Der Meldung, dass sich Franzosen zum Gedenken an den neulich umgebrachten Pädagogen versammelt haben, entnehmen zu viele Menschen das schöne Zeichen, dass die Gesellschaft sich mehrheitlich – wenn auch nicht in Gänze – gegen die Auffassung stellt, dass religiöse Gefühle eines Idioten körperliche Gewalt gegen den vermeintlichen Aggressor rechtfertigen, und zu wenige die Meldung, dass es in Paris bereits einen „zentralen Ort der Anteilnahme nach Terroranschlägen“ gibt, als sei diese Anteilnahme längst Teil der französischen Kultur geworden und keiner besonderen Rede mehr wert.
Boston Manor – Monolith // Heh heh, „bone“!
Es ist Montag. In Frankreich wurde jemand in einem Angriff mit einem Messer entrübt, weil er Karikaturen herumgezeigt hat, die einem nun toten Idioten missfallen haben. Eigentlich würde ich an dieser Stelle anmerken, dass eine Welt ohne Religion eine friedlichere wäre, aber Frankreich ist nun nicht für seine Nähe zu einer Kirche bekannt und trotzdem nicht gerade ein friedliches Land. Gibt es eigentlich eine Pandabärenkirche? Ich frage für einen Beitritt.
In den Vereinigten Staaten werden Journalisten inzwischen dafür bestraft, Unschönes über einen Herausforderer des amtierenden Präsidenten veröffentlicht zu haben. Gleichzeitig wird die Wiederwahlkampagne desselben Präsidenten medial als die größte Bedrohung für die Demokratie seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Die abwertende Bewertung der dortigen Presse seitens besagten Präsidenten mag etwas zu verallgemeinernd gehalten sein, aber sie in Gänze als fake news zu beurteilen erscheint mir nicht angebracht. – Wenigstens die Techniknachrichten von drüben sind noch lesenswert: Ein Teslabesitzer hat aus Versehen über viertausend US-Dollar mit seinem Po ausgegeben. Dieses autonome Fahren ist, wenngleich gefährlich für den Straßenverkehr, zumindest eine reichhaltige Quelle für Amusement.
Kennt ihr eigentlich Beavis und Butt-Head? In diesem Fall könnte diese Nachricht noch eine Bonuspointe erhalten: Vulgaritätswächter lässt Paläontologen nicht „bone“ schreiben. Man füge hier angemessene Lachgeräusche ein. Von solchen Besonderheiten in den Tücken der Technik abgesehen gilt (nach Blick in die Techniknachrichten) mehr denn je die Regel: Wer immer noch Electronanwendungen einsetzt, ist selbst schuld.
Neues aus der Wirtschaft: Das grün regierte Hannover schließt pünktlich zum Wetterwechsel eine Obdachlosenunterkunft. Draußen können sie auch viel besser Abstand halten. Das habe, heißt es, vor allem finanzielle Gründe, denn zum Weiterbetrieb seien keine Mittel mehr übrig. Ich vermute, das Geld wird für die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 gebraucht.
Wer es sich leisten kann, der kommt jedenfalls gut über den Winter mit: Musik.
Guten Morgen.
Aus Tradition Wohlstandskind
Im zweiten Jahrhundert vor Beginn der hierzulande zurzeit gültigen Zeitrechnung lebten und wirkten Gaius und Tiberius Gracchus, Söhne römischen Adels, die vergeblich versuchten, das einfachere Volk – die damalige Arbeiterklasse – an den öffentlichen Gütern teilhaben zu lassen. An dem üblichen setting des mildtätigen Reichen, der die Armen beglückt, hat sich seitdem eigentlich nur geändert, dass dieser Reiche nicht nur nicht irgendwann erschlagen wird, sondern auch nach seinem Tod noch als moralische Instanz gelten darf.
Der heute bekannteste Vertreter dieser Gruppe scheint der Anwaltssohn Karl Marx zu sein, über dessen (in linken Kreisen ohnehin nicht ungewöhnlichen) Antisemitismus mancher gern hinwegsieht, denn er führte nicht den Krieg, sondern die Verteilung von Finanzen im Mund. Wer hat schon etwas dagegen, nicht mehr zu den Armen zu gehören? Krieg war den Seinen andererseits in der Realpolitik auch selten gänzlich zuwider, stimmte doch sogar die sich noch vierzig Jahre später vorgeblich weitgehend an den Lehren Karl Marx‘ orientierende SPD aus heimatverbundenen Gründen mehrfach mit großer Mehrheit für eine Finanzierung der deutschen Teilnahme am Ersten Weltkrieg, was sie trotz der Beliebtheit der sich abspaltenden USPD (später: KPD) um Hugo Haase nicht grundlegend überdenken wollte.
