PolitikIn den Nachrichten
Unver­hält­nis­mä­ßig libe­ral

Wäh­rend im Ham­ba­cher Forst die 2017 aus der Regie­rung gewähl­te grü­ne Land­tags­frak­ti­on gegen einen ihrer eige­nen Beschlüs­se pro­te­stiert, lässt es sich die EU-par­la­men­ta­ri­sche F.D.P. nicht neh­men, im „por­tal libe­ral“ dar­auf hin­zu­wei­sen, wie bedau­er­lich sie das Ergeb­nis der Abstim­mung zu Upload­fil­tern fand:

Gera­de vor dem Hin­ter­grund des vie­ler­orts anti­de­mo­kra­ti­schen Kli­mas in Euro­pa hät­ten die Frei­en Demo­kra­ten Upload­fil­ter klar abge­lehnt, erklärt [MdEP Nad­ja] Hirsch. (…) FDP-Digi­tal­ex­per­te Manu­el Höfer­lin erin­nert Uni­on und SPD dar­an, im Koali­ti­ons­ver­trag Upload­fil­ter als unver­hält­nis­mä­ßig abge­lehnt zu haben. (…) Für die Frei­en Demo­kra­ten sind Upload­fil­ter kein ver­hält­nis­mä­ßi­ges Mit­tel, um mög­li­che Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen und son­sti­ge ille­ga­le Inhal­te im Netz wirk­sam und ver­fas­sungs­fest zu bekämp­fen.

Frau Hirschs Frak­ti­ons­kol­le­ge Wolf Klinz hat übri­gens für die­se Upload­fil­ter gestimmt, die drit­te Abge­ord­ne­te Gesi­ne Meiß­ner ent­hielt sich. Es soll ja nie­mand einen Frak­ti­ons­zwang anneh­men.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Mono­pho­nist – Über die Frei­heit der prak­ti­schen Unver­nunft

Monophonist - Über die Freiheit der praktischen UnvernunftLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Lang­jäh­ri­ge Leser und per­sön­li­che Bekann­te haben mei­ne Freu­de an Jazz einer‑, schrä­gem Lärm ande­rer­seits sicher­lich bereits in der Ver­gan­gen­heit bemerkt. (Ich bit­te um Ver­ge­bung.) Jetzt ratet mal, was ich im Inter­net gefun­den habe! – Rich­tig: Das dies­jäh­ri­ge Album des Köl­ner Quar­tetts Mono­pho­nist, das den phi­lo­so­phisch wert­vol­len Titel „Über die Frei­heit der prak­ti­schen Unver­nunft“ (Amazon.de, Bandcamp.com) trägt und unge­fähr wie ein span­nen­des cross­over von The Hirsch Effekt mit Pan­zer­bal­lett (oder wenig­stens Welt­pin­guin­tag) klingt.

Der Gesang, mit sei­nem Wech­sel zwi­schen hei­se­ren Rufen und har­mo­ni­schen Melo­dien eher an erste­rer Band ori­en­tiert, steu­ert Tex­te bei, die trotz der deut­schen Spra­che, sonst oft ein Warn­si­gnal, sich nicht durch Pein­lich­keit her­vor­tun:

Wir haben die Wahl und manch­mal ein gutes Bier.
Des Tre­bers Abschied

Bzw.:

Kon­zer­ne könn­ten han­deln mit Herz und Ver­stand
Wie­so steckt die Wut meins in Brand?
Der Preis der Frei­heit

Und dann klingt das auch noch nicht schlecht!

Der Grenz­stein ist kein schö­ner Anblick

Es soll ja nie­mand behaup­ten, die deut­sche Musik­sze­ne – allein das Wort schon! – habe außer ster­ben­den Alt­rockern, Scoo­ter und Hele­ne Fischer nichts mehr zu bie­ten. :ja: Däum­chen hoch, gefällt mir.

PolitikNerdkrams
Tore zum Mist­mach­web (4): Gebt den Ver­la­gen das Web zurück!

