NetzfundstückeNerdkrams
Dell: Anti­matt.

(Ich woll­te vor­erst kei­nen Text mehr über so Com­pu­ter­sa­chen schrei­ben. Kei­ne Sor­ge; dies ist eigent­lich kei­ner.)

Wer sich die­ser Tage einen neu­en Lap­top zule­gen möch­te, hat nur wenig Aus­wahl, wenn es dar­um geht, einen ent­spie­gel­ten Bild­schirm zu erhal­ten. Inner­halb der letz­ten Jah­re hat sich her­um­ge­spro­chen, dass die Gla­re-Type-Bild­schir­me, also die, auf denen man bei Hin­ter­grund­be­leuch­tung sei­ne eige­ne Visa­ge mit­un­ter bes­ser sieht als den Bild­schirm­in­halt, deut­lich preis­wer­ter zu pro­du­zie­ren sind als die mit ent­spie­gel­ter („mat­ter“) Anzei­ge. Wenn­gleich die deut­schen Richt­li­ni­en zumin­dest fest­le­gen, dass nicht ent­spie­gel­te Bild­schir­me wegen der Schäd­lich­keit für die eige­ne Seh­kraft nicht am Arbeits­platz gestat­tet sind, so schei­nen vie­le Lap­top­her­stel­ler doch ihr Ange­bot eher am Heim­an­wen­der aus­zu­rich­ten. Selbst ehe­mals geschäfts­freund­li­che Her­stel­ler wie Dell ver­leg­ten ihr Haupt­au­gen­merk mitt­ler­wei­le auf spie­len­de Heim­an­wen­der; so kann zum Bei­spiel die anson­sten hoch­klas­si­ge neue XPS-Serie, nach der sich die euro­päi­sche Gemein­schaft der Lap­top­nut­zer der­zeit sämt­li­che Fin­ger lecken dürf­te, nur mit einem „True-Life-Dis­play“, also einem nicht nur spie­geln­den, son­dern wirk­lich sehr spie­geln­den Bild­schirm auf­war­ten.

Ich möch­te auch gar nicht wei­ter ins Detail gehen, son­dern euch, lie­be unge­dul­di­ge Leser­schar, direkt zur Poin­te füh­ren:
Heu­te Mit­tag blät­ter­te ich wie­der ein­mal in den aktu­el­len Dell-Ange­bo­ten und wur­de von Belu­sti­gung befal­len, als ich die Über­sichts­sei­te über Pre­cis­i­on-Model­le sah:

Bit­te was? Regie, kann ich das noch mal haben?

„Anti-Ent­blen­dung“? Freund­li­cher­wei­se wird die­ser Ter­mi­nus nicht ein­mal im Klein­ge­druck­ten erläu­tert.
Unter „Ent­blen­dung“ ver­ste­he jeden­falls ich die Ent­spie­ge­lung eines Bild­schirms, einen mat­ten eben­sol­chen eben.

Was also ist „Anti-Ent­blen­dung“? Eine spe­zi­el­le Schicht, die das Ent­spie­geln ver­hin­dert?
(Das ist bei­na­he so blöd wie die geplan­te inte­grier­te SIM-Kar­te von Apple.)

Mei­ne Güte!

Nerdkrams
War­um Win­dows 7 Murks ist

(Es folgt ein wei­te­rer Text über „Com­pu­ter und so“, ange­regt durch ein heu­ti­ges Erleb­nis. Man möge mir bei Unwil­len die Ein­sei­tig­keit der The­men­wahl nach­se­hen und sich auf fol­gen­de Bei­trä­ge freu­en.)

Man soll­te mei­nen, das The­ma Win­dows 7 sei längst aus­rei­chend bespro­chen wor­den; nach­dem ich aller­dings gestern früh­mor­gens einen Dia­log mit einem Linux­nut­zer führ­te, der dar­auf bestand, Win­dows 7 sei das aller­be­steste Win­dows (min­de­stens) aller Zei­ten, sehe ich mich gezwun­gen, zur spä­te­ren Refe­renz hier eini­ge Gegen­ar­gu­men­te zu sam­meln.

Win­dows 7 ist gegen­über den Vor­gän­ger­ver­sio­nen, inklu­si­ve Win­dows Vista, tech­nisch gese­hen ein kla­rer Rück­schritt.

Die Auf­ga­be eines Betriebs­sy­stems ist es nicht, dem Benut­zer eine voll­stän­di­ge Arbeits­um­ge­bung bereit­zu­stel­len; das Betriebs­sy­stem GNU/Linux tut dies eben­falls nicht (und genau dar­um gibt es Dis­tri­bu­tio­nen wie Debi­an, Fedo­ra und ande­re). Was es hin­ge­gen tun soll, ist es, die Arbeit mit den selbst gewähl­ten Anwen­dun­gen und den eige­nen Datei­en best­mög­lich zu erleich­tern.

Der „Win­dows Explo­rer“, der Datei­ma­na­ger, den Micro­soft seit Win­dows 95 kon­ti­nu­ier­lich in die fal­sche Rich­tung ent­wickelt, läuft dem zwei­ten Ziel zuwi­der. Hat­te der Datei­ma­na­ger von Win­dows 3.x (winfile.exe) noch eini­ge wirk­lich nütz­li­che Funk­tio­nen wie etwa den Dual­pa­nel-Modus, den man als Anwen­der heut­zu­ta­ge umständ­lich nach­rü­sten muss, indem man alter­na­ti­ve Datei­ma­na­ger wie den sicher nicht unbe­grün­det belieb­ten Total Com­man­der instal­liert, so besitzt der Explo­rer in Win­dows 7 nicht ein­mal mehr eine Schalt­flä­che, um in das über­ge­ord­ne­te Ver­zeich­nis zu wech­seln. Die weni­gen ver­blie­be­nen Schalt­flä­chen wur­den dafür grö­ßer und bun­ter gestal­tet. Func­tion fol­lows form. (Hier hilft zum Bei­spiel die quell­of­fe­ne Zusatz­an­wen­dung Clas­sic Shell, die eini­ge in Win­dows 7 ent­fern­te Funk­tio­nen wie­der bereit­stellt.)

Und auch das Arbei­ten mit lau­fen­den Anwen­dun­gen hat Micro­soft in Win­dows 7 deut­lich erschwert. Nach­dem zu Beginn der Win­dows-95-Ent­wick­lung noch mit einer uni­ver­sel­len Ver­knüp­fungs­lei­ste expe­ri­men­tiert wur­de (unter ande­rem auf winhistory.de zu sehen), hielt schon nach kur­zer Zeit die bis ein­schließ­lich Win­dows Vista kon­stan­te Task­lei­ste in das System Ein­zug, mit deren Hil­fe zwi­schen offe­nen und mini­mier­ten Fen­stern gewech­selt wer­den konn­te. Der Inter­net Explo­rer 4 rüste­te spä­ter die „Schnell­start­lei­ste“ nach, also die Mög­lich­keit, belie­bi­ge Ver­zeich­nis­se direkt in die immer sicht­ba­re Task­lei­ste zu legen. Mit Win­dows 7 wur­de die­ses bewähr­te, sinn­vol­le Kon­zept zugun­sten der „Super­bar“ über Bord gewor­fen.