Welche Arbeiterklasse davon profitieren sollte, scheint unklar, aber für mögliche soziale Reformen nahm man schon damals notfalls auch Tod und Elend in Kauf, was sich bis zur Wahl der sozialen Reformer um Gerhard Schröder kaum negativ auf die Wahlergebnisse der SPD ausgewirkt hat. Ob die Installation von Hartz IV unter Führung der ehemaligen Marxisten ihren Angriff auf den Kosovo wieder gutmachen konnte, ist indes fast ebenso umstritten wie die Frage, ob der letzten Endes verlorene Erste Weltkrieg es wirklich wert war, anschließend in einer zerrissenen Gesellschaft auf dem Weg in den Zweiten zu leben.
Dass auf Marx und Haase in der Politik gerade mal 102 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs die Neogracchisten der Grünen Jugend folgen sollten, die mit hohen BAföG-Schulden – muss man ja erst später zurückzahlen und zählt deswegen nicht – ironisch teure Hardware kaufen, um sich unter Zuhilfenahme derselben über den verdammten Kapitalismus aufzuregen, belegt, dass die Warnung vor der sich wiederholenden Geschichte keine politische Richtung kennt. Leider spiegelt die Kombination aus niedrigem Alter, finanziellen Reserven unklaren Ursprungs und teurem Besitz die gewünschte und/oder tatsächliche Lebenswirklichkeit vieler Jungwähler aus der Mittelschicht wider, so dass man von ihnen dafür nicht ausgebuht, sondern gewählt wird. Ich ahne, warum man das Wahlalter senken möchte.
Entsprechend wird mit Luisa Neubauer (zwei Stipendien, kaum Geldsorgen), die die bekannteste deutsche Sprecherin von „Fridays for Future“ ist, auch in umweltpolitischen Themen ein Mitglied der Grünen für eine geeignete Vertreterin der Jugend gehalten, als bestünde die größte Sorge der Jugend darin, ihren künftigen Wohlstand auf der Erde genießen zu können. Arbeits- oder gar Obdachlose kommen in dieser Welt offiziell gar nicht mehr vor. Sie leiden mit den Armen, leihen ihnen aber nicht ihre Brieftasche, sondern ihren geölten Sprachapparat; was sie moralisch im Übrigen mit der Kirche vergleichbar macht, die sich seit 1933 ihre gedroschenen Phrasen endlich auch steuerlich vergüten lassen kann. Die Heimatliebe war es den Herrschenden allemal wert, ihren Untergebenen eine finanzstarke Religion aufzudrücken. Daran, zugegeben, war die SPD ausnahmsweise mal unschuldig.
In derselben Lebenswirklichkeit der vermeintlichen typischen Jugend treibt sich schließlich auch der Westdeutsche Rundfunk herum, der heute dumm twitterte:
Wächst eine „Generation Corona“ heran? Das befürchten Experten. Sie sehen langfristige Folgen für eine Generation mit verpassten Gelegenheiten: Keine ausgiebigen Reisen, kein Auslandsjahr, kein Nachtleben und ein schwieriger Studien- oder Berufseinstieg.
Zu meiner Zeit und in der Lebenswirklichkeit meiner Generation, womöglich auch bedingt durch die Herkunft (reiche Eltern waren damals noch nicht üblich), war nichts davon bemerkenswert: Für Reisen abseits von Ost- und Nordsee oder gar Auslandsjahre haben die Geldreserven kaum gereicht, ein Nachtleben fand im weiteren Umkreis des Wohnorts schlicht nicht statt und der Studien- oder Berufseinstieg bedeutete Opfer, denn Arbeiterfamilien zählten auch damals noch nicht zur Gruppe derer, denen dank guter Vernetzung und hohen Kontostandes alle Türen offenstanden. Anscheinend blühen ähnliche Schwierigkeiten jetzt wegen Corona auch der Zeit- und Geldelite.
Ganz schön unfair von Corona.
Deutschland (Symbolbrief)
Wer hat uns gefiltert?
Uploadfilter müssen verhindert werden.
Bis Sommer 2021 muss Deutschland die Richtlinie umsetzen, jetzt veröffentlichte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) ihren Referentenentwurf, der noch nicht in der Bundesregierung abgestimmt ist. Darin sind Uploadfilter vorgesehen.
Dass ich persönlich den in sozialen Medien geäußerten Gewaltfantasien gegen manche Gruppen nichts abgewinnen kann, habe ich schon mal angedeutet; aber warum SPD-Wähler nicht viel öfter vermöbelt werden und/oder Hausverbot bekommen, ist mir auch weiterhin nicht klar.
