PolitikIn den Nachrichten
Der Schut im Lan­de des Bont­wer­kers

Was macht eigent­lich ein Prä­si­dent eines vor­geb­lich welt­lich-isla­mi­schen Lan­des, das sich in den letz­ten Jah­ren unter sei­ner eiser­nen Faust vor allem durch die Bekämp­fung eth­ni­scher Min­der­hei­ten, das Weg­sper­ren gleich­wie bedenk­li­cher Pres­se­ver­tre­ter, die all­mäh­li­che Mon­ar­chi­sie­rung und ein per­ma­nen­tes Beschimp­fen von Län­dern, aus denen ver­hal­te­ne Kri­tik ertönt, als Natio­nal­so­zia­li­sten oder deren Nach­kom­men, her­vor­ge­tan hat, wenn es einem der übri­gen Län­der auch mal reicht mit dem kran­ken Mann am Bos­po­rus?

Rich­tig:

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdo­gan will das Auf­tritts­ver­bot für sei­ne Mini­ster in den Nie­der­lan­den vor den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te brin­gen.

Was auch sonst? :aufsmaul:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Kro­bak – Bro­ken // Dik­ta­to­ren mit Bär­ten, Frau­en mit Nägeln

Frühling, oh nein.Es ist Mon­tag, ein Tag, von dem eine Ent­frem­dung loh­nens­wer­ter scheint als von ande­ren Din­gen des Lebens. Es wird Früh­ling, die Hor­mo­ne trei­ben Unfug und das Drau­ßen­sein wird so auch ästhe­tisch wie­der zur Qual. Wohl dem, der drin sein kann und sich wun­dern.

Kei­nes­wegs drin ist EU-Bei­tritts­kan­di­dat Tür­kei, des­sen Häupt­lings stän­di­ge Prä­si­den­ten­schnapp­at­mung dazu führ­te, dass die dort Ver­folg­ten auch hier­zu­lan­de nicht mehr gern gese­hen sind: Das Innen­mi­ni­ste­ri­um bekämpft auch wei­ter­hin die Geg­ner des Isla­mi­schen Staa­tes, auf dass der Frie­de zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei auch wei­ter­hin nicht in Fra­ge ste­hen möge. Rich­tig machen es unse­re west­li­chen Nach­barn, die sich tra­di­tio­nell nur sehr ungern von einem bär­ti­gen Dik­ta­tor auf den Tul­pen­na­sen her­um­tan­zen las­sen. Nach der anste­hen­den Wahl in den Nie­der­lan­den, der der Rechts­po­pu­lis­mus nun wohl gelas­sen ent­ge­gen blicken kann, wird es dann wie­der aller­or­ten von den Dächern trom­pe­ten, die Nazis sei­en zu beliebt gewor­den. Wohl dem, der Ursa­che und Wir­kung nicht der Wirt­schaft zulie­be ver­wech­selt.

Von der Welt­öf­fent­lich­keit zum Glück weit­ge­hend unbe­merkt wur­de aus dem Krei­se derer Twit­ter­frau­en, deren bis­he­ri­ge Lebens­lei­stung (in erster Linie näm­lich diver­se Twit­ter-Hash­tags) auf dem Geld ande­rer Leu­te errich­tet wur­de und die sich medi­al bis­lang vor allem mit gemein­sa­mem Nie­der­brül­len derer, die bes­ser sind als sie, her­vor­ge­tan haben, das „Femi­ni­sti­sche Netz­werk“ gegrün­det. Inter­es­sant am Logo des „Femi­ni­sti­schen Netz­werks“ fin­de ich, dass es drei sti­li­sier­te Hän­de von bena­gel­lack­ten und vor allem dün­nen Frau­en zeigt. Sind dicke Frau­en ohne Nagel­lack (oder gar, buäh!, femi­ni­sti­sche Män­ner) in Femi­ni­sten­krei­sen unbe­liebt? Ich fin­de das ziem­lich unter­drückend von den betei­lig­ten Frau­en, die damit zwei­fels­oh­ne dem Patri­ar­chat in die Hän­de spie­len.

Min­de­stens genau so unan­ge­nehm übri­gens: Ohr­wür­mer von erschreckend okay­er Pop­mu­sik, die man eigent­lich gar nicht mögen dürf­te. Schnell ein Gegen­mit­tel!

Kro­bak – Bro­ken (offi­ci­al video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Ertüch­ti­gungs­arm­band für unten­rum

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 von 16 der Serie Mehr Inter­net in alles!

