Netzfundstücke
Hero­in gegen Dro­gen­to­te (2): Über Süch­te

Im Sep­tem­ber 2018 emp­fahl ich, dro­gen­po­li­tisch einer wei­te­ren Eska­la­ti­on ent­ge­gen­zu­wir­ken, indem Genuss­mit­tel, die nie­man­den voll­stin­ken, lega­li­siert wür­den. Auch mir selbst sind Süch­te nach Genuss­mit­teln, die nie­man­den voll­stin­ken, nicht voll­kom­men fremd: Die­je­ni­ge, der abzu­schwö­ren ich mich selbst wei­ger­te, hät­te ihr immer inten­si­ve­rer Genuss schwer­wie­gen­de und nicht bloß finan­zi­el­le Fol­gen für mich, ist die Musik. Man mag ihr zugu­te­hal­ten, dass sie trotz all ihrer Lang­zeit­fol­gen für die Psy­che wenig­stens Lun­ge, Nie­ren und Leber unbe­ein­träch­tigt lässt.

Gesund­heit und lan­ges Leben sind Idea­le, die in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten die öde Qual­me­rei aus frü­he­ren Jah­ren als gesell­schaft­lich akzep­tier­te Dro­ge abge­löst haben. Eine ver­schwin­den­de Zahl an Ziga­ret­ten­rau­chern frönt weit­ge­hend stumm ihrer Abnut­zung, auch Zigar­re und vor allem Pfei­fe sieht man in geer­de­ten Krei­sen nur noch sel­ten. Unter­stützt wird der Tabak­aus­stieg von Unter­neh­men und staat­li­chen Ent­schei­dungs­trä­gern glei­cher­ma­ßen, was unter ande­rem wit­zi­ge Aus­wüch­se wie die Ein­füh­rung von „Schock­bil­dern“ hat­te. Als bekehr­ten die­se einen Niko­tin­süch­ti­gen jemals zu einem völ­lig ande­ren Leben!

‘Hero­in gegen Dro­gen­to­te (2): Über Süch­te’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu Michel Pla­ti­ni

Es ist kein heh­res Ansin­nen, gegen die wie­der­hol­te Erhö­hung der Rund­funk­ge­büh­ren zu pro­te­stie­ren, denn, wie kein Deut­scher jemals anzwei­feln soll­te, es gibt kein edle­res Bestre­ben für einen Steu­er­zah­ler als die stu­fen­wei­se erhöh­te kor­rup­ter Idio­ten zu dem ein­zi­gen Zweck, über­mä­ßig gut bezahl­ten Her­ren dabei zuse­hen zu dür­fen, sich an der fri­schen Luft sport­lich zu betä­ti­gen; den Kauf eines smar­ten Fern­se­hers, des­sen Ton­auf­nah­me die Aus­ga­be noch über­trifft, für wenig­stens ein Monats­ge­halt vor­aus­ge­setzt, ver­steht sich.

Netzfundstücke
Ket­zer statt Vul­ven

In Dort­mund fin­det vom 19. bis zum 23. Juni 2019 der Evan­ge­li­sche Kir­chen­tag statt, von dem unge­fähr das zu hal­ten ist, was auch von der Kir­che selbst zu hal­ten ist. Wer des Malens von Vul­ven über­drüs­sig ist, dem steht bis zum 22. Juni 2019 das Alter­na­tiv­an­ge­bot des Ket­zert­ags offen:

Der Ket­zert­ag Dort­mund 2019 rich­tet sich pri­mär gegen die Pri­vi­le­gie­rung der Kir­chen durch den Staat, die umfang­rei­che Finan­zie­rung sowie die pri­vi­le­gier­te Behand­lung im Arbeits- und Steu­er­recht, er kri­ti­siert jedoch auch Reli­gi­on und Kir­che selbst.

Wahr­schein­lich ist das alles eine wit­zig gemein­te Idee und sicher­lich ist es nicht unwich­tig, bis­wei­len dar­auf hin­zu­wei­sen, dass 2019 nicht unbe­dingt im rich­ti­gen Jahr­hun­dert liegt, um sich mit Kir­chen­tra­la­la abzu­ge­ben; aber ein biss­chen ermü­dend ist der Auf­bau der Ver­nunft zur Ersatz­re­li­gi­on dann doch.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Drahla – Silk Spi­rit // Was man noch nicht weiß

Es ist Mon­tag. Dabei war doch erst letz­te Woche einer! Was nicht ist, ist Zufrie­den­heit, aber dafür kann der Wochen­tag nichts. Sacra fames und so wei­ter und so fort.

