In den Nachrichten
Heiteres Länderraten

Das ist ja furcht­bar:

Die US-Ratin­ga­gen­tur Stan­dard & Poor’s dro­ht nun mit ein­er Her­ab­stu­fung des Euro-Ret­tungss­chirms EFSF um zwei Stufen von “AAA” auf “AA”. Zuvor hat man Deutsch­land und 14 weit­ere Euro-Staat­en gewarnt.

Oi-oi-oi, das ist wirk­lich schlimm: US-amerikanis­che Ratin­ga­gen­turen ver­brin­gen die let­zten paar Monate anscheinend damit, Schul­noten für europäis­che Län­der und son­stige Insti­tu­tio­nen zu vergeben, die eine unge­fähre Aus­sage darüber darstellen sollen, ob das Bew­ertete nun liq­uide ist oder nicht. Dass Griechen­land auf­grund sein­er enor­men Kaufkraft ger­ade nicht ger­ade ein Fass auf­machen kann, hät­ten wir ohne solche Agen­turen sicher­lich nie ver­standen, denn das andauernde Herumhack­en der “BILD” auf den “Pleite-Griechen” wäre ohne die Her­ab­stu­fung durch die Agen­tur Moody’s wahrschein­lich nie­man­dem über­haupt aufge­fall­en.

Eine andere Lesart lautet so: Da sitzen also ein paar über­bezahlte Quark­nasen in großen, vol­lver­glas­ten Büros in irgen­dein­er teuren Gegend der seit dem Kalten Krieg qua­si expo­nen­ziell weniger finanzs­tarken USA herum, tip­pen die üblichen Berichte der Finanzmin­is­te­rien in ihren Com­put­er ein und bew­erten das Gele­sene von “supigut” bis “kannste abhak­en”. Das kann ich auch, aber ich würde nicht dafür bezahlt.

Dass da schon mal Fehler passieren, etwa die verse­hentliche Her­ab­stu­fung der Bonität Frankre­ichs, ist nicht etwa ein Anlass, keinen Pfif­fer­ling mehr auf die Bew­er­tun­gen jen­er Quark­nasen zu geben, son­dern ein “schw­er­wiegen­der Vor­fall”, der umfan­gre­iche Ermit­tlun­gen und viel Verzwei­flung nach sich zieht. Wenn man eben son­st keine Sor­gen hat.

Über­haupt bin ich wil­lens, die Rel­e­vanz der Ratin­ga­gen­turen mit dem eben­falls ziem­lich blödsin­ni­gen “ifo-Geschäft­skli­main­dex” zu ver­gle­ichen: Jeden Monat fragt das ifo-Insti­tut Unternehmen nach ihren Erwartun­gen für kom­mende Geschäfte und tippt das in Com­put­er ein, die das dann in Zahlen umwan­deln, die aus irgen­deinem Grund anscheinend irgend­je­man­den inter­essieren. Nun bin ich in Sachen Finanzwirtschaft unge­fähr so beflis­sen wie Hel­mut Schmidt im Nich­trauch­er­schutz und kön­nte mich also gewaltig irren, aber wenn ich jet­zt zum Beispiel bei Volk­swa­gen anrufe und frage, ob man bis Ende des Jahres eher mit Gewinn oder mit Ver­lust rech­net, dann ist die eventuelle Antwort genau so aus­sagekräftig wie der Wet­ter­bericht: Kann stim­men, muss aber nicht.

Es muss kein Zufall sein, dass die Ratin­ga­gen­turen aus den USA jet­zt ger­ade den Euro auf dem Kiek­er haben, behauptet Dr. Paul Craig Roberts:

Aus sein­er Sicht han­delte es sich um eine fein abges­timmte Aktion seit­ens des US-Finanzmin­is­teri­ums, der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB), EU-Behör­den und der pri­vat­en Banken, die faule Staatss­chulden in ihren Büch­ern führen. Sie wollen Deutsch­land in die Knie zwin­gen und dazu brin­gen, den Wider­stand gegen das Anwer­fen der Geld-Druck­mas­chine seit­ens der EZB aufzugeben. Damit soll das Über­greifen der europäis­chen Staatss­chuldenkrise auf die USA ver­hin­dert wer­den, was anson­sten wohl die Chan­cen von Präsi­dent Barack Oba­ma auf Wieder­wahl bei den Wahlen im näch­sten Jahr ver­min­dern würde.

In den USA hat man ja auch derzeit keinen Grund zur Sorge, alles läuft bestens, die Bankiers bekom­men wieder großzügige Bonuszahlun­gen für ihr “Engage­ment” und auch son­st hat man keine große Lust darauf, sich von so etwas wie ein­er Finanzkrise, an der man, wie schon 1929, nicht ganz unschuldig war, irgend­wie bee­in­flussen zu lassen:

Amerikanis­che Inve­storen zeigen sich unbeein­druckt von der Dro­hung der Ratin­ga­gen­tur Stan­dard and Poor’s (S&P), Län­der der Euro-Zone her­abzustufen.

“Die USA wer­den wohl kaum vor­erst größer auf die Dro­hung der US-Ratin­ga­gen­tur reagieren,” sagte Händler Markus Huber von ETX Cap­i­tal der FTD. “Die Amerikan­er konzen­tri­eren sich derzeit auf das Wei­h­nachts­geschäft. Der Wirtschaft geht es bess­er als erwartet.”

Käpt’n Offen­sichtlich ist anscheinend aus dem Urlaub zurück.

