
Medienkritik in Kürze: Reicht jetzt auch!
Inzwischen beim Sturmgeschütz der Demokratie:

Echt mal!
Wenn schon Daten vorratsspeichern, dann wenigstens die falschen.
Apropos „bescheuerte Politikideen von früher“: Um dieser verdammten Kinderpornografen endlich habhaft zu werden, empfiehlt die CDU abermals, man solle sicherheitshalber die Daten aller Einwohner Deutschlands auf Vorrat speichern; sie könnten ja irgendwann mal was anstellen und dann sei es zu spät.
Wer jetzt annimmt, sie habe seit dem letzten diesbezüglichen Vorstoß nichts über EDV gelernt, der liegt erstaunlicherweise daneben: Wie der Generalsekretär der Partei korrekt feststellt, findet zwar nicht die Herstellung, aber die Verbreitung von Kinderpornografie eher im „Darknet“ als auf einem Marktplatz statt. Nun zeichnet sich „das Darknet“ dadurch aus, dass man nicht nur eine gesonderte Zugangssoftware braucht, sondern auch dadurch, dass die dort anfallenden Daten im Bestfall keinerlei Rückschlüsse auf die eigene Person zulassen. Die beliebte Zugangssoftware „Tor“ etwa funktioniert so, dass man das Gesuch, eine Seite im „Darknet“ aufzurufen, einem zufälligen Zugangsknoten mitteilt, der es wiederum einem weiteren mitteilt, was ein paarmal so weitergeht, bis der letzte Knoten schließlich die gewünschte Website aufruft, die nur dessen IP-Adresse, aber nicht die desjenigen erfährt, der sie ursprünglich aufgerufen hat.
Entsprechend ist auch das Speichern von Verbindungsdaten nicht zielführend: Der anfragende Nutzer sendet seine Anfrage verschlüsselt an einen unverdächtigen Rechner irgendwo auf der Welt, ein wahrscheinlich völlig Unbeteiligter sendet ihm ebenso verschlüsselt die Daten zu. Die Vorratsdatenspeicherung könnte hier allenfalls die Zahl der Nutzer solcher Anonymisierungsdienste erfassen, darüber hinaus wäre sie aber völlig wirkungslos.
Folgerichtig fordert Paul Ziemiak:
Deshalb gilt: Unsere Ermittler brauchen zur Aufklärung von Kindesmissbrauch die Möglichkeit der Vorratsdatenspeicherung.
Ich persönlich befürworte schon lange, sicherheitshalber die CDU zu verbieten und ihre Mitglieder einzusperren. Sie hat zwar, anders als die SPD, noch nichts wirklich Schlimmes angestellt – aber sie könnte!
Der Pornofilter für Erwachsene
Was genau elf Jahre nach den schon damals misslungenen Forderungen nach einer Sperre für Websites, auf denen rechtlich unfeine Dinge feilgeboten werden, die von jedem aufgeweckten Elfjährigen, der eine Suchmaschine bedienen kann, ohne große Anstrengung schlicht wegkonfiguriert werden könnte, sich plötzlich geändert haben sollte, so dass schon wieder Bestrebungen, den verdammten Chinesen, die uns sonst alles nachmachen, diesmal selbst was nachzumachen, nämlich das Wegsperren eines großen Teils des vermeintlich freien Webs, laut werden, weiß ich leider nicht, aber mich amüsiert die Vorstellung, dass demnächst in deutschen Haushalten zahlreiche Erwachsene herumdrucksend von ihren geschützten Kindern und/oder Enkeln in Erfahrung zu bringen versuchen, wie sie diese blöde Sperre denn umgehen können.
Interessante Frage des Tages: Warum gibt es eigentlich klimabedingt eine Kaufprämie für Elektroautos, aber keine für Fahrräder?
TESA – Control 5 // Coronapolizei hilf!
Es ist Montag. Die populäre Meinung des Tages umschreibt die Putzigkeit von Pandabären, die unpopuläre Meinung des Tages hingegen kommt von einer Mitweißen, die gestern schrieb, an einem Anstieg von Coronafällen auf Demonstrationen gegen Polizeigewalt, auf denen Abstandsregeln ignoriert werden, sei allein die Polizeigewalt schuld. Da hätten wir das mit dieser blöden Hygiene ja auch lassen können. Na, nächstes Mal!
