Netzfundstücke
Genüs­se im Erleb­nis­fahr­stuhl

In einem die­ser „Lusti­gen Taschen­bü­cher“ gab es ein­mal eine Geschich­te, in der Klaas Kle­ver und Dago­bert Duck dar­um wett­ei­fer­ten, wes­sen Flug­ha­fen den Gästen einen ange­neh­me­ren Auf­ent­halt besche­re, was natür­lich damit ende­te, dass nie­mand mehr eines ihrer Flug­zeu­ge benut­zen woll­te, weil der Flug­ha­fen mehr zu bie­ten hat­te als jeder Urlaub.

Kei­ne Ahnung, wie ich gera­de dar­auf kom­me.

Ein bes­se­res „Fahr­stuhl-Erleb­nis“ sol­len den Fahr­gä­sten auch inter­ak­ti­ve und per­so­na­li­sier­te News- und Enter­tain­ment-Ange­bo­te ver­schaf­fen.

„Und – wo waren Sie im Urlaub?“
„Im Erleb­nis­fahr­stuhl, Chef. Da gab es sogar Rekla­me umsonst!“

:wallbash:

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Renais­sance – Song of Sche­he­ra­za­de // Absur­des für die Wis­sen­schaft

Montagsgefühl (ca.)Es ist Mon­tag. Die Kri­se hält uns fest in ihrem gie­ri­gen Griff. Das gelob­te Land der Pasta Bolo­gna, deren Aka­de­mi­ker sich glück­lich schät­zen kön­nen, wenig­stens noch irgend­wo eine freie Stel­le als Taxi­fah­rer zu fin­den, weil immer mehr schlecht aus­ge­bil­de­te Leu­te mit immer weni­ger wert­vol­len Abschlüs­sen sich vor ehr­li­cher Arbeit ver­stecken (Fach­kräf­te­man­gel am Arsch), mar­schier­te für die Wis­sen­schaft, ange­führt von Gen­der­s­pral­los, Wind­kraft­lob­by­isten und son­sti­gen Nie­ten, die es bis heu­te nicht zu Wis­sen schaff­ten. Man hät­te kochen kön­nen vor Scham und Gram, aber zu zweit wäre das doch deut­lich inter­es­san­ter gewe­sen; Mon­tags­me­lan­cho­lie, wie üblich wenig über­ra­schend.

Was für eine Über­ra­schung aber: Lädt man sich ein Pro­gramm mit einem ver­däch­tig klin­gen­den Namen („System Update“) her­un­ter, dann ist da viel­leicht Schad­soft­ware drin. Als wäre es ein Gra­fik­trei­ber oder eine „siche­re“ Schnitt­stel­le in einer Goo­g­le­an­wen­dung – völ­lig absurd!

Ein absur­des, aber den Scha­den­fro­hen durch­aus befrie­di­gen­des Geschäfts­mo­dell auch: Nes­pres­so für Saft. Als sei es irgend­wie erstre­bens­wert, Fil­ter­kaf­fee oder Frucht­saft durch irgend­wel­chen Kap­sel- oder Tüten­quatsch zu erset­zen.

Sehr wohl erstre­bens­wert hin­ge­gen: Musik.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum Bun­des­par­tei­tag der AfD in Köln

