Sonstiges
Vor­sicht: Kof­fe­in macht wach!

Ich wüss­te ja schon gern, wel­che Umstän­de dazu geführt haben, dass die Her­stel­ler von kof­fe­in­hal­ti­gen Geträn­ken, Ziga­ret­ten­her­stel­lern nicht unähn­lich, expli­zit dar­auf hin­wei­sen, dass das ent­hal­te­ne Kof­fe­in nicht nur die Wach­heit erhöht, son­dern oben­drein, völ­lig uner­war­te­ter­wei­se, auch die Müdig­keit senkt:

(Ande­rer­seits: Nein, lie­ber nicht.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Wenn Jour­na­lis­ten ihre Prin­zi­pi­en vergessen

Wäre ich Jour­na­list, ich hät­te gera­de wirk­lich schlim­mes Sodbrennen.

Jah­re­lang wur­de die Pira­ten­par­tei als Ein­the­men­par­tei dar­ge­stellt und belä­chelt; mit der blo­ßen For­de­rung nach einem zeit­ge­mä­ßen Urhe­ber­recht sei kein Staat zu machen, und wür­de jemals jemand die Pira­ten­par­tei in ein Par­la­ment wäh­len, so müs­se sie sich bis dahin schon mehr über­le­gen, sofern sie dau­er­haf­ten Erfolg haben wol­le. Dass es der Pira­ten­par­tei nicht um Macht, son­dern um eine Ände­rung poli­ti­schen Kon­sen­ses ging und geht, hat schon damals nie­mand von der schrei­ben­den Zunft so recht verstanden.

Dann kam die Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus­wahl 2011. Die Pira­ten­par­tei hat inzwi­schen ein umfas­sen­des, weit­ge­hend sozi­al­li­be­ra­les Pro­gramm, das die For­de­rung nach mehr digi­ta­len Bür­ger­rech­ten, wie gewünscht, bei­na­he zum Rand­the­ma wer­den zu las­sen scheint – und was schreibt man nun als so genann­ter „Jour­na­list“ in zum Bei­spiel die Süd­deut­sche Zei­tung hinein?

[Die Par­tei] will die Zuschrei­bung des Daten- oder Musik­pi­ra­ten umdeu­ten und von sei­ner kri­mi­nel­len Kon­no­ta­ti­on befreien.

Jetzt, da sie erst­mals in einem deut­schen Par­la­ment sit­zen, schei­nen sie genau das ver­ges­sen zu haben. Sie spre­chen über fahr­schein­lo­sen Nah­ver­kehr, aber nicht über das Urhe­ber­recht. Das ist erstaun­lich, weil eine Pau­schal­ab­ga­be fürs S‑Bahnfahren genau auf dem urhe­ber­recht­li­chen Modell basiert, das Juris­ten unter dem Begriff „Kul­tur­flat­rate“ für die Netz­nut­zung beschreiben.

Doch die Debat­te über eine dafür not­wen­di­ge Reform des Urhe­ber­rechts ist der­zeit nicht oppor­tun, sie setzt die Kraft vor­aus, auch gegen Wider­stän­de zu agie­ren. Die­se Kraft kön­nen oder wol­len die Pira­ten nicht aufbringen.

Ja, wie denn nun – eine Pira­ten­par­tei als Urhe­ber­rechts­par­tei ist lächer­lich, eine Pira­ten­par­tei als Pau­schal­par­tei soll sich gefäl­ligst mehr um das Urhe­ber­recht küm­mern? Lei­der lässt Autor Dirk von Geh­len offen, an wel­cher Aus­rich­tung er nichts aus­zu­set­zen hät­te – wahr­schein­lich fie­le ihm die Ant­wort selbst schwer.

Nun könn­te man natür­lich fra­gen, wie­so die bekannt inkon­se­quen­te Hal­tung der Süd­deut­schen Zei­tung zur Pira­ten­par­tei irgend­je­man­den inter­es­sie­ren soll­te, gilt doch für die dor­ti­gen Arti­kel das glei­che wie für Ein­trä­ge im Forum der Pira­ten­par­tei: Pri­vat­mei­nun­gen sind jedem unbe­nom­men, und sei­en sie noch so albern. Aller­dings hat die Süd­deut­sche Zei­tung eine Auf­la­ge, die womög­lich all­zu vie­len Leu­ten, die poli­tisch eben­so umfas­send gebil­det sind wie die dor­ti­gen Beschäf­tig­ten, ein völ­lig fal­sches Bild der Umstän­de ver­mit­teln könn­te, daher schrei­be ich mal etwas dazu:

Die längst not­wen­di­ge Reform des Urhe­ber­rechts ist ein Kern­the­ma der Pira­ten­par­tei und wird ein sol­ches auch bis zu eben­die­ser Reform blei­ben. Die AG Urhe­ber­recht ist unver­än­dert aktiv und arbei­tet stän­dig an der Erwei­te­rung des Par­tei­pro­gramms. Dass die­se Akti­vi­tä­ten ein­ge­schla­fen sei­en, hät­te Dirk von Geh­len leicht als Irr­tum erken­nen kön­nen, hät­te er nur ein­mal einen Blick in die öffent­lich zugäng­li­che Mai­ling­lis­te der AG gewor­fen; aber für Recher­chen wird man bei der Süd­deut­schen Zei­tung anschei­nend zu schlecht bezahlt.

Mit ein wenig Recher­che hät­te Dirk von Geh­len auch erken­nen kön­nen, wie­so sein gan­zer schö­ner zwei­sei­ti­ger Arti­kel in Gän­ze Mum­pitz ist: Das Urhe­ber­recht ist ein Bun­des­ge­setz.

Die Ber­li­ner Frak­ti­on der Pira­ten­par­tei ist zwar durch­aus poli­tisch in der Lage, den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr in dem Bun­des­land, in des­sen Regie­rung sie gewählt wur­de, mit­zu­ge­stal­ten, sie kann aber kei­ne rechts­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen über den Bahn­ver­kehr in Bay­ern tref­fen; wie wir in Nie­der­sach­sen ja zum Bei­spiel auch froh sind, dass die CSU hier nichts zu mel­den hat. Dirk von Geh­len wirft einer Par­tei in einer Lan­des­re­gie­rung nun vor, dass sie kei­ne Ände­rung der Bun­des­ge­set­ze anstrebt, und liegt damit selbst­ver­ständ­lich voll­kom­men daneben.

Die Pira­ten­par­tei selbst setzt sich unver­än­dert für eine Reform des Urhe­ber­rechts ein. Wenn Dirk von Geh­len etwas dar­an liegt, dass die­se Reform umge­setzt wird, dann soll­te er bei der nächs­ten Bun­des­tags­wahl sei­ne Stim­me der Pira­ten­par­tei geben. Von einer Lan­des­frak­ti­on aber zu erwar­ten, Bun­des­po­li­tik zu machen, zeugt von einer bemer­kens­wer­ten Bereit­schaft, sich von ver­mut­lich unnö­tig ver­wir­ren­den Fak­ten zu The­men, mit deren Beschrei­bung man sein Geld ver­dient, nicht beein­flus­sen zu lassen.

