PolitikIn den Nachrichten
Lecker Mer­kol­la­de

So’n Pech:

Die fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schafts­wahl fin­det am 22. April und am 6. Mai statt. Laut Umfra­gen liegt Hol­lan­de in der Wäh­ler­gunst der­zeit vor Sarkozy.

Wo die zwei Wochen zwi­schen der Wahl her­kom­men, weiß ich nicht – von fran­zö­si­scher Poli­tik habe ich nur wenig Ahnung. Es berei­tet mir aber ein wenig Sor­ge, dass dem­nächst viel­leicht „Mer­ko­zy“ Geschich­te sein wird. Die Fra­ge hier soll doch stets lau­ten: Und dann?

Hier mein Vorschlag:

Gibt es bessere?

Montagsmusik
Grau­zo­ne – Eisbär

(… und dann sitzt man am Fens­ter und guckt auf end­los schei­nen­de wei­ße Flä­chen hin­ab und wür­de gern schrei­en, aber dann wür­den die Leu­te komisch gucken.)

Und über­haupt: Kalt.

GRAUZONE – EISBAER (remas­te­red) – offi­ci­al video

Ich möch­te ein Eis­bär sein im kal­ten Polar,
dann müss­te ich nicht mehr schrei’n, alles wär‘ so klar…

Die 80-er. Ein furcht­ba­res Jahrzehnt.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXII: Was wirk­lich zählt

Dass die Begeis­te­rung jun­ger Mäd­chen für Film­be­rühmt­hei­ten seit Jahr­zehn­ten unge­hin­dert bleibt, ist ande­rer­seits ganz gut, denn so kön­nen die­se, sich ihrer Vor­bild­funk­ti­on meist bewusst, ihnen Wer­te vor­le­ben, die sie zu voll­wer­ti­gen Mit­glie­dern einer zivi­li­sier­ten Gesell­schaft machen.

Sie kön­nen, müs­sen aber nicht:

Hol­ly­wood-Schau­spie­le­rin Drew Bar­ry­mo­re freut sich sehr über den Antrag ihres Freun­des Will Kopel­man. Vor allem, weil er bei der Aus­wahl des vier­ka­rä­ti­gen Ver­lo­bungs­rings so guten Geschmack bewie­sen hatte.

Klar, die inne­ren Wer­te zäh­len, zum Bei­spiel die des Rings:

„Er (der Ring, A.d.V.) ist ein­fach wun­der­schön. Er hat ihn (den Ring, A.d.V.) aus­ge­sucht und er hat einen groß­ar­ti­gen Geschmack. Er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extra­va­gant. Ich bin eher ein flip­pi­ges Mäd­chen, das ver­schie­de­ne Din­ge ger­ne zusam­men­mischt, des­halb habe ich das Gefühl, er (der Ring, A.d.V.) ist wirk­lich extra­va­gant und ich ver­su­che noch, mich damit (mit dem Ring, A.d.V.) wohl­zu­füh­len“, so die 36-jäh­ri­ge Bar­ry­mo­re, die bereits zwei Mal ver­hei­ra­tet war, in einem US-Fernsehinterview.

Sich mit einem Ver­lo­bungs­ring wohl­zu­füh­len scheint anstren­gend zu sein; das mit der ewi­gen Treue aller­dings auch.
Ein neu­es hob­by rei­cher Schau­spie­le­rin­nen: Extra­va­gan­te Rin­ge sammeln.

„The boy with the cold hard cash is always Mis­ter Right.“
– Madon­na: Mate­ri­al Girl

Nerdkrams
EncFS und Drop­box unter Win­dows: Sicher „clou­den“ leicht gemacht

Aus dem Hau­se Drop­box gibt es momen­tan gute Neu­ig­kei­ten zu ver­mel­den: Bereits nach der kos­ten­lo­sen Anmel­dung ist es, zumin­dest unter Win­dows, zur­zeit mög­lich, bis zu 4,5 GiB zusätz­li­chen Spei­cher­platz für lau zu bekom­men. Vor­aus­set­zung sind ein­zig die Instal­la­ti­on der neu­en Test­ver­si­on 1.3.12 und eine akti­vier­te „Autostart“-Funktion für exter­ne Daten­trä­ger. Anschlie­ßend soll­te ein sol­cher, etwa eine exter­ne Fest­plat­te oder eine SD-Kar­te, mit Bild- und/oder Video­da­tei­en ange­schlos­sen und der Menü­punkt zum Impor­tie­ren die­ser Datei­en in Drop­box aus­ge­wählt wer­den. Für jedes hal­be GiB wird der Drop­box-Spei­cher­platz ein­ma­lig, aber dau­er­haft um die­se Men­ge erhöht.

Nun ist Drop­box wegen ver­schie­de­ner Sicher­heits­be­den­ken erst im ver­gan­ge­nen Jahr in die Kri­tik gera­ten, und statt jetzt Alter­na­ti­ven wie etwa Wua­la (furcht­ba­rer Name) zu bewer­ben, rate ich dazu, so etwas wie sen­si­ble Daten von frem­den Ser­vern fern­zu­hal­ten: Wer zum Bei­spiel inter­ne Unter­neh­mens­da­ten frei­wil­lig auf US-ame­ri­ka­ni­schen Ser­vern ablegt, der ist zumin­dest naiv.

Alter­na­tiv kann man sich auch mit Kryp­to­gra­fie behel­fen. Con­tai­ner­ver­schlüs­se­lung wie etwa per True­Crypt ist für die Ver­wen­dung mit Drop­box nicht emp­feh­lens­wert, „ech­te“ Ver­schlüs­se­lung muss also her. Benut­zer von Linux- oder BSD-basier­ten Sys­te­men wie Mac OS X kön­nen auf EncFS zurück­grei­fen, das das loka­le Drop­box-Ver­zeich­nis (und somit auch sei­ne Inhal­te in der cloud) ver­schlüs­selt. Das kön­nen Win­dows­nut­zer aber auch.