Wenn ein brei­tes Bünd­nis von Spin­nern aus vie­ler­lei Gesell­schafts­schich­ten, dar­un­ter aus­ge­rech­net Abge­sand­te der so genann­ten „Libe­ra­len“ und der ehe­mals ratio­nal­li­be­ra­len Pira­ten­par­tei, gemein­sam mit den ört­li­chen Ver­tre­tern der rechts­po­pu­li­sti­schen Par­tei­en CDU und SPD, deren gemein­sa­me Bun­des­tags­frak­ti­on wäh­rend­des­sen auch wei­ter­hin unbe­herrscht an der Beschrän­kung der Frei­heits­rech­te jedes Indi­vi­du­ums zugun­sten der Sicher­heit™ feilt, unter Miss­ach­tung nicht nur demo­kra­tisch not­wen­di­ger und oft auch selbst auf­er­leg­ter mora­li­scher und gesetz­li­cher Regeln, son­dern auch und gera­de jedes Grund­wer­tes der Zivi­li­sa­ti­on – da ver­sucht man auch schon mal für die Frei­heit den Mit­men­schen eins mit der Holz­lat­te über­zu­zie­hen und trifft dann zum Glück wenig­stens noch ein Bul­len­schwein – in die­sem Land, das unter größ­ter Anstren­gung und zum (öst­li­chen) Teil jahr­zehn­te­lang für ein frei­es und unge­hin­der­tes Ver­samm­lungs­recht kämp­fen muss­te, eine Ver­samm­lung einer Par­tei, auf deren Kon­to, im Gegen­satz zu ihrem eige­nen, bis­lang eben kein Inter­net­über­wa­chungs­ge­setz, kei­ne Steu­er­erhö­hung, kei­ne dau­ern­de Daten­er­fas­sung sogar beim Klo­pa­pier­kauf, kein Kriegs­ein­satz Deutsch­lands und kei­ne immer wei­ter stei­gen­de Armuts­quo­te gehen, so nach­hal­tig stö­ren zu müs­sen meint, dass offen­sicht­lich nur noch Poli­zei­schutz die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit der Teil­neh­mer weit­ge­hend sicher­stel­len kann, weil es nicht sein dür­fe, dass ein paar ande­re, jedoch aus irgend­wel­chen Grün­den regie­rungs­skep­ti­sche Spin­ner ihrer­seits die­ses Recht auf eine unge­hin­der­te Ver­samm­lung wahr­neh­men, um fried­lich ein wenig mit­ein­an­der über Unsinn, über des­sen Inhalt man als auf­ge­klär­ter Zeit­ge­nos­se zwei­fel­los nur noch den Kopf zu schüt­teln ver­mag, zu plau­dern und anschlie­ßend wie­der nach Hau­se zu fah­ren, dann hat die­ses brei­te Bünd­nis eine Par­tei wie die AfD und ihre Wahl­er­fol­ge selbst hart erkämpft und damit red­lich ver­dient.

NetzfundstückeIn den NachrichtenComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 21. April 2017

Es steht nur Quatsch zur Wahl? War­um Nicht­wäh­len kein „Zei­chen setzt“, son­dern aus­schließ­lich die Fal­schen stärkt, erklärt Fefe zitie­ren­der­wei­se.


Wie gut oder wie scha­de, dass Krieg ent­we­der ziem­lich schwie­rig oder ziem­lich ein­fach ist: Die Bun­des­wehr kön­ne nur 30 bis 70 Pro­zent, also wahl­wei­se fast alles oder fast nichts, nut­zen, behaup­ten Kai Bier­mann und Juli­an Stahn­ke auf „ZEIT ONLINE“.


Nach dem abseh­ba­ren Tod von Fire­fox ist aus­ge­rech­net Goo­gles Chro­me-Brow­ser das Gute? Weit gefehlt:

Der belieb­te­ste Brow­ser soll jetzt mit einem Wer­be­blocker aus­ge­stat­tet wer­den. (…) Die eige­ne Wer­bung wird erlaubt, die von kon­kur­rie­ren­den Wer­be­netz­wer­ken blockiert. (…) Damit ist Goog­le nicht bes­ser als das, was mit AdBlock Plus sei­nen Anfang gemacht hat.


„Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Aus­nah­me­zu­stand wie in der Tür­kei machen das Land siche­rer“ des Tages: Schie­ße­rei in Frank­reich. Auf Twit­ter beten schon wie­der alle. Das löst sicher­lich auch irgend­ein Pro­blem.


