Montagsmusik
The Toten Crackhuren im Kofferraum — Ich hab keinen Spaß

Zur Lage der Nation (und weil ich den Band­na­men so lustig finde) sowie im Dienst des schlecht­en Geschmacks schlage ich vor, die Woche mit “Ich hab keinen Spaß” von The Toten Crack­huren im Kof­fer­raum begin­nen zu lassen. Ich hoffe, dieser Vorschlag find­et Zus­tim­mung.

DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM — kein Spass (in Neukalen 27.11.2010)

Gegen­teilige Mei­n­un­gen sind zu spät.

Piratenpartei
Piraten und der Esoterror

Ach, das ist ja ger­adezu furcht­bar: Die Frak­tion­s­geschäfts­führerin der Berlin­er Piraten­partei, Daniela Scher­ler, hängt pri­vat eso­ter­isch­er Alter­na­tivmedi­zin an, worüber sie auch Büch­er schreibt, in denen sie ange­blich — ich habe das jet­zt aus Grün­den nicht selb­st über­prüft — schw­er Kranken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrank­ten) zu ver­ste­hen gibt, sie seien selb­st schuld an ihrem Zus­tand. Gut, bei AIDS kann man sich jet­zt darüber stre­it­en, inwieweit eine Erkrankung ver­mei­d­bar wäre.

SPIEGEL Online hat vorge­blich nachge­le­sen:

An ein­er Stelle schreibt sie etwa über das Fas­ten. Sie sei sich vorher sich­er gewe­sen, die Zeit lock­er zu über­leben. Es gebe aber Men­schen, die in ver­gle­ich­baren Sit­u­a­tio­nen ster­ben wür­den, “weil sie noch in ihrem begren­zten Ego-Denken gefan­gen sind”.

Als Beispiel zieht Scher­ler dafür eine Flugzeugkatas­tro­phe her­an: Sie habe davon gele­sen, dass nach dem Unglück in den Bergen einige der Über­leben­den gestor­ben seien, nach­dem sie drei Tage nichts zu essen hat­ten: “Und das, weil sie sich nicht vorstellen kon­nten, länger ohne Essen zu über­leben. Sie man­i­festierten so unbe­wusst ihr Ver­hungern.”

Die Ver­hungerten waren also selb­st schuld? Zu ganz ähn­lichen Ergeb­nis­sen kommt sie, wenn es um Krankheit­en geht. Diese seien die “ ‘Quit­tung für (falsches) Pro­jek­tionsver­hal­ten”, meint Scher­ler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Ver­ste­hen sind eben zwei Dinge. Eure ganze Argu­men­ta­tion ste­ht und fällt mit der von mir hier her­vorge­hobe­nen, ver­meintlich rhetorischen Frage. Dabei hat Frau Scher­ler von “Schuld” über­haupt nichts geschrieben, nur von man­gel­nder Diszi­plin. Pro­vokant gefragt: Kön­nt ihr das wider­legen?

Nehmen wir an, die Inter­pre­ta­tion von SPIEGEL Online ist über­haupt auch nur ansatzweise richtig, woran es zu zweifeln gilt, so ist diese Hal­tung den Betrof­fe­nen gegenüber sicher­lich nicht nett. Die Welt der Eso­terik ist in der Regel in sich abgeschlossen: Wer nicht mitzieht, ist selb­st schuld. Was mir aber von den vie­len, die nach Parteiauss­chluss und Unwählbarkeit krähen, bis­lang nicht beant­worten kon­nten oder woll­ten: Inwiefern ist es poli­tisch rel­e­vant, wenn (und falls) die Frak­tion­s­geschäfts­führerin der Berlin­er Piraten­partei pri­vat irgendwelche absur­den eso­ter­ischen Meth­o­d­en der Alter­na­tivmedi­zin nicht schlecht find­et?

Die Frak­tion hat sich hin­ter Frau Scher­ler gestellt und ern­tet dafür Schelte: Sei man doch nicht so anders als die anderen Parteien?