Zunächst benö­ti­gen sie hier­für die Dokan-Biblio­thek, eine Art FUSE, also die Basis für instal­lier­ba­re Datei­sys­te­me, für Win­dows. Soll­te bereits eine älte­re Ver­si­on vor­han­den sein, wird das Instal­la­ti­ons­pro­gramm dar­auf hin­wei­sen, eine manu­el­le Deinstal­la­ti­on mit anschlie­ßen­dem Neu­start, um den Trei­ber voll­stän­dig zu ent­la­den, wird empfohlen.

Wenn Dokan läuft, ist der Boden für EncFS berei­tet. Eine Win­dows­por­tie­rung gibt es etwa hier. Es han­delt sich um eine wahl­wei­se por­ta­ble Anwen­dung, das .zip-Archiv kann also an einen belie­bi­gen Ort ent­packt wer­den. Das Pro­gramm encfsw.exe dient der Steue­rung von EncFS. Star­tet man es, taucht im Benach­rich­ti­gungs­feld ein Schlüs­sel­sym­bol auf.

Neh­men wir an, wir haben noch kein ver­schlüs­sel­tes Ver­zeich­nis in der Drop­box ange­legt. Das kön­nen wir jetzt nachholen:

(Natür­lich soll­te man die übli­chen Regeln für mög­lichst kom­pa­ti­ble Datei- und Ver­zeich­nis­na­men beach­ten; Umlau­te zum Bei­spiel sind tabu.)

Per Dop­pel­klick auf das Schlüs­sel­sym­bol kön­nen wir die­sen Ord­ner mit EncFS bekannt machen:

Anschlie­ßend den­ken wir uns ein siche­res Pass­wort aus und bekom­men oben­drein einen Lauf­werks­buch­sta­ben für das „ent­schlüs­sel­te“ Ver­zeich­nis zugewiesen:

Jetzt haben wir ein ver­schlüs­sel­tes Ver­zeich­nis in der Drop­box. Um Datei­en dort abzu­le­gen, müs­sen wir es, wie aus der *ix-Welt bekannt, moun­ten. Dazu bedarf es eines Rechts­klicks auf das Schlüs­sel­sym­bol und die Aus­wahl unse­res ver­schlüs­sel­ten Ver­zeich­nis­ses. Nach Ein­ga­be des fest­ge­leg­ten Pass­worts ist das vir­tu­el­le Lauf­werk, hier F:, benutz­bar. Alle Datei­en, die wir dort able­gen, wer­den auto­ma­tisch via EncFS-Trei­ber verschlüsselt:

Daten­schutz in der cloud funk­tio­niert eben doch. Trotz­dem soll­te man ihn nicht der Bequem­lich­keit opfern und immer zwei­mal dar­über nach­den­ken, ob Datei x wirk­lich in die Drop­box muss.

Kor­rek­tu­ren, Anmer­kun­gen und Ergän­zun­gen sind gern gese­hen. :)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXIV: Im Focus der Säufer

Nett auch, „Focus“, ist dei­ne dies­wö­chi­ge Kam­pa­gne gegen den Alko­hol sicher gemeint, aber sie wirkt doch ein wenig alt­mo­disch; wie du, „Focus“, selbst aller­dings auch. Das Titel­blatt ist bereits vielsagend:

Fei­ern­de Jugend­li­che – das idea­le Sym­bol­bild für ein Titel­bild zum The­ma „Die Gefah­ren des Alko­hol­kon­sums“. Wur­den die abge­bil­de­ten Jugend­li­chen eigent­lich vor­her dar­über infor­miert, dass sie nun an bei­na­he jedem Zeit­schrif­ten­stand weit­hin sicht­bar als poten­zi­ell koma­saufen­de Men­schen gekenn­zeich­net wer­den? Falls noch irgend­wer dach­te, beim „Focus“ wür­de man viel­leicht wenigs­tens ein biss­chen sach­lich an das The­ma her­an­ge­hen, bist du, „Focus“, wenigs­tens so freund­lich, die­se Hoff­nung mit dem Unter­ti­tel „Was tole­rie­ren?“ zunich­te zu machen. Man weiß schon vor dem Lesen des Arti­kels: Ah, kon­ser­va­ti­ve „Exper­ten“ wer­den zu Wort kom­men, die wort­reich zu erklä­ren ver­su­chen, wie­so Alko­hol­miss­brauch unter Jugend­li­chen abneh­men soll­te, wenn man nur kräf­tig genug mit dem rech­ten Zei­ge­fin­ger wedelt.

Und so ist es auch.

Der Tenor des Arti­kels lau­tet im Wesent­li­chen: Alko­hol­miss­brauch sei typisch jugend­lich, wobei der „Focus“ das „jugend­li­che“ Alter zwi­schen 10 und 25 Jah­ren ansie­delt (und dabei mal eben Men­schen Mit­te 20 mit Grund­schul­kin­dern ver­gleicht), und ihm kom­me man nur mit Auto­ri­tät bei. Das erin­nert mich ein wenig an die Simpsons-Epi­so­de „All­ge­mei­ne Aus­gangs­sper­re“. Dass mir regel­mä­ßig stark alko­ho­li­sier­te Pre­ka­ri­er über 30 begeg­nen, ist sicher nur die berühm­te Aus­nah­me von der Regel.

Und der Wort­laut des Arti­kels ist noch bescheu­er­ter. Dar­in steht zum Bei­spiel gleich zu Anfang dies:

Alko­hol gilt – trotz aller Gefah­ren – als der Roh­stoff für gute Stim­mung, gera­de unter Jugendlichen.

