Bad news:
WAS SOLLEN WIR JETZT NUR TUN???ßß
Der Morgen erwacht,
und über der Nacht
liegt Schweigen.
Den Wölfen ihr Heulen
lud sie mit den Eulen
zum Reigen.
Sie g’nossen den Abend,
nach einander darbend,
am Meer.
Sie liebten den Hafen,
wo sie sich einst trafen,
d’rum sehr.
Er hörte das Tosen
und schenkte ihr Rosen
und Wicken.
Die Nacht brach herein,
sie blieben allein,
um zu bumsen.
(Abt.: Ist das nicht süß?)
Dass Google seit einigen Wochen bestrebt ist, sein Kerngeschäft mit der hauseigenen Suchmaschine hinten anzustellen, und dafür auch bereit ist, selbst diese Suchmaschine nachhaltig zu beschneiden, ist nun keine Neuigkeit mehr. Nun aber beschwert man sich im Hause Twitter darüber, dass man zugunsten von Google+ vernachlässigt wird, nachdem der wie auch immer geartete Vertrag zwischen Google und Twitter abgelaufen ist. (Ich sollte mich glücklich schätzen, dass diese Webpräsenz hier laut Statistik auch ohne einen Vertrag überhaupt noch bei Google auftaucht, schätze ich.)
Es sammelt sich auf Google+ hämisches Geschnatter von überzeugten Google+-Nutzern, Twitter brauche halt eh’ keiner mehr, weil sie den Unterschied zwischen einem Mikroblog und einem sozialen Netzwerk eben noch nie so richtig verstanden haben (gut, was ist von Google-Freunden auch zu erwarten?); aber das Problem liegt tiefer:
So bemängelte Twitter, dass Google durch die Änderungen keine neutralen Suchergebnisse mehr ausliefere.
Neutralität? Will Google das?
Google verdient recht viel Geld damit (bzw. bekommt es dafür), dass Anzeigenkunden gewünschte Verweise oben in den Suchergebnissen platzieren können, und das nicht erst seit gestern. Der Wegfall der Echtzeitsuche für ausgerechnet Tweets, die normalerweise ja eher unpersönlich gehalten sind, kann also noch irgendwelche “Neutralität” beschädigen?
Googles Suchmaschine überhaupt noch als solche zu bezeichnen war schon lange fragwürdig, tat sie doch selten das, was man ihr sagte, sondern formulierte intern die Suchanfragen so lange um, bis etwas herauskam, was man ganz sicher nicht gesucht hatte. Natürlich führte das so zu vielen Treffern, die am Rande etwas mit dem zu tun hatten, was man eigentlich gesucht hatte, aber Quantität und Qualität sind eben selten deckungsgleich.
Und nun also nicht nur “Suchen”, sondern “Search, plus your world”. Suchen in der eigenen kleinen Welt. Ist man bei Google+ registriert und rege aktiv, ausgefülltes und wahrheitsgemäßes Profil inklusive, bekommt Google nicht nur einen großen Anteil am Datenkuchen, den das fettleibige Facebook sonst allein gefressen hätte, sondern ist auch in der Lage, aus diesen Daten Ergebnisse zu liefern, die für das eigene reale Umfeld von hoher Priorität sind. (Ich nehme an, man sollte es also vermeiden, auf Google+ Pornodarstellerinnen “einzukreisen”; es sei denn, man sucht häufiger mal nach, ähm, so Sachen bei Google.)
Tatsächlich gibt es Leute, die von einer Existenz anderer Suchmaschinen gar nichts wissen; die verzweifelt sind, wenn Google einmal nicht erreichbar ist. Diese Menschen bereiten mir Sorge. Noch mehr Sorge aber bereitet mir diese mit sanftem Druck erreichte Dominanz von Google+ in einem wichtigen Teil des Internets, nämlich seiner Durchsuchbarkeit.