Zum Glück bin ich kein Journalist.

In den NachrichtenNerdkrams
Thi­lo Wei­chert und die Facebookaffäre

Thi­lo Wei­chert hat es nicht leicht. Als Daten­schutz­be­auf­trag­ter des Lan­des Schles­wig-Hol­stein ist es sei­ne Auf­ga­be, dar­auf zu ach­ten, dass auch in Zei­ten tota­ler Ver­net­zung der Daten­schutz der Bür­ger gewahrt bleibt. Als größ­te Bedro­hung für die­sen – von den eige­nen Behör­den natür­lich abge­se­hen – hat er, durch­aus zu Recht, Face­book erkannt.

Das Blö­de ist: Schles­wig-Hol­steins Face­book­sei­ten­be­trei­ber haben kei­ne Lust, den Betrieb ihrer prak­ti­schen Wer­be­flä­chen einzustellen.

Obwohl mit Buß­gel­dern gedroht wird, habe von 15 Ange­schrie­be­nen bis­lang nur eine öffent­li­che Stel­le reagiert und ihre Face­book-Sei­te deak­ti­viert. (…) Anlass des Unge­hor­sams gegen­über dem Daten­schutz­recht sei­en kei­ne hoch­wer­ti­gen Moti­ve, son­dern allein der Wunsch, über einen Inter­net­diens­te­an­bie­ter, der meint, nicht durch deut­sches Daten­schutz­recht gebun­den zu sein, für sich Wer­bung machen zu können.

Nun könn­te man Thi­lo Wei­chert, der auch der Schufa schon Unver­träg­lich­keit mit Daten­schutz­be­stim­mun­gen beschei­nig­te, für all­zu kon­ser­va­tiv und rück­stän­dig hal­ten, und sei es nur für einen bil­li­gen, aber herz­li­chen Lacher:

Ja, ich bin befan­gen, ich habe Thi­lo Wei­chert mal auf einer Podi­ums­dis­kus­si­on in Ber­lin gese­hen, und ich hat­te den Ein­druck, er trinkt Lack.

Aber danach soll­te man sich doch ein­mal damit befas­sen, wor­um es eigent­lich geht:

Die offen­sicht­li­che Fra­ge, war­um aus­ge­rech­net Behör­den eine Face­book-Fan­sei­te unter­hal­ten soll­ten, wird anschei­nend von den betrof­fe­nen Behör­den selbst gar nicht gestellt. Natür­lich nicht, man möch­te ja modern sein und sich die­sem… die­sem Dings… Inter­net da aus­rei­chend anbie­dern, weil irgend­je­mand von irgend­je­man­dem ein Memo bekom­men hat, dass heut­zu­ta­ge eh alle Face­book nut­zen oder so. Im Prin­zip wäre dar­an nichts aus­zu­set­zen, wäre es nicht Facebook.

Face­book spal­tet die Gesell­schaft dabei auf ähn­li­chem Niveau wie Goog­le: Wäh­rend gegen Goog­le Street View in Mas­sen pro­tes­tiert wur­de, hat eine Wie­der­ho­lung der glei­chen Pro­ze­dur (Städ­te mit ent­spre­chend aus­ge­stat­te­ten Auto­mo­bi­len fil­men) durch Micro­soft für das eige­ne Pro­dukt Bing nur wenig Auf­merk­sam­keit auf sich gezo­gen. Klar, denn Micro­soft ver­sucht nicht, den Lebens­mit­tel­punkt sei­ner Kun­den dar­zu­stel­len; anders etwa als Goog­le und Face­book, die seit Jah­ren dar­um kon­kur­rie­ren, wer sei­ne Benut­zer wohl am bes­ten „kennt“.

Dabei treibt die­se Spal­tung bis­wei­len skur­ri­le Blü­ten: Im Blog Netzpolitik.org etwa, aus dem unter ande­rem die frag­wür­di­ge „Digi­ta­le Gesell­schaft“ her­vor­ging, wird in kur­zen Abstän­den immer wie­der davon berich­tet, dass Face­book als Gefahr ange­se­hen wird, das obli­ga­to­ri­sche „Gefällt mir“ aber las­sen sich die War­ner nicht neh­men, und es prangt wei­ter­hin bunt unter jedem Artikel.

Das Pro­blem von Face­book wird oft auf die all­ge­gen­wär­ti­gen „Track­ing-But­tons“, also die von facebook.com ein­ge­bun­de­nen Java­scripts, die jeden Besu­cher, ob Face­book-Nut­zer oder nicht, zu iden­ti­fi­zie­ren ver­su­chen und auch über einen län­ge­ren Zeit­raum „wie­der­erken­nen“, so dass Face­book in Prin­zip weiß, wann er wel­che Inter­net­sei­te wie lan­ge besucht hat, redu­ziert. (Face­book hat dies ver­neint, jedoch war das schlicht gelo­gen. Ver­trau­en zu schaf­fen sieht anders aus.) Inso­fern könn­te man – und Thi­lo Wei­chert – zufrie­den sein, dass mehr und mehr Sei­ten­be­trei­ber auf eine Zweiklick­lö­sung wie etwa die von heise.de set­zen, die die Java­scripts nur lädt, wenn der Benut­zer dem aus­drück­lich zustimmt. Dies aber ist nur die hal­be Wahr­heit, all die­se Daten­si­cher­heit ist näm­lich beim Auf­ruf von Face­book, ob bewusst oder unbe­wusst, wie­der dahin.

Bereits das Bewer­ben von Face­book mit­tels wie auch immer gear­te­tem Ver­weis dort­hin, sei es als „Gefällt mir“, sei es als Lese­tipp, gefähr­det den Daten­schutz derer, die die­sen Ver­weis betä­ti­gen. Wel­cher nor­ma­le Inter­net­nut­zer weiß schon, was „Track­ing“, also Ver­fol­gung, bedeu­tet? Wer weiß so genau, was Face­book über ihn weiß? Sicher ist das kein Welt­un­ter­gang, ver­mut­lich nie­mand wird dar­an ster­ben, dass Face­book 2013 noch weiß, wel­che Inter­net­sei­ten er am 2. Sep­tem­ber 2011 besucht hat, aber das fällt auch nicht in den Zustän­dig­keits­be­reich eines Datenschützers.

