Nerdkrams
Digi­ta­le Ver­fla­chung

(Vor­be­mer­kung: Weil ich mich im IRC gera­de so schön dar­über auf­ge­regt habe, rot­ze ich hier noch kurz eine Lang­fas­sung eines wei­te­ren öden Com­pu­ter­the­mas rein. Kei­ne Sor­ge, mor­gen gibt es wie­der Musik.)

Seit Win­dows 95 neh­me ich eine eigen­ar­ti­ge Ent­wick­lung wahr: Mit jeder grö­ße­ren Ände­rung an den Bedien­kon­zep­ten der Arbeits­um­ge­bung wird alles, rezi­prok zu den Zukunfts­vi­sio­nen aus frü­hen sci­ence-fic­tion-Fil­men und ‑Roma­nen, nicht kom­ple­xer und bun­ter, son­dern, im Gegen­teil, schlich­ter und abstrak­ter. ‘Digi­ta­le Ver­fla­chung’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: FOCUS, Maga­zin der Selbst­iro­nie

Apro­pos FOCUS: Was ist eigent­lich ein (Computer-)Nerd? Jemand mit umfang­rei­chen Kennt­nis­sen von Funk­ti­ons­wei­se und Mög­lich­kei­ten der Digi­tal­tech­nik, der, bepickelt und bebrillt, im dunk­len Kel­ler von kal­ter Piz­za lebt? Jemand, der typi­scher­wei­se den Unter­schied zwi­schen „Hacken“ und „Din­ge kaputt­ma­chen“ ver­stan­den hat, der sich im CCC enga­giert und des­sen Lieb­lings­spiel­zeug als Kind der Löt­kol­ben (nicht „Löt­kol­ben“, ihr Fer­kel) war?

Weit gefehlt, behaup­tet man beim FOCUS, wo man den täg­li­chen Umgang mit dem Inter­net für so wun­der­lich hält, dass man es sich nicht neh­men lässt, dem däm­li­chen Arti­kel über die Pira­ten­par­tei, trotz sogar wört­li­chen Zitats von Wilm Schu­ma­cher („Wir sind schon längst nicht mehr die soge­nann­te Inter­net-Par­tei“) in der Über­schrift „Inter­net-Par­tei“ genannt, einen wei­te­ren über Rai­ner Lang­hans nach­zu­schie­ben, der der Inter­net-Par­tei nicht nur 20.000 Euro über­reich­te, son­dern oben­drein auch einer von denen ist, und man liest die unver­hoh­le­ne Bewun­de­rung des Autors aus jeder Sil­be her­aus, wenn er schreibt:

„Ich könn­te sicher noch mehr machen, aber ich bin so fünf, sechs Stun­den am Tag im Netz“. Was er da mache? „Twit­ter, Face­book, das übli­che“. Rai­ner Lang­hans, der Nerd, und das mit 71 Jah­ren.

Twit­ter, Face­book. Was für ein Nerd! Womög­lich hat er gar eine E‑Mail-Adres­se?

FOCUS, du olles Inve­sti­ga­tiv­blatt, das ist doch eine gute Idee für einen Fol­ge­ar­ti­kel. Ich „freue“ mich dar­auf!

ProjekteNerdkrams
WP-Paste­Ex­ten­der: Kopier­schutz mal anders

Ich kopie­re manch­mal Text­aus­schnit­te auf FOCUS.de und ähn­li­chen Sei­ten. FOCUS.de ver­wen­det nun aller­lei Java­Script-Spie­le­rei­en, unter ande­rem eine, die auto­ma­tisch einen Ver­weis auf die Sei­te, von der man den Text kopiert hat, mit­ko­piert.

Das hat mich so sehr beein­druckt, dass ich das mal für Word­Press nach­ge­baut habe. Wer­te Damund­herrn, ich prä­sen­tie­re:

WP-Paste­Ex­ten­der, „Ver­si­on“ 20120102.

Der Text, der an den zu kopie­ren­den Text ange­hängt wer­den soll, ist frei kon­fi­gu­rier­bar. Der Ver­wal­tungs­be­reich sieht so aus:

Momen­tan habe ich nur wenig Zeit, ernst­haft an dem Plug­in zu arbei­ten, wes­halb klei­ne­re Pro­ble­me nicht aus­ge­schlos­sen sind. Voll­stän­dig funk­ti­ons­tüch­tig ist das Plug­in der­zeit nur mit Web­Kit-basier­ten Brow­sern. Unter Fire­fox funk­tio­niert die block­quo­te-Funk­ti­on noch nicht, der Inter­net Explo­rer ver­wei­gert gänz­lich den Dienst. Ich hof­fe, das irgend­wann behe­ben zu kön­nen.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hier­bei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr will­kom­men. Wei­te­re Funk­tio­nen sind jedoch vor­erst nicht geplant.

In den NachrichtenPolitik
SPD: Holz­wurm beklagt Holz­wurm­be­fall

Hihi:

SPD-Frak­ti­ons­chef Stein­mei­er fürch­tet grund­sätz­li­che Fol­gen der Affä­re Wulff. Er wirft dem Bun­des­prä­si­den­ten vor, mit sei­nem Ver­hal­ten die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen.

