„Wir müssen erkennen, dass Kindesmissbrauch im Netz weiter verbreitet ist, als wir bisher angenommen haben.“ (…) Diese Einschätzung überrascht, denn Ermittler (…) weisen seit Jahren auf die Rolle des Internets bei Kindesmissbrauch hin.
IKEA hatte einen Mitarbeiter gefeuert, der in der internen Firmenkommunikation Homosexuellen mit dem Tod gedroht hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass damit die Religionsfreiheit des Homo-Hassers verletzt wurde.
Warum gehört das Christentum eigentlich zu Deutschland?
Das Kombynat Robotron, das sich selbst КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ schreibt, was man eigentlich ganz anders ausspräche, ist ein falsch nach einem Computerhersteller der DDR benanntes Kieler Quartett, das seit etwas mehr als zwei Jahren existiert und seitdem bereits mehrere Alben veröffentlicht hat. Das aktuellste derselben heißt „Dickfehler Studio Treffen I“ (Amazon.de, Bandcamp.com) und disqualifiziert sich eigentlich schon aus Prinzip für meine diesjährige Musikrückschau, denn es wurde live – wenn auch in einem Studio – aufgenommen.
Zu hören gibt es Krautrock in seiner instrumental-hypnotischen Ausprägung, das Internet schlägt eine Nähe zur Düsseldorfer Genregalionsfigur Neu! vor, aber bei jenen hat mir bislang immer das Mitreißende gefehlt, das Stücke wie „Sequoia“ mir hier bieten.
Sicher: Überraschungen lauern hier nur wenige, das Genre (sagt man das noch?) wird ja seit über fünfzig Jahren bespielt. Trotzdem höre ich hier wenigstens eine feine Abwechslung in dem Einheitsbrei, der heutzutage als Krautrock durchgeht. Ich mag das.
Es ist Montag. Irgendwelche Medien und Verlage finden mal wieder, Facebook solle gefälligst nicht so nachlässig mit den Daten seiner Besucher hausieren gehen. Das dürfen nur sie. Es hat Gründe, warum das Web von vielen nicht als der interessanteste Teil des Internets angesehen wird. Wer ahnt, welche es sind?
Auf einem Fleischgipfel (hihi), heißt es, habe die Bundesagrarministerin vorgeschlagen, man könne Fleisch doch teurer machen, denn dann würde es Mensch und Tier bei dessen Herstellung sicher besser ergehen. Bekanntlich sorgen höhere Preise nämlich stets für bessere Bedingungen und nicht etwa für höhere Renditen. Sollen die Armen doch Kuchen essen! Wumms. – Sibel Schick, die mich noch im Mai, von der lästigen Pflicht, andauernd Fleisch essen zu müssen, befreit hat, kämpft ebenso noch immer für Gerechtigkeit: Türkische Neonazis werden marginalisiert und sind daher eine schützenswerte Minderheit. Gute Idee: Ich habe gelesen, im Fernsehen werden demnächst wieder Sprecherposten frei.
Verkehrte Welt: Der „Deutschlandfunk“ beruft sich wie zur Abgrenzung zur Konkurrenz darauf, dass Einordnungen nicht journalistisch, weil subjektiv seien, und prompt ertönt ein lautes Geschrei, dass es gefälligst die Aufgabe des „Deutschlandfunks“ zu sein habe, den Mitteilungen seiner Kolumnisten mindestens eine Abwertung beizulegen. Vielleicht sind es ja gar nicht die Verlage, die ein Anachronismus sind, sondern ihre Kunden?
Zeitlos und daher ungefährdet hingegen bleibt: Musik.
Seit dem Tod von George Floyd setzt sich alle Welt wieder mehr mit dem Thema Rassismus auseinander. Das trifft auch die Kultserie “Die Simpsons”: Dort werden bisher auch nicht weiße Figuren wie Apu von weißen Schauspielern eingesprochen, was auf Kritik stößt. (…) Wie unter anderem der “Spiegel” und “Deutschlandfunk” (…) berichten, soll sich das jetzt ändern. Das betrifft demnach konkret die Figuren Apu Nahasapeemapetilon und Dr. Hibbert, die künftig nicht mehr wie bisher von weißen Sprechern synchronisiert werden sollen.
Nun ist die einzige wirklich weiße Figur in den „Simpsons“ der jüdische Clown Krusty (die Religion seines Sprechers ist mir bedauerlicherweise unbekannt), der nur selten mit seiner natürlichen Hautfarbe zu sehen ist. Nahezu alle anderen Figuren sind gelb.
Was sagt es eigentlich über diejenigen aus, die für schwarze Comicfiguren gefälligst schwarze Stimmen hören wollen, gleichzeitig aber gelbe Figuren für weiße Figuren halten, dass sie auch nur irgendwas von dem, womit sie Serienmacher dieser Tage belästigen, völlig ernst meinen?