Doch, natür­lich ist die Piraten­partei das, und darum verzichtet man auf einen Parteiauss­chluss. Es ist doch ganz ein­fach: So lange man nichts tut, was den Prinzip­i­en der Piraten­partei zuwider­läuft, ist alles erlaubt. Einen Pro­gramm­punkt, der besagt, die Piraten­partei stelle sich entschlossen gegen Alter­na­tivmedi­zin, Homöopathie und ähn­lich wirres Zeug, gibt es nun ein­mal nicht. (Dass Men­schen, die Alter­na­tivmedi­zin und Eso­terik ser­iös­er Wis­senschaft vorziehen, wohl doch nicht so ver­acht­enswert sind, zeigt der Fall von Steve Jobs, dessen Tod unter anderem seinem Ver­such, den Krebs mit eben­solchen Meth­o­d­en zu bekämpfen, geschuldet ist; und was sieht man auf Fotos von Pirat­en-Frak­tion­ssitzun­gen? Klar: Apple-Pro­duk­te.)

Es ist schlimm mit der Piraten­partei. Dort tum­meln sich geläuterte NPD-Aussteiger, Sci­en­tolo­gen und Eso­terik­er. Wenn jet­zt auch noch her­auskommt, dass trotz der welt­frem­den und Men­schen ver­ach­t­en­den Hal­tung des Pap­stes zur Sex­u­al­ität sog­ar Katho­liken in ihren Rei­hen sind — nicht auszu­denken!

Nerdkrams
DropIt: Dateien sortieren leicht gemacht

In der neuen Aus­gabe der Zeitschrift c’t wird kurz auf das quellof­fene Win­dowspro­gramm DropIt hingewiesen, das aus­re­ichend gut ist und daher hier Erwäh­nung find­et.

Dabei han­delt es sich um ein wid­get mit einem Pfeil­sym­bol, das auf Wun­sch stets im Vorder­grund bleibt und auf das man beliebige Dateien und Verze­ich­nisse ziehen kann. Diese Dateien und Verze­ich­nisse wer­den dann anhand von Dateina­men­regeln ver­ar­beit­et, zum Beispiel ent­packt, gelöscht oder ver­schoben.

Dabei kön­nen die Dateien beim Ver­schieben auch umbe­nan­nt wer­den. Zum Beispiel kön­nen so Fotos von der Dig­italk­a­m­era in nach Datum sortierte Unterord­ner aufgeteilt und herun­terge­ladene Dateien, etwa von Down­The­mAll! immer in dem­sel­ben Ord­ner gespe­ichert, je nach ihrer Art (OnlineTVRecorder-Auf­nah­men, zu tes­tende Pro­gramme, Musik­dateien, …) in einem Rutsch in die kor­rek­ten Verze­ich­nisse ver­schoben wer­den.

Was mir per­sön­lich noch fehlt: Reg­uläre Aus­drücke für Dateina­men (zum Beispiel die Möglichkeit, dass nur Dateien, die min­destens 2 Zif­fern am Ende ihres Namens tra­gen, berück­sichtigt wer­den sollen) und eine deutsche Sprach­datei, die all­t­agstauglich ist. Hier­für gibt es allerd­ings einen (englis­chsprachi­gen) Diskus­sion­sstrang, in dem Fehler­mel­dun­gen und Funk­tion­sid­een erwün­scht sind.

Is’ ganz nett, ja.


Kurze Ansage für meine poli­tisch inter­essierten Leser: Deutsch­land soll einen eige­nen “Cloud”-Dienst bekom­men, damit die US-amerikanis­chen Geheim­di­en­ste nicht mehr in den Dat­en der Bürg­er schnüf­feln kön­nen. Stattdessen können’s dann eben die deutschen. Für die Sicher­heit soll unter anderem das BSI sor­gen. Dann kann ja nichts mehr schiefge­hen.

Sonstiges
Medienkritik LX: Sag’s mit RTL

Seit eini­gen Tagen wirbt der blöde Fernsehsender RTL mit der RTL-Kam­pagne (“RTL Kam­pagne”) “Sag’s auf Deutsch” gemein­sam mit promi­nen­ten, aus­ländis­chstäm­mi­gen “Pat­en” dafür, dass Migranten hierzu­lande mehr Deutsch sprechen. Hier­für wur­den mehrere Kurz­filme (“Spots”) gedreht, deren Kern der fol­gende ist:

RTL Kam­pagne — Sag’s auf Deutsch

So wenig ich auch an dieser Kam­pagne auszuset­zen habe, bin ich doch recht über­rascht von dem Umstand, dass sie aus dem Hause RTL stammt. Ja, natür­lich sollte man die Sprache des Lan­des, in dem man lebt, irgend­wann ein­mal zumin­d­est zu ver­ste­hen ler­nen. Aber ist RTL dabei eine große Hil­fe?