Die Maxi­me eines Daten­schüt­zers soll­te es nicht sein, Bür­ger zu bevor­mun­den, son­dern eben sol­che Bevor­mun­dun­gen zu unter­bin­den. Die Hoheit über die eige­nen Daten ist ein wert­vol­les Gut, das ist nicht erst seit der Pira­ten­par­tei bekannt. Nie­mand kann es Bür­gern ver­bie­ten, ihre Daten frei­wil­lig jedem anzu­ver­trau­en, der sie gern ein­se­hen wür­de; nie­mand aber darf sie auch dazu zwin­gen, dies zu tun, indem er unge­fragt sol­che Ver­fol­gungs­me­cha­nis­men Drit­ter instal­liert. (Anders gesagt: Es möge Face­book nut­zen, wer es denn unbe­dingt will, aber das zu ent­schei­den obliegt ihm selbst und nicht den Werbetreibenden.)

Thi­lo Wei­cherts Kampf gegen den sorg­lo­sen Umgang mit Face­book ist berech­tigt. Es ist sei­ne Auf­ga­be als Daten­schüt­zer, die­sem Ein­halt zu gebie­ten. Die meis­ten sei­ner Kri­ti­ker schei­nen nur „Kampf gegen … Face­book“ zu ver­ste­hen, und das wäre in der Tat ein nicht nur alber­ner, son­dern die Infor­ma­ti­ons­frei­heit gefähr­den­der Vor­stoß. Davon hat aber auch nie­mand geredet.

Mit etwas Glück wird Face­book eher frü­her als spä­ter das Schick­sal von Wer-kennt-wen und den ande­ren Netz­wer­ken, die kei­ner mehr haben will, erei­len; dann wird die Kara­wa­ne wei­ter­zie­hen, viel­leicht zu Dia­spo­ra (oder Des­po­ra oder Geraspo­ra, völ­lig egal), viel­leicht zu irgend­et­was ganz ande­rem, und kei­ner wird sich mehr erei­fern, wenn jemand die Inte­gri­tät von Face­book in Fra­ge stellt. Bis dahin gilt es, wach­sam zu blei­ben: Wer öffent­lich lügt, dem soll­te man nicht vertrauen.

(Und trotz­dem wäh­len immer noch irgend­wel­che Leu­te die CDU.)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Colos­se­um – Valen­ty­ne Suite

Mit der Euro­ret­tung sieht es düs­ter aus, der deut­schen Wirt­schaft wird der Export von Meu­chel­gü­tern schmack­haft gemacht, Isra­el und der Iran las­sen es bro­deln, und die meis­ten Men­schen scheint aber doch nur eines zu inter­es­sie­ren: Wer soll „Wet­ten, dass..?“ übernehmen?

Die Welt wird alt und wird wie­der jung, doch der Mensch hofft immer auf Ver­bes­se­rung, dich­te­te einst Fried­rich von Schil­ler; und wäre er noch am Leben, er wäre ver­mut­lich ein her­vor­ra­gen­der Kabarettist.

Her­vor­ra­gend und immer noch am Leben sind der­weil die Musi­ker von Colosseum:

COLOSSEUM – The Valen­ty­ne Suite (Live@Genova 05-07-2011)

Mal wie­der: Zeit­los schön.


Apro­pos „Suite“: Die F.D.P. wur­de ges­tern fei­er­lich an den Tropf gehängt. Merk­wür­dig – ich war bis­her der Mei­nung, lebens­er­hal­ten­de Maß­nah­men trotz offen­sicht­li­cher Todes­sehn­sucht des Pati­en­ten wären ver­bo­ten.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kurz­form: Kau­fen Sie nicht ver­käuf­li­che Waren hier!

Ganz gro­ßes Ten­nis auch, CHIP.de:

All der Hick­hack um die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen um Apple und ein Ver­kaufs­ver­bot oder Nicht­ver­kaufs­ver­bot von iPho­nes in Deutsch­land auf­grund ver­fah­rens­tech­ni­scher Gege­ben­hei­ten kann euch nicht davon abhal­ten, noch ein wenig Koh­le in Form von Pro­vi­si­on zu schef­feln, der auto­ma­ti­sier­ten Ein­blen­dung von irgend­wel­chem Wer­be­un­fug sei „Dank“.

Das Land­ge­richt Mann­heim ver­bie­tet Apple für Deutsch­land mit sofor­ti­ger Wir­kung den Ver­kauf von Gerä­ten, die ein Mobil­funk-Patent von Moto­ro­la ver­letz­ten (sic!).

Aller­dings ver­weist Patent-Exper­te Mül­ler zu Recht dar­auf, dass es Apple Inc. hier­zu­lan­de nicht nur ver­bo­ten ist „mobi­le Gerä­te zu lie­fern“, son­dern auch sie „anzu­bie­ten“.

Güns­tig kau­fen: Apple iPho­ne 4 32GB ab 449,90 €

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Kopf­weh­tex­te: Julia Schramm und das Schwurbelproblem

(Vor­ab: Dies ist die Weni­ger­kurz­fas­sung eines Bei­trags, den ich bereits anders­wo ver­öf­fent­licht hat­te. Wer ihn schon kennt, der möge anders­wo weiterlesen.)

Im August 2011 habe ich zum ers­ten Mal etwas aus­führ­li­cher von der so genann­ten „Spa­cke­ria“, einer Ansamm­lung von Men­schen mit der immer­hin recht eigen­wil­li­gen Ansicht, Daten­schutz sei nicht mehr zeit­ge­mäß oder so, gehört, als Spa­cke­ria-Mit­glied (oder heißt das „Spa­cke­rin“?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Par­tei auf­grund der Ansicht besag­ter Ansamm­lung von Men­schen eini­ger­ma­ßen unbe­liebt mach­te. Das The­ma ebb­te aller­dings wenig spä­ter eben­so ab wie das The­ma „Staats­tro­ja­ner“; man­ches lässt sich eben ganz gut aus­sit­zen. Abge­se­hen von Micha­el See­mann, bes­ser bekannt als mspr0, des­sen eines Blog ich manch­mal lese, aber sel­ten ver­ste­he, ver­schwan­den Julia Schramm und die Spa­cke­ria wie­der aus mei­nem Wahrnehmungsfeld.

Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigent­lich ist, von obi­gen Eigen­schaf­ten ein­mal abge­se­hen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht son­der­lich inter­es­sie­ren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, ver­ste­he ich zumin­dest, wie­so die Spa­cke­ris­ten beim ein­fa­chen Volk so unbe­liebt sind: Sie ver­lie­ren sich in end­lo­sem Geschwur­bel ohne Hand und Fuß.

Die Spa­cke­ria hat ein Schwur­bel­pro­blem.

Der Micha­el See­mann hat manch­mal inter­es­san­te Ideen (die ich zum gro­ßen Teil aller­dings nicht so toll fin­de und nicht ver­wirk­licht sehen will – aber man darf ja durch­aus auch ande­re Anschau­un­gen inter­es­sant fin­den), nur hat er das Pro­blem, dass er die­se Ideen unter sei­ten­wei­se Geschwur­bel ver­steckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.