Wo muss­te denn bis­her noch unbe­dingt mehr Inter­net rein? Rich­tig; gegen die nur all­zu mensch­li­che Angst, es könn­ten im täg­li­chen Leben zu wenig Daten, die der Wirt­schaft und dem Staat wert­vol­le Erkennt­nis­se lie­fern kön­nen, anfal­len, gibt es bald ein wei­te­res, zur­zeit in der „Test­pha­se“ (wie wird man da eigent­lich Tester?) befind­li­ches Hilfs­mit­tel:

Es han­delt sich um einen Ring, der über Ihren lang­wei­li­gen funk­tio­na­len Latex­freund passt und Ihnen wert­vol­le Ein­blicke gibt, die Sie gele­gent­lich in einem Gespräch mit Ihren Freun­den, Ihrer Fami­lie und Ihren Nach­barn fal­len las­sen kön­nen. (…) Neben der Mes­sung von Druck­ge­schwin­dig­keit und all­ge­mei­nem Tem­po ver­rät Ihnen das i.Con, wie vie­le Kalo­rien Sie ver­braucht haben, wel­che Posi­tio­nen Ihnen Freu­de berei­te­ten und wie oft Sie Sex hat­ten.

Und ich hielt Trep­pen­steig­wett­be­wer­be von Frei­zeit­fit­ten schon für bescheu­ert. :irre:

(via @internetofshit)

In den NachrichtenNerdkrams
Über­ra­schen­de Erkennt­nis­se aus Vault 7

Es gibt wie­der ein­mal einen neu­en Spio­na­ge­fall, den einen Spio­na­ge­skan­dal zu nen­nen sich allen­falls die­je­ni­gen Medi­en und ‑kon­su­men­ten trau­en, deren Blau­äu­gig­keit die­se Spio­na­ge über­haupt erst ermög­licht: Rus­si­sche Hacker Infor­man­ten unkla­rer Her­kunft haben der Ent­hül­lungs­platt­form Wiki­Leaks gehei­me Doku­men­te zuge­steckt, die den US-ame­ri­ka­ni­schen Aus­lands­ge­heim­dienst CIA über­ra­schen­der­wei­se auf eine mit der, auf der die NSA in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung gera­de steht, ver­gleich­ba­re Stu­fe heben bzw. sen­ken.

‘Über­ra­schen­de Erkennt­nis­se aus Vault 7’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenNerdkrams
Rekla­me, ver­le­ge­risch bestä­tig­tes Boll­werk des guten Links­seins

Wisst ihr, war­um ihr die sog. „Schuld“ dar­an tragt, dass Donald Trump der amtie­ren­de Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wur­de?

Weil ihr Wer­bung blockiert. Denn nur durch das Angucken von Wer­bung ist die rech­te Gefahr noch zu bän­di­gen. Doch, wirk­lich!

Und Rekla­me sei immer­hin eine wert­vol­le Ergän­zung der jour­na­li­sti­schen Qua­li­täts­er­zeug­nis­se:

„Anzei­gen sind Nach­rich­ten – es sind inhalt­li­che Infor­ma­tio­nen im Kern­be­reich der Pres­se­frei­heit.“ Unab­hän­gig von der Qua­li­tät ihres Bei­tra­ges hät­ten „die Annon­cen einen informations‑, mei­nungs- und bil­dungs­för­dern­den Ein­fluss auf den Leser hin­sicht­lich des jewei­li­gen Sach­ge­bie­tes“.

So weit ist es schon gekom­men mit dem Jour­na­lis­mus, dass er bun­ter Schad­soft­ware inhalt­li­che Qua­li­tät auf wenig­stens eige­nem Stan­dard beschei­nigt. Wer­bung gucken gegen Trump.

Mir gehen all­mäh­lich die Emo­ti­ons­aus­drücke aus.


Nach­trag vom 8. März 2017, bzw.: Die Tro­ja­ner, die Sie sich mög­li­cher­wei­se wegen unse­rer Lügen ein­fan­gen, sind Ihr Pro­blem, nicht unse­res.