Denn wie selb­stver­ständlich heißt der Stream­ing-Anbi­eter von RTL nicht etwa “RTL jet­zt”, was kurz, präg­nant und ver­ständlich wäre, son­dern RTLNOW, kon­se­quent in Brüll­buch­staben geschrieben. Nachricht­en präsen­tiert die Sparte “News”, auch in Vide­o­form (“Video-News”), lobenswert ist aber immer­hin, dass man bei RTL den Binde­strich noch aus der “Schule” ken­nt, nur die Abteilung für Klatsch und Tratsch (“Star News”) hat davon nicht viel mit­bekom­men. Natür­lich unter­hält man bei RTL auch eine “RTL Com­mu­ni­ty”.

Als Vor­läufer der Aktion “Sag’s auf Deutsch” hat RTL übri­gens vor drei Jahren einen Inte­gra­tionspreis erfun­den, der nicht etwa “Inte­gra­tionspreis”, son­dern com.mit Award heißt. Ein­er der hier­für Ver­ant­wortlichen, Chefredak­teur Peter Kloep­pel, hat sich im Jahr 2011 zum The­ma “Sag’s auf Deutsch” fol­gen­der­maßen geäußert:

Es geht dabei gar nicht unbe­d­ingt um steile Kar­ri­eren, son­dern vielmehr darum, dass die gemein­same Sprache Grund­vo­raus­set­zung für ein erfülltes Leben hier ist. (…)
Das konkrete Ziel der Kam­pagne ist, Men­schen jeden Alters davon zu überzeu­gen, wie wichtig es ist, dass man in Deutsch­land die deutsche Sprache spricht und ver­ste­ht.

Nun gibt es zwei Möglichkeit­en. Die erste ist es, dass Peter Kloep­pel kein erfülltes Leben in Deutsch­land führt und so impliz­it seinem Unmut hierüber Luft machte. Das wäre bedauer­lich. Die zweite, wahrschein­lichere ist es, dass Peter Kloep­pel ern­sthaft der Mei­n­ung ist, der Prekari­atssender RTL mit all seinen news und awards und spots und com­mu­ni­tys sei ein gutes Vor­bild. Das wäre eben­falls bedauer­lich.

Ich erlaube mir, den Wer­be­text für “Sag’s auf Deutsch” zu zitieren:

‘Sag’s auf Deutsch’ — so lautet der Titel ein­er Social-Kam­pagne, die ab Mon­tag, 24. Okto­ber, bre­it gefächert im RTL-Pro­gramm einge­set­zt wird. Zehn Promi­nente aus den Bere­ichen TV, Sport, Mode und Poli­tik, alle mit Migra­tionsh­in­ter­grund, geben in den 60- bzw. 90-sekündi­gen Spots klare State­ments dazu ab, wie wichtig gute Deutschken­nt­nisse für eine gelun­gene Inte­gra­tion in die Gesellschaft hierzu­lande sind.

Her­vorhe­bun­gen habe ich dies­mal nicht geson­dert vorgenom­men, der Text spricht für sich. Wer inte­gri­ert eigentlich die RTL-Mitar­beit­er in die Gesellschaft? Peter Kloep­pel jeden­falls nicht.

J’accuse …!

Fotografie
Merry ixmas.

Trotz allem ist es ja immer noch erstaunlich, was für eine See­lenkälte die wei­h­nachtliche Schaufen­s­ter­deko­ra­tion ausstrahlt:

Genau, mer­ry xmas, denn die gewei­hte Nacht ist diesen Jesusverkäufern schon lange eben­so egal wie dschieses kreist, den sie immer­hin kon­se­quent aus-x-en, auf dass jed­er verbliebene Zweifel an ihren Motiv­en ver­fliege. Nor­damerikanis­che Kul­tur ist eben echt pri­ma, nur dieser Glauben­skäse stört, gell?

In den NachrichtenPolitik
Liberale Unfallflucht

Jet­zt mal ganz langsam zum Mitschreiben für Langsame wie mich:

Die F.D.P. ist seit der unsan­ften Ent­fer­nung der einzi­gen mit so etwas wie Charis­ma aus­ges­tat­teten Führungsper­sön­lichkeit in ihren Rei­hen, Gui­do West­er­welle, qua­si bedeu­tungs­los gewor­den. Im Rah­men ein­er For­sa-Umfrage wurde zulet­zt veröf­fentlicht, dass das deutsche Volk das Ver­trauen in diese so genan­nte Partei gän­zlich ver­loren hat, für mehr als null Prozent hat es nicht ein­mal in den Rei­hen der Ökonome und Hotelbe­sitzer genügt, was insofern erstaunlich ist, als diese ja seit eini­gen Jahren die primäre Klien­tel (und Lob­by) der F.D.P. darstell­ten.