Die Poli­tik sei „ein ver­läss­li­cher Lie­fe­rant von glo­rio­sem Unsinn“, schrieb Jan Fleisch­hau­er in sei­ner letz­ten Kolum­ne auf „SPIEGEL ONLINE“. Das erklärt womög­lich auch die Mel­dung, dass „SPD-Frau­en“, was immer das nun wie­der ist, Pro­sti­tu­ti­on ver­bie­ten las­sen möch­ten. Gefickt wer­den sol­len Pro­sti­tu­ier­te also wei­ter­hin, nur künf­tig eben von der SPD.

Apro­pos Bestechung: Auf „ZEIT ONLINE“ ist ein „Arti­kel“ über das Ver­schen­ken von Ein­tritts­kar­ten zu Kon­zer­ten erschie­nen, des­sen Über­schrift lau­tet: „Stones-Tickets: Was man weiß, und was man noch nicht weiß“. Das krea­tiv gesetz­te Kom­ma ist bei Wei­tem nicht das ein­zi­ge stö­ren­de Ele­ment in die­ser Über­schrift. War­um zum Bei­spiel hat Nach­rich­ten­wert, was man noch nicht weiß, und war­um ist es von einem Lei­stungs­schutz­recht bedeckt, wenn man es auf­schreibt?

Es ist Mon­tag und viel­leicht macht Musik das alles etwas leich­ter.

Drahla – Silk Spi­rit (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
End­lich eine Atem­steu­er!

Apro­pos „Fri­days for Future“: Je nach Kör­per­ge­wicht, Kör­per­mas­se und Akti­vi­tät der Per­son, behaup­tet das Inter­net, atme ein Mensch jähr­lich zwi­schen 168 und 2.040 Kilo­gramm CO2 aus. Weil das Kli­ma das aber zwar nicht gut­hei­ßen kann, Umbrin­gen aber gera­de nicht en vogue ist, haben SPD und Grü­ne, die man bis­her von Hartz IV und dem ersten deut­schen Angriffs­krieg nach 1944 kann­te, sich etwas ande­res aus­ge­dacht:

Auch des­we­gen hat Umwelt­mi­ni­ste­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) vor Kur­zem gefor­dert, eine CO2-Steu­er ein­zu­füh­ren. Kon­kret wür­de das bedeu­ten, dass der Staat einen Preis für eine Ton­ne CO2 fest­legt.

Selbst schuld, wer sich bewegt! – Wei­ter geht natu­rel­le­ment die medi­al deko­rier­te Part­ner­par­tei:

„Nach dem Vor­bild der Schul­den­brem­se braucht es eine CO2-Brem­se in der Ver­fas­sung“, sag­te Grü­nen-Che­fin Anna­le­na Baer­bock im Inter­view mit dem Tages­spie­gel.

Unklar bleibt, was mit denen geschieht, die sie über­tre­ten. Ob sie wohl künf­tig nur noch gesieb­te Luft atmen dür­fen?

MusikIn den Nachrichten
Tanz­ver­bot für Phil Coll­ins! (2)

Ich neh­me mei­ne grund­sätz­li­che Ableh­nung der Fri­days-for-Future-Demon­stra­tio­nen aus aktu­el­lem Anlass ein wenig zurück. Die „HAZ“ näm­lich kün­dig­te gestern an:

Ach­tung: #Fri­days­For­Fu­ture-Rad­de­mo könn­te Anrei­se zu Phil-Coll­ins-Kon­zert lahm­le­gen.

Das Kli­ma zu schüt­zen und vie­len Men­schen sowohl den Zugang zu Han­no­ver als auch zu Phil Coll­ins zu erschwe­ren: Das ist doch mal ein Dop­pel­ziel, für das es sich zu kämp­fen lohnt! :ja:

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 15. Juni 2019

Pres­se­dien­ste fra­gen mit der DPA: Was sind die Alter­na­ti­ven zum Küken­tö­ten? Küken leben zu las­sen scheint kein Teil der Ant­wort zu sein.


Wofür wur­de bis­her noch zu wenig Geld aus­ge­ge­ben? Rich­tig: Für Seri­en mit beson­ders kur­zen Fol­gen, die man zum Bei­spiel auf dem Klo gucken kann, ange­passt an win­zi­ge Bild­schir­me und kur­ze Auf­merk­sam­keits­span­nen. Man fühlt sich schlei­chend abge­hängt.


