PolitikIn den Nachrichten
Der Kampf geht weiter

Oh, was lässt das Auswär­tige Amt (“AA”, hihi) denn da in der Kat­e­gorie “Frieden­spoli­tik” ver­laut­en? Deutsche Panz­er rollen weit­er, dem Wach­s­tum der Rüs­tungsin­dus­trie zuliebe:

Am 26. Jan­u­ar hat der Bun­destag beschlossen, dass das ISAF-Man­dat der Bun­deswehr in Afghanistan bis zum 31. Jan­u­ar 2013 ver­längert wird.

Nach­dem sie alles kurz und klein geschossen und massen­haft Zivilis­ten gemeuchelt haben, ja, nicht ein­mal mehr der Aus­lös­er für den Ein­satz noch existiert, ist das natür­lich eine gute und richtige Entschei­dung; sozusagen als Beloh­nung für die her­vor­ra­gende Arbeit:

(…) Die deutschen Sol­dat­en hät­ten — wie auch die Entwick­lung­shelfer und Diplo­mat­en — in Afghanistan unter schwieri­gen Bedin­gun­gen her­vor­ra­gende Arbeit geleis­tet(…).

Die bish­er mit Abstand größte Zahl von Opfern durch einen Ein­satz der ISAF war Folge ein­er Bom­bardierung durch US-Flugzeuge am 4. Sep­tem­ber 2009, die von Deutschen ange­fordert wor­den war. Nach NATO-Ein­schätzung wur­den dabei bis zu 142 Men­schen, darunter auch Kinder, getötet oder ver­let­zt. Gute Arbeit, meine Her­ren! (Apro­pos: “Unter schwieri­gen Bedin­gun­gen” hat­te doch auch Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg “seine” “Dok­torar­beit” “ange­fer­tigt”, oder?)

Natür­lich weiß das Auswär­tige Amt, dass die deutschen Bürg­er teil­weise nicht doof sind, und ver­sucht es mit ein­er Erk­lärung, die die Kon­ser­v­a­tiv­en unter den Wäh­lern zufrieden­stellen sollte:

So gebe es Fortschritte bei der Sicher­heit­slage, dem Wieder­auf­bau und beim Kampf gegen den Ter­ror­is­mus.

Mehr Sicher­heit! Weniger Ter­ror­is­mus! Mal was anderes als immer nur “das böse Inter­net”, immer­hin. Hierzu nur zwei Anmerkun­gen:

  1. Die Bun­deswehr hat “in inter­na­tionalem Auf­trag” ein Land zu zer­stören geholfen, das diese Hil­fe gar nicht wollte. Aus­län­der, die unge­beten Anschläge verüben, bei denen bis­lang einige Tausend Men­schen gestor­ben sind — wenn Afgha­nen das in den USA machen, ist es Ter­ror­is­mus, wenn die USA das in Afghanistan machen, ist es ein Hil­f­sein­satz. Schön, dass wir mal darüber gere­det haben.
  2. Der “Wieder­auf­bau” wäre nicht notwendig, wenn man nicht vorher alles kaputtgeschossen hätte. So schafft man sich also die Grund­la­gen, die das eigene Han­deln recht­fer­ti­gen: “Wenn es nach uns gin­ge, wären wir gar nicht in Afghanistan, aber wir haben alles zer­stört, so kön­nen die doch nicht leben!” — Natür­lich auch weit­er­hin: Hil­fe nur mit Panz­ern und Gewehren. Für die Sicher­heit­slage, wis­senschon.

Denn eigentlich will man gar nicht in Afghanistan sein:

(…) Deutsch­land han­dle entsprechend der inter­na­tion­al vere­in­barten Strate­gie, die auf die schrit­tweise Über­gabe der Ver­ant­wor­tung und schrit­tweise Reduzierung der inter­na­tionalen Trup­pen in Afghanistan set­zt.

Manche schre­it­en eben etwas langsamer voran als andere. Auch geistig:

“Wir dür­fen wed­er das bish­er Erre­ichte noch die Sicher­heit unser­er Trup­pen aufs Spiel set­zen”, betonte der Bun­de­saußen­min­is­ter. Sehr wichtig seien Fortschritte bei der Aus­bil­dung der afghanis­chen Sicher­heit­skräfte und beim poli­tis­chen Prozess.

