Netzfundstücke
Die deutsche Lust am Kottornado über Nichtigkeiten

Die deutschsprachige Wikipedia informiert:

Shitstorm (…) bezeichnet im Deutschen [einen] „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“, der im Englischen als firestorm bezeichnet wird.

Ich lasse die Etymologie hier unkommentiert auf das Publikum wirken, man denke sich zur geistigen Beschaffenheit der Neologismierer das Seine.

Erfolgreich ist das hinter dem Wort stehende Konzept aber fraglos: Allein in den letzten zwei Wochen fäkalstürmte es aus der deutschen „Netzgemeinde“ („tagesspiegel“) unter anderem

  • bei Boris Palmer für die Feststellung, dass nicht die Mehrheit der hiesigen Bahnfahrer aus Andersfarbigen besteht;
  • bei Oliver Pocher dafür, dass er nach wie vor weder Anstand noch Witz zeigt;
  • bei Jeff Fowler (hier gar als „Mega-Shitstorm“) dafür, dass eine nicht gerade lebensnah gestaltete Figur aus zu vielen Computerspielen in einer dreidimensionalen Kinoversion nicht echt genug aussieht;
  • bei Anja Rützel dafür, eine Selbstdarstellerin der Selbstdarstellung zu überführen;
  • bei Pick Up! dafür, in einer Reklame für klebrige Kekse über einen blöden Kinofilm teilweise zutreffende Aussagen zu machen;
  • bei Lena Ohnenachnamen dafür, dass sie ihren auf billig produzierten Massenpop abfahrenden Anhängern billig produzierte Massenklamotten andrehen will;
  • erst gestern schließlich spekulierte das beschränkte „Horizont“, ob nicht vielleicht Edeka das Ziel eines weiteren Kottornados sein dürfe, weil es anlässlich des diesjährigen Muttertags dumme Witze auf Kosten von Vätern mache.

Die Liste ist bekannt unvollständig.

Wie überzogen das Gebläse jeweils gewesen zu sein scheint, möchte ich hier nicht bewerten – ich vermute, allzu tief in die Geschehnisse einzudringen ist für den wachen Verstand nicht förderlich. Eigentlich wollte ich stattdessen auf die Frage hinaus, warum die deutsche „Netzgemeinde“ sich so intensiv mit solchen Nichtigkeiten befasst, aber auch weiterhin darauf verzichtet, den noch immer unbehelligten Verursachern und Verfechtern des freiheitsfeindlichen Staatstrojaners eine wenigstens vergleichbare Behandlung zukommen zu lassen, immerhin betrifft die in ihm bestehende Gefahr jeden Computernutzer und nicht bloß die weltweit vielleicht fünf Menschen, die immer noch fernsehen.

Leider hatte ich aber keine Zeit mehr, dieser Frage näher nachzugehen: Angeblich wurde ein ehemaliger Fußballspieler in einer Werbung für eine Müslifirma gesichtet. Dem werde ich was husten!

Senfecke:

  1. Wenn der Philip Lahm Reklame für Seitenb….. gemacht hätte,ja dann hätte er wirklich echte Probleme :evil:
    wg deutscher( Aus-)Sprache…und Hirn-und Ohrverkleisterung,igitt!
    Die Sache mit den Shit-nadoes,hmmm
    Bei manchen habe ich das Gefühl,das sie produziert-provoziert werden.
    manche sind ärgerlich,
    manche sind enthüllend auf mehreren Ebenen…
    Aber immerwieder eine Axionen und Dendriten-Übung in Sachen Medienkompetenz…
    denn welche dampfend-frische Riesenkacke (schönes Bild,gell) wird hinter dem Shitnadöle(niedliche Verniedlischung) versteckt?!
    Oder was wird unserer Aufmerksamkeit entzogen oder lassen wir es uns entziehen….
    „Die einen sagen so,die anderen hättens gerne anders.“

  2. Für so doof halte ich die Netzgemeinde da nicht.
    Ja, klar, wir wissen das Webseiten von vor 10 Jahren nicht mehr da sind, scheinbar im Orkus der Geschichte untergegangen sind. Wir wissen aber auch vom Utah Data Center, in dem die NSA seit 2013 nicht nur Metadaten sondern komplette Kommunikationsstrukturen speichert.
    Also hält sich die Netzgemeinde brav an die Vorgaben.
    „Geshitstormed“ wird politisch also nur, was von offizieller Seite genehmigt wurde, wie Kommunisten (Kühnert), Nazis (Gauland), Klimaleugner (Eike e. V.), Migrationsfeinde (Achille Demagbo) und Islamphobe (Alice Schwarzer).
    Bei Anbietern von Werbung zeigt dann die hiesige Demokratiesimulation ihre volle Stärke, da darf man alles disliken was einem vor das Profilbild rutscht.
    Popsternchen und B-Movie Darsteller erfüllen hier die Hofnarrenfunktion.

    • @Pater Busoni: Hofnarren im umgangssprachlichen Sinne oder historischen…
      Ist ja wie bei „Theorie“ Umgangssprache oder Wissenschaft?!

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
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