Persönliches
Saisonchristen

Es erscheint mir, vor­sich­tig aus­ge­drückt, als bizarr, wenn Men­schen, die man im All­tag als ver­nünf­ti­ge Per­so­nen wahr­nimmt, wegen der Kin­der

  • wenig­stens ein­mal jähr­lich in die Kir­che gehen und sich einem „Schöp­fer“ andie­nen, als lern­ten Kin­der dort wert­vol­le Lek­tio­nen,
  • (wel­che zumeist aus­ge­rech­net die­je­ni­ge Kir­che ist, der man jeden­falls männ­li­che Kin­der nur aus­set­zen soll­te, wenn man eine Video­ka­me­ra hat und Geld braucht,)
  • nach­dem sie zuvor wochen­lang unter Igno­ranz „ihres Glau­bens“ (Mt 6,24) von Geschäft zu Geschäft geha­stet sind, um Krem­pel zu kau­fen,
  • was sie auf­grund völ­li­ger Miss­ach­tung der Tat­sa­che, dass Ger­ma­ni­en nicht frei­wil­lig mit der Viel­göt­te­rei auf­hör­te, mit der „abend­län­di­schen Tra­di­ti­on“ begrün­den,
  • die sie dar­über hin­aus frei­lich nur aus­zugs­wei­se inter­es­siert, wes­halb sie mit den mei­sten Din­gen, die ihre Tra­di­ti­on tra­di­tio­nell bestra­fen las­sen wür­de, nicht mal an Weih­nach­ten ein Pro­blem haben,
  • und, als sei das nicht schlimm genug, sel­bi­gen Kin­dern eine krea­ti­ve Form von Umwelt­schutz vor­le­ben, indem sie Nadel­bäu­me ins Wohn­zim­mer stel­len. Jesus hät­te das so gewollt.

Man­chen Eltern soll­te man aus Jugend­schutz­grün­den die Reli­gi­on ent­zie­hen.

Netzfundstücke⁠In den Nachrichten
Was es zum „SPIEGEL“ noch zu sagen gibt

Einen gün­sti­ge­ren Zufall als die „plötz­li­che“ Ent­deckung jah­re­lang erzeug­ter und ver­brei­te­ter fake news und deren Auf­be­rei­tung in einer grö­ßer wer­den­den Rei­he an eigen­lo­ben­den Arti­keln (hier: durch Text unter­bro­che­nen Wer­be­flä­chen) in Druck- und Digi­tal­form bei gleich­zei­tig kal­ku­lier­bar stei­gen­der Inter­es­sen­ten- und damit Geld­brin­ger­zahl konn­te es für das Maga­zin mit den undif­fe­ren­zier­ten Hass- und Hetz­ti­tel­sei­ten im für die mei­sten Zeit­schrif­ten sehr unge­müt­li­chen Jahr 2018 kaum geben.

In den Nachrichten⁠Nerdkrams⁠Wirtschaft
Trollstufe: Amazon

Hihi:

Auf die Nach­fra­ge eines Echo-Nut­zers nach den von ihm gespei­cher­ten Daten hat Ama­zon ihm rund 1.700 Audio­da­tei­en einer völ­lig frem­den Per­son aus­ge­hän­digt. (…) Der betrof­fe­ne Echo-Nut­zer bekam als Ent­schä­di­gung eine kosten­lo­se Prime-Mit­glied­schaft und zwei Echo-Laut­spre­cher.

Man kann Ama­zon – gele­gent­lich zu Recht – man­ches vor­wer­fen – für humor­lo­sen Kapi­ta­lis­mus steht der Kon­zern aber nach­weis­lich nicht.

