NetzfundstückeLyrikSonstiges
Von Blog­gern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)

(Da sich die Blog­ger der­zeit in gegen­sei­ti­ger Hul­di­gung üben, dazu wei­ter unten mehr, hal­te ich als Nicht­blog­ger es für fäl­lig, dass jemand auch mal anmerkt, dass die deutsch­spra­chi­ge Blogo­sphä­re nicht nur aus beden­ken­los Lesens­wer­tem besteht. Die­ser Jemand will gern ich sein.)

Mit­un­ter ver­brin­ge ich ein wenig Zeit damit, mir auf­grund irgend­wel­cher Twit­ter­bei­trä­ge, Ver­lin­kun­gen in Ver­lin­kun­gen von Ver­lin­kun­gen oder auch nur irgend­wie anders auf­ge­fal­le­ne, bis­lang unbe­ach­te­te Web­logs und Nicht­web­logs heim­zu­su­chen. Die mei­sten ver­las­se ich wegen gro­ben Unfugs, schlecht geschrie­be­ner Nich­tig­kei­ten oder blo­ßer Inhalts­lee­re ratz­fatz, hol­ter­di­pol­ter und vor allem fol­gen­los wie­der, nur eini­ge weni­ge schaf­fen es, sich in mei­ner Abon­ne­ment­li­ste wie­der­zu­fin­den.

Zu erste­rer Grup­pe gehört unter ande­rem auch die Inter­net­prä­senz der anson­sten eigent­lich beacht­li­chen und unter ande­rem von Herrn hae­kel­schwein bereits gewür­dig­ten Twit­ter­da­me eine_wie_keine. Bestehen ihre Tweets nicht sel­ten aus hüb­schen Scherz­chen, die man gern in Lang­form lesen wür­de, ist ihr Blog im direk­ten Ver­gleich so rich­tig blöd.

Ich neh­me mal den ersten Absatz aus einem befrie­di­gend aktu­el­len Bei­trag hier­aus als Grund­la­ge für das fol­gen­de Gemecker und blen­de aus Grün­den blo­ßer Sub­jek­ti­vi­tät den Rest aus:

Gefüh­le ken­nen wir alle, haben wir alle und füh­len sie alle. Denn Gefühl kommt von füh­len.

Gram­ma­tik­in­kon­si­stenz im ersten Satz, unvoll­stän­di­ge Ety­mo­lo­gie im zwei­ten Satz, dem oben­drein der Anschluss fehlt; da hat man doch jetzt schon eigent­lich kei­ne Lust mehr, sich des Tex­tes anzu­neh­men. Und tat­säch­lich besteht er in Gän­ze aus der­ar­ti­gen Plat­ti­tü­den und Papier­ro­man­tik. Die Gute ist, wie sich unschwer recher­chie­ren lässt, der­zeit so unge­fähr 17 Jah­re alt. Nun bit­te ich den geneig­ten Leser, sich ein­mal vor­zu­stel­len, wie ein Blog einer schwer roman­ti­schen Jung­da­me unge­fähr aus­sieht. So – jetzt habe ich euch einen unnö­ti­gen Klick erspart. Gern gesche­hen.

(Bevor das nun wie­der falsch auf­ge­fasst wird: Mei­net­hal­ben darf jeder ins Inter­net rein­schrei­ben, was er möch­te; ich gehe die­ser Tätig­keit ja gleich­falls nach. Und man muss ja nun auch nicht alles gut fin­den, was ande­re gut fin­den (das viel ver­link­te Nerd­core bspw. hal­te ich per­sön­lich für wahn­sin­nig ein­falls­los). Aber im Inter­net geht es auch nicht viel anders zu als in der Welt der Bücher: Wer zu viel Unsinn schreibt, pro­vo­ziert die Igno­ran­ten. (Das, immer­hin, ver­bin­det eine_wie_keine und mich.))

Zumal es ja mit dem Ins­in­ter­net­rein­schrei­ben ohne­hin manch­mal nicht ganz leicht ist. Der Nacht­wäch­ter hat es tref­fend zusam­men­ge­fasst: Qua­li­tät ist irrele­vant, der Pöbel will bloß unter­hal­ten wer­den; und, wohl die wich­tig­ste Regel, legt man es lang­fri­stig auf Erfolg an: Sex geht immer. (Der mit Bedeu­tungs­ebe­nen bei­na­he über­sät­tig­te Titel die­ser mei­ner Inter­net­prä­senz jeden­falls lädt Besu­cher von Such­ma­schi­nen, deren Betrei­ber Dekli­na­ti­on und Kon­ju­ga­ti­on für uner­läss­lich hal­ten, zu, wie ich an den Such­be­grif­fen erken­nen kann, völ­lig fal­schen Prä­mis­sen ein; die mei­sten von ihnen blei­ben zum Glück nicht lan­ge.) Die Auf­merk­sam­keit eines Lesers wird nicht durch wohl­do­sier­ten Humor oder Elo­quenz geför­dert, son­dern durch mög­lichst pene­tran­te Ver­lin­kung mög­lichst vie­ler mög­lichst quietsch­bun­ter so genann­ter Blogs so genann­ter A‑Blogger unter­ein­an­der. „Auf Nerd­core steht …!“

Ja, der­lei Blog­ger machen es „rich­tig“: Sie betrei­ben eine Platt­form, auf der sie unre­gel­mä­ßig Netz­fund­stücke kom­men­tie­ren, num­me­rier­tes Erbro­che­nes als „Mani­fest“ ver­öf­fent­li­chen und sich anson­sten lüstern in der Viel­zahl ihrer Fol­lower wäl­zen. Sie ver­die­nen ihr Geld nicht mit Schrei­ben, son­dern mit belang­lo­sem Unfug wie etwa Wer­bung für scheuß­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men, oder wan­deln ihre Schreib­platt­form direkt in eine KG um und grün­den gemein­sam mit erste­ren Blog­gern Unter­neh­men, deren Geschäfts­mo­dell es ist, das Inter­net der ande­ren Leu­te eben mit Wer­bung voll­zu­kle­i­stern. Nicht etwa als blö­de Nerv­dep­pen, son­dern als „Social Media Gurus“ beschimpft man der­lei Leu­te dann und lädt sie auf Kon­fe­ren­zen ein, auf denen die ande­ren Ein­ge­la­de­nen im Kreis sit­zen und an den Lip­pen des Gurus hän­gen, der dann ein wenig über das „Inter­net der Zukunft“ redet und dafür viel Geld, Applaus, Blu­men und ver­mut­lich Sex erhält. „Guru“ bedeu­tet etwa „gei­sti­ger Füh­rer“; und nicht nur des­we­gen kann ich mich des Ein­druckes beim besten Wil­len nicht erweh­ren, dass die­ser Posten wie zum Spott stets von denen belegt wird, deren gesam­mel­te gei­sti­ge Ergüs­se selbst nicht ein­mal zum Blu­men­gie­ßen genü­gen wür­den.

Und sie glau­ben allen Ern­stes, dass das nie­mand merkt. ‘Von Blog­gern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)’ wei­ter­le­sen »

PersönlichesPiratenpartei
#pptnds10 II (außer­dem: Düste­res Hal­le)

Der lei­der eta­blier­te Sen­der RTL berich­tet über den zwei­ten Tag des PPTNDS10; Grund genug, noch ein paar Zei­len dar­ob nie­der­zu­schrei­ben:

Es war noch recht ertrag­reich, alle Anträ­ge wur­den bis Sonn­tag kurz nach 16 Uhr umfas­send behan­delt. Die in der Nacht zwi­schen Sonn­abend und Sonn­tag ange­reg­te Ver­kür­zung der Rede­zeit bzw., genau­er gesagt, die Beschrän­kung der Red­ner­li­ste pro Antrag, um die tra­di­tio­nell aus­ufern­den Dis­kus­sio­nen in einem gewis­sen Rah­men zu hal­ten, mag ihren Teil dazu bei­getra­gen haben, dass es bei­na­he gesit­tet zuging, auch, dass die für 15 Uhr ange­setz­te Pres­se­kon­fe­renz wegen aus Grün­den nicht anwe­sen­der Pres­se ent­fiel. Aber was wäre die Pira­ten­par­tei ohne die ihr eige­ne Non­kon­for­mi­tät? Sie wäre über­flüs­sig, mei­ne ich.

Auf­se­hen erreg­te die bereits am spä­ten Sonn­abend beschlos­se­ne For­de­rung nach einer Reform der Dro­gen­po­li­tik, die auf, hihi, brei­te Zustim­mung stieß. Die Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen ist nun­mehr im Besitz nicht nur einer der­zeit ein­zig­ar­ti­gen basis­de­mo­kra­ti­schen Struk­tur, son­dern auch eines umfas­sen­den Pro­gramms. An die­ser Stel­le auch noch­mals ein Dank nebst Applaus (stellt ihn euch ggf. vor) und Cha­peau an die Orga­ni­sa­to­ren und alle Anwe­sen­den! (Ich hof­fe, mit mei­ner teils minu­tiö­sen Bericht­erstat­tung via Twit­ter nicht all­zu vie­le Abon­nen­ten ver­schreckt zu haben.)