Heu­te nun hat sich Julia Schramm wie­der zu Wort gemel­det; nicht aller­dings als Ver­tre­ter der post-pri­va­cy, son­dern als Mit­glied der Pira­ten­par­tei. Für den „Frei­tag“ refe­rier­te sie über das ver­meint­li­che „Geschlechterpro­blem“ der Piratenpartei.

Gegen die Ein­lei­tung habe ich, von der Inter­punk­ti­on abge­se­hen, nicht ein­mal etwas einzuwenden:

Bei den Pira­ten kämp­fen die männ­li­chen gegen die weib­li­chen Nerds. Der gegen­sei­ti­ge Vor­wurf: Frau­en- bzw. Män­ner­feind­lich­keit. Dass es um Teil­ha­be geht, ver­ges­sen alle

So weit, so rich­tig, und so wenig wer­den die Grü­nen das jemals ver­ste­hen. Und dann aber:

Vor allem Frau­en, aber natür­lich in ers­ter Linie Män­ner, sträu­ben sich inner­halb der Par­tei mit erstaun­li­cher Hef­tig­keit gegen den Begriff Feminismus.

„Vor allem Frau­en, aber natür­lich in ers­ter Linie Män­ner“, also ins­be­son­de­re Mit­glie­der bei­der Geschlech­ter, nicht aber Herm­aphro­di­ten (?!), sträu­ben sich als Pira­ten gegen den Begriff Femi­nis­mus? Nein, gegen den Begriff hat nie­mand etwas, nur gegen Geschlech­ter- statt Kom­pe­tenz­quo­ten, aber das kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man sich schon „Spa­cke­ria“ nennt. Wobei, nur weni­ge Sät­ze spä­ter, es heißt:

Für eini­ge ist Femi­nis­mus syn­onym mit Quote.

Unter ande­rem anschei­nend für einen Teil der Autorin, der ande­re Teil der Autorin hat es ver­stan­den, behaup­tet er; oder behaup­tet es der ande­re? (Ihr merkt, lie­be Leser: Tex­te von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.)

Wäh­rend nun der Pira­ten-Nerd zum so ver­hass­ten Inter­net­aus­dru­cker beim The­ma Femi­nis­mus wird, mutie­ren die durch­schnitt­li­chen Femi­nis­tIn­nen zum Nerd und beschimp­fen den Pira­ten-Nerd für den ekla­tant unin­for­mier­ten Umgang mit femi­nis­ti­schen Begrif­fen und dem dazu­ge­hö­ri­gen Denken.

Die­sen Satz muss­te ich drei­mal lesen. Wer schafft weni­ger? – Der Nerd also wird zum Anti­nerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Femi­nis­mus geht; bedeu­tet das im Umkehr­schluss, dass die Nicht­pi­ra­ten­nerds von allem außer Femi­nis­mus kei­nen Schim­mer haben? Bedeu­tet das über­haupt irgendetwas?

Ich habe es immer noch nicht geschafft, besag­ten Text zu Ende zu lesen, ohne voll­ends den Faden zu ver­lie­ren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Ver­mu­tung bestä­ti­gen, dass der Text kei­ner­lei wei­te­re Infor­ma­tio­nen enthält?

Wei­ter unten – das fiel mir beim Über­flie­gen auf – schrieb Julia Schramm dies:

Denn nur über Exklu­siv­wis­sen und gemein­sa­mes Han­deln wird die so lang ersehn­te Inklu­si­on voll­zo­gen, die so viel gutes Gefühl, ja Aner­ken­nung vermittelt.

Viel­leicht schreibt man als Mit­glied der Spa­cke­ria sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen ja des­halb immer so, dass kei­ner, der nicht aus dem glei­chen Wis­sens­fun­dus schöpft, noch ver­steht, wor­um es eigent­lich geht: Dies gewähr­leis­tet eine Exklu­si­vi­tät der eige­nen Inter­es­sens­ge­mein­schaft, denn die Ein­stiegs­hür­de, näm­lich das nöti­ge Abs­trak­ti­ons­ver­mö­gen, um den Sinn zu erken­nen, erscheint für Außen­ste­hen­de unüberwindbar.

Mein Kopf tut weh, ich mach‘ die Augen zu… (Nena)

PolitikNetzfundstückePiratenpartei
Kat­rin (CDU): Vogel.

Der Preis für größt­mög­li­chen Rea­li­täts­ab­stand geht in die­sem Monat tra­di­tio­nell wie­der an die CDU, dies­mal an das dor­ti­ge Mit­glied Kat­rin Vogel, die irgend­je­mand blöd genug war zu wäh­len und die des­halb fol­gen­den Unsinn unre­di­giert in irgend­ein – zum Glück nur loka­les – Quatsch­blatt dru­cken las­sen durfte:

Wahr ist, dass die Pira­ten­par­tei sich für eine Locke­rung des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes ein­setzt, um so etwa der Dro­gen­ma­fia das Geschäft zu rui­nie­ren und sie so letzt­end­lich über­flüs­sig zu machen. Kom­plett dane­ben liegt sie aber mit der Behaup­tung, die Pira­ten­par­tei unter­stüt­ze den frei­en Zugang zu Kin­der­por­no­gra­fie im Inter­net. Inzwi­schen habe sie das ein­ge­se­hen, schreibt Frau Vogel:

Im Pro­gramm der Pira­ten habe ich vie­le Punk­te zur Ableh­nung der Zen­sur im Inter­net gefun­den aber kei­ne Äuße­rung zur Ver­ur­tei­lung von Kin­der­por­no­gra­phie im Inter­net oder Vor­schlä­ge zur deren Bekämpfung.
Durch hun­der­te von emails, als Reak­ti­on auf mei­nen Arti­kel, ist mir deut­lich gewor­den, dass es offen­sicht­lich Ziel vie­ler Mit­glie­der oder Anhän­ger der Pira­ten ist, kin­der­por­no­gra­phi­sche Sei­ten kom­plett zu löschen.

Sie wirkt ehr­lich über­rascht. Wie, die Pira­ten­par­tei steht gar nicht für kos­ten­lo­se Kinderporno-Flatrates?!