In den NachrichtenWirtschaft
Traum­be­ruf Arbeits­lo­ser

Was die gegen­wär­ti­ge Licht­ge­stalt der Hartz-IV‑, Agen­da-2010- und Angriffs­krieg-im-Koso­vo-Par­tei SPD, die seit lächer­li­chen 19 Jah­ren mit nur vier Jah­ren Unter­bre­chung das Arbeits­mi­ni­ste­ri­um („für Arbeit und Sozia­les“, so die offi­zi­el­le Bezeich­nung) besetzt, übri­gens sonst so for­dert: Eine Wei­ter­bil­dung zum Lang­zeit­ar­beits­lo­sen. :D

Schulz will längeres Arbeitslosengeld - Laut seinem Plan sollen sich Arbeitslose dafür weiterbilden lassen

Denn, Wort­spiel ein­mal bei­sei­te gelas­sen, die Bilanz aus 19 Jah­ren SPD-Regie­rung lau­tet eben auch und vor allem Fach­kräf­te­man­gel – den Fach­kräf­ten man­gelt es an Arbeit und damit an Geld. Dank eines flo­rie­ren­den Nied­rig­lohn­sek­tors und der prak­ti­schen Ein­rich­tung „Hartz IV“, dank derer man selbst jene, denen es über Jah­re hin­weg an fast allem man­gelt, nicht mehr als bit­te­schön in Lohn und Brot zu ver­set­zen­de Arme berück­sich­ti­gen muss, kann eine Par­tei, die die­sel­be sozia­le Gerech­tig­keit, die sie bei­na­he jahr­zehn­te­lang syste­ma­tisch abge­schafft hat, alle Wahl­jah­re wie­der pro­pa­giert, in den ein­schlä­gi­gen Umfra­gen gro­ße Erfol­ge bei denen erzie­len, die sich eine Ver­än­de­rung – Haupt­sa­che, mal ’n ande­rer Kanz­ler – erhof­fen, ohne dass die­se Jeni­gen auch nur eine vage Vor­stel­lung davon haben, dass das poli­ti­sche Kli­ma, das sie zu Aus­ge­grenz­ten gemacht hat, von jenen drei Par­tei­en gedüngt und gegos­sen wur­de, die auch die­ses Jahr wie­der von Auf­bruch, Zukunft und Sozi­al­sy­stem quat­schen, näm­lich von der Regie­rung aus SPD und Grü­nen einer- und der Regie­rung aus CDU, CSU und SPD ande­rer­seits.

Dass, wer aus Über­zeu­gung statt aus tak­ti­schen Grün­den wählt, sei­ne Stim­me qua­si ver­schenkt, ist ein Mär­chen, des­sen Aus­gang die Ent­rech­tungs­par­tei­en längst per­fek­tio­niert haben und an dem sie auch in einer Zeit, in der eine gleich­wie poli­tisch ein­far­bi­ge Par­tei der Unzu­frie­de­nen sich in die Land­ta­ge face­boo­ken lässt, fest­hal­ten, denn es hat sich – Schulz! Schulz! – als wirk­sa­me Waf­fe gegen beweg­te Gras­wur­ze­lei bewährt.

Ver­mut­lich, damit der Rus­se nicht gewinnt.

In den NachrichtenMontagsmusik
God­speed You! Black Emper­or – Moya

Es ist Mon­tag; was für ein grau­en­vol­ler Tag, was für ein grau­en­vol­ler Start in eine Woche, deren Zufrie­den­stel­lung so von vorn­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt scheint, weil selbst der Sonn­tag nur so lan­ge erfreu­lich schien, bis man ver­se­hent­lich auf­wach­te. So wird das nichts mit der Welt­herr­schaft und/oder der Rück­kehr der Zwei­sam­keit; geht das nicht auch vom Bett aus?

Apro­pos Welt­herr­schaft: Für die „taz“ hat die ein­sti­ge Beschrif­tungs­be­auf­trag­te der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei, Anne Helm, ihre poli­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on ein­mal zusam­men­ge­fasst, näm­lich ihr Geschlecht: „Auch als Frau fühlt sie sich bei den Lin­ken bes­ser auf­ge­ho­ben als in der män­ner­do­mi­nier­ten Pira­ten­par­tei“, na, mehr muss man nicht kön­nen bei den Lin­ken. Selbst­ver­ständ­lich wird netz­po­li­ti­sche Exper­ti­se auch auf poli­ti­scher Ebe­ne wei­ter­hin gebraucht, und das auch, so lan­ge Medi­en wie „SPIEGEL ONLINE“ bei For­mu­lie­run­gen wie „bei Stadt­ver­wal­tung und Inter­net­nut­zern“, als sei­en dies zwei ein­an­der aus­schlie­ßen­de Grup­pen, kein Kno­ten im Kopf platzt. Ich schrei­be ja auch nicht „Jour­na­li­sten und Leu­te vom ‚SPIEGEL‘ “; obwohl das all­mäh­lich doch ange­mes­sen zu erschei­nen beginnt.