Heu­te indes trieb ich mich arbeits­be­dingt in Hal­le, der selt­sa­men Stadt in einem Teil Deutsch­lands, über den man den Man­tel des Schwei­gens sel­ten schnell genug zu brei­ten ver­mag, her­um. War mir in mei­ner Kind­heit nicht bekannt, war­um man jenen Teil auch „Dun­kel­deutsch­land“ nann­te, so wur­de es uns, die wir uns viel­sa­gend ansa­hen, heu­te klar; Tou­ri­sten in die­ser Stadt erkennt man am Lächeln. Sicher trägt eine Stadt, deren Fas­sa­den in einem hüb­schen ein­heit­li­chen Grau gefärbt sind, nicht zu einem hei­te­ren Lebens­stil ihrer Bewoh­ner bei, aber auf­fäl­lig war’s dann doch.

(Auch nicht gänz­lich unamü­san­tes Detail: Die Bedie­nung in der Wirt­schaft, in die wir ein­kehr­ten, war nicht über­zeugt davon, dass wir das obli­ga­to­ri­sche „Ja“ auf die Fra­ge, ob es gemun­det habe, ehr­lich mein­ten. Viel­leicht hät­ten wir nicht lächeln sol­len; das macht in Hal­le offen­bar kei­nen guten Ein­druck.)

So blieb das Erfreu­lich­ste an der Rei­se dann auch, dass ich das Lied „Kids“ von MGMT mal wie­der im Radio hören konn­te. Eigent­lich ein hüb­sches Stück Musik (apro­pos hübsch). Con­trol yours­elf, take only what you need from it. Wenn das nur immer so ein­fach wäre!

FotografiePiratenpartei
#pptnds10

An die­sem Wochen­en­de übri­gens fin­det in Wol­fen­büt­tel der PPTNDS10, der dies­jäh­ri­ge Pro­gramm­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei, statt; und wer immer noch nicht glaubt, dass das mit der Basis­de­mo­kra­tie nicht zwangs­läu­fig zu heil­lo­sem Cha­os füh­ren wird, der hat wäh­rend der gesam­ten Dau­er die Mög­lich­keit, über den Video-Live­stream einen Blick auf das heil­lo­se Cha­os Gesche­hen zu wer­fen. (Außer­dem gibt es dort pri­ma Kaf­fee.)

Ich bin eben­falls anwe­send. Wer mich also auch mal dabei erle­ben möch­te, wie ich von den tra­di­tio­nell zahl­rei­chen Geschäfts­ord­nungs­an­trä­gen Kopf­weh bekom­me, der möge wäh­rend der Ver­an­stal­tung ein­mal hin­ein­schau­en.

Impres­sio­nen vom ersten Tag:

(Was einen Pira­ten­par­tei­tag übri­gens von einer Ver­eins­sit­zung eines eigent­lich belie­bi­gen Sport­ver­eins unter­schei­det, ist das Ergeb­nis.)

Bei Inter­es­se folgt mor­gen ein etwas län­ge­rer Text – ich neh­me an, es wird sich noch eini­ges erge­ben.
Das Wiki zum Pira­ten­par­tei­tag ist bis dahin hier zu fin­den; Ergeb­nis­se inklu­si­ve.

Klar zum Ändern!

Nerdkrams
Twit­ter ent­deckt das Web 1.0

Apro­pos über­fäl­li­ge Erfin­dun­gen dann auch: Der Micro­blog-Dienst Twit­ter, sei­nes Zei­chens wohl ein­zi­ge „sozia­le Platt­form“ ohne jeg­li­che auf­dring­li­che sozia­le Inter­ak­ti­on, sieht man ein­mal von dem pene­tran­ten „Ret­weeten“, also Nach­plap­pern, und dem „Fol­lo­wen“, also dem jedes Gestam­mel eines ein­zel­nen ande­ren Benut­zers unge­fragt Ver­fol­gen, also eigent­lich dem Stal­ken, ab, hat wie­der ein­mal in sei­nen dunk­len Denk­kam­mern eine total tol­le Idee ersin­nen las­sen, die, wie schon die Vor­schlags­funk­ti­on, bestimmt vie­le Freun­de gewin­nen wird:

Als Alter­na­ti­ve zu nur der bis­he­ri­gen „Time­line“ näm­lich, der hän­disch oder halb­au­to­ma­tisch zu aktua­li­sie­ren­den Über­sicht über das aktu­el­le Geplap­per der unge­fragt Gestalk­ten, gibt es nun auch „User Streams“, Benut­zer­flüs­se, und wäh­rend die „Time­line“, inde­ed, fast nichts mit einem Zeit­strahl gemein hat, ist das mit dem Benut­zer­fluss schon anschau­li­cher.

Statt die Twit­ter­da­ten, wie der­zeit noch üblich, etwa mit einem Twit­ter­cli­ent stück­wei­se in regel­mä­ßi­gen Inter­val­len abzu­ho­len, kann ein Twit­ter­nut­zer künf­tig sofort sehen, wenn ein von ihm Gestalk­ter etwas durch die Lei­tun­gen schiebt, ein kon­ti­nu­ier­li­cher Fluss von Nach­rich­ten eben. („Echt­zeit“, allein das Wort schon!)

Pres­se und Rund­funk sind begei­stert:

  • techcrunch.com: „I’m not sure I can use any other Twit­ter app again wit­hout this real­time data stream.“
  • netzwertig.com: „Schnallt euch an für einen Echt­zeit­stream, der sei­nen Namen wirk­lich ver­dient.“
  • blog.tweetdeck.com: „Tri­al­ling Twit­ter At The Speed Of ‚Wow!‘ “
  • bwana.org: „Seems cool right?“

Aber, Moment ein­mal: Ein fort­lau­fen­der Schwall in der Län­ge stark begrenz­ter Nach­rich­ten belie­big vie­ler Teil­neh­mer mit Ant­wort- und Zitat­funk­ti­on; so etwas habe ich, wenn ich mich recht ent­sin­ne, bereits im Jahr 2001 genutzt. Es war in Java imple­men­tiert, beherrsch­te gra­fi­sche Emo­ti­cons eben­so wie farb­li­che Nuan­cen im eige­nen Geschrie­be­nen und trug einen ein­präg­sa­men, kur­zen, noch heu­te ver­brei­te­ten Namen:

Chat.

Inklu­si­ve „Flü­ster“- und PLONK-Funk­tio­nen, ver­steht sich.

Comm­ents, cli­ches, com­men­ta­ry, con­tro­ver­sy,
Chat­ter, chit-chat, chit-chat, chit-chat,
Con­ver­sa­ti­on, con­tra­dic­tion, cri­ti­cism
It’s only talk, cheap talk

– King Crims­on: Ele­phant Talk

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXIV: The Oat­me­al

Zur Erhei­te­rung ver­wei­se ich euch, lie­be Leser, wäh­rend mei­ne Krea­ti­vi­tät der­zeit ein hof­fent­lich nur noch kur­zes Nicker­chen macht, heu­te mal auf eine mei­ner Lieb­lings-Bild­witz­sei­ten:

Das, wie ich mei­ne, zum Brül­len komi­sche, wenn auch eng­lisch­spra­chi­ge Archiv The Oat­me­al hält neben sprach­li­chen Fines­sen (bei­spiels­wei­se Apo­stro­ph­re­geln) vie­ler­lei Amu­se­ment parat, unter ande­rem die ver­mut­lich blö­de­sten Wit­ze der Welt (mit Tusch!) und eine Ver­deut­li­chung, wie sehr sich ver­meint­lich klei­ne Unter­schie­de aus­wir­ken.

Ein Aus­zug zum The­ma „Groß­buch­sta­ben im Inter­net“:

Hihi!

(Apro­pos „hihi“, noch einer für zwi­schen­durch: peti­te girl takes on two mon­ster cocks at once. Dan­ke an S.!)


Übri­gens: Thi­lo Sar­ra­zin habe wie­der etwas gesagt, pol­tert es durch Fern­se­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­ra­zin kön­ne es, das Sagen also, nicht las­sen, pol­tert es durch Fern­se­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­ra­zin sei ein Het­zer, ein Ras­sist oder jeden­falls ein Sym­pa­thi­sant, pol­tert es durch Fern­se­hen und Inter­net.

Nun, weder habe ich mir detail­liert notiert, was genau er von sich gab, noch wage ich es, Ver­mu­tun­gen dar­über anzu­stel­len, war­um er es äußer­te; aber eins fra­ge ich mich dann doch:

Habt ihr alle nichts bes­se­res zu tun?

NetzfundstückeNerdkrams
Medi­en­kri­tik XXXV: Kosten­lo­se Gra­tis­ge­schen­ke für alle!