Netzfundstücke⁠Wirtschaft
Kurz angemerkt zu Pascal Meiser

„Es ist doch obszön“ (P. Mei­ser), dass Pas­cal Mei­ser, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter für die „Lin­ke“ (die Anfüh­rungs­zei­chen kann ich gar nicht groß genug set­zen), auf des­sen Web­site zur­zeit unter ande­rem meh­re­re Ver­wei­se auf sein Face­book­pro­fil – Face­book, des­sen Grün­der zur­zeit die dritt­reich­ste Per­son des Pla­ne­ten ist, ist das­je­ni­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men, das unter ande­rem Net­flix, Spo­ti­fy und Ban­ken (Ban­ken!) in den „pri­va­ten“ Nach­rich­ten sei­ner Kun­den her­um­le­sen, ‑schrei­ben und ‑löschen lässt – zu fin­den sind, als sei die För­de­rung von Kapi­ta­lis­mus aus Grün­den der con­ve­ni­ence plötz­lich nicht mehr erwäh­nens­wert, gleich­zei­tig auf Twit­ter, des­sen Erfin­der eben­falls mehr­fa­cher Mil­li­ar­där ist, dar­über klagt, dass „Ama­zon-Chef Bezos“ (ebd.) zum reich­sten Mann „der Welt“ gewor­den sei, wäh­rend des­sen Ange­stell­ten zum Fest des Geld­ver­schleu­derns nicht mal Geschen­ke kau­fen könn­ten, aber die Trans­fer­lei­stung, dass das Kon­zept des Geschen­ke­kau­fens aus kalen­da­ri­schem und nicht etwa herz­li­chem Anlass all­ge­mein nicht als gege­ben hin­ge­nom­men, son­dern täg­lich wie­der hin­ter­fragt wer­den soll­te, nein: muss, zu erbrin­gen nicht imstan­de und/oder wil­lens ist; als wäre es not­wen­dig, dass man am Jah­res­en­de über­durch­schnitt­lich viel Geld für irgend­wel­chen Trö­del aus­gibt, den man dann Men­schen schen­ken wird, denen man außer­halb sol­cher ter­min­li­cher Ver­pflich­tun­gen kei­nes­wegs irgend­ei­ne geld­wer­te Freu­de machen möch­te, denn sonst bräuch­te man die­se Tra­di­ti­on ja nicht.


Häss­li­cher Begriff des Tages: Kri­mi­nel­le Cyber­in­fra­struk­tur.

Sonstiges
Medienkritik CXIV: Vier Titelblätter zwischen Glitzer und Gesetzeshorst

Bei einem Gang in den ört­li­chen Kiosk lässt sich ein Blick ins Zeit­schrif­ten­re­gal sel­ten ganz ver­mei­den. Oft ver­spre­chen bereits die Titel­sei­ten der aus­lie­gen­den Zeit­schrif­ten kaum enden wol­len­de Unter­hal­tung im Mit­tel­teil, erzäh­len aber auch schon ohne einen Kauf ihre ganz eige­nen Geschich­ten.

So titelt etwa die Redak­ti­on der „mys­elf“ („Wir machen Frau­en stark“) auf der Janu­ar­aus­ga­be:

Wie aus einer Party ein Ereignis wird

Im Duden, dem all­ge­mein akzep­tier­ten abbil­den­den Wör­ter­buch der gegen­wär­ti­gen deut­schen Spra­che, ist ein Ereig­nis als „beson­de­rer, nicht all­täg­li­cher Vor­gang“ defi­niert, womit jeden­falls mir auch ohne Rein­gucken die Ant­wort klar ist: Ein­fach nicht jeden Tag fei­ern!

Aber wenn, dann rich­tig, fin­det die Titel­re­dak­ti­on der „Jolie“ (Januar/Februar 2019), deren Fabri­kat zumeist in Spuck­wei­te der „mys­elf“ liegt, näm­lich mit ordent­lich Glit­zer!

Party! Mit Glitzer!

Ob es etwas mit dem Glit­zern zu tun hat, dass auch erfolg­rei­che Frau­en manch­mal trau­rig sind?

Auch glitzernde Frauen weinen manchmal.