Frank-Wal­ter Stein­mei­er, wir erin­nern uns, ist der SPD-Mann, der unser­ei­nem vor allem auf­grund sei­nes noto­ri­schen Hangs zur Unwahr­heit im Gedächt­nis geblie­ben ist:

Noch wäh­rend ihrer Rück­rei­se, so der stern, teil­ten sie ihren Vor­ge­setz­ten mit, die USA sähen „die Unschuld von Kur­naz als erwie­sen“ an und woll­ten ihn „in sechs bis acht Wochen“ ent­las­sen. Die­ses war auch The­ma der soge­nann­ten Prä­si­den­ten­run­de der deut­schen Sicher­heits­be­hör­den am 29. Okto­ber 2002 unter Lei­tung des dama­li­gen Kanz­ler­amts­chefs Frank-Wal­ter Stein­mei­er. Stein­mei­er hat­te am Diens­tag behaup­tet, er ken­ne ein sol­ches Ange­bot an die Deut­schen nicht. Wäh­rend der Run­de im Kanz­ler­amt wur­de auch beschlos­sen, Kur­naz die Ein­rei­se zu ver­bie­ten.

In gewis­ser Wei­se ist er also immer­hin Exper­te dafür, die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen. Laut „Deutsch­land­trend“ ist es auch kei­nes­falls die Par­tei des Bun­des­prä­si­den­ten, die in Ver­ruf gera­ten wäre:

CDU und CSU konn­ten gegen­über der letz­ten Erhe­bung in der Wäh­ler­gunst einen Pro­zent­punkt zule­gen und erreich­ten 36 Pro­zent. Die SPD rutsch­te um einen Pro­zent­punkt auf 29 Pro­zent ab, auch die Grü­nen ver­lo­ren einen Punkt und lagen bei 15 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men. Die FDP leg­te einen Punkt zu und erreich­te drei Pro­zent.

Wenn sich ein Ver­ruf so aus­wirkt, soll­te Frank-Wal­ter Stein­mei­er viel­leicht schnell­stens einen Kre­dit auf­neh­men, damit es mit der SPD wie­der auf­wärts geht.

Apro­pos auf­wärts: Es darf bekannt­lich kei­nen SPIE­GEL-Online-Bericht über die momen­ta­ne Wäh­ler­stim­mung ohne einen Beleg dafür geben, dass man bei SPIEGEL Online das mit der Fünf­pro­zent­hür­de nicht ver­stan­den hat. Bleibt es näm­lich bei den genann­ten Zah­len, bekom­men CDU/CSU also 36 Pro­zent und die F.D.P. drei Pro­zent der Wäh­ler­stim­men, wür­de letz­te­re also den Reichs­tag künf­tig von außen betrach­ten müs­sen, so ent­stün­de eine Koali­ti­on mit …

Rot-Grün käme somit auf 44 Pro­zent, die Regie­rungs­ko­ali­ti­on (CDU/CSU + F.D.P., A.d.V.) hät­te 39 Pro­zent der Bür­ger hin­ter sich.

…, nein, aber nah dran. Viel­leicht ja näch­stes Mal.

In den Nachrichten
Kein nahr­haf­tes Stu­di­um

Das war wohl eine Ent­schei­dung aus dem Bauch her­aus: „Döner-Mor­de“ ist „Unwort des Jah­res“.

Durch die Beschrei­bung der Ver­bre­chen als „Döner-Mor­de“ sei­en die Opfer „auf­grund ihrer Her­kunft auf ein Imbiss­ge­richt redu­ziert“ und in höch­stem Maße redu­ziert wor­den“, sag­te [Sprach­wis­sen­schaft­le­rin Nina] Janich.

Dass Män­ner auf ihr Geschlechts­teil und Frau­en auf ihren impo­san­ten Vor­bau redu­ziert wer­den, ist ein bekann­tes Phä­no­men. Das aber ist neu. (Ist das eigent­lich jetzt bes­ser oder schlech­ter?)

Dabei geht es ja nicht mal um die Her­kunft: Außer den acht tür­kisch­stäm­mi­gen Opfern wird auch ein Grie­che als „Döner-Ermor­de­ter“ geführt, außer­dem eine deut­sche Poli­zi­stin mit fran­zö­sisch­stäm­mi­gem Vor­na­men. Viel­leicht wäre „Brot­mor­de“ noch grif­fi­ger gewe­sen.

Aber was wäre so eine Mel­dung ohne ein Wort­spiel vom Welt­geist? Das Zen­trum für Tür­kei­stu­di­en fand die Ent­schei­dung näm­lich aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den ziem­lich pri­ma. Und wo befin­det sich die­ses Zen­trum? Natür­lich:

Das Zen­trum für Tür­kei­stu­di­en in Essen begrüß­te die Ent­schei­dung.

Ich habe tat­säch­lich eine Wei­le nach­den­ken müs­sen, bis mir klar wur­de, dass ein Stu­di­um in Infor­ma­tik und ein Stu­di­um in Essen nicht ver­gleich­bar sind. Eine schö­ne Schluss­poin­te wäre es aber gewe­sen.

KaufbefehleMusikkritik
Disci­pli­ne. – To Shat­ter All Accord

Heu­te ist ja bekannt­lich der Tag des kol­lek­ti­ven Abschal­tens, anläss­lich des­sen sich jetzt jedes klei­ne Hob­by­b­log mal so rich­tig in Sze­ne set­zen könn­te. Die­sen mir geschenk­ten Sta­tus als wegen der Nicht­teil­nah­me an die­sem Kin­der­kram heu­te wahr­schein­lich über­durch­schnitt­lich vie­le Leser erhal­ten­der Ins­in­ter­net­schrei­ber könn­te ich jetzt natür­lich aus­nut­zen, um mich wort­reich über SOPA, PIPA, LEGO und Tee­wurst aus­zu­las­sen, aber die Innen­po­li­tik der USA inter­es­siert mich weni­ger als gute Musik, also nut­ze ich die Auf­merk­sam­keit, um ein wei­te­res gutes Musik­al­bum zu emp­feh­len.