Die „Super­bar“ ist eine Art uni­ver­sel­le und in der Stan­dard­ein­stel­lung etwas breit gera­te­ne – man beden­ke, dass der Trend zum Breit‑, nicht zum Hoch­bild­schirm geht – Lei­ste am unte­ren Bild­schirm­rand, die lau­fen­de Anwen­dun­gen, geschlos­se­ne Anwen­dun­gen, mini­mier­te Anwen­dun­gen, Ord­ner­fen­ster und Ver­knüp­fun­gen in Form von via Menü­ein­trag „ange­hef­te­ten“ Pro­gram­men, mit lusti­gen Ani­ma­tio­nen ver­se­hen, wild durch­ein­an­der­ge­wür­felt und stan­dard­mä­ßig unbe­schrif­tet anzu­zei­gen ver­mag. Zwar ist es mit ein wenig Auf­wand mög­lich, der Lei­ste weit­ge­hend die alte Gestalt zu geben und auch eine sepa­ra­te „Schnell­start­lei­ste“ ein­zu­rich­ten, die „Anheften“-Funktion jedoch lässt sich ohne kru­de Umwe­ge eben­so­we­nig deak­ti­vie­ren wie die all­ge­gen­wär­ti­gen neu­en Vor­schau- und son­sti­gen Popups. Selbst die aus­ge­blen­de­ten Sym­bo­le im Benach­rich­ti­gungs­feld, fälsch­li­cher­wei­se oft „Tray“ genannt, wer­den nicht mehr aus­ge­fah­ren, son­dern in einem lang­wei­li­gen weiß-grau­en Popup­fen­ster ange­zeigt, das oben­drein nicht ein­mal selbst­stän­dig ver­schwin­det, wenn eine ande­re Anwen­dung im Vor­der­grund aktiv ist; eine sehr nütz­li­che Neue­rung!

Nicht ver­ges­sen soll­te man auch, dass das gleich­falls seit Win­dows 95 exi­sten­te und seit Win­dows XP immer­hin noch optio­nal ver­füg­ba­re „klas­si­sche Start­me­nü“, das ein­spal­ti­ge also, in Win­dows 7 abge­schafft wur­de, so dass man nicht umhin kommt, das gro­ße, zwei­spal­ti­ge Start­me­nü zu nut­zen und sich durch das „Alle-Programme“-Menü zu klicken, wenn man aber ledig­lich eine sel­ten benutz­te Anwen­dung auf­ru­fen möch­te, deren Ver­knüp­fungs­na­men man gera­de nicht mehr parat hat, so dass die inte­grier­te Such­funk­ti­on nicht hilft. (Clas­sic Shell besei­tigt übri­gens auch die­sen Miss­stand.)

Zwar wur­de so der Ansatz, Alt­la­sten über Bord zu wer­fen, kon­se­quent ver­folgt, aber nicht alle Alt­la­sten waren wirk­lich als „Lasten“ anzu­se­hen. Wer ein­mal, noch nicht in die Tie­fen des Win­dows-7-Start­me­nüs vor­ge­drun­gen, sehen möch­te, was Micro­soft unter „Alt­la­sten“ ver­steht, dem emp­feh­le ich, einen Blick auf das erst­mals seit min­de­stens Win­dows 3.0 umge­stal­te­te Pro­gramm „Paint“, ehe­mals „Paint­brush“, zu wer­fen, das, eben­so wie Word­Pad, mit den aus Micro­soft Office 2007 und 2010 bekann­ten Mul­ti­funk­ti­ons­lei­sten aus­ge­stat­tet wur­de:

Ich neh­me an, die für die Gestal­tung ver­ant­wort­li­chen Micro­soft-Mit­ar­bei­ter hat­ten einen guten Grund dafür, die weni­gen für die­ses Pro­gramm benö­tig­ten Schalt­flä­chen auf eine absur­de Grö­ße auf­zu­bla­sen, in irgend­wel­chen obsku­ren Panee­len zu ver­stecken und an den obe­ren Fen­ster­rand zu kle­ben (wir erin­nern uns: Breit­bild­schir­me!). Aller­dings kann es durch­aus sein, dass ich in die­sem Punkt irre.

Wei­ters wird ins Feld geführt, Win­dows 7 sei das bis­her schnell­ste und sta­bil­ste Win­dows-Betriebs­sy­stem. Nun, das mit der Schnel­lig­keit lässt sich flugs wider­le­gen, man instal­lie­re nur ein­mal Win­dows XP auf dem­sel­ben Com­pu­ter und mes­se die Zeit, die es für die­sel­ben Auf­ga­ben benö­tigt. Auch, dass Win­dows 7 schnel­ler als der unmit­tel­ba­re Vor­gän­ger Win­dows Vista sei, ist zumin­dest eine Pau­scha­li­sie­rung. Sehr unter­schei­den sich Win­dows 7 und Win­dows Vista näm­lich nicht, der Betriebs­sy­stem­kern ist nahe­zu iden­tisch. Was Win­dows Vista vor­ran­gig „lang­sa­mer“ mach­te, waren unacht­sa­me Stan­dard­ein­stel­lun­gen für System­dien­ste wie etwa den Indi­zie­rungs­dienst, die in Win­dows 7 noch immer ihren Dienst ver­rich­ten, ledig­lich mit geän­der­ten Start­pa­ra­me­tern. (Ein Win­dows-Vista-Nut­zer, der dies hier liest, sei nun­mehr dazu ange­regt, sich ein­mal in der Com­pu­ter­ver­wal­tung unter „Dien­ste“ umzu­se­hen.)

Auch die Sta­bi­li­tät scheint Glücks­sa­che zu sein, denn Win­dows 7 hat sich auf mei­nem Lap­top schon häu­fi­ger ver­ab­schie­det als jedes Win­dows vor ihm auf jedem mei­ner ande­ren Rech­ner; und ich nutz­te zeit­wei­se selbst Win­dows Me, mit dem ich aller­dings eben­falls nie Pro­ble­me jed­wel­cher Art hat­te. Letzt­lich steht und fällt die System­sta­bi­li­tät mit Trei­bern, und wer unter Win­dows Vista jedes Gerät ein­wand­frei nut­zen könn­te, für den bringt die etwas grö­ße­re Trei­ber­aus­wahl unter Win­dows 7 kei­nen Mehr­wert.

Ins­ge­samt ist Win­dows 7 mei­nes Erach­tens ein Griff ins Klo. Essen­zi­el­le System­funk­tio­nen, etwa eine Über­sicht über lau­fen­de Pro­gram­me, sind nur noch nach umständ­li­cher hän­di­scher Anpas­sung des Systems oder der Nach­in­stal­la­ti­on von Dritt­an­bie­rer­soft­ware zugäng­lich. Dass Micro­soft bereits an Win­dows „8“ arbei­tet, aber noch kei­ne Infor­ma­tio­nen über die Bedien­ober­flä­che ver­füg­bar sind, gibt mir kon­se­quent man­chen Grund zur Sor­ge.

(Dürf­te ich jemals einen ein­zi­gen Wunsch an die Win­dows-Ent­wick­ler­ab­tei­lung äußern, so lau­te­te er jeden­falls wie folgt: „Bit­te, lie­be Win­dows-Ent­wick­ler­ab­tei­lung, gib uns nach 17 Jah­ren end­lich wie­der einen Datei­ma­na­ger, der die­sen Namen ver­dient! Tabs wür­den genü­gen, es müs­sen nicht ein­mal meh­re­re Panee­le sein.“ – Aber das wird wohl ein Traum blei­ben.)

NetzfundstückeFotografie
GeTrän­ke

In klein und schlecht foto­gra­fiert:

In groß auf berentzen.de, aus­ge­wähl­te Moti­ve (1):

In groß auf berentzen.de, aus­ge­wähl­te Moti­ve (2):

Schlimm, das.

(„Wald­Frucht“ mag ja aus typo­gra­fi­schen Grün­den zwar falsch, aber ein­leuch­tend sein: „Frucht aus dem Wald“. Aber was genau ist eine „Johan­nis­Bee­re“?)

ProjekteIn den Nachrichten
Es lebe das Maul­tier!

(Aus aktu­el­lem Anlass folgt ein etwas län­ge­rer, auf­grund mei­ner Arbeit an eMu­le beba durch­aus auch par­tei­ischer Text über Bit­Tor­rent, Gnu­tel­la und eMu­le. Wer „mit der Schei­ße“ „eh“ „auf­ge­hört“ hat, der ist herz­lich dazu ein­ge­la­den, ihn nicht wei­ter­ge­hend zur Kennt­nis zu neh­men.)

Wäh­rend der ver­gan­ge­nen Stun­den wur­de die Mel­dung ver­brei­tet, mit Lime­Wire sei eine der dienst­äl­te­sten P2P-Platt­for­men nun auch der RIAA zum Opfer gefal­len.