„Gera­de unter Jugend­li­chen“: Älte­re neh­men statt­des­sen rich­ti­ge Dro­gen – oder wie ist das zu ver­ste­hen? Eigent­lich ist es doch aber genau anders­her­um: Als Jugend­li­cher expe­ri­men­tiert man mit aller­lei Sub­stan­zen, erst spä­ter fixiert man sich auf den Alko­hol. Wel­che Jugend­li­chen wur­den da gefragt – die drei vom Titelfoto?

Das ist noch nicht Besorg­nis erre­gend genug, also legt der „Focus“ noch ein wenig Betrof­fen­heit nach und schil­dert zwei Fäl­le: Ein Jugend­li­cher hat im Alko­hol­rausch bei­na­he jeman­den zu Tode getre­ten, ohne zu wis­sen, war­um. Böse Jugend­li­che, böser Alko­hol. Für Fall Num­mer 2 muss­te man ein wenig nachhelfen:

Auch der Tod eines 44-jäh­ri­gen Fami­li­en­va­ters nach einer Schlä­ge­rei am Vater­tag in Ros­tock im ver­gan­ge­nen Jahr lässt sich als furcht­ba­res Ende eines Besäuf­nis­ses auf­fas­sen. Zwar war der Täter 24 Jah­re alt, aber er hat­te schon in Teen-Jah­ren gezeigt, dass er mit Alko­hol nicht umzu­ge­hen vermochte.

Bei­na­he wäre die schö­ne The­se vom bru­ta­len Alki-Teen gekippt, aber zum Glück war der Täter schon als Kind ver­sof­fen. Gera­de noch gerettet!

Um das Bild der ver­kom­me­nen Schnaps­lei­chen­ju­gend zu kom­plet­tie­ren, ver­sucht man sich im Hau­se „Focus“ auch mal an den ande­ren Dro­gen, lässt es aber zum Glück nach einem kur­zen Absatz blei­ben; viel­leicht hat das Autoren­trio „Ellen Dani­el / Kurt-Mar­tin May­er / Her­bert Weber“ noch recht­zei­tig bemerkt, dass es von dem gan­zen moder­nen Zeug eigent­lich so gar kei­ne Ahnung hat, weil die eige­ne Jugend schon ein paar Jahr­zehn­te her ist:

Der Wirk­stoff­ge­halt von Haschisch, Mari­hua­na und Can­na­bis­blü­ten schwankt um bis zu 40 Pro­zent, wur­de kürz­lich auf einer Bun­des­tags­an­hö­rung bekannt.

Dass man so etwas im Bun­des­tag erfährt, ist inter­es­sant zu wis­sen. Dass es in der Jugend der Autoren anschei­nend nur Can­na­bis mit kon­stan­tem THC-Gehalt gab, übri­gens auch. Aber wir waren ja noch beim Alko­hol und schwan­ken schwen­ken da auch gleich wie­der hin. Die Autoren haben näm­lich nicht nur kei­ne Ahnung vom Kif­fen, son­dern auch kei­ne Ahnung vom Mit­ein­an­der unter Jugendlichen:

Doch Bol­lern bleibt cool, oder wel­che Jugend­wor­te für die geplan­te Pro­mil­le­auf­nah­me (wie alken, bin­gen, sau­fen) auch immer gera­de ange­sagt sind (durs­tig sein zum Bei­spiel heißt „unter­hopft sein“).

Dass es „ange­sag­te“ Begrif­fe für’s Sau­fen gibt, wuss­te ich noch nicht, aber „bol­lern“, „unter­hopft sein“ und „bin­gen“, von der Ort­schaft und dem Verb für die Benut­zung der Such­ma­schi­ne „Bing“ ein­mal abge­se­hen, las ich heu­te zum ers­ten Mal und hör­te ich noch nie. Zu mei­ner Zeit gab es kei­ne homo­ge­ne „Jugend­spra­che“. Ich werd‘ alt.

Und was wäre so ein Arti­kel ohne ein aus­führ­li­ches Gespräch mit einem „Exper­ten“? Er wäre wert­los. Also holt sich das trio infer­na­le den kon­ser­va­tivs­ten „Exper­ten“, der gera­de greif­bar war, näm­lich den Jugend­psych­ia­ter Micha­el Gün­ter, und über­schreibt das Gespräch so pla­ka­tiv, dass man sofort sieht, was dar­in steht, ohne es lesen zu müssen:

Die­ser „Exper­te“ hat dann auch gleich die Lösung für alle Alko­hol­pro­ble­me parat: Ein­fach verbieten!

Das Trin­ken ein­fach ver­bie­ten – raten Sie auch das den Eltern, ist so etwas über­haupt durchsetzbar?
Je jün­ger die Kin­der sind, des­to mehr Sinn sehe ich dar­in, kla­re Ver­bo­te auszusprechen.

Weil näm­lich:

Ich hal­te Restrik­tio­nen und deren Über­wa­chung für geeig­ne­te flan­kie­ren­de Maßnahmen.

So ein­fach ist die Welt: Wenn man Kin­dern den Alko­hol ver­bie­tet, trin­ken sie kei­nen mehr. Viel­leicht soll­te man ihnen auch das Rau­chen und das Steh­len ver­bie­ten. – Ach so, das ist es schon? Dann will ich mal nichts gesagt haben. Wis­sen, wovon man spricht, ist ja auch eher so Mittelalter.