Mit­un­ter tref­fe ich auf mei­nen Rei­sen durch das WWW und das IRC auf Hin­wei­se auf das Com­pu­ter­ma­ga­zin „PC-WELT“, zu des­sen Lesern, ich gebe es zu, auch ich ein­mal gehör­te.

Nun ist es recht zeit­auf­wän­dig und Ner­ven rau­bend, jedes Mal wie­der eine höf­li­che Ant­wort auf die Fra­ge, wes­halb ich von dem fort­ge­setz­ten Genuss die­ses Print­pro­dukts absah, zu for­mu­lie­ren, dar­um bit­te ich die­sen Bei­trag als Refe­renz zur spä­te­ren Erwäh­nung zu betrach­ten.

Mei­ne Abkehr vom PC-WELT-Leser­tum hat­te drei Ursa­chen.

Zunächst ein­mal war ich irgend­wann zu erfah­ren, um noch zu deren Kli­en­tel zu gehö­ren. Sicher gab es ab und zu ein­mal wirk­lich gute Tipps, aber sie neig­ten dazu, sich ermü­dend zu wie­der­ho­len. Mei­ne aktu­ell­ste PC-WELT-Aus­ga­be ist dem­nach nun auch bald zehn Jah­re alt.

Wie­der­ho­lun­gen sind eine gute Über­lei­tung zur zwei­ten Ursa­che: Die mei­sten aktu­el­len Com­pu­ter­ma­ga­zi­ne erstrei­ten die Gunst neu­er Leser­schaft, indem sie zumin­dest im Ansatz ver­su­chen, bereits auf den Titel­sei­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich die betei­lig­ten Schrei­ber­lin­ge beim Recher­chie­ren neu­er The­men auch ein wenig ange­strengt und etwa neue Ent­wick­lun­gen ent­deckt haben. Nicht so die PC-WELT, die im Zeit­schrif­ten­re­gal auf ihrem total auf­wän­dig gestal­te­ten wei­ßen Titel­blatt stän­dig markt­schreie­risch die „geheim­sten Hacker­be­feh­le“ („Hacker-Befeh­le“) anpreist, „jetzt noch gehei­mer, ille­ga­ler und ver­bo­te­ner“, weil legal zwar sach­lich rich­ti­ger wäre, sich aber auch weni­ger toll ver­kau­fen lie­ße.

Und drit­tens hat die Redak­ti­on der PC-WELT in ihre Arti­kel selbst außer Markt­schreie­rei auch nicht viel Gehirn­schmalz gesteckt. Soeben fand ich, mehr zufäl­lig, auf ihrer Inter­net­sei­te einen so genann­ten Pro­dukt­test, der einen Gra­fik­be­trach­ter für Win­dows zum The­ma hat­te. Ich mag Tests von Anwen­dun­gen, die ich noch nicht aus­wen­dig beherr­sche, zwar durch­aus, aber in die­sem Fall blieb mein Blick weni­ger auf dem Test selbst als viel­mehr auf sei­ner For­mu­lie­rung haf­ten; ich erlau­be mir, um kei­ne Zita­te aus dem Zusam­men­hang zu rei­ßen, den Test in Ori­gi­nal­schreib­wei­se und ‑zei­chen­set­zung anzu­fü­gen:

Die Free­ware FastStone Image View­er ist ein Bild­be­trach­ter, mit dem Sie ihre Bil­der auch bear­bei­ten kön­nen.

Der Gra­tis FastStone Image View­er kann mit den gän­gig­sten For­ma­ten wie BMP, JPEG, JPEG 2000, GIF, PNG, PCX, TIFF, WMF, ICO, TGA und auch mit RAW For­ma­ten (CRW, CR2, NEF, PEF, RAF, MRW, ORF, SRF und DNG) umge­hen.
Das kosten­lo­se Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm FastStone Image View­er ist kann ohne Ein­schrän­kun­gen im Funk­ti­ons­um­fang run­ter­ge­la­den wer­den kann. Wir stel­len Ihnen die­ses Pro­gramm und eini­ge ande­re Bild­be­trach­ter hier aus­führ­lich vor. In der aktu­el­len Ver­si­on des FastStone Image View­ers wur­de u.a. die Ober­flä­che in 15 neue Spra­chen über­setzt. Wei­te­re Neue­run­gen fin­den Sie hier. Um einen Test des kosten­lo­sen FastStone Image View­ers zu lesen, klicken Sie ein­fach hier.

Wer es schafft, beim ersten Lesen – den Ver­weis auf die Klick­strecke unter dem Test zäh­le ich nicht mit – alle Hin­wei­se auf den Preis des kosten­lo­sen Free­ware-Pro­gramms (gra­tis) zu fin­den, bekommt ein Fleiß­bi­en­chen.
Dem IDG-Ver­lag stün­de, glau­be ich, ein Lek­tor gut zu Gesicht.

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Nach­mit­tags im Spät­som­mer (Ver­such 4)

Man schlen­dert eines Nach­mit­tags durch die rege beleb­te Ein­kaufs­stra­ße der Stadt. Lem­min­gen gleich wuseln Men­schen um einen her­um. Die Son­ne kann sich nicht recht ent­schei­den, ob sie ihrer Kraft Aus­druck ver­lei­hen möch­te. Die Män­tel und die Eltern sind zu dick, die Shirts und die Mäd­chen sind zu dünn.

Unge­wiss wie das Wet­ter ist auch die Sze­ne. Men­schen kom­men aus dem Nichts und gehen ins Nir­gend­wo. Gleich­sam als Kon­tra­punkt summt der klei­ne Mann im Ohr Edie Brickells „Good Times“. Spär­lich beleuch­te­te Häu­ser­fas­sa­den schei­nen wie im Traum im Takt dazu zu wip­pen. Über­wäl­tigt von den Ein­drücken muss man sich erst ein­mal set­zen und ver­gisst, was man eigent­lich mit der frei­en Zeit anfan­gen woll­te; statt­des­sen stiert man wort­los auf das Schau­spiel der Emo­tio­nen und ver­säumt es tat­säch­lich, mit­zu­schrei­ben.

You don’t even have to try, here comes easy for you.

Drau­ßen wer­den die Jacken wie­der län­ger, drin­nen indes brei­tet sich eine selt­sa­me Wär­me aus.
Das Leben kann so schön sein, wenn man nicht dar­über nach­denkt.

(Fast vom Stuhl gekippt wäre ich übri­gens auch, als ich die­se Schlag­zei­le las: „Hor­ror-Schock“, na, aber min­de­stens; drun­ter machen sie’s nicht mehr. Neben­bei bemerkt und weil ich noch ein wenig Platz in der Klam­mer habe: Will­kom­men auf dem neu­en Ser­ver, lie­be Leser!)

Internes
In eige­ner Sache: Sei­ten­aus­fäl­le (Ana­ly­se und Aus­blick)

Hoch­ver­ehr­tes Publi­kum,

in den letz­ten Tagen war die­se Inter­net­prä­senz erst­mals seit über einem Jahr zunächst nur ein wenig trä­ge, schließ­lich aber auch mehr­fach nicht erreich­bar, bevor­zugt nachts ent­schloss sie sich dazu, ihre Mit­ar­beit kurz­zei­tig zu ver­wei­gern, was vor allem unan­ge­nehm des­halb ist, weil der Bei­trag über Eli­za Orvind, in Foren und Blogs viel­fach ver­linkt und bis­lang etwa vier­hun­dert­mal gele­sen, ihr erst­mals eine nicht gerin­ge Bekannt­heit ein­ge­bracht hat.

Statt der gewohn­ten gram­ma­ti­ka­li­schen Fines­sen und aus­ge­feil­ten Spit­zen erwar­te­te den geneig­ten Leser jedoch mit­un­ter nur ein Lade­bal­ken und dann eine lee­re („wei­ße“) Sei­te, wie mir, der ich natür­lich nicht stän­dig selbst alles auf kor­rek­tes Funk­tio­nie­ren prü­fe, mehr­mals zuge­tra­gen wur­de.