Zu den Musikal­ben, die die Frech­heit besa­ßen, sich für die Auf­nah­me in die Jah­res­be­sten­li­ste 12/2011 nicht recht­zei­tig bei mir zu mel­den, gehört außer Opeths eben­falls unbe­dingt hörens­wer­tem, weil mit Gröl­me­tal nicht mehr eng ver­bun­de­nem „Heri­ta­ge“ auch „To Shat­ter All Accord“ von der US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Band Disci­pli­ne. (ganz dis­zi­pli­niert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augen­schein­lich recht kurz, ent­hält es doch ledig­lich fünf Stücke. Allein die letz­ten bei­den über­schrei­ten gemein­sam jedoch bereits 30 Minu­ten. Radio­ge­wohn­te, schlich­te Gemü­ter, denen die Geduld für Lie­der jen­seits der drei bis vier Minu­ten fehlt, sind hier also wahr­schein­lich über­for­dert. Scha­de eigent­lich.

Denn das Gehör­te ist klas­se. Seit dem Album „Unfold­ed Like Stair­ca­se“ sind immer­hin vier­zehn Jah­re ver­gan­gen, so hat­te das Quar­tett viel Zeit, den Nach­fol­ger zu per­fek­tio­nie­ren, und die­se Zeit hat es wahr­lich genutzt. Zu hören ist gitar­ren- und key­board­la­sti­ger Retro-Prog, der die bedroh­li­che Atmo­sphä­re von Van der Graaf Gene­ra­tor (zu „Godbluff“-Zeiten) ein­fängt und moder­ni­siert. Dabei ist trotz häu­fi­gen Zitie­rens von „VdGG“-Melodien die Auf­nah­me so klar und modern, dass der Rück­griff auf die 1970-er Jah­re kaum auf­fällt.

Aus­ge­dehn­te Instru­men­tal­pas­sa­gen, in denen Key­boards und Gitar­re sich duel­lie­ren, beson­ders beein­druckend im 24-minü­ti­gen Abschluss „Rogue“, dem auch der Titel des Albums ent­nom­men ist, tref­fen auf her­vor­ra­gen­den Gesang. Gen­re­gren­zen sind hier völ­lig irrele­vant, zwi­schen Hard Rock, Jazz­rock und Funk wird vari­iert, gele­gent­lich (etwa fünf Minu­ten vor dem Ende von „Rogue“) win­ken auch die klas­si­schen Gene­sis eben­so um die Ecke wie Rush und Led Zep­pe­lin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frech­heit, dass ich die­ses Album erst jetzt ent­decke. Das War­ten hat sich aber alle­mal gelohnt.

Nach­voll­zieh­bar ist mei­ne Freu­de an „To Shat­ter All Accord“ auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXIX: End­sta­ti­on.

Die Deut­sche Bahn AG fei­ert momen­tan das zehn­jäh­ri­ge Jubi­lä­um von „Olis Bahn­welt“, des kind­ge­rech­ten Indok­tri­na­ti­ons­por­tals, ander­wei­tig so erklärt:

Seit 2001 ist Oli die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur der Kin­der- und Jugend­kom­mu­ni­ka­ti­on der Deut­schen Bahn. Mit sei­nen Pixi-Bücher, die eine Auf­la­ge von über 2 Mil­lio­nen erreicht haben, und meh­re­ren Spie­len ist Oli mitt­ler­wei­le in vie­len deut­schen Kin­der­zim­mern ange­kom­men.

Die­se „Bahn­welt“ dient natür­lich nicht nur der Wer­bung, son­dern auch päd­ago­gi­schen Zwecken:

Zudem bie­tet die Sei­te Spie­le, News und Infos, die auch über den Tel­ler­rand der Bahn hin­aus­blicken – so ent­decken die Kin­der bei­spiels­wei­se die Hin­ter­grün­de des Treib­haus­ef­fek­tes und fin­den von der Stif­tung Lesen, dem lang­jäh­ri­gen Part­ner der DB, aus­ge­wähl­te Lese­tipps. Dar­in zeigt sich das päd­ago­gi­sche Kon­zept der Sei­te(…).

Aber die Bahn weiß: Päd­ago­gik bedeu­tet nicht nur Zucker­brot, son­dern auch Peit­sche. Und wenn, dann rich­tig:

„Ich fin­de kei­ne Wor­te dafür“, sagt die Frau anschlie­ßend im Inter­view. Eine Schaff­ne­rin habe ihrem Sohn die Wei­ter­fahrt ver­bo­ten, weil ihm 6,30 Euro für ein regio­na­les Anschluss­ticket fehl­ten. „Er hat mich sogar im Bei­sein der Schaff­ne­rin ange­ru­fen und wir haben ihr ange­bo­ten, dass ich mit dem Geld am Bahn­steig auf ihn war­te, aber sie ging nicht dar­auf ein. Statt­des­sen haben sie ihn sogar ein­ge­sperrt.“

(…)

