PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Eine kur­ze Zusam­men­fas­sung aktu­el­ler Vor­gän­ge in Syri­en

Es herrscht seit lan­ger Zeit Krieg zwi­schen drei von unter­schied­li­chen Wirt­schafts­mäch­ten aus­ge­rü­ste­ten mili­tä­ri­schen Grup­pen, näm­lich der syri­schen Regie­rung, einer reli­giö­sen Min­der­heit („Rebel­len“) und Krie­gern der ehe­ma­li­gen Al-Qai­da-Grup­pe „Isla­mi­scher Staat“. Auf syri­scher Sei­te steht der Iwan, wes­halb die hie­si­ge Gesell­schaft sich dar­auf geei­nigt hat, dass der „Isla­mi­sche Staat“ nicht so schlimm ist.

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag hat irgend­wer irgend­was mit Gift­gas gemacht, was, ver­gli­chen mit den her­kömm­li­chen Metho­den zum Meu­cheln von Men­schen, sicher­lich kei­ne beson­ders huma­ne ist, was dazu führt, dass erst­mals eine Empö­rung statt­fand, die groß genug war, um einen Rake­ten­an­griff sei­tens der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka zu recht­fer­ti­gen. Der mili­tä­risch bis­lang blass geblie­be­ne Prä­si­dent der USA teil­te hier­zu mit, dass die natio­na­le Sicher­heit sei­nes Lan­des ohne das Bom­bar­die­ren eines ande­ren Lan­des nicht sicher­ge­stellt wer­den kön­ne. Medi­en zei­gen sich erleich­tert.

Haupt­sa­che, der Rus­se gewinnt nicht.

In den NachrichtenPolitik
Auch Dicke soll­ten cybern dür­fen!

Über und unter dem Super-Sym­bol­bild einer sicht­lich gelang­weil­ten Frau im Flecktarn­an­zug vor einem Röh­ren­bild­schirm „berich­tet“ heu­te Hol­ger Zel­der auf „hei­se online“:

Bun­des­wehr sucht moral­be­frei­te Bewe­gungs­muf­fel mit zu wenig Dis­zi­plin für einen anstän­di­gen Beruf.

Ach nein, da habe ich mich ver­le­sen; rich­tig ist:

Auch unsport­li­che Stu­di­en­ab­bre­cher: Bun­des­wehr sucht Rekru­ten für den Cyber-Krieg

Frü­her war die Bun­des­wehr ja mal eine Armee zur Lan­des­ver­tei­di­gung gegen den Iwan und kein Hau­fen von Buz­zword-Bin­go-Gewin­nern, denen jeder Anlass, um mal wie­der irgend­ei­nen „Krieg“ anzu­fan­gen, Grund genug für die media­le Selbst­fünf ist; neue Zei­ten, neue Unsit­ten, wie es scheint. Wei­ter:

Eine schlag­kräf­ti­ge Cyber-Armee erfor­dert nach Ein­schät­zung des Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­ums ein radi­ka­les Umden­ken bei der Per­so­nal­su­che der Bun­des­wehr. Die Regeln etwa für die Cyber-Reser­ve müss­ten geän­dert wer­den, sag­te die Staats­se­kre­tä­rin im Mini­ste­ri­um, Kat­rin Cyber Suder, am Mon­tag bei einer Ver­an­stal­tung zur Cyber-Sicher­heit in Ber­lin.

Sie haben da noch etwas Cyber am Kinn. Was eine „Cyber-Reser­ve“ sein soll, erschließt sich mir spon­tan nicht. Sind das Cyber­sol­da­ten, die den gan­zen Tag untä­tig vor dem Rech­ner sit­zen und dar­auf war­ten, end­lich gebraucht zu wer­den, um sich vor den, nun, Rech­ner set­zen zu kön­nen? Und wie lan­det man in die­ser „Cyber-Reser­ve“ – ist das der Sam­mel­punkt für all die­je­ni­gen, die für den regu­lä­ren Cyber­dienst zu sport­lich sind?

Klar ist: Gesucht wer­den sozi­al Abge­häng­te.

Es gebe vie­le „Nerds“, die ihr Stu­di­um abbre­chen wür­den. Mitt­ler­wei­le dürf­ten sie in der Trup­pe auch mit abge­bro­che­nem Stu­di­um bestimm­te höhe­re Lauf­bah­nen ein­schla­gen. (…) Bereits 2016 sei­en 60 Pro­zent mehr Infor­ma­ti­ker ein­ge­stellt wor­den als im Vor­jahr.