Man stel­le sich eine star­ke Frau in Busi­ness­kla­mot­ten vor, die schil­lernd fun­kelnd im Büro sitzt und weint. Das macht doch gar nicht rich­tig trau­rig.

Selbst­ver­ständ­lich ist das aber ein nicht sehr femi­ni­sti­scher Umgang mit die­sem The­ma, wie das drit­te Maga­zin in die­sem Bei­trag jeder­zeit zu behar­ren bereit sein dürf­te: Das noch aktu­el­le „Mis­sy Maga­zi­ne“ – immer noch nicht plei­te – über­zeugt neben einem wun­der­schö­nen Titel­bild, das ein gera­de­zu ver­füh­re­risch gucken­des Wesen zeigt, mit einem Namens­witz („Ein Horst von Gesetz“, haha, weil, hihi, prust, nur Dum­me hei­ßen so, löl­chen) eben­so wie mit dem Mode­trend für 2019:

Brustkrebs - Flat & Fabulous

„Brust­krebs – Flat & Fabu­lous“, da möch­te man doch glatt auch wel­chen haben.

Über­zeugt hat mich in die­sem Monat aber ein­zig das Maga­zin „BROT“, das auf sei­ner Janu­ar­aus­ga­be zutref­fend fest­stellt: „Tra­di­tio­nell lecker – Das Bau­ern­brot ist Brot des Jah­res 2019“.

Traditionell lecker

Mahl­zeit.

Montagsmusik⁠Computer⁠In den Nachrichten
Art Brut – Kultfigur

"Guck nicht. Bring mir Kaffee!"

Es ist Mon­tag. Das ging aber wie­der schnell! Ande­rer­seits ist wahr­schein­lich die „Digi­ta­li­sie­rung“ nicht ganz unschul­dig, wie Scott Adams schon 2010 fest­stell­te: „Wir“ wer­den immer mehr zu pas­si­ven Kon­su­men­ten, weil „uns“ die Geduld fehlt, selbst etwas bei­zu­steu­ern. War­um dann trotz­dem jeder Tag sich seit Jah­ren zu zie­hen scheint, kann nicht ein­mal mehr Ste­phen Haw­king beant­wor­ten. Mit 3D-Köp­fen kann man Gesich­ter simu­lie­ren. Wir leben in wech­sel­haf­ten Zei­ten.

Ande­re bewe­gen sich hin­ge­gen weni­ger: Poli­ti­ker von CDU und CSU sind auch wei­ter­hin gegen die For­de­run­gen von CDU und CSU. Das kann ich einer­seits ver­ste­hen, ande­rer­seits wür­de ich damit wahr­schein­lich etwas kon­se­quen­ter umge­hen, aber ich bin auch Idea­list und kein Voll­idi­ot. CDU, F.D.P. und SPD („Oppo­si­ti­on“) stimm­ten letz­te Woche in Nord­rhein-West­fa­len auch dafür, dass jeder Pas­sant anlass­los kon­trol­liert wer­den darf. Das muss die­ser „Links­ruck“ sein, den die erneu­er­te SPD zu ihrem Mar­ken­kern gemacht zu haben glaubt.

Apro­pos „digi­tal“: Vor ein paar Jah­ren war das schwäch­ste Glied in der Ket­te „Mensch – Haus­tie­re – Haus­halts­ge­rä­te“ noch das Haus­halts­ge­rät. Inzwi­schen scheint es der Mensch zu sein. Bei der Vor­be­rei­tung auf die sich so abzeich­nen­de Apo­ka­lyp­se hilft viel­leicht ein wenig von ihr ablen­ken­de Musik.

Kult­fi­gur

Guten Mor­gen.

Politik⁠In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: „Meucheln“ klingt so subjektiv.

