusam­men­ge­tan haben, um gemein­sam einer bemer­kens­wer­ten Spiel­art moder­nen Jaz­zes ihren Tri­but zu zol­len. Ihr gemein­sa­mes Debüt­al­bum, das eben­falls, glaubt man dem Inter­net, den Namen „KoMa­Ra“ trägt, war im Jahr 2015 in man­cher Besten­li­ste zu fin­den und hat sich mei­ner Auf­merk­sam­keit den­noch bis­her erfolg­reich ent­zo­gen. Zeit, das zu ändern.

Pat Maste­lot­to, David Kol­lar, Pao­lo Rai­ne­ri – KOMARA live in Pra­gue 2014

Zwar sind ver­ein­zelt mal geflü­ster­te, mal wie aus der Fer­ne geru­fe­ne Sprach­bei­trä­ge von Pao­lo Rai­ne­ri und mit den Gast­stim­men von Leas­hya Fitz­pa­trick-Mun­yon und Bill Mun­yon zu hören, aber „KoMa­Ra“ ist über wei­te Strecken hin­weg ein Instru­men­tal­al­bum. Das ist pri­ma, denn auf Gesang ist die­se Musik auch kei­nes­falls ein­ge­stellt. Dump­fes Schlag­zeug, düste­re Elek­tro­nik und ver­stö­ren­de Trom­pe­ten erge­ben eine Mischung, die den Kopf ange­nehm frei­bläst.

Bereits das erste Stück „Dir­ty Smel­ly“ – ein Titel, der das selt­sa­me Cover­bild die­ses Albums ganz gut abbil­det – ver­hei­ra­tet eine Free-Jazz-Adap­ti­on der 80er-Tri­lo­gie der eigens refor­mier­ten King Crims­on mit Expe­ri­men­tal­rock von Boris’scher Qua­li­tät, das fol­gen­de „37 Forms“ ver­eint nach bei­na­he harm­los jaz­zi­gem Beginn einen atmo­sphä­ri­schen Post­rock mit RIO/A­vant-Fet­zen und Hard­rock­ein­spreng­seln. Eine bedroh­li­che Stim­me mur­melt etwas, das wie eine Ver­wün­schung klingt, und wird sogleich wie­der ver­trie­ben von der irr­lich­tern­den Trom­pe­te. Über­trof­fen wird die­ses herr­li­che Durch­ein­an­der schließ­lich vom dis­so­nant-hek­ti­schen „After­birth“ und dem selt­sam zer­ris­se­nen „God Has Left This Place“, das nach wei­te­rem Mur­meln über­geht in eine bizar­re Klang­welt, deren mecha­nisch-ble­cher­ner Rhyth­mus immer wie­der von ver­zwei­fel­ten Miss­tö­nen von Elek­tro­nik, Trom­pe­te und den bei­den Ergän­zungs­stim­men zer­schnit­ten wird. „I have to get out!“

Mit „Inci­ting Inci­dents“ – spo­ken words über Rau­schen – fin­det die­ses Album einen ange­mes­se­nen Abschluss. Die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, die sich nach sei­nem Aus­klin­gen ein­stellt, fühlt sich eigent­lich gar nicht schlecht an.

Wahr­lich: ein schö­ner Krach.

PolitikIn den Nachrichten
Eine ganz lin­ke Tour: Der auf­ge­misch­te Pöbel löst die Flücht­lings­fra­ge