Nerds, Geeks, Hacker, Infor­ma­ti­ker, Kel­ler­kin­der – nicht so wich­tig, ist sowie­so alles das Glei­che. Wich­ti­ge Vor­aus­set­zung ist aber, dass man unter­qua­li­fi­ziert für einen anstän­di­gen Beruf ist, nur Unsinn (Gen­der Stu­dies, sozia­le Arbeit, BWL) oder gleich über­haupt nichts zu Ende stu­diert hat und des­we­gen nir­gends sonst so bereit­wil­lig auf­ge­nom­men wür­de wie bei der Bun­des­wehr, „Fach­kräf­te­man­gel“ sei Dank. So eine Fach­kraft wür­de ja statt­des­sen auch ein anstän­di­ges Gehalt erwar­ten und nicht mit allem zufrie­den sein, was man ihr anbie­tet.

Die Infor­ma­ti­ker-Armee soll künf­tig Waf­fen­sy­ste­me und Com­pu­ter­net­ze der Bun­des­wehr schüt­zen, aber auch zu Angrif­fen in der Lage sein. Sie könn­te etwa in einem Aus­lands­ein­satz das Inter­net über­wa­chen, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le des Geg­ners stö­ren, um ihn zu iso­lie­ren, sag­te Suder. (…) Die neue Cyber-Armee sei drin­gend nötig. Suder berich­te­te von Tau­sen­den Angrif­fen auf die Net­ze der Bun­des­wehr jeden Tag.

Da blinkt mal kurz die Nor­ton­soft­ware im Info­be­reich, weil wie­der so ein Fies­ling einen Ping geschickt hat, und schon brennt bei Suders die Hüt­te. Tau­sen­de Angrif­fe, anders­wo wäre man froh über solch nied­ri­ges Inter­es­se durch den Feind, kom­men an einem lan­gen Tag ja auf die­se Art schnell zusam­men. Für eine kur­ze Erläu­te­rung der impli­zit sich auf­drän­gen­den Fra­ge, seit wann irgend­ei­ne Abtei­lung der Bun­des­wehr fol­gen­los irgend­wen angrei­fen darf, war offen­bar zu wenig Cyber­tin­te da, ver­ra­ten wur­de hier aller­dings mehr als genug:

Sie könn­te (…) das Inter­net über­wa­chen[.]

Dafür brau­chen wir also die Spit­zel­in­fra­struk­tu­ren, die die Bun­des­re­gie­rung alle paar Mona­te erneut zu instal­lie­ren ver­sucht: Damit gegen den Rus­sen so rich­tig schön gecy­bert wer­den kann.

Der rich­ti­ge Tag, um mit der Ver­schlüs­se­lung der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on zu begin­nen, ist wie immer heu­te.

Nerdkrams
Schö­ner lese­zeich­nen mit Buku

Das nahen­de Ende von Fire­fox als benutz­ba­rer Brow­ser lässt mich nicht nur nach einem neu­en Stan­dard­brow­ser, son­dern auch nach neu­en Lösun­gen für bis­her für gelöst gehal­te­ne Pro­ble­me suchen. Wäh­rend sich erste­res noch über ein paar Mona­te erstrecken dürf­te, nach­dem ich erst gestern fest­stel­len muss­te, dass selbst der anson­sten nicht schlech­te Brow­ser Vival­di gele­gent­lich nur mit einem neu­en Pro­fil zur Mit­ar­beit bereit ist, pas­siert zwei­te­res in klei­nen Schrit­ten.

Heu­te erset­ze ich zum Bei­spiel Xmarks.

‘Schö­ner lese­zeich­nen mit Buku’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenMontagsmusik
We Lost The Sea – A Gallant Gen­tle­man // April­scherz­ka­ter

Frühling. Mist.Es ist Mon­tag – end­lich darf man wie­der den Trott hin­ter sich las­sen und etwas für die Wirt­schaft tun, noch gänz­lich per­plex wegen des wei­ter­hin aus­blei­ben­den Sonn­tags. So nicht arbei­ten zu kön­nen ist ein belieb­ter Volks­sport, mit­hin: oft auch der ein­zi­ge. Sich stol­pernd aus dem Bett zu quä­len ver­braucht ein­fach nicht genug Kalo­rien.