Ein Pro­blem mit den Medi­en ist ihr gegen­sei­ti­ges Abspre­chen des Wahr­heits­an­spruchs: Da wird in die­sen gras­sie­ren­den „Fak­ten­checks“ in steu­er­fi­nan­zier­ten Nach­rich­ten­sen­dun­gen schon mal ganz unauf­fäl­lig ein Buch eines umstrit­te­nen Autors auf „Mein Kampf“ gelegt, um das gan­ze Aus­maß der Bös­ar­tig­keit die­ses Autors schlag­kräf­tig zusam­men­zu­fas­sen. Nicht lesen, ist min­de­stens Hit­ler drin.


Wenn die Pres­se­frei­heit auch Jetzt.de ermög­licht, war sie wahr­schein­lich doch kei­ne gute Idee.

In den NachrichtenPolitik
Iwan des Tages: Si vis bel­lum, arce col­lo­qui­um!

Ver­damm­te Rus­sen aber auch:

Sogar Chi­na woll­te sich der Erklä­rung anschlie­ßen – doch Russ­land ließ sie plat­zen: Die Veto­macht hat im Uno-Sicher­heits­rat eine Ver­ur­tei­lung von Nord­ko­re­as jüng­stem Rake­ten­test blockiert. Russ­land bestand auf einer For­mu­lie­rung, die auch eine Bei­le­gung des Kon­flikts durch einen Dia­log vor­sieht. Dies war im letz­ten Ent­wurf fal­len­ge­las­sen wor­den.

Jetzt wol­len die nicht mal mehr anstän­dig mili­tä­risch eska­lie­ren! :motz:

Der Westen soll­te sich von die­sen Hip­pies drin­gend fern­hal­ten, sonst greift das noch wei­ter um sich. Nicht aus­zu­den­ken, wenn Diplo­ma­tie bald ohne Prä­ven­ti­ons­bom­bar­die­rung aus­kom­men muss.

(via Schwerdt­fe­gr)

NetzfundstückeComputer
JUSOS Schles­wig-Hol­stein: Plan­los durch’s Neu­land

In gewis­ser Hin­sicht bezau­bernd ist jeden­falls auch die­ses Wer­be­pla­kat der „jun­gen“ SPD („JUSOS“) in Schles­wig-Hol­stein, dem ein­zi­gen Bun­des­land, in dem die Pira­ten­par­tei noch was taugt:

Highspeed ist alle

Denn es wirft min­de­stens drei Fra­gen auf:

  1. War­um benö­tigt Tor­stens Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner unbe­dingt High­speed, um auf Text­nach­rich­ten zu ant­wor­ten (was ja auch zu funk­tio­nie­ren scheint, zumal das Emp­fan­gen eben­so kein Pro­blem ist)?
  2. Wie soll Tor­stens Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner die emp­foh­le­ne SPD-Web­site sinn­voll auf­ru­fen kön­nen, wenn die Band­brei­te nicht ein­mal zur Text­kom­mu­ni­ka­ti­on genügt?
  3. Wie­so hat es die schles­wig-hol­stei­ni­sche SPD in den fünf Jah­ren ihrer der­zeit andau­ern­den Lan­des­re­gie­rung trotz gegen­tei­li­ger For­de­run­gen (an wen?) nicht geschafft, die Breit­band­ver­sor­gung im Hei­mat­ge­biet von Tor­stens Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner zu ver­bes­sern, und wie möch­te sie das in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode ändern?

(via @Ziegelei)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Ab Mai ist Töten unge­sund

Eine wich­ti­ge Ankün­di­gung aus unse­rem demo­kra­ti­schen Part­ner­land im wil­den Westen:

Der Bun­des­staat [Arkan­sas, A.d.V.] will so vie­le Häft­lin­ge in kur­zer Zeit hin­rich­ten, weil Ende April die Halt­bar­keit des Mit­tels Mid­azo­lam abläuft.

Denn wir wis­sen ja: Abge­lau­fe­nes könn­te sich nach­tei­lig auf die Gesund­heit aus­wir­ken. :ja:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
SVIN – Maha­ra­ja // Demo­kra­ten, hüben wie drü­ben

OstereuleEs ist Mon­tag. Der Witz, kei­ner jedoch gehe hin, ist genau so müde wie man selbst; müde vom Welt­ge­sche­hen und nicht zuletzt von der Erkennt­nis, dass, was fehlt, fehlt. All­mäh­lich beginnt man sich dem Nichts zu erge­ben, auf­merk­sam beob­ach­tet von Kauz und Mond, nickend, doch schwei­gend.