Vor ein paar Jah­ren, als die Ber­li­ner Spit­ze nebst nähe­rem Umfeld des dama­li­gen lin­ken Flü­gels in der Pira­ten­par­tei erst mit aller­lei Kin­ker­litz­chen die poli­ti­sche Arbeit in der Par­tei gelähmt und sie anschlie­ßend ener­gisch blog­gend in Scha­ren ver­las­sen hat­te, kamen eini­ge sei­ner weni­ger beson­ne­nen Mit­glie­der bei der „Eman­zi­pa­to­ri­schen Lin­ken“, kurz „Ema.Li“, unter und konn­ten selbst­re­dend das Mau­sen nicht las­sen: DIE LINKE aufmischen!!1; zur Höl­le mit der Kon­sens­de­mo­kra­tie (sofern sie nicht ohne­hin bereits dort ist), denn nur ein pri­mus inter pares ist imstan­de, Wort­füh­rer in der „LINKEN“ zu sein. Manch­mal wird man dann ein­bal­sa­miert und jahr­zehn­te­lang aus­ge­stellt, das ist dann sehr schön, weil man immer wie­der einen neu­en Anzug bekommt, ohne sich bewe­gen zu müs­sen.

Mit Sahra Wagen­knecht, einer pro­mi­nen­ten Ver­tre­te­rin der „Kom­mu­ni­sti­schen Platt­form“ in der „LINKEN“ und regel­mä­ßi­ger Fern­seh­ge­stalt, gibt es auch jeman­den, an dem man sich ori­en­tie­ren kann. Eine „klu­ge Frau“, die „viel Schlau­es“ daher­re­de und die ein aus­ge­zeich­ne­ter „Grund“ sei, „DIE LINKE“ als klein­stes Übel zu wäh­len, sei sie, so heißt es in mei­nem Bekann­ten­kreis viel­fach. Man müs­se ja in die­sen har­ten Zei­ten dem Rechts­ruck etwas ent­ge­gen­hal­ten, um PEGIDA „und so wei­ter“ mehr ent­ge­gen­zu­set­zen als nur ein empört gebrüll­tes „wir sind dage­gen, dass die dage­gen sind“. Im Her­zen schon immer knall­rot.

Flücht­lin­ge will­kom­men, jeder darf rein, weh­ret der Anfän­ge. Kra­wehl, kra­wehl. Wir schaf­fen das. Aber auch die­ser Spaß hat Gren­zen, näm­lich spä­te­stens dort, wo unse­re urei­ge­nen Tugen­den der Über­frem­dung zum Opfer zu fal­len dro­hen: Zwei Flücht­lin­ge aus Syri­en und Afgha­ni­stan sol­len einen Juden aus Frank­reich auf der Insel Feh­marn beschimpft, bedrängt und beraubt haben. Zwei Män­ner, natür­lich, dem Nar­ra­tiv tut’s gut, aber mehr eben auch nicht. Unse­re Juden beschimp­fen wir aber dann doch lie­ber immer noch selbst, Links­sein ist ja auch nicht alles:

„Wer Gast­recht miss­braucht“, sagt Wagen­knecht, „der hat Gast­recht dann eben auch ver­wirkt.“ Das sei „ganz klar Posi­ti­on“ der Lin­ken.

Das mit dem Auf­mi­schen hat offen­sicht­lich, wie gewohnt, her­vor­ra­gend funk­tio­niert, im Radi­ka­li­sie­ren waren man­che Strö­mun­gen schon in der Wei­ma­rer Repu­blik die Mei­ster. „Kri­mi­nel­le Aus­län­der raus!“, so heißt’s bei der NPD Thü­rin­gen (All­er­gi­ker­hin­weis: NPD Thü­rin­gen), möch­te man es dann doch nicht nen­nen, das ziemt sich nicht, wenn man „die lin­ke Lin­ke“ (Anja Mai­er von der „taz“ über Sahra Wagen­knecht, aller­dings 2011), zumin­dest aber „das Gesicht des lin­ken Flü­gels der Links­par­tei“ („WELT ONLINE“, März 2014) genannt wird und das nicht unbe­dingt ändern will. Nach zehn Jah­ren Ange­la Mer­kel sind kla­re poli­ti­sche Posi­tio­nen end­lich als uner­heb­lich erkannt wor­den.

Man­cher Leu­te Kopf ist rund, damit die Nar­ren­kap­pe passt.