Wenig­stens in der Poli­tik bewegt sich was: Groß­bri­tan­ni­en will rie­si­gen Was­ser­gra­ben aus­he­ben, um sich von EU abzu­gren­zen. Ein April­scherz? Quatsch! – Wie es sich eben auch in die­sem Jahr sowie­so wie­der ange­bo­ten hat, dem Tru­bel in den Medi­en einen Tag lang fern­zu­blei­ben, weil sie ein­an­der wie gewohnt dar­in zu über­bie­ten ver­sucht haben, wer sei­ne Leser am lustig­sten anlü­gen kann. Einen gan­zen Tag lang fin­den sie fake news gut und rich­tig, weil die Tra­di­ti­on das so will, und schon am Tag dar­auf war sicher­lich wie­der vie­ler­orts zu lesen, wie hin­ter­häl­tig doch der Rus­se unwah­re Behaup­tun­gen in die Medi­en bringt. April, April! Nicht alles ist immer, wie es scheint; und auch das, was ganz und gar nicht scheint, bleibt oft erson­nen: Dunk­le Mate­rie gibt es viel­leicht gar nicht. Und wenn doch, dann ver­steckt sie sich ziem­lich gut.

Kein Scherz auch: Über­ra­schen­der­wei­se gilt bei Online­wer­bung gar nicht „viel hilft viel“, denn jemand, der mehr Wer­bung schal­tet, bekommt oft trotz­dem nicht mehr Besu­cher auf sei­ner ollen Wurst­web­site. Ver­damm­te Wer­be­blocker immer.

Kei­nes­wegs Wurst: Musik.

We Lost The Sea – A Gallant Gen­tle­man – Live at Stu­di­os 301 (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den Nachrichten
Hai Noon

2013:

Über Twit­ter wur­de er als schlech­te­ster Film aller Zei­ten abge­fei­ert. Dabei scheint sich „Shark­na­do“ gera­de des­halb zum Phä­no­men zu ent­wickeln. (…) Der Plot: ein Tor­na­do zieht in Los Ange­les an Land und wir­belt aus dem Meer Haie auf, die wäh­rend ihres Flugs/Falls Men­schen attackie­ren.

2017:

In Rita, einer klei­nen Gemein­de an der Küste, ent­deck­ten die Hilfs­kräf­te einen ein Meter lan­gen Bul­len­hai – mit­ten auf der Stra­ße. Das unglück­li­che Tier war ent­we­der von der Flut an Land gespült oder von einem Wir­bel aus dem Was­ser geris­sen und durch die Luft an Land gewor­fen wor­den.

Es beginnt.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: All Them Wit­ches – Slee­ping Through the War

Sleeping Through the WarLan­ge nichts Gutes aus den USA mehr gehört. Zeit, dass sich das ändert!

Eben­dort näm­lich ent­sprang vor eini­gen Jah­ren das Quar­tett All Them Wit­ches, das der­zeit bei­na­he in der klas­si­schen Rock­be­set­zung mit­ein­an­der musi­ziert, jedoch zusätz­lich ver­schie­den­fach ein Mello­tron (oder gar meh­re­re) ein­setzt, was, wie der erfah­re­ne Musik­freund längst weiß, meist ein siche­res Zei­chen für etwas bes­se­re Musik ist, es sei denn, es steht „Gene­sis“ auf der Plat­te.

All Them Witches

Mit „Slee­ping Through the War“ erschien im Febru­ar die­ses Jah­res das aktu­el­le Album von All Them Wit­ches in besag­ter Beset­zung, und tat­säch­lich ist das hier Dar­ge­bo­te­ne von erfri­schen­der Unblöd­heit.

All Them Wit­ches – „Ala­ba­ster“ [Audio Only]

Der erwar­te­te Psy­che­de­lic Rock („3–5‑7“) und der tat­säch­lich erfreu­li­che Blues­rock („Inter­net“) auf „Slee­ping Through the War“ wer­den hier mit dis­so­nan­ten Aus­brü­chen an den rich­ti­gen Stel­len ver­se­hen, was in einem Freund des Schrä­gen wie den Ver­fas­ser die­ses Tex­tes die posi­ti­ve Grund­hal­tung noch zu stei­gern ver­mag. All Them Wit­ches ver­bin­den moder­nen Noi­se­r­ock mit dem, was ein Radio­sen­der, der nicht lügt, mit Recht als „das Beste der 70er“ ankün­di­gen lie­ße. Ich mag das.