Putzig finde ich übri­gens den Hin­weis, man habe Euro-Staat­en zuvor vor der Her­ab­stu­fung “gewarnt”. Wäre ich ein Euro-Staat, ich krümmte mich angesichts der Aus­sicht darauf, mein “supigut” von irgen­dein­er Horde Pri­vatleute ohne beson­dere Priv­i­legien in ein “fast supigut” umge­wan­delt zu bekom­men, ver­mut­lich vor Lachen am Boden, aber ich bin kein Euro-Staat. Die Euro-Staat­en, die Euro-Staat­en sind, krüm­men sich aber nicht vor Lachen am Boden, son­dern laufen wie aufgeschreck­te Hüh­n­er durch die Gegend und find­en es nicht etwa voll dolle schlimm, dass ihre finanzielle Lage nicht rosig ist, son­dern, dass eine fiese, gemeine Ratin­ga­gen­tur dafür auch noch eine schlechte Note vergibt.

Ein Gutes haben diese Agen­turen jeden­falls an sich: Je mehr sie mit ihrem Quatsch beschäftigt sind, desto weniger Leute, die dort angestellt sind, sitzen arbeit­s­los auf der Straße herum und saufen sich ins Koma. Dafür kann man sie gar nicht genug loben.

(Danke an L.!)

Politik
Dauernd beschäftigt mit Hans-Peter Uhl

Hans-Peter Uhl, innen­poli­tis­ch­er Sprech­er der Frak­tion der CDU/CSU im Bun­destag, gab laut heutiger “Braun­schweiger Zeitung” zum The­ma NPD-Ver­bot zu Pro­tokoll:

[D]er Kampf gegen extrem­istis­chen Wahn bleibt eine Dauer­auf­gabe.

Extrem­istis­ch­er Wahn ist p.d. ein Zus­tand, der sich gegen die frei­heitlich-demokratis­che Grun­dord­nung richtet. Diese frei­heitlich-demokratis­che (auch: frei­heitliche demokratis­che) Grun­dord­nung hat das Bun­desver­fas­sungs­gericht bere­its 1952 fol­gen­der­maßen definiert:

Frei­heitliche demokratis­che Grun­dord­nung im Sinne des Art. 21 II GG ist eine Ord­nung, die unter Auss­chluß jeglich­er Gewalt und Willkürherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaft­sor­d­nung auf der Grund­lage der Selb­st­bes­tim­mung des Volkes nach dem Willen der jew­eili­gen Mehrheit und der Frei­heit und Gle­ich­heit darstellt.

In anderen Worten: Die frei­heitlich-demokratis­che Grun­dord­nung besagt, dass die Regieren­den nach der Pfeife des Wahlvolkes zu tanzen und sich an die Spiel­regeln zu hal­ten haben.

Anfang 2010 hat das Bun­desver­fas­sungs­gericht (die haben wohl viel zu tun dort) verkün­det:

Die Massen-Spe­icherung von Tele­fon- und Inter­net­dat­en zur Strafver­fol­gung ist unzuläs­sig. Das Bun­desver­fas­sungs­gericht in Karl­sruhe entsch­ied, dass die Vor­rats­daten­spe­icherung gegen die Ver­fas­sung ver­stößt.

Im Juli 2011 schwadronierte Herr Uhl unbeir­rt daher:

Im Vor­feld muss die Überwachung von Inter­netverkehr und Tele­fonge­sprächen möglich sein. Nur wenn die Ermit­tler die Kom­mu­nika­tion bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie solche Tat­en vere­it­eln und Men­schen schützen.

Anlässlich der Tat­en des “nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grun­des” insistierte er im Novem­ber 2011:

“Die ganze Repub­lik rät­selt, wie groß der braune Sumpf in Deutsch­land ist”, sagte der CSU-Poli­tik­er der Neuen Osnabrück­er Zeitung. Ohne Inter­net- und Tele­fon­verbindungs­dat­en der Mit­glieder der recht­sradikalen Zelle dürfte das schw­er zu klären sein. Der Bay­er appel­lierte an den Koali­tion­spart­ner FDP, seinen Wider­stand gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung aufzugeben.

Im Sinne von Hans-Peter Uhl bleibt da nur noch eines: Auf in den Kampf!
Er bleibt eine Dauer­auf­gabe.

Spaß mit Spam
Deine prikelnd heisse Zone

Prick­el­nd wie son­st nur “Merkozy” — da sieht selb­st Car­la Bruni alt aus, Alter — ist dann auch die HTML-for­matierte Müll­mail, die mich heute erre­ichte und die außer dem üblichen Werbeschmonzes einen bemerkenswerten Auf­mach­er bein­hal­tet:

Dass das männliche Mod­ell auf mich eher wie die Inkar­na­tion eines Homo­sex­uellen-Klis­chees (und wie der eine Vam­pir da aus “Twi­light”) wirkt, ist nicht ein­mal der primär inter­es­sante Aspekt an diesem Auss­chnitt. Erwäh­nenswert­er ist der Text rechts daneben:

Deine pri­vate erotik Zone!

Total pri­vat; so pri­vat, dass die ersten tausend kosten­los reinkom­men. Meine pri­vate Erotik­zone war bis­lang eigentlich vor solchem Zulauf gefeit, allerd­ings wird sie auch nicht in mir bekan­nten Massen­mails bewor­ben. (Schade eigentlich.)

Gle­ich nach dem Anmelden wer­den dir deine gewün­scht­en Part­ner vorgestellt ohne lange zu suchen.

Ein­mal abge­se­hen davon, dass ich unter “einan­der vorstellen” in all mein­er rück­ständi­gen Spießigkeit dann doch etwas anderes ver­ste­he als “guck Bild, guck Tit­ten, jetz fick­en!”, ist das ganze Anliegen frag­würdig: Man möchte mir gern den Schrägstrich die gewün­scht­en Part­ner — woher auch immer man den Schrägstrich die “gle­ich nach dem Anmelden” ken­nen oder ermit­teln kön­nen soll — vorstellen, ohne lange zu suchen; also mir qua­si den erst­besten Schrott andrehen und ver­suchen, ihn mir bei eher ver­hal­tenem Inter­esse schönzure­den, oder wie?