„Lime-was?“

Lime­Wire – die jün­ge­ren Inter­net­nut­zer aus der Gene­ra­ti­on nach Nap­ster und Audio­ga­la­xy ken­nen das ver­mut­lich gar nicht mehr – war, ähn­lich wie zur glei­chen Zeit auch KaZaA, eine für das Tau­schen von Musik­da­tei­en opti­mier­te Tausch­bör­se, die im Gnu­tel­la-Netz­werk hei­misch war, wo unter ande­rem auch die noch immer akti­ven Pro­gram­me Sharea­za und Frost­Wire (ein wer­be­frei­er, code­of­fe­ner Nach­bau von Lime­Wire) zu fin­den sind.

Lime­Wire sieht unge­fähr so aus:

Das Ende von Lime­Wire bedeu­tet kei­nes­falls den Tod des Gnu­tel­la-Netz­werks, zumal unter ande­rem mit Frost­Wire und Sharea­za eini­ge vor­züg­li­che Alter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung ste­hen. Ist dies nun also tat­säch­lich ein wei­te­rer Schritt zum Ende jeg­li­chen File­sha­rings? Ich mei­ne: Nein.

Abge­se­hen von Nap­ster, Audio­ga­la­xy und Fast­Track (KaZaA, KaZaA Lite, spä­ter K‑Lite) ist inner­halb des letz­ten Jahr­zehnts kein nen­nens­wer­tes Tausch­netz­werk qua­si aus­ge­stor­ben; und die­se drei stell­ten sozu­sa­gen die Pio­nie­re dar. Bis heu­te aktiv ist neben den recht alten Net­zen Gnu­tel­la (als „Gnu­tel­la 2“ in unter ande­rem Sharea­za noch­mals ver­bes­sert) und Soul­seek (ver­brei­tet gera­de für unbe­kann­te­re Musik­stücke) auch und gera­de die Kom­bi­na­ti­on aus eD2K (ehe­mals eDonkey2000) und Over­net (als Kadem­lia) in dem noch immer aktiv wei­ter­ent­wickel­ten Tausch­pro­gramm eMu­le, letz­te­res auch als Teil von Bit­Tor­rent („DHT“).

Nun, Bit­Tor­rent ist ein eigent­lich ziem­lich wur­stig kon­zi­pier­tes Pro­to­koll und sicher nicht als „Ersatz“ für eMu­le, Gnu­tel­la et al. geeig­net.

File­sha­ring ist kein File­tra­ding!

Bit­Tor­rent ist kein File­sha­ring-Pro­to­koll. Das Kon­zept des File­sha­rings, das die ande­ren genann­ten Netz­wer­ke über­haupt bis heu­te am Leben hält, besagt, dass auf dem Ver­tei­len von Datei­en („sha­ring files“, wie der Fran­zo­se sagt) das Haupt­au­gen­merk des Benut­zers liegt. Letzt­lich ist ein even­tu­el­les Her­un­ter­la­den, womög­lich gar im Ver­hält­nis 1:1 oder höher, nur eine net­te Neben­er­schei­nung, wich­tig ist es, dass man sich als Teil eines gro­ßen Net­zes begreift, des­sen pri­mä­res Ziel es ist, mög­lichst vie­le Datei­en mög­lichst lan­ge am Leben zu erhal­ten. Mit eMu­le funk­tio­niert das bis heu­te wun­der­bar, die durch­schnitt­li­che Datei­le­bens­dau­er über­trifft die in ande­ren Tausch­bör­sen bei wei­tem.

Ganz anders dage­gen Bit­Tor­rent. Bit­Tor­rent-Tracker wer­ben mit der hohen Geschwin­dig­keit, die man auf ihnen errei­chen kann. Und hier sind ein Denk­feh­ler und ein gro­ßer Nach­teil von Bit­Tor­rent ver­steckt, denn auch Bit­Tor­rent kann nur so schnell her­un­ter­la­den wie die Netz­teil­neh­mer hin­auf­la­den. Wenn ich eine Datei her­un­ter­la­den möch­te, die nur von drei Leu­ten mit ein­fa­cher DSL-Geschwin­dig­keit ange­bo­ten wird, dann kann ich sie weder via eMu­le noch via Bit­Tor­rent-Cli­ent mit „vol­ler Geschwin­dig­keit“ her­un­ter­la­den. Schlim­mer noch: Der ver­meint­li­che Geschwin­dig­keits­vor­teil gegen­über ande­ren Tausch­bör­sen, der in der Pra­xis in der Regel kei­ner ist, wird erkauft mit gerin­ge­rer Datei­le­bens­dau­er und weni­ger Netz­teil­neh­mern.

Geschwin­dig­keit ist nicht alles.

Ver­brei­tet sind der­zeit so genann­te „Anti-Leech-Tracker“ (kurz „ALT“), die ein gewis­ses Upload-Down­load-Ver­hält­nis auf Sei­ten ihrer Nut­zer zu for­cie­ren ver­su­chen und mit ver­meint­li­cher Sicher­heit wer­ben, weil man für die Teil­nah­me an ihnen „ange­mel­det“ sein muss; dazu wei­ter unten mehr. Die­se auf­grund der benö­tig­ten (meist nicht offe­nen) Anmel­dung eher nut­zer­ar­men „Tracker“, zen­tra­le Anlauf­stel­len zum Auf­fin­den von Datei­en (dazu eben­falls wei­ter unten mehr), haben natür­lich auch weni­ger Datei­en im Ange­bot. Weni­ger Benut­zer, die gleich­zei­tig weni­ger Datei­en her­un­ter­la­den möch­ten, ver­ur­sa­chen natür­lich auch weni­ger Lei­tungs­aus­la­stung bei den Gegen­übern, das bedeu­tet, sie kön­nen die­se weni­gen Datei­en auch schnel­ler her­un­ter­la­den. Ob das wirk­lich unein­ge­schränkt als Vor­teil gewer­tet wer­den kann?

Mehr noch: Auf der Jagd nach immer den neue­sten Datei­en haben „alte“ Datei­en im Bit­Tor­rent-System oft das Nach­se­hen. Über­trie­ben dar­ge­stellt: Ein Kino­film, der bereits nicht mehr in den „Top 10“ ist, wird aus dem Netz ent­fernt, „will eh kei­ner mehr haben“, und die frei gewor­de­ne Band­brei­te steht den neue­sten Ver­öf­fent­li­chun­gen zur Ver­fü­gung. Der inter­es­sier­te Nut­zer steht dann vor 0 Quel­len („See­dern“) und darf auf dem jewei­li­gen Tracker bet­teln („reque­sten“) gehen, damit die Datei – für eine kur­ze Zeit – wie­der zur Ver­fü­gung steht.

Das mit der Geschwin­dig­keit ist ohne­hin so eine Sache. Oft gewor­ben wird auch mit „Seed­bo­xen“ oder „Web­seeds“, also par­al­le­lem Her­un­ter­la­den von schnell ange­bun­de­nen Web- und spe­zi­el­len Bit­Tor­rent-Ser­vern, die in irgend­ei­nem Rechen­zen­trum ste­hen. Nun ist die­se Tech­nik nicht neu und schon gar kein her­aus­ra­gen­des Kri­te­ri­um von Bit­Tor­rent, denn zum Bei­spiel eMu­le beherrscht das Her­un­ter­la­den von Web­ser­vern und ein­zu­ge­ben­den IP-Adres­sen, etwa einem in einem Rechen­zen­trum her­um­ste­hen­den Ser­ver mit aMu­le, schon lan­ge; die­se Quel­len kön­nen in belie­bi­ger Zahl Teil des ed2k-Links sein oder wäh­rend der Lauf­zeit manu­ell hin­zu­ge­fügt wer­den.

Sicher ist sicher.

Ich erwähn­te im vori­gen Abschnitt kurz die ver­meint­li­che Sicher­heit von „ALT“. Man sei ja unter sich, heißt es aus Bit­Tor­rent-Nut­zer­krei­sen. „Unter sich“?
Bei der Anmel­dung auf einem sol­chen „ALT“ wird sel­ten die Iden­ti­tät des sich Anmel­den­den über­prüft. Dass bis­lang offen­bar kein Rechts­an­walt von unan­ge­neh­men Kon­zer­nen wie etwa Sony von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch gemacht hat, bedeu­tet nicht, dass dies auch zukünf­tig nicht pas­sie­ren wird. Natür­lich: Bit­Tor­rent war nie dafür gemacht, Schwarz­ko­pien zu ver­tei­len; eMu­le aller­dings eben­so wenig.