Die Sicher­heit von Trup­pen ist am ehesten gewährleis­tet, wenn man sie noch ein paar Monate länger in ihren Panz­ern durch ein ver­mintes Land gurken lässt, statt sie nach Hause zu schick­en. Guckt doch mal in die Zeitung, wie viele Leute pro Tag in Deutsch­land ster­ben! Das wäre unver­ant­wortlich!

Das “bish­er Erre­ichte” — ein weit­ge­hend zer­störtes Land ohne eigene Innen- und Außen­poli­tik und mit totem oder trau­ma­tisiertem Zivil­volk — kann der Bun­deswehr aber nie­mand nehmen. Keine Sorge. Vielle­icht gibt es ja dafür noch ein paar Orden — in “Grand Theft Auto” gibt es ja auch Bonus­punk­te, wenn man einen Kinder­wa­gen zusam­men mit der Mut­ter über den Haufen fährt. Das ganze Leben ist ein Spiel…

Ach, jet­zt sind schon wieder so viele Sätze ohne “Ter­ror­is­mus” gefall­en, das kann nicht so bleiben:

(…) “Wir tun alles dafür, damit Afghanistan nicht erneut in Chaos und Bürg­erkrieg versinkt und Rück­zug­sort für inter­na­tionale Ter­ror­is­ten wird”, unter­strich West­er­welle. Das liege auch in unserem eige­nen Sicher­heitsin­ter­esse.

Die inter­na­tionalen Ter­ror­is­ten kom­men dann halt lieber hier­her, sagen die Innen­poli­tik­er. Vielle­icht soll­ten die Min­is­te­rien sich bess­er absprechen. (Mein Sicher­heitsin­ter­esse hätte mit ein­er Ansamm­lung inter­na­tionaler Ter­ror­is­ten in Afghanistan übri­gens ein gerin­geres Prob­lem als mit der Sta­tion­ierung deutsch­er Auf­tragsmörder “in meinem Namen” eben­dort.)

Man habe auf diesem Weg Fortschritte gemacht — bei allen Prob­le­men und bei allen Rückschlä­gen, mit denen lei­der auch weit­er zu rech­nen sei.

“Rückschläge”. Aber immer­hin: Fortschritte!

Krieg reicht aber nicht, hat selb­st Herr West­er­welle erkan­nt:

(…) Am Ende werde es in Afghanistan nur eine poli­tis­che Lösung geben.

So sieht es aus: Die Endlö­sung kann nur poli­tisch erfol­gen. Vielle­icht sollte man, so lange man eh’ noch in dem Land ist, gle­ich Nägel mit Köpfen machen und alles, was min­destens hal­bafghanisch ist, in Arbeit­slager steck­en — dann kom­men die gar nicht erst auf die Idee, Dummheit­en zu machen. Prob­lem gelöst, nicht wahr?

“Wer sich der Geschichte nicht erin­nert, ist dazu ver­dammt, sie zu wieder­holen.”
— George San­tayana

In den Nachrichten
Medienkritik LXII: Gebrannte Kinder

Die deutsche Sprache hat manchen anderen Sprachen voraus, dass man sich in ihr beliebig präzise aus­drück­en kann. Eine Eigen­schaft, die damit ein­herge­ht, ist eine gewisse Notwendigkeit, Beto­nung und Inter­punk­tion nicht nach Belieben zu ver­wen­den, son­dern sin­nvoll einzuset­zen. (Das beliebte Beispiel “komm wir essen Opa” sollte jedem mein­er Leser eben­so bekan­nt sein wie zumin­d­est der Titel des Buch­es “Jet­zt koch ich, Mama!” und was mitunter daraus wird.)

Dass nicht nur die blöde Kom­maset­zung aus manchem Satz eine ulkige Anek­dote wer­den lässt, son­dern das Schrift­deutsch man­gels Beto­nungsze­ichen auch gele­gentlich auftre­tende Homonyme, die in der Umgangssprache längst eine Selb­stver­ständlichkeit sind, zu Ver­ständ­nis­fall­en macht, ist selt­samer­weise nicht oft Gegen­stand sprachthe­o­retis­ch­er Blog- oder Zeitungsar­tikel. Dabei sind die Beispiele zahlre­ich. Erwäh­ntes “komm wir essen Opa” ließe sich statt mit zwei Kom­ma­ta auch mit ein­er ein­fachen Beto­nung unmissver­ständlich präzisieren. Die (mitunter ewig-)gestrige “Braun­schweiger Zeitung” hat ein weit­eres Beispiel gefun­den:

Sprech­er ander­er Sprachen haben da nichts zu lachen; das alt­griechis­che “sie wollen erhalten/beibehalten” (σώζοιεν) etwa ist mit “sie wollen bekom­men” (λαμβάνοιεν) nicht iden­tisch, wobei die alten Griechen für “ein Brandze­ichen bekom­men” wahrschein­lich wiederum ein eigenes Wort benutzt hät­ten, somit ist die Analo­gie lediglich als Erk­lärung zu ver­ste­hen.

