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Todesdiener gegen Parolen

Hei, die Twitteria eskaliert wieder. Der Grund dafür ist, dass Mario Sixtus, mir dadurch ungewöhnlich sympathisch geworden, gut begründet darüber klagte, dass in einem vollen Zug Menschen in Tötungskleidung für einen Fahrkartenpreis von 22 Euro p.P. viel Platz belegen, obwohl Auslastung und Verschleiß bei der Deutschen Bahn bereits jetzt zu hoch sind.

Der Vorwurf der Tötungskleidung scheint hierbei der entscheidende Kritikpunkt zu sein, denn es mag Menschen geben, die aus mir unklaren Gründen „zum Bund“ gehen, obwohl sie Gewalt ablehnen. Nur:

Natürlich ist der Kern des Soldatenberufs das Töten anderer Soldaten und nicht bspw. der Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser o.ä., sonst hätten Soldaten als Standardausrüstung einen Klappspaten und kein Sturmgewehr.

So weit, so richtig. Trotzdem fühlte sich ein Soldatenversteher und „systemischer Coach für Kommunikation und Konfliktmanagement“ so gereizt, dass er unbedingt dummes Zeug von sich geben musste und dabei auch versuchte, Mario Sixtus‘ vermeintlichen Arbeitgeber zu belästigen:

Mario Sixtus erdreistet sich, uns als Mörder zu bezeichnen.
Bis heute bin ich davon ausgegangen, dass wenigstens der öffentliche Journalismus keine dummen Parolen verbreitet. Eine Schande für das @ZDF! #wirdienendeutschland

(Hashtags gekürzt.)

Dass das ZDF als einer von Mario Sixtus‘ Kunden mit dem „Verbreiten“ der „dummen Parole“, Soldaten seien Menschen, die Menschen töten, gar nichts zu tun hat, hätte ein „Coach für Kommunikation“ sicherlich herausfinden können. Witzig ist das aber noch nicht, witzig ist vielmehr, dass jemand den impliziten Wunsch, jemand anderes möge auf das Verbreiten „dummer Parolen“ verzichten, mit der dummen Parole beendet, Menschen, deren Berufskern das Töten ist, „dienen Deutschland“.

Nimmt man immer noch an, ich sei Deutschland, so muss ich dieser Selbstauffassung energisch widersprechen. Mir dienen Pflege- und Rettungskräfte, Katastrophenschutz, Musiker, Bier- und Whiskyproduzenten, Programmierer und nicht zuletzt die Polizei. Sie alle in Berufskleidung (sofern vorhanden) mit mir im gleichen Zug zu wissen trübte mein seelisches Wohlbefinden nicht. Wer mir aber keinesfalls dient, sind Menschen, deren berufliche Existenzgrundlage es ist, den Iwan daran zu hindern, Ostdeutschland zurückzuerobern, und die die Zeit bis dahin überbrücken, indem sie „am Hindukusch“ (Peter Struck) Kriegsverbrechen begehen.

Vor einiger Zeit war auf Twitter in einer Welle falsch verstandener Solidarität vielfach die Forderung zu lesen, „Faschos“ mögen „aufs Maul“ bekommen. Das hielt ich für eine kontraproduktive Forderung, denn noch niemals hat jemand durch bloße Gewalteinwirkung seine politischen Ansichten wesentlich geändert, sondern sie wurden oft noch gestärkt. Es läge mir fern, Soldaten und Faschisten gleichzusetzen, denn faschistische Uniformen begegnen mir im Zug eher selten, aber ich persönlich hätte gegen den Twittertrend „Soldaten aufs Maul“ kaum vernünftige Einwände vorzubringen. Das Betreiben von Gewalt ist immerhin des Soldaten wesentliche Berufung.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

Senfecke:

  1. Pingback: Hirnfick 2.0 » Todesdiener gegen Parolen (Nachtrag): ... aber bitte nur gute!

    Was sagt es eigentlich über eine Gesellschaft, die trotz seit inzwischen dreißig Jahren fehlender äußerer Feinde ihre vermeintliche „Verteidigungsarmee“ überwiegend ganz gut findet, aus, wenn ihre laut Medienberichten derzeit größte Sorge in Bezug auf diese Armee diejenige ist, dass einige dieser Menschen, deren steuerlich bezahlter Beruf das Töten ist, womöglich gar keine anständigen Sozialdemokraten, sondern rechtsextrem sind?(via Schwerdtfegr)

  2. „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.“

    Und die ganzen geheimen Geheimdienste und was sonst noch alles an Para- und anderen Militärs so kreucht und fleucht gleich mit…

:) 
:D 
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:o 
8O 
:? 
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