Der­sel­be „SPIEGEL“ aller­dings, des­sen Online­re­dak­ti­on sich sol­che Tex­te aus­denkt und sich dafür nicht ein­mal zu schä­men scheint:

Der US-Prä­si­dent will den Ver­tei­di­gungs­haus­halt um 54 Mil­li­ar­den Dol­lar (…) erhö­hen. (…) Er füg­te hin­zu: „Wir müs­sen wie­der Krie­ge gewin­nen.“

Genau so habe ich mir „Ver­tei­di­gung“ ja immer vor­ge­stellt; und der inlän­di­sche Ver­tei­di­gungs­etat, der im Inland kaum Anwen­dung fin­det, dürf­te allen­falls in abso­lu­ten Zah­len weni­ger furcht­bar sein. Ver­tei­digt wird sich meist gegen die, die sich weh­ren. War­um man im offi­zi­el­len Duk­tus dann nicht gleich vom „Frie­dens­etat“ spricht, wenn es ohne­hin nur um die größt­mög­li­che Ver­ach­tung der Betrof­fe­nen geht, ist mir nicht klar.

Klar ist aber: Es ist Mon­tag. Ein Mon­tag soll­te nicht nur damit begin­nen, sich auf­zu­re­gen, son­dern auch und vor allem mit etwas Musik.

God­speed You! Black Emper­or Live at The Metro­po­lis – Moya (Gor­ecki) – Par La Ban­de

Guten Mor­gen.

Politik
Skan­da­lös: Buch­hand­lung ver­kauft Bücher!

Im Febru­ar 2017 erreich­te die berühm­te deut­sche Demon­stra­ti­ons­kul­tur ein neu­es Hoch: Als der total lusti­ge Autor Deniz Yücel in tür­ki­sches Gewahr­sam (ich erwähn­te es bereits) gekom­men war, ergrif­fen sei­ne soli­da­ri­schen Mit­bür­ger die Initia­ti­ve und hup­ten gegen Erdoğan:

Um gegen die Inhaf­tie­rung Yücels zu pro­te­stie­ren, fan­den bereits Auto­kor­sos in Ber­lin und in Yücels Hei­mat­ort, dem hes­si­schen Flörs­heim, statt. (…) Gefah­ren und gehupt wird ab 16.30 Uhr – je lau­ter, desto bes­ser.

Mehr noch: Um es dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten mal so rich­tig zu zei­gen, rie­fen und rufen pro­mi­nen­te Twit­te­rer wie Mario Six­tus ihr Publi­kum dazu auf, ein Buch von Deniz Yücel auf Ama­zon zu kau­fen (selbst­ver­ständ­lich als elek­tro­ni­sches Buch, denn die Bedie­nung eines papier­nen Buches ist nicht mehr als all­ge­mein bekannt vor­aus­zu­set­zen), auf dass er der meist­ver­kauf­te Autor in Gefan­gen­schaft des gan­zen Jah­res wer­den möge. Nimm dies, Erdoğan!

Wor­an die twit­tern­de Meu­te hier­bei kei­nes­wegs gedacht zu haben scheint, ist, dass Ama­zon kei­nes­falls ein lin­ker Sze­ne­la­den für Anhän­ger von Deniz Yücel, Marx, Engels und Camus ist, son­dern auch Bücher von Autoren wie Udo Ulfkot­te und Ger­hard Wis­new­s­ki ver­kauft, die ja nun nicht gera­de im Ruf ste­hen, sich irgend­wie links zu posi­tio­nie­ren, wobei ins­be­son­de­re letz­te­res Buch es gegen­wär­tig sogar in die Liste der „SPIEGEL“-best­sel­ler, also der Lese­emp­feh­lun­gen eines ver­meint­lich seriö­sen Nach­rich­ten­ma­ga­zins, geschafft hat, was Ama­zon sogar als zusätz­li­chen Kauf­an­reiz geson­dert kenn­zeich­net. Anders gesagt: Netz­wer­ker wie Mario Six­tus machen dadurch, dass sie zum Kauf auf Ama­zon auf­ru­fen, nach­drück­li­che Wer­bung für die Bücher rech­ter Autoren. Das ist ziem­lich unver­ant­wort­lich.

Das sei jetzt aber über­trie­ben, sagt ihr, weil es nun mal die Auf­ga­be einer Buch­hand­lung sei, weit­ge­hend wer­tungs­frei Bücher zu ver­kau­fen?