Fünf Jah­re Pira­ten­par­tei kann man eben schon mal ver­schla­fen, wenn man in der CDU ist, und mit dem lang­wei­li­gen Geschwätz, das Par­tei­en von sich geben, die nicht mal im Bun­des­tag sit­zen, muss man sich ja ohne­hin nicht beschäf­ti­gen. Da steht die Uni­on drü­ber, gel­le? – Ich fra­ge mich, ob die Ent­schul­di­gung es eben­falls in das­sel­be Quatsch­blatt schafft. Ich bin kein Jurist, aber ich bezweif­le, dass die­ses halb­her­zi­ge „hopp­la!“ die bereits gesche­he­ne üble Nach­re­de nebst nega­ti­ven Fol­gen für das Anse­hen der Pira­ten­par­tei bei Lesern des Quatsch­blat­tes im Nach­hin­ein auf­hebt. Um es mit Kat­rin Vogel zu sagen:

Demo­kra­tie hat auch Grenzen.

Aber nur so ein Denk­an­stoß, Frau Vogel: Wofür genau steht eigent­lich Ihre CDU, die Kin­der für ihren Wahl­kampf miss­braucht und nicht davor zurück­schreckt, ent­spre­chen­des Mate­ri­al auch öffent­lich vor­zu­füh­ren? Für ange­wand­tes Arschlochtum?

Das wird man ja wohl noch fra­gen dür­fen in die­sem Land.


Nach­trag vom 30. Novem­ber 2011: In den Kom­men­ta­ren zu die­sem Bei­trag hat Kat­rin Vogel mei­ne Ver­mu­tung, eine Kor­rek­tur wür­de aus­blei­ben, wider­legt. Dan­ke hierfür.

Fotografie
Über­ra­schung!

Ihr kennt das sicher: Ihr wollt noch unter­wegs ein Geschenk für lie­be Weg­be­glei­ter kau­fen, aber fin­det ein­fach nicht das rich­ti­ge Mitbringsel.

Zum Glück gibt es Geschäf­te, die sich dar­auf spe­zia­li­siert haben, die­sem Miss­stand ein Ende zu berei­ten; zum Bei­spiel den „Über­ra­schungs-Basar“ in einer nicht näher erwäh­nens­wer­ten deut­schen Klein­stadt, des­sen Ange­bot bereits von Wei­tem zu bestechen weiß:

Da wer­den die lie­ben Weg­ge­fähr­ten sicher über­rascht sein!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXIV: Kei­ne Gna­de für ganz nor­ma­le Menschen

Unver­schämt­heit!

Tele­fó­ni­ca Ger­ma­ny hat die Zusam­men­ar­beit mit dem Foto­mo­del Vanes­sa Hess­ler been­det. Die 23-Jäh­ri­ge hat­te sich als Gelieb­te eines getö­te­ten Gad­da­fi-Soh­nes geoutet und das Gad­da­fi-Regime verharmlost.

(…)

Nach dem Sturz des Gad­da­fi-Regimes in Liby­en hat­te sich das 23-jäh­ri­ge Foto­mo­del in einem Inter­view mit der ita­lie­ni­schen Frau­en­zeit­schrift Diva e Don­na laut Focus über ihre vier­jäh­ri­ge Bezie­hung zu Mut­as­sim al Gad­da­fi, einem der wäh­rend der Kämp­fe in Liby­en getö­te­ten Gad­da­fi-Söh­ne, geäußert.

„Sei­ne Fami­lie, sei­ne Brü­der sind nicht so, wie sie immer dar­ge­stellt wer­den. Das sind ganz nor­ma­le Men­schen“, sag­te Hess­ler in dem Interview.

Was ist die­se Frau Hess­ler nur für ein Mensch, dass sie so etwas behaup­tet? Selbst­ver­ständ­lich sind die Söh­ne eines dik­ta­to­ri­schen ehe­ma­li­gen Revo­lu­ti­ons­füh­rers selbst Dik­ta­to­ren und wur­den zu Recht von der Erde getilgt!

Man hal­te ihr zugu­te, dass sie selbst bemer­kens­wert welt­fremd ist und behaup­tet, über die Zustän­de in Liby­en bes­ser Bescheid zu wis­sen als die Zuschau­er der täg­li­chen, selbst­ver­ständ­lich inte­gren und objek­ti­ven Fernsehnachrichten:

Das Schick­sal des Gad­da­fi-Clans beweg­te das Model offen­bar mehr als das des liby­schen Vol­kes, das ihr nicht beson­ders arm und auch nicht fana­tisch vor­ge­kom­men sei. „Man muss nicht alles glau­ben, was so gesagt wird“, sag­te Hess­ler. Dass der Wes­ten den Auf­stand gegen Gad­da­fi unter­stützt hat, gefiel ihr eben­falls nicht: „Die Leu­te wis­sen nicht, was sie tun.“

Gut, dass man sie end­lich aus dem Ver­kehr gezo­gen hat! Am Ende zwei­felt noch jemand dar­an, dass der Auf­trags­mord in Liby­en eine gute Idee war!

Und das wol­len wir ja alle nicht, nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
Pin-up Went Down – 342

Apro­pos Rock, Alter: 2010 erschien das Album „342“ der fran­zö­si­schen Avant­gar­de-Metal­ler Pin-up Went Down und geht so ab, dass man geneigt ist, von Mords­mä­ßig­keit zu spre­chen, wäre Mord nicht so nega­tiv behaftet.

Bei pin-ups denkt man womög­lich an Spind­pos­ter mit Iko­nen frü­he­rer Jahr­zehn­te und nicht an Metal. Nun, tat­säch­lich zele­brie­ren die Musi­ker die Ästhe­tik der 50-er Jah­re. Das Album beginnt mit lau­schi­gen Klän­gen, wie sie unge­fähr zu hören sind, wenn man sich Kla­vier­be­glei­tung in einem Café in einem kli­schee­haf­ten Schwarz-Weiß-Spiel­film über die Vor- und frü­he Nach­kriegs­zeit vor­stellt (oder wie jeden­falls ich sie mir vor­stel­le), Sän­ge­rin „Aspho­del“ beherrscht ihr Hand­werk vor­treff­lich. Duffy ist ein stimm­li­cher Ver­gleich, der unser­ei­nem in den Sinn kommt.

Kaum aber hat man sich an die leicht ent­rück­te, ins­ge­samt nach The Car­di­gans und Bel­le and Sebas­ti­an und Bell, Book & Cand­le und Regi­na Spek­tor und Kli­schee­fil­men klin­gen­de Ein­lei­tung gewöhnt, haut der Schlag­zeu­ger kurz auf die Pau­ke, und der Metal bahnt sich sei­nen Weg ins Gehör des erwar­tungs­vol­len und plötz­lich ziem­lich über­wäl­tig­ten Hörers. Mas­ku­li­nes Grow­ling, Gitar­ren­ge­schep­per, irres Schlag­zeug, dazu gibt „Aspho­del“ die Tar­ja Tur­unen oder, je nach Gene­ra­ti­on, die „Colum­bia“ aus der Rocky Hor­ror Pic­tu­re Show. Eine neue Asso­zia­ti­on, die sich bei der von mir gehör­ten Musik nur sel­ten anbie­tet: Hag­gard. (Die eben­falls recht gut sind und mal gehört wer­den soll­ten, lie­be Leser.)