Da aber neuerdings antisemitische Propaganda als Symbolbild für die Unterdrückung von Schwarzen genutzt wird, während an anderer Front Frauenquoten gefordert werden, wird es allmählich etwas unübersichtlich. Wer wird jetzt am meisten unterdrückt und bedarf daher unserer größten Unterstützung: Schwarze, Frauen, Anderssexuelle oder der Brechreiz beim Lesen der Verlautbarungen der SPD-Halbvorsitzenden, die öffentlich bekanntgab, beim Geldverteilen sei die Frage, woher das Geld denn komme, erst mal vor allem im Weg?
Apropos im Weg: Der Thüringer Datenschutzbeauftragte scheint sich, glaubt man den Medien, des Problems anzunehmen, dass in der Krise Lehrer wiederholt die DSGVO missachteten, um sich mit ihren Schülern weiterhin austauschen zu können. Das führte zu großer Empörung in der Lehrergemeinschaft, denn es könne von Lehrern (von wem sonst?) nicht verlangt werden, sich ausnahmsweise mal Gedanken darüber zu machen, was mit den Daten ihrer Schüler passiert. Hoffentlich erfindet bald mal jemand eine Kommunikationsplattform, die nicht Facebook gehört.
Von Plattformen ist der Sprung zurück zum vorherigen Thema kein weiter, denn einen wichtigen Anfang solle man, fordert das Internet, jetzt machen, indem man die podcasts von Schwarzen abonniere. Das sei ein solidarischer Akt, erklärt aber quasi nebenbei auch ganz gut, warum ich Podcasts für einen furchtbar überflüssigen Unsinn halte; denn wenn es darum gehen würde, was dort gesagt wird, und nicht darum, wer es sagt: Wär’s stattdessen nicht viel besser mit einem Blog getan?
Da nun aufgrund der schon aus Prinzip gemiedenen Podcasts etliche Stunden ungenutzt bleiben können, bleibt unsereinem viel Zeit für das, was wirklich wichtig ist: Musik.
Guten Morgen.
So wirst du von „Perspective Daily“ überwacht
Bedauerlich: Auf „Perspective Daily“ warnt Dirk Walbrühl unter der blöd duzenden Überschrift „So wirst du im Alltag überwacht“, man werde auf sieben Arten überwacht, darunter Überwachungskameras, Kennzeichenerfassung und Drohnen. Die achte Art – die auf „Perspective Daily“ eingebundenen externen JavaScripts von Googleservern wie s.ytimg.com und ajax.googleapis.com, fehlt leider in der Liste.
Mehr Jans für Deutschland! (3): Justizquotiert.
Eine Frauenquote muss nicht bedeuten, dass darunter die viel notwendigere Kompetenz leidet. Gerade in Berufen, in denen eine fachlich unfähige Person großen Schaden anrichten kann, wird man ja wohl im Zweifel darauf achten, dass ein Mindestmaß an Verständnis vorhanden ist. Man lässt ja auch keinen Autohersteller Radwege entwerfen.
Außer, man ist bei den Grünen:
Für Überraschung sorgt, dass Grünen-Chefin Anna Gallina künftig das Justizressort leiten soll, obwohl sie keine Juristin ist. Gallina hat Politikwissenschaft, Philosophie und Öffentliches Recht an der Universität Hamburg studiert. Vorgänger Till Steffen hatte den Posten aufgrund der Grünen-Frauenquote freigemacht.
Immerhin: Das Philosophiestudium könnte dabei helfen, politische Zusammenhänge in Hamburg besser zu verstehen; zum Beispiel, warum welche Anwärter mit welchen Posten ausgestattet werden.
Der neue Mehrwertgewinnsatz ist da.
Letzten Monat äußerte ich mein Unverständnis darüber, dass die Bundeswehr (die abgeschafft gehört) 137 Milliarden Euro für Dinge ausgeben darf, mit denen man Menschen umbringen soll. Der Staat hat wegen Corona immerhin erkannt, dass das eine Summe ist, die unverhältnismäßig erscheint, und beschlossen, finanzielle Mittel in Höhe von fast einer Bundeswehr – nämlich 130 Milliarden Euro – dafür bereitzustellen, dass die Bürger wieder mehr unnützen Krempel kaufen. Die Wirtschaft, Sie verstehen; die eben auch fast eine Lufthansa weniger wert ist als die Armee. Irgendwelche Prioritäten muss man eben haben.