Die weni­gen verbliebe­nen F.D.P.-Repräsentanten zeigen nicht nur, dass sie poli­tisch ahnungs­los durch das Leben tapsen, son­dern auch, dass sie pri­vat ander­er­seits ganz gut in die F.D.P. passen:

Sil­vana Koch-Mehrin kämpft weit­er­hin um ihren Dok­tor­grad. Am Mittwoch reichte die FDP-Europa­poli­tik­erin Klage gegen die Uni­ver­sität Hei­del­berg ein, die ihr den Titel im Juni aberkan­nt hat­te. (…) Sie erk­lärte, ihre Arbeit sei zwar “nicht frei von Schwächen, nicht sel­ten unge­nau, ober­fläch­lich und manch­mal ger­adezu fehler­haft”, die wis­senschaftlichen Ergeb­nisse ihrer Arbeit beruht­en jedoch auf ihrer eige­nen Leis­tung.

Glück­wun­sch zu dieser Leis­tung, Frau Koch-Mehrin, und eigentlich war damit zum The­ma “Flachköpfe in der F.D.P.” alles gesagt; dann trat­en Chris­t­ian Lind­ner als Gen­er­alsekretär der F.D.P. und Chris­t­ian Schmitt als saar­ländis­ch­er F.D.P.-Fraktionsvorsitzender zurück. Let­zter­er ist inzwis­chen bei der CDU, es wächst manch­mal eben zusam­men, was zusam­men gehört. Erster­er hat einen Nach­fol­ger bekom­men, einen gewis­sen Her­rn Göring Döring.

Gegen diesen Her­rn Döring nun wird bere­its vor Amt­santritt wegen Fahrerflucht ermit­telt. Fahrerflucht ist es, wenn man sich vor der Ver­ant­wor­tung für einen Unfall zu drück­en ver­sucht. Und an dieser Stelle hätte ich mal eine Frage: Wie nen­nt man das eigentlich, wenn man statt eines Kraft­fahrzeugs eine Partei gegen den Baum fährt und sich dann vor der Ver­ant­wor­tung drückt?

Falls es noch kein Verb dafür gibt, schlage ich “lib­eralen” vor, einen Inhalt hat­te das Wort “lib­er­al” ja schon lange nicht mehr. Gibt es Gegen­vorschläge?


Nach­trag, denn irgend­wie passt diese Mel­dung zum Nieder­gang der F.D.P.: Die Deutschen, heißt es, hät­ten jahre­lang über ihre Ver­hält­nisse gelebt; die Zeit des Massen­wohl­stands (sic!) sei jet­zt aber vor­bei. Schade, jet­zt hat­te ich gar nichts davon.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXII: Wecker für Frauen, Links für Rechte, Kultur für Einwohner der USA

Es ist schon Mitte Dezem­ber, und ihr wisst immer noch nicht, was ihr ein­er Frau eur­er Wahl schenken kön­ntet? Wie wäre es mit einem Vagi­nal­weck­er?

(via @IndigoDeLucca)


Von der klassenkämpferisch linken “taz” kann man hal­ten, was man möchte; über diese Bil­dun­ter­schrift musste ich dann doch ein wenig schmun­zeln:

(via @Weltregierung)


Dass sich US-Amerikan­er mitunter ziem­lich unbri­tisch benehmen, dass sie mit Waf­fen nicht umge­hen kön­nen, die englis­che Sprache ver­hun­zen und über­wiegend von Geografie keinen blassen Schim­mer haben, ist bekan­nt. Die Lösung ist ganz ein­fach: Man gliedere die USA wieder in den Herrschafts­bere­ich Großbri­tan­niens ein, und schon sind diese Prob­leme beseit­igt.

The let­ter U will be rein­stat­ed in words such as ‘favour’ and ‘neigh­bour’; skip­ping the let­ter U is noth­ing more than lazi­ness on your part. Like­wise, you will learn to spell ‘dough­nut’ with­out skip­ping half the let­ters.

(…)

The 2.15% of you who are aware that there is a world out­side your bor­ders may have noticed that no one else plays ‘Amer­i­can foot­ball’. You will no longer be allowed to play it, and should instead play prop­er foot­ball.