Der Jun­ge sei in die Obhut eines Bun­des­po­li­zi­sten gege­ben wor­den, der zufäl­lig im sel­ben Zug unter­wegs gewe­sen sei, sagt ein Spre­cher der Bun­des­po­li­zei auf Anfra­ge. (…) Gro­ße Sor­gen mache sie sich um die Ver­fas­sung ihres Kin­des. „Ich konn­te am Tele­fon gar kein Gespräch mit ihm füh­ren – er war kom­plett fer­tig.“ Als ihr Mann ihn abge­holt habe, habe er geweint, sagt sie. „Er muss sich wie ein abge­führ­ter Ver­bre­cher gefühlt haben.“

„Mei­ne Päd­ago­gik ist hart. Das Schwa­che muß weg­ge­häm­mert wer­den. (…) Beherr­schung müs­sen sie ler­nen. Sie sol­len mir in den schwie­rig­sten Pro­ben die Todes­furcht besie­gen ler­nen. Dies ist die Stu­fe der heroi­schen Jugend.“
– Adolf Hit­ler

PolitikIn den Nachrichten
Enten­hau­sen bleibt sta­bil

SPON so:

Nach Demon­stra­tio­nen gegen einen Auf­marsch von Rechts­extre­men in Mag­de­burg ist es im Stadt­teil Stadt­feld zu Aus­schrei­tun­gen gekom­men. Nach Anga­ben eines Poli­zei­spre­chers war­fen am Sams­tag­abend in der Puschk­in­stra­ße Unbe­kann­te eine 40 Zen­ti­me­ter gro­ße Beton­plat­te aus dem 5. Stock­werk nach einem Beam­ten. Die Plat­te ver­fehl­te den Poli­zi­sten nur knapp. Er wur­de leicht ver­letzt.

Der Poli­zei zufol­ge sieht die Staats­an­walt­schaft den Tat­be­stand des ver­such­ten Tot­schla­ges als erfüllt an. Poli­zi­sten umstell­ten das Haus, in dem mehr als 50 Anhän­ger der links­au­to­no­men Sze­ne ver­mu­tet wur­den. (…)

SPD-Chef Sig­mar Gabri­el, Grü­nen-Che­fin Clau­dia Roth und die Vor­sit­zen­de der Lin­ken, Gesi­ne Lötzsch, for­der­ten in ihren Anspra­chen ein Ver­bot der NPD und wür­dig­ten das Enga­ge­ment der Mag­de­bur­ger im Kampf gegen Rechts.

Ischa klar, so eine fried­lich ver­lau­fen­de Demon­stra­ti­on, wäh­rend derer von rechts­extre­mer Gewalt kei­ne Rede war, in deren Fol­ge aber Lin­ke ver­such­ten Tot­schlag ver­üben, ist natür­lich ein wei­te­res Argu­ment für ein NPD-Ver­bot: Hät­te die NPD nicht demon­striert, wären die Lin­ken nicht in das Haus ein­ge­kehrt und der Poli­zist wäre unver­letzt geblie­ben. Simp­le Logik, wenn man links und ein biss­chen bal­la-bal­la ist. (Man­che Anhän­ger der neu­en Mau­er­par­tei – meist die, die am lau­te­sten brül­len – haben das mit der argu­men­ta­ti­ven Logik kon­se­quent seit Jah­ren immer wei­ter per­fek­tio­niert: „Sie kön­nen nicht argu­men­tie­ren und müs­sen des­halb hier her­um­pö­beln, Sie fei­ges Nazi­schwein!“ Ob das noch Zufall ist?)

Ach­jo, der Kampf gegen Rechts. Hat der CDU/CSU eigent­lich inzwi­schen jemand erklärt, dass ein NPD-Ver­bot zur Fol­ge hät­te, dass sie zur rechts­extre­men Par­tei in Deutsch­land wür­de, oder wor­an liegt es, dass sie in letz­ter Zeit eher zurück­hal­tend mit dem The­ma umgeht?

Apro­pos wir­res Geschwätz: Die F.D.P., die ich für ihre Zuver­sicht, die sich dar­in äußert, dass sie anläss­lich kom­men­der Wah­len im Saar­land eine Kan­di­da­ten­li­ste – also wohl mehr als 1 Per­son – auf­stel­len will, zumin­dest respek­tie­re, ist immer noch da.

Die FDP sei die Par­tei der lei­stungs­be­rei­ten Mit­tel­schicht und mache wie kei­ne ande­re mobil gegen Umver­tei­lung und staat­li­che Bevor­mun­dung.

Natür­lich passt der F.D.P. eine Umver­tei­lung von oben nach unten nicht ins Kon­zept: Wenn Möven­pick kein Geld mehr hat, wird der Etat irgend­wann knapp.

Schön, dass die F.D.P. noch da ist. Aber war­um?

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXVIII: Deut­sche, Goog­le, gol­de­ne Pos

Puh, so ein Glück:

Unter den Toten und Ver­letz­ten des Schiffs­un­glücks vor der tos­ka­ni­schen Küste sind nach Infor­ma­tio­nen des Ver­an­stal­ters kei­ne deut­schen Pas­sa­gie­re.

Dann ist ja alles in Ord­nung.


Apro­pos Duck­Duck­Go und Goog­le-ver­plusst-eure-Welt: diplix, der’s auch gera­de testet, bemerkt all­ge­mein eine gewis­se Unzu­frie­den­heit mit Goog­le und ver­weist auf Mat Honan, der sich statt­des­sen für Bing ent­schie­den hat:

I just swit­ched the default search engi­ne in my brow­ser from Goog­le to Bing. And if you care about working effi­ci­ent­ly, or get­ting the right results when you search, then may­be you should too. Don’t laugh!