Fünf von den 137 Milliarden Euro sollen an die Deutsche Bahn gehen, die bekanntlich dringend mehr Geld braucht. Aber auch der Bürger soll es gut haben:
Ein „Herzstück“ des Paketes ist nach den Worten des CSU-Vorsitzenden Markus Söder eine Senkung der Mehrwertsteuer. Vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 soll der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und für den ermäßigten Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden. Um rund 20 Milliarden Euro werden die Verbraucher entlastet, wenn die Preise entsprechend sinken.
Neulich las und hörte ich verschiedenfach, Markus Söder habe sich in der Coronazeit bereits jetzt als erstaunlich kluger Politiker erwiesen. Erstaunlich, dass er jetzt ausgerechnet am Grundwissen der Zusammenhänge in der Wirtschaft scheitert.
Ich möchte aber nicht immer nur nörgeln, füge mich der Empfehlung und freue mich schon auf die Preisanpassungen. Schade eigentlich, dass ich von ihnen erst im Januar 2021 etwas mitbekommen werde.
Inzwischen bei den Grünen: Ein illegal besetztes Haus soll geräumt werden? Das ist gerade ganz blöd, das muss verhindert werden wegen… Moment… wegen der Rassisten!
(Micky-Maus-Stimme:) „Keine Panik!“
Was kann da schon passieren?
Durch KI lässt sich die menschliche Stimme bereits klonen und verändern. Eine neue Software geht nun einen Schritt weiter und bietet Nutzern an, die eigene Stimme zu lizenzieren und zu verkaufen. (…)
In seiner Datenschutzerklärung behält sich das australische Unternehmen allerdings vor, persönliche Informationen wie Name, Mailadresse, Alter, Kreditkarteninformationen und den Ort zu speichern und Dritten bereitzustellen. Dazu gehören neben Regierungsbehörden auch potenzielle Geschäftspartner von Replica Studios.
Ach so, ja: Alles. Mein Fehler.
Beischlafkriterien unerwünscht
Über die Ursachen dafür, dass man eine andere Person (oder gleich mehrere) körperlich attraktiv findet, ist bereits manches geschrieben worden. Für das Phänomen, dass manche Menschen sich von manchen Ethnien stärker angezogen fühlen als von anderen, wurde in den ohnehin prüderiedominierten Vereinigten Staaten gar der Begriff des sexuellen Rassismus geprägt.
Da neulich, wie zuvor erwähnt, in besagten Vereinigten Staaten ein Inhaber einer anderen Hautfarbe als der seines Gegners mit der Konsequenz großer Erregung in so Medien umgebracht wurde, erhielt eines der Kollektive, die die Relevanz eines Lebens an der Hautfarbe festmachen, abermals großen Zuspruch, indem Deutsche schwarze Vierecke in soziale Medien hineinluden. Damit gilt der Rassismus endlich als so gut wie überwunden. Sogar Barack Obama sieht jetzt die Zeit für eine echte Veränderung gekommen. Ich finde ja, er sollte sich mal als Präsident bewerben. Da könnte er richtig was erreichen!
Natürlich hat diese Welle der Solidarität auch in der Welt der mobilen Geräte etwas verändert: Grindr, eine Plattform zur Schnackselanbahnung, ermöglicht es seinen Kunden künftig nicht mehr, nur Angehörige der sexuell bevorzugten Ethnie anzeigen zu lassen, um rassischer Diskriminierung entgegenzuwirken. Ich finde, dieses Konzept sollte wie so viele Konzepte vor ihm auch hierzulande endlich in die Politik Einzug halten. Lassen wir doch künftig die SPD entscheiden, mit wem wir schlafen! Ein Filtern unsererseits ist immerhin immer mit Vorurteilen verbunden.
