Jetzt in diesem Moment wird es 2020. Draußen zünden sie Geld an. Eigentlich ist jedes Datum nicht mehr als eine kalendarische Besonderheit, aber Menschen mögen Melancholie und darin bin ich gut. 2013 begann für mich immerhin mit einem Rückblick auf gewonnenes und verlorenes Glück, 2015 ging eigentlich nur eines verloren (das dafür mit Wirkung). Darin bin ich ebenfalls gut.
2019 versprach wenig und hielt vieles, es lehrte aber auch abermalige Demut im Umgang mit der Zufriedenheit. Man fühle sich gern jederzeit geliebt, gewertschätzt und bewundert, niemals aber angekommen. Die Reise geht weiter, immer weiter. Mitunter gewinnt man beim Pokern und wird auf der Rückfahrt aus dem Bus geschmissen. Was bleibt, sind die Lieder vom Straßenrand, die Eindrücke, die Gerüche, Geschmäcker von Dingen, von Menschen. Nur die Menschen selbst, sie reisen gern weiter.
Inmitten der akustischen Weltkriegsszenarien, die Großväter und Haustiere gleichermaßen unter Tische und Betten treiben, entwickelt sich die hässliche Freude darauf, noch am Neujahrstag in den Medien hohe Zahlen weggesprengter Gliedmaßen zu lesen. Der Tag macht traditionell nichts Gutes mit mir. Melancholie war angefragt? Verzeihung, da habe ich mich verlesen. Ich dachte, es war Verbitterung gemeint.
Die blöde Onlinevideothek Netflix schlug vor, meine gesehenen Filme und/oder Serien als Beschreibung des kommenden Jahres zu verstehen. Wohl dem, dessen letzter gesehener Film nicht Braindead war! Ich nehme mir den Rat jedenfalls zu Herzen – vielleicht lade ich das Jahr 2020 einfach auch illegal im Internet runter.
Prost Neujahr.
