Unfreu­dig schrieb ich zunächst eine E‑Mail an den (übri­gens über­aus freund­li­chen und kom­pe­ten­ten) Kun­den­dienst des für die­se Sei­te zustän­di­gen Ser­ver­be­trei­bers, der mir unter ande­rem den Tipp gab, mit­tels fol­gen­den Ein­trags in der Datei .htac­cess eine Feh­ler­ana­ly­se vor­zu­neh­men (den Datei­pfad habe ich wohl­weis­lich aus dem Code ent­fernt):

php_flag log_errors on
php_value error_log "/www/htdocs/.../errorlog.txt"

Die erzeugte Datei sammelte in den nächsten Tagen einige Informationen, anhand derer ich unter anderem vorläufig das offenbar inkorrekt arbeitende Plugin deaktivierte, das hier bislang für die Anzeige ähnlicher Beiträge zuständig war. Vorhin nun tauchte in der Datei errorlog.txt schließlich die eigentliche Ursache für die Ausfälle auf:

[22-Aug-2010 00:17:40] WordPress-Datenbank-Fehler MySQL server has gone away für Abfrage (...)
Nun ist "... has gone away" natürlich eine Meldung, die mich zum Lächeln zu bringen vermochte; im IRC witzelte ich, der Datenbankserver sei vermutlich kurz einkaufen gegangen, kontaktierte aber auch erneut den Serverbetreiber. Nach einem kurzen Dialog kann ich euch, liebe Leser, nun die erhoffte Lösung präsentieren: In der kommenden Nacht ab 2 Uhr wird diese Internetpräsenz auf einen anderen Server innerhalb des Rechenzentrums umgezogen (in dieser Zeit, vermutlich wird es wenige Stunden dauern, wird die Seite erneut nicht erreichbar sein), um dem bisherigen Server ein wenig Entlastung zu verschaffen. Sollte dies keinen dauerhaften Erfolg haben, so werde ich auf lange Sicht wohl ein wenig Geld für die Miete eines eigenen Servers - bislang verließ ich mich auf Shared-Hosting-Lösungen - beiseite legen müssen. Es ist furchtbar. Ich bedanke mich bei meinen aufmerksamen Lesern für die Hinweise. :)

Sonstiges
Drei Jah­re sind eine Ewig­keit. In Han­no­ver.

Drei Jah­re ist es jetzt etwa her, dass das bis dahin sich reger Beliebt­heit erfreu­en­de, weil nicht auf Nach­rich­ten rund um Han­no­ver beschränk­te Forum der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung, das HAZ-Forum (hier eine archi­vier­te Fas­sung kurz vor der Abschal­tung), geschlos­sen und durch eine Funk­ti­on ersetzt wur­de, die Nach­rich­ten auf der Inter­net­sei­te der Zei­tung bloß zu kom­men­tie­ren.

Was hat­ten wir für einen Spaß in „unse­rem“ Forum; selbst ich als Nicht-Han­no­ve­ra­ner betei­lig­te mich begei­stert an dem einem Fami­li­en­le­ben nicht unähn­li­chen Zusam­men­spiel von humor­vol­ler Mode­ra­ti­on, ern­sten Gesprä­chen über Leben und Poli­tik und vor allem vie­len zu Spä­ßen auf­ge­leg­ten Schrei­bern.

Viel­leicht war es aber zu viel ver­langt, dem Schwall an oft aus­ufern­den, aber näch­te­lang belu­sti­gen­den Off-Topic-Dis­kus­sio­nen und Mehr­fach­an­mel­dun­gen eigent­lich auf Lebens­zeit gesperr­ter Mit­dis­ku­tan­ten Ein­halt zu gebie­ten. Viel­leicht hat die Ver­lags­grup­pe Mad­sack, eine deut­sche Gesell­schaft zu ihrem Glück, sich gedacht, HAZ.de wäre eine ernst zu neh­men­de Alter­na­ti­ve zu SPIEGEL.de, wenn man den Benut­zern eben­so wie dort jede Mög­lich­keit, unmo­de­riert auch über absei­ti­ge The­men zu dis­ku­tie­ren, nimmt. Viel­leicht woll­ten sie sich auch ein­fach nur das Gehalt für die Mode­ra­to­ren (damals homo­fa­ber und Tai) spa­ren; jeden­falls erschien eines Tages eine Ankün­di­gung, das Forum wer­de in Bäl­de geschlos­sen und durch einen Kom­men­tar­be­reich ersetzt. Zucker­brot ist aus, Peit­schen haben wir aber noch.

Nun, die Benut­zer fan­den es weni­ger lustig und zogen sich pikiert zurück; ver­ständ­lich, denn wenn man der Sug­ge­sti­on gewahr wird, dass kein Inter­es­se an der über meh­re­re Jah­re gepfleg­ten Dis­kus­si­ons­kul­tur besteht, dann hat man selbst eben­falls kein gro­ßes Inter­es­se mehr dar­an, ihr in all­zu ein­ge­schränk­ter Form wei­ter­hin zu frö­nen.

Nach fast drei Jah­ren darf das Expe­ri­ment nun also getrost als geschei­tert ange­se­hen wer­den, da es eben der Dis­kus­si­ons­kul­tur (es fehl­te gemäß Twit­ter „etwas Dis­zi­plin“) nicht auf die Sprün­ge half, den Off-Topic-Bereich zu strei­chen. Die ent­spre­chen­den Dis­kus­sio­nen wur­den statt­des­sen eben im Arti­kel­be­reich geführt.

Inso­fern ist es trotz aller Unken­ru­fe als Fort­schritt zu sehen, dass die Mad­sack-Grup­pe inzwi­schen ver­ges­sen (oder ver­drängt?) hat, dass sie sich vor eini­gen Jah­ren durch die Schlie­ßung und Ver­nich­tung des Forums qua­si selbst ins Bein geschos­sen hat­te, und mit gro­ßem Tam­tam ein neu­es Forum ins Leben rief, das zwar in Bezug auf die Auf­tei­lung und das design noch in den Kin­der­schu­hen steckt, in dem sich aber schon eini­ge der alten Recken wie­der ange­mel­det haben, um es mit neu­em Leben zu befül­len.

It’s a place whe­re the past and the good things will last.
– Julie Andrews: The Val­ley That Time For­got

Nun denn:
Auf ein Neu­es!

In den Nachrichten
Mops­fi­de­le Die­bes­tour

Fol­gen­de dpa-Mel­dung (der­weil auf diver­sen Nach­rich­ten­sei­ten zu fin­den) wur­de mir heu­te zuge­spielt:

Mit ent­blöß­tem Busen hat eine 14-Jäh­ri­ge in Paris ihr Opfer wehr­los gemacht und ihm 300 Euro gestoh­len. Das Mäd­chen habe gemein­sam mit einer Freun­din und einem zwölf Jah­re alten Jun­gen mehr­fach auf die­se Wei­se Kun­den an Geld­au­to­ma­ten über­rum­pelt, berich­te­te die Zei­tung „Le Pari­si­en“. Einem der Opfer soll sie auch zwi­schen die Bei­ne gefasst haben, um ihn abzu­len­ken. Die bei­den Mäd­chen wur­den einem Jugend­rich­ter vor­ge­führt, dann aber frei­ge­las­sen. Der Zwölf­jäh­ri­ge kam in ein Heim.

Dass vie­le Mäd­chen bereits mit 14 ein selbst mir als eher pro­gres­siv-libe­ra­lem Unkon­ser­va­ti­ven ego­zen­trisch und ver­quer anmu­ten­des Ver­hält­nis zur eige­nen Sexua­li­tät ent­wickelt haben und freu­dig pfle­gen, ist alt­be­kannt und an sich nicht zu ver­ur­tei­len; eigent­lich sind hier indes meh­re­re ande­re Aspek­te beson­ders bemer­kens­wert.

Erstens:
Anhand der Eigen­schaft, einen Geld­au­to­ma­ten bedient zu haben, als erwach­sen bekann­te Män­ner wur­den „mit ent­blöß­tem Busen … wehr­los gemacht“, und zwar nicht etwa nur einer (Mann, nicht Busen), son­dern gleich meh­re­re (immer­hin offen­bar nach­ein­an­der); wie genau hat man sich das vor­zu­stel­len, also das mit der Wehr­lo­sig­keit, nicht den Busen? Ich mei­ne, jeman­den, der sich allein durch den Anblick von Kin­der­bu­sen der­ma­ßen aus der Fas­sung brin­gen lässt, dass man ihm unge­hin­dert sein sau­er ergau­ner­tes Geld abneh­men kann, habe jeden­falls ich noch nicht per­sön­lich ken­nen­ge­lernt, und aus der jün­ge­ren Lite­ra­tur­ge­schich­te ist zumin­dest mir da auch nur Pro­fes­sor Hum­bert Hum­bert bekannt (der, neben­bei wer­tungs­frei ange­merkt, übri­gens auch Fran­zo­se war).

Zwei­tens:
Zwei Mäd­chen, eines von ihnen unkla­ren Alters, besteh­len rou­ti­ne­mä­ßig lüster­ne Geld­ab­he­ber, indem sie sie sexu­ell belä­sti­gen, und kom­men unge­scho­ren davon. Ein Jun­ge, der ihnen auf irgend­ei­ne Wei­se assi­stiert hat, wobei ich bezwei­feln möch­te, dass sei­ne Hand­lun­gen auch nur annä­hernd ein der­art tie­fes Niveau erreicht haben, wird ver­gleichs­wei­se hart bestraft. Da all dies in Frank­reich statt­ge­fun­den hat, geht die Sub­ti­li­tät des fol­gen­den Sat­zes lei­der zu einem gro­ßen Teil flö­ten, aber ich möch­te ihn den­noch (oder gera­de des­we­gen) nicht unge­schrie­ben las­sen: Der Jugend­rich­ter ist bestimmt Fran­zo­se!