Für mei­ne regel­mä­ßi­gen Leser abschlie­ßend noch ein eben­falls pro­zent­hal­ti­ger Hin­weis bezüg­lich der F.D.P.: Null Pro­zent.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXI: Eis­kalt erwischt: Pas­sa­gie­re auf der Rodelbahn

Na end­lich:

Auf den Glei­sen der Deut­schen Bahn kommt es offen­bar durch die Käl­te wie­der zu Pro­ble­men mit fest­ge­fro­ren (sic!) Wei­chen. Am Don­ners­tag­mor­gen blieb ein Regio­nal­ex­press in Rich­tung Düs­sel­dorf auf­grund einer Wei­chen­stö­rung am Duis­bur­ger Haupt­bahn­hof ste­hen. Es kam zu wei­te­ren Verspätungen.

Das wur­de auch Zeit – fast hät­ten wir seit Jah­ren den ers­ten Win­ter ohne Zug­aus­fäl­le ertra­gen müs­sen. Ein undenk­ba­rer Zustand. Die Infra­struk­tur der Deut­schen Bahn ist auf unge­wöhn­lich nor­ma­le Tem­pe­ra­tu­ren nicht vor­be­rei­tet; oder eben auch:

Frü­her hätt’s das nicht gegeben!

PolitikNetzfundstücke
Schmal­hans des Tages: Eri­ka Stein­bach, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 2 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Scha­de: Die Jun­ge Uni­on Köln hat sich von Luca Leit­terstorfs, der merk­wür­di­ger­wei­se laut eige­ner Aus­sa­ge bis­lang erst ein­mal als Fana­ti­ker bezeich­net wur­de, geis­ti­gem Brei distan­ziert – wahr­schein­lich ist er ihr noch zu gemä­ßigt. „Rechts von uns darf es nichts geben“, so oder so ähn­lich drück­te es doch F. J. Strauß aus (reimt sich). Jetzt ist er (der F. J., nicht der Luca) tot, tja.

Schüt­zen­hil­fe bekommt er (der Luca, nicht der F. J.) von Eri­ka Stein­bach, der lang­jäh­ri­gen Prä­si­den­tin des Bun­des der Ver­trie­be­nen, die ges­tern per Twit­ter ver­lau­ten ließ:

Die NAZIS waren eine lin­ke Par­tei. Ver­ges­sen? Natio­nal­SO­ZIA­LIS­TI­SCHE deut­sche ARBEITERPARTEI.….

Kurz hin­set­zen, sacken las­sen, nach­den­ken, even­tu­ell empö­ren. Die spon­ta­ne Reak­ti­on der meis­ten Leser die­ses Tweets schien die ers­ten drei Schrit­te zu über­sprin­gen: Wenn jemand sein Leben lang „links“ sein woll­te, nur um „gegen Hit­ler“ zu sein, wäre es natür­lich ärger­lich, wenn er dafür statt­des­sen rechts sein müss­te, wür­de das doch klar zei­gen, dass sei­ne ein­zi­ge poli­ti­sche Über­zeu­gung ein stump­fes „dage­gen!“ ist. Hit­ler, der lin­ke Lümmel.

„Alles ist so, wie es ist, weil es so ist.“
– Die Gol­de­nen Zitro­nen: Fin de millénaire

Sacken las­sen und nach­den­ken: Der Erfolg der NSDAP war eine unmit­tel­ba­re Fol­ge der Wirt­schafts­kri­se gegen Ende der 20-er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts. Dass die NSDAP auch poli­tisch lin­ke Ideen als Kern­punk­te führ­te, ist sicher nicht ver­kehrt, aber ein wenig Dif­fe­ren­zie­rung ist schon vonnöten.

Ers­tens: Natio­nalsozia­lis­mus.

Der natio­na­le Sozia­lis­mus bezeich­net zunächst ein­mal den Kom­pro­miss aus Natio­na­lis­mus und Sozia­lis­mus, zwei kon­kur­rie­ren­den poli­ti­schen Strö­mun­gen im deut­schen Kai­ser­reich. Vor­ran­gi­ges Ziel war eine star­ke Gemein­wirt­schaft zum Zwe­cke des Wohl­erge­hens des deut­schen Vol­kes und sei­ner Stär­kung gegen­über den herr­schen­den Klas­sen. Dass Mit­glie­der des Natio­nal­so­zia­len Ver­eins, auf­ge­löst nach einer Wahl­nie­der­la­ge im Jahr 1903, spä­ter die Vor­läu­fer­par­tei­en der F.D.P., ursprüng­lich Teil einer links­li­be­ra­len Strö­mung, grün­de­ten und die nun nicht gera­de als faschis­tisch bekann­te SPD sich mit dem Kriegs­so­zia­lis­mus zur ers­ten natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Par­tei Deutsch­lands mach­te, soll­te klar machen, dass die poli­ti­schen Schub­la­den „links“ und „rechts“ schon vor hun­dert Jah­ren inhalt­lich völ­lig über­holt waren.

Sozia­lis­ti­sche Kriegs­wirt­schaft hat­te Deutsch­lands Bünd­nis­part­ner Josef Sta­lin, der das mit dem völ­ki­schen Den­ken auch ganz gut konn­te, eben­falls im Ange­bot, so unter­schied­lich waren die bei­den Staa­ten anschei­nend kei­nes­falls; wer ist „links“, wer ist „rechts“? Was der sozia­lis­ti­schen Sowjet­uni­on zum Rechts­sein also noch fehl­te, war der offen­si­ve Ras­sen­hass. Wird eine lin­ke Par­tei zu einer rech­ten Par­tei, wenn sie der­lei propagiert?

„Begrif­fe wie links und rechts basie­ren auf einer klas­si­schen Defi­ni­ti­on von Arbeit, die mit der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft nicht mehr viel zu tun haben.“
– Mari­na Weisband

Die Beto­nung beim Natio­nalsozia­lis­mus soll­te wahr­schein­lich eher auf dem ers­ten Bestand­teil – Natio­nalsozia­lis­mus – lie­gen, um klar­zu­ma­chen, was die NSDAP eigent­lich ober­fläch­lich von der SED unter­schied. Und apro­pos SED:

Zwei­tens: Arbei­terpar­tei.