Kei­nes­wegs nichts: Wäh­rend in der Bür­ger­schaft kräf­tig gegen den Popu­lis­mus gewet­tert wird, der irgend­ei­ne Demo­kra­tie oder Frei­heit oder so gefähr­det, unter­höhlt unser aller Lieb­lings­re­gie­rung, näm­lich die aus CDU/CSU und SPD, ein wei­te­res Mal das ohne­hin schon brü­chi­ge Fun­da­ment der „Grund­rech­te“. Das Brief­ge­heim­nis wird abge­schafft (sofern die Brie­fe elek­tro­nisch sind). Die NSA guckt uns der­weil beim Bezah­len zu. Ob man sie wohl anru­fen kann, wenn man sei­ne IBAN ver­ges­sen hat?

War­um ich neu­lich emp­fahl, nur noch schlaue Men­schen wäh­len zu las­sen, führt übri­gens aktu­ell die Tür­kei vor, deren Wäh­ler­schaft unter ande­rem mit einer Mehr­heit der in Deutsch­land leben­den Tür­ken – mit Prä­si­di­al­sy­ste­men ken­nen wir uns aus – eine aus klas­sisch demo­kra­ti­scher Sicht eher frag­wür­di­ge Ver­fas­sungs­än­de­rung zu befür­wor­ten scheint. Für die Schlau­en unter den Wäh­lern, die die Plä­ne nicht ver­wirk­licht sehen möch­ten, aber hat sich der Prä­si­dent schon etwas aus­ge­dacht: Erdoğan stellt Wie­der­ein­füh­rung der Todes­stra­fe in Aus­sicht, damit er end­lich auf glei­cher Augen­hö­he mit dem Westen ver­han­deln kann. Es ist das Wesen von sol­chen Sie­gen, dass sie, ob nun in Texas oder in der Tür­kei, mit dem Tod der Unter­le­ge­nen enden.

Und alles, was uns bleibt, ist Musik.

SVIN – Maha­ra­ja

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Mou­let­tes – Con­stel­la­ti­ons

Moulettes - ConstellationsDas eng­li­sche Kam­mer­rock­quin­tett Mou­let­tes ist regel­mä­ßi­gen Lesern viel­leicht bereits aus einer Mon­tags­mu­sik bekannt. Mit dem Album „Con­stel­la­ti­ons“ haben die Damen und Her­ren im Jahr 2014 mei­ner beschei­de­nen wie selbst­re­dend objek­ti­ven Mei­nung nach ihr bis­he­ri­ges Mei­ster­werk vor­ge­legt.

Das ein­zig­ar­ti­ge Klang­bild, das die Mou­let­tes zeich­nen, wird auf „Con­stel­la­ti­ons“ per­fek­tio­niert: Chor­pas­sa­gen und Kam­mer­mu­sik mit man­cher­lei Holz­in­stru­men­ten ste­hen neben beschwing­tem Art- und sogar Post­rock. Ein Musik­in­stru­ment so zu benut­zen, wie es ursprüng­lich ein­mal vor­ge­se­hen war, nimmt dem Ergeb­nis viel von sei­ner Wir­kung.

Mou­let­tes – Lady Ven­ge­an­ce (Live in Paris)

Als Gast wirkt unter ande­rem der nicht gänz­lich unbe­kann­te Bas­sist Her­bie Flowers (in „Land of the Mid­night Sun“) mit, völ­lig allein sind die Mou­let­tes, die mit die­sem Album Anisa Ars­la­na­gic als neu­es Mit­glied auf­nah­men und damit wie­der eine Frau­en­quo­te von 3:2 ver­mel­den muss­ten, also nicht. Die­se Per­so­na­lie soll­te indes nicht davon ablen­ken, dass mit dem Bas­si­sten Jim Mor­ti­more ein ande­rer bekann­ter Fami­li­en­zweig längst zur Stamm­be­set­zung gehört.