Marcel Weiss hat es schon richtig erkannt:
Google dagegen ist es ‘relativ’ egal, welches Social Network sich etabliert. Hauptsache, es hat Zugriff auf die Daten und kann diese auswerten und durchsuchbar machen. (…) Je größer Facebooks private Datenschatzkammer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twitter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpressbarer wird Google.
Es geht hier nicht um Komfort für die Benutzer; was sollte auch daran komfortabel sein, wenn eine Suchmaschine bevorzugt auf Seiten des Betreibers verweist? Es geht einzig darum, den Mittelpunkt des virtuellen Lebens ihrer Benutzer auf Google+ zu verlagern. Die Verheißung: Endlich mal wieder brauchbare Suchergebnisse mit dem besonderen Extra, nämlich der noch persönlicheren Note als bisher. (Wer glaubte, Google würde jedem Suchenden auf die gleiche Frage die gleiche Antwort geben, den muss ich enttäuschen. Probiert es einmal aus!)
Google versucht Google+ neben dem allmählich verwelkenden Facebook, das sich mit der “Timeline” gerade zum wahrscheinlich letzten Mal aufgebäumt hat, zu etablieren und geht dafür über die eigene Leiche. Dass Facebook sich ebenfalls darüber beschwert, dass der einzig ernst zu nehmende Konkurrent sich selbst zum Invaliden macht, halte ich für unwahrscheinlich, aber die Befindlichkeiten der großen Konzerne sind gerade auch nicht das, was mich als Endanwender (zumal als momentaner DuckDuckGo-Nutzer) interessieren sollte. Vielleicht ist es aber auch deshalb gut, dass Twitter vorerst nicht mehr mit Google zusammenarbeitet: Wenn alle “großen” Plattformen im Google-Profil zusammenflössen, hätte das wahrscheinlich eher nicht so gute Konsequenzen.
Jedenfalls gilt: Die Google-Suche ist keine neutrale Suchmaschine und will es auch gar nicht sein. Dass das noch irgendjemanden so sehr überrascht, dass mein RSS-Leser mit Aaaahs und Oooohs ob der neuen verplussten Suche befüllt ist, ist daher ziemlich erstaunlich. Und ich wünschte, diesmal würde man dem Jungen, der “Wolf!” ruft, Gehör schenken. Er — der Wolf — kommt schneller als gedacht.
“Das Denken fand man bis heute nicht…”
— Hölderlin, “Requiem für einen Wicht”
An das dunkle Zeitalter des Webs, als Geocities und Beepworld noch große Namen trugen und animierte GIF-Bilder noch den Flaschenhals der Webseitenübertragung per 56-kbit-Leitung darstellten, erinnert heute zum Glück kaum noch etwas. Nur Nostalgiker und Spaßvögel kommen mit Gedenkseiten wie dem Geocities-izer noch immer auf ihre Kosten. Das persönliche Web, so hässlich es auch war, hatte aber doch seine attraktiven Seiten. Zusammengefasst bedeuteten sie: Klein, aber mein.
Dann kam die “Dot-Com-Blase”, die Monetarisierung des WWW, als irgendein schusseliger Praktikant einem Schlipsträger versehentlich zu verstehen gegeben hatte, dass dieses Web zwar kreischend bunt und voller Menschen, jedoch noch weitgehend frei von groß angelegten Werbekampagnen war. Das sollte sich ändern: Urplötzlich, gleichsam über Nacht, fielen die Vermarktungsstrategen wie einst die spanischen Eroberer in das nur mit dem Dancing Baby bewaffnete persönliche Web ein und brachten ihm “Demokratie”, “Freiheit” und den Tod. Es schien für sie unerträglich zu sein, dass da ein paar Leute einfach ihren Spaß haben konnte, ohne dass größere Geldbeträge flossen.