Hun­ger? Men­schen essen eine Kre­dit­kar­te pro Woche.


Tim Wolff erklärt, war­um die Hit­ler­witz­par­tei „Die PARTEI“ kei­nes­falls unter­stützt wer­den soll­te: „Der Witz ist durch – schon lan­ge.“


Hua­wei darf wegen ver­meint­li­cher Spio­na­ge kei­ne Android-Smart­phones mehr bau­en? Bau­en sie halt „smar­te“ Autos!

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik extern: Als letz­tes stirbt immer der Humor.

In einem trotz­dem guten Text, in dem zwi­schen­durch die Behaup­tung auf­ge­stellt wird, poli­ti­sche Kari­ka­tu­ren sei­en mit der Demo­kra­tie gebo­ren wor­den, obwohl sie doch erst, wenn die­se aus­bleibt, am wirk­sam­sten sind, infor­miert Patrick Chapp­at­te den geneig­ten Leser zur­zeit über eine merk­wür­di­ge Ent­schei­dung der „New York Times“: Die­se wer­de, nach­dem eine anschei­nend als anti­se­mi­tisch miss­ver­stan­de­ne Kari­ka­tur zu inter­na­tio­na­ler Kri­tik führ­te, noch 2019 die Ver­öf­fent­li­chung eige­ner poli­ti­scher car­toons ein­stel­len.

Kari­ka­tu­ren, die nur gedul­det sind, wenn sie kei­ne Ste­reo­ty­pe bedie­nen, sind aber kei­ne Kari­ka­tu­ren, die poli­tisch einen Wert mit sich brin­gen. Das Wesen der Sati­re ist oft auch die Über­zeich­nung – auf Ben­ja­min Netan­ja­hus poli­ti­sches Wir­ken mit einer sol­chen Über­zeich­nung zu reagie­ren scheint mir durch­aus ange­mes­sen zu sein, wenn die Waf­fe, für die man sich ent­schie­den hat, der Stift ist.

Wer war noch mal Char­lie?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: indi­g­nu [lat.] – Odys­sea

indignu [lat.] - OdysseaLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Trotz ihres Namens stammt die Postrock­band indi­g­nu [lat.] – das „[lat.]“ ist anschei­nend Teil des Namens – aus Por­tu­gal. Das latei­ni­sche Wort „indi­g­nu“ bedeu­tet „unwür­dig“ und passt über­haupt nicht zu der hier gehör­ten Musik. Auf ihrem anschei­nend zwei­ten Stu­dio­al­bum „Odys­sea“ (Amazon.de, Bandcamp.com) näm­lich bie­tet sie Musik dar, die vor Wür­de gera­de­zu strahlt.

Gen­re­f­a­na­ti­ker mögen hier „Post­rock“ anhef­ten, aber mit Kla­vier und Strei­chern bekommt der­je­ni­ge „Post­rock“, der auf „Odys­sea“ zu hören ist, eine ganz ande­re Wir­kung als die bra­chia­len Gitar­ren­wän­de von Stil­kol­le­gen. Im Inter­net liest man von einem „sanf­ten Bro­deln“ unter den Melo­dien, aber es herr­schen klar die lei­sen Töne und die son­ni­gen Wie­sen­flä­chen. Das Album ist weit­ge­hend instru­men­tal gehal­ten, was nicht schlimm ist. Man rede nicht hin­ein, man genie­ße und sei dabei still.

Indi­g­nu – Odys­sea (ALBUM STREAM)

Man neh­me nicht an, der Post­rock sei aus­er­zählt. Ver­gä­be ich Punk­te, „Odys­sea“ bekä­me man­che. Emp­feh­len tu‘ ich’s sicher­lich trotz­dem – und zwar hier­mit.

Netzfundstücke
💩 (6)

Puh, na „end­lich“:

Nach dem Wil­len der ortho­do­xen Orga­ni­sa­ti­on soll es künf­tig Emo­jis geben, die eine Torah-Rol­le dar­stel­len sowie Män­ner und Frau­en mit jüdi­schen Kopf­be­deckun­gen.