Zu Axel Voss, der uniro­nisch auf Face­book (Link geht aus mora­li­schen Grün­den zu Twit­ter) schrob, er habe den Schutz von gei­sti­ger Lei­stung im Sinn, als habe aus­ge­rech­net er etwas mit gei­sti­ger Lei­stung zu tun, geht in den „sozia­len Medi­en“ (i.S.v. Kom­men­tar­fel­dern auf so Web­sites und Twit­ter) gera­de die fan­ta­sti­sche Lösung her­um, man möge doch das Web künf­tig nur noch hin­ter Pro­xy­ser­vern oder kom­plett Tor-ver­schlei­ert benut­zen und so der Zen­sie­re­rei ein Schnipp­chen schla­gen. Wenig beach­tet wird dabei, dass das das Pro­blem kei­nes­wegs löst, denn auch das Recht auf Pri­vat­ko­pie ist noch nicht allein dadurch gelockert wor­den, dass die Leu­te ihre Tausch­bör­se nur noch hin­ter Fremd­com­pu­tern betrei­ben.

Das Kern­pro­blem, dass das Mist­mach­web mit sei­nen Wer­be­flä­chen ein Dienst derer ist, die etwas ver­kau­fen wol­len, nicht derer, die etwas mit­zu­tei­len haben, wird auf kei­nem der vor­ge­schla­ge­nen Wege gelöst. Es genügt nicht, sich im Web bes­ser zu ver­stecken; das Web muss voll­stän­dig über­wun­den wer­den.

Gebt den Ver­la­gen das Web zurück!

Vor dem Web gab es das Use­net statt Web­fo­ren, Gopher statt Web­sites und das IRC-Pro­to­koll statt Chats und Mes­sen­gern. Ihnen allen ist gemein, dass sie für Rekla­me nicht zu gebrau­chen sind und die Ein­stiegs­hür­de für Poli­ti­ker von der Qua­li­tät eines Axel Voss zu hoch sein dürf­te. Da ist ja so viel Text, da sind ja kei­ne Bild­chen! – Völ­lig unab­hän­gig davon, wie die Geset­zes­än­de­run­gen sich nun kon­kret auf uns als Deut­sche aus­wir­ken wer­den: Sie wer­den es wie­der und wie­der ver­su­chen. Sie wol­len uns auf unse­rer Par­ty ihre Rekla­me ver­kau­fen, sie wol­len das Web nach ihrer Vor­stel­lung for­men.

Was spricht eigent­lich dage­gen, ihnen das, was aus dem Web gewor­den ist, näm­lich eine gigan­ti­sche Wer­be­ta­fel mit schreck­li­chen Fan­fa­ren, ein­fach zu über­las­sen und uns woan­ders eine schö­ne­re, bes­se­re, rekla­me­freie Par­ty zu suchen?

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 12. Sep­tem­ber 2018

Bescheu­er­te Über­schrift in der „Washing­ton Post“:

Ano­ther hur­ri­ca­ne is about to bat­ter our coast. Trump is com­pli­cit.

„Der US-Prä­si­dent ist schuld“ scheint die US-ame­ri­ka­ni­sche Ver­si­on von „Putin ist schuld“ zu sein. Jetzt auch an Natur­ge­wal­ten.


Viel bes­se­re Über­schrift beim „Nie­man Jour­na­lism Lab“:

Why peo­p­le are tur­ning from Face­book to…other Face­book-owned things for news

Nimm dies, Face­book!


Apro­pos Donald Trump: Pro­fes­sor schießt sich in den Arm, um gegen Trump zu pro­te­stie­ren. Davon wird sich Trump nicht so schnell erho­len! :aufsmaul:


Gute Nach­rich­ten aus der Welt des Digi­ta­len: Das JPEG-Komi­tee wür­de gern DRM in JPEGs rein­ma­chen und forscht dafür an Block­chains her­um. Wenn man nur genug Cyber rein­macht, wird das Pro­blem, dass JPEG-kodier­te Datei­en zu frei sind, schon irgend­wie weg­ge­hen.


Eine gute Nach­richt schließ­lich vom euro­päi­schen Gerichts­hof:

Der EuGH hat in einem Grund­satz­ur­teil zum kirch­li­chen Arbeits­recht ent­schie­den, dass die Kün­di­gung eines katho­li­schen Chef­arz­tes durch ein katho­li­sches Kran­ken­haus wegen erneu­ter Ehe­schlie­ßung nach Schei­dung eine ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung wegen der Reli­gi­on dar­stel­len kann.

Chri­sten­tum ist straf­bar. :ja:

NerdkramsPolitikIn den Nachrichten
Axel Voss zen­sie­ren!