All Them Wit­ches – „Bruce Lee“ [Offi­ci­al Video]

Erfreu­lich ist über­dies, dass „Slee­ping Through the War“ auf Bandcamp.com ange­hört wer­den kann. CD, Kas­set­te und Vinyl vom Album sind dort aller­dings, weil ich offen­sicht­lich nicht der Ein­zi­ge bin, der es mag, längst aus­ver­kauft; der Raub­tier­ka­pi­ta­list Amazon.de möge Lin­de­rung ver­schaf­fen. Ange­neh­mes Hören!

MontagsmusikPersönlichesPiratenpartei
Mar­te­ria, Yasha & Miss Plat­num – Lila Wol­ken // Übri­gens.

Das IST wach(Eigent­lich Par­tei­po­li­tik nicht beson­ders schät­zen und des­we­gen erschöp­fen­de Wochen­en­den mit ihr statt ihr ver­brin­gen; eigent­lich Men­schen nicht dau­er­haft für einen geeig­ne­ten Umgang hal­ten und des­we­gen mehr Zeit mit ihnen ver­brin­gen als gesell­schaft­lich min­de­stens akzep­ta­bel; eigent­lich lau­te Gröl­mu­sik für furcht­bar hal­ten und des­we­gen in einer Sze­ne­knei­pe ver­san­den; eigent­lich zu alt sein für den Quatsch und des­we­gen nicht vor der Sperr­stun­de über den Heim­weg nach­den­ken; es eigent­lich bes­ser wis­sen hät­ten sol­len und des­we­gen nichts bes­ser machen. Die Fla­sche Ruf­po­li­tur ist leer.)

Ach, was soll’s.

Mar­te­ria, Yasha, Miss Plat­num – Lila Wol­ken (Offi­zi­el­les Musik­vi­deo)

Guten Mor­gen.

MusikNetzfundstücke
Schwarz­ko­pie­rer schwarz­ma­len gegen das Inter­net

Ein reich­lich über­zo­ge­nes Ver­fah­ren, sei­nem Ärger über das Ver­hal­ten man­ches Musik­kon­su­men­ten Luft zu machen, wähl­te Trent Rez­nor (Nine Inch Nails), der in einem Inter­view im Janu­ar 2017 sei­nen Miss­mut dar­über beklag­te, dass das Inter­net zu vie­len Leu­ten eine zu domi­nan­te Platt­form für destruk­ti­ve Musik­kri­tik bie­te, bei der Ver­tei­lung eines Bonus­pa­kets für Käu­fer der im ver­gan­ge­nen Jahr erschie­ne­nen EP „Not the Actu­al Events“: Die­ses scheint aller­lei Text- und Bild­bei­la­gen zu ent­hal­ten, über­dies ein eigen­ar­ti­ges schwar­zes Pul­ver, das die Fin­ger­ab­drücke des­je­ni­gen, der das Paket öff­net, unwei­ger­lich auf sei­nen Inhalt bannt. Es lie­ße sich also durch­aus dar­aus fol­gern, dass hier ein beson­ders effi­zi­en­ter Kopier­schutz vor­liegt: Wer ver­sucht, den Inhalt auf so Tausch­bör­sen hoch­zu­la­den, hin­ter­lässt dabei auch ein­deu­ti­ge Spu­ren, die unter Umstän­den sei­ne ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung erlau­ben.

Gerüch­ten zufol­ge hat Sony Enter­tain­ment, die Fir­ma, die in ihren Gefech­ten gegen unli­zen­zier­te Medi­en­ko­pien auch schon mal mit Schad­soft­ware, Kun­den­täu­schung und juri­sti­schen Repres­sio­nen arbei­tet, die­se Idee begei­stert auf­ge­nom­men und plant in kom­men­de CD-Ver­öf­fent­li­chun­gen ihrer Künst­ler win­zi­ge Skal­pel­le zu inte­grie­ren, um abfo­to­gra­fier­te CD-Cover anhand der Blut­spu­ren ein­deu­tig zurück­ver­fol­gen zu kön­nen.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Das Wesen einer Wahl: Ralf Ste­g­ner und die Pira­ten­par­tei tref­fen sich im Schulz­bus