Beeindruckt vom Erscheinungsbild des nunmehr verblichenen persönlichen Webs ersannen die wenigen Unternehmen, die das leider viel zu späte Blasen des Platzes Platzen der Blase überlebt hatten, gleichfalls bunte, blinkende, tönende Werbung, die ihren Platz auf Webseiten mit virtuellen Klauen und Zähnen verteidigte. In ihrer Vorfreude auf die zu erzielenden Werbeeinnahmen haben sie jedoch vergessen, dass Internetnutzer auch nur Menschen sind und nur wenige Menschen es mögen, wenn sie arglos einen Stadtbummel machen und plötzlich ein Dudelsackspieler sich von hinten anschleicht und ihnen ins Ohr trötet: Wer nervt, der macht sich eben unbeliebt. (Ich empfehle an dieser Stelle nochmals den hervorragenden offenen Brief zum Thema von Jan Schejbal.)
Und so schlossen sich die Stadtbummler zusammen und entwickelten allerlei Abwehrmaßnahmen. Erfolgreich waren, auch aufgrund ihrer freien Verfügbarkeit, vor allem die Projekte Proxomitron und Adblock. Während aber ersteres aus natürlichem Grund, nämlich dem Tod seines Programmierers vor einigen Jahren, nicht mehr grundlegend weiterentwickelt werden kann, erfuhr zweiteres nach Zerwürfnissen eine Aufspaltung, und es entstand Adblock Plus.
Jahrelang genoss Adblock Plus neben Ad Muncher die Stellung eines Referenzprodukts bei einem großen Teil der Internetnutzer. Im Jahr 2011 bemerkte Wladimir Palant, maßgeblich Verantwortlicher für die Entwicklung von Adblock Plus, dass sein freies Projekt sich zum Reichwerden nur wenig eignete, und gründete gemeinsam mit Till Faida die Eyeo GmbH, deren Zweck es sein sollte, die Entwicklung finanzieren zu helfen. Vorerst war dies, so die Ankündigung, lediglich eine Umfirmierung ohne weiteren Einfluss auf das Produkt selbst. Beobachter beschworen dennoch umgehend das Ende von Adblock Plus herauf und rieten zu Alternativen.
Dann kam Version 2.0 und mit ihr die Klasse der “nicht aufdringlichen Werbung”. Adblock Plus sollte sich so selbst überflüssig machen. Das Prinzip lautet: Werbung, die nicht nervt, erfordert nicht unbedingt jemanden, der sie in die Schranken weist. Diese Idee erschien nur konsequent, hatte man doch die Werbeblockierer einst erdacht, um sich gegen immer aufdringlichere Werbung zur Wehr setzen zu können. Ein Internet, dessen Werbung weder aufdringlich noch datenschutztechnisch fragwürdig ist, bedarf solcher Maßnahmen im Grunde genommen nicht mehr, der Finanzierung größerer Projekte mithilfe von Werbeeinblendungen käme dies zugute.
Leider wurde diese Änderung offenbar nicht ausreichend kommuniziert, die Internetnutzer brüllten im Chor, es sei eine “Schweinerei”, dass eine Erweiterung zum Blockieren von Werbung künftig keine Werbung mehr blockieren sollte. Dass das Abschalten der neuen Toleranz nur eines einfachen Klicks im Einstellungsbildschirm bedarf, ist ihnen wohl meist völlig entgangen. (Zum Vergleich: Das ist ungefähr so, als wenn man sein neues Auto reklamiert, weil man den Schlüssel herumdrehen muss, bevor es fährt.) Der wesentliche Kritikpunkt scheint darin zu bestehen, dass Adblock Plus nicht in der Lage ist, automatisch eingebundene Werbung anhand ihres Verhaltens zu erkennen, und somit auf eine von den Entwicklern gepflegte “weiße Liste” zurückgreifen muss, auf die der Benutzer keinen aktiven Einfluss nehmen kann, vom Melden versehentlich freigeschalteter Werbung einmal abgesehen.
Um in diese Liste aufgenommen zu werden, muss ein Werbetreibender eine entsprechende Vereinbarung eingehen: Er verpflichtet sich, vom Schalten brüllender Nervereien als Werbung abzusehen, und bekommt dafür einen Eintrag als Quelle unaufdringlicher Werbung. Dabei geben sich die Verantwortlichen nicht käuflich, überlegen sich öffentlich lediglich die Einführung von Verwaltungsgebühren für die Freischaltung eines neuen Listeneintrags.