Da kann ich auch in’ne Dis­co gehen.

Kreiere deine prikel­nd heisse Zone!

So sehr ich das lei­der aus der Mode ger­atene Wort “kreieren” auch schätze: Wenn etwas so heiß ist, dass es prick­elt, sollte man sich schle­u­nigst davon ent­fer­nen, denn son­st gibt es nach­haltige Ver­bren­nun­gen, die man nicht mit viel gutem Zure­den wieder loswird. Wer das nicht glaubt, der darf gern mal mit den Fin­gern in kochend heißem Wass­er rühren, bis die Nudeln gar sind.

Viel Glück!

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Blumfeld — Die Diktatur der Angepassten

Der ehe­mals grüne Josch­ka Fis­ch­er erk­lärt Krieg dann mal eben zur Josch­ka- statt Chef­sache:

Für Fis­ch­er ver­spricht das näch­ste Jahr nur fol­gende Optio­nen:

Krieg oder Nuk­lear­ma­cht Iran? Oder eine dur­chaus real­is­tis­che andere Vari­ante: Krieg und dann Nuk­lear­ma­cht Iran?”

Na Haupt­sache Krieg. Dass die Alter­na­tivlosigkeit des Bombens und Mor­dens durch den Auf­stieg Irans zur Atom­macht ger­ade eben durch­brochen sein kön­nte und unbe­d­ingt das Gegen­teil erfordert, sollte man doch meinen. Oder ist der Atom­krieg inzwis­chen eine Option unter anderen?

Die Medi­en helfen ihnen beim Dumm­sein, ein stark­er Staat hil­ft ihnen beim Stumm­sein…

14 — Blum­feld — Die Dik­tatur der Angepassten

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXX: Polizist sein macht Spaß, Kinder!

Achjeh:

Statt seinen vollen Namen zu nen­nen, springt Polizei­haupt­meis­ter W. aus dem Streifen­wa­gen und rammt Mar­ti­na S. unver­mit­telt seine Faust in den Bauch, dann greift er nach ihrem Arm, nimmt sie in den Polizeigriff und drückt ihren Kopf auf den Motorhaube. Die Hand­schellen klick­en. “Wegen Behin­derung der Polizeiar­beit”, schnaubt er.

(…)

Vor der Polizei­di­en­st­stelle erk­lärt die Frau den bei­den Polizis­ten, dass sie so lange im Fahrzeug warten werde, bis ihr Mann angekom­men sei. “Ich wollte sicherge­hen, dass noch eine weit­ere Per­son von dem Ver­hal­ten der Polizeibeamten Ken­nt­nis hat.” Haupt­meis­ter W. blafft: “Ich entschei­de, was hier geschieht”, und packt Mar­ti­na F. an den Haaren. Sie stolpert aus dem Auto. W. schleift sie mehrere Meter über den Boden.

(…)

Polizei­haupt­meis­ter W. (…) ste­ht schon wenige Tage später vor Hun­derten Schulkindern und erk­lärt, wieso er gerne Polizist sei: Es sei ein abso­lut span­nen­der Beruf. Jed­er Tag bringe etwas Neues.

Recht und Ord­nung, ein span­nen­der Beruf; und mit Schwächeren prügeln kön­nt ihr euch auch! Ist das nicht ein­fach fabel­haft?
(Die Reak­tion der Schulkinder ist nicht über­liefert.)

Fotografie
Wintertees’s

“Guck mal, Mami, ganz viele Teee!” — “Das heißt Tees’s, mein Kind!”

(Abt.: “Das schreibt man heute so.” und “Irgend­wo kam doch da ein s hin?”)

Nur für kurze Zeit, danach gibt es wieder Tees.

Sonstiges
Beliebige Gewinne

Ja, Fir­ma APC™, zur Wei­h­nacht­szeit wer­den oft die merk­würdig­sten Ange­bote ange­priesen, namhafte Her­steller schleud­ern ihre Pro­duk­te zu, nun ja, Schleud­er­preisen auf den Markt wie zur Ver­höh­nung der­er, die ihr sauer erspartes Geld für diese Pro­duk­te aus­gegeben hat­ten.

Dass die poten­ziellen Kun­den im Marken­rausch eigentlich gar nicht mehr so viel Wert auf die Unter­schei­dung leg­en, was sie da eigentlich in Aus­sicht gestellt bekom­men, so lange es nur teuer ist und sich also zum Prahlen eignet, haben eure, Fir­ma APC™, Werbe­strate­gen schnell erkan­nt und für eure neue Wer­bekam­pagne, die mir in der aktuellen Aus­gabe der Zeitschrift c’t auffiel, das Prinzip des rus­sis­chen Prämien­roulettes erdacht:

Mit etwas Glück gewin­nt man einen dieser neu­modis­chen all-in-one PCs — nur echt mit Dep­pen Leerze­ichen — des Unternehmens Leno­vo, obwohl man eigentlich nur an der Ver­losung eines iPods teil­nimmt; oder ander­sherum oder bei­des oder gar nichts, je nach Lust und Laune.

Aber immer­hin kosten­los.

NetzfundstückePiratenpartei
Krüppelkeile: Wichtige Blogger gegen Onlineparteien

Vor etwas über einem Jahr ließ ich mich schon über das Selb­stver­ständ­nis der “Blo­gosphäre” aus, konkret über Leute, die sich für sonst­wie wichtig hal­ten, weil sie es geschafft haben, ein Word­Press aufzuset­zen. Wer glaubt, ich hätte damals über­trieben, dem lief­ere ich gern ein aktuelles Beispiel, das mir ger­ade im RSS-Leser erschien.