Wie er sich freut! Axel Voss, Euro­pa­ab­ge­sand­ter der supra­na­tio­na­li­sti­schen CDU (na, immer noch am mei­sten Angst vor der AfD?) und poli­ti­scher Arm des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges, hat unter Zuhil­fe­nah­me einer sehr ärger­li­chen Abstim­mung im Euro­päi­schen Par­la­ment dafür gesorgt, dass die umstrit­te­nen Upload­fil­ter eben­so wie das selbst Über­schrif­ten unter Zitat­ver­bot stel­len­de „Lei­stungs­schutz­recht“ für Ver­le­ger, mit­hin also eine Ent­rech­tung von Krea­ti­ven, künf­tig auch für Deutsch­land end­lich Fol­gen haben wer­den. Wir wis­sen, was zu tun ist.

Es sei, heißt es, wirk­lich wich­tig, dass Deutsch­land ein Mit­glied der Euro­päi­schen Uni­on blei­be. Damit die da nicht gewin­nen.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Wohl­stands­kin­der goog­len gegen Gen­tri­fi­zie­rung

Den alten Witz von dem anti­ka­pi­ta­li­sti­schen Kom­mu­ni­sten, der sei­nen Hass auf das Schwei­ne­sy­stem im McDonald’s von sei­nem iPho­ne raust­wit­tert, her­aus­zu­kra­men liegt mir auch heu­te man­gels Poin­te fern, aber nach Kon­sum die­ser Mel­dung …

Durch das Pro­jekt des Inter­net­rie­sen stei­gen im Umfeld des Cam­pus die Mie­ten wei­ter. Aus die­sem Grund haben an die­sem Frei­tag rund 100 Mistrei­ter des links­ra­di­ka­len Bünd­nis­ses »Beset­zen« den Goog­le-Cam­pus in Beschlag genom­men. Die For­de­rung: Goog­le sol­le sich unver­züg­lich zurück­zie­hen.

… haben mich die Hin­ter­grün­de doch schon inter­es­siert.

Und ich wur­de natür­lich nicht ent­täuscht. Denn mit wel­cher Hard­ware pro­te­stiert man, „#fuck­off­goog­le“ trom­pe­tend, gegen „den Inter­net­rie­sen“ und den ver­damm­ten Kapi­ta­lis­mus? iPho­nes? Haha, natür­lich nicht:

#fuckoffpeng

Da macht nicht mal mehr das Auf­re­gen noch Spaß.


Aus der Rei­he „Ver­ges­se­ne Hob­bys“: Durch einen Com­pu­ter schlen­dern.

In den NachrichtenMontagsmusik
Child­renn – Where’s The Door?

Eule halb und halbEs ist Mon­tag. Stirbt der Mensch, stirbt auch der Pan­da, ein Über­le­bens­wil­le aus Put­zig­keits­grün­den ist somit bes­ser als gar kei­ner. Wir hat­ten ja nichts außer fort­wäh­rend schlech­ter Lau­ne und zu wenig Pan­da­bä­ren, ins­be­son­de­re mon­tags.

Kei­ne guten Zei­ten auch für den Fern­ver­kehr in Deutsch­land: Ein Teil des BER ist fer­tig – sei­ne Nut­zer aber nicht. Lei­der muss man also dort­hin wei­ter­hin mit der Bahn rei­sen, was sich gut trifft, denn das Unter­neh­men, des­sen Vor­stands­vor­sit­zen­der in einem Jahr mehr Geld ver­dient als ande­re ihr gan­zes Leben lang, braucht drin­gend Geld. „Aus­drück­lich klar“, immer­hin, sei, „dass an Maß­nah­men für Qua­li­tät und Kun­den­zu­frie­den­heit nicht gespart wird.“ Zum Glück wer­den im Dezem­ber end­lich wie­der die Prei­se erhöht wer­den.