Die Redaktion des reißerischen Computermagazins PC-WELT widerspricht seit gestern energisch und behauptet unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen (“Besuch von Adblock Plus”), man könne sich Einträge auf der “weißen Liste” schlicht erkaufen.
Webseiten-Betreiber müssen voraussichtlich zahlen, um auf die Ausnahmeliste mit den „acceptable ads“ zu kommen. Anders formuliert: Für Geld will Adblock Plus Werbung zum User durchlassen. Wer nicht zahlt, kommt nicht auf die Liste und muss auf Werbeeinnahmen verzichten. (…) Die Webseiten sollen zahlen. Die Werbeblocker-Nutzer sollen Werbung sehen.
Ja, das ist zutreffend. So etwas wie journalistische Tätigkeit (zum Beispiel Hintergrundrecherchen) erwarte ich von den “Redakteuren” der PC-WELT schon lange nicht mehr, aber für einen solchen schweren Vorwurf (“Das sind schwere Vorwürfe.”) hätte man als Leser zumindest erwartet, dass sich der Schreiber einmal mit den Aussagen “von Adblock Plus” befasst, denn diese Frage wurde, wie oben bereits angedeutet, dererseits hinreichend beantwortet:
Werden Sie für Einträge in die Liste bezahlt?
Nein. (…) Es ist (…) wahrscheinlich, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Firmen an den Kosten beteiligt werden, die in die Liste aufgenommen werden möchten.
Vielleicht müssen ab einem gewissen Zeitpunkt Anbieter akzeptabler Werbung ein wenig Geld investieren, um als solche gekennzeichnet zu werden. Schlicht falsch ist aber offenkundig die Behauptung, es gäbe Pläne, diesen Status später einmal — oder gar bereits jetzt — erkaufen zu können. (Dass jemand die quietschbunte PC-WELT-Werbung als “nicht aufdringlich” klassifizieren würde, halte ich ohnehin für ein Gerücht, das auch Unkundigeren zu verstehen geben sollte, dass hier Unfug kolportiert wird.)
Möglicherweise ist die gegenwärtige Implementierung der “Liste akzeptabler Werbung” noch nicht das Gelbe vom Ei, möglicherweise ist sie inkompatibel mit dem Verständnis vieler Anwender vom Zweck eines Werbeblockierers. Zeter und Mordio zu schreien und die Entwickler zu verfluchen ist aber der falsche Schritt, denn es zeugt allenfalls vom eigenen Missverständnis.
Aber wer lieber den Aufwand auf sich nimmt, auf eine Alternative umzusteigen, statt einfach den entsprechenden Haken in den Adblock-Plus-Filtereinstellungen zu entfernen, dem muss man mit sachlichen Erklärungen wahrscheinlich gar nicht erst kommen.
Über das Spiel League of Legends und seine Klientel habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben.
Eines möchte ich noch hinzufügen: Wie die meisten Spiele, in denen so Menschen aufeinander treffen, besitzt auch League of Legends ein Meldesystem, mithilfe dessen es möglich ist, Spieler, die sich danebenbenehmen, zu verpetzen. Als Ergänzung gibt es das “Tribunal”, in dem Spieler ab Stufe 30 demokratisch darüber richten können, ob gemeldete “Fälle” sanktioniert werden sollten oder nicht.
Das sieht dann zum Beispiel so aus:

“Ich will nicht mehr auf diesem Planeten leben.”
— Hubert J. Farnsworth, c/o “Futurama”
Und wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, die “Braunschweiger Zeitung” sei die F.D.P. unter den Tageszeitungen, das neoliberale Kampfblatt, das seine eigene Bedeutungslosigkeit nicht zu akzeptieren bereit ist. Heute fand ich in diesem furchtbaren Druckerzeugnis folgenden gleichfalls furchtbaren “Artikel”:
Als Zahlungsmittel ist der Euro für Wolfenbüttels mittelständische Unternehmen eine große Hilfe.