Mou­let­tes – Con­stel­la­ti­ons

„Con­stel­la­ti­ons“ ist zwei­fel­los ein Album, das – schon wie­der die­se schlim­me Schub­la­de – im posi­ti­ven Sin­ne Spaß macht. Für die ange­hen­den war­men Mona­te muss es ja nicht immer nur der neue­ste Som­mer­hit sein.

Möge die Freu­de nicht nur mei­ner­seits blei­ben.

Politik
End­lich hass­frei Leu­te ver­mö­beln dank Mario Six­tus

Mario Six­tus – das war der hier – teil­te am ver­gan­ge­nen Mitt­woch fol­gen­de unbe­quell­te Sta­ti­stik mit sei­nen Lesern auf Twit­ter:

Auf­fäl­lig dabei ist, dass „rechts“ – bei „den Nazis“ – eine Men­ge Hass­kri­mi­na­li­tät auf­ge­führt ist, „links“ hin­ge­gen eine statt­li­che Anzahl an Ver­bre­chen bei der „Kon­fron­ta­ti­on gegen rechts“. Ist also davon aus­zu­ge­hen, dass ein einem „Nazi“ gegen­über began­ge­nes Ver­bre­chen (aus Hass gegen „die Nazis“) nicht als Hass­ver­bre­chen zu wer­ten ist? In wel­che Kate­go­rie fällt es, wenn jemand einen Flücht­ling ganz ohne Hass, son­dern zum Bei­spiel aus Alko­ho­li­sie­rungs­grün­den ver­prü­gelt?

Offen­sicht­lich jeden­falls besteht in Mario Six­tus‘ Wun­der­welt ein mora­li­scher Unter­schied nicht nur dar­in, wel­chen Anlass man für die Initi­ie­rung von Gewalt­aus­übung zum Vor­wand nimmt, son­dern auch in der Iden­ti­tät von Gewalt­tä­ter und Gewalt­op­fer:

Es ist näm­lich ein Unter­schied, ob 1) ein Nazi einen Flücht­ling ver­prü­gelt oder 2) ein Lin­ker einen Nazi.

Wie es eben auch ein Unter­schied ist, ob ich Mario Six­tus mei­nen lin­ken oder mei­nen rech­ten Mit­tel­fin­ger prä­sen­tie­re, nur eben in der Sache nichts ändert. Wer Gewalt aus­übt, der ist im Unrecht; dass mir jeman­des Nase, Haut­far­be, Reli­gi­on und/oder Par­tei­mit­glied­schaft miss­fällt, dis­kre­di­tiert im Höchst­fall nur mich selbst, die­ses Miss­fal­len im Ver­prü­geln die­ses Jemands zu kana­li­sie­ren setzt mich im Übri­gen auch nicht auf eine höhe­re mora­li­sche Stu­fe.

Das Ver­prü­geln von unlieb­sa­men Mit­men­schen zu rela­ti­vie­ren, indem man ver­sucht, jemand ande­res Ver­prü­geln als noch schlim­mer dar­zu­stel­len, als sei „der da kommt aus einem doo­fen Land“ eine noch schlech­te­re Aus­re­de als „der da hat eine doo­fe Welt­an­schau­ung“, also die Welt der aggres­siv aus­ge­üb­ten Gewalt in „schlimm“ und „weni­ger schlimm“ auf­zu­tei­len – das ver­bin­det die Lin­ken und die Nazis so ein­ma­lig wie sonst nur wenig. Die da haben aber zehn Leu­te mehr grund­los ver­prü­gelt als wir, was eben nichts beweist außer: Gewalt ist das Mit­tel derer, die gei­stig schwach sind und blei­ben.


Apro­pos „gei­stig schwach“: Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten haben die Oster­vor­be­rei­tun­gen genutzt, um eine neue Atom­bom­be aus­zu­pro­bie­ren. Jesus hät­te es so gewollt, schät­ze ich.