(Zwei­punkt­eins: Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten! Geschä­he ein Vor­fall die­ser Art in Deutsch­land, kämen die Täter zwar eben­falls nahe­zu straf­frei davon, die Beraub­ten indes müss­ten sich den Vor­wurf der Pädo­phi­lie gefal­len las­sen, sonst hät­ten sie ja Anzei­ge erstat­tet und/oder weg­ge­guckt. Und wer trü­ge wie­der die Schuld? Das Inter­net!)

Elle les fasci­ne, les hyp­no­ti­se, ses yeux sont magi­ques,
ils hal­lu­ci­n­ent, puis ils dépri­ment; quels fan­tas­mes tra­gi­ques!

– Ste­reo Total: Loli­ta Fan­tô­me

PolitikIn den Nachrichten
Dis­ku­tan­ten­auf­stand

Da freue ich mich doch gera­de wie ein Erd­fer­kel, dass ich vor­hin kei­nen Kaf­fee trank, denn ich hät­te ihn ver­mut­lich vor Schreck ver­schüt­tet. Denn was wur­de da von einer nicht näher benann­ten Sen­de­an­stalt in die Emp­fangs­ge­rä­te geschallt?

Die vor etwa einem Jahr auf sämt­li­chen Kanä­len the­ma­ti­sier­te Bom­bar­die­rung zwei­er Tank­la­ster in Afgha­ni­stan, der ziem­lich vie­le Tote folg­ten, habe „in Deutsch­land Dis­kus­sio­nen … aus­ge­löst“, mit der Beto­nung auf „Dis­kus­sio­nen“, als sei­en Dis­kus­sio­nen hier­zu­lan­de prä­gnan­ter als jede nur denk­ba­re Revo­lu­ti­on; „Gefahr, Herr König, sie dis­ku­tie­ren bereits!“

In der Hoff­nung, dass dies eine pein­li­che For­mu­lie­rungs­pan­ne sein soll­te, ver­ge­wis­ser­te ich mich im Inter­net, dass dies nicht so ist. Allent­hal­ben war in den Tagen und Wochen nach dem Bom­bar­de­ment von „Dis­kus­sio­nen“ die Rede, die jetzt total plötz­lich ent­stan­den waren und nicht etwa schon seit dem Marsch­be­fehl exi­stiert hat­ten, unter ande­rem in die­sem Arti­kel (sehr lobens­wer­te Über­schrift auch, Herr Blum!).

Nein, kei­nes­falls hat die zweck­freie, völ­ker­recht­lich ver­mut­lich auch nicht unbe­dingt als total pri­ma ein­zu­stu­fen­de Tötung von Zivi­li­sten irgend­wel­che „Dis­kus­sio­nen“ um Sinn und Unsinn des Kampf­ein­sat­zes „aus­ge­löst“. Man hat­te sich zu die­sem Zeit­punkt bereits seit Jah­ren dar­auf geei­nigt, dass eine deut­sche Armee da unten nichts ver­lo­ren hat. Allein: Hät­te das deut­sche Volk nicht längst das Wis­sen um und die Bereit­schaft zu die und der Durch­füh­rung eines anstän­di­gen Auf­stan­des, wie er in Frank­reich noch immer als hohes Kul­tur­gut gepflegt wird, ver­lo­ren, so gäl­te die Dis­kus­si­on nicht als aggres­siv­stes Pro­test­me­di­um. Was die Men­schen, bei denen man „Dis­kus­sio­nen aus­ge­löst“ hat, woll­ten, war der Rück­tritt die­ses beklopp­ten Kriegs­trei­ber­hau­fens. Da gab es gar nichts zu dis­ku­tie­ren.

Andern­falls hat der 2. Welt­krieg eben­falls „Dis­kus­sio­nen aus­ge­löst“, aber lusti­ger­wei­se wird das in den Geschichts­bü­chern nie erwähnt.

(Da wir gera­de bei Poli­tik waren, noch zwei Kur­ze: Das Innen­mi­ni­ste­ri­um von Rhein­land-Pfalz hat nicht nur beschlos­sen, den Bun­des­tro­ja­ner ein­zu­füh­ren (via Fefe), son­dern kann auch ganz offen­sicht­lich „dass“ und „das“ nicht aus­ein­an­der­hal­ten. Wie lau­tet eigent­lich noch mal der Fach­be­griff für die Herr­schaft der Blö­den?)

NetzfundstückeNerdkrams
„It’s magic.“

Ach, was hat Apple denn da wie­der für pri­ma Spiel­zeug im Ange­bot?

Ein „Magic Track­pad“, eine magi­sche Spur­auf­la­ge also, als furcht­bar inno­va­ti­ven Mau­ser­satz.

Wahr­lich ein auf­re­gen­der Name, der vor Geheim­nis­volli­tät nur so leuch­tet!
Und was kann man damit so alles machen?

Kauft man sich ein Magic Track­pad, kann man die eige­nen Fin­ger benut­zen, um durch Sei­ten zu scrol­len und zu klicken.
Boah, ey.

Als hät­te man eine rich­ti­ge Maus!
Dan­ke, Apple! Dar­auf hat die Welt gewar­tet.

Spaß mit Spam
Ich will dich bes­ser ken­nen zu ler­nen, ich bin von OAE.

Unter die­sem Betreff traf gegen 18 Uhr eine Spam­mail in einem mei­ner Post­fä­cher ein, und er mach­te mich lachen; spon­tan muss­te ich an „ich kom­me in Frie­den“ und „kei­ne Sor­ge, ich bin Arzt“ den­ken. Was genau ein OAE ist, wuss­te ich aller­dings nicht, also beschloss ich, mich wie­der ein­mal inhalt­lich mit der Mail aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dies folgt:

Hal­lo mein lie­ber Freund.

Guten Tag, Mensch mit mise­ra­bler Zei­chen­set­zung.

Mein Name ist Eli­za Orvind. Ich kom­me aus Dubai, Ver­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te.

Das sagt ja der Name schon; klingt wahr­lich sehr ara­bisch. Woh­nen in den VAE (ach so: Oer­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te! Natür­lich!) nicht eigent­lich vor­wie­gend Mus­li­min­nen, die, sofern sie über­haupt ins Inter­net dür­fen, sicher bes­se­res zu tun haben als sich dort Ker­le aus Deutsch­land zu angeln?

Zun­achst ein­mal moch­te ich sagen, wenn ich Ihre Mail-Adres­se hat.

Ja?

Nun bin ich auf mei­nem Weg zu einem guten Mann fur mich zu fin­den, mei­nen zukunf­ti­gen Ehe­mann. Um ehr­lich zu sein kann ich nicht fin­den Such­man hier in Dubai, weil es fast alle Mus­li­me sind und sie haben eine ande­re Defi­ni­ti­on von Fami­lie und Frau.

(Sag ich doch!)

Such­man klingt aller­dings auch eher nach einem tür­ki­schen Vor­na­men, da wür­de ich auch nicht unbe­dingt in Dubai anfan­gen zu suchen. Eher in Ber­lin-Kreuz­berg. „Guten Tag, wo kann ich Such­man fin­den?“ – „Ey, was will­stu oder was?“

Übri­gens mag ich sub­ti­len Ras­sis­mus, dass er mir aller­dings in einer Spam­mail begeg­net, ist dann doch mal ein erfri­schen­des Erleb­nis.

Ich habe nichts dage­gen, aber es ist nicht mei­ne Art, wenn sie vie­le Frau­en zu haben.

Muss es ja auch nicht, Mädel; ist deren Pro­blem, das sie sich da auf­hal­sen, nicht dei­nes!

Also beschloss ich, hier ver­wen­den Sie eine inter­na­tio­na­le Tagung Agen­tur und sie bie­ten mir dein Pro­fil, das Ich mag sehr viel, und beschlos­sen, Ihnen zu schrei­ben. Sie nah­men alle sicht­bar, wie ich aus ver­schie­de­nen Inter­net-Sit­zung zu ver­ste­hen ange­sie­delt, wo sie ihren Mana­gern.
Und von einem sol­chen Sei­ten Ihres Pro­fils abge­nom­men wur­de.

Hä? Ähm, ich mein­te natür­lich: Wie bit­te?

Der erste Satz ist noch halb­wegs ein­fach zu ent­rät­seln: Eine inter­na­tio­na­le Tagungs­agen­tur (was genau ver­mit­teln die eigent­lich – Tagun­gen?) hat mein „Pro­fil“ (eine von der Sei­te geschos­se­ne Foto­gra­fie oder doch eher eine Art „Steck­brief“?) durch die Gegend gesen­det und neben­bei noch mei­ne Mail­adres­se (nicht ein­mal mei­ne pri­mä­re übri­gens) dazu­ge­schrie­ben. Aber was bedeu­tet der zwei­te? Kann mir jemand hel­fen? Und was sind das für eigen­ar­ti­ge Mana­ger, die anschei­nend ihr Geld damit ver­die­nen, ande­ren Leu­ten ihr Pro­fil abzu­neh­men oder so ähn­lich? (Und wo kann man sich für die Stel­le bewer­ben? Das klingt nach einem inter­es­san­ten Auf­ga­ben­feld.)