Ja, als was denn sonst — als Klopapier? Die Begründung für diese Behauptung finde ich aber noch famoser als ihre Formulierung:
“Wechselkurse sind Barrieren”, sagt [MKN-Geschäftsführer Georg] Weber. (…) Man sei nicht den Gefahren von Währungsschwankungen ausgesetzt.
Dass der Umstand, dass man “sogar mit den USA” Geschäfte in Euro abschließen kann, hat natürlich aber auf das Bestehen von Wechselkursen mal so überhaupt keinen Einfluss, wie ein Blick ins nächste Zeitschriftenregal bereits ganz einfach demonstrieren würde:

Dass solche Alltäglichkeiten den Schreiberlingen der “Braunschweiger Zeitung” nicht weiter auffallen, lässt sich nur damit erklären, dass sie einfach keine Zeitschriften lesen; aber das ist ja auch keine Voraussetzung, um dort zu arbeiten. Und so zeugen auch die letzten Sätze davon, dass man im Gespräch mit der Wirtschaft keine Zwischenrufe aus dem blöden Volk wünscht:
Dass der Euro am Ende sei, befürchtet man in keinem der Unternehmen. “Keiner hat ein Interesse daran”, meint [Surfactor-Geschäftsführer Gunther] Martin. (…) Wenn man zur D‑Mark zurückkehre, bekomme man Schweizer Verhältnisse. “Aber das ist schlechter als der Euro.”
Hier hat man mindestens eine Fußnote vergessen. “Keiner” ist hier selbstverständlich nicht identisch mit “niemandem”, sondern bezieht sich nur auf die Mehrheit der Gewerbetreibenden und Neureichen, die vom Euro keine nennenswerten Nachteile haben. Der Bürger sieht das anders — aber lasst den Pöbel mal quatschen. Wenn er kein Brot mehr hat, soll er eben Kuchen essen, so lange er ihn bei uns kauft, nicht wahr?
Und das mit den Schweizer Verhältnissen war vielleicht nur ein Fauxpas und gar nicht so gemeint, in der Schweiz läuft’s nämlich bestens:
Trotz schwieriger Wirtschaftslage bekommen viele Angestellte in der Schweiz für 2012 eine Lohnerhöhung. Die Bandbreite der bisher bekannten Lohnabschlüsse reicht von 0 bis über 2%. (…) Laut Ökonomenprognosen dürfte die Beschäftigung nächstes Jahr sinken und die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme um etwas unter 2% zulegen.
Dass keiner der befragten Unternehmer die Aussieht auf Lohnerhöhung zu schätzen weiß, überrascht mich nun nicht. Lohnerhöhungen sind schlechter als der Euro?
Während der Französischen Revolution hatten die Arbeiter noch eine handfeste Antwort auf so einen Blödsinn. Dummerweise ist die Enthauptung von Emporkömmlingen nach aktueller Rechtsprechung auch aus politischen Gründen nicht gestattet. Andererseits: Die Folgen (Napoleon, Sarkozy) bleiben negativ in Erinnerung.
Huch, schon wieder Montag?
Da hilft nur Jazz.
Um es mit einem der Kommentierthabenden zu sagen:
Amazing Fucking Epic Awesome Music.
Das mit dem “fucking” ist im Englischen ja auch so eine Sache. Puddle of Mudd hatten einst einen veritablen hit mit dem Lied “She hates me”, im Refrain “She fucking hates me”, also “sie mag mich wirklich nicht sonderlich”. Eine einfache Umstellung des Fluches kann dem Lied eine ganz andere Wendung geben:
“Fucking she hates me” = “Die verdammte Oide mag mich nicht sonderlich.”
“She fucking hates me” = “Sie mag mich wirklich nicht sonderlich.”
“She hates fucking me” = “Sie mag den Beischlaf mit mir nicht sonderlich.”