Ver­gan­ge­ne Woche ent­deck­te eine – laut ihrem eige­nen Pro­fil – femi­ni­sti­sche, sozia­li­sti­sche Twit­ter­nut­ze­rin in einer Ulmer Buch­hand­lung (denn was könn­te sozia­li­sti­scher sein als eine Buch­hand­lung?), dass dort auch Bücher von Hans Her­bert von Arnim, Thi­lo Sar­ra­zin und Udo Ulfkot­te aus­ge­stellt waren, bewor­ben mit einem Pla­kat des aktu­el­len best­sel­lers Herrn von Arnims (beim lin­ker­seits unver­däch­ti­gen Buch­händ­ler Ama­zon der­zeit „Best­sel­ler Nr. 1 in Kri­mi­na­li­tät in Wirt­schaft & Poli­tik“). In den fol­gen­den Kreischsturm reih­ten sich wie üblich zahl­rei­che Nut­zer ein, deren Bedürf­nis, jemals eine Ulmer Buch­hand­lung zu betre­ten, bis­lang ohne­hin noch nicht beson­ders groß war, und teil­ten der Buch­hand­lung teils tele­fo­nisch, teils schrift­lich mit, was sie davon hiel­ten, dass sie bei Kun­den belieb­te Bücher auch dort hät­ten kau­fen kön­nen, wenn sie das denn gewollt hät­ten. In der Rei­he derer, die ihren Unmut dar­über, dass eine Buch­hand­lung ein brei­tes Sor­ti­ment auf­wies, lako­nisch in einen Com­pu­ter rein­tipp­ten, lässt sich jeden­falls auch – ihr ahnt es – ein gewis­ser Mario Six­tus fin­den. Offen­sicht­lich gibt es gute und schlech­te Nazi­buch­lä­den in der Welt der Alpha­blog­ger, offen­sicht­lich ist ein Ver­kauf von bösen Büchern allein laden­be­zo­gen ein Empö­rungs­grund. Ich soll­te viel­leicht mal nach einer Liste fra­gen.

Unklar bleibt der kon­struk­ti­ve Gegen­vor­schlag. Könn­te die Ulmer Buch­hand­lung ihren Leu­mund rein­wa­schen, ver­kauf­te sie böse Bücher nur mehr als E‑Books oder wür­de umge­kehrt auch Ama­zon der Ver­damm­nis über­schrie­ben, hör­te es nicht als­bald auf, Best­sel­ler als Best­sel­ler zu bezeich­nen? Wer bestimmt abschlie­ßend über die Markt­wirt­schaft im Buch­han­del – ist es Twit­ter?

Und war­um beschleicht mich eigent­lich das Gefühl, dass die­ser Dis­kurs auf einem Kurz­text­me­di­um nicht unbe­dingt gut auf­ge­ho­ben ist?

WENN das Inter­net sich wirk­lich zum Medi­um der Ent­we­der-Oder-Posi­ti­on ent­wickeln soll­te, (…) DANN WÄRE ES GENAU NICHT das Medi­um der Auf­klä­rung, des Dis­kur­ses, der Akzep­tanz und des gesell­schaft­li­chen Fort­schritts.
Mario Six­tus, 3. Janu­ar 2017

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Owls Are Not – isnot

Kann ich euch zwi­schen­durch für ein wenig bemer­kens­wer­te Musik begei­stern?

Ha, was für eine Fra­ge, des­halb seid ihr ja hier. Was hal­tet ihr von Eulen? Ihr mögt Eulen? Dann gedul­det euch noch ein wenig, denn hier geht es um eine Band, die sich jeden Zusam­men­hang mit Eulen ver­bit­tet, näm­lich um „Owls Are Not“, eine drei­köp­fi­ge Musik­grup­pe aus Polen. Polen kennt man sonst als Hei­mat von nicht ganz unin­ter­es­san­ten Ver­tre­tern des aus­la­den­den Pro­gres­si­ve Rocks wie SBB und River­si­de, Owls Are Not aber sind in ihrem Stil so eigen wie ihr Name, statt Gele­gen­heits­wohl­klang wird hier die Freu­de am Geräusch gera­de­zu lust­voll aus­ge­lebt.

Auf „isnot“, ihrem der­zeit vor­letz­ten Stu­dio­al­bum (es folg­te im Janu­ar die­ses Jah­res das „Mala­wi­an Crash Mix­tape 1“), gibt es Stücke namens „-“ (davon gleich drei), „isnot a human“, „isnot a dog“ und ver­gleich­ba­re zu hören, die im Wesent­li­chen höchst ver­stö­ren­de Geräusch­col­la­gen, ange­rei­chert mit Bass, Elek­tro­nik und Schlag­zeug sowie wei­te­rer Sprach­bei­ga­be, aus man­cher­lei Quel­le sind, sur­re­al in ihrer Beschaf­fen­heit und von easy listening ange­nehm weit ent­fernt.