Ursprung­lich bin ich in Schwe­den, als ich 4 Jah­re alt war, zog ich hier in Dubai mit mei­nen Eltern.
Jetzt arbei­ten sie hier, und ich arbei­te auch hier.

Boah. Das nen­ne ich mal eine auf­re­gen­de Lebens­ge­schich­te. Sind die Film­rech­te schon ver­kauft?

Und jetzt bit­te jeg­li­ches Getränk weg­stel­len, lie­be Leser; ich möch­te nicht für Bild­schirm­scha­den ver­ant­wort­lich sein. Der fol­gen­de Satz ist ein Kra­cher. Nicht wegen der Wor­te, son­dern wegen der wohl­weis­lich gesetz­ten Emo­ti­cons. Ach­tung, hier kommt er:

Ich bin 28 Jah­re alt. Also mei­ne Eltern und ich ver­ste­he, da? ich ein guter Ehe­mann bereits zu fin­den, um gluck­lich zu leben und Fami­lie:) new­phes machen:)

„Ich such Mann :) für Stamm­hal­ter­zeu­gen :) so mit Sex :) und so.“

(Also jetzt mal ganz lang­sam: „new­phes“, ver­mut­lich „nephews“, zu zeu­gen, also „Nef­fen“ auf gut Deutsch, soll die Auf­ga­be des zu suchen­den Man­nes sein. Eigent­lich wäre die sinn­voll­ste Fra­ge hier, wie das gehen sol­le, aber ande­rer­seits bin ich über die Fami­li­en­ver­hält­nis­se in Dubai nicht son­der­lich gut infor­miert und bin auch auf fast nüch­ter­nem Magen nicht erpicht dar­auf, Details in Erfah­rung zu brin­gen.)

Aber wie ich schon sag­te, gibt es vie­le Mus­li­me hier und ich kann nicht fin­den, guter Mann fur mich.

Nazi!!1!11!elf

Also, wenn ich nicht storen, und Sie sind an mir inter­es­siert.
By the way Ich bin sehr net­tes Mad­chen, 172 cm, 55 kg Gewicht.

Nein, ich bin füh­le mich nicht gestört, eher belu­stigt. Aller­dings habe ich auch kei­ner­lei Inter­es­se dar­an, Clowns zu hei­ra­ten.

Ich kann nicht her­aus­fin­den, wie ich mein Foto hier anhan­gen, also wer­de ich es Ihnen schicken, wenn du mich wie­der zu beant­wor­ten, mit mei­nem Email-Pro­gramm zu Hau­se.

Bit­te schrei­ben Sie mir wie­der hier, dies ist mein Werk Mail-Adres­se …@y.…com , also wer­de ich es bald wie­der zu uber­pru­fen.

Die­ser rasan­te Wech­sel zwi­schen förm­lich und ver­trau­lich berei­tet mir Schwin­del. (Ach, so ver­bringt man in Dubai also einen Arbeits­tag: Hun­dert­fach Mails an deut­sche Män­ner schicken. Und damit kann man Geld ver­die­nen? Ande­rer­seits: So eine Tagungs­agen­tur scheint ja auch genug Geld ein­zu­neh­men, um bestehen zu kön­nen.)
Neben­bei bemerkt kommt die Mail ursprüng­lich von einer ita­lie­ni­schen Mail­adres­se. Dubai, das flo­rie­ren­de Welt­wirt­schafts­zen­trum!

Ich hät­te die Mail ja bei­na­he beant­wor­tet, aber da Eli­za es nicht für nötig hielt, sich anstän­dig zu ver­ab­schie­den (nicht ein­mal für „Lie­be Grü­ße“ hat es gereicht! Pah!), bin ich jetzt ein­ge­schnappt. Doo­fe Stof­fe­lin.

(Soll­te einer von euch, lie­be Leser, Inter­es­se an die­ser Dame haben und glaubt, ihren Ansprü­chen zu genü­gen, mel­det euch ein­fach. Ich las­se euch die Daten gegen ein klei­nes Ent­gelt zukom­men; ich habe gehört, das Geschäfts­mo­dell sei in Dubai gera­de erfolg­reich.)

PersönlichesMusik
Mein Musik­fa­schis­mus

„Ich wür­de mich als einen Musik­fa­schi­sten bezeich­nen.“

Dies ist mei­ne Ant­wort, wenn in gesel­li­ger Run­de das eigent­lich unver­meid­li­che The­ma der musi­ka­li­schen Vor­lie­ben aufs Tapet kommt. Und obgleich nie­mand bis­lang die­se Ant­wort zum Anlass nahm, mir einen gefähr­li­chen Hang zu Grö­ßen­wahn, Welt­krie­gen und Völ­ker­mord zu unter­stel­len, möch­te ich dem doch an die­ser Stel­le ein wenig Erläu­te­rung zuteil wer­den las­sen.

Mei­ne musi­ka­li­sche Sozia­li­sie­rung fand über vie­le Umwe­ge statt. Ich wuchs auf in einer Welt zwi­schen NDR 1 Radio Nie­der­sach­sen, das im Auto mei­nes Opas lief, wenn ich dort mit­fuhr, und das war recht oft der Fall, und NDR 2, das die mor­gend­li­che Früh­stücks­be­schal­lung bil­de­te, lan­ge, bevor es das anfangs lobens­wer­te Radio 21 und ähn­li­che Kon­kur­renz gab. So gern ich auch als Kind schräg mit­sang („Palo­so­ma Gei­er, oh oh oh oh oh“), so wenig wür­de ich die Akzep­tanz die­ser Beschal­lung als „Musik­ge­schmack“ bezeich­nen. Die Titel­me­lo­die des Sand­männ­chens ist ja eben­falls sel­ten Bestand­teil irgend­ei­nes „Musik­ge­schmacks“.

Im Alter von etwa 13 Jah­ren ent­deck­te ich, mehr durch Zufall, dass es noch mehr Sen­der gibt. Das, was man gemein­hin als „Jugend­kul­tur“ bezeich­net, drang in Form von N‑Joy Radio an mein Ohr. Dass die Mode­ra­to­ren sich selbst für unglaub­lich lustig hiel­ten, erschien mir damals zwar auch schon eher bizarr, aber hat kaum gestört; der Musik­an­teil war aus­rei­chend groß, und es wur­de nicht stünd­lich der glei­che Unrat gespielt. (Im Ver­lauf mei­ner spä­te­ren Jugend schaff­te es nur noch BFBS 1, als Radio­sen­der von mir für hörens­wert befun­den zu wer­den.) Von N‑Joy Radio zu dum­men Ideen ver­lei­tet kauf­te ich mir etwa zu die­ser Zeit auch mei­ne ersten bei­den Ton­trä­ger, die Sin­gle „It’s Like That“ von Run‑D.M.C. „vs“ Jason Nevins – das „vs“ ver­ste­he ich bis heu­te nicht – und eine der „Just The Best“-Kompilationen, gleich­sam mein Ein­stieg in die Welt der BRA­VO-Hits-CDs. Hät­te man mich zu die­ser Zeit nach mei­nem „Musik­ge­schmack“ befragt, ich hät­te ver­mut­lich „Radio“ geant­wor­tet. In dem Alter war ich so schreck­lich leicht zu beein­drucken. Ich wur­de tat­säch­lich eines Tages, eini­ge Jah­re spä­ter, nach mei­nen Lieb­lings­mu­si­kern gefragt. Mei­ne Ant­wort „Otto und Jür­gen von der Lip­pe“, über deren von der Gitar­re beglei­te­te Blö­de­lei­en ich mich noch scheckig lachen konn­te, wur­de mit einem Blick, der mich sicht­lich als Spin­ner titu­lier­te, und Kopf­schüt­teln bedacht. Obwohl ich also durch­aus schon für Musik im wei­te­ren Sin­ne zu begei­stern war, fehl­te mir noch immer ein eigent­li­cher Musik­ge­schmack. Ich „moch­te“ vie­les, hat­te auch schon man­cher­lei schreck­li­che Ton­trä­ger im Regal ste­hen, jedoch war der „Aha“-Moment bis dahin aus­ge­blie­ben.