„Sicherer als Windows“ des Tages (22)
Na, auch Linux statt Windows zu Hause?
Dann patcht mal schön euren Kernel!
Die neuen Leekwords sind da! (2020-Edition)
Der Pons-Verlag hat am Donnerstag in Stuttgart das Jugendwort des Jahres bekanntgeben: «Lost». Das englische Wort werde heutzutage in der deutschen Jugendsprache in verschiedenen Situationen genutzt, schreibt der Verlag. Eine Person, die «lost» sei, sei «ahnungslos, verloren oder hat einfach keinen Plan, was eigentlich gerade abgeht».
Die eigentliche Meldung dahinter scheint zu sein, dass Jugendliche englische Begriffe endlich so benutzen, wie sie gemeint sind, statt zwei Sprachen gleichzeitig zu misshandeln; aber wenn sie einen davon besonders gern benutzen, warum nicht? Verloren aber hat ausgerechnet „cringe“ („etwas Peinliches (…), das man bei sich oder anderen beobachtet“), obwohl das auf der Metaebene auch ganz passend gewesen wäre:
Wie der Pons-Verlag schreibt, passt das diesjährige Jugendwort ganz gut in die aktuelle Situation mit dem Coronavirus. «Womöglich sind wir durch Corona so ‹lost›, wie noch nie zuvor.»
Womöglich ist die Wahl des Jugendworts in diesem Jahr so „cringe“ wie sonst nur wenig.
Unklar ist mir aber diese Nuance:
Jugendliche sagen «Wyld» oder «Wild», wenn sie etwas Krasses und Besonderes umschreiben wollen.
Wann benutzen sie beim Sprechen welche Schreibweise und wie unterscheidet man die phonetisch?
Einen positiven Aspekt kann ich dem voting trotzdem noch abgewinnen: Nachdem 2018 manch türkischer Begriff zur Auswahl stand und in diesem Jahr wieder das Englische dominierte, werden die kommenden Jahre vielleicht doch noch interessant.
Warum nicht mal Japanisch?
Geständnis eines Coronaleugners
Na gut, ich gebe es zu: Ich gehöre zu denen, die einige vermeintliche Schutzmaßnahmen gegen so Viren für irrational halten und das nicht etwa schweigend verarbeiten, sondern das auch im Gespräch mit anderen Menschen kundtun. ‘Geständnis eines Coronaleugners’ weiterlesen »
Statistisch bin ich super.
WDR, autoerotisch erfahren, über den WDR:
Nur noch ein Drittel der Deutschen glaubt den Nachrichten kein Wort.
Ach nein, falsch:
Insgesamt halten zwei Drittel die Informationen in deutschen Medien für glaubwürdig – so viele wie noch nie. (…) Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR.
Eine repräsentative Studie von mir im Auftrag von mir bescheinigt mir selbst eine Glaubwürdigkeit von annähernd achtzig Prozent. Dem Zweitplatzierten insofern meinen mitleidigen Glückwunsch.
(Welche Nachricht der letzten fünf Jahre war eigentlich wirklich kennenswert?)
Medienkritik in Kürze: Das Sturmreifgeschütz
Ein größeres deutsches Qualitätsmedium lässt fragen:
Es ist ein Skandal, dass Trump die Wahl immer noch gewinnen kann – trotz aller Verfehlungen und Ungeheuerlichkeiten. Wie kann das sein?
Ich weiß es, ich weiß es!
neànder – Eremit // Raketen und Gebete
Es ist Montag. Die Regierungen lagern hoheitliche Aufgaben gerne mal, wie man lesen kann, ins Privatrecht aus, um keine Rechenschaft ablegen zu müssen. Das mache ich künftig auch so, wenn mir ein Unsympath – im Grunde also jeder, der kein Pandabär ist – eine blöde Frage stellt. Endlich eine Ich-AG!
Eine andere deutsche AG hat sich dieser Tage medienwirksam Daten raustragen lassen, indem wieder irgendein Idiot mit von einem anderen Idioten zu großzügig verteilten Rechten irgendwas angeklickt hat, was wie ein Link aussah. Man sei angegriffen worden, heißt es aber stattdessen, denn dann sind diejenigen, die Entscheidungspositionen innehaben und deswegen auch nicht so viel Ahnung vom Fach haben, hinreichend beruhigt und bleiben als Kunden an Bord. Ich vermisse die Zeit, in der die globale Vernetzung sich noch auf wenige Dutzend Computer beschränkte, täglich ein bisschen mehr.