Nach­dem sich anschei­nend her­um­ge­spro­chen hat, dass „Aus­schal­ten“ als Euphe­mis­mus für das Kalt­ma­chen von Men­schen nicht mehr so gern gese­hen ist, fällt den Medi­en wie­der ein, dass fran­zö­si­sche Lehn­wör­ter frü­her en vogue waren, und spre­chen fol­ge­rich­tig vom „Neu­tra­li­sie­ren“, wenn sie dar­stel­len möch­ten, dass ein Böse­wicht abmurk­sen­der­wei­se um die Ecke gebracht wur­de.

Politik⁠Netzfundstücke
Leben Rechte gesünder?

Ange­nom­men, die Unter­neh­men hin­ter den Mar­ken McDonald’s, Coca-Cola, Pep­si, fritz-kola und Vita Cola möch­ten mit ihrer öffent­li­chen Distan­zie­rung errei­chen, dass Lin­ke bei aller Kri­tik an den teil­wei­se frag­wür­di­gen Geschäfts­me­tho­den wie­der ihre besten Kun­den wer­den (was teil­wei­se zu fruch­ten scheint): Was sagt das eigent­lich über den Zusam­men­hang zwi­schen „Anti­fa­schis­mus“ einer- und Dia­be­tes, Kari­es und Fett­lei­big­keit ande­rer­seits aus?

Politik⁠In den Nachrichten
Annahmen zum Linkssein (9): Jede Niederlage ist ein Grund zum Feiern.

Von einer lächer­li­chen Neben­sa­che wie dem Umstand, dass der 8. Mai 1945 nicht etwa den Sieg der libe­ra­len Demo­kra­tie über irgend­et­was beinhal­te­te, son­dern an die­sem Tag viel­mehr die Regie­rung des von Kriegs­geg­nern erst in einen unäs­the­ti­schen Zustand ver­setz­ten, dann abschnitts­wei­se in deren eige­ne Län­de­rei­en über­führ­ten deut­schen Rei­ches infol­ge eines ver­lo­re­nen Krie­ges abge­setzt wur­de, las­sen sich Lin­ke doch nicht vom Fei­ern abhal­ten:

Der 8. Mai 2020 soll in Ber­lin ein Fei­er­tag wer­den. An die­sem Tag jährt sich das Ende des Zwei­ten Welt­kriegs zum 75. Mal.

Hur­ra, wir haben ver­lo­ren.

Und als sei das noch nicht absurd genug, wird neben der Kapi­tu­la­ti­on des Mili­tärs auch die des Ver­stan­des als behal­tens­wer­te Tugend betrach­tet:

Gene­rell zum gesetz­li­chen Fei­er­tag soll in Ber­lin der Frau­en­tag am 8. März wer­den. Dar­auf hat­te sich rot-rot-grün kürz­lich geei­nigt.

„Juhu, Frau­en!“ gehört nun nicht unbe­dingt zu den über­zeu­gend­sten Anläs­sen für einen dau­er­haft arbeits­frei­en Tag. Das muss die­se Gleich­be­rech­ti­gung in der Stadt mit dem Exzel­lenz­clu­ster sein. – Gemes­sen an ihrer Wirt­schafts­lei­stung soll­ten Ber­li­ner viel­leicht weni­ger freie Tage bekom­men, aber Arbeit ist auch nicht links.

Dit is Balin.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 10. Dezember 2018: Liebe, Sex und Polizeigewalt

Neu­es aus Mainz:

Am frü­hen Sonn­tag­mor­gen um kurz vor 06:00 Uhr wur­de die Poli­zei­au­to­bahn­sta­ti­on Hei­des­heim über einen Mann infor­miert, wel­cher kurz zuvor nackt und ona­nie­rend mit sei­nem BMW die A 61 befah­ren und einen Nie­der­län­der belä­stigt hat­te.


Neu­es aus Irland:

Eine Irin, die den Geist eines 300 Jah­re alten Pira­ten gehei­ra­tet hat, behaup­tet, das Paar habe sich getrennt. (…) Die Tren­nung ist ein wei­te­rer Tief­schlag für Jack, nach­dem er angeb­lich im 18. Jahr­hun­dert für Dieb­stahl auf hoher See mit dem Tod bestraft wur­de.