War­um? Ganz ein­fach:

Goog­le bro­ke its­elf.

Wenn man zu gie­rig wird, ver­brennt man sich eben die Fin­ger. An Alter­na­ti­ven mangelt’s ja nicht.


Auch eine Art von Berühmt­heit: Eine neu ent­deck­te Flie­gen­art, Scap­ti­ca bey­onceae, wur­de nach der „Sän­ge­rin“ Bey­on­cé benannt. War­um aus­ge­rech­net sie? Die Flie­ge habe, sol­ches sprach der Ent­decker, ein­ma­li­ge gol­de­ne Haa­re am Gesäß, und das erin­ner­te ihn frap­pie­rend an Frau Know­les. Wenn’s halt für das Gesicht nicht reicht.

Lyrik
Roman­tik im Janu­ar

Der Mor­gen erwacht,
und über der Nacht
liegt Schwei­gen.

Den Wöl­fen ihr Heu­len
lud sie mit den Eulen
zum Rei­gen.

Sie g’nossen den Abend,
nach ein­an­der dar­bend,
am Meer.

Sie lieb­ten den Hafen,
wo sie sich einst tra­fen,
d’rum sehr.

Er hör­te das Tosen
und schenk­te ihr Rosen
und Wicken.

Die Nacht brach her­ein,
sie blie­ben allein,
um zu bum­sen.

(Abt.: Ist das nicht süß?)

In den NachrichtenNerdkrams
Die ver­lo­re­ne Neu­tra­li­tät der Such­ma­schi­ne G.

Dass Goog­le seit eini­gen Wochen bestrebt ist, sein Kern­ge­schäft mit der haus­ei­ge­nen Such­ma­schi­ne hin­ten anzu­stel­len, und dafür auch bereit ist, selbst die­se Such­ma­schi­ne nach­hal­tig zu beschnei­den, ist nun kei­ne Neu­ig­keit mehr. Nun aber beschwert man sich im Hau­se Twit­ter dar­über, dass man zugun­sten von Goog­le+ ver­nach­läs­sigt wird, nach­dem der wie auch immer gear­te­te Ver­trag zwi­schen Goog­le und Twit­ter abge­lau­fen ist. (Ich soll­te mich glück­lich schät­zen, dass die­se Web­prä­senz hier laut Sta­ti­stik auch ohne einen Ver­trag über­haupt noch bei Goog­le auf­taucht, schät­ze ich.)

Es sam­melt sich auf Goog­le+ hämi­sches Geschnat­ter von über­zeug­ten Google+-Nutzern, Twit­ter brau­che halt eh‘ kei­ner mehr, weil sie den Unter­schied zwi­schen einem Mikro­blog und einem sozia­len Netz­werk eben noch nie so rich­tig ver­stan­den haben (gut, was ist von Goog­le-Freun­den auch zu erwar­ten?); aber das Pro­blem liegt tie­fer:

So bemän­gel­te Twit­ter, dass Goog­le durch die Ände­run­gen kei­ne neu­tra­len Such­ergeb­nis­se mehr aus­lie­fe­re.

Neu­tra­li­tät? Will Goog­le das?

Goog­le ver­dient recht viel Geld damit (bzw. bekommt es dafür), dass Anzei­gen­kun­den gewünsch­te Ver­wei­se oben in den Such­ergeb­nis­sen plat­zie­ren kön­nen, und das nicht erst seit gestern. Der Weg­fall der Echt­zeit­su­che für aus­ge­rech­net Tweets, die nor­ma­ler­wei­se ja eher unper­sön­lich gehal­ten sind, kann also noch irgend­wel­che „Neu­tra­li­tät“ beschä­di­gen?

Goo­gles Such­ma­schi­ne über­haupt noch als sol­che zu bezeich­nen war schon lan­ge frag­wür­dig, tat sie doch sel­ten das, was man ihr sag­te, son­dern for­mu­lier­te intern die Such­an­fra­gen so lan­ge um, bis etwas her­aus­kam, was man ganz sicher nicht gesucht hat­te. Natür­lich führ­te das so zu vie­len Tref­fern, die am Ran­de etwas mit dem zu tun hat­ten, was man eigent­lich gesucht hat­te, aber Quan­ti­tät und Qua­li­tät sind eben sel­ten deckungs­gleich.

Und nun also nicht nur „Suchen“, son­dern „Search, plus your world“. Suchen in der eige­nen klei­nen Welt. Ist man bei Goog­le+ regi­striert und rege aktiv, aus­ge­füll­tes und wahr­heits­ge­mä­ßes Pro­fil inklu­si­ve, bekommt Goog­le nicht nur einen gro­ßen Anteil am Daten­ku­chen, den das fett­lei­bi­ge Face­book sonst allein gefres­sen hät­te, son­dern ist auch in der Lage, aus die­sen Daten Ergeb­nis­se zu lie­fern, die für das eige­ne rea­le Umfeld von hoher Prio­ri­tät sind. (Ich neh­me an, man soll­te es also ver­mei­den, auf Goog­le+ Por­no­dar­stel­le­rin­nen „ein­zu­krei­sen“; es sei denn, man sucht häu­fi­ger mal nach, ähm, so Sachen bei Goog­le.)

