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Kurzkritik: Rïcïnn - Nereïd

Rïcïnn - NereïdLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Rïcïnn ist das Soloprojekt von Laure Le Prunenec, Sängerin diver­ser Gruppen aus dem Krachumfeld (u.a. Igorrr), in des­sen Rahmen sie mal etwas ande­res macht als Krach, näm­lich vor allem Stimmarbeit. Ich sehe mich beim ersten Reinhören ins dies­jäh­ri­ge Album „Nereïd“ (Amazon.de, Bandcamp.com) an Janet Jackson, Evangelista und Neneh Cherry erin­nert. Das ist eine wit­zi­ge Kombination.

Wer jetzt erwar­tet, die Künstlerin brin­ge eh immer die glei­che Musik raus, der wird sich bereits in den ersten andert­halb Stücken, die über­wie­gend a cap­pel­la statt­fin­den, wun­dern. Das zwei­te Stück „Doris“ prescht jedoch plötz­lich mit­ten­drin mit wir­beln­den Trommeln los, bevor das Thema vom Anfang wie­der auf­ge­grif­fen wird; und wer (wie ich) glaub­te, das war es jetzt, der wird in der letz­ten Minute (wie ich) eines Besseren belehrt. Hat da jemand „Metal“ gesagt? Nein, nicht ganz, aber es kommt schon recht nah ran. Lauter wird es auf „Nereïd“ aber nicht.

Das Titelstück des Albums ent­hält Streicher und ist eben­falls von recht stil­ler, gera­de­zu sakra­ler Natur; es klingt, als hät­te Enya die hypo­the­ti­schen Sedativa abge­setzt. Man mag den Stil des Albums Artpop, moder­ne Klassik oder bei­des nen­nen. Das noch stil­le­re „Missäe“ erschließt sich mir nicht, so weit reicht mein Kunstverständnis ver­mut­lich ein­fach nicht. Das fol­gen­de „Artäe“, ein Wechselspiel aus sanf­ten Streichern und bedroh­li­cher Perkussion, über dem der zwei­fel­los traum­haf­te Gesang Laure Le Prunenecs schwebt wie ein Damoklesschwert. „Nereïd“ sei ein ver­ton­tes Begräbnis für die Welt, schrieb jemand anders­wo. Ich hät­te es nicht bes­ser for­mu­lie­ren können.

„Ëön“ ist mit sei­nem aus­nahms­wei­se männ­li­chen Gesang aber­mals eine Zäsur, die hier auch gut passt, denn das fol­gen­de „Psamatäe“ führt den Synthesizer als füh­ren­des Instrument ein, eben­falls unter­stützt von pracht­vol­len Trommeln. Beschwörend into­niert Laure Le Prunenec dazu Texte, die ich nicht ver­ste­he. Schade eigent­lich. Mitten im Stück wird aber­mals das Tempo ange­zo­gen, das Stück ver­harrt zwi­schen der „Batman“-Titelmelodie, Pop Will Eat Itself und God Is An Astronaut. Eine schö­ne Kombination, die lei­der nicht lan­ge genug durch­ge­hal­ten wird. - Die Melodie von „J-C“ klingt anfangs nach Spieluhr oder Game Boy, abhän­gig davon, wie alt man ist. Streicher und Perkussion erle­di­gen das aber schnell und ele­gant, obwohl mir auch hier wie­der auf­fällt, dass die besten Momente auf „Nereïd“ immer zu kurz sind. Das macht die Frau doch mit Absicht!

Rïcïnn „Psamatäe“ [„Nereïd“ - 2020 - Track Premiere]

Während „Thaliäe“ läuft, stel­le ich neben­bei wei­te­re Recherchen zum Album an. „Experimental Folk“ soll das hier sein. Ja, das kann stim­men. Ist Folk auch immer zu kurz? Beschließe, das irgend­wann her­aus­zu­fin­den. Das vor­vor­letz­te Stück heißt „Ele“, aber das vor­letz­te nicht „Fant“, son­dern „Söre“. Mir fällt ein, dass ich „Nereïd“ vor allem des­halb in die Hörliste auf­ge­nom­men hat­te, weil irgend­wer behaup­tet hat­te, dass es wie etwas von der fan­ta­sti­schen Anna von Hausswolff klin­ge. Ich tei­le die­se Einschätzung nicht, neh­me wohl aber zur Kenntnis, dass die Stimmung - Begräbnis, man erin­nert sich - durch­aus eine ähn­li­che ist. „Erani“ schließ­lich muss­te ich etwas lau­ter dre­hen, denn es ist das intim­ste (also das lei­se­ste) Lied auf „Nereïd“, aus kaum mehr als Laure Le Prunenecs Gesang bestehend.

Seltsames Album, das. Aber schlecht ist es nicht.

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