Selbst­ver­ständ­lich hat all das auch eine Bot­schaft; so erzählt „arc de triom­phe“ etwa, glaubt man der offi­zi­el­len Beschrei­bung, die Geschich­te einer apo­ka­lyp­ti­schen Welt, das eröff­nen­de „la pri­son“ indes berich­tet von einem beklem­men­den Gefühl des Ein­ge­sperrt­seins durch einen Über­fluss an Infor­ma­tio­nen. Fol­ge­rich­tig wirkt die schie­re brei­te Geräusch­mas­se, die das Album maß­geb­lich domi­niert, auf unvor­be­rei­te­te Ohren wie etwa die mei­nen zunächst etwas befremd­lich, sie über­rollt den Hörer mit Grö­ße und Dich­te. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich mei­ne hier Über­ra­gen­des aus­zu­ma­chen.

Wäh­rend ich also noch ein wenig dar­über sin­nie­re, was es genau ist, das mich an „isnot“ in gera­de­zu nen­nens­wert posi­ti­vem Maße beein­druckt, emp­feh­le ich für Stream und Kauf das gewohn­te Bandcamp.com. Möge es auch euch einen Dienst erwei­sen.

PolitikIn den Nachrichten
Grü­ne Agen­da­ver­dre­her

Neu­es aus der Rei­he „Die Grü­nen waren schon immer gegen (Sache), haben sich aber auf­grund par­la­men­ta­ri­scher Zwän­ge anders ent­schie­den“:

Die Spit­zen­kan­di­da­tin der Grü­nen, Kat­rin Göring-Eckardt will schon 2003 für einen Min­dest­lohn gekämpft haben. (…) Die Dop­pel­spit­ze im Par­la­ment warb statt­des­sen vol­ler Über­zeu­gung für die Agen­da 2010. Sie begrün­de „ein neu­es Ver­ständ­nis von Gerech­tig­keit und das rich­ti­ge Ver­hält­nis von Soli­da­ri­tät und Frei­heit, von Eigen­ver­ant­wor­tung und Gemein­sinn“, schrieb Göring-Eckardt im Mai 2003.

Die größ­te Hoff­nung für SPD und Grü­ne ist das kur­ze Gedächt­nis ihrer Wäh­ler.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Boris – Pink

Ausschlafen statt Karneval!Es ist Mon­tag, Rosen­mon­tag noch dazu. In vor­aus­sicht­lich drei Tagen sind die Jecken und die Nar­ren wie­der bra­ve Bie­der­män­ner, bis dahin jedoch erdul­det Mit­mensch Ratio­nal still lei­dend, dass die Illu­si­on, die Nar­re­tei beschrän­ke sich auf den Bereich zwi­schen Mainz und Köln, nicht all­zu lan­ge anhielt. Uff-tata. Sich min­de­stens ein­mal im Jahr so rich­tig zum Affen zu machen scheint vie­len Men­schen sehr wich­tig zu sein. Kön­nen die nicht statt­des­sen in die Poli­tik gehen oder so? – Aus­ge­las­sen­heit war durch­aus schon mal leich­ter. Was fehlt: Gewohn­tes. Ver­damm­te Mensch­lich­keit. Wird sich nie durch­set­zen.

Apro­pos Poli­tik: Laut Kom­men­ta­to­ren auf tagesspiegel.de ste­he ich auf einer ideo­lo­gi­schen Stu­fe mit Cice­ro (dort schreibt u.a. Kai Diek­mann) und irgend­wel­chen Män­ner­rechts­blogs. Das ehrt mich einer­seits, irri­tiert mich ande­rer­seits jedoch. Ich habe mir die kru­den Vor­schlä­ge der Femi­ni­sten (man erlau­be mir eine Pau­scha­li­sie­rung zu dra­ma­tur­gi­schen Zwecken) ja kei­nes­wegs aus­ge­dacht, um damit irgend­was zu bewei­sen, das kön­nen die schon ganz allein; sei es nun die stei­le The­se, Arbeit­neh­mer müss­ten irgend­wen „reprä­sen­tie­ren“, sei es nun das gro­ße Gan­ze, wenn Femi­nis­mus und poli­ti­sche Kor­rekt­heit sich gemein­sam in Real­sa­ti­re üben, wenn etwa die ein­schlä­gig bekann­te Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung frem­de (US-ame­ri­ka­ni­sche) Kul­tur dazu miss­braucht, die Adap­ti­on fremd­kul­tu­rel­ler Bräu­che anzu­pran­gern. Ich habe mir das wirk­lich nicht aus­ge­sucht, ich neh­me es, die Hand fest an der Stirn, ein­fach nicht ganz kom­men­tar­los zur Kennt­nis.