„Wahl, die: Ent­schei­dung zwi­schen zwei oder mehr Mög­lich­kei­ten, Din­gen, Per­so­nen, Aus­wahl“
Digi­ta­les Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che


Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag trat Mar­tin Schulz, des­sen Beliebt­heit wohl nur damit zu erklä­ren ist, dass er wahl­wei­se nicht Ange­la Mer­kel oder nicht Sig­mar Gabri­el ist, mit 605 von 605 mög­li­chen Dele­gier­ten­stim­men letz­te­res Herrn Nach­fol­ge an der Spit­ze der ehe­ma­li­gen Arbei­ter- und heu­ti­gen Arbeit­ge­ber­par­tei SPD an. Medi­al wur­de das breit­flä­chig so oder ähn­lich dar­ge­stellt:

Ein Bun­des­par­tei­tag wähl­te den 61-Jäh­ri­gen in Ber­lin ohne Gegen­stim­me zum Nach­fol­ger von Sig­mar Gabri­el. Es ist das beste Ergeb­nis der Nach­kriegs­zeit.

Las­sen wir den übli­chen SPIEGEL’schen Super­la­tiv­knal­ler im zwei­ten Satz ein­mal außer Acht, denn auch vor 1945 hat die­ser gleich­wie hei­li­ge Mar­tin Schulz nie­mals mehr als 100 Pro­zent irgend­wel­cher Stim­men bekom­men, sei­ne Par­tei nach 1945 in Ost­deutsch­land auch nur, als sie schon SED hieß, so lau­tet die wesent­li­che Infor­ma­ti­on, dass die SPD aber­mals ihren Vor­sit­zen­den mit einer der­art über­zo­ge­nen Begei­ste­rung aus­ge­tauscht hat, als sei­en die bis­he­ri­gen Wahl- und Umfra­ge­er­geb­nis­se der rechts­po­pu­li­sti­schen SPD allein die Schuld des nun­mehr im Außen­mi­ni­ste­ri­um ein über­zo­ge­nes Gehalt bezie­hen­den ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den und nicht etwa der men­schen­feind­li­chen Poli­tik, die von der Par­tei­ba­sis mit­ge­tra­gen und von Par­tei­mi­ni­stern wie Andrea Nah­les und Frank-Wal­ter Stein­mei­er aktiv vor­an­ge­trie­ben wur­de und wird.

Zusätz­lich aber ist hier von einer „Wahl“ die Rede. Dass das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Ver­ständ­nis von die­sem Grund­pfei­ler einer Demo­kra­tie nicht das beste ist, ist spä­te­stens seit Ende August 2006, als der dama­li­ge SPD-Vize­kanz­ler und Mini­ster für „Arbeit“ und „Sozia­les“, Franz Mün­te­fe­ring, postu­lier­te, es sei „unfair“, eine Koali­ti­on an ihren Wahl­ver­spre­chen zu mes­sen, nur noch von jenen glaub­wür­dig zu leug­nen, die zu spät gebo­ren sind und/oder im Wahl­jahr für ein Medi­um wie „SPIEGEL ONLINE“ irgend­wel­che Arti­kel schrei­ben müs­sen.

Ja, 2017 ist wie­der ein Wahl­jahr, ein Super­wahl­jahr gar, und die Angst vor der AfD ist so groß, dass sich sogar das ehe­ma­li­ge Fach­ma­ga­zin „hei­se online“ nicht zu blöd vor­kommt, in einem Arti­kel dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Pira­ten­par­tei auch ganz bestimmt tot ist. Die für den näch­sten Schritt nöti­ge gei­sti­ge Trans­fer­lei­stung zu erbrin­gen wäre, zuge­ge­ben, für den durch­schnitt­li­chen Inter­net­jour­na­li­sten auch wirk­lich zu viel ver­langt. Aber auch sonst scheint die Pira­ten­par­tei – mit der AfD will man es sich offen­kun­dig nicht all­zu sehr ver­scher­zen, Rechts­po­pu­li­sten sind gern bei­sam­men – gera­de ein will­kom­me­nes Ziel von Leu­ten zu sein, denen die Demo­kra­tie nicht beson­ders nahe ist. Mar­tin Schulz‘ Stell­ver­tre­ter Ralf Ste­g­ner etwa pöbel­te auf Twit­ter dar­über, dass ein Mit­glied der Pira­ten­par­tei („1%Partei“, Recht­schrei­bung wie im Ori­gi­nal) die zahl­rei­chen Neben­ein­künf­te von Berufs­po­li­ti­kern als das Voll­ma­chen von Taschen bezeich­ne­te, weil sich so, so Ralf Ste­g­ner, sonst nur „Demo­kra­tie­fein­de“ und „Rechts­po­pu­li­sten“ aus­drück­ten, womit er offen­sicht­lich kei­nes­wegs sich selbst mein­te.