Blog­ger “Weltherrsch­er” näm­lich hat­te für den anste­hen­den Bun­desparteitag der Piraten­partei eine Presseakkred­i­tierung beantragt und scheit­erte damit, und statt ein­mal darüber nachzu­denken, ob sein Ver­ständ­nis von Presse vielle­icht nicht von der Mehrheit geteilt wird, gibt es ver­bale Keile wie zum Beweis dafür, dass die Ablehnung keine schlechte Idee war:

Anscheinend sind Blog­ger in Deutsch­land, immer wenn es um irgend­was geht, immer noch die Arschlöch­er, die zwar Online (sic!) längst die Mei­n­ung­shoheit erlangt haben, aber Offline als “Bäh” ange­se­hen wer­den. (…) Liebe Pirat­en, es ist ger­ade zu (sic!) grotesk, dass ihr Online (sic!) so völ­lige Ver­sager seid! (…) Die Tat­sache, dass die Piraten­partei bzgl. der Unter­schei­dung zwis­chen “Presse” und “Blog­gern” so was von Mit­te­lal­ter­lich (sic!) denkt, ist eigentlich ein Trep­pen­witz. Und selb­st nach Jahren blickt ihr es immer noch nicht: Wenn ihr irgend­wo Stim­men “machen” kön­nt, dann Online (sic!). Denn die Offline-Welt braucht keine Piraten­partei, weil sie euch schlicht nicht ken­nen!

Besagter Artikel ste­ht exem­plar­isch für eine ganze Gen­er­a­tion von Blog­gern, die glauben, der Umstand, dass sie bekan­nte “Kol­le­gen” wie Sascha Lobo und Anke Grön­er in ihre blogroll wie in ein Sam­me­lal­bum kleben, recht­fer­tige ihr Selb­st­bild als essen­zieller Bestandteil der deutschen Nachricht­en­welt.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die in deutschen Medi­en gele­gentlich Erwäh­nung find­en, außer Her­rn Lobo etwa Fefe, John­ny Haeusler, Markus Beckedahl und der­gle­ichen. Auch diese aber haben keine “Mei­n­ung­shoheit”, wen­ngle­ich sie von vie­len Men­schen als Nachricht­en­fil­ter genutzt wer­den. Ich lese zum Beispiel regelmäßig die Blogs der let­zteren drei Her­ren, ihre Mei­n­ung jedoch entspricht sel­ten der meinen. Der erste zitierte Satz ist also nichts mehr als nei­dis­ches Geplärre eines Blog­gers, der nicht wahrhaben will, dass “Bloggen ist Jour­nal­is­mus” von Wieder­hol­ung nicht richtiger wird, zumal man “richtig” eigentlich nicht steigern kann.

Zu Jour­nal­is­mus gehört eben ein biss­chen mehr als “Zeug ins Inter­net tun”, ger­ade auch zu weniger ser­iösem Jour­nal­is­mus. An jeman­den, der sich “Weltherrsch­er” nen­nt und ein wenig bekan­ntes Blog namens “Die Welt ist Scheisse” (sic!) führt, wer­den natür­lich auch keine lock­er­eren Bedin­gun­gen gestellt als an tat­säch­liche Presse­or­gane. Ein wichtiges Instru­ment des Jour­nal­is­mus’ ist Recherche, und wer die Piraten­partei schon ein­gangs als “Inter­net­partei” beze­ich­net und das wahrschein­lich auch noch abw­er­tend meint (“die wollen mich nicht akkred­i­tieren, jet­zt beschimpfe ich sie, das haben sie jet­zt davon”, so geht es halt auch bzw. nicht), der hat da was nicht ver­standen.

Wie er halt selb­st seine Inten­tio­nen nicht zu ver­ste­hen scheint: Eine “Inter­net­partei”, die offline, so schrieb der “Weltherrsch­er” offenkundig ohne vorheri­gen Blick ins Parteipro­gramm, keine Rel­e­vanz besitze, ist ihm doch wichtig genug, dass er als Onlinetyp an ein­er Offlinever­anstal­tung, über die selb­stver­ständlich die meis­ten Offlinemedi­en des Lan­des bericht­en wer­den (die er, “Weltherrsch­er”, allerd­ings offen­bar alle­samt nie gele­sen hat), unbe­d­ingt teil­nehmen möchte. Dass ihm das nur als Gast, nicht aber als wichtige Presse ges­tat­tet wor­den ist, wertet er nicht etwa als einen akzept­ablen Kom­pro­miss, son­dern als “Online-Ver­sagen” der Partei. Klar: Einem x‑beliebigen Blog­ger gegenüber jedem anderen Gast auf einem Parteitag keinen Son­der­sta­tus einzuräu­men ist so was von Mit­te­lal­ter, nur der “Weltherrsch­er” lebt im Hier und Jet­zt in sein­er kleinen, gemütlichen Blog­ger­welt und freut sich einen Ast darauf, dass ihm die CeBIT jedes Jahr Presseausweise spendiert, und kann nicht ver­ste­hen, dass ihn das noch nicht zu einem Pres­sev­ertreter macht, denn dazu braucht es mehr, und sei es nur ein richtiger Presseausweis.

Kon­fron­tiert mit diesen Ein­wän­den reagierte der “Weltherrsch­er” lediglich mit “blablabla..”; klar, so ein Luftschloss kostet eben Miete, und es wäre doch zu schade, sich eingeste­hen zu müssen, dass man sich das Geld eigentlich auch hätte sparen kön­nen.