“She hates me fucking” = “Sie mag es nicht sonderlich, wie ich beischlafe.”
Ich bin oft sehr stolz auf die Vielfalt des deutschen Wortschatzes.
(Noch einmal ein wenig Technik für regelmäßige Leser; ich bitte ihre unregelmäßigen Zeitgenossen um geneigtes Ignorieren.)
Hinter den Kulissen geht hier gerade einiges ab.
Fast genau ein Jahr nach Stefan Domanskes selbigem Tun bin ich dabei, hier ein bisschen Kahlschlag zu betreiben. (“Ein bisschen” Kahlschlag, das klingt ein bisschen nach “ein bisschen” Krieg, oder?)
Mindestens einer meiner Leser weiß, dass ich auch in Bezug auf WordPress ein olles Spielkind bin und bleibe. Hirnfick 2.0 hatte bereits, als es noch knallgrün war, TuxBlog hieß und ein Blog zu sein versuchte, manche Spielerei, die eigentlich gar nicht nötig war, von mir angetragen bekommen, im Laufe des letzten Jahres waren hier teilweise knapp 50 Plugins aktiv, die natürlich die Ladezeit nicht sonderlich positiv beeinflusst haben.
Dem Kahlschlag zum Opfer fielen also im Laufe der vergangenen Nacht diverse — zum Teil seit langem inaktive — Erweiterungen für den Administrationsbereich, aber auch das, was ihr, die Besucher, zu sehen bekommt, wurde — und wird noch — behutsam aufgeräumt. Die Kategorien erfahren gerade eine Entschlackungskur: Artikel, die in drei oder mehr Kategorien stecken, missfallen mir, da dies nicht zur Übersicht beiträgt. Mit der vergleichsweise neuen Unsitte, Artikel zu verschlagworten (“taggen”), kann ich bis heute nichts anfangen — geeignete tags zu finden, die den Kern komplexer Gedankengänge in wenigen Buchstaben zu erfassen vermögen, erscheint mir oft schwieriger als das Ausdenken einer guten Überschrift; aber dies gelingt mir zumeist.
Vor allem aber habe ich einen von Stefans Gedankengängen adaptiert:
Keine Pseudo-Funktionen mehr. RSS-Feeds abonniere ich nicht über einen Button auf der Seite, ebenso wenig schiebe ich Links in meine sozialen Netze über Knöpfe auf der Webseite. Das mache ich mit Bookmarklets oder über die Funktionen meines Browsers. Da muss ich nämlich nicht suchen und weiß, wie sie funktionieren.
Der RSS-Verweis bleibt vorerst, wo er ist, da es inzwischen Usus zu sein scheint, die RSS-Automatismen zum Beispiel von Firefox nur mehr per optionaler Erweiterung nutzbar zu machen — die Verweise zu den “sozialen Netzwerken” unter jedem Artikel aber, die es ermöglichten, per Klick meinen Senf per zum Beispiel Digg zu bewerben, sind gestrichen. Das hat drei Gründe:
Diverse Artikel werden im Laufe des Tages noch ihre Kategorisierung wechseln, vielleicht werden noch ein paar Kategorien verschwinden oder es entstehen neue. Kleinere Änderungen (und vielleicht eine größere, ziemlich bunte, sofern alles klappt) am theme werden folgen. Wenn ihr Ideen habt, die ich schon immer mal hätte umsetzen sollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, sie mir mitzuteilen.
Danke für die Aufmerksamkeit.
Nachtrag vom 9. Januar: Die ziemlich bunte Änderung wurde vorgenommen.
2011 war ja auch mal wieder ein Jahr des Hitlers. Hitler ist nicht mehr nur ein Tabu und eine Werbeikone, er ist inzwischen auch eine Maßeinheit:
Wie viel Hitler steckte etwa in Kim Jong-il, dem nordkoreanischen Despoten? Wie war das mit George W. Bush? Und was ist mit Barack Obama? Ist er vielleicht auch ein bisschen Hitler? Und sei’s nur ein klitzekleines bisschen? (…) Und so haben Obamas radikale Gegner im eigenen Land ihren Präsidenten wegen eben der Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung mit Hitler verglichen.