Und sonst so? Die Han­no­ve­ra­ner Hip­ster­bu­de „t3n“, die offen for­dert, man möge doch bit­te auf ihrer Web­site essen­zi­el­le Sicher­heits­me­cha­nis­men des Brow­sers (zum Bei­spiel die Wer­be­blocka­de) abschal­ten, kon­sta­tiert, dass die Ret­tung des dezen­tra­len Net­zes drin­gend not­wen­dig sei, also eine Rück­be­sin­nung auf ein Web (ich mag jetzt nicht schon wie­der den Unter­schied zwi­schen „dem Netz“ und „dem Web“ erklä­ren müs­sen) ohne all­ge­gen­wär­ti­ge Groß­kon­zer­ne wie Goog­le; nicht ohne allein auf der Sei­te, auf der die­se For­de­rung zu fin­den ist, laut Mes­sung gan­ze zehn Scripts und son­sti­ge Ver­fol­ger von Dou­ble­click, Goog­le, Face­book und so wei­ter ein­zu­bin­den. Die Autoren von „t3n“ sind Teil des Pro­blems, des­sen Lösung sie for­dern. Ich hät­te da ja einen Vor­schlag, wie sie das Netz bes­ser machen könn­ten, aber ich fürch­te, die­ser blie­be unge­hört.

Was hin­ge­gen drin­gend gehört wer­den soll­te: Musik.

Boris — „Pink“ — MTV Iggy Live

Guten Mor­gen.

NerdkramsIn den Nachrichten
Das Inter­net kaputt­ge­sun­den mit Sit­te und Anstand

Unter dem, nun, Künst­ler­na­men „Jigsaw“ – zu Deutsch „Puz­zle“ – erprob­te in der „Saw“-Filmreihe ein offen­bar sadi­sti­scher Täter eine Serie reich­lich unkon­ven­tio­nel­ler Tötungs­ar­ten. „Jigsaw“ ist außer­dem der Name der Erfin­der­grup­pe („Think Tank“, zu Deutsch „Denk­pan­zer“) einer neu­en Zen­sur­soft­ware der all­seits belieb­ten Hip­pie­kom­mu­ne Goog­le. „SPIEGEL ONLINE“ berich­tet:

Belei­di­gun­gen machen vie­le Dis­kus­sio­nen im Netz unge­nieß­bar. Eine Goog­le-Toch­ter will jetzt die Lösung gefun­den haben: Eine selbst­ler­nen­de Soft­ware soll das Gift aus Kom­men­tar­spal­ten sau­gen.

Ich habe ja die vage Ver­mu­tung, dass Arti­kel­au­tor Fabi­an Rein­bold – das war, lang­jäh­ri­ge Leser mögen sich ungern erin­nern, der hier – „das Netz“, „das Web“ und „das Inter­net“ nicht so recht von­ein­an­der unter­schei­den kann, aber gut, ist ja auch nur das Res­sort „Netz­welt“ auf „SPIEGEL ONLINE“ und nichts, wofür man irgend­was wis­sen müss­te, um da zu schrei­ben. Pas­sen­der­wei­se ist der Arti­kel ein­sor­tiert unter „Netz­welt -> Web -> Inter­net“, denn bekannt­lich ist das Inter­net im Web drin und nicht anders­rum. Ein drei­fach Hoch dem Qua­li­täts­jour­na­lis­mus.

Wor­um geht es? Um Anstand natür­lich:

Trol­le ver­trei­ben Anders­den­ken­de, töten damit die Dis­kus­si­on. (…) Jigsaws Lösung: Eine selbst­ler­nen­de Soft­ware namens „Per­spec­ti­ve“ soll die Pöbe­lei­en auto­ma­tisch erken­nen und aus­sor­tie­ren. (…) Jigsaw-Lei­ter Jared Cohen ver­kauft sein Pro­jekt mit dem Satz: „Wir wol­len ein gesün­de­res Inter­net.“

(Her­vor­he­bung von mir.)