Tat­säch­lich gibt es Leu­te, die von einer Exi­stenz ande­rer Such­ma­schi­nen gar nichts wis­sen; die ver­zwei­felt sind, wenn Goog­le ein­mal nicht erreich­bar ist. Die­se Men­schen berei­ten mir Sor­ge. Noch mehr Sor­ge aber berei­tet mir die­se mit sanf­tem Druck erreich­te Domi­nanz von Goog­le+ in einem wich­ti­gen Teil des Inter­nets, näm­lich sei­ner Durch­such­bar­keit.

Mar­cel Weiss hat es schon rich­tig erkannt:

Goog­le dage­gen ist es ‘rela­tiv’ egal, wel­ches Social Net­work sich eta­bliert. Haupt­sa­che, es hat Zugriff auf die Daten und kann die­se aus­wer­ten und durch­such­bar machen. (…) Je grö­ßer Face­books pri­va­te Daten­schatz­kam­mer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twit­ter und co. anhäu­fen, desto grö­ßer die eben beschrie­be­ne Gefahr für Goog­le und desto erpress­ba­rer wird Goog­le.

Es geht hier nicht um Kom­fort für die Benut­zer; was soll­te auch dar­an kom­for­ta­bel sein, wenn eine Such­ma­schi­ne bevor­zugt auf Sei­ten des Betrei­bers ver­weist? Es geht ein­zig dar­um, den Mit­tel­punkt des vir­tu­el­len Lebens ihrer Benut­zer auf Goog­le+ zu ver­la­gern. Die Ver­hei­ßung: End­lich mal wie­der brauch­ba­re Such­ergeb­nis­se mit dem beson­de­ren Extra, näm­lich der noch per­sön­li­che­ren Note als bis­her. (Wer glaub­te, Goog­le wür­de jedem Suchen­den auf die glei­che Fra­ge die glei­che Ant­wort geben, den muss ich ent­täu­schen. Pro­biert es ein­mal aus!)

Goog­le ver­sucht Goog­le+ neben dem all­mäh­lich ver­wel­ken­den Face­book, das sich mit der „Time­line“ gera­de zum wahr­schein­lich letz­ten Mal auf­ge­bäumt hat, zu eta­blie­ren und geht dafür über die eige­ne Lei­che. Dass Face­book sich eben­falls dar­über beschwert, dass der ein­zig ernst zu neh­men­de Kon­kur­rent sich selbst zum Inva­li­den macht, hal­te ich für unwahr­schein­lich, aber die Befind­lich­kei­ten der gro­ßen Kon­zer­ne sind gera­de auch nicht das, was mich als End­an­wen­der (zumal als momen­ta­ner Duck­Duck­Go-Nut­zer) inter­es­sie­ren soll­te. Viel­leicht ist es aber auch des­halb gut, dass Twit­ter vor­erst nicht mehr mit Goog­le zusam­men­ar­bei­tet: Wenn alle „gro­ßen“ Platt­for­men im Goog­le-Pro­fil zusam­men­flö­ssen, hät­te das wahr­schein­lich eher nicht so gute Kon­se­quen­zen.

Jeden­falls gilt: Die Goog­le-Suche ist kei­ne neu­tra­le Such­ma­schi­ne und will es auch gar nicht sein. Dass das noch irgend­je­man­den so sehr über­rascht, dass mein RSS-Leser mit Aaaahs und Oooohs ob der neu­en ver­pluss­ten Suche befüllt ist, ist daher ziem­lich erstaun­lich. Und ich wünsch­te, dies­mal wür­de man dem Jun­gen, der „Wolf!“ ruft, Gehör schen­ken. Er – der Wolf – kommt schnel­ler als gedacht.

„Das Den­ken fand man bis heu­te nicht…“
– Höl­der­lin, „Requi­em für einen Wicht“

Nerdkrams
Dik­tat der Wer­be­ak­zep­tanz

An das dunk­le Zeit­al­ter des Webs, als Geo­ci­ties und Beep­world noch gro­ße Namen tru­gen und ani­mier­te GIF-Bil­der noch den Fla­schen­hals der Web­sei­ten­über­tra­gung per 56-kbit-Lei­tung dar­stell­ten, erin­nert heu­te zum Glück kaum noch etwas. Nur Nost­al­gi­ker und Spaß­vö­gel kom­men mit Gedenk­sei­ten wie dem Geo­ci­ties-izer noch immer auf ihre Kosten. Das per­sön­li­che Web, so häss­lich es auch war, hat­te aber doch sei­ne attrak­ti­ven Sei­ten. Zusam­men­ge­fasst bedeu­te­ten sie: Klein, aber mein.

Dann kam die „Dot-Com-Bla­se“, die Mone­ta­ri­sie­rung des WWW, als irgend­ein schus­se­li­ger Prak­ti­kant einem Schlips­trä­ger ver­se­hent­lich zu ver­ste­hen gege­ben hat­te, dass die­ses Web zwar krei­schend bunt und vol­ler Men­schen, jedoch noch weit­ge­hend frei von groß ange­leg­ten Wer­be­kam­pa­gnen war. Das soll­te sich ändern: Urplötz­lich, gleich­sam über Nacht, fie­len die Ver­mark­tungs­stra­te­gen wie einst die spa­ni­schen Erobe­rer in das nur mit dem Dancing Baby bewaff­ne­te per­sön­li­che Web ein und brach­ten ihm „Demo­kra­tie“, „Frei­heit“ und den Tod. Es schien für sie uner­träg­lich zu sein, dass da ein paar Leu­te ein­fach ihren Spaß haben konn­te, ohne dass grö­ße­re Geld­be­trä­ge flos­sen.

