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Christliche Pappnasen

Man kann gegen Fasching, Fast­nacht, Karneval eine Menge ein­wen­den: Die Musik ist scheiße, die Witze sind däm­lich, das Pub­likum würde unter allen anderen Umstän­den samt und son­ders not­geschlachtet wer­den und die immer­gle­ichen Verklei­dun­gen als Cow­boy, “sexy” Prinzessin/Hexe oder Bat­man möchte man ja eigentlich auch nicht jedes Jahr an Kindern sehen müssen.

All das Gerede ist aber offen­sichtlich nicht zíelführend, also tut endlich mal jemand was:

Im öster­re­ichis­chen Karneval soll es kein “Hohn­lachen von Mehrheit­en über Min­der­heit­en” wie Les­ben und Schwule mehr geben. (…) Gle­ichzeit­ig ver­bi­etet die Ethik-Char­ta für den öster­re­ichis­chen Karneval allerd­ings auch scharfe Kri­tik an Reli­gio­nen: “Fasching und Karneval dür­fen nie­man­den in seinen Gefühlen ver­let­zen. Das gilt in ganz beson­derem Maße für den Umgang in religiösen Belan­gen”, heißt es im dem vier­seit­i­gen Papi­er.

Geboten sind daher Witze, die keine Per­son — keine Min­der­heit­en, keine religiösen Fanatik­er, ver­mut­lich keine Poli­tik­er, prak­tisch also nie­man­den — dem Spott der Zuhör­er aus­set­zen; es bleiben also nur abstrak­te plots übrig. (Zählen eigentlich Städte? Ken­nt man Han­nover in Öster­re­ich?) Da es nur zwei oder drei mögliche Pointen dafür gibt, ist Karneval in Öster­re­ich damit wohl in diesem Jahr ein sehr kurzes “Vergnü­gen”.

Auch der deutsche Karneval ken­nt übri­gens eine “Ethik-Char­ta”, die in vie­len Teilen der öster­re­ichis­chen verdächtig ähn­lich ist. In bei­den Fas­sun­gen find­et sich fol­gen­der Pas­sus:

Eben­so wie die anderen Wel­tre­li­gio­nen hat das Chris­ten­tum als die prä­gende Kraft europäis­ch­er Kul­tur und als Rah­menbe­din­gung unseres Tuns Anspruch auf gebühren­den Respekt.

Es ist gut, dass sich endlich mal wieder jemand auf unsere christlichen Tra­di­tio­nen beruft, das hat­ten wir bekan­ntlich schon länger nicht mehr. Das “heilige Buch” des Chris­ten­tums, die Bibel, weist an eini­gen Stellen darauf hin, dass Städte wie Sodom und Gomor­ra, in denen Homo­sex­u­al­ität prak­tiziert wird, vom christlichen Gott dur­chaus auch mal zer­stört wer­den. Der “Römer­brief” wird noch etwas deut­lich­er:

Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben ver­wan­delt den natür­lichen Brauch in den unnatür­lichen; des­gle­ichen auch die Män­ner haben ver­lassen den natür­lichen Brauch des Weibes und sind aneinan­der erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selb­st emp­fan­gen.
Römer 1, 26–27

Ach, was inter­essieren uns noch Jahrtausende alte Texte in der heuti­gen mod­er­nen, aufgek­lärten Zeit? Nehmen wir ein neueres Beispiel, als 2008 der dama­lige so genan­nte Vertreter des christlichen Gottes auf Erden sich zum lei­di­gen Geschlechterthe­ma äußerte:

Die Men­schheit solle auf “die Stimme der Schöp­fung” hören, um die vorgegebe­nen Rollen von Mann und Frau zu ver­ste­hen. Alles andere käme “ein­er Selb­stzer­störung des Men­schen und der Zer­störung von Gottes Werk selb­st” gle­ich.

Nur mal so aus Neugi­er, “Bund Öster­re­ichis­ch­er Faschings­gilden”, und “Bund Deutsch­er Karneval e. V.”:

Wenn eure alberne “Feier” schon jedes Jahr wieder stat­tfind­en muss und die Teil­nehmer das Chris­ten­tum zu respek­tieren haben — müssen Städte, in denen Homo­sex­uelle leben, jet­zt kom­plett zer­stört wer­den oder reicht es, die Homo­sex­uellen, wie in 3. Mose 20,13 emp­fohlen, paar­weise zu töten?

Ich will das ja gebührend respek­tieren.

Senfecke:

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