Ange­sichts der unüber­schau­ba­ren Anzahl an Reli­gio­nen und pas­sen­der Dar­stel­lung kommt da eini­ge Arbeit auf Emo­ji­de­si­gner zu. Begrün­det wird das mit einem „klei­nen Zei­chen“ gegen Anti­se­mi­tis­mus, was ich gut fin­de. Tat­säch­lich fin­de ich, man soll­te noch wei­ter gehen: Erst, wenn Emo­jis ein Nudel­sieb tra­gen, ist Gleich­be­rech­ti­gung erreicht. :ja:

Montagsmusik
Pini­oL – Pogne (live)

Montag (heute)Es ist Mon­tag. Zum vor­erst letz­ten Mal in die­sem Jahr bedarf das einer kalen­da­ri­schen Über­prü­fung, denn gestern war eigent­lich kein Sonn­tag und heu­te muss man eigent­lich nicht auf­ste­hen, tut es aber vor­aus­sicht­lich doch irgend­wann. Die Bla­se, das Alter. Kein Pan­da­bär. – Apro­pos „das Alter“: Die Par­tei Ange­la Mer­kels kri­ti­siert wei­ter­hin, dass man nicht über­all sei­nen ech­ten Namen dran­schrei­ben muss, die Par­tei „Wil­ly Brandts“ hält sich dies­be­züg­lich aus­nahms­wei­se aber noch bedeckt. Wahr­schein­lich ist das bes­ser so.

Ein Blick in die Tech­nik. Da der skru­pel­lo­se Kon­zern Mozil­la offen­sicht­lich noch nicht genug Geld damit ver­dient, sei­nen Abneh­mern Rekla­me rein­zu­drücken, erwägt man jetzt direkt den Ein­stieg in das Ver­kaufs­ge­schäft: „Also wer­den wir einen Abo-Ser­vice aus­rol­len und eine Pre­mi­um-Ebe­ne anbie­ten“, das wird bestimmt ein gro­ßer Erfolg. Ein Mehr­an­ge­bot wei­sen auch die USA auf, wo seit 2018 neue Häu­ser ent­we­der von Ama­zon oder von Goog­le vor­ver­wanzt wer­den. Wahr­schein­lich hat das was mit natio­na­ler Sicher­heit zu tun. Weni­ger anbie­ten wird dafür künf­tig Tes­la, des­sen Model 3 per „Update“ etwas weni­ger weit fah­ren kön­nen wird als bis­her. Um das deut­sche Wort „ver­schlimm­bes­sern“ benei­den uns sicher­lich vie­le Län­der.

Ich für mei­nen Teil benei­de inzwi­schen die Fran­zo­sen um ihre Musik.

Pini­oL – Pogne – Live 2016

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik extern: Die Revo­lu­ti­on schei­tert am Kaba­rett. (2)

Im Febru­ar 2013 reg­te ich mich über das Publi­kum des Fern­seh­ka­ba­retts auf: „Ist eben Kaba­rett, da wird gejohlt und geklatscht.“ Mei­ne Kla­gen blie­ben unbe­ant­wor­tet, es wur­de nicht bes­ser. Im Gegen­teil: Selbst die ver­gleichs­wei­se gut gemach­te „Anstalt“ fällt noch nach sechs Jah­ren vor allem dadurch auf, dass die­je­ni­gen Bei­trä­ge, die eigent­lich zor­nig machen statt unter­hal­ten soll­ten, von Gejoh­le und Geklat­sche beglei­tet wer­den.

Es wur­de nicht bes­ser.

Es wur­de so schlimm. dass die Prot­ago­ni­sten sich zu einer Recht­fer­ti­gung hin­rei­ßen lie­ßen:

So schwach unse­re Wir­kung in letz­ter Kon­se­quenz auch sein mag, so wich­tig ist es uns, die­se Form einer Gegen­kul­tur unbe­irrt und unbeug­sam durch­zu­zie­hen.

Die Gegen­kul­tur – tie­fer ging’s wohl nicht – der Komik aber ist zwar kei­ne, die Din­ge bewegt, jedoch eine, die die Quo­ten sichert:

In die­sem Sin­ne bot das The­ma Gerech­tig­keit für Die­ter Nuhr und sei­ne Scherz­keks­fa­mi­ly ein mon­strö­ses Spiel­feld: Woh­nungs­not, Mil­lio­nen pre­kä­rer Jobs, Alters­ar­mut, Bil­dungs­zer­fall, kran­kes Gesund­heits­we­sen, Ener­gie­de­ba­kel, staat­lich geför­der­ter Cum-Ex-Crime und den all­täg­li­chen Irr­sinn in die­ser Bana­nen-Gro­ko. Statt­des­sen johl­ten Nuhrs Cla­queu­re über doo­fen Kom­mu­nis­mus, über doo­fe Falsch­pin­k­ler, doo­fe Arbeits­lo­se, von Neid zer­fres­se­ne Zukurz­ge­kom­me­ne, Buck­li­ge, Zahn­lo­se, Zwer­ge, doo­fe Alt 68iger, fru­strier­te Popu­li­sten und doo­fe Kin­der von doo­fen Eltern. (…) Das hyper­ven­ti­lie­ren­de Ver­spot­ten der immer glei­chen Schieß­bu­den­fi­gu­ren kom­pen­siert das Abducken bei den The­men des mafio­sen Brüs­sel-Thea­ters, der digi­ta­len Kra­ke, den unge­klär­ten Fäl­len NSU und Amri und dem Wüten der Geheim­dien­ste, der impor­tier­ten Kri­mi­na­li­tät, dem brand­ge­fähr­li­chen NATO-Trei­ben und vor allem dem media­len Kom­plett­ver­sa­gen in die­ser durch und durch for­ma­tier­ten Repu­blik.

Man lese den „Telepolis“-Artikel und zei­ge sich nicht nur ent­setzt, son­dern so ergrif­fen, dass man künf­tig das Joh­len ein­stel­le und statt­des­sen die Revo­lu­ti­on begin­ne. Wo bleibt die eigent­lich?

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Ham­ba­cher Stolz

Apro­pos Pira­ten­par­tei.

Die­se trägt zur­zeit auf Twit­ter ein recht eigen­ar­ti­ges Signet in Regen­bo­gen­far­ben, was vie­les bedeu­ten kann, hier aber offen­sicht­lich für den pri­de month steht, den­je­ni­gen Monat also, „in dem alle die, die nicht der Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät ent­spre­chen, ihre Diver­si­tät fei­ern“ (aus­ge­rech­net „WELT.DE“), was ein sehr umständ­li­cher Begriff für den Juni („Juno“) ist. Das muss die­se Netz­po­li­tik sein. Teil der in die­sem Monat übli­chen Fei­er­lich­kei­ten ist die Teil­nah­me an ört­li­chen „CSDs“, also Chri­sto­pher Street Days. Heu­te fand ein sol­cher sogar in Han­no­ver statt, was unter ande­rem Aus­wir­kun­gen auf den Nah­ver­kehr hat­te, wodurch das dor­ti­ge Woh­nen sicher­lich noch anstren­gen­der wur­de als sowie­so schon.

Mir sei ein Sze­nen­wech­sel gestat­tet. Vom 27. Mai bis zum 1. Juni 1832 fand das Ham­ba­cher Fest statt, das als Geburts­im­puls für die Demo­kra­tie in Deutsch­land gilt. Fest­red­ner, zumeist aus bür­ger­li­chen Krei­sen, hiel­ten flam­men­de Appel­le an den Patrio­tis­mus der Teil­neh­mer, man beschenk­te ein­an­der mit Gra­vu­ren wie „Vater­land – Ehre – Frei­heit“. Man kann von die­sem Bestre­ben nach einem eini­gen deut­schen Volk aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve hal­ten, was man möch­te, es als beson­ders links dar­zu­stel­len täte ihm aber Unrecht. Man wür­de, fän­de es 2019 statt, ver­mut­lich von Rechts­po­pu­li­sten spre­chen.

Die­ser Fakt hin­der­te Vera Schmid­ber­ger (SWR) selbst­ver­ständ­lich nicht dar­an, von mei­nen Gebüh­ren die­se häss­li­chen Sät­ze zu publi­zie­ren:

Das Ham­ba­cher Schloss ist eines der wich­tig­sten Sym­bo­le der Demo­kra­tie in Deutsch­land. Jetzt ver­su­chen Rechts­po­pu­li­sten, den Ort für sich zu instru­men­ta­li­sie­ren.