Apro­pos „end­lich wie­der“: End­lich wie­der ist „Knud­dels“ in den Nach­rich­ten. Das habe ich gleich mal all mei­nen Freun­den auf ICQ geschickt. Ande­re leben­de Tote kas­sie­ren der­weil nicht nur belu­sti­gen­de Umfra­ge­er­geb­nis­se, son­dern auch poli­ti­sche Schlap­pen: Mei­nungs­frei­heit schlägt NetzDG. Das wird Fol­gen haben. – Nicht, dass die im Aus­land weni­ger bescheu­ert wären, was die Poli­tik angeht: Im „The Inde­pen­dent“ for­dert die Vor­sit­zen­de der lan­des­ei­ge­nen Women’s Equa­li­ty Par­ty eine erneu­te „Brexit“-Abstimmung, denn beim letz­ten Mal sei­en weib­li­che Stim­men vom Patri­ar­chat unter­drückt wor­den. Bri­te möch­te man wirk­lich nicht sein müs­sen.

Was man aber gern ist, gera­de auch an einem Mon­tag: Musik­hö­rer.

Child­renn – „Where’s The Door?“ (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zur #noN­PoG-Demon­stra­ti­on

Dass nur weni­ge Tage nach der ent­täu­schen­den Demon­stra­ti­on „Save Your Inter­net“, bei der deutsch­land­weit eigent­lich pein­lich klei­ne Grup­pen gegen die geplan­ten „Upload­fil­ter“ der EU pro­te­stier­ten, heu­te allein aus­ge­rech­net in Han­no­ver sowohl 12.000 oder 13.000 als auch 15.000, auf jeden Fall aber recht vie­le Men­schen gegen eine Aus­wei­tung der nie­der­säch­si­schen Poli­zei­be­fug­nis­se oder, wie es erfah­re­ne Teil­neh­mer in hof­fent­lich kon­struk­ti­ver Absicht for­mu­lier­ten, sowohl „gegen Bul­len“ als auch „für Kom­mu­nis­mus“ (denn wenn eins die Demo­kra­tie ret­ten kann, dann ja wohl Kom­mu­nis­mus) ihre Stim­me bei sehr anstren­gen­der Musik zu sehr anstren­gen­den Paro­len erho­ben, ist so beäng­sti­gend, denn es zeigt, dass es um die Netz­po­li­tik noch übler steht als bis­her ange­nom­men, wie ver­ständ­lich, denn gegen „das Poli­zei­ge­setz“ – Jura zu ver­ste­hen hät­te wohl die Stim­mung gestört – kön­nen auch jene auf die Stra­ße gebracht wer­den, deren ein­zi­ge poli­ti­sche Moti­va­ti­on Hass („Ganz Nie­der­sach­sen hasst das Poli­zei­ge­setz“, so ähn­lich dröhn­te es vom Laut­spre­cher­wa­gen der Par­tei­en) und Gewalt sind und die Ursa­che und Wir­kung lie­ber gar nicht begrei­fen wol­len, was erklärt, war­um ein gro­ßer Block der wie­der­holt als wenig ver­stän­dig auf­ge­fal­le­nen „Jusos“ unter den Pro­te­stan­ten war, die so eigent­lich gegen etwas pro­te­stiert haben, was sie selbst zu ver­ant­wor­ten haben, aber eine Distan­zie­rung von der SPD wäre ja mit Rück­grat ver­bun­den und das wür­de sicher­lich zu einer Stö­rung im Raum-Zeit-Kon­ti­nu­um füh­ren; aller­dings zeig­te sich aber­mals, wie viel doch ver­lo­ren geht, indem man nie­man­den mehr fragt, der sich aus­kennt, denn von denen, die die lau­te­sten Paro­len gegen „den Nie­der­sach­sen­tro­ja­ner“ brüll­ten, wüss­te ver­mut­lich nicht einer, wie er sich gegen eine Infek­ti­on mit dem­sel­ben schüt­zen könn­te, weil die EDV-Kom­pe­tenz im gemei­nen Volk höch­stens noch zum Trep­pen­witz genügt – und das ist ein bil­dungs­po­li­ti­sches Pro­blem, das mit Flag­gen und Pyro­tech­nik doch merk­lich weni­ger effi­zi­ent zu lösen ist als mit Auf­klä­rung, Geduld und Wil­lens­kraft, ins­be­son­de­re mit der unse­ren, denn es reicht nicht, etwas zu ver­ber­gen zu haben: man soll­te es auch kön­nen wol­len.