Nichts­destotrotz verbleibt er mit ein­er Ehrung:

Ich über­re­iche euch hier­mit den Absoluten-Online-Los­er-Voll­horst-Preis!

Die Qual­i­fika­tion für das Stiften dieses Preis­es möchte ich Her­rn “Weltherrsch­er” keines­falls absprechen; aber ein wenig beschä­mend ist das ja schon.

PersönlichesFotografie
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags in der Adventszeit (Versuch 6)

Man latscht bedächtig durch die engen Straßen der Stadt, vor­bei an Men­schen, deren Hek­tik der offen gelebten Besinnlichkeit zuwider­läuft. Bere­its von Weit­em ist der Wei­h­nachts­markt zu erah­nen, zwar noch nicht mit Wei­h­nacht­sliedern beschallt, aber von vielfachen Stim­men und Imbiss­duft umwölkt. Nach­den­klich sieht sich der stille Beobachter inmit­ten unecht lächel­nder Zeitgenossen ste­hen und hört aus den zwis­chen Tand und Tin­nef sowie Wurst- und Fis­chverkäufern nur lei­dlich gut ver­steck­ten Glüh­wein­bu­den das leiernde Lachen offen­bar enger Fre­unde des Wei­h­nachts­festes, dem auch das Karus­sell gegenüber nicht viel ent­ge­gen­zuset­zen ver­mag.

“Ein Fest für die ganze Fam­i­lie”, denkt man und verzieht sein zweites Gesicht zu einem gequäl­ten Lächeln, sieht man doch ganze Fam­i­lien hier beim Ver­such, ihre wei­h­nachtliche Stim­mung um keinen Preis zu ver­lieren. Glück­lich sehen hier eher die Augen der Budenbe­sitzer als die der Kinder aus, aber vielle­icht täuscht dieser Ein­druck auch, ziehen doch die Rauch­schwaden der Imbisse unver­min­dert vorüber.

Nach eini­gen Minuten erwacht man aus sein­er Gedanken­welt und tritt, noch immer beein­druckt, den Rück­zug durch die fes­tlich geschmück­te Stadt an, in der sich doch nicht vieles geän­dert hat.

Wie damals in Alas­sio begin­nt auch hier die Luft sich mit Ben­zin und Tabakqualm zu füllen, je weit­er man sich vom Ort des Geschehens ent­fer­nt. Das “quack-quack-quack” der Enten klingt, als lacht­en sie den Vorüberge­hen­den aus.

Vielle­icht tun sie das.

PolitikIn den Nachrichten
Vorerst erfolgreich

Sollte es in all dem Trubel um die wankelmüti­gen Stuttgarter (sie liefern sich Gefechte mit der Polizei und wählen die Regierung ab, weil sie keinen Bahn­hof wollen, nur um dann der neuen Regierung, die das Pro­jekt Stuttgart 21 ablehnt, den Auf­trag zum Weit­er­bau des­sel­ben zu erteilen; das ver­ste­he, wer will) unterge­gan­gen sein: Die Gefahr der Rück­kehr des Her­rn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg ist längst nicht geban­nt.

Dass er Fehler in seinem Tun erken­nt, behauptet er zwar gele­gentlich, aber er wird nicht müde, neue Schuldige zu find­en. An seinem Ver­sagen sei derzeit der Uni­ver­sität Bayreuth gele­gen:

Die Hochschule sei in dem Pla­giats­fall “lei­der nicht unab­hängig” gewe­sen, son­dern habe offen­bar aus Angst vor dem Ver­lust von Forschungs­geldern vorschnell ge- und verurteilt, sagte Gut­ten­berg in dem Inter­view-Buch “Vor­erst gescheit­ert”, das am Dien­stag erscheint.

Na, so was — ein Buch. Wer ihm das wohl geschrieben hat?

Auch bei einem Anse­hensver­lust hätte die Wis­senschaft­sein­rich­tung “nicht Regeln und den Schutz von Per­sön­lichkeit­srecht­en über Bord wer­fen” dür­fen, betonte Gut­ten­berg in dem Buch. Er sei schließlich kein “Betrüger”. (…) Erneut ver­sicherte Gut­ten­berg, er habe bei sein­er Dis­ser­ta­tion “selb­stver­ständlich” keinen Ghost­writer gehabt.

Richtig, die Uni­ver­sität durfte nicht Regeln, etwa das Ver­bot des Plagi­ierens, und den Schutz von Recht­en, etwa der Urhe­ber­rechte der Autoren der Texte, aus denen seine Dis­ser­ta­tion zusam­menkopiert war, mis­sacht­en; und hat genau deshalb das Richtige getan. Ihm ist immer­hin anzurech­nen, dass er keinen ghost­writer hat­te, son­dern in mühevoller Kleinar­beit aus jed­er Quelle mit sein­er eige­nen Hände Arbeit abgeschrieben hat. Ob sein Tun juris­tisch als Betrug zu werten ist, ist mir nicht bekan­nt, seine Ver­suche aber, die Fol­gen als Ver­schwörung von Nei­dern darzustellen, zeigen fehlende Ein­sicht und sind zumin­d­est von Ruf­schädi­gung nicht weit ent­fer­nt. Ein Betrüger mag er nicht sein, ein Blender wird er bleiben, da helfen keine Pillen; und als ein solch­er ist er im Politzirkus sicher­lich nicht verkehrt.

Das weiß er selb­st:

Eine Rück­kehr nach Deutsch­land und auch in die Poli­tik schloss Gut­ten­berg nicht aus.