Großar­tige Lek­türe!

Fotografie
Ladies Night

Nein, Welt­geist, wie sub­til du heute wieder bist:

Eige­nar­tiger­weise haben wir heute, zwei Tage nach dem 10. Dezem­ber, sowohl den Wel­tun­ter­gang als auch die Ladies Night über­lebt. Ich bin mir noch nicht ganz sich­er, was davon mich mehr über­raschen sollte.

Sonstiges
Skandal: Justin Bieber nackt!

Wahrschein­lich jeden­falls, wenn er duscht. Da ich aber nun eure Aufmerk­samkeit habe, ihr per­versen Schweinchen von der Boule­vard­presse, hoffe ich, ihr verzei­ht mir diese List, denn ich hätte da mal ein paar Fra­gen an euch:

  1. Was ist eigentlich mit EHEC passiert? Sind die Erreger in den war­men Süden geflo­gen oder an eur­er Nicht­beach­tung zugrunde gegan­gen?
  2. Wur­den die für den Staat­stro­jan­er Ver­ant­wortlichen inzwis­chen zur Rechen­schaft gezo­gen oder hat dieses Ver­brechen am deutschen Volke mit der vorüberge­hen­den Aus­set­zung seines Ein­satzes seinen Nachricht­en­wert für euch ver­loren?
  3. Die Dik­tatur in Weißrus­s­land inter­essiert euch nur, wenn ein­er der Euren darunter lei­den muss, richtig?
  4. Wer­den in der Ukraine nach euren zaghaften Protesten immer noch massen­haft Hunde zu Tode gequält? Falls ja, warum endete eure Berichter­stat­tung darüber schon nach weni­gen Tagen?
  5. Apro­pos Ver­brech­er: Sind die über­führten Kinder­schän­der in den Dien­sten der katholis­chen Kirche mit­tler­weile alle­samt gestor­ben, oder genügt eine Straf­ver­set­zung für augen­blick­liche medi­ale Reha­bil­i­tierung?
  6. Habe ich die Rück­tritts­forderun­gen an den Ver­fas­sungs­feind Hans-Peter Uhl bish­er nur überse­hen, oder arbeit­et ihr noch daran?
  7. Worin, glaubt ihr, liegt der Unter­schied zwis­chen Jour­nal­is­mus und Pop­ulis­mus?

Ich bin schon sehr ges­pan­nt!

Montagsmusik
Die sechs von der Müllabfuhr

Ah, es ist wieder Mon­tag. Eine neue Woche begin­nt. Mit ihr kommt die all­wöchentliche, hochqual­i­ta­tive Musikschau mein­er­seits.

Diese Woche: Warum nicht ein­fach mal wieder YouTube guck­en?

Gestern wurd’ sich drum geris­sen,
heut’ wird’s auf den Müll geschmis­sen.

(Wo wir ger­ade bei Wei­h­nacht­en waren.)

(Mit dem üblichen Dank für die Empfehlung.)

Netzfundstücke
Tochter Zion

Fro­hes Fest:

Wenn Chris­ten trotz min­destens eines Jahrtausends der Pogrome und der Entrech­tung von Juden zum feier­lichen Hohn in der Wei­h­nacht­szeit „Tochter Zion, freue dich“ absin­gen, zeigt sich darin die ganze eiskalte Hirn- und Heil­losigkeit der christlichen Reli­gion.

Denn eigentlich ist es den Schäfchen — den treudoofen Schafen ja auch egal, was sie da eigentlich schief in den Raum kra­kee­len. Alle sin­gen mit, also singe ich mit. Alle jubeln mit, also jubele ich mit. Wie damals bei Goebbels. Die “stille Nacht, heilige Nacht” inter­essiert die Inter­pre­ten nor­maler­weise eben­so wenig wie sie Inter­esse daran haben, dass Kinder­lein zur Krippe kom­men.

Warum sollte man sich anlässlich des Festes der Liebe auch nur über irgen­det­was Gedanken machen wollen?

In den Nachrichten
Klackerdiklack.

Heda, Bahn,

in einem vor­wei­h­nachtlichen Anflug von Kun­den­nähe habt ihr beschlossen, euch zur Abwech­slung mal um das Wohlbefind­en statt nur um die Ver­grätzung eur­er jede eur­er unver­schämten Preis­er­höhun­gen nolens volens akzep­tieren­den und befol­gen­den Klien­tel zu küm­mern. Begin­nen wollt ihr erst ein­mal im Kleinen, näm­lich damit, etwaige Störun­gen der Pas­sagiere nach endlich vol­l­zo­gen­em Fahrtantritt zu ver­hin­dern.