Zumal Bit­Tor­rent zwar ver­teilt, aber doch zen­tra­li­siert arbei­tet, denn die Tracker, die die initia­len Quel­len­li­sten oder auch nur die Magnet-Links bereit­hal­ten, sind abschalt­bar. Schal­tet man einen sol­chen Tracker also ab und hat nicht das Glück, dass auf ihm rück­ver­folg­ba­re Spu­ren von Nut­zern zu fin­den sind (so ein „ALT“ spei­chert auch die Upload­ra­te eines Teil­neh­mers, wie prak­tisch für poten­zi­el­le Abmah­ner!), so hat man doch zumin­dest vie­le Datei­en vor­erst ent­fernt, und vie­le Nut­zer gucken erst ein­mal in die Röh­re und müs­sen sich nach einer ande­ren Quel­le umse­hen. Ähn­lich ver­hielt es sich frü­her mit eMu­le und den eDon­key­2000-Ser­vern; seit eMu­le jedoch mit Kadem­lia ein voll­stän­dig dezen­tra­les Netz unter­stützt, das ohne jeg­li­che Unter­stüt­zung eines zen­tra­len Ser­vers mit ande­ren Benut­zern kom­mu­ni­zie­ren kann, ist die­ses Pro­blem hier eben­falls nicht von Bedeu­tung.

Wer jeden­falls die „Sicher­heit“ eines Systems, das im Wesent­li­chen dar­auf basiert, dass man sich gegen­sei­tig über die welt­weit ein­deu­ti­ge Anschluss­ken­nung, eben die IP-Adres­se, iden­ti­fi­ziert, in Rela­ti­on zu einem ande­ren System setzt, das eben­falls so arbei­tet, der ist zumin­dest als naiv anzu­se­hen. Übri­gens funk­tio­niert das Her­un­ter­la­den von Web­ser­vern auch nicht anders: Sofern sie nicht, wie ich, ihre Besu­cher anony­mi­sie­ren, haben die Betrei­ber von Down­load­por­ta­len wie etwa RapidS­hare jeder­zeit Zugriff auf die ein­deu­ti­ge Ken­nung, die benutzt wur­de, um eine Datei mit nach­voll­zieh­ba­rem Namen zu einem nach­voll­zieh­ba­ren Zeit­punkt her­un­ter­zu­la­den, was mei­nes Wis­sens bis­her indes noch nicht vor­kam (aus­ge­nom­men hier­von die Fäl­le, in denen Per­so­nen, die Datei­en dort ver­öf­fent­licht haben, recht­lich belangt wur­den, was immer­hin zeigt, dass dies nicht aus­ge­schlos­sen ist). (Schwach­sinn ist es vor die­sem Hin­ter­grund auch, sich unter Anga­be sei­ner Real­da­ten, unter ande­rem der Bank­ver­bin­dung, einen so genann­ten „Pre­mi­um­ac­count“ bei einem die­ser Anbie­ter zu besor­gen, um sich so ein­fa­cher die hei­ße Ware beschaf­fen zu kön­nen. Sol­che Leu­te wür­den wohl auch bewaff­net in eine Bank spa­zie­ren und unter Vor­la­ge ihres Per­so­nal­aus­wei­ses die Her­aus­ga­be der Kas­se ver­lan­gen; aber ich schwei­fe ab.)

Möch­te man an der schö­nen Tausch­welt teil­ha­ben, ohne sei­ne Iden­ti­tät preis­zu­ge­ben, bleibt letzt­lich nur die Iden­ti­täts­ver­schleie­rung mit­tels VPN (Vir­tu­al Pri­va­te Net­work, mehr dazu in der Wiki­pe­dia). Der­art anony­mi­siert steht einem die Welt für jeg­li­che Schand­ta­ten offen. War­um nicht auch für eMu­le? (Eine umfas­sen­de bebil­der­te Anlei­tung, wie man eMu­le auf abseh­ba­re Zeit selbst mit nur wenig Ahnung von der Mate­rie abmahn­si­cher betrei­ben kann, habe ich vor nicht lan­ger Zeit im gulli:board ver­fasst.)

Wer suchet, der fin­det.

Was übri­gens haben Gnu­tel­la-Cli­ents und eMu­le, was Bit­Tor­rent bis heu­te fehlt und wohl auch wei­ter­hin feh­len wird?
Oben im Bild ist es zu sehen: Sie bie­ten die Mög­lich­keit an, nach Datei­en direkt aus der Pro­gramm­ober­flä­che her­aus zu suchen.

Die unzu­läng­lich dezen­tra­li­sier­te Struk­tur von Bit­Tor­rent bringt es mit sich, dass es kei­ne zen­tra­le Anlauf­stel­le gibt, die nach Datei­en und Quel­len befragt wer­den kann. Sind es bei Gnu­tel­la und eD2K die Ser­ver, so ist es bei Kadem­lia die ver­teil­te Such­an­fra­ge via Wei­ter­lei­tung über die ein­zel­nen Netz­teil­neh­mer. Bit­Tor­rent erlaubt dies mit­tels DHT eben­falls, bleibt aller­dings auf den jewei­li­gen Tracker beschränkt. Will man via Bit­Tor­rent eine Datei her­un­ter­la­den, so ist zunächst eine Suche in den ein­schlä­gi­gen Foren und auf ver­schie­de­nen Trackern nötig; und wird man fün­dig, so ist es durch­aus nicht unwahr­schein­lich, dass man auf den Hin­weis „0 See­der“ stößt. Dies ist, wie ich mei­ne, das größ­te Man­ko von Bit­Tor­rent; denn Datei­en, die ich nicht fin­de, kann ich nicht her­un­ter­la­den, völ­lig unab­hän­gig davon, mit wel­cher Geschwin­dig­keit ich sie her­un­ter­la­den könn­te, fän­de ich sie denn. Die Wich­tig­keit des Kon­zepts File­sha­ring wird hier wie­der deut­lich.

Ein wenig pole­mi­sie­rend schrieb ich als Kom­men­tar zu der ein­gangs erwähn­ten Nach­richt, eMu­le habe nun­mehr ein wei­te­res Tausch­bör­sen­pro­gramm über­lebt. Ich bin mir sicher, es wird nicht das letz­te blei­ben.

Und das mit gutem Grund.

(Oder hat schon ein­mal jemand von euch, lie­be Leser, ein Plüsch­bit­tor­rent gese­hen?)

SonstigesNetzfundstücke
Hal­lo­ween mit den Zeit­he­xen

Und dann waren da noch die Harz­he­xen. Die Harz­he­xen, so trom­pe­te­te mir heu­te ein Pla­kat ent­ge­gen, zele­brier­ten in Bäl­de ein Fest anlässt­lich des bevor­ste­hen­den Bet­tel­fe­stes:

Auch auf dem Pla­kat zu sehen waren eini­ge in eigen­ar­ti­ge Klei­dung gewand­te Frau­en sicht­lich gereif­ten Alters, von denen ich man­gels Beschrif­tung nur anneh­men kann, es hand­le sich um die Harz­he­xen.

Die Abbil­dun­gen befand ich indes für weni­ger schau­rig als die gru­se­li­ge Zeit­an­ga­be, die mich zwei­mal hin­se­hen lie­ßen, damit ich sicher gehen konn­te, dass es tat­säch­lich kein Kar­ne­vals­pla­kat war:

Seit ich dies („19:91 Uhr (20:31 Uhr)“) gele­sen habe, ver­su­che ich her­aus­zu­fin­den, wie sich die­se Anga­be logisch erklä­ren lässt.