Gegrün­det wur­de die DAP (spä­ter NSDAP) von Arbei­tern, ihr Wesen wie auch das Wesen des Natio­nal­so­zia­lis­mus‘ war es, wie beschrie­ben, die Arbei­ter­klas­se zu stär­ken. Auch das galt jedoch expli­zit für die deut­schen, ari­schen Arbei­ter, deren gesell­schaft­li­cher Auf­stieg zu Kämp­fern für das Vater­land an den real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus im Arbei­ter- und Bau­ern­staat – arbei­te hart für dein Volk, wie es dein Volk auch für dich tut – erin­nern mag, der mit dem, was die Ewig­gest­ri­gen unter „rechts“ ver­ste­hen, kaum Gemein­sam­kei­ten auf­weist, aber anschei­nend gibt es guten und schlech­ten Natio­na­lis­mus. Der Natio­na­lis­mus von DDR, Chi­na und Sowjet­uni­on war pri­ma, weil er halt nicht auf (west-)deutschem Boden statt­fand. Weit weg, inter­es­siert uns nicht. Ande­re natio­na­lis­ti­sche und sozia­lis­ti­sche Staa­ten haben ihre Völ­ker­mor­de eben weni­ger wer­be­wirk­sam auf­ge­zo­gen. Die DDR, immer­hin, hat auf einen sol­chen ver­zich­tet. Ist sie damit der ein­zi­ge „lin­ke“ von den genann­ten Staa­ten gewesen?

Wer im Übri­gen den Feh­ler macht, Natio­na­lis­mus und Patrio­tis­mus mit­ein­an­der zu ver­wech­seln, dem erscheint die­se gan­ze Dis­kus­si­on wahr­schein­lich voll­kom­men deplat­ziert. Zur gro­ben Ori­en­tie­rung dies: Die USA sind patrio­tisch, Frank­reich ist natio­na­lis­tisch. Man soll­te Natio­na­lis­mus, Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Faschis­mus nicht unbe­dingt immer gleich­set­zen, auch, wenn das eige­ne Welt­bild dadurch schön ein­fach wird. Links ist sozi­al und sozi­al ist gut, lie­be Grü­ße auch an Fidel Cas­tro; rechts ist (blöd und) natio­nal und die Nati­on ist böse, wenn sie halt nicht gera­de den eige­nen Lebens­un­ter­halt finan­ziert. JU: Neu­kon­ser­va­tiv, rechts! Natür­lich mit Aus­ru­fe­zei­chen, bit­te gebrüllt mit rol­len­dem „r“ vorstellen.

Und über­haupt, Frau Stein­bach, da wir gera­de beim Dif­fe­ren­zie­ren sind: „Die NAZIS“ waren gar kei­ne Par­tei, sie waren Mit­glie­der einer sol­chen – und nicht ein­mal immer derselben.

Aber das passt halt nicht in 140 Zeichen.

Netzfundstücke
Sibi­ri­sche Fern­wär­me / The heat is on (on the street)

Von der Kli­ma­er­wär­mung hört man die­ser Tage ja nur wenig. Man­che Men­schen neh­men wahr­schein­lich an, sie hal­te selbst Win­ter­schlaf. Zum Glück klärt Wolf­gang W. Mer­kel von Welt.de die­se Fehl­ein­schät­zung nun auf, indem er erklärt:

Der Golf­strom dreht Euro­pas Fern­hei­zung auf

…, und wahr­schein­lich wird’s Hei­zen des­halb immer teu­rer. Ob man des­we­gen nun den Betrieb von Auto­mo­bi­len ver­bie­ten oder lie­ber alle Kühe schlach­ten soll­te, möge eine höhe­re Instanz ent­schei­den, zum Bei­spiel die EU, die ja für ihre paten­ten Lösun­gen bekannt ist.

Ich wür­de der­weil gern wis­sen, wie lan­ge das eigent­lich dau­ert, bis die Fern­wär­me hier ist, denn:

Bis zum Frei­tag wer­de es täg­lich käl­ter, berich­te­te der Deut­sche Wet­ter­dienst (DWD) am Sonn­tag. „Von Don­ners­tag bis Sams­tag soll­ten käl­te­emp­find­li­che Men­schen eher kei­ne Außen­ter­mi­ne pla­nen, denn der bocki­ge Ost­wind wird auch tags­über die gefühl­ten Tem­pe­ra­tu­ren immer im zwei­stel­li­gen Minus­be­reich halten.“

„Aus den Simu­la­tio­nen gehen kla­re Kli­ma­trends her­vor. Danach wird es vor allem in den Win­ter­mo­na­ten in ganz Deutsch­land wärmer.“
– focus.de, 7. Dezem­ber 2009

Viel­leicht soll­ten die­je­ni­gen, die sich im Win­ter über die klir­ren­de Käl­te beschwe­ren, im Som­mer ganz ein­fach mal einen küh­len Kopf bewahren.

(Dan­ke an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
Tetra­fu­si­on – Hori­zons EP

Ich wur­de heu­te via E‑Mail auf die CD „Hori­zons“ der US-Ame­ri­ka­ner Tetra­fu­si­on hin­ge­wie­sen, die mir ganz gut gefällt. Tetra­fu­si­on ist eine ehe­ma­li­ge Instru­men­tal­band, die nun­mehr auch Gesang in die eige­ne Musik ein­baut. Ich zitie­re:

Tetra­fu­si­on began­nen als Instru­men­tal­band und nah­men so ein Album auf („Abso­lu­te Zero“). (…) Ihre neue CD ist eine EP namens „Hori­zons“ und wur­de im Vor­feld kom­plett von Fans finan­ziert. Daher hat die Band beschlos­sen, die Musik als Gra­tis-Down­load anzu­bie­ten. Wer will, darf aber auch einen selbst gewähl­ten Preis zah­len oder für $7 ein­fach die CD-Ver­si­on bestellen.