PersönlichesNetzfundstücke
Hero­in gegen Dro­gen­to­te

In der lei­di­gen Dis­kus­si­on über ein Für und Wider der Frei­ga­be von wirk­sa­mem Can­na­bis für die rezept­lo­se All­ge­mein­heit möch­te ich es mir oft nicht neh­men las­sen, den Gegen­vor­schlag ein­zu­brin­gen, dass eine ver­nünf­ti­ge Dro­gen­po­li­tik eine sol­che wäre, die alles erlaubt, was nur dem Kon­su­men­ten scha­det, also kei­nen Pas­siv­kon­sum durch Pas­san­ten legi­ti­miert. Das Recht auf Selbst­be­stim­mung muss immer auch ein Recht auf Selbst­zer­stö­rung sein, jedoch dort enden, wo Unbe­tei­lig­te einen Scha­den neh­men.

Dem­zu­fol­ge befür­wor­te ich, Steu­er­ge­win­ne hin oder her, dass erstens in den eige­nen vier Wän­den, Publi­kum natür­lich als abwe­send vor­aus­ge­setzt, erlaubt sein möge, was Freu­de macht, und zwei­tens, dass, wenn man schon unbe­dingt (wor­über zu spre­chen sein wird) irgend­was gesetz­lich unter­bin­den will, Can­na­bis (und die­ses ekli­ge Zeug in die­sen Shis­ha­bars) durch­aus mit Tabak gleich­ge­stellt wer­de, indem der Besitz und öffent­li­che Kon­sum von Tabak (und die­sem ekli­gen Zeug in die­sen Shis­ha­bars) näm­lich glei­cher­ma­ßen ver­bo­ten sei, wäh­rend Hero­in und Koka­in, die sich dadurch aus­zeich­nen, kei­nen Umste­hen­den voll­zu­stin­ken, den glei­chen recht­li­chen Stand zu haben haben wie Alko­hol: so lan­ge die Leu­te ihren Müll (Glas hier, Sprit­zen dort) wie­der weg­räu­men, tut’s kei­nem weh.

Nor­ma­ler­wei­se wer­de ich dann als Spin­ner belä­chelt. Künf­tig wird man mich ver­mut­lich eher einen Schweiz­ver­ste­her nen­nen: Auf Twit­ter (hier bes­ser les­bar) wur­de gestern Abend dar­über berich­tet, dass, seit die Schweiz Hero­in­süch­ti­gen den Kon­sum von Hero­in erlaubt, die Anzahl der Hero­in­to­ten deut­lich zurück­ge­gan­gen sei. Ob ein Über­le­ben von noch mehr Men­schen aus Natur­schutz­sicht wün­schens­wert sei, bleibt an die­ser Stel­le absicht­lich unge­fragt.

Jeden­falls bis auf Wei­te­res.

Politik
CSU warnt erschrocken: Libe­ra­le Par­tei­en sind nicht kon­ser­va­tiv!

Und dann war da noch die tra­di­tio­nell christ­lich-sozia­le Par­tei CSU, der in etwas über einem Monat über­ra­schend eine Land­tags­wahl droht, wes­halb sie hek­tisch nach Grün­den sucht, war­um man sie anstel­le ande­rer Par­tei­en wäh­len soll­te.

Ihr Haupt­kon­kur­rent scheint die bay­ri­sche F.D.P. zu sein. Über wel­che Par­tei das was aus­sagt, weiß ich nicht. Die CSU jeden­falls hat sich hier­für einen „Argu­li­ner“, also einen Spick­zet­tel mit pri­ma Argu­men­ten, falls man mal sel­ber kei­ne mehr weiß, zusam­men­tip­pen (loka­le Kopie) las­sen. In die­sem Argu­li­ner steht manch kon­ser­va­ti­ves Geschwall, etwa:

Die Abschaf­fung des Sonn­tags­schut­zes wider­spricht der baye­ri­schen Lebens­art.

Und:

Die FDP lehnt den Begriff der Leit­kul­tur ab. Als Bünd­nis­part­ner von NoPAG demon­striert sie mit links­ra­di­ka­len Mul­ti­kul­ti-Fans gegen die Ord­nung und Begren­zung der Zuwan­de­rung.

In die­sem Argu­li­ner ste­hen außer­dem Din­ge, die erst dann ihre vol­le Wir­kung ent­fal­ten, wenn man das Bezie­hungs­le­ben eini­ger bekann­ter CSU-Poli­ti­ker wenig­stens ober­fläch­lich ver­folgt, dar­un­ter:

Die FDP wer­tet die klas­si­sche Fami­lie ab und wen­det sich gegen die Mehr­heit unse­rer Gesell­schaft.

