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KoMa­Ra – KoMa­Ra

KoMaRaWelch schö­ner Krach!

So gern ich mich auch mit musi­ka­li­schem Wohl­klang befas­se, so gern schwei­fe ich doch immer wie­der ab. Manch­mal, wenn Welt­schmerz Schö­nes zu bit­te­rem Witz wer­den lässt, ist Sanft­heit viel­leicht auch nicht das Rech­te. Ein Hoch gibt es da auf Com­bos wie KoMa­Ra aus­zu­spre­chen, die die Lust am Kon­tra aus­le­ben.

KoMa­Ra sind die drei Her­ren David Kol­lar (slo­wa­ki­scher Expe­ri­men­tal­jazz­gi­tar­rist), Pao­lo Rai­ne­ri (ita­lie­ni­scher Trom­pe­ter) und der Schlag­zeu­ger Pat Maste­lot­to (King Crims­on, Mr. Mister, Stick Men, HoBo­Le­Ma, ToPa­Ma­Ra und manch wei­te­rer Zeit­ver­treib), die sich 2014 zusam­men­ge­tan haben, um gemein­sam einer bemer­kens­wer­ten Spiel­art moder­nen Jaz­zes ihren Tri­but zu zol­len. Ihr gemein­sa­mes Debüt­al­bum, das eben­falls, glaubt man dem Inter­net, den Namen „KoMa­Ra“ trägt, war im Jahr 2015 in man­cher Besten­li­ste zu fin­den und hat sich mei­ner Auf­merk­sam­keit den­noch bis­her erfolg­reich ent­zo­gen. Zeit, das zu ändern.

Pat Maste­lot­to, David Kol­lar, Pao­lo Rai­ne­ri – KOMARA live in Pra­gue 2014

Zwar sind ver­ein­zelt mal geflü­ster­te, mal wie aus der Fer­ne geru­fe­ne Sprach­bei­trä­ge von Pao­lo Rai­ne­ri und mit den Gast­stim­men von Leas­hya Fitz­pa­trick-Mun­yon und Bill Mun­yon zu hören, aber „KoMa­Ra“ ist über wei­te Strecken hin­weg ein Instru­men­tal­al­bum. Das ist pri­ma, denn auf Gesang ist die­se Musik auch kei­nes­falls ein­ge­stellt. Dump­fes Schlag­zeug, düste­re Elek­tro­nik und ver­stö­ren­de Trom­pe­ten erge­ben eine Mischung, die den Kopf ange­nehm frei­bläst.

Bereits das erste Stück „Dir­ty Smel­ly“ – ein Titel, der das selt­sa­me Cover­bild die­ses Albums ganz gut abbil­det – ver­hei­ra­tet eine Free-Jazz-Adap­ti­on der 80er-Tri­lo­gie der eigens refor­mier­ten King Crims­on mit Expe­ri­men­tal­rock von Boris’scher Qua­li­tät, das fol­gen­de „37 Forms“ ver­eint nach bei­na­he harm­los jaz­zi­gem Beginn einen atmo­sphä­ri­schen Post­rock mit RIO/A­vant-Fet­zen und Hard­rock­ein­spreng­seln. Eine bedroh­li­che Stim­me mur­melt etwas, das wie eine Ver­wün­schung klingt, und wird sogleich wie­der ver­trie­ben von der irr­lich­tern­den Trom­pe­te. Über­trof­fen wird die­ses herr­li­che Durch­ein­an­der schließ­lich vom dis­so­nant-hek­ti­schen „After­birth“ und dem selt­sam zer­ris­se­nen „God Has Left This Place“, das nach wei­te­rem Mur­meln über­geht in eine bizar­re Klang­welt, deren mecha­nisch-ble­cher­ner Rhyth­mus immer wie­der von ver­zwei­fel­ten Miss­tö­nen von Elek­tro­nik, Trom­pe­te und den bei­den Ergän­zungs­stim­men zer­schnit­ten wird. „I have to get out!“

Mit „Inci­ting Inci­dents“ – spo­ken words über Rau­schen – fin­det die­ses Album einen ange­mes­se­nen Abschluss. Die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit, die sich nach sei­nem Aus­klin­gen ein­stellt, fühlt sich eigent­lich gar nicht schlecht an.

Wahr­lich: ein schö­ner Krach.

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