Sich selbst bezeich­nen sie als Pro­gres­si­ve-Metal-Band, und das pro­gres­si­ve Ele­ment hat tat­säch­lich einen hohen Stel­len­wert. Jaz­zig-ver­spiel­te Soli, vie­ler­lei Takt- und Rhyth­mus­wech­sel und die Domi­nanz des Key­boards klin­gen den Ohren des Dream-Thea­ter-Freun­des ver­traut, da sei auch die kur­ze Spiel­zeit von durch­schnitt­lich unge­fähr vier Minu­ten (mal mehr, mal weni­ger) verziehen.

Ein wenig scha­de ist es, dass die Stü­cke immer etwas abrupt enden, aber womög­lich legt sich das noch auf spä­te­ren Auf­nah­men. Der (neue) Gesang näm­lich scheint sei­nen Teil zu die­sem Ein­druck bei­zu­tra­gen, indem er sel­ten mehr ist als blo­ße Beglei­tung der Melo­die. An wen mich der Sän­ger stimm­lich erin­nert, weiß ich gera­de nicht. Ich glau­be, an die Smiths.

Ansons­ten gibt es an „Hori­zons“ nichts zu meckern. Einem geschenk­ten Gaul schaut man als Musik­freund zwar ins Maul, aber man schlä­fert ihn nicht ein, wenn das Maul intakt erscheint, son­dern behält ihn und gewinnt ein paar Ren­nen mit ihm.

Was fehlt? Ach so, der Ver­weis. Der führt zu Bandcamp.com, und wer genann­te Beschrei­bung für posi­tiv inter­es­sant befin­det, dem lege ich nahe, ihm zu fol­gen. Gern geschehen.

MusikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXXX: Edi­son und die abscheu­li­che Musik

For­scher haben zwi­schen ande­ren alten, ver­rausch­ten Auf­nah­men eine alte, ver­rausch­te Auf­nah­me von Otto von Bis­marck ent­deckt, der dem von Tho­mas Alva Edi­son erfun­de­nen Pho­no­gra­phen etwas vor­ge­sun­gen hat­te. Für His­to­ri­ker sicher recht inter­es­sant, musi­ka­lisch auch bes­ser als das, was die Hir­ne der Radio­hö­rer heut­zu­ta­ge so weich­kocht. „Paraaaa, Paraaaa, Para­di­se!“, ent­schul­digt mich, ich wer­de kurz kot­zen gehen.

Folgt ihr so lan­ge dem Ver­weis zur Auf­nah­me, so lan­det ihr auf der Inter­net­prä­senz des Natio­nal Park Ser­vice, der noch mehr sol­cher Auf­nah­men – zum Teil eben­falls musi­ka­li­scher Natur – bereit­hält. Dar­un­ter befin­det sich auch eine Auf­nah­me des Kom­po­nis­ten Arthur Sul­li­van, der nach einer Prä­sen­ta­ti­on des Pho­no­gra­phen etwas gestelzt zu Pro­to­koll gab:

(…) I am asto­nis­hed and some­what ter­ri­fied at the results of this evening’s expe­ri­ment – asto­nis­hed at the won­derful power you have deve­lo­ped, and ter­ri­fied at the thought that so much hideous and bad music may be put on record forever.

Frei über­setzt:

(…) Ich bin über­rascht und etwas erschreckt über die Ergeb­nis­se des Expe­ri­ments die­ses Nach­mit­tags – über­rascht über die wun­der­vol­le Kraft, die Sie ent­wi­ckelt haben, und erschreckt ob des Gedan­kens, dass so viel abscheu­li­che und schlech­te Musik auf ewig auf eine Auf­nah­me gelan­gen könnte.

Kas­san­dra? Ras­pu­tin? Nost­rad­amus? Alles kal­ter Kaf­fee. Die düs­te­re Pro­phe­zei­ung des Arthur Sul­li­van wur­de schreck­li­che Wirk­lich­keit und hat den Pro­phe­ten bis in die Gegen­wart überdauert.
Wo bleibt eigent­lich die­ser ver­damm­te Weltuntergang?

(Indi­rekt: Dan­ke an L.!)

Nerdkrams
Siris Erben

Das iPho­ne 4S („for ass“) hat als nen­nens­wer­ten Kauf­grund „Siri“ spen­diert bekom­men, eine ner­vi­ge Ver­si­on der Goog­le-Sprach­su­che von Android-Mobil­te­le­fo­nen. Ob man iPho­ne-Nut­zer nun dar­um benei­den soll­te, dass sie für den lach­haf­ten Preis von ein paar hun­dert Krö­ten die tech­ni­sche Grund­la­ge für etwas kau­fen dür­fen, was in der Regel eher mäßig funk­tio­niert und die Benut­zer in der Öffent­lich­keit wie Geis­tes­ge­stör­te wir­ken lässt, wenn sie Selbst­ge­sprä­che zu füh­ren schei­nen, weiß ich nicht – sie um Siri zu benei­den ist jeden­falls schon längst nicht mehr nötig.

Wer näm­lich ein Android-Gerät – Android „2“ genügt völ­lig – sein eigen nennt und wem bei der mit­ge­lie­fer­ten Sprach­su­che die von Apple bewor­be­ne Seman­ti­kerken­nung fehlt, der muss nicht viel Geld in ein iPho­ne 4S ste­cken, son­dern kann sich mit Ali­co­id (99 ct. im Android Mar­ket) oder Ali­ce (preis­frei eben­dort) behelfen.