Nach etwa drei Minu­ten folgt ein Folks­tück mit mehr­stim­mi­gem Gesang, spär­lich instru­men­tiert, der bereits erwähn­te Bell, Book & Cand­le auch gesang­lich in Erin­ne­rung ruft. Lied 3, „Por­ce­lain Hours“, ist bei­na­he schon „Pop“, stil­echt mit die­sem moder­nen Sprech­ge­sang, den nach über 30 Jah­ren noch vie­le Jugend­li­che echt pri­ma fin­den, in „Essence of I“ paart man Grow­ling mit Shaki­ra, und das klingt nicht ein­mal schlecht. Gele­gent­li­che merk­wür­di­ge Choral­ein­wür­fe, etwa in dem eben­falls merk­wür­dig benann­ten „Mur­phy in the Sky with Dae­mons“ (da gab es doch mal was von den Beat­les?), erin­nern an Yes‘ merk­wür­di­ges „Sound Cha­ser“ („cha cha cha / cha cha“) und belus­ti­gen und hal­ten die Auf­merk­sam­keits­span­ne des Hörers auf einem hohen Niveau. So muss das sein, so ist es fein.

Das gesam­te Album und sei­nen Vor­gän­ger „2 Unli­mi­t­ed“ von 2008 gibt es auf der Inter­net­prä­senz des Tri­os zu hören, dau­er­haf­ten Spaß auch unter­wegs bie­tet die CD-Ver­si­on, die es zum Bei­spiel via Ama­zon oder zum Selbst­bren­nen auf Bandcamp.com zu erwer­ben gibt.

Man möge reich­lich davon Gebrauch machen!

SonstigesIn den Nachrichten
Trotz­dem.

Mor­gens auf­ste­hen, weil man noch müde ist.

Zur Arbeit gehen, weil es dort viel zu tun gibt.

Einer Fei­er bei­woh­nen, weil der Gast­ge­ber ein Unsym­path ist.

Bier trin­ken, weil man noch fah­ren muss.

Ein­fach öfter mal etwas tun, weil es eigent­lich obwohl hei­ßen müsste.

Das Leben kann so anders sein.


Apro­pos „anders“: Welt.de schafft es mal wie­der, jede Freu­de über eine Über­schrift im Text ver­ges­sen zu lassen.

So heißt es dort:

Die Bun­des­re­pu­blik genießt bei jun­gen Migran­ten einen exzel­len­ten Ruf. Und sowohl in Euro­pa als auch in Über­see steigt das Inter­es­se an der deut­schen Sprache.

Das sind doch mal posi­ti­ve news Neu­ig­kei­ten, bedenkt man, dass die Benut­zung der deut­schen Spra­che hier­zu­lan­de nicht unbe­dingt beliebt ist. Blö­der­wei­se rela­ti­viert Welt.de das schon wenig später:

Umso erfreu­li­cher, dass wir in Euro­pa und Über­see ein stei­gen­des Inter­es­se an der deut­schen Spra­che regis­trie­ren dür­fen. Und zwar nicht aus selbst­lo­ser Lie­be zu Goe­the, Schil­ler und Hei­ne, son­dern weil immer mehr gut aus­ge­bil­de­te, jun­ge Aus­län­der in der Bun­des­re­pu­blik ein Land sehen, in dem man sein Glück machen kann. Wir kön­nen die­se Men­schen gut gebrau­chen. Immer mehr Bran­chen rufen ver­zwei­felt nach Fach­ar­bei­tern und Inge­nieu­ren – und sie­he da, sie kom­men. (…) Als Ein­wan­de­rungs­land kon­kur­rie­ren wir welt­weit um die bes­ten Köpfe.

Die­sen Text emp­feh­le ich nur in kur­zen Abschnit­ten zu lesen, denn über­höh­ter Kon­sum kann schnell zu Brech­reiz füh­ren. Es sei, so Autor C.C. Mal­zahn von Welt.de, nicht etwa beson­ders wich­tig, dass die deut­sche Spra­che sich ver­brei­tet, son­dern sie sei ledig­lich ein wich­ti­ges Mit­tel zum Zweck; und zwar nicht etwa aus kul­tu­rel­lem Inter­es­se, son­dern aus blo­ßen wirt­schaft­li­chen Über­le­gun­gen her­aus: Je bes­ser Aus­län­der Deutsch spre­chen, des­to eher sei­en sie befä­higt, einen gut bezahl­ten Arbeits­platz zu fin­den, denn die Wirt­schaft suche drin­gend nach aus­ge­bil­de­ten Fach­kräf­ten, und im Inland sei­en die anschei­nend – das schreibt C.C. Mal­zahn aller­dings nicht – nur schwer zu fin­den, obwohl hier eben­falls vie­le Men­schen Deutsch spre­chen. Die paar Mil­lio­nen arbeits­lo­ser deutsch­stäm­mi­ger Aka­de­mi­ker ver­lan­gen eben ein­fach zu viel Geld für ihre Arbeit. Mit „selbst­lo­ser Lie­be“ kann man eben kei­ne Fami­lie ernähren.

Manch­mal ver­gisst man fast, dass Welt.de ein kon­ser­va­ti­ves Medi­um ist. Schön, dass man manch­mal wie­der dar­an erin­nert wird.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt LXIII: Der Ter­ror und die Dilettanten

Um den Frei­tag ange­mes­sen hei­ter in das Wochen­en­de über­ge­hen zu las­sen, emp­feh­le ich den Kon­sum die­ses Arti­kels auf heise.de, dem­zu­fol­ge die meis­ten Par­tei­en im Bun­des­tag – mit Aus­nah­me der Grü­nen natür­lich, denn die sind gera­de in der Oppo­si­ti­on und fin­den blö­de Ideen (Stutt­gart 21, Tro­ja­ner­ein­satz und so wei­ter) nur gut, bis sie abge­wählt wer­den, um dann mit dem Fin­ger auf die ande­ren Par­tei­en zu zei­gen, und der Lin­ken – den fort­ge­setz­ten Ein­satz des grund­rechts­wid­ri­gen „Staats­tro­ja­ners“ befür­wor­ten. Eine wirk­lich beein­dru­cken­de Begrün­dung hier­zu kommt aus dem kon­ser­va­ti­ven Lager:

Cle­mens Bin­nin­ger sprach im Namen der CDU/C­SU-Frak­ti­on von einer „absur­den For­de­rung“, die mit kei­nem Wort auf die erns­te ter­ro­ris­ti­sche Bedro­hungs­la­ge hier­zu­lan­de eingehe.