Ist 20:31 Uhr näm­lich tat­säch­lich gleich­be­deu­tend mit 19:91 Uhr („19 Uhr und 91 Minu­ten“, was ja so immer­hin stimmt), rech­net man also nicht in 60er‑, son­dern in 91er- oder zumin­dest in 100er-Ein­hei­ten, so ist 20:31 Uhr zwar „das Glei­che“ wie 19:91 Uhr, aber kei­nes­falls gleich­be­deu­tend mit 20:31 Uhr MEZ.

Gehen wir ein­mal der Ein­fach­heit davon aus, dass in 100er-Schrit­ten gerech­net wird, so ent­spricht die Zeit­an­ga­be „20:31 Uhr“ dem Tages­be­ginn + (20 * 100) + 31 Minu­ten, also 2031 Minu­ten; nach Adam Rie­se und selbst­ver­ständ­lich auch Eva Zwerg ergibt das, zurück­ge­rech­net auf nicht­be­hex­te Zeit­ein­hei­ten, 33 Stun­den und 51 Minu­ten. „Heu­te um 19:91 Uhr“ wäre also mor­gen früh um kurz vor 10. Und das ist nur das Hun­derter­sy­stem; viel­leicht rech­nen Hexen ja in noch krum­me­ren Zeit­ein­hei­ten?

Wer kann hel­fen?

KaufbefehleMusikkritik
Dear John Let­ter – Part & Frag­ment

Lan­ge genug hat’s gedau­ert, jetzt hal­te ich es ehr­fürch­tig in mei­nen flugs des­in­fi­zier­ten Hän­den, lau­sche der in Ton gegos­se­nen Kunst, getra­gen von Rhyth­mus, wabern­den Melo­dien und der immer ein wenig bekifft wir­ken­den Stim­me von Mar­tin Fischer und bekom­me wg. Trance nur wenig mehr als drei Wör­ter am Stück her­aus, was das Schrei­ben nicht ein­fa­cher macht.

Es stand zu befürch­ten, dass der Plat­ten­ver­trag, den das Quin­tett nach der Ver­öf­fent­li­chung des Debüts Bet­ween Lea­ves | Fore­stal unter­zeich­net hat, nega­ti­ve Kon­se­quen­zen für die fol­gen­den Ver­öf­fent­li­chun­gen haben wür­de, zumal via You­Tube eine aus­drück­lich als „radio edit“, also „Radio­ver­si­on“, beti­tel­te Ver­si­on des eröff­nen­den „You Remain Unshake­ab­ly Calm“ ver­brei­tet wur­de, wenn­gleich mir die Band nach Bekannt­wer­den des Ver­trags­ab­schlus­ses höchst­selbst ver­si­cher­te, dass sie sich wei­ter­hin auf ihre urei­ge­nen Qua­li­tä­ten kon­zen­trie­ren wür­de; aber man weiß es ja nie so genau. (Für die über­mä­ßi­ge und ver­mut­lich nicht immer all­zu prä­zi­se Ver­wen­dung des Wor­tes „wür­de“ bit­te ich den zeit­glei­chen Kon­sum psy­che­de­li­schen Lausch­gifts ver­ant­wort­lich zu machen.)

Zu mei­ner per­sön­li­chen Erbau­ung soll­te sie Recht behal­ten:
Das Album „Part & Frag­ment“ mei­ner trotz Nihi­ling noch immer nicht vom Thron gesto­ße­nen Lieb­lings-Postrocker Dear John Let­ter ist, band­ty­pisch und zur Musik pas­send für den Herbst des Jah­res ange­kün­digt, seit ver­gan­ge­nem Frei­tag zu bekom­men und lag bis heu­te aus Zeit­man­gel noch in mei­nem Post­fach her­um.

Und es ist klas­se.

Fili­gran wie gewohnt beginnt es mit dem art­work, das eine eigen­stän­di­ge Wür­di­gung ver­dient. Auf bedruck­ter Pap­pe oder jeden­falls etwas, was sich anfühlt wie bedruck­te Pap­pe, ist außen- und innen­sei­tig die Fas­sa­de einer baye­ri­schen Alt­stadt gemalt, und wer jemals in Augs­burg war, der weiß, dass es jeden­falls nicht Augs­burg ist. Dass die Sze­ne­rie indes in Bay­ern anzu­sie­deln ist, fol­ge­re ich dar­aus, dass eines der Schau­fen­ster mit „Bre­zen“ beschrif­tet ist. Wie über­haupt recht viel zu ent­decken ist, etwa zwei Per­so­nen, die einen Flü­gel an einem Seil­zug eine Häu­ser­fas­sa­de ent­lang bewe­gen, an deren unte­rem Ende eine wei­te­re Per­son steht und inter­es­siert nach oben blickt. Ich beschei­ni­ge die­ser Sze­ne Amu­se­ment-Qua­li­tät. Zu bemän­geln ist allen­falls: Obwohl die jeweils drei­tei­li­ge Sze­ne in Drei­ecks­form gefal­tet wer­den kann, so schlie­ßen rech­tes und lin­kes Ende doch nicht anein­an­der an, ver­mut­lich ist es aller­dings auch nicht so gedacht. In dem papier­nen Strei­fen, der das Album umfasst, ist ein Gedicht zu lesen. Ob es sich um einen Text­aus­schnitt han­delt, bleibt mir ver­schlos­sen. Ihr wisst ja: Die Trance. (Nach­trag vom 6.11.: Es han­delt sich tat­säch­lich um den Anfang von „You remain unshake­ab­ly calm“.)

In der hüb­schen Ver­packung stecken ein Poster mit den übli­chen Infor­ma­tio­nen, unter ande­rem den betei­lig­ten Musi­kern, aber ohne Lied­tex­te, sowie natür­lich der Ton­trä­ger selbst, bedruckt mit einem sti­li­sier­ten Zodi­ak, der anstel­le der Tier­kreis­zei­chen jedoch Drei­ecke, Vier­ecke und Ster­ne auf­weist, und einer Liste der ent­hal­te­nen Stücke.

Aber jetzt habe ich viel zu lan­ge über Äußer­lich­kei­ten refe­riert, ent­schei­dend ist bei einem Musik­al­bum doch meist, was auf ihm zu hören ist; also wen­de ich mich der Musik zu. Wie das, was zu hören ist, unge­fähr klingt, demon­striert oben erwähn­te Radio­ver­si­on schon recht anschau­lich. Und obwohl Dear John Let­ter sich unver­kenn­bar wie Dear John Let­ter anhört, ist „Part & Frag­ment“ doch weit mehr als nur ein zwei­tes „Bet­ween Lea­ves | Fore­stal“. Eine Abwen­dung vom Post­rock wur­de atte­stiert, und auch, wenn sich das Album nicht bloß in die Wor­te „klingt wie Post­rock mit pri­ma Gesang“ klei­den lässt, so ist doch kei­nes­falls eine Abkehr zu hören, son­dern viel­mehr eine Ergän­zung. Zu den gewohn­ten Tönen (Mog­wai, Oce­an­si­ze, Ampli­fier, eine Pri­se Pink Floyd) sto­ßen neue Ein­flüs­se, der dies für mich am beein­druckend­sten demon­strie­ren­de Part ist das abschlie­ßen­de Gitar­ren­so­lo in „Hou­se of Lea­ves“, das mir auch end­lich erklärt, wie­so Peter Led-Zep­pe­lin-Remi­nes­zen­zen aus der Ver­gleichs­schub­la­de kram­te, die ande­rer­seits trotz wun­der­ba­rer Momen­te wie etwa „Achil­les‘ Last Stand“ nie so detail­ver­liebt zu Wer­ke gin­gen.

Das Unge­schlif­fe­ne der Vor­gän­ger­wer­ke („Lai­ka“, „Towers | Trees“) ist aus dem Reper­toire der Grup­pe zwar nicht gestri­chen, aber doch deut­lich zurück­ge­fah­ren wor­den, und obwohl es gera­de die­se Lo-Fi-Atti­tü­de war, die mich vor drei Jah­ren die EP2007 immer wie­der hören ließ, wird sie auf „Part & Frag­ment“ in kei­nem Takt ver­misst.