Hitler und seine Zeit gehen eben immer. Lars von Trier? Nie gehört, bis er sich spaßeshalber zum Nazi erklärte, was in den USA belustigt aufgenommen wurde, in Europa aber die übliche Welle entrüsteter Buhrufe nach sich zog. Humorloses Völkchen, diese Europäer.
Von Heiner Geißlers Stuttgart-21-Schlichtungsversuch ist auch nicht viel geblieben: Es wird gebaut, es wird Geld verschlingen. Heiner Geißler? Wer war das? Ach so, der mit dem Goebbels-Spruch.
“Wollt Ihr (sic!) den totalen Krieg?” hat er wohl die Teilnehmer an den Schlichtungsgesprächen gefragt und damit Joseph Goebbels zitiert.
Es ist nicht davon auszugehen, dass inzwischen schon mal jemand darüber nachgedacht hat, wie man diese Frage sonst hätte formulieren sollen; aber wenn man sich halt gerade so schön in Rage geredet hat, möchte man nicht plötzlich feststellen, dass diese Rage eigentlich vergebens war, tja, Hitlerzeit geht eben immer.
Dabei hatte selbst Hitler mit Dschingis Khan eine Vergleichsfigur, die ihm als das Böse erschien (wenn’s halt gerade nicht die Juden waren), ansonsten gab es im Laufe der Jahrhunderte ja zahllose finstere Gestalten, von den Pharaonen in den Büchern Genesis und Exodus über Judas Ischariot und Napoleon Bonaparte bis hin zu Wolfgang Schäuble — zu Ruhm als in weltweiter Popliteratur als Witzfigur karikierter Monarch hat es außer Hitler jedoch bislang nur Dritterer gebracht.
Vielleicht ist so ein neues Jahr ja eine gute Gelegenheit, in der eigenen Rede einmal einen anderen Bösewicht zu ersinnen. Hitler schockt einfach nicht mehr.
Vorschläge?
Ach, ich verstehe die Menschen nicht mehr.
Der amtierende Bundespräsident hat sich also — als Privatmann — 500.000 Euro geliehen. Das ist sein gutes Recht. Dass nicht jeder 500.000 Euro geliehen bekommt, ist schade, aber es kann ja auch nicht jeder zurückzahlen, nehme ich an. Ich jedenfalls könnte es nicht. Und trotzdem tönt der Tenor jetzt durch das Internet:
Wir alle möchten jetzt auch mal Menschen in einem Land sein, in dem wir Darlehen von reichen Freunden zum Vorzugszins bekommen, und zwar so, dass uns das Geld in Form eines anonym ausgestellten Bundesbankschecks zugesteckt wird, damit es auch kein Aufsehen erregt, wenn wir so viel Geld zum Vorzugszins geliehen bekommen, so dass wir leichter sagen können, dass wir gar kein Geld zum Vorzugszins bekommen haben.
Ich verstehe das nicht. Das Problem derer, die aufgrund des geliehenen Geldes jetzt den Rücktritt des Bundespräsidenten oder des Amtes fordern, ist es, dass man ihnen nicht auch so viel Geld leiht, oder wie? Aber was kann der Bundespräsident denn dafür?
Ob er das Geld als Politiker oder als Privatmann bekommen hat, ist sicherlich eine entscheidende Frage, ersteres wäre womöglich Korruption und somit für den höchsten Mann im Staat kein gutes Ergebnis. Hat denn jemand den Scheck einmal darauf überprüft? Christian Wulff ist nebenbei auch noch Privatmann: Seine Finanzen, seine Sexualität und seine Essgewohnheiten sollten nicht Gegenstand der öffentlichen Debatte sein.