Nun ent­larvt das anschei­nend dif­fa­mie­ren­de Beto­nen der momen­ta­nen Umfra­ge­wer­te der Pira­ten­par­tei, als sei eine Par­tei mit weni­gen Stim­men plötz­lich ein weni­ger wert­vol­les Mit­glied des demo­kra­ti­schen Spek­trums und als soll­ten ihre Mit­glie­der dar­um bes­ser schwei­gen, Ralf Ste­g­ner, wenn schon nicht unbe­dingt als einen Rechts­po­pu­li­sten, wenig­stens als einen Demo­kra­tie­feind, womit er in der SPD gut auf­ge­ho­ben ist. War die Kurz­nach­richt auf Twit­ter womög­lich gar aner­ken­nend gemeint? Wird Twit­ter das jemals erfah­ren?

Und wer war in die­sem hoch­de­mo­kra­ti­schen Kom­plex SPD in der so genann­ten „Wahl“ des neu­en Par­tei­vor­sit­zen­den eigent­lich der Gegen­kan­di­dat von Mar­tin Schulz?

MontagsmusikMir wird geschlechtPolitikIn den Nachrichten
Dot Lega­cy – Sto­ry of Fame

Kann ich rauskommen?Es ist Mon­tag, aber man muss nicht raus, was ihm, dem Mon­tag, bei­na­he jeden Schrecken raubt (außer viel­leicht: wie­der beginnt ein Tag des Lebens, an dem man eigent­lich so vie­les könn­te, wenn man nur woll­te). Ein Tag ohne Grund, ohne Mond noch dazu.

Apro­pos Kön­nen und Wol­len: Das bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men Sie­mens erwägt in weni­gen Jah­ren Fahr­zeug­fa­bri­ken ganz ohne lästi­ge, weil kosten­in­ten­si­ve mensch­li­che Arbeits­kräf­te zu betrei­ben, was in die­se Zeit des poli­ti­schen Auf­schwungs der SPD (die, Iro­nie der Geschich­te, eigent­lich schon immer im Betriebs­rat von Sie­mens her­um­saß und Luft weg­at­me­te) pri­ma passt. Von einem bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men ohne lästi­ge, weil kosten­in­ten­si­ve mensch­li­che Vor­stän­de ist bis auf Wei­te­res aber nur zu träu­men.

Genug Zeit bleibt bis dahin also, um die frei erfun­de­ne Gehalts­lücke zwi­schen Mann und Frau, Quatsch: schlech­ter und bes­ser qua­li­fi­zier­tem Arbeit­neh­mer end­lich zu schlie­ßen. Zah­len wir doch ein­fach jedem daher­ge­lau­fe­nen Kas­per grund­los das glei­che Geld, wie es die sozi­al­ro­man­ti­sche und lei­stungs­feind­li­che Träu­me­rei von einem „bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men“ sug­ge­riert, und freu­en wir uns auf eine Welt, in der auf eine anstän­di­ge Arbeit kei­ner mehr Lust hat. Übrig blei­ben wie gewohnt die Doo­fen.

Über­lei­tung? Spä­ter viel­leicht. Zitat jeden­falls: Der DHL-Paket­bo­te [müs­se] also DHL Paket­bo­te hei­ßen, damit man ihn welt­weit ein­heit­lich falsch schrei­ben kann. So weit ist es schon. Wofür ist so ein Schul­ab­schluss mit Deutsch­pflicht eigent­lich noch gut, wenn ihn spä­ter kei­ner mehr benutzt?

Was aber drin­gend benutzt wer­den soll­te, schon zwecks Beru­hi­gung: Musik.

Dot Lega­cy – Sto­ry Of Fame

Guten Mor­gen.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 18. März 2017

Ver­fas­sungs­feind des Tages: Hei­ko Maas, SPD.