Ich selbst zum Beispiel würde sehr ungern Verkehr mit anderen Herren praktizieren, aber diese Ansicht benachteiligt ausschließlich Homosexuelle – gerade im Pride Month Juni eine mehrfache Kränkung gegenüber einer weltoffenen Gesellschaft. Beischlafkriterien sind diskriminierend und daher unerwünscht.
Hoffentlich erledigen auch das bald Roboter für uns.
In weiteren Nachrichten: Berlin kann keine Flughäfen eröffnen? Pah, Schnee von gestern: Berlin kann nämlich Flughäfen auch nicht schließen!
Clubbesuchersterben
In den Vereinigten Staaten wurde irgendwer von einem Menschen mit anderer Hautfarbe umgebracht, woraufhin die als gut zu verstehenden Gegner des amtierenden Präsidenten plünderten und brandschatzten, weshalb die Regenten Berlins sich spontan mit derjenigen lose organisierten Gruppe solidarisch zeigten, die vor ein paar Jahren wiederum in Hamburg Brände verursacht und Läden verwüstet hatte. So weit die Nachrichten von heute, so weit viel zu niedrigschwellig irre für einen Kommentar meinerseits.
Berlin war dieser Tage selbst auf viel interessanterem Niveau irre, wie Medien, die nicht mehr verlinkt werden möchten (LSR), berichteten:
400 Boote, 3.000 Menschen, die am Berliner Landwehrkanal oder auf dem Wasser eine Techno-Party feierten: Die Veranstalter der Demo am Sonntag gegen das Sterben der Clubkultur bekamen die Lage nicht unter Kontrolle.
Gegen das Clubsterben zu demonstrieren, indem man sich dem Risiko einer tödlichen Krankheit aussetzt, ist mal wieder genau mein Humor. Mehr noch, weiß ein anderes Medium, das nicht verlinkt werden möchte (LSR):
Über den Landwehrkanal ging die Tour bis zum Urbanhafen, genau vor das dortige Krankenhaus, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden.
Dass ich das mal in Bezug auf Berlin schreiben würde, enttäuscht mich selbst ein wenig, aber: Passt!
Kjellvandertonbruket – Yacht in the Fog // Bekanntmachungen verbieten!
Es ist Montag. Vor langer, langer Zeit hörten Menschen in Nahost, glaubt man ahistorischen Aufzeichnungen, plötzlich Stimmen und deswegen ist heute frei. Verrückte müssen belohnt werden, so will es die Religion.
Apropos Verrückte: Beim „SPIEGEL“ – Ressort „SPIEGEL Wissenschaft“ – wurde neulich einem Virologen erklärt, dass Gandalf gar nicht kämpfe, und auf die Frage, wer das sei, antwortete der Journalist, ob das der Ernst des Virologen gewesen sei. Welche Wissenschaft das abbilden soll, weiß ich leider nicht.
Neues aus der Welt der Politik: Die Länder, mithin die sie regierenden Parteien, von denen ich daher bitte nie wieder etwas über EDV hören möchte, würden gern gesetzlich erzwingen, dass Betriebssystemhersteller die Jugendschutzmaßnahmen in Telemedien (lies: Pornhub) gefälligst zu prüfen hätten. Ich bin schon sehr gespannt, was die Länder tun werden, wenn Microsoft, Google und Apple dieses Ansinnen zurückweisen. Etwa Smartphones verbieten?
Ich habe neulich zufällig herausgefunden, dass das hiesige Landesamt für Soziales, Jugend und Familie seine Verlautbarungen – man scrolle ein wenig hinunter – unter ein Urheberrecht gestellt sieht, demzufolge jene nicht etwa dem Steuerzahler, sondern nur der Behörde gehören, auf dass man sie nur mit Genehmigung bekanntmache. Ich möchte obige Anmerkung zum Thema Länderkompetenz nochmals betont wissen.
Ganz ohne Einholung einer ausdrücklichen Genehmigung mache jedenfalls ich wieder bekannt: Musik.
Guten Morgen.