Davon ein­mal abge­se­hen: Dieser Wun­sch ließe sich sicher­lich erfüllen. Hat jemand Vorschläge für ein Motiv?
Eine Piraten­flagge böte sich an.

Sonstiges
Etikettenschwindel

Aus der beliebten Serie “Hätt’ ich das gewusst!” fol­gt eine brand­neue Episode nach einem allerd­ings bere­its bekan­nten Drehbuch:

Ach so!

Manch­mal frage ich mich, was das für Men­schen sein müssen, um deretwillen Inhaltsin­for­ma­tio­nen wie die gezeigte eigentlich nötig sind. Tre­f­fen möchte ich diese Men­schen aber auch nicht unbe­d­ingt, ich hätte Angst um meinen Ver­stand.

Apro­pos Ver­stand: Der Zufall wollte es, dass ich heute meinen Blick über das DVD-Regal eines nahen Super­mark­tes schweifen ließ. Zu mein­er Belus­ti­gung und eur­er Unter­hal­tung fol­gt eine Pre­miere hier auf dieser kleinen Inter­net­präsenz, näm­lich ein Such­spiel. Es geht um den Titel dieser DVD über die “Sän­gerin” LaFee. (Das reimt sich.) Welch­er mein­er bevorzugt zynis­chen Leser find­et die Pointe? (Tipp: Ein Klick an der richti­gen Stelle offen­bart die Lösung.)

Viel Vergnü­gen und: Hihi!

Sonstiges
Kakapo statt Schlecker!

(Vorbe­merkung: Ich habe, so weit ich mich erin­nere, noch niemals etwas bei Schleck­er gekauft und finde geson­derte Drogeriemärk­te, die min­destens Mond­preise als gemein­same Eigen­schaft teilen, auch grund­sät­zlich immer ein wenig ein­fältig, gar über­flüs­sig.)

Ach, ihr Gut­men­schen, die ihr jet­zt alle, den Zeigefin­ger schwin­gend, beein­druckt von den total über­raschen­den Erken­nt­nis­sen zu den Inter­na von Schleck­er zum Boykott von Lohndump­ing betreiben­den Laden­ket­ten aufruft (und somit ver­mut­lich bin­nen weniger Tage man­gels Alter­na­tiv­en ver­hungern und ver­dursten werdet, denn einkaufen kön­nt ihr ja nun nir­gends mehr), um wenig­stens einen gerin­gen Teil zu ein­er besseren Welt beizu­tra­gen:

Bevor ihr also sterbt, lasst euch sagen, dass es auf der Welt noch größeres Unglück gibt als die soziale Mark­twirtschaft mit ihren neolib­eralen Ide­alen, die den Leuten das Leben schw­er macht. Der Kakapo ist vom Ausster­ben bedro­ht. Es leben — auss­chließlich auf Neusee­land, in Han­nover kön­nte ich das Ausster­ben ja noch ver­ste­hen — noch etwa 130 Exem­plare, Ten­denz sink­end.

Der Kakapo ist ein flu­gun­fähiger Papageien­vo­gel und wahrschein­lich die älteste noch lebende Voge­lart, oben­drein die einzige, deren bloße Nen­nung das Kind in mir ständig albern kich­ern lässt (“Kack­apo, hihi­hi!”). Blöder­weise riecht er ange­blich zwar “angenehm”, aber ziem­lich streng nach aller­lei Natür­lichem, was ein Grund dafür ist, dass seine Fress­feinde nicht lange suchen müssen. (Amüsante Vorstel­lung: Men­schen, die an Kaka­pos riechen, um das dann zu doku­men­tieren.)

Wenn ihr also etwas für eine bessere Welt tun wollt, hört auf, gegen die soziale Mark­twirtschaft zu demon­stri­eren, denn die lässt es in der Regel kalt. Vergesst all die großkap­i­tal­is­tis­chen Albrecht-Brüder und ihre Gesin­nungsgenossen. Wenn euch danach ist, solche Läden zu boykot­tieren, dann tut das, aber erwartet nicht, dass es in anderen Läden anders ist. So lange Regierun­gen das tolerieren, wird es sich nicht ändern. Demon­stri­ert also nicht gegen die Her­ren Schleck­er, demon­stri­ert gegen die Regierung.