PersönlichesPolitik
Exper­to­kra­tie als Aus­weg aus der Mai­ziè­re

Der der­zeit noch als alter­na­tiv­los bewor­be­ne Weg der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie, die ver­meint­li­che Inter­es­sens­ver­tre­tung des Vol­kes durch eine Regie­rung mit eige­ner Agen­da, lässt sich inzwi­schen gesi­chert als geschei­tert anse­hen. Kei­ne Alter­na­ti­ve ist in direk­ter Demo­kra­tie zu sehen, denn schon die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie schei­tert dar­an, dass gera­de die­je­ni­gen mit der gering­sten poli­ti­schen Bil­dung Gebrauch von ihrem Wahl­recht machen.

In einem Staat, der für Stu­di­um und Auto­fah­ren eine Rei­fe­prü­fung vor­aus­setzt, soll­te das Wäh­len, des­sen Fol­gen noch weit­aus schlim­mer als ein gleich­wie schwe­rer Auto­un­fall sein kön­nen, erst recht einen Nach­weis über die aus­rei­chen­de gei­sti­ge Rei­fe zur Par­ti­zi­pa­ti­on vor­aus­set­zen. Dar­aus las­sen sich fol­gen­de Ideen für eine lebens­wer­te Zukunft der Gesell­schaft ablei­ten:

  1. Das Wahl­recht soll­te kein Grund­recht blei­ben, viel­mehr soll­te es denen offen­ste­hen, die eine wie auch immer gear­te­te Befä­hi­gung zu pro­gres­si­vem Den­ken auf­wei­sen.
  2. Die gleich­zei­ti­ge Mit­glied­schaft in einer reli­giö­sen Gemein­schaft und dem Wahl­sy­stem des Lan­des muss aus­ge­schlos­sen blei­ben, um die end­lich not­wen­di­gen Anrei­ze zur Tren­nung von Staat und Kir­che zu schaf­fen und eine wei­te­re Ent­sä­ku­la­ri­sie­rung der Poli­tik nach­hal­tig zu ver­hin­dern.
  3. Es muss enge­re Gren­zen für Par­tei­pro­gram­me geben. Eine Par­tei, die den digi­ta­len Wan­del pro­gram­ma­tisch ver­schläft, ist als nicht gegen­warts­taug­lich ein­zu­stu­fen.
  4. Video- und Daten­trans­fer­über­wa­chung sind im Wei­te­ren aus­schließ­lich in den Geschäfts­räu­men der Lan­des- und Bun­des­re­gie­run­gen gestat­tet.

Und dann war­ten wir ein­fach mal ab.

In den Nachrichten
Sicher vorm Herrn

Was uns die Reli­gi­on heu­te noch zu bie­ten hat: Gran­dio­sen Witz.

Ein mehr als zwei Meter gro­ßer Phal­lus erregt in Öster­reich ein wenig Ärger. Die Penis-Skulp­tur im Gar­ten eines Kunst- und Immo­bi­li­en­händ­lers in Traun­kir­chen steht in Sicht­wei­te eines Pil­ger­wegs, der zu Ostern stark fre­quen­tiert wird. (…) Viel­mehr habe er als Ver­hül­lung ein gro­ßes Kon­dom in Auf­trag gege­ben.

Der­weil darf der vor­ma­li­ge Herr der moder­nen Kreuz­zü­ge, unter gro­ßem und plötz­li­chem Bedau­ern der Welt­öf­fent­lich­keit fort­ge­führt von sei­nem bis­lang nicht zum Frie­dens­für­sten ernann­ten Nach­fol­ger, noch im Früh­jahr zu den Zög­lin­gen des Kreuz­zug­be­für­wor­ters Mar­tin Luther spre­chen, ver­mut­lich kei­nes­falls auf eige­ne Kosten.

Wer im Jahr 2017 noch einer die­ser christ­li­chen Reli­gio­nen anhängt, der soll­te ganz unver­bind­lich ein­mal auf sei­ne wei­te­re Mün­dig­keit über­prüft wer­den.