Lilly Blaudszun, SPD-Teenager und beeinflussend, kündigte auf Twitter an, sie werde zur Eröffnung der morgigen TINCON sprechen. Die TINCON ist eine unter anderem von mehreren Bundesministerien und Stiftungen geförderte Konferenz für Jugendliche, die von einem Mittfünfziger und seiner Frau ersonnen wurde und auch sonst nur wenige Teenager – hierfür steht das T im Namen – unter den speakern aufweisen kann.
Die Begeisterung der – ich wiederhole mich: von mehreren Bundesministerien geförderten – Ausrichter kannte kaum Grenzen, vor allem nicht sprachlich:
J@@@! Lilly, wenn du loslegst, schälen wir uns erstmal 1 Cornetto auf den Kickoff ✌ *Freu*
Seitdem plagen zwei entscheidende Fragen mich und mein seelisches Wohlbefinden: Wann genau fand die Abkopplung zwischen der Jugend und uns statt und warum fühlt sich das so angenehm an?
Die scheußliche „taz“, Fachmagazin für die Unkenntnis von der Funktionsweise eines Katalysators, brüllt wegen Stuttgart:
Katalysator für die Gewalt ist wohl die Tatsache, dass die Clubs in Stuttgart wegen Corona geschlossen sind und manche, die man früher wohl Halbstarke genannt hätte, in dieser partyarmen Zeit nicht wissen, wohin mit ihrer Körperlichkeit.
Kennt man ja: Da lädt man drei Freunde aus einem Wohnwagen mal nicht zum Feiern ein und schon gründen sie eine Terrororganisation. Und wie viel Tote man hätte verhindern können, hätte Afghanistan 2001 nur einen Tanzclub gehabt!
Trauer beim WDR: Die Vielfalt der Sprache auch im Ausdruck von Missfallen mache …
[…] es für Netzwerke wie Facebook schwer, mit „künstlicher Intelligenz“ dagegen vorzugehen.
Da ich gerade bei 2020 war: Auch das neue Album der Friends of Gas (nach 2016) ist da (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL) und es ist grandios. Nina Walser, mittlerweile auch als Gastsängerin bei Gewalt aufgetaucht, verleiht der gewohnt repetitiven Lyrik zu ungewohnt druckvollem Instrumentarium ihre ganz eigene Würze, die auch vier Jahre danach nichts von ihrem Reiz verloren hat.
Textlich bleibt es im weiten Feld zwischen Existentialismus („Im Bad“) und Revolution der Psyche mit gelegentlichen Ausflügen in die Liebe („Stechpalmenwald“), keine Sekunde lang begleitet von musikalischer Tristesse, selbst im im eigentlich gut abgehangenen Postpunk nochmals ein Ausrufezeichen setzenden „Teilchen“ überwiegt der Bewegungsdrang des Hörers. Wie ärgerlich. Das geht doch wieder auf die Gelenke.
Das letzte Stück „Selber Keine“ ist über zehn Minuten lang und basiert auf der energisch vorgetragenen und zu sehr geilem Gitarrengeflimmer wiederholten Feststellung, man sei ebendies, nämlich selber keine.
Ein Album wie „ein Waldbrand, ein Waldbrand, ein Waldbrand“ („Waldbrand“). Da wird, wie in den besungenen sozialen Medien, nicht gelöscht. Da wird nur noch bewundert. Meinen Glückwunsch und meinen Dank.
Dass ich tesa – inzwischen mit einer steigenden Zahl an Leerzeichen ungefähr „T E S A“ geschrieben – nach ihrem wundervollen Album „G H O S T“ ein bisschen vernachlässigt habe, tut mir selbst ja auch leid. 2020 – in dem Jahr, in dem sogar meine Halbjahresrückschauen leiden müssen – kamen sie mit „C O N T R O L“ (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL) jedenfalls zurück in meine Aufmerksamkeitssphäre und spielen immer noch einen „großartig groovenden Postrock“ (ich wiederhole mich, wo es angebracht ist), der vorherigen Alben in nichts nachsteht.
Ich hatte ja vor zwei Wochen schon eines der Stücke hier, hier ist der Rest:
Um den Konsum anzukurbeln, hat die Bundesregierung beschlossen, die Mehrwertsteuer vorübergehend zu senken. (…) Sie ruft die Händler dazu auf, die gesenkte Mehrwertsteuer eins zu eins an die Verbraucher weiterzugeben.
Einige Unternehmen haben bereits angekündigt, die Senkungen nicht oder nur teilweise an Verbraucher weiterzugeben und den verringerten Steuersatz nur auf ausgewählte Produkte anzuwenden.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat den Preiskampf bei Fleisch kritisiert[.] „Fleisch ist zu billig“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. (…) Konkret schlagen die Experten dabei einen Preisaufschlag von 40 Cent pro Kilo Fleisch, zwei Cent pro Kilo Milch und pro Ei sowie 15 Cent für ein Kilo Käse oder Butter vor.