Die­ser Moment kam mit mei­ner ersten Lebens­ab­schnitts­part­ne­rin, die nicht nur ver­ge­bens ver­such­te, mich zu einem halb­wegs nor­ma­len Men­schen zu machen, son­dern mir auch die Welt der Musik jen­seits stu­pi­der Unter­hal­tungs­mu­sik erschloss. Am Tele­fon spiel­te sie mir „Venus in Furs“ oder „Hero­in“ – ich weiß es nicht mehr so genau – von The Vel­vet Under­ground vor, was mich schau­dern ließ, weil die, wie der ver­sier­te Musik­freund längst weiß, Weg wei­sen­den Klän­ge am Tele­fon wahr­lich nicht nach Musik klan­gen. Über mein Miss­fal­len war sie recht ent­täuscht. Nun war es die Zeit von KaZaA und Audio­ga­la­xy, und so gewähr­te ich The Vel­vet Under­ground spä­ter eine zwei­te Chan­ce, die dann auch zum gewünsch­ten Erfolg führ­te; das Debüt­al­bum der Band war der Ein­stieg in die Welt der wirk­lich guten Musik. Aber war es ein „Musik­ge­schmack“? Sioux­sie and the Bans­hees fin­de ich nach wie vor öde, Sonic Youth nur in eini­gen Momen­ten wirk­lich gran­di­os (etwa auf ihrem Album „Goo“), und auch all die ande­ren Grup­pen, die The Vel­vet Under­ground als ihre Vor­bil­der bezeich­nen und mit­un­ter immer­hin ähn­lich klin­gen wol­len, haben mich bis­lang, anders als die­se, nicht in blin­den Kauf­rausch ver­set­zen kön­nen.

Von The Vel­vet Under­ground führ­te der Weg durch das Inter­net mich über die spä­ten Beat­les zum Pro­gres­si­ve Rock; The Vel­vet Under­ground waren ja auch bereits pro­gres­siv, nur eben anders, da sind die Ver­bin­dun­gen trotz des doch recht ande­ren musi­ka­li­schen Prin­zips erstaun­lich schnell geknüpft. Erst stieß ich auf die eigent­lich unver­meid­li­chen Yes, dann alles, was wie Yes klang (Yez­da Urfa, Star­cast­le, …), dann Gent­le Giant und Van der Graaf Gene­ra­tor, King Crims­on folg­te schließ­lich mit eini­ger Ver­zö­ge­rung. Nur Gene­sis fand ich immer schon ein wenig ner­vig. Ist Pro­gres­si­ve Rock ein „Musik­ge­schmack“? Als Sam­mel­be­griff nur schwer­lich taug­lich, zumal mir vie­le Prot­ago­ni­sten des Pro­gres­si­ve Rock (The Flower Kings, The Mars Vol­ta, …) bis heu­te schlicht­weg auf die Ner­ven gehen. Also blieb mir auch in der Yes-Sam­mel­pha­se ein eige­ner Musik­ge­schmack ver­wehrt. Was sich statt­des­sen ent­wickel­te, war eine Aver­si­on gegen die Hel­den mei­ner Jugend. Die neue Klang­welt, in die ich täg­lich ein­tauch­te und die mich mit­nahm auf eine Rei­se durch sur­rea­le Land­schaf­ten (immer­hin habe ich so letzt­lich viel Geld für hal­lu­zi­no­ge­ne Dro­gen gespart), hielt mich der­ma­ßen gefan­gen, dass mich der Gru­sel­pop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf tat­säch­lich zu schmer­zen begann. Ich hielt gewöhn­li­che Mas­sen­mu­sik nicht mehr aus. Irgend­ein Quatsch­blatt hat ein­mal sinn­ge­mäß gefragt: Kann Musik eine Dro­ge sein? Nun: Sie kann.

(Da Musik mehr ist als Melo­die und Kon­gru­enz, soll an die­ser Stel­le nicht uner­wähnt blei­ben, dass ich trotz der wun­der­ba­ren Gefühls­welt, die sich mir mit den Klang­wel­ten erschloss, auch wei­ter­hin Neben­pfa­de beschritt, etwa in Gesell­schaft von Damen, die nicht immer offen waren für mei­ne skur­ri­len musi­ka­li­schen Vor­lie­ben. Dien­ten die­se von Beginn an der Erkun­dung neu­er Pfa­de, so blieb noch Platz für Musik zur Bewäl­ti­gung eher welt­li­cher Gefüh­le. Mit dem „Sound­track mei­nes Lebens“ – so etwas soll­te eigent­lich jeder Mensch besit­zen – untrenn­bar ver­bun­den sind und blei­ben so die Tex­te der Ärz­te, der Toten Hosen und der Fan­ta­sti­schen Vier. Aber das ist eine ande­re Geschich­te.)

Der näch­ste und bis­lang letz­te Schritt auf dem Weg durch pro­gres­si­ve Traum­wel­ten führ­te mich zum Post­rock von Mog­wai, Oce­an­si­ze und Dear John Let­ter, qua­si als Ergän­zungs­dro­ge: Sind The Vel­vet Under­grounds und Yes‘ Stu­dio­wer­ke für den schnel­len Schuss auf dem Sofa geeig­net, so muss es bei den Postrockern ein Kon­zert oder min­de­stens eine Live­auf­nah­me sein. Es ist weni­ger ein Trip, mehr eine inten­si­ve Trance; doch auch die­se Dro­gen­me­ta­pher soll nicht davon ablen­ken, dass es letzt­lich auch nur Musik bleibt. Ist nun also Post­rock end­lich ein „Musik­ge­schmack“, mit dem ich mich iden­ti­fi­zie­ren kann? Wie­der­um muss ich die­se Fra­ge ver­nei­nen; zu viel­schich­tig ist der Post­rock, zu sel­ten weiß mich eine bis dahin unge­hör­te Musik­grup­pe aus dem Gen­re zu begei­stern.

Die Suche nach einem Musik­ge­schmack blieb somit bis­lang erfolg­los, brach­te aber einen neu­en Wesens­zug mit sich: Der Spaß an einem gemüt­li­chen Bei­sam­men­sein stell­te sich bei mir nicht mehr ein, wenn schreck­li­che Musik lief. Vor ein paar Jah­ren nahm ich an einer Abschluss­fei­er teil. Es war eine herr­li­che Ver­an­stal­tung, bis ein Teil­neh­mer beschloss, es sei eine gute Idee, uns alle mit Rap­mu­sik (kei­nes­falls die oben erwähn­ten Fan­ta­sti­schen Vier, viel­mehr stand einer der niveau­lo­sen Ver­tre­ter zur Dis­kus­si­on) zu erfreu­en. Ich hör­te mich sagen: „Mach das an und ich bin weg.“ Sicher, ich war zu vor­ge­rück­ter Stun­de bereits nicht mehr unein­ge­schränkt nüch­tern und somit noch weni­ger anstän­dig als dies übli­cher­wei­se der Fall ist, aber die­se Erin­ne­rung wirft die Fra­ge nach dem eigent­li­chen Beweg­grund auf. Inzwi­schen mei­ne ich eine wenig absur­de Erklä­rung gefun­den zu haben: Wer ein­mal die Bedeu­tung der Musik erkannt hat, der sieht die Lärm­be­lä­sti­gung durch die so genann­te „Jugend­kul­tur“ fort­an mit ande­ren Augen bzw. hört sie mit ande­ren Ohren. Eine qua­si­mi­li­tan­te Ableh­nung von Klän­gen, die nicht dem eige­nen Qua­li­täts­stan­dard ent­spre­chen: Ich wür­de dies als Musik­fa­schis­mus bezeich­nen.

„Ich über­ge­be dem Feu­er die Klän­ge von Bushi­do, DJ Mot­te und Han­nah Mon­ta­na!“

Mei­ne Geschwi­ster haben inzwi­schen ein Alter erreicht, in dem auch sie auf der Suche sind nach dem „Aha“-Moment, dem Ohr­gas­mus sozu­sa­gen. Der­zeit irren sie zwi­schen BRA­VO-Titel­fi­gu­ren und Deutsch­rock her­um und las­sen mich mit­un­ter dar­an teil­ha­ben. Ich bin zwar dar­ob nur sel­ten unge­hal­ten, stel­le aber doch fest, dass eben der Musik­fa­schis­mus kei­ne zeit­wei­li­ge Erschei­nung blieb. Im Grun­de ist er die Kon­se­quenz aus mei­nen Erleb­nis­sen wäh­rend mei­ner ersten Geh­ver­su­che mit The Vel­vet Under­ground, aus der von dem Gru­sel­pop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf erlit­te­nen Pein. So neu war der Wesens­zug also nicht ein­mal; er hat­te sich nur gefe­stigt.

Ich habe noch immer kei­nen „Musik­ge­schmack“. Es wäre mit­un­ter ange­nehm und ver­mut­lich deut­lich preis­wer­ter, hät­te ich einen.
So aber blei­ben mir die gesun­de Aver­si­on gegen­über man­cher­lei Ton­auf­nah­men und der stän­di­ge Durst nach Neu­em. Der­zeit im Zen­trum mei­nes Inter­es­ses ste­hen Live­auf­nah­men von Bob Dylan aus der Zeit um 1966.

