NerdkramsInternes
Hal­lö­chen, Uberspace!

brief,

nach eini­gem Hin und Her und letzt­end­lich über­zeugt von chris­zim, der wie Der­Bas­tard und eini­ge ande­re den Wech­sel voll­zo­gen hat, läuft tuxproject.de nun auf Uber­space und nicht mehr auf All-Inkl.com. (Gele­gent­li­che Links, die sich noch merk­wür­dig ver­hal­ten, wer­den nach und nach korrigiert.)

War­um weg?

Ich hat­te mit All-Inkl nie grö­ße­re Pro­ble­me, für den blo­ßen Betrieb von Word­Press gibt es zwei­fels­oh­ne kei­nen bes­se­ren shared hos­ter. Deren Ser­ver lau­fen in der Regel schnell, sta­bil und ohne nen­nens­wer­te Last, und der Sup­port gibt sich manch­mal wirk­lich Mühe. Was mir aber gefehlt hat, war der Shell-Zugang – gele­gent­li­che Arbei­ten „unter der Hau­be“ waren oft recht lang­wie­rig, zumal eini­ge Word­Press-Plug­ins an den Ver­zeich­nis­rech­ten her­um­fum­meln woll­ten und ein regel­mä­ßi­ger Gang zum „KAS“, dem All-Inkl-Kon­troll­zen­trum, mir nicht erspart blieb. Ich könn­te natür­lich auch bei All-Inkl Shell­zu­griff erhal­ten, jedoch wäre dies mit nicht uner­heb­li­chen Mehr­kos­ten ver­bun­den, die ich nicht auf­brin­gen will, wenn­gleich ich das natür­lich könnte.

Auch habe ich im Ver­lauf der letz­ten Wochen begon­nen, mei­ne Mail­kor­re­spon­denz weit­ge­hend auf tuxproject.de zu ver­la­gern. Nun sind die IMAP-Ser­ver von All-Inkl merk­wür­dig kon­fi­gu­riert, das Anle­gen von Unter­ord­nern ist bit­te­schön per Web­ober­flä­che statt per IMAP zu erle­di­gen, und auch sonst fühl­te sich eini­ges an der Kon­fi­gu­ra­ti­on doch über­aus rück­stän­dig an.

War­um hin?

Uber­space ist all das, was ich bei All-Inkl ver­misst habe: Zwar ist die Ser­ver­last im Mit­tel etwas höher, aber es ist vie­les mög­lich, was All-Inkl nicht so gern sieht. Shell­zu­griff ist eben­so eine Selbst­ver­ständ­lich­keit wie Cron­jobs, also wie­der­keh­ren­de Auf­ga­ben, die bei All-Inkl eben­falls einen Tarif­wech­sel erfor­dern wür­den. PHP, Perl und MyS­QL sind gleich­blei­bend vor­han­den, neu sind Ruby, Python und die Mög­lich­keit, feh­len­de Modu­le bei Bedarf nach­zu­in­stal­lie­ren.

Dabei weist Uber­space die Beson­der­heit auf, dass es nicht ver­sucht, Kon­kur­renz­kämp­fe zu gewin­nen (obwohl 1 Euro pro Monat – eins­fuff­zich mit Domain – ein bemer­kens­wer­ter Min­dest­preis ist), son­dern, dass es sich pri­mär an uns Bast­ler rich­tet, die lie­ber mit der Kon­so­le als mit bun­ten GUIs den Admi­nis­tra­tor spie­len. Das bedeu­tet aber auch, dass die Inbe­trieb­nah­me kei­ne Sache von weni­gen Klicks ist, son­dern zunächst eini­ge Hand­ar­beit ansteht: Trans­fe­rie­ren der bestehen­den Datei­en per lftp, Ein­spie­len und Kor­ri­gie­ren der Daten­bank (bei dem gesprä­chi­gen Piwik ein ziem­lich umfang­rei­ches Unter­fan­gen), Set­zen der benö­tig­ten Rech­te für die ein­ge­setz­ten Word­Press-Plug­ins, die ja immer etwas zu meckern haben.

Die Betrei­ber ste­hen per Mail und Twit­ter aller­dings jeder­zeit zur Sei­te und bie­ten Hil­fe­stel­lung. Die­se ist nicht auf bun­te Anlei­tun­gen beschränkt, son­dern auf­tre­ten­de Pro­ble­me wer­den detail­liert erläu­tert und, wo mög­lich, ein Lösungs­weg auf­ge­zeigt. Das geht auch ziem­lich schnell; eine kur­ze Mail etwa genüg­te, und gera­de ein­mal andert­halb Stun­den spä­ter (trotz bereits weit fort­ge­schrit­te­ner Uhr­zeit) war ein mir feh­len­des Perl­mo­dul, das ich aus Grün­den nicht unbe­dingt in mei­nem Pro­fil instal­lie­ren woll­te, ser­ver­weit ein­ge­rich­tet. Noch nicht ein­mal eine vir­tu­el­le Ent­blö­ßung ist not­wen­dig: Per­sön­li­che Daten wer­den nicht erho­ben. Fin­de ich gut.

War­um nicht?