Bis jetzt könn­ten eini­ge unbe­lehr­ba­re Wäh­ler Bay­erns noch der Ansicht sein, die F.D.P. sei also eigent­lich gar nicht so schlimm. Aber halt: Nicht nur demon­striert die­se mit Links­ra­di­ka­len zusam­men gegen Din­ge, son­dern außer­dem neh­men die da alle Dro­gen!

Die FDP ist für die Lega­li­sie­rung von Can­na­bis und somit für die Lega­li­sie­rung einer Ein­stiegs­dro­ge.

Und bei Ein­stiegs­dro­gen hört der Spaß für die CSU au-

Foto: Peter Kneffel dpa/lby

ach, schon gut.


Die Kon­kur­renz­grup­pe „Jusos in der SPD“ teilt der­weil mit: „Lin­ke Poli­tik beginnt immer mit einer Hal­tung und nie­mals mit der Fra­ge, wel­che Hal­tung gera­de mehr­heits­fä­hig sein könn­te.“ Die­se Infor­ma­ti­on soll­te man stets griff­be­reit haben, wenn wie­der jemand von der SPD behaup­tet, sie sei links.

PolitikIn den Nachrichten
Annah­men zum Links­sein (6): Das Volk sind ande­re.

Ab wie vie­len poten­zi­el­len Wäh­lern, denen man die Par­tei ent­zieht, die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie nicht mehr geret­tet, son­dern ent­wer­tet ist, ist ange­sichts des sonst­wie begründ­ba­ren Ver­bots von bis­her zwei nach­kriegs­deut­schen Par­tei­en, bei­de eher von der außen­ran­di­gen Sor­te, leicht beant­wor­tet: Ihre Zahl ist die Eins. Wem nur zur Wahl steht, was er nicht wäh­len möch­te, der hat kei­ne Wahl.

Unklar bleibt der­weil, wer nun eigent­lich das Volk ist. Die ster­ben­de Sozi­al­de­mo­kra­tie (16 Pro­zent) behaup­tet jeden­falls emsig, die mit den 17 Pro­zent seien’s kei­nes­falls. Im „nach­träg­li­chen Wider­stand“ (D. Weg­ner) sind sie ein­an­der die Näch­sten. Einig sind sich alle: Kei­nes­wegs ist unter dem Volk die Gesamt­heit der Wahl­be­rech­tig­ten zu ver­ste­hen. Mit denen da will man kein Volk sein.

Die Kapi­tu­la­ti­on hat nicht bloß begon­nen, sie ist voll­endet. Eine post­wei­mar­sche Revo­lu­ti­on – Kor­re­la­ti­on, nicht Kau­sa­li­tät – blieb aus. Deutsch­land geht es gut. 54, 74, 90, 14. In Chem­nitz sin­gen sie schon wie­der.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jagu­war – Cry­stal

Wie man sich halt so fühlt.Es ist Mon­tag. Orrr! Auf der Haben­sei­te steht, dass es nur noch vier vol­le Tage bis zum näch­sten Wochen­en­de sind. In Erman­ge­lung eines Pan­da­bä­ren: End­lich aus­schla­fen!

Auch woan­ders ist man aus­ge­schla­fen: In Chem­nitz etwa scheint eine Ver­an­stal­tung namens „Frie­den wah­ren“ sel­bi­gen bewaff­net durch­set­zen wol­len zu haben. Schlech­tes Vor­bild SPD. – Die es ethisch gera­de auch nicht leicht hat: Wie „SPIEGEL ONLINE“ berich­te­te (Vor­sicht: Archiv­ver­si­on von „SPIEGEL ONLINE“!), erwägt ein SPD-Mini­ster das von ihr und den schreck­li­chen „Grü­nen“ ein­ge­führ­te Arbeits­lo­sen­geld „Hartz IV“ in Bay­ern im Streit mit der CSU zu einem noch grö­ße­ren Pro­blem zu machen als bis­her. Die san die, ich war’s nicht.