Da freuen sich Deutsch­land und die Poli­tik natür­lich sehr. Was dieses Land braucht, sind inte­gre Poli­tik­er mit strahlen­der Per­sön­lichkeit. Nur: Wohin mit dem ollen Gut­ten­berg? In der CSU möchte er anscheinend nicht weit­er­ma­chen:

Die CSU ste­he vor der Gefahr, zu ein­er Region­al­partei abzusteigen.

Vielle­icht sollte mal jemand Her­rn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg darauf hin­weisen, dass die CSU außer­halb des Freis­taates Bay­ern nicht existiert und Bay­ern lediglich eines von über zehn Bun­deslän­dern in Deutsch­land ist. Man sehe es ihm aber nach, dass ihm das bis­lang nicht bekan­nt war: So ein deutsch­er Vertei­di­gungsmin­is­ter hält sich eben auch in sein­er Amt­szeit nur sel­ten im Inland auf.

Beim SPIEGEL, wo man auch die Abschaf­fung des Adels­standes noch nicht bemerkt hat und ihn, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, weit­er­hin einen “Adli­gen” nen­nt, bestätigt man die Befürch­tung:

Er selb­st will Ende Jan­u­ar erst­mals wieder vor großem Pub­likum in Deutsch­land auftreten: Aus­gerech­net beim Karneval.

Und zwar nicht etwa als Beruf­s­clown, wie es Nor­bert Blüm nach sein­er Tätigkeit in der Bun­de­spoli­tik zu prak­tizieren beschloss, son­dern als Lauda­tor, denn so eine Lau­da­tio braucht ja immer jeman­dem, der über den zu Ehren­den wahre, weise Worte spricht. Weil der SPIEGEL im Rest des Artikels eben­so wie auch N24 reich­lich auf die Wer­be­trom­mel für des “Adli­gen” Buch schlägt, ist es der­weil nicht ver­wun­der­lich, dass sel­biges in der Erstau­flage bere­its “fast ver­grif­f­en” ist.

Den Erlös kann er, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, ja zum Beispiel nutzen, um die Lizen­zrechte an seinen hand­ver­lese­nen Quellen zu erwer­ben. Aber warum sollte er das tun?

(Danke an L.!)

Montagsmusik
Erste Allgemeine Verunsicherung: Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)

Nach­dem die meis­ten mein­er Leser wahrschein­lich bere­its die Nase voll haben von Lebkuchen und Domi­nos­teinen, kann die Adventszeit ja nun sin­nvoll ver­bracht wer­den; zum Beispiel mit nach außen hin zele­bri­ert­er Besinnlichkeit, obwohl man sich eigentlich gar nicht besinnlich fühlt, und den let­zten hek­tis­chen Wei­h­nacht­seinkäufen, denn man hat zwar eigentlich ger­ade nicht viel Geld oder auch nur Lust, ern­sthaft von Herzen ein Geschenk auszusuchen, aber es muss ja sein, denn bald ist Wei­h­nacht­en, und da macht man das halt so; wenn die Liebe zur eige­nen Fam­i­lie während der anderen 11 Monate im Jahr schon nicht genügt, um ein Fest der Fam­i­lie zu feiern oder den Men­schen, denen man viel ver­dankt, hin und wieder etwas materielle Aufmerk­samkeit zu schenken.

Es ist jedes Jahr das­selbe: Elf Monate im Jahr verge­hen ohne einen Gedanken an das Chris­ten­tum zu ver­schwen­den, wom­öglich gar, ohne sich um die Gebote als Grund­satz der Chris­ten zu scheren, im zwölften Monat dann ist man dankbar für den Ablasshan­del, den die Kaufhäuser gewähren. Die Seele wird rein von der Nach­läs­sigkeit, die man ihr angedei­hen ließ, wenn man drei Tage lang Zeit und Geld für nahe Men­schen aufwen­det. Chris­ten­tum? Ach, i wo. Aber Wei­h­nacht­en, das macht man eben so.

Sagt jeden­falls die Wer­bung, und die muss es ja wis­sen.

Man möchte nicht darüber nach­denken, man möchte nicht aus der Rei­he fall­en. Alle schenken, also schenke ich mit, auch denen, die ich eigentlich nicht mag; mit einem falschen Lächeln im Gesicht und Ebbe in der Geld­börse, aber es kommt ja von Herzen, redet man sich und dem Gegenüber ein.

Hört den Klang der Glock­en, kauft und singet Hal­lelu­ja!

Das befre­it von der See­len­last und ret­tet den Euro. Amen, Brud­er.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXIX: … aber für’s Fernsehen niemals!

Achwat, Sarah Kut­tner?

Sich selb­st find­et Kut­tner “viel harm­los­er, als alle glauben: anständig, nicht ern­sthaft rabaukig”, und sie sage “nicht am laufend­en Band fick­en, kack­en, kotzen. Ich bin nicht anstren­gend, und nack­ig mach ich mich im TV schon gar nicht”, so die Autorin (…).

Das wäre bekan­ntlich unter ihrer Würde. Sie weiß, wovon sie spricht, sollte man meinen:

Im Juli 2003 erschienen von ihr Akt­fo­tos in der deutschen Aus­gabe des Play­boy.

Und Frau Kut­tner dann so:

“(…) Besten­falls muss man auf sein eigenes Wertesys­tem verzicht­en. Ein erfol­gre­ich­er Mod­er­a­tor ist sich für kaum etwas zu schade.”

Außer halt fürs Fernse­hen.

(via @chriszim (via @janboehm))

In den NachrichtenPiratenpartei
Hilfe, schon wieder Unterwanderung!

Pos­i­tiv: Der Vor­wurf, die Piraten­partei würde von der NPD unter­wan­dert, ist inzwis­chen beina­he ver­hallt.

Neg­a­tiv: Stattdessen muss sich die Piraten­partei nun den Vor­wurf gefall­en lassen, ihre Trans­parenz sei von Nachteil.