Dabei ver­sucht ihr natür­lich, gewohnt fam­i­lien­fre­undlich vorzuge­hen, und schnappt euch erst ein­mal die weni­gen Übeltäter, die sich über­haupt eine Bah­n­Card 100 leis­ten kön­nen und also zum Teil absichtlich mehr Geld zahlen, um gewisse Vorteile zu genießen. (Bonzen, elende.) Denn was stört eure Kun­den wohl am meis­ten? Richtig: Das Geräusch von Tas­te­nan­schlä­gen.

“Mit Rück­sicht auf andere Reisende wurde die Nutzung von Lap­tops in der Bor­dgas­tronomie ver­boten.” Auch eine Begrün­dung liefert die Bahn mit: “Viele Kun­den fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt.”

Richtig?

Ach, Bah­n­er, nun fahre ich ja ziem­lich regelmäßig mit euren kom­fort­ablen (weiß) und weniger kom­fort­ablen (rot) Zügen durch die Gegend, wenn ger­ade kein Metronom oder ähn­lich lobenswerte Alter­na­tiv­en bere­it­ste­hen, und habe dann zwar sel­ten eine Tas­tatur, wohl aber stets einen Notizblock in der Nähe mein­er vor Geräuschbeläs­ti­gung (und Kaf­fee) schon ganz zit­tri­gen Fin­ger bere­itliegen. Als ein solch­er störungsarmer Teil­nehmer am Pas­sivverkehr möchte ich euch zur geneigten Ver­wen­dung noch einige Dinge nen­nen, die mich an Bah­n­fahrten stören: Stun­den­lang plär­rende Kleinkinder mit über­forderten Müt­tern, alko­holisierte Prekari­er, sich trotz räum­lich­er Nähe nur brül­lend miteinan­der unter­hal­tende Jugendliche, eben­falls recht geräuschvolle Senioren­grup­pen, mobil tele­fonierende Mode­bar­bi­es mit ihrem unter­brechungs­freien Geplap­per, der wider­liche Kaf­fee an Bord eur­er Züge und vor allem eure offenkundi­ge Unfähigkeit (oder Unlust), abzuse­hen­den Ver­spä­tun­gen oder ganzen Zugaus­fällen mit zeit­na­her Bere­it­stel­lung von Ersatz­zü­gen oder wenig­stens ein­er Zeitung und meinetwe­gen auch weit­er­hin wider­lichem Kaf­fee zu begeg­nen; von der Diskrepanz zwis­chen dem Titel “Ser­vicemi­tar­beit­er” und der Ver­füg­barkeit der­er, die ihn tra­gen, mal ganz zu schweigen.

Ihr habt es gut, ihr seid nur sel­ten auf eure Züge angewiesen, und wenn ihr dann doch mal mit ihnen durch die Gegend fahrt, dann immer in eurem eige­nen Abteil, abgeschot­tet vom tat­säch­lichen Geschehen. Den Tag, an dem mich das Geräusch von tip­pen­den Men­schen auf Bah­n­fahrten ern­sthaft echauffiert, werde ich hinge­gen wahrschein­lich nicht mehr erleben. Es ist mir ja beina­he unan­genehm, aber ich muss euch da etwas geste­hen. Und wisst ihr, was?

Ich benei­de euch ein biss­chen darum.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXI: Gutes Mobbing, schlechtes Mobbing

Es war ja eigentlich gut gemeint. SchülerVZ, der an jün­gere Men­schen gerichtete Ableger des “sozialen Net­zw­erks” Stu­di­VZ, hat jet­zt eine Bew­er­tungs­funk­tion bekom­men, auf der man andere Teil­nehmer der Plat­tform in “top” oder “flop” kat­e­gorisieren kann.

Selb­stver­ständlich gehen Eltern da auf die Bar­rikaden:

Damit über­schre­it­et SchülerVZ eine Gren­ze, die sie niemals hät­ten über­schre­it­en dür­fen. Hat von denen eigentlich irgend­je­mand Kon­takt zu Jugendlichen? Also im richti­gen Leben jet­zt? Mob­bing ist kein Kava­liers­de­likt. Mob­bing ist eine der schlimm­sten For­men von Gewalt, die im All­t­ag deutsch­er Schulen vorkommt.