Es ist Montag. Die cloud macht das Leben mal wieder liebenswert: Blu-ray-Spieler könnten möglicherweise nach einem Update nicht mehr so recht funktionieren, was sie natürlich gegenüber dem guten, alten Videorekorder klar als Fortschritt ausweist. Im Forum zum Artikel schrieb jemand, das sei altbekannt, auch bei ihm habe ein teuer gekauftes Abspielgerät irgendwann aufgehört, manche Dinge abspielen zu können, und er habe sich damit abgefunden. Ist ja auch bloß Geld und nichts von Bedeutung (zum Beispiel ein Pandabär).
Am Wochenende wurde Stuttgart gehamburgt. Polizeiberichten zufolge führte eine Kontrolle wegen eines Joints zu einer spontanen Solidarisierung der städtischen Partyszene, und selbst unter der Annahme, dass die Existenz einer Partyszene in ausgerechnet Stuttgart mehr als ein bloßes Hirngespinst ist, bleibt die Frage: Wenn Kiffer wegen einer Kontrolle bereits eine Stadt demolieren, sollte man dann nicht über die Legalisierung von Cannabis, weil Kiffen psychisch viel ungefährlicher sei als Alkohol, noch mal kritisch nachdenken?
Wenige Stunden zuvor fragte jedenfalls die „taz“, über deren künftige Verlinkbarkeit wiederum ich mich kritisch nachzudenken veranlasst sehe, wie viel Polizeigewalt verhindert werden könnte, wenn Polizisten nur endlich zwecks Kommunikation mit typischen Tätern Arabisch sprächen. Wie viel Prozent der Vorfälle diese Ergänzung des polizeilichen Handwerkszeugs abdecken würde, steht sicherheitshalber aber nicht dran.
Neues vom Sturm auf die Statuen: In Gelsenkirchen habe ausgerechnet die MLPD gerade jetzt eine Leninstatue errichtet, wird berichtet; damit wolle sie den Wegbereiter für „Freiheit und Demokratie für die Massen“ (MLPD) ehren. Das ist allerdings auch das gute Recht der MLPD: Die Statue wurde auf ihrem Privatbesitz errichtet. Prima Sache, dieser Privatbesitz.
Was man dringend auch privat besitzen sollte: Musik.
So moralflexibel muss man sich ja als Guter auch erst mal verbiegen können, dass einem als Antwort auf den Einwand, es sei womöglich unangemessen, Menschen aufgrund ihres Berufs mit Abfall gleichzusetzen, sofort einfällt, dass die Gewerkschaft der so Gescholtenen, historisch alles andere als ein Vehikel der dem Nazismus Nahestehenden, eine rechte sei; hierfür im Übrigen mein Respekt.
Beim „SPIEGEL“ – will nicht verlinkt werden – interviewtwurde Katrin Göring-Eckardt immerhin nicht völlig falsch:
„Bazooka“, „Kraftpaket“, „Wumms“: Schon an der Sprache werde klar, für wen in der Coronakrise Politik gemacht wird, sagt die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.
Ich fände das allerdings weit bedrückender, wenn außerhalb der Coronakrise eine andere Sprache gewählt würde als ausgerechnet der weibliche Gegenpart:
Nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Giffey treffen das „Gute-Kita-Gesetz“ und das „Starke-Familien-Gesetz“ genau den Bedarf der Eltern.
Erstaunlich, dass im Kraftpaket keine Lutschergarantie zugesichert wurde.
Warum Deutschland nicht selbst über ein großes Unternehmen zur Herstellung von Smartphones verfüge, wurde ich heute gefragt, und was ich gegen Open Source hätte, fragte man mich zuvor.
Die Corona-App soll bei lediglich 80 Prozent aller Begegnungen die Abstände korrekt messen. (…) SAP und die Deutsche Telekom haben die App für einen Nettopreis von 20 Millionen Euro in den vergangenen Wochen entwickelt. (…) Sowohl die Vertreter der Bundesregierung als auch die beteiligten Unternehmen lobten dabei den Open-Source-Ansatz bei der Entwicklung der App.
Nun ist natürlich eine von T‑Systems und SAP entwickelte Software, die in 80 Prozent der Fälle richtig funktioniert, trotzdem eine erst mal erfreuliche Nachricht. Aber wie viele Schüler hätte man eigentlich mit 20 Millionen Euro aus 20 Prozent Fehlerquote herauslehren können?
Datenverkehr, der durch die Nutzung der neuen Corona-Warn-App anfällt, wird von deutschen Providern nicht vom Kontingent abgezogen. Das teilte die Telekom mit.
Erstaunlich, für welchen Quatsch (Podcasts, Musikvideotheken, Bewegungsverfolgung) der Datenverkehr plötzlich beliebig umfangreich sein kann und nichts mehr kostet. Warum zahlt eigentlich noch jemand für mehr Gigabyte mehr Geld?