„Anders­den­ken­de“, für die Guten ein belieb­ter Kampf­be­griff, um ihre ethi­schen Geg­ner zu kata­lo­gi­sie­ren und stig­ma­ti­sie­ren, sol­len also nicht mehr von „Trol­len“ – basie­rend auf dem Kra­keel der Mas­se, denn wie schon auf Twit­ter sind die, die am lau­te­sten „der da ist böse“ brül­len, immer die, die Recht haben bekom­men – an einer fried­li­chen und vor allem unge­stör­ten Dis­kus­si­on (vul­go „Fil­ter­bla­se“) gehin­dert wer­den, was erfah­rungs­ge­mäß dann unge­fähr so aus­sieht, dass die rück­sichts­lo­se­sten Besu­cher eines Kom­men­tar­be­reichs die­je­ni­gen sind, die ent­schei­den, wor­über dis­ku­tiert wer­den darf:

Gespeist wur­de sei­ne Daten­bank mit Bei­trä­gen aus der „New York Times“-Kommentarspalte und aus Wiki­pe­dia-Dis­kus­sio­nen, die noch von Men­schen als unan­stän­dig gebrand­markt wur­den. (…) Das Pro­gramm soll jeden Kom­men­tar mit einem Gift­wert von 0 bis 100 kenn­zeich­nen – und die­se auto­ma­ti­sche Ein­ord­nung soll Medi­en, die Per­spec­ti­ve ein­set­zen, ent­la­sten.

(Her­vor­he­bung erneut von mir.)

Über Anstand dis­ku­tiert man nicht, nein, nein; den unpu­ri­ta­ni­schen Aus­wüch­sen die­ser Dis­kus­si­ons­un­kul­tur möge als­bald Ein­halt gebo­ten wer­den. Die reden da über Sex vor der Ehe, pfui! – Je nach­dem, wel­cher Par­tei Stamm­wäh­ler man fragt, dürf­te die Defi­ni­ti­on von „Anstand“ eine sein, über die sich unter­ein­an­der pop­corn­wür­digst gestrit­ten wer­den kann.

Nun ist das Web („Netz“, F. Rein­bold) und mit ihm die Gara­gen­klit­sche Goog­le kei­nes­wegs des­halb so groß gewor­den, weil sich Men­schen gern dort auf­hal­ten, wo man sie an der unmo­de­rier­ten Äuße­rung pro­vo­kan­ter (wo nicht justi­zia­bler, was hier aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen wer­den darf), dem Zeit­geist wider­spre­chen­der Behaup­tun­gen hin­dert, son­dern des­halb, weil ihnen das „Inter­net“ eine Platt­form zum unge­zü­gel­ten Aus­tausch gewähr­te, den weder Ochs‘ Schäub­le noch Ese­lin von der Ley­en zu begren­zen ver­moch­ten. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Vor­stel­lung von „gif­ti­ger Spra­che“ (die US-Ame­ri­ka­ner sind das­je­ni­ge Volk, wel­ches gegen die Todes­stra­fe, Mord­in­stru­men­te in jedem Haus­halt und Last­wa­gen fah­ren­de Kin­der nichts ein­zu­wen­den hat, aber umge­hend wüten­de Zuschau­er­mails ver­fasst, wenn jemand im Fern­se­hen vom Sau­gen spricht) wür­de ich in all mei­ner Nai­vi­tät jeden­falls kei­nes­falls zur Maxi­me erho­ben sehen wol­len, auch und gera­de nicht unter den gege­be­nen Umstän­den, dass die für mei­ne Ent­wür­di­gung der­zeit zustän­di­ge Bun­des­re­gie­rung im Kampf gegen unhöf­li­ches Mit­ein­an­der im „Inter­net“ gemein­sa­me Sache mit „Schnieptrö­ten“ (N. Her­mann, ande­rer Zusam­men­hang) wie Julia Schramm, die gegen ein paar kla­re Wor­te noch nie etwas ein­zu­wen­den hat­te, macht.

Gewöhn­lich sind es die Ver­gnü­gun­gen, in denen die guten Sit­ten zu Fall kom­men.
Lü Buwei

PolitikIn den Nachrichten
Der Unter­schied zwi­schen dem Irak und Deutsch­land

Was pas­siert, wenn ein deut­scher Sol­dat Kriegs­ver­bre­chen begeht:

Georg Klein ist bei der Bun­des­wehr vom Oberst zum Bri­ga­de­ge­ne­ral auf­ge­stie­gen – Klein war 2009 befehls­ha­ben­der Offi­zier beim Luft­an­griff nahe Kun­duz mit vie­len Toten.

Was pas­siert, wenn ein ira­ki­scher Sol­dat Kriegs­ver­bre­chen begeht:

In Ber­lin hat am Mitt­woch der Pro­zess gegen einen mut­maß­li­chen Kriegs­ver­bre­cher aus dem Irak begon­nen.

Wär‘ das auch mal geklärt.