Der Name kommt ear­ly adop­tern wahr­schein­lich bekannt vor, gab es doch schon seit 1995 ver­schie­de­ne Ent­wick­lun­gen die­ses Namens, am Bekann­tes­ten wahr­schein­lich ist die „Alice“-Version für ICQ. Die­se dien­te sozu­sa­gen als Anruf­be­ant­wor­ter für den Sofort­nach­rich­ten­dienst und konn­te ein­ge­hen­de Nach­rich­ten mehr oder weni­ger sinn­voll beantworten.

Die wirk­li­che Neue­rung von Siri ist der Ser­ver, über den die Kom­mu­ni­ka­ti­on, vom Benut­zer unbe­merkt, statt­fin­det. Siri selbst ist anschei­nend ziem­lich blöd, die Rou­ti­nen auf dem Ser­ver ziem­lich mäch­tig. Kom­po­nen­ten, um Siri nach­zu­bau­en, sind also eine ein­fa­che Sprach­ein­ga­be mit der Mög­lich­keit, Daten­aus­tausch mit einem Ser­ver zu betrei­ben, der sie dann nach Belie­ben aus­wer­tet, und eben die­ser Server.

Goog­le hat Ser­ver, genau­er gesagt: Goog­le hat zur­zeit acht Rechen­zen­tren. Was Goog­le dank sei­ner Such­ma­schi­ne außer­dem hat, ist das Wis­sen, wie man Text­ein­ga­ben so lan­ge umfor­mu­liert, bis irgend­et­was ganz ande­res dabei her­aus­kommt, was ein Algo­rith­mus ver­ste­hen kann – seman­ti­sche Suche ist also kein Pro­blem. Seit dem 9. Juni 2010 ist es in deut­scher Spra­che mög­lich, Goog­le-Such­an­fra­gen per Mikro­fon durch­zu­füh­ren. Was noch zur Siri fehl­te, war die Anbin­dung an nahe­zu belie­bi­ge apps.

Ein tritt die Fami­lie Alice.

Die­se apps nut­zen eine Kom­bi­na­ti­on aus Sprach­aus­ga­be und Goog­le-Sprach­su­che, um wie das einer Offen­ba­rung nicht unähn­lich ange­prie­se­ne Siri auf Sät­ze in, mehr oder weni­ger, natür­li­cher Spra­che brauch­ba­re Ant­wor­ten zu geben. („Mehr oder weni­ger“: Die Fra­ge „Wer isn des?“ wird wohl kein befrie­di­gen­des Ergeb­nis nach sich ziehen.)

Vor­aus­set­zung: Android. Dass Ali­co­id mehr kann als Ali­ce, ist noch nicht unbe­dingt ein Grund, zu der Bezahlapp zu grei­fen, wenn ein­fa­che Ter­min­pla­nung oder ähn­li­che Auf­ga­ben genü­gen, bedenkt man, dass Ali­co­id zur­zeit (legal) nur per Android Mar­ket und somit nur von Kre­dit­kar­ten­be­sit­zern zu erwer­ben ist, was in Deutsch­land ja durch­aus nicht auf die über­wie­gen­de Mehr­heit der Android-Nut­zer zutref­fen dürf­te. Zu emp­feh­len ist sowie­so, zuerst ein­mal zu über­prü­fen, ob die eige­ne Aus­spra­che mit der Goog­le-Sprach­su­che har­mo­niert, denn auch Ali­co­id kann da kei­ne Wun­der wirken.

Es wäre sicher­lich ver­mes­sen, tech­nik­ver­lieb­te Zeit­ge­nos­sen aus­zu­la­chen, wenn sie in einer Men­schen­men­ge wie­der ein­mal mit ihrem Tele­fon reden. Hin und wie­der jedoch ist ein mit­lei­di­ger Blick in Rich­tung derer, die für die­se Funk­ti­on 600 oder mehr Euro aus­ge­ben, die rich­ti­ge Entscheidung.

In den Nachrichten
„… wie Jour­na­lis­mus heu­te funktioniert“

Wer die „Huf­fing­ton Post“ nicht kennt, für den zitie­re ich gern zeit.de:

Jetzt(…) gilt die Web-Zei­tung als eine auf­stre­ben­de Macht im ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­lis­mus. (…) In der Huf­fing­ton Post behielt Huf­fing­ton zwar ihre libe­ra­le Aus­rich­tung, vor allem gelang es ihr aber, das Por­tal zu einer Art „digi­ta­ler Spea­k­ers‘ Cor­ner“ für poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen zu machen. (…) Obwohl ein gro­ßer Teil der Inhal­te seich­te Rat­ge­ber-Arti­kel sind, habe Huf­fing­ton ver­stan­den, wie Jour­na­lis­mus heu­te funk­tio­niert, lob­te sie der Online­me­di­en-Guru Jeff Jarvis.

Wie Jour­na­lis­mus heu­te funktioniert:

Wird Katy Per­ry Rus­sell Brand auch auf Face­book ent­freun­den? Blei­ben Sie dran für wei­te­re erschüt­tern­de Nachrichten!

(Eigent­lich könn­ten wir uns ja glück­lich schät­zen, denn wenn das das Vor­zei­ge­me­di­um des US-ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­lis­mus‘ ist, sind wir immer noch gut bedient. Na ja: Eigentlich.)

SonstigesPiratenpartei
Medi­en­kri­tik LXIII: c’t: Vor Pira­ten den Nerz nicht sehen

In der neu­en Aus­ga­be 4/2012 des Maga­zins c’t ver­weist Autorin Rag­ni Zlo­tos auf die Initia­ti­ve „Kin­der wol­len sin­gen“ und bringt dabei bei­na­he alles durch­ein­an­der, was nur irgend­wie mög­lich war.