„Erns­te ter­ro­ris­ti­sche Bedro­hungs­la­ge hier­zu­lan­de“ in ande­ren Worten:

Gegen den Beschul­dig­ten wur­de ermit­telt, weil er bei einem IT-Unter­neh­men arbei­te­te, das Han­dels­platt­for­men für Fir­men pro­gram­mier­te, die in Deutsch­land ordent­lich zuge­las­se­ne Psy­cho­phar­ma­ka ins Aus­land ver­trei­ben. Der Vor­wurf lau­te­te auf „gewerbs­mä­ßi­ge Aus­fuhr von Betäubungsmitteln“.

Wenn wir uns sonst kei­nen ernst­haf­ten Gefah­ren aus­ge­setzt sehen, etwa durch die gan­ze unschö­ne Geschich­te mit dem Euro oder ähn­li­ches, dann könn­ten wir uns eigent­lich statt­des­sen auch zurück­leh­nen und uns freu­en, dass es uns doch eigent­lich ganz gut geht. Aber eini­ge haben eben immer was zu meckern.

Dabei stört es sie auch nicht, qua­si hin­ten­rum eine Abwand­lung der „Sip­pen­haft“ wie­der einzuführen:

Es sei bekannt, dass Tat­ver­däch­tig­te im Bereich des Ter­ro­ris­mus immer kon­spi­ra­ti­ver vor­gin­gen und ver­schlüs­selt kom­mu­ni­zier­ten, erklär­te Bin­nin­ger. Der ver­deck­te Zugriff auf Fest­plat­ten und ande­re IT-Sys­te­me sei daher unverzichtbar.

(„Unver­zicht­bar“ ist dabei, „alter­na­tiv­los“ abzu­lö­sen, wie mir scheint; es bleibt aber der­sel­be Unsinn.)

Die Ter­ro­ris­ten mit ihren fie­sen Ver­schlüs­se­lun­gen „erzwin­gen“ also den Ein­satz grund­rechts­feind­li­cher Auto­ma­tis­men; und im Umkehr­schluss haben alle, die auf der­lei Maß­nah­men ver­zich­ten, nichts zu befürch­ten, denn wer ver­schlüs­selt, hat etwas zu ver­ber­gen, nicht wahr? (Es ist nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis irgend­je­mand aus der CDU/CSU oder vom BKA das genau so dar­stel­len wird, war­tet es ab!)

Und nächs­te Woche ver­bie­ten sie dann das Abschlie­ßen der Haus­tür beim Ver­rei­sen, denn das erschwert die heim­li­che Instal­la­ti­on von Schad­soft­ware durch Unbe­fug­te doch immens.

Ich kann die­se Fres­sen nicht mehr sehen. Sie machen mit ihrer Schei­ße alle Leu­te ver­rückt. (R. Pofalla, CDU, in ande­rem Zusammenhang)

MusikSonstiges
Medi­en­kri­tik LVIII: Tom Waits im Rol­ling Stone (wenigs­tens haben sie es versucht)

Eine (meist) lie­be Lese­rin mach­te mich vor eini­gen Mona­ten dar­auf auf­merk­sam, dass Tom Waits, sei­nes Zei­chens eigen­wil­li­ger San­ges­künst­ler, ziem­lich auf­re­gen­de Musik her­vor­bringt. Unter dem Ein­druck von „Bone Machi­ne“, des­sen Schräg­heit in wun­der­sa­mer Wei­se mit mei­ner Affi­ni­tät zu musi­ka­li­scher Schräg­heit har­mo­niert, stimm­te ich in ihre Lob­hu­de­lei­en ein; und erblick­te heu­te im Zeit­schrif­ten­re­gal eines Super­mark­tes eben­je­nen Tom Waits auf der Titel­sei­te des nor­ma­ler­wei­se eher belie­bi­gen Maga­zins „Rol­ling Stone“. Da ich noch ein wenig Zeit bis zum nächs­ten Ter­min hat­te, wag­te ich auf­grund des ver­hei­ßungs­vol­len Titels den Kauf.

Es war undurch­dacht von mir, trotz gegen­tei­li­ger Erfah­run­gen davon aus­zu­ge­hen, der „Rol­ling Stone“ hät­te sich aus­nahms­wei­se dazu ent­schlos­sen, seri­ös zu wer­den. Tat­säch­lich wird des Titel­hel­den Schaf­fen nur wenig erwähnt, das Album „Bone Machi­ne“ kommt eben­so wie „Mule Varia­ti­ons“ und das Drei­fach­al­bum „Orphans: Braw­lers, Baw­lers & Bas­tards“ je ein­mal, jeweils eher bei­läu­fig erwähnt vor, das vor­letz­te Album „Real Gone“ immer­hin zwei­mal. Haupt­säch­lich geht es um „Bad As Me“, das aktu­el­le Album von Tom Waits, und um die Per­son des Inter­pre­ten, als wäre das eigent­lich auch schon alles, was man von Tom Waits wis­sen muss.

Für die, die noch nie etwas von Tom Waits gehört haben, erklärt es Jörn Schlü­ter, offen­bar Schrei­ber­ling beim „Rol­ling Stone“, gern ein­mal am Bei­spiel des Stü­ckes „Hell Bro­ke Luce“ („bru­ta­le Mili­tär-Per­si­fla­ge“, J. Schlü­ter) von die­sem aktu­el­len Album:

Das Lied schwankt durch die Schüt­zen­grä­ben wie ein Pan­zer auf Stelzen.

Fünf Euro in die Wort­spiel­kas­se bitte.

Dass ich noch nie einen Pan­zer auf Stel­zen gese­hen habe, der durch Schüt­zen­grä­ben schwankt, kann ich dem Autor nicht zum Vor­wurf machen und füh­re es aus guter Absicht vor­erst auf mei­ne feh­len­de mili­tä­ri­sche Ver­gan­gen­heit zurück. Eines wür­de mich dann jedoch schon inter­es­sie­ren: Neh­men wir an, ein Pan­zer auf Stel­zen gerät auf dem Weg durch Schüt­zen­grä­ben tat­säch­lich ins Schwan­ken – was genau hat das Lied damit zu tun?

Jörn Schlü­ter hät­te die­se Fra­ge Tom Waits stel­len sol­len, denn die­se Ant­wort hät­te mich wirk­lich sehr inter­es­siert: „Herr Waits, Ihr Lied ‚Hell Bro­ke Luce‘ schwankt durch die Schüt­zen­grä­ben wie ein Pan­zer auf Stel­zen, war­um ist das so?“ Das hat er natür­lich nicht getan, son­dern wei­ter an sei­ner Repu­ta­ti­on gear­bei­tet. Wahr­schein­lich möch­te Jörn Schlü­ter nicht, dass ihn nur die Leser die­ses Arti­kels für ver­krampft pein­lich und eigent­lich gar nicht sehr an sei­nem zu beschrei­ben­den Objekt (Tom Waits) inter­es­siert hal­ten, was er mehr­fach zu ver­ste­hen gibt:

Mit „Orphans: Braw­lers, Baw­lers & Bas­tards“ erschien ein Drei­fach-Album mit Aus­ge­son­der­tem und Ver­ges­se­nem. Man über­leg­te, ob Waits wohl in die Schluss­run­de ein­ge­bo­gen war.