Nie zuvor war ein Dear-John-Let­ter-Werk so facet­ten­reich, nie klang eines so aus­ge­reift. Die zwei Jah­re, die seit „Bet­ween Lea­ves | Fore­stal“ ver­gan­gen sind, haben die fünf Augs­bur­ger offen­bar nicht damit ver­bracht, untä­tig her­um­zu­sit­zen, und kön­nen nun­mehr zum drit­ten Mal zei­gen, dass sie jen­seits von Eti­ket­ten über Gen­re­gren­zen hin­weg die eige­ne Klang­welt am Leben erhal­ten kön­nen, ohne Kom­pro­mis­se ein­ge­hen zu müs­sen, und allein der Umstand, dass sie in ihrer Krea­ti­vi­tät und auf­grund der Eigen­heit, sich stän­dig selbst neu (und bes­ser) zu erfin­den, unnach­ahm­lich sind, wird auch auf lan­ge Sicht effi­zi­ent ver­hin­dern, dass Maga­zi­ne wie etwa VISIONS ihren CD-Kri­ti­ken das Gen­re „dear­john­let­te­resk“ bei­fü­gen.

Sofern Dear John Let­ter jemals auf die­sen Text sto­ßen, rufe ich ihnen zu: Cha­peau!

PolitikFotografieSpaß mit Spam
Kas­per­le­thea­ter

Und dann lese ich im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Nacht die­sen gran­dio­sen Text, gehe heu­te gut gelaunt durch die Stadt und sehe ein Pla­kat, des­sen Text mich grin­sen lässt ob der Vor­stel­lung, was da eigent­lich für ein viel bes­se­res Bild rein­pas­sen wür­de, und dann fällt mir zu spät ein, dass ich von Foto­ma­ni­pu­la­ti­on nur beschränkt Ahnung habe, so dass ca. dies dabei her­aus­kommt:

Egal; die Geste macht’s.

(Und wäh­rend ich dies Bild­nis ein­fü­ge, ist Anne­ma­rie Warnk­ross in einer Wer­bung für eine Zahn­creme zu sehen, die Zäh­ne noch wei­ßer als weiß machen soll, und beißt dazu, lüstern drein­schau­end, in einen Apfel. Was soll das eigent­lich aus­sa­gen? „Seht her: Mei­ne Zäh­ne sind so weiß, dass ich mit ihnen sogar einen Apfel essen kann!“?)

Auch nicht schlau wer­de ich, neben­bei bemerkt, aus den der­zei­ti­gen Ergüs­sen der Dro­gen­in­du­strie, die mir unter einem Betreff wie „Ihre Knos­pe im Schlaf­ge­mach laen­ger bum-sen“ oder „Die Dame im Schlafr-aum bes­ser pop-pen“, bei­de sind übri­gens Ori­gi­nal­zi­ta­te, in erstaun­lich weni­gen Zei­len unbe­kann­te Pro­duk­te auf­zu­schwat­zen ver­sucht:

Will­kom­men bei uns!

Bei wem genau? Wer ist „wir“? Habe ich mich unbe­merkt von daheim fort­be­wegt?
Nein, ich bin noch hier, und lese ver­wun­dert wei­ter:

Woll­ten sie die top Mit­tel­chen die dem Mann beim S‑ex die sehr wich­ti­ge
Aus­dau­er geben von nun an ohne Zoll­be­schraen­kung und dis­kret be-stel­len?

Ver­meint­lich spam­fil­ter­si­che­re Schreib­wei­se und scheuß­li­che Inter­punk­ti­on ein­mal bei­sei­te:

„Mit­tel­chen“? ^_^

(Immer­hin; in ande­ren Mails aus der glei­chen Wel­le war nur von „inter­es­san­ten Pro­duk­ten“ die Rede. Da sind die „Mit­tel­chen“ doch schon ein Fort­schritt.)

kau­fen Sie Ihre Mit­tel fuer Pro­ble­me beim Mann jeden Monat bei der teu­ren
Apo­the-ke in Ihrer Ort-Schaft?

In mei­ner Ort-Schaft gibt es kein Mit­tel fuer mei­ne Pro­ble­me, befürch­te ich; ich wünsch­te, ich könn­te dies tun!

Pro.bieren sie ein­fach die Test­sie­ger
Apo­the­ke:

(URL, „fro­he“ bzw. „erfolg­rei­che Grue­sse“ und die übli­che pseu­do­eng­li­sche Unsinns­pro­sa folg­ten.)

Mmh, Apo­the­ken­n­aschen! Und dann noch die des Test­sie­gers!
Ich gebe zu, ich bin schon neu­gie­rig, denn ich weiß immer noch nicht, was man mir da ver­kau­fen möch­te, aber es scheint auf einer Inter­net­sei­te ver­kauft zu wer­den, die von Testern preis­ge­krönt wur­de.

Wer weiß, viel­leicht ist es ja ein Plüsch­pin­gu­in? Ich mag Plüsch­pin­gui­ne. :)

Aktion lebendiges Deutsch
Es ist an der Zeit, noch ein Zei­chen zu set­zen.

Mir ist gera­de auf­ge­fal­len, dass ich seit der Geschich­te mit htp kei­nem Unter­neh­men mehr auf die Ner­ven gefal­len bin; es gab ein­fach kei­nen aus­rei­chen­den Anlass hier­für.

Heu­te aller­dings hat sich dies geän­dert, denn eher zufäl­lig stieß ich auf das Scho­ko­la­den­re­gal in einem von mir bis­lang gern auf­ge­such­ten Lebens­mit­tel­fach­ge­schäft, in dem unter ande­rem Waren der Mar­ke Mil­ka feil­ge­bo­ten wur­den. Nun hat die Mar­ke Mil­ka neben ihrem unver­än­dert ein­zig­ar­ti­gen Vio­lett­ton eini­ge typo­gra­fi­sche Kor­rek­tu­ren erhal­ten, und eine von ihnen sieht so aus:

Scho­ko­la­de aus Alpen­milch wird nun pro­mi­nent „Alpen­milch Scho­ko­la­de“ benannt und der­ge­stalt beschrif­tet, so zu sehen etwa hier. Das ist kein all­zu schö­ner Anblick.

Mei­nen Senf hier­zu gab ich soeben ab:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

als ich heu­te ver­gnügt durch mein bevor­zug­tes Lebens­mit­tel­ge­schäft fla­nier­te, fiel mein Blick auch auf die dort aus­ge­stell­ten Mil­ka-Pro­duk­te, die mei­ne Jugend stets beglei­tet haben.

Mir fiel jedoch auf, dass sich seit­dem etwas geän­dert hat; die Ver­packung näm­lich. Wo frü­her kein Grund zur Bean­stan­dung war, fand ich heu­te den Schrift­zug „Alpen­milch Scho­ko­la­de“ vor; eine Schreib­wei­se, die lei­der auch auf Ihrer Web­sei­te Ein­zug gehal­ten hat.

Nun bedau­re ich es, dass ein eta­blier­tes Unter­neh­men wie das Ihre die Unsit­te adap­tiert, Bin­de­stri­che durch Leer­zei­chen zu erset­zen; immer­hin ist der prä­sen­te Pro­dukt­auf­druck auch ein wesent­li­cher Bestand­teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Unter­neh­men und Kund­schaft.

Ich möch­te daher anre­gen, dass Sie bei­zei­ten ein­mal die Muße fin­den, den Bin­de­strich in „Alpen­milch-Scho­ko­la­de“ ein­zu­fü­gen; die deut­sche Spra­che und Ihre Kun­den wer­den es Ihnen dan­ken.

Über even­tu­el­le Rück­mel­dung Ihrer­seits wür­de ich mich freu­en.
Ich dan­ke Ihnen für die Kennt­nis­nah­me und wün­sche noch einen ange­neh­men Abend.

Hoch­ach­tungs­voll,
Name unle­ser­lich.

Soll­ten die sehr geehr­ten Damen und Her­ren von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch machen, wer­de ich dies natür­lich hier bekannt­ge­ben.