In den Nachrichten
Zwangs­voll­streck­ter frei­er Wil­le

Auch mal schön:

Flug über­bucht – United Air­lines lässt Pas­sa­gier aus Flug­zeug zer­ren[.] (…) „Wir hat­ten nach Frei­wil­li­gen gesucht. Ein Pas­sa­gier hat­te sich jedoch dage­gen gesträubt, das Flug­zeug frei­wil­lig zu ver­las­sen, so dass wir Sicher­heits­kräf­te hin­zu­zie­hen muss­ten“, sag­te Charles Hobart, ein Spre­cher der Air­line.

Gut so! Die­sem unver­schäm­ten Frei­wil­li­gen muss man Respekt ein­bläu­en! :aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusik
Sleep – Dra­go­naut

Hmpf.Oh, ein Mon­tag! Gleich mal dran ver­zwei­feln, weil man, wäre man zwan­zig Jah­re jün­ger, jetzt Feri­en hät­te und weil der Sonn­tag so vie­les ver­lo­ren hat; und dann wird es auch noch warm und son­nig drau­ßen, tra­di­tio­nell fol­gen nun die gewohn­ten drei Wochen som­mer­ähn­li­chen Zustands, in denen Drin­sein noch ange­neh­mer sein wird als bis­her. Sel­ten wur­de schlech­ter Geschmack so sehr gefürch­tet.

Wovor sich sonst so gefürch­tet wird: Die Männ­lich­keit des Inter­nets. Alles Patri­ar­chen mit gewal­ti­gen Penis­sen hier, die Frau­en die Erfin­dung des Inter­nets ver­bie­ten wol­len, weil es das Inter­net blö­der­wei­se schon gibt. Auf­schrei! – Was es im Inter­net im Übri­gen auch gibt, ist Schad­soft­ware. Wer immer noch glaub­te, dass ihn irgend­wel­che Pro­gram­me davor schüt­zen, der ver­kennt den Ernst der Lage: Ein paar For­scher von zwei nie­der­säch­si­schen Uni­ver­si­tä­ten haben jüngst ein For­schungs­er­geb­nis prä­sen­tiert, dem­zu­fol­ge klug pro­gram­mier­te Schad­soft­ware den so genann­ten „Viren­scan­ner“ dazu brin­gen kann, Schad­code über­haupt erst aus­zu­füh­ren. Man­cher Men­schen Vor­stel­lung scheint das nicht für mög­lich zu hal­ten.

Ande­re haben sich dann auch mal vor­ge­stellt: Nach der Ermor­dung eini­ger Men­schen in Syri­en hat der boden­stän­di­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Donald Trump natür­lich auf Twit­ter den Betei­lig­ten gra­tu­liert, weil sie die USA („und die Welt“, D. Trump) so toll ver­tre­ten haben. Die­je­ni­gen, die mir frü­her bei­brin­gen woll­ten, wie man sein Land im Aus­land bevor­zugt ver­tre­ten soll­te, haben mir die­sen Teil natür­lich ver­schwie­gen. Frech­heit.

Ganz und gar nicht frech: Ein wenig Stoner Rock.

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Der „Echo“ schallt zurück.

Der see­len­lo­se Fern­seh­kas­per Jan Böh­mer­mann, des­sen Gel­tungs­drang in einer bes­se­ren Welt als vali­der Grund für die Befrei­ung vom Rund­funk­bei­trag gäl­te, hat vor ein paar Tagen etwas gesagt, was so nach­drück­lich wirk­te, dass es auch in mei­nen Nach­rich­ten­li­sten auf­tauch­te:

Böh­mer­mann hat­te kurz vor der Gala in sei­ner Sen­dung „Neo Maga­zin Roya­le“ von „see­len­lo­ser Kom­merz­kacke“ gespro­chen, die der Echo immer wie­der ehre.