Kurz angemerkt zur täglichen Schreibfaulheit
Menschen, für die die wichtigsten Eigenschaften der schriftlichen Kommunikation die Verfügbarkeit von möglichst vielen Emojis, eine möglichst treffsichere automatische Korrektur und eine jederzeit verfügbare Editierfunktion sind, so dass sie nicht nur schnell und gedankenlos kommunizieren, sondern die dabei unweigerlich gemachten Tippfehler auch später noch korrigieren können, ohne dabei unnötig viel Sprache verwenden zu müssen, sind immer auch Menschen, denen ich mit großem Respekt begegne, denn eine derart offen dargebotene Missachtung des Gegenübers, dass es nicht einmal mehr für die Mühe reicht, sich selbst um Verständlichkeit des eigenen Anliegens zu kümmern, findet man heutzutage leider nur noch selten in der Misanthropie.
Kurzkritik: le_mol – White Noise Everywhere
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Da sich die diesjährige Halbjahresrückschau aus organisatorischen Gründen absehbar verzögern wird, lasse ich es mir nicht nehmen, stattdessen schon früher einige der angenehmsten Musikalben des Jahres 2020 zu verbraten, wie man so schön sagt. Heute befassen wir uns mit le_mol und ihrem diesjährigen hervorragenden Album „White Noise Everywhere“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL).
Eine Furcht einflößende Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol entgegen meiner Vermutung bisher nicht geworden, obwohl es auf seinem vierten Album mitunter doch recht bedrohlich zugeht: Bereits das eröffnende „Mdme Psychosis“ kündigt ein Donnergrollen an, das sich im anschließenden Titelstück aber doch in einladend melodisch-rhythmischen Postrock auflöst. Gesang, der über elektronisch überlagerte Sprachsamples (etwa im krautigen „1/f bruo“) hinausgeht, gibt es auch weiterhin kaum, Gesang will ich aber auch nicht haben. Dass der klagend vorgetragene Text von „Hands“ trotzdem gut ins Gesamtgefüge passt, sei hierbei nicht verschwiegen. Das Gefühl der seelischen Enge, das sich von innen heraus ausbreitet, hilft dabei, le_mol zu verstehen, und fügt dem Albengenuss das gewisse Etwas hinzu, das in postrocknahen Hervorbringungen zu oft vermisst wird.
Postrock, apropos: Dass le_mol das große Vorbild Mogwai immer noch nicht zu leugnen versuchen, wenn etwa Raimund Schlager die Gitarrenloops unvermittelt breitwandig aufbaut und nur wenige Sekunden später wieder über dem Hörer einstürzen lässt, trägt zur Qualität von White Noise Everywhere bei. Dass die beiden Herren zudem auch ohne Text einen grandiosen Humor in ihre Musik einfließen lassen, beweist das abschließende, ungewöhnlich entspannte Instrumentalstück „Por que está todo en Español?“ – „Warum ist alles spanisch?“.
Empfehlung hiermit erteilt, es möge Freude bereiten.
Säkularismus wann anders. (5)
Berlin, die Stadt der Bauvorhaben, hat jetzt endlich genug von dieser Vielfältigkeit und beruft sich wieder darauf, dass man etwas ja schon immer so gemacht habe:
Wenn Wind und Wetter günstig sein sollten – vor allem der Wind –, wird am Freitag dieser Woche das Kreuz auf die Kuppel der Schloss-Rekonstruktion gehoben. (…) Wenn schon historische Kuppel, dann mit dem historischen Kreuz, winkten dessen Befürworter ab.
Es ist immerhin undenkbar, wenn man irgendwas wieder aufbaut, aus der Zeit gefallene Zeichen (Religionsinsignien, Hakenkreuze und dergleichen) schlicht wegzulassen. Das wäre historisch unangemessen. Macht man nicht. Geht nicht.
Aber keine Sorge, dasjenige Gerät, an das vor vielen Jahrhunderten religiös Aufmüpfige zwecks Ermordung gehängt wurden, stehe seitdem bekanntlich nicht für Folter, Krieg und Hexenprozesse, sondern nur für Gutes:
Das Kreuz als Symbol für das Christentum steht für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz.
Westliche Zivilisation ist, wenn unter dem Beifall einer Großstadt goldene Folterinstrumente auf Dächer geschraubt werden. Ob ausgerechnet Berlin ein Symbol für Nächstenliebe tragen sollte, ist freilich eine ganz andere Diskussion.
Wie man es auch nimmt: Kann ich diesen Säkularismus noch mal sehen?