„Kin­der wol­len sin­gen“ ist ein Pro­jekt von Sebas­ti­an Nerz, auch bekannt als „tir­sa­les“ und gegen­wär­ti­ger Bun­des­vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei Deutsch­land. Im Umfeld der Pira­ten­par­tei wur­de vor etwas län­ge­rer Zeit von (unter ande­rem) Chris­ti­an Huf­gard auch der Ver­ein „Musik­pi­ra­ten e.V.“ gegrün­det, der sich für die Ver­brei­tung frei­er Musik ein­setzt. Per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen sind qua­si aus­ge­schlos­sen, inhalt­li­che – mit Aus­nah­me des Schwer­punk­tes auf gemein­frei­er Musik – eigent­lich auch. Wäh­rend aber „Kin­der wol­len sin­gen“ kei­ner­lei Hin­wei­se auf die „Musik­pi­ra­ten“ ent­hält, mach­ten letz­te­re gleich mehr­fach Wer­bung für ers­te­re, was offen­bar ein Feh­ler war, denn Rag­ni Zlo­tos ist sicht­lich über­for­dert und schrieb des­halb dies:

(…) Ein ähn­li­ches Ange­bot [wie Kita­lie­der, A.d.V.] gibt es auch auf der Sei­te Kin­der wol­len sin­gen. Die Grup­pe aus dem Umfeld der Pira­ten­par­tei nennt sich Musikpiraten. (…)

Es ist lobens­wert, dass die Musik­pi­ra­ten für ihre Mühen auch ein­mal mit einer Erwäh­nung in einer rele­van­ten Fach­zeit­schrift belohnt wer­den; scha­de nur, wenn es die fal­schen Mühen sind.

„Pira­ten sind alle gleich.“
– unbe­kann­ter Autor in ganz ande­rem Zusammenhang

Spaß mit Spam
Ihre 1.250 Euro war­ten auf Sie

Oh, mein­Geld („Ihr­Geld“) lässt von sich hören. Ich hat­te schon befürch­tet, es sei ver­schol­len – ich habe es schon sehr vermisst.

Heu­te aber beglückt es mich mit die­sem Lebenszeichen:

War­um anders­wo schau­en? 1250€ ist eine der höchs­ten Online Casi­no Anmeldepromos
im Inter­net; die­se erhal­ten Sie zusam­men mit ein­zig­ar­ti­gem Sup­port und einer
durch­schnitt­li­che Aus­zah­lungs­ra­te von über 97%. Laden Sie unse­re kostenlose
Soft­ware jetzt her­un­ter und fin­den Sie her­aus war­um die schlau­en Spieler
Casi­noAc­tion wählen.

Merk­wür­dig, nor­ma­ler­wei­se ruft mein Geld eher „gib mich aus“ als „guck dir ma das kras­se Casi­no an, Lan“, aber die Zei­ten ändern sich.

Was genau woll­te mir mein Geld eigent­lich jetzt sagen? Ach, ja, dass ich bei Anmel­dung eines Online Casi­nos (sic!) mit 97 Pro­zent Wahr­schein­lich­keit bis zu 1.250 Euro, ein­zig­ar­ti­ge Unter­stüt­zung sowie eine durch­schnitt­li­che Aus­zah­lungs­ra­te bekom­me. Mit 100 Pro­zent Wahr­schein­lich­keit bekom­me ich sogar bis zu 250.000 Euro, immer­hin liegt auch ein Betrag von 0 im Bereich „bis zu 250.000 Euro“. Aber man übt sich in Beschei­den­heit, das ist sym­pa­thisch. Was mache ich aber, wenn ich gar kein Casi­no anmel­den möch­te? Wahr­schein­lich gar nicht weiterlesen.

Alle ande­ren fra­gen sich viel­leicht: Casi­noAc­tion, was ist das eigentlich?

Casi­noAc­tion ist das neus­te pres­ti­ge­träch­ti­ge euro­päi­sche Online Casi­no welches
zur eta­blier­ten Casi­no Rewards Grup­pe hin­zu­ge­fügt wurde.

Ach, die­ses Casi­no. Und die­se Grup­pe. Klar, wer kennt sie nicht?!
Das ist die­se hier, und das mit der Welt­ein­heits­wäh­rung hat man ver­stan­den; so heißt es zum Bei­spiel bei „Casi­no Action“:

Anmel­de­bo­nus: $€£1250 und 1 Stun­de gra­tis ODER
$€£40 gra­tis für die ers­te Ein­zah­lung von $€£40
Min­destein­zah­lung: $€£40

Zahlt man also erst­mals 40 Dol­lar­europ­fund ein, bekommt man 40 Dol­lar­europ­fund aus­ge­zahlt; ab dem zwei­ten Mal wird es ein­be­hal­ten. Wer wür­de da nicht sofort mit­ma­chen wol­len? (Dass das mit der Min­destein­zah­lung in der wer­ben­den E‑Mail nicht so recht erwähnt wur­de, soll die­ser Freu­de ja kei­nen Abbruch tun.)

Und Geld ist ja auch nicht alles im Leben:

Unser Ziel ist es,
Spie­lern die unter­halt­sams­te und sichers­te Spiel­erfah­rung zu ermög­li­chen, die
das Inter­net der­zeit bie­ten kann.

„Sicher­heit“ zieht immer, das hat das Aus­wär­ti­ge Amt auch erkannt; denn:

Bei uns kön­nen Sie sicher und geschützt um
unse­re Jack­pots spie­len und sich rund­um unter­hal­ten las­sen, ohne auch nur einen
Fuß vor die Tür set­zen zu müssen.

Dafür wur­de das Inter­net einst erdacht: Damit die Leu­te sich beschei­ßen las­sen kön­nen, ohne auf­ste­hen zu müs­sen. Für nur 40 Dollareuropfund.
Ein wah­res Schnäppchen.