Neu­es aus Frank­reich: Im Umgang mit den „Gelb­we­sten“ ste­hen jetzt gewalt­tä­ti­ge Poli­zi­sten auf der Sei­te der medi­al Guten. Das muss die­se wehr­haf­te Demo­kra­tie sein.

In den Nachrichten⁠Piratenpartei⁠Montagsmusik
Julia Holter – Feel You // Politprofis, Journalistenprofis

*schweift in die Ferne*

Es ist Mon­tag. Dan­ke, Mer­kel. Die Woche beginnt so farb­los wie die vor­he­ri­ge ende­te. Ich wei­ge­re mich aber, „wenig­stens schneit es nicht“ zu schrei­ben, denn wahr­schein­lich fängt es sonst umge­hend damit an. Der Über­druss setzt Zei­chen am lieb­sten mit dem Brand­ei­sen.

Apro­pos Zei­chen: Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de wur­de eine Pro­the­se die neue Vor­sit­zen­de einer alters­schwa­chen poli­ti­schen Par­tei, was anschei­nend ein rele­van­tes Ereig­nis ist. Die media­le Beglei­tung, die zwi­schen „Vor­sitz einer Par­tei“ und „künf­ti­ges Kanz­ler­amt“ über­wie­gend kei­nen Unter­schied mehr auf­zei­gen woll­te (wie prak­tisch, dann spa­ren wir uns wei­te­re Wah­len doch ein­fach!), hat­te ihre Muni­ti­on im Vor­feld aber schon so nach­hal­tig ver­schos­sen, dass sie sich wäh­rend der Kan­di­da­ten­vor­stel­lung dar­auf beschränk­te, Dau­er und Laut­stär­ke des jeweils ent­stan­de­nen Beklat­schens zu mes­sen und stolz mit­zu­tei­len. Wie genau wird man eigent­lich noch mal pro­fes­sio­nel­ler Jour­na­list?

Auch nicht beson­ders pro­fes­sio­nell: In Bor­deaux plün­der­ten vor­ge­stern Beklopp­te („Gelb­we­sten“) einen App­le­la­den, um gegen die Regie­rung Macron zu oppo­nie­ren. Das hat er jetzt davon. Nach­dem sehr lan­ge Unklar­heit herrsch­te, ob man die durch Frank­reich zie­hen­den Ban­den aus der Unter­schicht hier­zu­lan­de gut oder nicht so gut fin­den soll­te, hat sich wenig­stens das inzwi­schen auf­ge­löst: Der Iwan war’s, damit ist alles aus­rei­chend ein­ge­ord­net. Ver­damm­ter Putin immer.

Die Pira­ten­par­tei Baden-Würt­tem­berg bit­tet um Unter­stü­zung (sic) bei der Ver­tei­di­gung von Leh­rern und Leh­ren­den, womit sich das The­ma Bil­dung dort end­gül­tig erle­digt zu haben scheint. Dass nörd­lich davon, in Hes­sen, am Wochen­en­de ein Lan­des­vor­stand gewählt wur­de, des­sen Mit­glie­der den Pro­test gegen demo­kra­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen mit furcht­ba­rer Musik abfei­ern, tut sein Übri­ges zu der Fest­stel­lung, dass man bei man­chen ehe­ma­li­gen Ver­nunft­par­tei­en bes­ser kein Kreuz­lein mehr machen soll­te.

Ich wäh­le sowie­so am lieb­sten Musik, aber gute.

