Während in der besinnlichen Vorweihnachtszeit die anderswo treffend als Normcore-Vollidioten Bezeichneten ihrer Zukunftsangst entgegensingen, hat Twitter beschlossen, die Konten von Verstorbenen künftig, falls ungeschützt, aus dem Netz zu tilgen; 2019, Festplatten voll, muss man ja verstehen.
Wer liest schon Leichen?
Dass sie, die Leichen, gelegentlich bis heute Klügeres in ihrer bisher unsterblichen timeline verewigt haben als es der durchschnittliche Lebende vermag, ist hierbei belangarm. Die Aktionäre hätten gern einen atmenden Datensatz.
Es ist Montag. Viele sind es nicht mehr, bis dieser Weihnachtsirrsinn wieder vorüber ist und alle auf den nächsten kalendarischen Anlass zur Wirrnis warten: Fußball.
Erstaunlich eigentlich, dass Fußball trotz seiner CO2-Bilanz heutzutage noch umjubelt und nicht kolumnal zerschmettert werden darf. Andererseits haben die Fridays-for-Future-Gestalten andere Gedanken als die olle Umwelt: Sie wollen – wie früher – das Olympiastadion zwecks Eigenlobes mieten, während Greta Thunberg, der man ihre Kindheit gestohlen habe, wie sie sagt, auf einer Kreuzfahrt Kniffel spielt. Die Idole unserer Jugend waren zwar auch gelegentlich nicht um eine saubere Umwelt besorgt, aber wenigstens nicht größenwahnsinnig.
„ZEIT ONLINE“ berichtet unterdessen von Speeddating mit Robotern, seltsam unbegleitet von großer Klage darüber, dass Frauen damit überflüssig gemacht werden sollen. Die Gesellschaft lässt echt nach. Kurz darauf las ich im selben Medium, Bayern wolle den Bildungsrat künftig nicht mehr durch Teilnahme bereichern. Dieses Gefühl, der Intelligenteste im Raum zu sein, ist auf Dauer wirklich belastend.
Ein ernsteres Thema: Die Telekom, wirtschaftlicher Feind von Netzneutralität und guter Projektführung, würde gern Huawei aussperren, denn dass außer BND und NSA auch irgendwelche Schlitzaugen im eigenen Netz fischen, geht echt zu weit! Vertreter der CDU finden das gut. Warum genau gilt die AfD eigentlich als fremdenfeindlich und die CDU als die Mitte?
Der Parteitag hat mit 493 zu 134 Stimmen gegen die Anträge gestimmt, die (…) mehr Mitgliederentscheidung durch Abstimm- oder Befragungsverfahren zur Folge gehabt hätten.
In einer Befragung auf dem CDU-Parteitag wurde dagegen gestimmt, dass künftig mehr abgestimmt werden können soll – warum sollte man auch mitreden wollen, bloß weil man in einer Partei mitmacht? Die da oben machen das schon! Lästig, wenn dann doch mal eine Abstimmung kommt. Weg damit. Wollmer nicht. Stört die Idylle, in der man doch nichts als sanft einschlafen möchte. Für action geht doch niemand in die Politik und andere Parteien erklären, warum es besser so ist:
Es tute der Volkspartei gut, wenn nicht derselbe Weg der SPD gegangen werden sollte.
Drum tütet’s nur Probleme, wenn die Basis sich einmischen tutete!
Zum Abschluss des Parteitags sang die Versammlung die Nationalhymne. Mich überrascht nur noch wenig.
Die Grünen, verlässliche Partnerpartei jedes politischen Rohlings, haben neulich beschlossen, dass im Fall ausbleibender Redebeiträge von „Frauen“ künftig nur noch „Frauen“ darüber abstimmen dürfen, ob trotzdem weiterhin eine Diskussion stattfinden soll. Warum „Männer“ sich in dieser Partei überhaupt noch als Wähler oder gar Mitglied sammeln, bleibt unbegreiflich. Liegt es daran, dass Auspeitschen in einschlägigen Stadtvierteln teurer ist als der Mitgliedsbeitrag?