(Her­vor­he­bung von mir.)

War er aber nicht, der Tom Waits, und so nutz­te Jörn Schlü­ter die Gele­gen­heit, auch ihm, Tom Waits, gegen­über ein­mal zu zei­gen, dass Musik mit Anspruch ihn, Jörn Schlü­ter, deut­lich über­for­dert, und schaff­te es in all sei­ner Nai­vi­tät dann doch noch, mich zum Schmun­zeln zu brin­gen, indem er fragte:

Ihre Lyrics lesen sich manch­mal wie Gedich­te – auch auf die­sem Album erin­nert mich eini­ges an Charles Bukow­ski, der Sie zu Beginn Ihrer Kar­rie­re beein­flusst hat. Haben Sie ihn jemals getroffen?

Charles Bukow­ski kennt er zumin­dest nament­lich, viel­leicht auch nur vom Hören­sa­gen, und viel­leicht ist der Umstand, dass sich Tom Waits‘ Lied­tex­te sel­ten rei­men, auch schon die ein­zi­ge Par­al­le­le, die Jörn Schlü­ter zwi­schen Tom Waits, dem Musi­ker, und Charles Bukow­ski, dem Poe­ten, erkennt. Gra­tu­lie­ren soll­te man Jörn Schlü­ter aber zu der groß­ar­ti­gen Erkennt­nis, dass man Lied­tex­te, häu­fig rhyth­misch unter­legt, nicht nur als Pro­sa oder Bus­fahr­plan (S. Gärt­ner), son­dern auch als Gedicht, als Lyrik („lyrics“) eben, lesen kann. So sieht Musik­jour­na­lis­mus 2011 aus.

Und ich ver­ste­he all­mäh­lich, wie­so Jörn Schlü­ter die­ses Gespräch füh­ren durf­te: Die Alter­na­ti­ve, ein Inter­view mit dem Jour­na­lis­ten gegen­über sel­ten tole­ran­ten Lou Reed und Metal­li­ca, hät­te er nicht lan­ge durchgestanden.

Netzfundstücke
Licker in front of the village!

Ich gebe zu, ich habe von Öko­no­mie nur all­zu wenig Ahnung. Als Geschäfts­füh­rer eines kun­den­na­hen Unter­neh­mens wür­de ich wohl kläg­lich ver­sa­gen, auch des­halb, weil Kun­den mir im Arbeits­le­ben als der Haupt­grund für nicht ein­ge­hal­te­ne Fris­ten und all­ge­mein eher als Stör­quel­le erscheinen.

Was mir weni­ger unwahr­schein­lich Freu­de berei­ten wür­de, wäre eine Tätig­keit als der­je­ni­ge Unter­neh­mens­kas­per, der für das öffent­li­che Auf­tre­ten zustän­dig ist. Mit Non­sens­be­rufs­be­zeich­nun­gen wie „public rela­ti­onship mana­ger“ oder sons­ti­gem Fir­le­fanz will ich mich dafür gar nicht unbe­dingt „schmü­cken“ kön­nen, aber die Auf­ga­be selbst ist inzwi­schen anschei­nend lächer­lich ein­fach gewor­den, gemes­sen an dem dafür in Aus­sicht gestell­ten Gehalt.

Die Fir­ma Schle­cker näm­lich durf­te in den letz­ten Wochen viel Kri­tik für ihr neu­es Unter­neh­mens­mot­to „For you. Vor Ort.“ ein­ste­cken, die zusätz­lich anschwoll, als Schle­cker erklär­te, man habe sich dem eher nied­ri­gen Bil­dungs­ni­veau des typi­schen Schle­cker­kun­den ange­passt. Anders aus­ge­drückt: Wer stän­dig Eng­lisch quäkt, ist blöd.

Die­se Para­phra­sie­rung miss­fällt Schle­cker aber eben­falls, denn so habe man das gar nicht gemeint:

Nun kom­men­tie­ren eini­ge Inter­net-Nut­zer den ver­öf­fent­lich­ten Brief und set­zen ein nied­ri­ges und mitt­le­res Bil­dungs­ni­veau mit „dumm“ oder „unter­be­lich­tet“ gleich. Das ist in der Sache eben­so falsch und zynisch, (sic!) wie aus unse­rer Sicht unver­schämt und arro­gant. Es ent­larvt letzt­lich die­je­ni­gen, die sich der­art äußern.

Lie­be Leser, lie­be Fir­ma Schle­cker, man hel­fe mir doch bit­te ein wenig auf die Sprünge:

„Unse­re Kun­den haben in der Regel ein bes­ten­falls durch­schnitt­li­ches Bil­dungs­ni­veau“ bedeu­tet nicht, dass man sei­ne eige­nen Kun­den auf unver­schäm­te und arro­gan­te Wei­se für, nun, eher unge­bil­det hält? Aber was denn dann? Für „dümm­lich“ näm­lich hält man sie nicht:

Unse­re Mit­ar­bei­ter, die zum über­wie­gen­den Teil schon seit 15 und mehr Jah­ren im Unter­neh­men arbei­ten, wie auch unse­re Kun­den sind es ganz sicher nicht.

Sie sind eben Pre­ka­ri­er, wat wills­te machen; aber dümm­lich sind sie ganz sicher nicht!

Eigent­lich sei die Auf­re­gung aber auch völ­lig über­zo­gen, heißt es im Hau­se Schle­cker wei­ter, denn, mei­ne Güte, so ein Unter­neh­mens­mot­to sei ohne­hin bedeutungslos:

Wir haben uns bewusst auch des­halb für das Mot­to ent­schie­den weil es pola­ri­siert, weil sich Men­schen dar­über aus­tau­schen und weil es in Erin­ne­rung bleibt. Genau das ist die Kern­auf­ga­be eines Unternehmensmottos.

Ach so – ich war bis­lang der Mei­nung, ein Unter­neh­mens­mot­to sol­le das Selbst­bild des Unter­neh­mens und sei­ne Wer­te reflek­tie­ren und nicht für bil­li­ge Schlag­zei­len herhalten.

Aber ich habe, wie erwähnt, natür­lich auch kei­ne Ahnung von Wirtschaft.

(Bonu­s­poin­te für Leser aus den schle­cker­na­hen Bil­dungs­schich­ten: Das Schle­cker-Blog ist zur­zeit unter fäka­ler Sub­do­mä­ne zu erreichen.)