Und wenn ihr zwis­chen­durch noch etwas Freizeit habt, ret­tet den Kakapo. Dem Wort zuliebe.

Montagsmusik
417.3: Saublöder Name, saugute Musik.

Aus Rus­s­land stam­men außer Pornofil­men anrüchi­gen Inhalts auch die Musik­er von 417.3, ein­er instru­men­tal­en Postrock-Gruppe mit viel Melan­cholie und ein biss­chen Stre­icherun­ter­stützung.

2008 erschien der/die/das EP “-‌-”, 2011 schob man das Vol­lzeit­de­büt “_(-_-)_” hin­ter­her. Wie wohl der Nach­fol­ger heißen wird? Die Stücke tra­gen jeden­falls Namen wie “+3”, “~” und “27” und sind trotz­dem spitze. Ver­gle­ich­spunk­te: “God­speed You! Black Emper­or” und “A Sil­ver Mt. Zion”. Ohne Gesang mit wohli­gen Schauern. Großar­tig.

417.3 — 17.09.2011

Das Album kann der geneigte Musik­fre­und für lau per myspace.com (von wegen tot) und via eMule herun­ter­laden.

Er möge davon reich­lich Gebrauch machen!

Nerdkrams
Digitale Verflachung

(Vorbe­merkung: Weil ich mich im IRC ger­ade so schön darüber aufgeregt habe, rotze ich hier noch kurz eine Lang­fas­sung eines weit­eren öden Com­put­erthe­mas rein. Keine Sorge, mor­gen gibt es wieder Musik.)

Seit Win­dows 95 nehme ich eine eige­nar­tige Entwick­lung wahr: Mit jed­er größeren Änderung an den Bedi­enkonzepten der Arbeit­sumge­bung wird alles, reziprok zu den Zukun­ftsvi­sio­nen aus frühen sci­ence-fic­tion-Fil­men und ‑Roma­nen, nicht kom­plex­er und bunter, son­dern, im Gegen­teil, schlichter und abstrak­ter. ‘Dig­i­tale Ver­flachung’ weit­er­lesen »

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: FOCUS, Magazin der Selbstironie

Apro­pos FOCUS: Was ist eigentlich ein (Computer-)Nerd? Jemand mit umfan­gre­ichen Ken­nt­nis­sen von Funk­tion­sweise und Möglichkeit­en der Dig­i­tal­tech­nik, der, bepick­elt und bebrillt, im dun­klen Keller von kalter Piz­za lebt? Jemand, der typ­is­cher­weise den Unter­schied zwis­chen “Hack­en” und “Dinge kaputtmachen” ver­standen hat, der sich im CCC engagiert und dessen Lieblingsspielzeug als Kind der Lötkol­ben (nicht “Lötkol­ben”, ihr Fer­kel) war?

Weit gefehlt, behauptet man beim FOCUS, wo man den täglichen Umgang mit dem Inter­net für so wun­der­lich hält, dass man es sich nicht nehmen lässt, dem däm­lichen Artikel über die Piraten­partei, trotz sog­ar wörtlichen Zitats von Wilm Schu­mach­er (“Wir sind schon längst nicht mehr die soge­nan­nte Inter­net-Partei”) in der Über­schrift “Inter­net-Partei” genan­nt, einen weit­eren über Rain­er Lang­hans nachzuschieben, der der Inter­net-Partei nicht nur 20.000 Euro über­re­ichte, son­dern oben­drein auch ein­er von denen ist, und man liest die unver­hoh­lene Bewun­derung des Autors aus jed­er Silbe her­aus, wenn er schreibt:

„Ich kön­nte sich­er noch mehr machen, aber ich bin so fünf, sechs Stun­den am Tag im Netz“. Was er da mache? „Twit­ter, Face­book, das übliche“. Rain­er Lang­hans, der Nerd, und das mit 71 Jahren.

Twit­ter, Face­book. Was für ein Nerd! Wom­öglich hat er gar eine E‑Mail-Adresse?

FOCUS, du olles Inves­tiga­tivblatt, das ist doch eine gute Idee für einen Fol­geartikel. Ich “freue” mich darauf!