Schön finde ich aber, dass zu den Antragstellern ein Nils Kriegeskorte gehört. Jede Partei sollte einen Nils Kriegeskorte haben.
In der Online-„WELT“ – möchte nicht verlinkt werden (LSR) – las ich unlängst, Hashtags in sozialen Netzwerken haben jetzt eigene Sprecher: Von der Initiatorin von #truediskriminierung war die Rede, als sei jemand, der sich einen Hashtag ausdenkt, bereits ein Experte, der allein deshalb in jedes Mikrofon reinsabbeln darf. Dabei geht es doch nur um Obstmatsch!
Am Dienstagabend wurde Fritz von Weizsäcker während eines Vortrags „von einem Mann“ („SPIEGEL ONLINE“) erstochen. Nachrichtenwert hat das, wie der „Tagesspiegel“ weiß, vor allem wegen der Lebensleistung des Getöteten:
Von Weizsäcker hatte eine lange Karriere als Mediziner hinter sich. Von 1979 bis 1987 studierte er Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Anschließend ging er für ein praktisches Jahr in die USA. Nach Stationen in Freiburg, Boston und Zürich war er seit 2005 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik.
Beziehungsweise, wie hingegen „ZEIT ONLINE“ es sich von Nachrichtenagenturen schreiben ließ:
Sohn von Ex-Bundespräsident von Weizsäcker in Berliner Klinik getötet
(…) Fritz von Weizsäcker, der Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, ist während eines Vortrags in einer Berliner Klinik erstochen worden. (…) Der Vater des Ermordeten, Richard von Weizsäcker, war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin und zwischen 1984 und 1994 Bundespräsident. Damit war er ab 1990 erster Präsident des wiedervereinigten Deutschlands. Internationale Anerkennung erlange er 1985 durch seine Rede zum 40. Jahrestag vom Ende des Zweiten Weltkriegs, mit der er zur Erinnerungskultur an die Verbrechen des Nationalsozialismus beigetragen hatte. Er starb am 31. Januar 2015 im Alter von 94 Jahren in Berlin.
Das scheint mir der Vorteil daran zu sein, wenn die eigenen Eltern keine über das Kommunale hinausgehende Bekanntheit erlangt haben: Wird man eines Tages von einem Bösewicht gemeuchelt, so war die bis dahin geleistete Arbeit wenigstens nicht umsonst.
Nachtrag: Woran ist eigentlich die Piratenpartei schon lange nicht mehr zerbrochen? Ach ja: An den Piratinnen! Aber keine Sorge, Abhilfe ist unterwegs.
Wenn die „Tagesschau“ zeigt, dass eine Übertragung vom Anti-Funkloch-Treffen des Bundeskabinetts aufgrund eines Funklochs abgebrochen wurde, aber die Aufzeichnung im ICE zwischen Nürnberg und München nicht angesehen werden kann, weil der mobile Empfang so schlecht ist: Welche Stufe der Digitalisierung ist das eigentlich?
Es ist Montag. Ächz! Zu Googles Überraschung werden Websites zumeist mit einem Computer aufgerufen. Hoffentlich sind Butterkekse bald weit genug entwickelt! Die Grünen haben währenddessen im Sinn, den „Wissenschaftsbegriff“ neu zu definieren, damit Homöopathie da reinpasst. Ich würde ja gern den Politikbegriff so definieren, dass die Grünen da nicht mehr reinpassen. Wer macht mit?
Apropos Grüne: In Berlin beschließt die rot-rot-grüne Regierung demnächst einen Verfassungsbruch. Es wird wirklich Zeit, dass wir diese verfassungsfeindlichen Parteien, die täglich ein weiteres Stück Grundgesetz unterhöhlen, endlich verbieten. Grünenverbot jetzt! – Ich sah unlängst ein Foto von einem Aufsteller auf der jüngsten Delegiertenkonferenz dieser Grünen, auf dem sie unter anderem Unternehmen aus der Metallbranche für das Sponsorentum danken. Erstaunlich: Ich hielt sie bisher nur für Betonköpfe. Gleichfalls in Berlin wurde festgestellt, dass im öffentlichen Dienst zu niemandes Überraschung ein gender pay gap herrscht, der Männer benachteiligt. Doch nicht so schlimm, muss ja keiner was gegen tun. Ist ja alles links da.