Der Hin­ter­grund: Das Piraten­pad, eine kol­lab­o­ra­tive Plat­tform, die unter anderem als virtueller AG-Tagungsraum inner­halb der Piraten­partei dient, aber auch von den Auf­ständis­chen in eini­gen dieser neu­modis­chen Rev­o­lu­tion­slän­der zur Koor­di­na­tion genutzt wurde und wird, bein­hal­tete kür­zlich Ver­weise auf Kinder­pornografie, nach aktuellem Ken­nt­nis­stand von Mit­gliedern des Kollek­tivs Anony­mous im Rah­men der­er Bemühun­gen, aktiv gegen eben­solche vorzuge­hen, eingestellt, und wurde daraufhin herun­terge­fahren. Dass sich die Aufmerk­samkeit jet­zt auf die Piraten­partei konzen­tri­ert, ist erstaunlich, denn ob die fraglichen Seit­en inzwis­chen erfol­gre­ich bekämpft wor­den sind, scheint nie­man­den zu inter­essieren; “erschlagt den Boten!” lautet das Mot­to.

Tat­säch­lich ist die Piraten­partei fein her­aus: Die unverzügliche Abschal­tung nach Ken­nt­nis­nahme der Sach­lage sollte juris­tis­che Kon­se­quen­zen ver­mei­den, zumal nicht nachvol­l­zo­gen wer­den kann, wer die fraglichen Inhalte eingestellt hat. Selb­stver­ständlich verzichtet man als EDV-Ver­ant­wortlich­er bei der Piraten­partei auf die Spe­icherung per­so­n­en­be­zo­gen­er Dat­en wie der IP-Adresse.

Und in der Presse klingt das dann so:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Anspruch auf Trans­parenz und Durch­läs­sigkeit für die Partei zum Eigen­tor wird. Der Lan­desver­band Nor­drhein-West­falen warnte kür­zlich vor ein­er Unter­wan­derung durch Sci­en­tol­ogy, auch hat­te die Partei Ärg­er wegen Neu­mit­gliedern mit NPD-Ver­gan­gen­heit.

Zu der Unter­wan­derung durch Sek­ten, Ver­harm­los­er linken Extrem­is­mus’ und die NPD kommt nun auch noch eine Unter­wan­derung durch Leute, die Kinder­pornografie bekämpfen wollen. Man hat es nicht leicht als Piraten­partei.

Und weil jed­er Artikel eine gute Über­schrift braucht, greift man tief in die Kom­posi­tak­iste der “BILD” …

Kinder­porno-Panne erschüt­tert Piraten­partei

…, auf dass die Leser­schar, deren kon­ser­v­a­ti­vere Ele­mente grund­sät­zlich bei jedem pro­gres­siv­en Gedanken den Wel­tun­ter­gang her­auf­beschwören, sich gar nicht erst mit dem Text befassen, son­dern gle­ich wieder die Causa Tauss zitieren möge, “war ja auch irgend­was mit Kinder­pornos”.

Dass “Anony­mous” inzwis­chen die Urhe­ber­schaft der fraglichen Ver­weise zugegeben und sich entschuldigt hat, nimmt man in der Öffentlichkeit eben­so wenig wahr wie den eigentlichen Inhalt des mit­tler­weile gelöscht­en Pads:

Allerd­ings haben die auf dem Pad vorhan­de­nen Links _nichts_ mit Kinder­pornogra­phie direkt zu tun. Es waren Links zu Foren, in welchen sich pädophile Men­schen tre­f­fen und aus­tauschen. Zudem wurde eines der genan­nten Foren in Schwe­den gehostet, was wir nicht tolerieren.

Es ist wirk­lich eine Schweinerei von der Piraten­partei, es zuzu­lassen, dass sich anonyme Inter­net­be­nutzer mith­il­fe ihrer Infra­struk­tur über Meth­o­d­en zur Unterbindung kinder­pornografis­ch­er Aktiv­itäten im Inter­net aus­tauschen. Da sieht man mal wieder, wohin diese Frei­heit im Inter­net führt.

Mit der Vor­rats­daten­spe­icherung wäre das alles nie passiert!

(Danke an M.!)

PersönlichesPolitik
Quotenkompetenz

Als Angestell­ter im öffentlichen Dienst erlebt man so manche Über­raschung.

Heute zum Beispiel erre­ichte mich neben dem gewohn­ten Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al betr­e­ffs mein­er Arbeit­szeitvergü­tung auch ein Brief der nieder­säch­sis­chen Min­is­terin für Soziales, Frauen, Fam­i­lie, Gesund­heit und Inte­gra­tion (Män­ner inter­essieren eben nie­man­den), die tre­f­fend­er­weise Aygül Özkan heißt und somit für min­destens zwei ihrer fünf Ämter sog­ar ein wenig Fachkom­pe­tenz besitzen dürfte, in welchem sie — oder ein­er ihrer Bedi­en­steten — mich bat, an ein­er Umfrage teilzunehmen. Den Brief habe ich im Dienst der Trans­parenz und der Infor­ma­tion mein­er Leser im Fol­gen­den ein­mal kopiert und die bemerkenswerten Stellen her­vorge­hoben:

Es geht also in Kurz­form darum, dass Frau Özkan im öffentlichen Dienst ihres­gle­ichen ver­misst. Etwa 17 Prozent der Nieder­sach­sen sind nicht von hier, und da man im Amt für Soziales, Frauen, Fam­i­lie, Gesund­heit und Inte­gra­tion offen­bar ger­ade die genauen Zahlen nicht find­en kann, hat man dort beschlossen, ein­mal herumzufra­gen, ob diese Zahl sich auch im Ver­hält­nis der vom Land Beschäftigten wiederfind­en lässt. Bei unge­fähr 17 Prozent “betrof­fe­nen” Nieder­sach­sen ist es doch sich­er möglich, eine Migranten­quote von min-des-tens 50 Prozent hinzubekom­men, sofern das nicht mit der Frauen­quote kol­li­diert. Beson­ders gern gese­hen sind also, wahrschein­lich, behin­derte weib­liche Migranten; Verzei­hung, es muss natür­lich “behin­derte weib­liche Migrant/-innen” heißen. Kom­pe­tenz ist, wie üblich, zweitrangig. (Nur, falls sich noch jemand wun­dert, wieso nieder­säch­sis­che Behör­den nicht für ihre Effizienz bekan­nt sind.)