Na, ist auch euer Tag zu kurz, um all die span­nen­den „neu­en“ Fern­seh- oder Inter­net­se­ri­en ange­mes­sen auf­merk­sam ver­fol­gen zu kön­nen? Dann guckt sie doch ein­fach dop­pelt so schnell!


Brül­ler des Tages: Das glei­che Mozil­la, das erst neu­lich gegen den Wil­len der mei­sten Stamm­nut­zer und lang­jäh­ri­gen Erwei­te­rungs­ent­wick­ler XUL aus Fire­fox zu ent­fer­nen ankün­dig­te, bit­tet die­se Ent­wick­ler jetzt in einem Blog­ein­trag dar­um, sie mögen doch bit­te an das Wohl der Nut­zer den­ken.


Jens Bal­zer („SPIEGEL ONLINE“) mag Ramm­stein nicht und hält die Band (womög­lich des­halb) für eine Keim­zel­le des Rechts­po­pu­lis­mus, nennt Ramm­steins offen­sicht­li­che musi­ka­li­sche Vor­bil­der Lai­bach aber im glei­chen Text „eine radi­ka­le, aus den Sieb­zi­ger­jah­ren bis in die Gegen­wart rei­chen­de Avant­gar­de, von der die Gewalt­er­fah­run­gen des 20. Jahr­hun­derts eben­so reflek­tiert wur­den wie das tota­li­tä­re Poten­zi­al der post­mo­der­nen Mas­sen­me­di­en“. Wofür ich der­weil Jens Bal­zer hal­te, möge sich der in Kraft­aus­drücken bewan­der­te Leser bit­te selbst aus­ma­len.


Tür­ki­sche Vieh­pro­du­zen­ten wol­len nie­der­län­di­sche Kühe pro­te­stie­rend in deren Hei­mat­land zurück­schicken. Nie­der­län­di­sche Zie­gen dür­fen, wie man hört, jedoch auch wei­ter­hin in der Tür­kei blei­ben.


Heu­te vor 10 Jah­ren: Nie­der­sach­sens Pfer­de­ap­fel­kam­pa­gne.


Wie lan­ge braucht so ein Linux eigent­lich, um eine kri­ti­sche Sicher­heits­lücke zu fin­den und zu behe­ben? Ist ja freie Soft­ware und das alles. Ist ja siche­rer als Win­dows und so. – Rich­tig: über sie­ben Jah­re.

In den Nachrichten
Kurz notiert zur scha­ma­ni­schen Tech­ni­ker-Kran­ken­kas­se

Die­ser Tage lag ein The­ma im Trend, das man sonst nicht in unse­rer Fil­ter­bla­se der durch­schnitt­lich gesun­den Gebil­de­ten mitt­le­ren Alters erwar­tet hät­te, näm­lich Kran­ken­kas­sen – nicht irgend­ei­ne Kran­ken­kas­se, ver­steht sich, son­dern Deutsch­lands der­zeit mit­glie­der­stärk­ste Kran­ken­kas­se, näm­lich die for­schungs­kri­ti­sche Tech­ni­ker-Kran­ken­kas­se, deren Twit­ter­be­auf­trag­ter forsch frag­te, war­um denn die­se Kran­ken­kas­se nicht die Mit­glieds­bei­trä­ge auch für die För­de­rung von Homöo­pa­thie ver­schwen­den dür­fe und ob es etwa wis­sen­schaft­li­che Bele­ge dafür gebe, dass Homöo­pa­thie unwirk­sam sei, was, wie sich schnell her­aus­stell­te, natür­lich der Fall ist, aber der eigent­li­che Skan­dal hier­bei ist offen­sicht­lich, dass sich hier eine Kran­ken­kas­se für die Finan­zie­rung von Quatsch damit her­aus­re­det, dass Homöo­pa­thie gera­de beliebt und ver­brei­tet sei, wäh­rend nach­weis­lich tat­säch­lich hilf­rei­che, belieb­te und ver­brei­te­te Heil­mit­tel wie medi­zi­ni­sches Can­na­bis (wie auch neu­mo­di­sches Zeug wie Bril­len, Zahn­ersatz und so wei­ter) höch­stens nach Zuzah­lung im Lei­stungs­um­fang lie­gen, weil da weni­ger Leu­te dran glau­ben; und viel­leicht ist das Kon­zept der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen auch ein­fach eines, über das man in poli­ti­schem Rah­men ein­mal ganz unver­bind­lich nach­den­ken soll­te.