(Auch sehr hübsch ist natür­lich die auto­ma­tisch ange­zeig­te Mel­dung „Dan­ke für Ihr Inter­es­se an Mil­ka“, denn, wer weiß?, viel­leicht hat ein Schrei­ber ja gar kein Inter­es­se an Mil­ka, son­dern möch­te, im Gegen­teil, der­be Kri­tik an die­ser Mar­ke äußern oder den Ver­ant­wort­li­chen nur aus sei­nem Leben erzäh­len?)

SonstigesNetzfundstückeFotografie
Einen hab‘ ich noch: Poly­lo­goi (A)

Unter dem Namen „Poly­se­mia“, also etwa „Mehr­fach­be­deu­tun­gen“, ist eine Rei­he an Hirn­schwund för­dern­den Vide­os bekannt gewor­den, in denen die bei­den Prot­ago­ni­sten Tom und Tor­ben, bis­wei­len unter­stützt von der schreck­li­chen Inter­net-Berühmt­heit „cold­mir­ror“, unfass­bar mie­se Wort­spie­le umset­zen. Inzwi­schen fand das Duo zahl­rei­che Nach­ah­mer, etwa den (*tusch*) Poly­se­mia-Abklatsch.

Nun kann kein Wort­spiel so schlecht sein, dass mir nicht noch ein viel schlech­te­res ein­fie­le, und so ist die­ser Bei­trag hier der Auf­takt zu einer neu­en, losen Arti­kel­se­rie des Namens „Poly­lo­goi“ (ggf. selbst nach­schla­gen). Hier­bei grei­fe ich auf eine unge­wöhn­li­che Dar­bie­tungs­form zurück, prä­sen­tie­re die Scher­ze näm­lich nicht, wie es all die ande­ren Imi­ta­to­ren tun, als selbst­ge­ba­stel­te Fil­me via youtube.com, son­dern, wie noch nie gese­hen, als Stand­bild. Ohne Ton, ohne Ani­ma­ti­on und vor allem, sofern mög­lich, ohne einen Hin­weis auf des Rät­sels Lösung.

Ich begin­ne mit Fol­ge A. Viel Spaß!

Na? Na?!

(„War­um ‚Fol­ge A‘?“ wollt ihr wis­sen? Nun, dies gibt euch die Gewiss­heit, dass nach spä­te­stens 25 wei­te­ren Epi­so­den kei­ne wei­te­re folgt, qua­si als net­te Drein­ga­be.)

Netzfundstücke
Ah, ah, ich ster­be, du Idi­ot!

Gestern Abend fand ich zufäl­lig die­se Samm­lung von Aus­schnit­ten aus einer der mei­ne frü­he Jugend prä­gen­den Fern­seh­se­ri­en wie­der und beöm­mel­te mich aufs Herz­lich­ste:

Die Dinos – Ah Ah ich ster­be du idi­ot!

(Aus: Die Dinos, Staf­fel 2, Epi­so­de 22.)

Soll­te sich die Gele­gen­heit erge­ben, wie­der ein­mal einer Wie­der­ho­lung die­ser die ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft bei­ßen­der, als Unfug wie „Ame­ri­can Dad“ dies je könn­te, kri­ti­sie­ren­den und, wie ich mei­ne, viel zu früh abge­setz­ten Serie zu fol­gen, so emp­feh­le ich, hier­von aus­gie­big Gebrauch zu machen.

(Alter­na­tiv kommt mir „RTL Sams­tag Nacht“ in den Sinn, in deren Lauf es ein­mal einen Sketch mit Tan­ja Schu­mann als Aero­bicvor­tur­ne­rin gab, die plötz­lich einen Krampf im Bein bekommt. Sie­so: „Au, tut das weh!“ Alle­so: „Au, tut das weh!“ Sie­so: „Macht die Scheiß­mu­sik aus!“ Alle­so: „Macht die Scheiß­mu­sik aus!“

Tan­ja Schu­mann macht jetzt übri­gens Wer­be­sen­dun­gen auf Ona­ni­sten­sen­dern, womit sie, Iro­nie!, sozi­al tie­fer gesun­ken sein dürf­te als Mar­ga­re­the Schrei­ne­ma­kers, die sie einst als „Schrei­ne­ma­kers ihre Schwe­ster“ auf Gran­dio­se­ste par­odier­te.)

ProjekteFotografieNerdkramsPersönliches
Well­ness-Tipps, Teil II: Kal­tes, kla­res Was­ser.

Ich wünsch­te, ich könn­te etwas Befrie­di­gen­des über die aktu­el­le Ent­wick­lung von Tiny­To­do berich­ten. Es ver­hält sich jedoch gera­de fol­gen­der­ma­ßen:

Als ich gera­de dabei war, einen halb­wegs akzep­ta­blen Code für das Ein- und Aus­klap­pen von Kate­go­rien zusam­men­zu­stricken, fiel mir auf: Mein AIR ist offen­bar defekt.

(Im Bild „gut“ zu sehen: Das Aus­klapp­sym­bol links neben dem Kate­go­rien­na­men.)

Hat einer von euch, um mich mal eines für mich eher unüb­li­chen Kose­wor­tes zu bedie­nen, Schnuf­fis einen Tipp parat, wie ich die­se Unschön­heit mög­lichst schmerz­los repa­rie­ren kann?

Bis dahin habe ich nach Jah­ren end­lich Teil 2 der bis­lang wegen nach­hal­ti­ger Infan­ti­lie mei­nes dama­li­gen Selbst zu Recht unbe­ach­te­ten Rei­he „Well­ness-Tipps“ parat, nicht nur gei­stig, son­dern auch an Erfah­run­gen gereift, und prä­sen­tie­re dies:

Gera­de in einer hek­ti­schen, sich qua­si pau­sen­los ändern­den Welt wie der uns­ri­gen ist es mit­un­ter nicht unwich­tig, auch ein­mal zur Ruhe zu kom­men. Vor vie­len Jah­ren hat mich mein Groß­va­ter auf die Metho­de hin­ge­wie­sen, von der ich in sol­chen Momen­ten auch heu­te noch Gebrauch mache:

An einem belie­bi­gen, gemäch­lich daher­plät­schern­den Fluss, wie er in bei­na­he allen grö­ße­ren und klei­ne­ren Sied­lun­gen zu fin­den ist, bleibt man ste­hen, schließt die Augen, atmet lang­sam ein und aus, öff­net die Augen wie­der und ver­folgt das Spiel des Win­des im Was­ser. Das sanf­te Geräusch des Was­sers legt sich wie ein war­mes Fell um die har­ten, kal­ten Gedan­ken. Man lässt sich trei­ben und ver­gisst Ort und Zeit…

…, bis ein eilen­der Mit­mensch geräusch­voll die Rea­li­tät zurück­bringt.
Für einen Moment hört man den eige­nen Puls, zählt lang­sam bis 10 und geht sei­ner Wege, den unlieb­sa­men Stö­ren­fried stumm ver­flu­chend.

Die Hek­tik die­ser Tage ist, ich erwähn­te es bereits, zum Ver­rückt­wer­den.

MusikSonstiges
Medi­en­kri­tik XXXVIII: Yeah yeah yeah

Als ich mich gera­de durch die neue Aus­ga­be des Musik­ma­ga­zins eclip­sed wühl­te, stieß ich auf eine Sei­te, die befüllt war von Zei­tungs­aus­schnit­ten zur Ermor­dung John Len­nons vor bald 30 Jah­ren. In fol­gen­dem Aus­schnitt scheint irgend­et­was nicht ganz zu stim­men. Wer kann hel­fen?

(Die Rubrik „Medi­en­kri­tik“ möch­te ich ein­mal als ein­ge­klam­mert beto­nen. Ich ent­hal­te mich jeg­li­cher Kri­tik.)