Kommen wir nochmals zu den eingangs erwähnten Websites zurück. Endlich wurde mal allgemeinverständlich definiert, was ein „funktionaler Internetzugang“ ist: „In der Universaldienst-Richtlinie vom 7. März 2002 werden 56 KBit/s genannt“, muss ja auch reichen. Da lädt das Geschwall von Grünen im Internet wenigstens nicht so schnell. – Diese Netzsperrerei ist echt übertrieben. Man wird ja wohl noch! Wird man nicht?
Erst mal die Laune wieder heben, zum Beispiel mit etwas Musik.
Sieht man dieser Tage Bilder vom momentanen Fortschritt des Aufbaus des lästigen Weihnachtsmarkts am Breitscheidplatz im noch lästigeren Berlin, der wie auch in den Jahren zuvor für mehrere Millionen Euro, die jetzt in interessanteren Projekten als einem ollen Weihnachtsmarkt fehlen (aber Berlin hat’s ja), mittels Absperrungen und Eingangserschwernissen sowohl noch hässlicher als alle anderen Weihnachtsmärkte, die sich meist durch den immergleichen Bretterbudenstil, lieblos dekoriert mit kitschigen Plastikelementen unter der Vorspiegelung, dass es irgendwie besinnlich sei, klebriges Zuckerzeug für das Wocheneinkommen eines typischen Berliners in sich reinzustopfen, um eines Gekreuzigten zu gedenken, mit dem man zu dessen Lebzeiten niemals auch nur ein freundliches Wort gewechselt hätte, als auch noch sicherer als die Landesgrenzen, ohne deren einseitige Durchlässigkeit kein vernünftiger Mensch den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz überhaupt namentlich kennen könnte, werden soll, wobei man diverse Straßen so blockiert, dass blöderweise da wohnende Arbeitnehmer noch bis Anfang 2020 ein noch ärgerlicheres Leben führen müssen als es in Berlin sowieso der Fall ist, aber immerhin, wie wenigstens die „Berliner Morgenpost“ berichtet, in Erwägung zieht, die Absperrzäune durch einen „Berlin“-Schriftzug zu ersetzen, als würde davon irgendwas weniger grässlich anzusehen, so gewinnt man – sicher nicht zum letzten Mal in seinem Leben – die Erkenntnis, dass es wahrscheinlich genau das ist, was diese Gesellschaft so unausstehlich macht; dass sie nämlich den Kitsch für etwas hält, was ihr Jahresende zu einem besseren macht.
Der Dirigent Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks distanzierten sich von ihren Auszeichnungen, gaben sie jedoch nicht zurück. Wikipedia
Gute Nachricht:
Der totalitäre Unrechtsstaat USA darf künftig nicht mehr ohne einen (notfalls frei erfundenen) personenbezogenen Anlass die Laptops und Smartphones von Einreisenden durchsuchen.
Schlechte Nachricht:
Der totalitäre Unrechtsstaat Deutschland darf vielleicht bald aus einem weiteren Anlass die Computer von Einwohnern mit Schadsoftware infizieren.
Zu wenige Menschen werden aus Notwehr politisch.
Aktuell melden Nutzer dem netzwelt-Störungsmelder vermehrt Probleme mit diversen Cloud-Diensten wie Netflix, Amazon Video, Amazon Alexa oder YouTube. Die Probleme liegen aber offenbar nicht bei den Anbietern selber, sondern könnten mit einem Problem bei den Cloud-Plattformen Google Cloud und Amazon Web Services zusammen hängen.
Na, auch keine große Festplatte im Haus, weil die cloud ja sowieso immer verfügbar und so praktisch sei?
Weil ein Stück dieses Albums mir zur Montagsmusik taugte, habe ich mir mal das ganze Album angesehen. Es stammt von bensnburner aus Freiburg, das ein Einmannprojekt zu sein scheint (also bensnburner, nicht Freiburg), und heißt, benannt nach einem Cheatcode aus dem Spiel Doom, „noclip“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL). Dennoch hat Bandchef Ben Krahl sich hier mit fünf anderen Musikern zusammengetan, darunter Harald Kimmig an der Violine und – wie schon zuvor – Bene Abert an Hammondorgel, Perkussion und special FX, was immer das für ein Instrument sein soll. Das verspricht Abwechslung.