ProjekteNerdkrams
WP-PasteExtender: Kopierschutz mal anders

Ich kopiere manch­mal Tex­tauss­chnitte auf FOCUS.de und ähn­lichen Seit­en. FOCUS.de ver­wen­det nun aller­lei JavaScript-Spiel­ereien, unter anderem eine, die automa­tisch einen Ver­weis auf die Seite, von der man den Text kopiert hat, mitkopiert.

Das hat mich so sehr beein­druckt, dass ich das mal für Word­Press nachge­baut habe. Werte Damund­her­rn, ich präsen­tiere:

WP-Pas­te­Ex­ten­der, “Ver­sion” 20120102.

Der Text, der an den zu kopieren­den Text ange­hängt wer­den soll, ist frei kon­fig­urier­bar. Der Ver­wal­tungs­bere­ich sieht so aus:

Momen­tan habe ich nur wenig Zeit, ern­sthaft an dem Plu­g­in zu arbeit­en, weshalb kleinere Prob­leme nicht aus­geschlossen sind. Voll­ständig funk­tion­stüchtig ist das Plu­g­in derzeit nur mit WebKit-basierten Browsern. Unter Fire­fox funk­tion­iert die block­quote-Funk­tion noch nicht, der Inter­net Explor­er ver­weigert gän­zlich den Dienst. Ich hoffe, das irgend­wann beheben zu kön­nen.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hier­bei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr willkom­men. Weit­ere Funk­tio­nen sind jedoch vor­erst nicht geplant.

PolitikIn den Nachrichten
SPD: Holzwurm beklagt Holzwurmbefall

Hihi:

SPD-Frak­tion­schef Stein­meier fürchtet grund­sät­zliche Fol­gen der Affäre Wulff. Er wirft dem Bun­de­spräsi­den­ten vor, mit seinem Ver­hal­ten die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen.

Frank-Wal­ter Stein­meier, wir erin­nern uns, ist der SPD-Mann, der unsere­inem vor allem auf­grund seines notorischen Hangs zur Unwahrheit im Gedächt­nis geblieben ist:

Noch während ihrer Rück­reise, so der stern, teil­ten sie ihren Vorge­set­zten mit, die USA sähen “die Unschuld von Kur­naz als erwiesen” an und woll­ten ihn “in sechs bis acht Wochen” ent­lassen. Dieses war auch The­ma der soge­nan­nten Präsi­den­ten­runde der deutschen Sicher­heits­be­hör­den am 29. Okto­ber 2002 unter Leitung des dama­li­gen Kan­zler­amtschefs Frank-Wal­ter Stein­meier. Stein­meier hat­te am Dien­stag behauptet, er kenne ein solch­es Ange­bot an die Deutschen nicht. Während der Runde im Kan­zler­amt wurde auch beschlossen, Kur­naz die Ein­reise zu ver­bi­eten.

In gewiss­er Weise ist er also immer­hin Experte dafür, die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen. Laut “Deutsch­landtrend” ist es auch keines­falls die Partei des Bun­de­spräsi­den­ten, die in Ver­ruf ger­at­en wäre:

CDU und CSU kon­nten gegenüber der let­zten Erhe­bung in der Wäh­ler­gun­st einen Prozent­punkt zule­gen und erre­icht­en 36 Prozent. Die SPD rutschte um einen Prozent­punkt auf 29 Prozent ab, auch die Grü­nen ver­loren einen Punkt und lagen bei 15 Prozent der Wäh­ler­stim­men. Die FDP legte einen Punkt zu und erre­ichte drei Prozent.

Wenn sich ein Ver­ruf so auswirkt, sollte Frank-Wal­ter Stein­meier vielle­icht schnell­stens einen Kred­it aufnehmen, damit es mit der SPD wieder aufwärts geht.

Apro­pos aufwärts: Es darf bekan­ntlich keinen SPIEGEL-Online-Bericht über die momen­tane Wäh­ler­stim­mung ohne einen Beleg dafür geben, dass man bei SPIEGEL Online das mit der Fünf­prozen­thürde nicht ver­standen hat. Bleibt es näm­lich bei den genan­nten Zahlen, bekom­men CDU/CSU also 36 Prozent und die F.D.P. drei Prozent der Wäh­ler­stim­men, würde let­ztere also den Reich­stag kün­ftig von außen betra­cht­en müssen, so entstünde eine Koali­tion mit …

Rot-Grün käme somit auf 44 Prozent, die Regierungskoali­tion (CDU/CSU + F.D.P., A.d.V.) hätte 39 Prozent der Bürg­er hin­ter sich.