Warum ich das Anschreiben in der heuti­gen, zum Nachteil ein­heimis­ch­er Män­ner “poli­tisch (und sex­is­tisch) kor­rek­ten” Zeit über­haupt für erwäh­nenswert halte, erk­lärt die zweite Seite des­sel­ben:

Denn warum sollte man im öffentlichen Dienst auch arbeit­en, wenn man stattdessen Umfra­gen aus­füllen kann? Sich­er, “10 bis 15 Minuten” klingt nicht nach viel Ver­lust, aber man sollte nicht vergessen, dass nicht jed­er von der Bedi­enung des Inter­nets allzu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas länger dauern kann. Die erwäh­nte Inter­net­seite wird etwas konkreter und erwäh­nt neben dem Umstand, dass außer der Herkun­ft auch das Geschlecht und das Alter sehr wichtig sind, wenn man im öffentlichen Dienst zukün­ftig einen Arbeit­splatz bekom­men möchte, auch dieses Detail:

Ins­ge­samt wer­den rund 222.000 Bedi­en­stete gebeten, bis zum 20. Jan­u­ar 2012 Auskun­ft über ihren möglichen Migra­tionsh­in­ter­grund und ihr Beschäf­ti­gungs-ver­hält­nis zu geben sowie einige zusät­zliche Angaben zu machen.

  • Rund 222.000 Bedi­en­stete wer­den offiziell dazu aufgerufen, durch­schnit­tlich 15 Minuten ihrer Arbeit­szeit damit zu ver­brin­gen, dem Min­is­teri­um ihre Per­son zu erläutern; klar: Woher sollte so ein Min­is­teri­um auch wis­sen, wer im Dienst des Lan­des ste­ht? Das macht nach Adam Riese und calc.exe 3,3 Mil­lio­nen Minuten, 55.500 Stun­den oder 2.312,5 Tage (das sind einige Jahre), die auf Kosten des Steuerzahlers erwün­scht ver­plem­pert wer­den.
  • Rund 222.000 Aus­fer­ti­gun­gen vor­liegen­den Schreibens kosten den Steuerzahler nach den üblichen Brief­be­förderung­spreisen ins­ge­samt über 122.000 Euro.

Und das alles, nur noch ein­mal zur Erin­nerung, nur, weil Frau Özkans Min­is­teri­um der Mei­n­ung ist, Migranten seien unab­hängig von ihrer fach­lichen Kom­pe­tenz oder son­sti­gen Qual­itäten bei der Ver­gabe von Arbeit­splätzen zu bevorzu­gen. Arbeit­slose Deutsche gibt es eben noch nicht genug — als Min­is­terin für Soziales weiß man so etwas ja meist.

“Auch les­bis­che schwarze Behin­derte kön­nen ätzend sein.”
— Die Toten Hosen

(Für eifrige Leser: Wer alle Gram­matikschnitzer in obigem Anschreiben find­et, bekommt ein virtuelles Schul­terk­lopfen von mir.)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt LXVIII: Anständiger Aufstand

In den USA so:

Eine US-Lob­by­fir­ma bietet amerikanis­chen Banken Hil­fe bei der Demon­tage der Occu­py-Protestler an. Die Aktivsten gel­ten in Wash­ing­ton als ern­sthafte poli­tis­che Bedro­hung.

(Quelle)

Weil vorher in den USA so:

Die Stim­mung zwis­chen Polizei und der Occu­py-Bewe­gung heizt sich auf. In New York wur­den 250 Men­schen festgenom­men. Polizis­ten und Demon­stran­ten sind ver­let­zt.

(Quelle)

Während in Deutsch­land so:

(…) das Ver­hal­ten der Demon­stran­ten gibt den städtis­chen Ord­nung­shütern keinen Grund zur Klage, im Gegen­teil: “Wenn jede Demon­stra­tion so angenehm und friedlich ver­laufen würde, hät­ten wir weniger Arbeit”, sagte der Chef des Frank­furter Ord­nungsamts (…). Der Platz vor der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB) sei eben “ein Platz, an dem man nicht aneckt”. Dort campiert “Occu­py Frank­furt” seit dem weltweit­en Aktion­stag vom 15. Okto­ber.

(Quelle)

Und dann das Ord­nungsamt so:

Das Frank­furter Ord­nungsamt hat den Occu­piern am Willy-Brandt-Platz ger­ade erneut die Protest­genehmi­gung ver­längert, dies­mal bis zum 27. Novem­ber. (…) “Wenn es so weit­er geht, wer­den wir das auch den Win­ter hin­durch ver­längern.”

(Quelle)

Ihr seid mir ein paar Rev­o­lu­tionäre. Eure 68er-Eltern sind jet­zt sich­er sehr stolz auf euch.

“In Deutsch­land wird es keine Rev­o­lu­tion geben, weil man dazu den Rasen betreten müsste.”
(wahrschein­lich) Wladimir Iljitsch Uljanow