Die enthaltenen Stücke sind mal der instrumentalen Rockmusik („blush response“), mal den Experimenten der frühen Krautrocker („#FFFFFF“, „do we give a damn?“) nahe, aber auch Tanzmusik („ITSTANTRUM“) wird gespielt. Die Reihe „routing retirement of a replicant“ wird in Teil 3 ambient fortgesetzt:
In „SUCKMYROCKET“ hat schließlich auch die Violine Platz für ein ausgedehntes Solo.
In den selbst auferlegten Etiketten zu dem Album ist von Postrock und Free Jazz die Rede, aber der Rest passt: Electronic, experimental, ambient, doom, Freiburg. Ja, verdammt. Nettes Album und trotz seiner etwas inkonsistent wirkenden Stilmischung immerhin beachtlich für Freunde der Elektronik.
Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz („NetzDG“), das die rechtspopulistische SPD unter großem Jubel der sozial Korrekten installiert hat, ist ein großer Erfolg: Endlich wird Hassrede konsequent und automatisiert aus dem Internet ferngehalten. Da Algorithmen bekanntlich auch keine Fehler machen, ist die Wahrscheinlichkeit, damit mehr Schaden anzurichten als nötig, schlicht zu vernachlässigen. Wir reinigen das Netz von allem Schmutz!
Weil der deutsche Artikel „die“ von englisch trainierten Algorithmen als „stirb“ gelesen wird, kann es einem passieren, dass Twitter einen blockt, wenn man „die Boomer“ schreibt.
Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz muss dringend um einen Zusatz erweitert werden, der die Verwendung von Anglizismen untersagt.
Und obwohl ich als Sprachpurist einen solchen Vorstoß für einen amüsanten hielte: Mir ist wirklich unklar, warum jemand etwas dagegen haben sollte, dass deutsche Politiker aus stolz uralten Parteien sich in Netzpolitikfragen legislativ äußern. Man kann doch so etwas nicht dem Pöbel überlassen!
Unter der an sich schon beknackten Überschrift „Warum ist das Netz so rechts?“ lässt Jan Vollmer auf „t3n“ eine „Extremismus-Forscherin“ Unsinn reden:
Die Rechten haben sich sehr geschickt als Gegenkultur zum Status quo inszeniert. (…) Es gibt auch Studien, die zeigen, dass selbst das Empörungs-Emoji schneller viral geht als andere Emojis.
Da hilft nur mehr Geld für die Amadeu-Antonio-Stiftung!
Es ist Montag. Das Datum weist im Schrieb gehäufte Wiederholungen auf. In ganz Deutschland drehen alberne Schüler heute bestimmt wieder durch. Manchmal wäre ich auch gern wieder so, aber eigentlich bin ich allgemein sehr ungern.
Apropos: Am jüngst vergangenen Wochenende hielt die Piratenpartei Deutschland einen ihrer skurrilen Parteitage ab. Dort wurde unter anderem einer der seltsamen Klimanotstände beschlossen, wobei die Antragstellerin argumentierte, dass man das Klima am besten retten könnte, indem man Rechenzentren runterfährt. Die Digitalisierung hat es 2019 nicht leicht mit der Politik. Außerdem wurde aber ein neues Bundesvorstand gewählt, darunter ein politischer Geschäftsführer, der gar keine Zeit für seine Aufgabenerfüllung hat, und eine unreife Siebzehnjährige, die für den Hinweis auf ihr Alter bereits hinreichend viel Applaus erhalten hatte, so dass irgendwelche störenden Qualifikationen gar nicht mehr gefragt waren. Das wäre weniger traurig, wenn es stattdessen eine andere netzpolitisch interessierte Partei gäbe, die nicht pünktlich am Wahlabend ihr Programm umdreht.
Der „Guardian“ empfiehlt, freudig allein zu sterben. Finde ich nicht gut, aber mit Musik ist man ja auch nie allein.