…, nein, aber nah dran. Vielle­icht ja näch­stes Mal.

In den Nachrichten
Kein nahrhaftes Studium

Das war wohl eine Entschei­dung aus dem Bauch her­aus: “Dön­er-Morde” ist “Unwort des Jahres”.

Durch die Beschrei­bung der Ver­brechen als „Dön­er-Morde“ seien die Opfer „auf­grund ihrer Herkun­ft auf ein Imbiss­gericht reduziert“ und in höch­stem Maße reduziert wor­den“, sagte [Sprach­wis­senschaft­lerin Nina] Janich.

Dass Män­ner auf ihr Geschlecht­steil und Frauen auf ihren imposan­ten Vor­bau reduziert wer­den, ist ein bekan­ntes Phänomen. Das aber ist neu. (Ist das eigentlich jet­zt bess­er oder schlechter?)

Dabei geht es ja nicht mal um die Herkun­ft: Außer den acht türkischstäm­mi­gen Opfern wird auch ein Grieche als “Dön­er-Ermorde­ter” geführt, außer­dem eine deutsche Polizistin mit franzö­sis­chstäm­migem Vor­na­men. Vielle­icht wäre “Brot­morde” noch grif­figer gewe­sen.

Aber was wäre so eine Mel­dung ohne ein Wort­spiel vom Welt­geist? Das Zen­trum für Türkeis­tu­di­en fand die Entschei­dung näm­lich aus nachvol­lziehbaren Grün­den ziem­lich pri­ma. Und wo befind­et sich dieses Zen­trum? Natür­lich:

Das Zen­trum für Türkeis­tu­di­en in Essen begrüßte die Entschei­dung.

Ich habe tat­säch­lich eine Weile nach­denken müssen, bis mir klar wurde, dass ein Studi­um in Infor­matik und ein Studi­um in Essen nicht ver­gle­ich­bar sind. Eine schöne Schluss­pointe wäre es aber gewe­sen.

MusikkritikKaufbefehle
Discipline. — To Shatter All Accord

Heute ist ja bekan­ntlich der Tag des kollek­tiv­en Abschal­tens, anlässlich dessen sich jet­zt jedes kleine Hob­by­blog mal so richtig in Szene set­zen kön­nte. Diesen mir geschenk­ten Sta­tus als wegen der Nicht­teil­nahme an diesem Kinderkram heute wahrschein­lich über­durch­schnit­tlich viele Leser erhal­tender Insin­ter­netschreiber kön­nte ich jet­zt natür­lich aus­nutzen, um mich wortre­ich über SOPA, PIPA, LEGO und Teewurst auszu­lassen, aber die Innen­poli­tik der USA inter­essiert mich weniger als gute Musik, also nutze ich die Aufmerk­samkeit, um ein weit­eres gutes Musikalbum zu empfehlen.

Zu den Musikalben, die die Frech­heit besaßen, sich für die Auf­nahme in die Jahres­besten­liste 12/2011 nicht rechtzeit­ig bei mir zu melden, gehört außer Opeths eben­falls unbe­d­ingt hörenswertem, weil mit Gröl­met­al nicht mehr eng ver­bun­den­em “Her­itage” auch “To Shat­ter All Accord” von der US-amerikanis­chen Pro­gres­sive-Rock-Band Dis­ci­pline. (ganz diszi­plin­iert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augen­schein­lich recht kurz, enthält es doch lediglich fünf Stücke. Allein die let­zten bei­den über­schre­it­en gemein­sam jedoch bere­its 30 Minuten. Radi­ogewohnte, schlichte Gemüter, denen die Geduld für Lieder jen­seits der drei bis vier Minuten fehlt, sind hier also wahrschein­lich über­fordert. Schade eigentlich.

Denn das Gehörte ist klasse. Seit dem Album “Unfold­ed Like Stair­case” sind immer­hin vierzehn Jahre ver­gan­gen, so hat­te das Quar­tett viel Zeit, den Nach­fol­ger zu per­fek­tion­ieren, und diese Zeit hat es wahrlich genutzt. Zu hören ist gitar­ren- und key­board­lastiger Retro-Prog, der die bedrohliche Atmo­sphäre von Van der Graaf Gen­er­a­tor (zu “Godbluff”-Zeiten) ein­fängt und mod­ernisiert. Dabei ist trotz häu­fi­gen Zitierens von “VdGG”-Melodien die Auf­nahme so klar und mod­ern, dass der Rück­griff auf die 1970-er Jahre kaum auf­fällt.