Julia Hol­ter – Feel You (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten⁠Wirtschaft
Die Hoffnung im Bahnstreik

Im Febru­ar 2018 schrieb man auf „ZEIT ONLINE“, bebil­dert mit einem freund­lich wir­ken­den Robo­ter, „Mil­lio­nen Jobs“ (anschei­nend Arbeits­plät­ze ein­ge­schlos­sen) sei­en durch die Digi­ta­li­sie­rung gefähr­det. Ange­sichts des Umstan­des, dass mor­gen vie­le Lok­füh­rer (dies­mal unter Pro­test sei­tens der Gewerk­schaft der Lok­füh­rer) sich zu arbei­ten wei­gern, als wären sie andern­falls gezwun­gen, als Lok­füh­rer zu arbei­ten, möch­te ich noch­mals anre­gen, bei der Digi­ta­li­sie­rung ver­stärkt dar­auf zu ach­ten, zuerst jene Arbeits­plät­ze mit Robo­tern zu beset­zen, die für die Auf­recht­erhal­tung von Infra­struk­tur not­wen­dig sind, denn Robo­ter strei­ken nicht und haben gegen­über Men­schen in auto­ma­ti­sier­ba­ren Dienst­lei­stun­gen – wozu Lok­fah­ren zwei­fels­oh­ne gehört – kei­ner­lei Nach­teil.

Ich freue mich auf die Zukunft.

Nerdkrams
Öde Events: Es droht der #35c3.

Die­ser Arti­kel ist Teil 7 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Nur noch weni­ge Wochen bis zum näch­sten Gewalt­ex­zess in Leip­zig: Auch in die­sem Jahr fin­det wie­der ein „Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress“ statt, tra­di­tio­nell ein Tref­fen aller­lei bun­ter Figu­ren; selbst Demon­stran­ten, die wünsch­ten, „Mer­kel“ sol­le „weg“, tra­gen noch Jah­re spä­ter stolz Shirts vom „Con­gress“. Man wird sehen, ob „Ahkah­kah“ (medi­al dümm­li­cher Spitz­na­me für Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er) von den­sel­ben Men­schen hin­sicht­lich ihres Weg­müs­sens auf­ge­klärt wer­den wird. Ich wür­de mir ja wün­schen, dass auch der eher links­ge­rich­te­te Block auf sol­chen Demon­stra­tio­nen mal mit „Congress“-Klamotten statt im iden­ti­tä­ren Ein­heits­schwarz auf­läuft. Das wäre wit­zig, wenn die dann ein­an­der ver­mö­beln.

Sie haben ja auch nichts gelernt, sie haben noch immer wenig Inter­es­se dar­an, Men­schen, die den Unter­schied zwi­schen „Linux instal­lie­ren“ und „Hacker sein“ ver­ste­hen, einen Mehr­wert zu bie­ten, der über ein paar mäßig inter­es­san­te Vide­os, die man spä­ter zu Hau­se durch­skip­pen kann und danach ent­we­der genervt oder gelang­weilt ist, hin­aus­geht. In der Liste der „Events“ – Vor­trä­ge wäre wohl ein furcht­bar trocke­nes Wort dafür, dass auf der Büh­ne ein Ödling mit einem Mac­Book steht und mit einem schreck­li­chen Akzent, denn die Ver­eins­mei­er mögen lie­ber gebro­chen eng­li­sches Genu­schel als über­zeu­gend vor­ge­tra­ge­ne Bei­trä­ge in einer flüs­sig gespro­che­nen Spra­che, PDFs vor­liest – ste­hen ohne­hin wie­der ein­mal ein paar Bei­spie­le für schlech­ten Geschmack und vor allem gei­sti­ge Distanz von der Hacker­ethik. Es soll­te mich kaum wun­dern, blie­be der Saal, in dem die­se erklärt wird, weit­ge­hend leer.

‘Öde Events: Es droht der #35c3.’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten⁠Nerdkrams⁠Politik
Wie „1984“, aber zeitgemäß.