Das Ham­ba­cher Schloss kann sich gegen die­se Für-sich-Instru­men­ta­li­sie­rung durch Vera Schmid­ber­ger (SWR) ja nun lei­der nicht selbst weh­ren. Der Aus­lö­ser für den so über­schrie­be­nen Bericht ist, dass ein CDU-Poli­ti­ker mit einem Gefol­ge, dem auch Mit­glie­der der AfD ange­hör­ten, eine „Patrio­ten­wan­de­rung“ zu eben­die­sem Schloss unter­nahm. Gleich­zei­tig ver­su­che er die Auf­nah­me in die Ham­bach-Gesell­schaft zu erstrei­ten, der „an die Wer­te und Zie­le des Ham­ba­cher Festes“ erin­ne­re. Die­se Gesell­schaft jedoch sei nicht damit ein­ver­stan­den, dass Wert­kon­ser­va­ti­ve das tun, was Wert­kon­ser­va­ti­ve 1832 getan haben:

Für Kreutz aber ist klar: „Das ist eine poli­ti­sche Rich­tung, die wir nicht wol­len.“

Wel­che poli­ti­sche Rich­tung der Gesell­schaft statt­des­sen zusagt, ist lei­der nicht ersicht­lich. Die ihrer histo­risch zu schüt­zen­den Vor­den­ker und ‑arbei­ter scheint es somit nicht zu sein.

Was ich ins­ge­samt aber eigent­lich wis­sen möch­te: Wenn die sexu­el­le Aus­rich­tung, die sich aus­zu­su­chen wohl nie­man­dem ver­gönnt ist, ein Grund zu einem Stolz ist, der sich offen­bar bevor­zugt, beju­belt von der pro­gres­si­ven Öffent­lich­keit, in lau­ten, schril­len und vor allem öffent­li­chen Fei­ern aus­drücken lässt – war­um ist Natio­nal­stolz dann ein Pro­blem?

NetzfundstückePiratenpartei
Wer­be­re­le­van­te Ziel­grup­pe 2.0

Der ‚Big Brot­her Award‘-Preisträger Face­book respek­tiert im Umgang mit pri­va­ten Infor­ma­tio­nen weder den Wil­len sei­ner Nut­zer noch das euro­päi­sche Daten­schutz­recht. (…) Die Abhän­gig­keit von die­sem Qua­si-Mono­po­li­sten muss über­wun­den wer­den zugun­sten nicht­kom­mer­zi­el­ler dezen­tra­ler Netz­wer­ke.
Patrick Brey­er, Spit­zen­kan­di­dat zur Euro­pa­wahl 2019


Als Teil der Vor­be­rei­tung zur wenig erfreu­lich geen­de­ten EU-Wahl 2019 hat die Pira­ten­par­tei Deutsch­land auf Kosten ihrer nicht um Erlaub­nis gebe­te­nen Mit­glie­der unter ande­rem auf Face­book und aus­ge­wähl­ten Por­no­sei­ten für ins­ge­samt über 21.000 Euro Wer­bung geschal­tet. Wäh­rend ich per­sön­lich eins davon als dop­pel­zün­gig und ein ande­res als amü­sant emp­fin­de, zählt am Ende ja nur, was hin­ten raus­kommt, also die Sum­me an nack­ten Zah­len.

Die inzwi­schen ver­öf­fent­lich­ten Sta­ti­sti­ken – oben sepa­rat als PDF-Datei­en zu fin­den – wei­sen eine kla­re Rich­tung auf: Für mehr als ein Fünf­tel der Kosten bekam die Pira­ten­par­tei über Por­no­sei­ten fast das Zehn­fa­che an Auf­ru­fen und mehr als das Dop­pel­te an klicken­den Besu­chern auf ihre Web­site wei­ter­ge­lei­tet als über Face­book. Als Fazit schlos­sen die Ver­ant­wort­li­chen hin­sicht­lich Face­books, „nor­ma­le Bei­trä­ge und Vide­os“ eig­ne­ten sich eher zur Gene­rie­rung von Auf­merk­sam­keit als ande­re Arten der Wer­bung. Ein ent­spre­chen­des Fazit fehlt bei der Erfas­sung der Por­no­wer­bung, was ich etwas scha­de fin­de. Das wäre eine her­vor­ra­gen­de Gele­gen­heit gewe­sen, die eige­nen Kan­di­da­ten von der grau­en Mas­se, die sich ins EU-Par­la­ment wäh­len las­sen woll­te, deut­lich abzu­he­ben.

Ande­rer­seits haben wir da wahr­schein­lich Glück gehabt.


Je mehr sich poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Frei­heit ver­rin­gern, desto mehr pflegt die sexu­el­le Frei­heit sich kom­pen­sa­to­risch aus­zu­wei­ten.
Aldous Hux­ley