Aus­gedehnte Instru­men­tal­pas­sagen, in denen Key­boards und Gitarre sich duel­lieren, beson­ders beein­druck­end im 24-minüti­gen Abschluss “Rogue”, dem auch der Titel des Albums ent­nom­men ist, tre­f­fen auf her­vor­ra­gen­den Gesang. Gen­re­gren­zen sind hier völ­lig irrel­e­vant, zwis­chen Hard Rock, Jaz­zrock und Funk wird vari­iert, gele­gentlich (etwa fünf Minuten vor dem Ende von “Rogue”) winken auch die klas­sis­chen Gen­e­sis eben­so um die Ecke wie Rush und Led Zep­pelin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frech­heit, dass ich dieses Album erst jet­zt ent­decke. Das Warten hat sich aber alle­mal gelohnt.

Nachvol­lziehbar ist meine Freude an “To Shat­ter All Accord” auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXIX: Endstation.

Die Deutsche Bahn AG feiert momen­tan das zehn­jährige Jubiläum von “Olis Bah­n­welt”, des kindgerecht­en Indok­tri­na­tion­sportals, ander­weit­ig so erk­lärt:

Seit 2001 ist Oli die Iden­ti­fika­tions­fig­ur der Kinder- und Jugend­kom­mu­nika­tion der Deutschen Bahn. Mit seinen Pixi-Büch­er, die eine Auflage von über 2 Mil­lio­nen erre­icht haben, und mehreren Spie­len ist Oli mit­tler­weile in vie­len deutschen Kinderz­im­mern angekom­men.

Diese “Bah­n­welt” dient natür­lich nicht nur der Wer­bung, son­dern auch päd­a­gogis­chen Zweck­en:

Zudem bietet die Seite Spiele, News und Infos, die auch über den Teller­rand der Bahn hin­aus­blick­en – so ent­deck­en die Kinder beispiel­sweise die Hin­ter­gründe des Treib­haus­ef­fek­tes und find­en von der Stiftung Lesen, dem langjähri­gen Part­ner der DB, aus­gewählte Lesetipps. Darin zeigt sich das päd­a­gogis­che Konzept der Seite(…).

Aber die Bahn weiß: Päd­a­gogik bedeutet nicht nur Zucker­brot, son­dern auch Peitsche. Und wenn, dann richtig:

„Ich finde keine Worte dafür“, sagt die Frau anschließend im Inter­view. Eine Schaffner­in habe ihrem Sohn die Weit­er­fahrt ver­boten, weil ihm 6,30 Euro für ein regionales Anschlus­stick­et fehlten. „Er hat mich sog­ar im Bei­sein der Schaffner­in angerufen und wir haben ihr ange­boten, dass ich mit dem Geld am Bahn­steig auf ihn warte, aber sie ging nicht darauf ein. Stattdessen haben sie ihn sog­ar einges­per­rt.“

(…)

Der Junge sei in die Obhut eines Bun­de­spolizis­ten gegeben wor­den, der zufäl­lig im sel­ben Zug unter­wegs gewe­sen sei, sagt ein Sprech­er der Bun­de­spolizei auf Anfrage. (…) Große Sor­gen mache sie sich um die Ver­fas­sung ihres Kindes. „Ich kon­nte am Tele­fon gar kein Gespräch mit ihm führen – er war kom­plett fer­tig.“ Als ihr Mann ihn abge­holt habe, habe er geweint, sagt sie. „Er muss sich wie ein abge­führter Ver­brech­er gefühlt haben.“

“Meine Päd­a­gogik ist hart. Das Schwache muß wegge­häm­mert wer­den. (…) Beherrschung müssen sie ler­nen. Sie sollen mir in den schwierig­sten Proben die Todes­furcht besiegen ler­nen. Dies ist die Stufe der hero­is­chen Jugend.”
— Adolf Hitler

PolitikIn den Nachrichten
Entenhausen bleibt stabil

SPON so:

Nach Demon­stra­tio­nen gegen einen Auf­marsch von Recht­sex­tremen in Magde­burg ist es im Stadt­teil Stadt­feld zu Auss­chre­itun­gen gekom­men. Nach Angaben eines Polizeis­prech­ers war­fen am Sam­stagabend in der Puschkin­straße Unbekan­nte eine 40 Zen­time­ter große Beton­plat­te aus dem 5. Stock­w­erk nach einem Beamten. Die Plat­te ver­fehlte den Polizis­ten nur knapp. Er wurde leicht ver­let­zt.