Fort­set­zung folgt.

PersönlichesPolitikIn den Nachrichten
War­um nicht gleich eine Bet­tel-Card?

Ich könn­te mich jetzt nach der CDU auch mal wie­der über die SPD aus­las­sen, aber alles, was es zu die­sem lächer­li­chen, ehe­mals wenig­stens noch in Ansät­zen zur Par­tei taug­li­chen Hau­fen noch zu schrei­ben gibt, hat Fefe freund­li­cher­wei­se schon über­nom­men.

Also erwäh­ne ich doch noch mal eben die CDU. (Ich hof­fe in eige­nem Inter­es­se, dass das in näch­ster Zeit nicht mehr so oft vor­kommt.) Ihre Vor­den­ke­rin (nennt man das bei der CDU noch so, „Den­ken“?) U.v.d.L., vom Fami­li­en- ins Arbeits­mi­ni­ste­ri­um straf­ver­setzt, kann von ihrem ehe­mals bevor­zug­ten Arbeits­be­reich, den Kin­dern, ein­fach nicht die Fin­ger las­sen:

Kin­dern aus finan­zi­ell nicht all­zu gut situ­ier­ten Fami­li­en sol­le künf­tig eine Bil­dungs-Card (als wäre nicht der Name allein schon blöd genug) zuteil wer­den, fan­ta­sier­te sie pres­se­wirk­sam, mit denen sie, die Kin­der, dann künf­tig Zugang zu Bil­dungs­maß­nah­men haben soll­ten; eine Art Essens­mar­ke für Bil­dung, ein Bil­dungs­gut­schein qua­si.

Außer­dem sol­le den Kin­dern künf­tig auch die Arbeits­agen­tur belä­sti­gend zur Sei­te ste­hen, um dar­auf zu ach­ten, dass die Kin­der gefäl­ligst nach der Grund­aus­bil­dung nicht noch unnö­tig auf ein teu­res Stu­di­um hin­ar­bei­ten, wie etwa auf SPIEGEL Online doku­men­tiert. U.v.d.L. schwa­dro­nier­te wei­ter­hin näm­lich wie folgt:

Die Job­cen­ter sol­len die­se Hil­fen sicher­stel­len. „Dazu wird künf­tig ein Fami­li­en­lot­se im Job­cen­ter die Auf­ga­be über­neh­men, das Amt mit allen Sozial‑, Kul­tur- und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen vor Ort zu ver­net­zen“, sag­te von der Ley­en dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin.

Es ist sicher nicht ver­kehrt, dass sich die Regie­rung zur Abwechs­lung auch mal um die sozia­len Pro­ble­me die­ses Lan­des schert (auch, wenn mir nicht so recht ein­leuch­ten mag, was das Arbeits­mi­ni­ste­ri­um mit dem Bil­dungs­we­sen zu tun hat); indes wer­fe ich dann ande­rer­seits aber auch die Fra­ge in den Raum: War­um bedarf es für halb­wegs akzep­ta­ble Lösungs­an­sät­ze für eini­ge der Pro­ble­me sozi­al eher schwa­cher Fami­li­en einer omi­nö­sen „Card“, auf der Daten unkla­rer Natur gespei­chert wer­den? War­um ist es auch der inzwi­schen zwei­ten Regie­rung nach der Schreckens­herr­schaft der ehe­mals sozi­al­de­mo­kra­ti­schen SPD noch nicht mög­lich, den alten Krem­pel (aber nicht nur, haha, sich selbst) ein­fach per Dekret zu ent­sor­gen und eine brauch­ba­re sozia­le Struk­tur zu errich­ten? (Und war­um heißt das Ding „Card“ und nicht „Kar­te“?)

(Apro­pos Kar­te, kennt ihr den schon? Kommt eine Mut­ter mit ihrer im Ersticken begrif­fe­nen Toch­ter – etwa neun oder zehn Jah­re alt – in die Arzt­pra­xis, guckt die Emp­fangs­da­me die Toch­ter an, die all­mäh­lich beginnt, im Gesicht eine unan­ge­neh­me Far­be anzu­neh­men, und sagt zur Mut­ter sinn­ge­mäß dies: „Ja, nun, haben Sie die Kran­ken­kas­sen­kar­te dabei? Andern­falls müs­sen Sie lei­der unver­rich­te­ter Din­ge wie­der gehen.“ Das ist so tat­säch­lich pas­siert. Ange­sichts sol­cher Erleb­nis­se freue ich mich immer noch, im Super­markt auch ohne „Deutsch­land-Card“, „Payback-Card“ („payback“ heißt auf Deutsch übri­gens „Rache“, sie­he hier­zu etwa auch den ent­spre­chen­den Auf­tritt von Hen­nes Ben­der) und son­sti­gen Unfug nahe­zu unbe­hel­ligt zur Kas­se vor­ge­las­sen zu wer­den; auch, wenn die blö­de Fra­ge­rei unnö­tig Zeit kostet.)

Nun, ich schwei­fe ab. Das ist auch gut so, denn so hat­te ich ein wenig Zeit, tief Luft zu holen. Tat­säch­lich ist mir wäh­rend des Atem­vor­gangs noch eine wei­te­re Fra­ge ein­ge­fal­len: Die­se „Card“ wird mit Geld bestückt, das aus dem Nichts appa­riert oder irgend­wie anders exi­stiert, zumin­dest ist dem Arti­kel nicht mehr über die genau­en Umstän­de zu ent­neh­men. Was aber soll pas­sie­ren, wenn das ima­gi­nä­re Geld auf der „auf­ge­la­de­nen“ Kar­te ver­braucht ist? Wer­den die Kin­der, die sie anzu­wen­den ver­su­chen, dann von den ent­spre­chen­den Auto­ma­ten als Kin­der „bes­ser­ver­die­nen­der“ Eltern erkannt oder, anders­her­um, als „zu arm für Armen­för­de­rung“?

Wie auch immer die Ant­wor­ten auf die Fra­gen lau­ten mögen: Die Drei­stig­keit, mit der die jeweils amtie­ren­de Regie­rung raten­wei­se den Sozi­al­staat ver­hö­kert, ist alt­be­kannt, aber dass das Volk das nicht nur ein­fach hin­nimmt, son­dern sich oben­drein mit blo­ßem Pla­stik als Ersatz für eine tat­säch­li­che Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät abspei­sen lässt, ver­schlägt mir dann doch die Spra­che. So ungern ich mich auch vul­gär aus­drücke: Ich glau­be, die­ses Land kann gar nicht so tief in der Schei­ße stecken, dass sei­ne Bür­ger nicht lächelnd den Kopf­stand mach­ten.

What in the world has hap­pen­ed to the world?
– King Crims­on: Cage


Und da ich gera­de so schön in Rage war, habe ich mich dar­an erin­nert, dass ich einst als Neu­stu­dent an der Hoch­schu­le eines Frau­en- und Gleich­stel­lungs­bü­ros gewahr wur­de, des­sen Per­so­nal aus fünf Frau­en und null Män­nern bestand und noch immer besteht, und mir ist ein­ge­fal­len, dass ich es bis­lang ver­säumt habe, die Exi­stenz­grund­la­ge die­ses Büros dort anzu­zwei­feln, wo es über­haupt Notiz davon neh­men kann. Dies hol­te ich nun mit fol­gen­der, hier aus Daten­schutz­grün­den teil­wei­se zen­sier­ter E‑Mail nach:

Schö­nen guten Abend, Frau Unle­ser­lich,

als Stu­dent männ­li­chen Geschlechts – somit als Ange­hö­ri­ger der schänd­li­chen Män­ner­welt – nahm ich soeben eher zufäl­lig zur Kennt­nis, dass mei­ne Rech­te als Mann an der Hoch­schu­le O. offen­bar aus­schließ­lich von fünf Frau­en ver­tre­ten wer­den.

Wie passt das zu Ihrem Anspruch als „Gleich­stel­lungs­bü­ro“, bei­den Geschlech­tern eine adäqua­te Behand­lung zukom­men zu las­sen? Ich sehe Sie in der Pflicht, zumin­dest annä­hernd 50% Ihrer Arbeit auch der Gleich­be­hand­lung von Män­nern zukom­men zu las­sen, was sich auch in Ihrem Per­so­nal äußern soll­te; „Gleich­stel­lung“ bedeu­tet nicht „syste­ma­ti­sche Bevor­zu­gung des total unter­drück­ten Geschlechts und so“.

Ich hof­fe, dass sich in abseh­ba­rer Zeit die­ses Bild wan­delt. Ich füh­le mich als Mann so kei­nes­falls ver­tre­ten!

Soll­te sich die Emp­fän­ge­rin von dem zu erwar­ten­den Lach­an­fall erholt haben und sich zu einer Ant­wort-E-Mail her­ab­las­sen, wer­de ich dies hier selbst­ver­ständ­lich fröh­lich in die Gegend trom­pe­ten.