Die Suche nach einem Schul­di­gen ist wenig­stens medi­al schnell geklärt: Vor­sicht vor töd­li­chen Autos! Die sich in letz­ter Zeit häu­fi­ger mit Rekla­me in Ver­bin­dung brin­gen­de Mozil­la-Stif­tung macht der­weil eine Rol­le rück­wärts, wenn auch nur vir­tu­ell und nicht tat­säch­lich, was sicher­lich lustig aus­sä­he, und wird dem­nächst noch etwas mehr gegen Rekla­me tun. Scha­de um das schö­ne Geschäfts­mo­dell.

Was zwar kei­ne Wer­bung braucht, von mir aber trotz­dem mit Ver­gnü­gen bekommt: Musik.

JAGUWAR – Cry­stal (offi­ci­al video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Emma Ruth Rund­le – Mark­ed for Death

Emma Ruth Rundle - Marked for DeathLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Gele­gent­lich hat auch ein durch­weg als wit­zig auf­tre­ten­der Mensch, wie ich es bin, so sei­ne Momen­te. Manch­mal ent­ste­hen dann bedau­er­li­che Pro­sa­tex­te, dum­me Tweets oder ärger­li­che Exzes­se, meist aber ist die gute, alte Musik da. Musik lässt nie allein, Musik fragt nicht, Musik stellt kei­ne unan­ge­neh­men Fra­gen. Ich wür­de Musik hei­ra­ten, wenn ich das Kon­zept der Hei­rat nicht für eine Ver­zweif­lungs­tat hiel­te. „Mark­ed for Death“ (Amazon.de, TIDAL, Band­camp) gäbe andern­falls eine gute Ehe­mu­sik ab.

Die Inter­pre­tin besag­ten Albums, 2016 erschie­nen (das Album, nicht die Inter­pre­tin), ist Emma Ruth Rund­le, eine dem­nächst 35-jäh­ri­ge „US-ame­ri­ka­ni­sche Sän­ge­rin, Song­schrei­be­rin und Gitar­ri­stin“, wie die deutsch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia zu ver­mel­den hat. Unter ande­rem ist sie Mit­glied der Red Spa­rowes, einer Postrock­band, die vor allem mit recht lan­gen Albums­ti­teln auf sich auf­merk­sam macht. Pri­vat macht sie ähn­lich dich­te, jedoch stim­mungs­vol­le­re Musik mit einer­seits sakra­len Titeln, ande­rer­seits jedoch einer Atmo­sphä­re, die ein Igno­rie­ren der Tex­te sowie­so bewusst oder unbe­wusst her­bei­führt. Es geht um das Über­haupt und nicht um das Wie.

Emma Ruth Rund­le – Hea­ven (Offi­ci­al Audio)

Kei­ne Band, nur Gesang und Gitar­re. Braucht man mehr? Ich brau­che nicht mehr. Auf dem Cover­bild sieht die Musi­ke­rin so aus wie sie hier klingt. Das liegt schwer im Magen und das soll es auch. Das Leben ist ja kein Pfer­de­dings­bums.

Emma Ruth Rund­le – Furious Angel (Offi­ci­al Audio)

Kau­fen und Hören sind somit emp­foh­len. Und dazu: Atmen, unbe­dingt.

Netzfundstücke
Die neu­en Lauch­wör­ter sind da!

Vor über zehn Jah­ren, als ich selbst noch nicht so ein abge­klär­ter alter Sack war wie heu­te, konn­te ich es nicht immer ver­hin­dern, mit der jeweils aktu­el­len Jugend­spra­che kon­fron­tiert zu wer­den. In den Krei­sen, in denen ich mich damals beweg­te, war gera­de ein tür­ki­sches Lehn­wort im Kom­men: „tschüüsch“, eigent­lich wohl „çüş“ geschrie­ben (aber wer kann schon Tür­kisch schrei­ben?), hieß so viel wie „huch!“, „echt wahr?“ oder – lei­der viel zu oft – „erzäh­le uns mehr dar­über!“.

War­um ich das aus­ge­rech­net heu­te erzäh­le? Nun, der Lan­gen­scheidt-Ver­lag, zuver­läs­si­ger Garant für Stuss, hat wie­der „ein Voting“, so die Web­site (aus Archiv­grün­den archi­vier­te Ver­si­on), „am Start“, mit­hil­fe des­sen bis zum 16. Novem­ber das „Jugend­wort des Jah­res 2018“ ermit­telt wer­den soll. ‘Die neu­en Lauch­wör­ter sind da!’ wei­ter­le­sen »