Den zuge­hö­ri­gen Sen­dungs­aus­schnitt, in dem unter ande­rem die öster­rei­chi­sche Sän­ge­rin Chri­sti­na Stür­mer „dem deut­schen Pop“ zuge­rech­net wur­de, was über Jan Böh­mer­mann nun auch wie­der mehr aus­sagt als über Chri­sti­na Stür­mer oder „den deut­schen Pop“, füg­te man bei „SPIEGEL ONLINE“ dem Arti­kel bei, was erfreu­lich ist, denn man bekommt ja sonst über­haupt nichts mehr mit von Jan Böh­mer­mann.

Echop­reis­trä­ger „Cam­pi­no“ („Die Toten Hosen“, nach eige­ner Aus­sa­ge „Punk, so lan­ge John­ny Thun­ders lebt“, was also etwa 1991 ende­te), bekannt gewor­den durch Trink­lie­der und bekannt geblie­ben durch Gitar­ren­schla­ger, trug dazu fol­gen­des uncoo­les Zeit­geist­ge­plap­per vor:

„Lie­ber uncool sein als ein coo­les Arsch­loch, das sich nicht kon­struk­tiv ein­brin­gen kann.“ Er sprach auch von „Böh­mer­mann­schem Zeit­geist­ge­plap­per“.

Das Cool­sein der Toten Hosen ende­te nach mei­nem Dafür­hal­ten unge­fähr mit der Ver­öf­fent­li­chung des Welt­schmerz­al­bums „Unsterb­lich“, was ihm also zumin­dest genug Übung ein­ge­bracht haben dürf­te, um aus Erfah­rung zu spre­chen.

Das Pro­blem am „Echo“ ist aber nicht, dass er ein kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ter Musik­preis, unter dem Applaus von Dum­men ver­ge­ben von Kapi­ta­li­sten an Uncoo­le, ist, das Pro­blem ist, dass kom­mer­zi­el­ler Erfolg nur schreck­li­cher Musik beschie­den ist. Eine Hit­pa­ra­de, deren Hit­ga­ran­ten über­wie­gend gleich aus­se­hen und sich musi­ka­lisch wie inhalt­lich auch noch gleich anhö­ren, ist kei­ne Hit­pa­ra­de, son­dern lang­wei­lig; weder Para­de noch Hits. Dass die­se Hit­mu­sik über­dies sich nicht nen­nens­wert von dem unter­schei­det, was die Groß­el­tern nach dem Krieg zur Beru­hi­gung hör­ten, näm­lich irgend­wel­che Lie­bes­chan­sons („Schla­ger“), ver­leiht Musik­prei­sen wie dem „Echo“ zwar eine gewis­se Bestän­dig­keit, lässt mich aber am Daseins­zweck die­ser Prei­se zwei­feln.

Sicher­lich ist in der Musik sozu­sa­gen alles schon ein­mal da gewe­sen, neu sind allen­falls Effek­te und Instru­men­te, und sicher­lich wird es immer wie­der eine Gene­ra­ti­on von jun­gen Men­schen geben, die den aber­tau­send­sten Neu­auf­guss von Nico­le, Udo Jür­gens oder, wenn’s denn sein muss, Annett Loui­san für ihr Ding, Aus­druck ihres lang­wei­li­gen Hip­pie­le­bens­ge­fühls und sonst­wie preis­ver­däch­tig hal­ten; sicher­lich kann man es sich dann aber auch spa­ren, jahr­zehn­te­lang gan­ze Bild­schirm­sei­ten mit einer Bericht­erstat­tung dar­über zu fül­len, wie der dies­jäh­ri­ge Tim Bendz­ko heißt, oder dar­über, wie furcht­bar lang­wei­lig und aus­tausch­bar die dort aus­ge­zeich­ne­ten Melo­dien eigent­lich sind, wes­halb ich dies nun zumin­dest mei­ner­seits abbre­chen möch­te, nicht ohne zuvor kon­sta­tiert zu haben: Qua­li­tät zeich­net sich dadurch aus, dass sie nicht ver­stan­den wird.

Wer die Mas­se bewe­gen möch­te, der soll­te eben zunächst sei­ne Klas­se auf­ge­ben.