Gute Nach­richt: EU-„Digitalkommissar“ – drah di net um – Andrus Ansip setzt sich dafür ein, künf­tig noch auf­merk­sa­mer als bis­her dar­auf zu ach­ten, dass bei Smart­phones kein Geheim­dienst drin ist; jeden­falls kein chi­ne­si­scher:

Euro­pa soll­te sich (…) wegen des Geschäfts­ge­ba­rens von Hua­wei und ande­rer chi­ne­si­scher Fir­men Sor­gen machen. Sie müss­ten mit den staat­li­chen Geheim­dien­sten ihres Lan­des zusam­men­ar­bei­ten, mein­te Ansip am Frei­tag in Brüs­sel. Von den Fir­men kon­zi­pier­te Chips könn­ten dann genutzt wer­den, „um unse­re Geheim­nis­se zu bekom­men“.

Die­se ver­damm­ten Chi­ne­sen. Die soll­ten sich mal ein Vor­bild an der west­li­chen Welt neh­men. Die macht so was nicht – jeden­falls nicht mit dem chi­ne­si­schen Geheim­dienst. :ja:


Schlech­te Nach­richt: Aus dem Süden droht Gefahr.

IT-Fir­men müs­sen in Zukunft Poli­zei und Behör­den unter­stüt­zen – und zwar beim Zugriff auf die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on von Ver­däch­ti­gen.

Aber kei­ne Sor­ge, so schlimm ist es gar nicht:

Die Regie­rung ver­tei­dig­te ihr Gesetz und beton­te, es hand­le sich ledig­lich um eine zeit­ge­mä­ße Form der frü­he­ren Tele­fon­über­wa­chung.

Wie man zwei­fels­frei erken­nen kann, ist das also gar kei­ne neue Repres­si­on, son­dern ledig­lich ein Update. Bis jetzt hat sich ja auch nie­mand beschwert!

Kaufbefehle⁠Musikkritik
Kurzkritik: CLANN – Seelie

Clann - Seelie

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Die heu­ti­ge Berei­che­rung ist aus­nahms­wei­se mal wie­der nicht 2018, son­dern bereits 2017 erschie­nen und zählt damit zu jenen Stu­dio­al­ben, die ich letz­tes Jahr zu mei­nem Bedau­ern völ­lig über­se­hen hat­te. In der musi­ka­lisch berei­chern­den Stadt Mont­re­al hat sich Vio­li­nist Seba­sti­an McK­in­non unter dem Pro­jekt­na­men CLANN, was angeb­lich „Fami­lie“ heißt, mit eini­gen Mit­mu­si­kern, dar­un­ter Sän­ge­rin Char­lot­te Olee­na, mit der er schon zuvor Musik auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­licht hat­te, zusam­men­ge­tan, um Film­mu­sik zu machen.

„Film­mu­sik“ ist dabei nicht mal abschät­zig gemeint, denn „See­lie“, das Album, um das es hier geht (Bandcamp.com), ist ein Teil des Mul­ti­me­dia­pro­jekts „KIN Fables“, zu dem Kurz­fil­me eben­so gehö­ren wie ein illu­strier­ter Roman, ein Lang­film soll das Pro­jekt irgend­wann ver­voll­stän­di­gen. Dass „See­lie“, ver­mut­lich nicht wie ein Kose­na­me für eine See­le aus­ge­spro­chen, schon mal klingt wie der sound­track zu einem sol­chen Film, ist posi­tiv zu begrei­fen.

CLANN – The Fae­rie Court (Under Sun)

Obwohl „See­lie“ sich nicht gera­de als beson­ders fröh­li­ches Werk erweist, kom­me ich nicht umhin, eine mor­bi­de Schön­heit fest­zu­stel­len. Manch­mal gibt es die­se Momen­te, in denen Lärm nicht hilft, son­dern Kla­vier und Vio­li­ne. Für die­se Momen­te ist die­ses Album kaum die schlech­te­ste Wahl. Dass es nicht als Vinyl-LP zu haben ist, ist da bei­na­he auch egal.

CLANN – I Hold You

So soll­te es eigent­lich öfter sein.

(Dan­ke, Herr Könich!)