Apropos Anachronismus: Der Papst hat Kinder dazu aufgerufen, Corona wegzubeten, denn nur ein Gebet könne uns alle jetzt noch retten. Ich vermisse die Zeit, in der wir wirr daherplappernde Greise noch in Rente geschickt und in Altenheimen endgelagert haben, statt den von ihnen geleiteten Unternehmungen noch zusätzliches Bimmelrecht zu gewähren. Kann ich den Säkularismus noch mal sehen?
Diejenigen, die cum deo den Nahen Osten in die Demokratie friedensbombardieren wollen, kriegen demnächst Schützenhilfe von einem anderen hierzulande begeistert umjubelten Herrn mit Visionen: SpaceX, eines der wenigen von Elon Musk tatsächlich gegründeten und nicht bloß gekauften Unternehmen, arbeitet jetzt an einer Rakete, mit der man Waffen schnell verschicken kann. Medizin und andere Dinge von moralischem Wert werden nun mal schlechter bezahlt als Dinge mit Wumms Rumms, der freie Markt bleibt eisern. Die Bundeswehr passt sich der Situation an und investiert gleichfalls in die Vorkriegszeit. Neulich feierten einige Deutsche dreißig Jahre Frieden. Welchen Frieden meinten sie damit?
Besser als Krieg: Musik.
Guten Morgen.
Postmortale Häresie
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das nach dem Tod unausweichlich die Religion wechselt: Selbst Ruhollah Chomeini ist es nicht erspart geblieben, dass die Manie der Christen, jedem Toten ihr liebstes Folterinstrument beizufügen, seinen Glauben gegenüber dem ihren als belanglos kennzeichnet.

(Bildquelle: Wikipedia.)
Jemand sollte mal ein neues Todessymbol erfinden.
Si vis pacem, fahre Bahn.
Mit dem Haushalt 2021 stärkt die rheinland-pfälzische Landesregierung (…) vor allem Bildung, Forschung, das Gesundheitssystem, Kommunen, Klimaschutz und eine nachhaltige Wirtschaft. (…) Die Krankenhäuser bekämen für eine flächendeckend gute Versorgung rund 37 Millionen Euro pro Jahr mehr.
„Redaktionsnetzwerk Deutschland“:
Für das kostenlose Bahnfahren stehen im Verteidigungshaushalt 2021 etwa 40 Millionen Euro bereit.
Falls noch jemand eine Relation brauchte.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.
Wie viele Parallelwelten?
Überrascht davon seien drei Rechercheure von „CORRECTIV“ gewesen, teilte „CORRECTIV“ heute auf Twitter mit, wie schnell sie beim Recherchieren auf Instagram in die dortige „rechte Parallelwelt“ gezogen worden seien. Auch Donald Trump, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ heute früh, lebe in einer Parallelwelt. Unklar hingegen ist, ob die beiden sich eine Parallelwelt mit den Grünen (Jan Fleischhauer, 28. September 2019, „Focus“) teilen oder ob jeder seine eigene Parallelwelt bekommen hat.
Wo finden wir diese Parallelwelt? Eine schnelle Recherche schlägt Lappland (ZDF), Autobahnen („Süddeutsche Zeitung“), das Oktoberfest (unter anderem „Wiener Zeitung“), das Hotel Belvedere in Südtirol (schon wieder „Süddeutsche Zeitung“) und die Wormser Rheinstraße („Wormser Zeitung“) vor. Aber welche davon ist die rechte Parallelwelt und wo ist Donald Trump?
Und was lässt diejenigen, die anderen zwecks Niedrigstellung den Aufenthalt in einer Parallelwelt attestieren, eigentlich davon überzeugt sein, dass nicht sie es sind, deren Welt die parallele ist?
Prohibioten
Den Neologismus des Covidioten (ein Mensch, der sich aus egoistischen Gründen gegen Schutzmaßnahmen gegen Corona auflehnt) hat die Gesellschaft ja inzwischen verinnerlicht, aber wie nennt man Politiker, die – wie etwa die in der Stadt Frankfurt – den Konsum von Äppelwoi wegen Corona unterbinden wollen?
Nach dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen reagiert die Stadt Frankfurt mit verschärften Corona-Regeln. (…) An bestimmten öffentlichen Plätzen und in Parks gilt ganztägig ein Alkoholverbot[.]
Die Intention ist mir ja klar: Wo einer trinkt, da trinken oft auch mehr, und das ist nicht gern gesehen. Aber sollte man dann nicht eher das Rauchen in Parks verbieten? Trinken kann man überall, nur als Raucher bildet man Trauben um den Aschenbecher.
Das wäre auch gesunder für die Lunge.
Hihi: Zeitungsboten können nicht besser bezahlt werden, weil, äh… na… das ist sonst schlecht für die Demokratie!