Beein­druckt vom Erschei­nungs­bild des nun­mehr ver­bli­che­nen per­sön­li­chen Webs ersan­nen die weni­gen Unter­neh­men, die das lei­der viel zu spä­te Bla­sen des Plat­zes Plat­zen der Bla­se über­lebt hat­ten, gleich­falls bun­te, blin­ken­de, tönen­de Wer­bung, die ihren Platz auf Web­sei­ten mit vir­tu­el­len Klau­en und Zäh­nen ver­tei­dig­te. In ihrer Vor­freu­de auf die zu erzie­len­den Wer­be­ein­nah­men haben sie jedoch ver­ges­sen, dass Inter­net­nut­zer auch nur Men­schen sind und nur weni­ge Men­schen es mögen, wenn sie arg­los einen Stadt­bum­mel machen und plötz­lich ein Dudel­sack­spie­ler sich von hin­ten anschleicht und ihnen ins Ohr trö­tet: Wer nervt, der macht sich eben unbe­liebt. (Ich emp­feh­le an die­ser Stel­le noch­mals den her­vor­ra­gen­den offe­nen Brief zum The­ma von Jan Sche­j­bal.)

Und so schlos­sen sich die Stadt­bumm­ler zusam­men und ent­wickel­ten aller­lei Abwehr­maß­nah­men. Erfolg­reich waren, auch auf­grund ihrer frei­en Ver­füg­bar­keit, vor allem die Pro­jek­te Pro­xo­mi­t­ron und Adblock. Wäh­rend aber erste­res aus natür­li­chem Grund, näm­lich dem Tod sei­nes Pro­gram­mie­rers vor eini­gen Jah­ren, nicht mehr grund­le­gend wei­ter­ent­wickelt wer­den kann, erfuhr zwei­te­res nach Zer­würf­nis­sen eine Auf­spal­tung, und es ent­stand Adblock Plus.

Jah­re­lang genoss Adblock Plus neben Ad Mun­cher die Stel­lung eines Refe­renz­pro­dukts bei einem gro­ßen Teil der Inter­net­nut­zer. Im Jahr 2011 bemerk­te Wla­di­mir Palant, maß­geb­lich Ver­ant­wort­li­cher für die Ent­wick­lung von Adblock Plus, dass sein frei­es Pro­jekt sich zum Reich­wer­den nur wenig eig­ne­te, und grün­de­te gemein­sam mit Till Fai­da die Eyeo GmbH, deren Zweck es sein soll­te, die Ent­wick­lung finan­zie­ren zu hel­fen. Vor­erst war dies, so die Ankün­di­gung, ledig­lich eine Umfir­mie­rung ohne wei­te­ren Ein­fluss auf das Pro­dukt selbst. Beob­ach­ter beschwo­ren den­noch umge­hend das Ende von Adblock Plus her­auf und rie­ten zu Alter­na­ti­ven.

Dann kam Ver­si­on 2.0 und mit ihr die Klas­se der „nicht auf­dring­li­chen Wer­bung“. Adblock Plus soll­te sich so selbst über­flüs­sig machen. Das Prin­zip lau­tet: Wer­bung, die nicht nervt, erfor­dert nicht unbe­dingt jeman­den, der sie in die Schran­ken weist. Die­se Idee erschien nur kon­se­quent, hat­te man doch die Wer­be­blockie­rer einst erdacht, um sich gegen immer auf­dring­li­che­re Wer­bung zur Wehr set­zen zu kön­nen. Ein Inter­net, des­sen Wer­bung weder auf­dring­lich noch daten­schutz­tech­nisch frag­wür­dig ist, bedarf sol­cher Maß­nah­men im Grun­de genom­men nicht mehr, der Finan­zie­rung grö­ße­rer Pro­jek­te mit­hil­fe von Wer­be­ein­blen­dun­gen käme dies zugu­te.

Lei­der wur­de die­se Ände­rung offen­bar nicht aus­rei­chend kom­mu­ni­ziert, die Inter­net­nut­zer brüll­ten im Chor, es sei eine „Schwei­ne­rei“, dass eine Erwei­te­rung zum Blockie­ren von Wer­bung künf­tig kei­ne Wer­bung mehr blockie­ren soll­te. Dass das Abschal­ten der neu­en Tole­ranz nur eines ein­fa­chen Klicks im Ein­stel­lungs­bild­schirm bedarf, ist ihnen wohl meist völ­lig ent­gan­gen. (Zum Ver­gleich: Das ist unge­fähr so, als wenn man sein neu­es Auto rekla­miert, weil man den Schlüs­sel her­um­dre­hen muss, bevor es fährt.) Der wesent­li­che Kri­tik­punkt scheint dar­in zu bestehen, dass Adblock Plus nicht in der Lage ist, auto­ma­tisch ein­ge­bun­de­ne Wer­bung anhand ihres Ver­hal­tens zu erken­nen, und somit auf eine von den Ent­wick­lern gepfleg­te „wei­ße Liste“ zurück­grei­fen muss, auf die der Benut­zer kei­nen akti­ven Ein­fluss neh­men kann, vom Mel­den ver­se­hent­lich frei­ge­schal­te­ter Wer­bung ein­mal abge­se­hen.