Nach­trag vom 17. Okto­ber, apro­pos „Stuss in Zeit­schrif­ten“:
Eine hier her­um­lie­gen­de Fern­seh­zei­tung stellt „Drei Fra­gen an Nina Kun­zen­dorf“. Ich habe sie (die drei Fra­gen, nicht Nina Kun­zen­dorf) nun nur zum Teil gele­sen, aber wür­de man mich beauf­tra­gen, drei Fra­gen an Nina Kun­zen­dorf zu ent­wer­fen, so ent­schie­de ich mich spon­tan:

  1. Wer sind Sie?
  2. Was machen Sie hier?
  3. Möch­ten Sie jeman­den grü­ßen?

(Und kei­ner wür­de es bemer­ken, weil die lust­los hin­ge­schlu­der­ten drei Aller­welts­fra­gen von lust­lo­sen Befrag­ten eh‘ stets mit lust­lo­sen Stan­dard­ant­wor­ten ver­se­hen wer­den, die so oder so ähn­lich auch von einem Fuß­bal­ler, einem Dach­decker oder Gui­do Wester­wel­le kom­men könn­ten; „fällt es Ihnen schwer, vor der Kame­ra ein Kind zu schla­gen?“, was für eine Ant­wort wird da erwar­tet? „Aber natür­lich nicht, Herr Jour­na­list! Wie war noch mal die Fra­ge?“)

Ach herr­je.

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Par­täy.

Hin und wie­der treibt es einen alten Stu­den­ten auch mal auf die Piste, wie man heut­zu­ta­ge für Betrin­kun­gen und Tan­zun­gen im nicht all­zu klei­nen Kreis sagt. Wäh­rend der ver­gan­ge­nen Nacht fand die tra­di­tio­nel­le Erst­se­me­ster­par­täy, wie man heut­zu­ta­ge für Trink- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen sagt, des AStAs der Hoch­schu­le Ost­fa­lia statt, und man zwang mich unter Andro­hung ener­gi­schen Schul­ter­zuckens zur Anwe­sen­heit.

Foto­gra­fi­sche Ein­drücke:

Ich habe drei Din­ge gelernt:

Erstens: Man wird auch (und gera­de) von weib­li­chen Bar­da­men eher wahr­ge­nom­men, wenn man selbst Brü­ste vor­wei­sen kann.

Zwei­tens: Es ist eine eta­blier­te Form des Flir­tens, lüstern an einer Säu­le (was, übri­gens, in eini­gen Regio­nen Deutsch­lands der Dimi­nu­tiv zu „Sau“ ist; wie­der was gelernt) zu leh­nen, dem Objekt der Begier­de von hin­ten auf die Schul­ter zu tip­pen und die Augen­brau­en ent­spre­chend zu heben und zu sen­ken. Die ange­mes­se­ne und mich über­aus belu­sti­gen­de Reak­ti­on war ent­spre­chend ein Abwin­ken der so lust­voll Beflir­te­ten; wor­auf sich der Flirter abwand­te und begann, mit den her­um­ste­hen­den Her­ren zu flir­ten. Ich ver­ließ die Sze­ne­rie erschüt­tert.

Drit­tens: Ich müss­te mal zum Fri­sör.

(Zitat des Tages: „Dass der Ein­druck exi­stiert, der Deut­sche Come­dy­preis wer­de im Ver­gleich zum Fern­seh­preis weni­ger ernst genom­men, kann (…) dar­an lie­gen, dass die Juro­ren nicht damit auf­hö­ren kön­nen, Cin­dy aus Mar­zahn aus­zu­zeich­nen (…).“ – fernsehlexikon.de)

PolitikSonstigesIn den Nachrichten
Respekt!

Nicht nur frem­de Kul­tu­ren for­dern die­ser Tage Respekt ein, auch Ein­hei­mi­sche sehen ihren Sta­tus als Respekts­per­son miss­ach­tet:

  • „Respekt vor unse­rer deut­schen Spra­che ist Respekt vor unse­rer Kul­tur und unse­rem Land, den wir von allen ein­for­dern, die bei uns leben.“ (Flens­burg Online, 10.9.10)
  • „Poli­zi­sten for­dern Ach­tung und Respekt“ (law blog, 13.6.09)
  • „Wulff for­dert Respekt“ (N24.de, 15.9.10)
  • Natür­lich hät­te auch Ste­fan Map­pus gern Respekt: „Zugleich erwar­te er aber auch, dass ihm der Respekt nicht ver­sagt wer­de.“ (FTD.de, 9.10.10)

Das Selbst­ver­ständ­nis die­ser Per­so­nen ist erschreckend, denn ich mein­te bis­lang, aus 139 Jah­ren deut­scher Geschich­te habe man zwar nicht vie­les, aber doch zumin­dest eines gelernt: dass man näm­lich Leu­te, die sich unge­be­ten breit­bei­nig hin­stel­len und über den ihnen zuste­hen­den Respekt refe­rie­ren („Respek­tiert mei­ne Auto­ri­tä!“, Eric Cart­man, c/o „South Park“), geteert und gefe­dert aus dem Land jagen soll­te.

Respekts­per­son ist kein Schul­ab­schluss und kein Beruf, es ist ein Ehren­ti­tel, den es zu ver­die­nen gilt. Erschnor­ren aber oder gar abver­lan­gen lässt er sich nur von jenen, die ihn selbst nicht füh­ren.

(Und die Sil­ben „Ehren-“ sind der Grund, wie­so in den deut­schen Regie­run­gen der letz­ten 61 Jah­re außer, viel­leicht, Her­bert Weh­ner kein mir bekann­ter Poli­ti­ker auch nur ansatz­wei­se für die­sen Titel prä­de­sti­niert gewe­sen wäre.)

MusikkritikKaufbefehle
Carp­tree – Nymf

Mei­ne mor­gend­li­che Müdig­keit ver­flog heu­te zu den Klän­gen von Carp­tree.

Carp­tree ist ein Musik­duo aus Schwe­den, das mit­un­ter dem New Art­rock zuge­rech­net wird, mich aber mit­un­ter auch an Night­wish (ohne das jau­len­de Schwein am Spieß, ver­steht sich) erin­nert. Prä­gnan­te Key­board­tep­pi­che unter­le­gen den mal Remi­nes­zen­zen an Peter Gabri­el, inter­es­san­ter­wei­se aber auch und vor allem an Eric Fish her­vor­ru­fen­den Gesang von Nic­las Flin­ck, der neben sei­ner Stim­me kein wei­te­res Instru­ment ein­setzt.

Das muss er aber ohne­hin nicht, denn Tasten­mann Carl West­holm und die fünf Gast­mu­si­ker wis­sen, was sie tun, und das bemerkt man durch­aus. Und so sel­ten es auch ist, aus Skan­di­na­vi­en Musik­grup­pen mit unblö­dem Gesang zu hören, so gern genießt man eine Aus­nah­me wie die­se.
Die Tex­te tun ein Übri­ges:

Under what cir­cum­stances are you what you are?
What are you under cir­cum­stances extra­or­di­na­ry?
What will chan­ge you?
What will you chan­ge into?

So fragt Nic­las Flin­ck sug­ge­stiv-kla­gend im Eröff­nungs­stück „Kicking and coll­ec­ting“, und unwill­kür­lich fal­len „Wei­ter als du denkst“ und „Hey!“ von den Fan­ta­sti­schen Vier ein, so dass man sich fest vor­nimmt, künf­tig erst mal Tex­te zu lesen, bevor man ein Album hört, damit der Drang, nach dem Sinn des Lebens zu fra­gen, nicht all­zu über­ra­schend her­ein­bricht. (Und dann ver­gisst man es doch wie­der.)

Das Album stellt die logi­sche Fort­set­zung des Vor­gän­gers „Insect“ dar, auch wei­ter­hin geht es unge­ach­tet des Band­na­mens („Karp­fen­baum“) um Insek­ten, was auch das Titel­bild ver­deut­licht, auf dem eine huma­no­ide Libel­le zu sehen ist. Als Anspiel­tipp schla­ge ich, rein sub­jek­tiv, dann auch das Stück „Dra­gon­fly“ („Libel­le“ eben) vor, das musi­ka­lisch zwi­schen schwül­sti­gem Bom­bast der Mar­ke Queen und maril­lio­nes­quem Neo­prog anzu­sie­deln ist, gesang­lich eher in der Ste­ve-Hogarth- als in der Fish-Ära letz­te­rer Band.

Nicht übel. Gar nicht übel!