Zumal die Öffentlichkeit selbst nur allzu leicht zu korrumpieren ist: Die Verantwortlichen für den Einsatz des Staatstrojaners sind immer noch im Amt, obwohl sie das Grundgesetz gebrochen haben. Das stört offenbar niemanden mehr, sie sind ja keine Präsidenten. Aber was will das Volk? Das weiß es nicht.
Man kann es Christian Wulff zugute halten, dass er Deutschland einiges erspart hat: Wäre er, statt die Wahl zu gewinnen, als Verlierer aus ihr hervorgegangen, hätte Deutschland nun den Stasi-Schützling Joachim Gauck an seiner Stelle am Hals; und ob das besser gewesen wäre, bleibt zu bezweifeln, denn in dessen Vita gibt es sicher Ärgeres als gelegentliche rätselhafte Zahlungsvorgänge zu ergründen. Wer aber sollte Wulff nun beerben, würde er zurücktreten?
Georg Schramm wäre eine nahe liegende Lösung; aber am Ende würde es doch wieder der Guttenberg. So gesehen können wir stolz auf das sein, was uns geblieben ist.
Wir müssen nur endlich den Anstand haben, uns dazu zu bekennen.
Sollte noch jemandem nicht klar sein, warum ich Appleprodukte grundsätzlich als Spielzeug abtue: Es liegt an der Mentalität der Benutzer, die kein Arbeitsgerät, sondern etwas zum Spielen wollen, bevorzugt bunt und laut und aus Plastik.
Warum die Firma Apple in all den Jahren noch nicht den konsequenten nächsten Schritt gegangen ist, ist unverständlich. Zum Glück gibt es jetzt Abhilfe von treuen Anhängern:
Die Steve-Jobs-Actionfigur, die Barbie-Puppe für Trendtussis und ihre beängstigenden Freundinnen, im Maßstab 1:6. Mit nur etwa 100 US-Dollar ist sie beinahe ein Schnäppchen, bedenkt man, wie viel teurer die auch nicht viel nützlicheren Apple-Produkte üblicherweise sind. (Dass die Internetseite des Vermarkters zurzeit recht unflink zu laden ist, spricht für sich.)
Inkompatibilitäten mit dem Film “Chucky — die Mörderpuppe” und den Folgefilmen sind nicht ausgeschlossen.
(via Nachtwächter)
Ach, was flattert denn da gerade per Twitter rein?
Luca Leitterstorf, laut eigener Aussage Mitglied der Jungen Union, twittert unter dem Pseudonym titusluca Bonmots wie dieses hier:
In jedem Video, wo angebliche Polizeigewalt gezeigt wird, gehen die Aggressionen von den Demonstranten aus.
Immer diese grundlos aggressiven Zivilisten!
“Polizisten prügeln nicht los”, schrieb Luca Leitterstorf dann, und für sie gelten ohnehin “andere Regeln”; und selbst, wenn sie mal selbst zum Täter würden, dann gänzlich unverschuldet:
Dass Polizisten vor allem bei Großeinsätzen Fehler machen ist wohl verständlich.
Immerhin nennt er interessierten Lesern eine geeignete Methode, kein Opfer von Polizeigewalt zu werden: Man darf sich nur nicht schützen.
Wenn man sich schon schützt, legt man es auf Konfrontation an! Man weiß, das die Polizei durchgreifen wird.
In seiner vita in seinem Twitterprofil schreibt er, er sei “bald Politiker”. Als gäbe es noch nicht genug Schmöcke im Bundestag.
Letztes Jahr erschien mal wieder eine Neuauflage des Albums “Some Girls” der verehrten Rolling Stones, meines Empfindens das einzige Album der ehemaligen Jungs, das die Medien in der Regel nicht mit angemessener Würdigung versehen (stattdessen schreiben sie das öde “Their Satanic Majesties Request” in den Rockolymp, wo es nicht viel zu suchen hat).
2012: 35 Jahre erster Tod der Rockmusik, 34 Jahre “Some Girls”.
Und somit 34 Jahre “Miss You”:
Ich mag es, wenn es groovt.
Guten Morgen.