Um in die­se Liste auf­ge­nom­men zu wer­den, muss ein Wer­be­trei­ben­der eine ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung ein­ge­hen: Er ver­pflich­tet sich, vom Schal­ten brül­len­der Ner­ve­rei­en als Wer­bung abzu­se­hen, und bekommt dafür einen Ein­trag als Quel­le unauf­dring­li­cher Wer­bung. Dabei geben sich die Ver­ant­wort­li­chen nicht käuf­lich, über­le­gen sich öffent­lich ledig­lich die Ein­füh­rung von Ver­wal­tungs­ge­büh­ren für die Frei­schal­tung eines neu­en Listen­ein­trags.

Die Redak­ti­on des rei­ße­ri­schen Com­pu­ter­ma­ga­zins PC-WELT wider­spricht seit gestern ener­gisch und behaup­tet unter Beru­fung auf nicht näher genann­te Quel­len („Besuch von Adblock Plus“), man kön­ne sich Ein­trä­ge auf der „wei­ßen Liste“ schlicht erkau­fen.

Web­sei­ten-Betrei­ber müs­sen vor­aus­sicht­lich zah­len, um auf die Aus­nah­me­li­ste mit den „accep­ta­ble ads“ zu kom­men. Anders for­mu­liert: Für Geld will Adblock Plus Wer­bung zum User durch­las­sen. Wer nicht zahlt, kommt nicht auf die Liste und muss auf Wer­be­ein­nah­men ver­zich­ten. (…) Die Web­sei­ten sol­len zah­len. Die Wer­be­blocker-Nut­zer sol­len Wer­bung sehen.

Ja, das ist zutref­fend. So etwas wie jour­na­li­sti­sche Tätig­keit (zum Bei­spiel Hin­ter­grund­re­cher­chen) erwar­te ich von den „Redak­teu­ren“ der PC-WELT schon lan­ge nicht mehr, aber für einen sol­chen schwe­ren Vor­wurf („Das sind schwe­re Vor­wür­fe.“) hät­te man als Leser zumin­dest erwar­tet, dass sich der Schrei­ber ein­mal mit den Aus­sa­gen „von Adblock Plus“ befasst, denn die­se Fra­ge wur­de, wie oben bereits ange­deu­tet, derer­seits hin­rei­chend beant­wor­tet:

Wer­den Sie für Ein­trä­ge in die Liste bezahlt?

Nein. (…) Es ist (…) wahr­schein­lich, dass ab einem gewis­sen Zeit­punkt die Fir­men an den Kosten betei­ligt wer­den, die in die Liste auf­ge­nom­men wer­den möch­ten.

Viel­leicht müs­sen ab einem gewis­sen Zeit­punkt Anbie­ter akzep­ta­bler Wer­bung ein wenig Geld inve­stie­ren, um als sol­che gekenn­zeich­net zu wer­den. Schlicht falsch ist aber offen­kun­dig die Behaup­tung, es gäbe Plä­ne, die­sen Sta­tus spä­ter ein­mal – oder gar bereits jetzt – erkau­fen zu kön­nen. (Dass jemand die quietsch­bun­te PC-WELT-Wer­bung als „nicht auf­dring­lich“ klas­si­fi­zie­ren wür­de, hal­te ich ohne­hin für ein Gerücht, das auch Unkun­di­ge­ren zu ver­ste­hen geben soll­te, dass hier Unfug kol­por­tiert wird.)

Mög­li­cher­wei­se ist die gegen­wär­ti­ge Imple­men­tie­rung der „Liste akzep­ta­bler Wer­bung“ noch nicht das Gel­be vom Ei, mög­li­cher­wei­se ist sie inkom­pa­ti­bel mit dem Ver­ständ­nis vie­ler Anwen­der vom Zweck eines Wer­be­blockie­rers. Zeter und Mor­dio zu schrei­en und die Ent­wick­ler zu ver­flu­chen ist aber der fal­sche Schritt, denn es zeugt allen­falls vom eige­nen Miss­ver­ständ­nis.

Aber wer lie­ber den Auf­wand auf sich nimmt, auf eine Alter­na­ti­ve umzu­stei­gen, statt ein­fach den ent­spre­chen­den Haken in den Adblock-Plus-Fil­ter­ein­stel­lun­gen zu ent­fer­nen, dem muss man mit sach­li­chen Erklä­run­gen wahr­schein­lich gar nicht erst kom­men.

Sonstiges
„Bannt die Vot­ze !“

Über das Spiel League of Legends und sei­ne Kli­en­tel habe ich an ande­rer Stel­le schon etwas geschrie­ben.

Eines möch­te ich noch hin­zu­fü­gen: Wie die mei­sten Spie­le, in denen so Men­schen auf­ein­an­der tref­fen, besitzt auch League of Legends ein Mel­de­sy­stem, mit­hil­fe des­sen es mög­lich ist, Spie­ler, die sich dane­ben­be­neh­men, zu ver­pet­zen. Als Ergän­zung gibt es das „Tri­bu­nal“, in dem Spie­ler ab Stu­fe 30 demo­kra­tisch dar­über rich­ten kön­nen, ob gemel­de­te „Fäl­le“ sank­tio­niert wer­den soll­ten oder nicht.

Das sieht dann zum Bei­spiel so aus:

„Ich will nicht mehr auf die­sem Pla­ne­ten leben.“
– Hubert J. Farns­worth, c/o „Futura­ma“