Der Polizei zufolge sieht die Staat­san­waltschaft den Tatbe­stand des ver­sucht­en Totschlages als erfüllt an. Polizis­ten umstell­ten das Haus, in dem mehr als 50 Anhänger der linksau­tonomen Szene ver­mutet wur­den. (…)

SPD-Chef Sig­mar Gabriel, Grü­nen-Chefin Clau­dia Roth und die Vor­sitzende der Linken, Gesine Lötzsch, forderten in ihren Ansprachen ein Ver­bot der NPD und würdigten das Engage­ment der Magde­burg­er im Kampf gegen Rechts.

Ischa klar, so eine friedlich ver­laufende Demon­stra­tion, während der­er von recht­sex­tremer Gewalt keine Rede war, in deren Folge aber Linke ver­sucht­en Totschlag verüben, ist natür­lich ein weit­eres Argu­ment für ein NPD-Ver­bot: Hätte die NPD nicht demon­stri­ert, wären die Linken nicht in das Haus eingekehrt und der Polizist wäre unver­let­zt geblieben. Sim­ple Logik, wenn man links und ein biss­chen bal­la-bal­la ist. (Manche Anhänger der neuen Mauer­partei — meist die, die am lautesten brüllen — haben das mit der argu­men­ta­tiv­en Logik kon­se­quent seit Jahren immer weit­er per­fek­tion­iert: “Sie kön­nen nicht argu­men­tieren und müssen deshalb hier herumpö­beln, Sie feiges Nazis­chwein!” Ob das noch Zufall ist?)

Achjo, der Kampf gegen Rechts. Hat der CDU/CSU eigentlich inzwis­chen jemand erk­lärt, dass ein NPD-Ver­bot zur Folge hätte, dass sie zur recht­sex­tremen Partei in Deutsch­land würde, oder woran liegt es, dass sie in let­zter Zeit eher zurück­hal­tend mit dem The­ma umge­ht?

Apro­pos wirres Geschwätz: Die F.D.P., die ich für ihre Zuver­sicht, die sich darin äußert, dass sie anlässlich kom­mender Wahlen im Saar­land eine Kan­di­daten­liste — also wohl mehr als 1 Per­son — auf­stellen will, zumin­d­est respek­tiere, ist immer noch da.

Die FDP sei die Partei der leis­tungs­bere­it­en Mit­telschicht und mache wie keine andere mobil gegen Umverteilung und staatliche Bevor­mundung.

Natür­lich passt der F.D.P. eine Umverteilung von oben nach unten nicht ins Konzept: Wenn Möven­pick kein Geld mehr hat, wird der Etat irgend­wann knapp.

Schön, dass die F.D.P. noch da ist. Aber warum?

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXVIII: Deutsche, Google, goldene Pos

Puh, so ein Glück:

Unter den Toten und Ver­let­zten des Schiff­sunglücks vor der toskanis­chen Küste sind nach Infor­ma­tio­nen des Ver­anstal­ters keine deutschen Pas­sagiere.

Dann ist ja alles in Ord­nung.


Apro­pos Duck­Duck­Go und Google-ver­plusst-eure-Welt: diplix, der’s auch ger­ade testet, bemerkt all­ge­mein eine gewisse Unzufrieden­heit mit Google und ver­weist auf Mat Honan, der sich stattdessen für Bing entsch­ieden hat:

I just switched the default search engine in my brows­er from Google to Bing. And if you care about work­ing effi­cient­ly, or get­ting the right results when you search, then maybe you should too. Don’t laugh!

Warum? Ganz ein­fach:

Google broke itself.

Wenn man zu gierig wird, ver­bren­nt man sich eben die Fin­ger. An Alter­na­tiv­en mangelt’s ja nicht.


Auch eine Art von Berühmtheit: Eine neu ent­deck­te Fliege­nart, Scap­ti­ca bey­on­ceae, wurde nach der “Sän­gerin” Bey­on­cé benan­nt. Warum aus­gerech­net sie? Die Fliege habe, solch­es sprach der Ent­deck­er, ein­ma­lige gold­ene Haare am Gesäß, und das erin­nerte ihn frap­pierend an Frau Knowles. Wenn’s halt für das Gesicht nicht reicht.