Heute abend, wenn sie zu Hause sind, werde ich mich mit meinen (jugendlichen) Söh­nen hin­set­zen und sie wer­den ihre (selb­stver­ständlich ohne­hin inak­tiv­en) Accounts bei SchülerVZ löschen. So einen Dreck wie dieses Pausen­hof­mob­bing mache ich nicht mit, nicht mal pas­siv. Und ich rufe hier und via Twit­ter und Face­book alle Eltern auf, es eben­so zu machen.

Soso, via Face­book. Face­book, wir erin­nern uns, war die Plat­tform, die eben­falls als “Hot or Not?” ange­fan­gen hat.

Ein wenig Geschichte:

22. Sep­tem­ber 2009: Ein 15-jähriges Mäd­chen ist von ein­er Brücke in den Tod gesprun­gen, nach­dem sie monate­lang bei Face­book und MySpace gehänselt wor­den war.

28. April 2010: Ein beson­ders schlim­mer Fall von Face­book-Mob­bing lan­dete bei der Beratungsstelle Safer Inter­net: Drei Jahre lang war Cari­na den Attack­en ihrer Mitschüler aus­ge­set­zt. Mit 13 Jahren musste die Gym­nasi­astin die Schule wech­seln.

14. Feb­ru­ar 2011: Junge bege­ht nach Face­book-Mob­bing Selb­st­mord.

17. Sep­tem­ber 2011: Sie gaben ihrer 12-jähri­gen Tocher fiese Spitz­na­men und posteten Gemein­heit­en bei Face­book — also organ­isierte eine Mut­ter aus New York ein Tre­f­fen der Stre­i­thähne. (…) Doch zur Ver­söh­nung kam es nicht, stattdessen gab es eine wilde Prügelei.

6. Novem­ber 2011: “(…) meine Schwest­er hat mir eben gesagt, dass auf Face­book so ein paar Jungs mein Bild verun­stal­tet haben & nun Cyber­mob­bing machen.”

Bös­es, bös­es SchülerVZ.

NetzfundstückeNerdkrams
“Warum Linux besser ist” oder: PEBKAC!

(Vorbe­merkung: Ich set­ze neben Win­dows auch diverse Lin­uxdis­tri­b­u­tio­nen ein, entsprechende ver­bale Ent­gleisun­gen wer­den ihr Ziel also ver­fehlen.)

Gewün­scht wurde, dass ich mal wieder über Tech­nik und/oder Schnack­seln berichte. Wie es der Zufall so will, kon­fron­tierte man mich heute mit der Inter­net­seite “Warum Lin­ux bess­er ist”, die gar nicht erst ver­sucht, den Anschein zu erweck­en, objek­tiv die Vor- und Nachteile von Lin­ux abzuwä­gen — vielle­icht wäre “Warum ich Win­dows nicht mag” ein besser­er Titel. Vor­sicht: Ohne parat liegende Brechtüte sollte kein Klick erfol­gen.

Anstelle har­ter Fak­ten find­et man dort näm­lich zuvörder­st viele schöne bunte Bild­chen, die wohl von ihrer Inhalt­sleere ablenken sollen. Ins­ge­samt hat der Autor 27 The­sen zusam­menge­tra­gen, warum Lin­ux “bess­er” — als Win­dows — sein soll, wahrschein­lich, weil ihm partout keine 27 Unter­schiede zwis­chen Äpfeln und Bir­nen ein­fall­en woll­ten, aber auch eine Samm­lung von “FAQ für den Lin­ux-Geek” zusam­mengestellt, in der er unter anderem bekun­det, er selb­st habe nicht viel Ahnung von Lin­ux. So viel sei schon ein­mal ver­rat­en: Von Win­dows anscheinend auch nicht. ‘“Warum Lin­ux bess­er ist” oder: PEBKAC!’ weit­er­lesen »

Spaß mit Spam
Herzlichen Gl�ckwunsch Gewinner

Oh, was will denn die “Lote­ria Nacional” mit der täuschend echt ausse­hen­den E‑Mail-Adresse HilegESp23@wyf62j7a5.homepage.t‑online.de von mir?

Sie haben gewon­nen, fьr weit­ere Infor­ma­tio­nen rufen Sie

Ja, das ist der ganze Text. So sehr ich aber auch rufe, nichts geschieht.

Ah, jet­zt sehe ich es, die Mail geht ja noch weit­er.
Ange­hängt ist eine .zip-Datei. Enthal­ten ist eine .doc-Datei, in der ste­ht:

Wir sind erfreut, Sie zu informieren, das Sie ein gluck­lich­er Gewin­ner vom inter­na­tionalem Euro Mil­lion Spiel­pro­gramms sind, das am 09/11/2011, abge­hal­ten wurde.

Ich habe eine Mil­lion Spiel­pro­gramme gewon­nen?

Wir Sind sehr gluck­lich Sie ALS einen der Gewin­ner zu benachrichti­gen das Ihr Name mit der Kartense­ri­en­num­mer ubere­in­stimmte: 134–03650116-211 und die Stempfelzahl: 51225–0 gekauft durch Ihren Bear­beitungsagen­ten von den Kosten von zwei Euro, hat fol­glich den Preis in der 2. Kat­e­gorie mit den Gewinn­zahlen: 04–18-32–40-46+06:07.gewonnen Wir Entschuldigun­gen für die späte benachrich­ti­gung, da es zu Ver­wech­slun­gen von Namen und Adressen kam..

Dass ich einen Bear­beitungsagen­ten habe, wusste ich noch nicht. Das klingt auch ein biss­chen nach Stasi. Hof­fentlich will er seine zwei Euro nicht von mir ein­treiben, das wird erfahrungs­gemäß teuer.

Aber Sie sind für einen Pauschal­be­trag von €915.810, 00 NEUN HUNDERT FÜNFZEHN TAUSEND ACHTHUNDERT ZEHN EURO in bar aus­ge­sucht wor­den die, Sicher­heit­szahl lautet: EIK-547-K6-75. Dies IST von einem gesamt Geld­preis von 15.568.770, 00(FÜNFZEHN MILLIONEN FÜNFHUNDERT ACHTUNDSECHZIG TAUSEND, SIEBENHUNDERT SIEBZIG EURO) war­den geteilt unter den 14 Inter­na­tionalen Gewin­nern in dieser Kat­e­gorie.

15.568.770 geteilt durch 14 sind 1.112.055. Wenn jed­er der 14 Gewin­ner einen Pauschal­beitrag von 915.810 Euro bekommt, würde mich die genaue Gewin­ntabelle ja schon mal inter­essieren. Wobei: Da ste­ht, ich sei für einen Pauschal­beitrag “aus­ge­sucht wor­den”. Muss ich den jet­zt zahlen? Wenn ja: An wen?

Fur Ihren Anspruch bitte Kon­takt zu nehmen mit, DON JUAN PEREZ, Aus­ländis­ch­er Betriebe­m­an­ag­er der CLICK SEGUROS S.A. SPAIN Tel: +34645511480, Fax: +34 911 881 363 Email:clickseguros@aol.com für die Ver­ar­beitung und die Geldüber­weisung von Ihrem siegre­ichem Gewinn.

Mein Gewinn war siegre­ich? Da muss ich ihm gle­ich mor­gen eine Glück­wun­schkarte schreiben. Hof­fentlich erre­icht sie ihn noch rechtzeit­ig!

(…) Und die von Ihnen zu bezahlen­den 10 % Ihres Gewinnes an den Fond Ihres Bear­beitungsagen­ten, nach­dem Sie Ihren Gewinn erhal­ten haben.

An den Fond? Dort, wo seine Rück­bank ste­ht? Ah, ich ver­ste­he: Mein Agent möchte sich von meinem Gewinn ein neues Heck für sein Auto kaufen. Na, dem werde ich was erzählen.

Weit­er gibt es irgen­deine Änderung Ihrer Adresse, informieren Sie Ihren Bear­beitungsagen­ten sobald wie möglich.

Das klingt jet­zt sehr nach Telekom: “Irgend­was hat sich geän­dert, danke fürs Lesen.”
Aber wie informiere ich den Her­rn nun?

Bitte aus­ge­füllt an Ihren Bear­beitungsagen­ten fax­en: +34 911 881 363. Viele Glück­wün­sche noch ein­mal von allen Mitar­beit­ern unser­er Abteilung und wir freuen uns Sie als einen ‚Teil von unserem INTERNATIONALEN BEFÖRDERUNGS PROGRAMMS zu begrussen.

Ah, da ist der Hak­en. Ich besitze kein Faxgerät.

Dann bleibt mir wohl nur das Beförderung­spro­gramm:
Ger­adewegs in den dig­i­tal­en Lokus. Schade eigentlich.

Aber dieser Agent soll mir mal zwis­chen die FIn­ger kom­men!