Der etwas höhe­re Auf­wand gegen­über Klick-und-fer­tig-Anbie­tern wie die zuvor von mir benutz­ten bpla­ced und All-Inkl ist sicher eine Ein­stiegs­hür­de für alle, die nur mal eben eine Web­sei­te ein­rich­ten möch­ten. Ansons­ten bleibt der scha­le Bei­geschmack des klei­nen Anbie­ters mit der, kon­zept­be­dingt, unge­wis­sen Zukunft. Aber wer weiß schon, was mor­gen ist?

Und wenn ich es irgend­wann mal bereue, ist All-Inkl ja immer noch da. Hoffentlich.

Besu­chen Sie uns nicht auf Facebook.

Wegen sich ver­brei­ten­der Daten­schutz­be­den­ken in Zei­ten der tota­len Dienst­zu­sam­men­füh­rung (Goog­le: „Wir erfas­sen viel­leicht Ihre Tele­fon­num­mer.“) wer­den die social-media-Fach­leu­te die­ser Tage end­lich vor­sich­ti­ger im Umgang mit den neu­en Medi­en und wei­sen gele­gent­lich auch auf die Gefah­ren hin, die etwa ein Auf­ent­halt bei Face­book birgt.

So ist etwa das Wol­fen­büt­te­ler Unter­neh­men Sol­fe­ri­no selbst­ver­ständ­lich auf Face­book ver­tre­ten, möch­te aber ande­rer­seits kei­nen sei­ner poten­zi­el­len Kun­den in die Bre­douil­le brin­gen und hat sich daher für einen etwas unkon­ven­tio­nel­len Weg entschieden:

Zumin­dest war es – wahr­schein­lich – gut gemeint.

Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Rote Kreb­se, See­füh­run­gen ohne Seen

Gaa­anz toll auch, „welt.de“, hast du die­sen Arti­kel hin­be­kom­men, denn auch ein eigent­lich ziem­lich fas­zi­nie­ren­des The­ma wie Karst­seen mit Urzeit­kreb­sen ist vor der schie­ren Pein­lich­keit dei­ner Redak­teu­re nicht gefeit; so heißt’s etwa in der Krebs-Bildergalerie:

Spä­ter wer­den die Tie­re (…) gekocht, bis sie sozu­sa­gen krebs­rot sind.

Wer sich sol­che Tex­te aus­denkt, der soll­te sich so lan­ge schä­men, bis er sozu­sa­gen scha­mes­rot ist. Den Vogel aber schießt du, „welt.de“, mit dem letz­ten Teil des „Arti­kels“ ab:

Damit alle Fra­gen geklärt wer­den, orga­ni­siert Hei­se in sei­ner Frei­zeit Füh­run­gen rund um den See. Sie erfreu­en sich stei­gen­der Beliebt­heit – vor allem, wenn sich der See mal wie­der bli­cken lässt.

Dass Füh­run­gen rund um einen See weni­ger gern gebucht wer­den, wenn kein See da ist, erstaunt wahr­schein­lich so man­chen, der bei WELT Online „arbei­tet“. Übri­gens fah­ren Leu­te auch eher ungern Auto, wenn kei­ne Stra­ße da ist – gibt es dar­über eigent­lich schon einen Bericht?

Nein? Scha­de.

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXXXIV: War­um „links“ noch lan­ge nicht links ist

Dass „links“ heut­zu­ta­ge das emp­foh­le­ne Attri­but ist, wenn man vor­hat, irgend­was mit Poli­tik zu machen, ist eine ver­brei­te­te The­se. Was aber ist links?

Klar: Links ist, was nicht rechts ist. Was ist rechts? Die Kon­ser­va­ti­ven, die Natio­na­len? Falsch:

Gera­de die ver­meint­lich pro­gres­si­ven Ver­su­che, die Sozi­al­po­li­tik zu zer­schla­gen, bedeu­ten für die Lin­ken, sich dem rei­nen Fort­schritt in den Weg zu stel­len. „Links“ zu sein bedeu­tet hier nur eins: eine kon­ser­va­ti­ve Hal­tung einzunehmen.

„Links“ und „rechts“ soll­te man kei­nes­falls ver­su­chen als fixe Punk­te zu defi­nie­ren, über­schnei­den sie sich doch in vie­ler­lei Hin­sicht. Auch die einst­mals „lin­ke“ SPD ist dem Kon­ser­va­ti­vis­mus näher als je zuvor, den Wunsch­part­ner CDU freut’s womög­lich; der eben auch wenig wäh­le­risch ist, kopu­liert koaliert er doch bei Bedarf auch mit den Grü­nen, die bekann­ter­ma­ßen „links“ sind wie auch die Pira­ten, die ja viel­fach als „die neu­en Grü­nen“ und/oder „die neue F.D.P.“ gehan­delt wer­den, und obwohl sich man­cher Pirat gele­gent­lich auf frag­wür­di­gen Demons­tra­tio­nen bli­cken lässt, ist das eine fata­le Fehleinschätzung:

Sie sind letzt­lich Par­tei­en der Mit­tel­schicht, einer ande­ren als sie CDU und FDP sich aus­ma­len, aber einer Mit­tel­schicht nichts­des­to­trotz. Ihre The­men sind kei­ne The­men von Men­schen, die dar­um kämp­fen, Mie­te und Essen zu bezah­len. Es sind aber, man muss es so hart sagen, Mehr­heits­the­men. Die Mehr­heit der Deut­schen fühlt sich der Mit­tel­schicht zuge­hö­rig oder geht davon aus, auf abseh­ba­re Zeit dazu­zu­ge­hö­ren. (…) Und selbst grü­ne und oran­ge­ne Bür­ger­li­che sind bei aller Anders­ar­tig­keit ihrer For­de­run­gen vom kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­chen Kern­be­stand eines mit Sicher­heit nicht: revo­lu­tio­när und über­mä­ßig links gestimmt.

Wer „gegen Rechts“ ist und sich „links“ nennt, ist also mit ein wenig Pech eigent­lich kon­ser­va­tiv-regres­siv (rechts) und sein eige­ner Geg­ner; blöd ist’s eben, wenn man Kampf­be­grif­fe unre­flek­tiert über­nimmt, ohne sie zu verstehen.

„Links, zwo, drei, vier!“
– Ramm­stein

Montagsmusik
Cur­si­ve – Caveman

Und nach so einem Wochen­en­de dann doch immer der Blick zurück, das weh­mü­ti­ge Ach!; und über­haupt soll­te man auf­hö­ren, auf­zu­hö­ren, und end­lich anfan­gen, anzu­fan­gen. Die Höh­le ver­las­sen der Höh­le wegen.

Cur­si­ve, „Cave­man“

I want to unlearn what I’ve learned
Want to unearn what I’ve earned
Want to burn my bridges down …

Schau­er­über­den­rü­cken­rock. (Das Wort lass‘ ich mir mal paten­tie­ren oder so.)

Nerdkrams
Sicher tex­ten unter Win­dows (und Firefox)

Wer häu­fi­ger mal län­ge­re Tex­te an sei­nem Win­dows-Rech­ner schreibt und neben­bei zum Bei­spiel in Foren oder im IRC dis­ku­tiert, der steht oft­mals vor dem Pro­blem, dass die Win­dows-Zwi­schen­ab­la­ge sehr begrenzt ist. Meh­re­re Text- oder Bild­aus­schnit­te zur glei­chen Zeit pas­sen nicht in sie hin­ein. (Linux­nut­zer mit dem all­zu oft unter­schätz­ten KDE haben die­ses Pro­blem immer­hin nicht.)

Aber selbst Letz­te­re sehen sich mit­un­ter mit einer ande­ren Hür­de kon­fron­tiert: Man schreibt gera­de einen län­ge­ren Blog- oder Foren­kom­men­tar, drückt eine fal­sche Tas­te, und alles ist weg. Was tun? Ver­zwei­feln? Neu schrei­ben? Mit­nef­fen: Wofür gibt’s Pro­gram­me, die das beseitigen?

Pro­blem Num­mer 1: Die begrenz­te Zwi­schen­ab­la­ge von Windows.

mIRC-Benut­zer ken­nen das wahr­schein­lich: Mar­kie­ren sie ver­se­hent­lich einen Text, weil sie zu lang­sam dop­pel­kli­cken, über­schreibt die­ser Text alle Inhal­te der Zwi­schen­ab­la­ge, sofern die ent­spre­chen­de Funk­ti­on nicht deak­ti­viert ist. Auch sonst ist man manch­mal in der miss­li­chen Situa­ti­on, meh­re­re Text­schnip­sel oder ähn­li­ches gleich­zei­tig zu benö­ti­gen, etwa, wenn man sich manch­mal auf sei­ner Inter­net­sei­te über SPIEGEL Online lus­tig machen will.

Pro­gram­me, die die Win­dows-Zwi­schen­ab­la­ge ent­spre­chend erwei­tern, gibt es mit dem her­vor­ra­gen­den ac’tivAid, Dit­to, Clip­Man und ande­ren in gro­ßer Zahl, wirk­lich über­zeugt hat mich aber nur das por­ta­ble Ars­Clip.

Ars­Clip, das nur in eng­li­scher Spra­che ver­füg­bar ist, des­sen Kon­fi­gu­ra­ti­ons­fens­ter man aller­dings auch nie wirk­lich benö­tigt, „kapert“ – arrr! – die win­dows­ei­ge­ne Kopier­funk­ti­on inklu­si­ve des Tas­ten­kür­zels Strg+C und spei­chert so mehr als nur die letz­te kopier­te Ein­ga­be zwi­schen. Die gespei­cher­ten Aus­schnit­te – auch Mul­ti­me­dia­schnip­sel wer­den unter­stützt – sind über ein ein­stell­ba­res Tas­ten­kür­zel, etwa Strg+Alt+V (ana­log zu Strg+V), in Menü­form abruf- und editierbar:

Hier­bei wird der letz­te ver­wen­de­te Aus­schnitt aus dem Menü auto­ma­tisch auch per Strg+V ver­füg­bar gemacht; ver­wen­det man also zum Bei­spiel den dritt­neu­es­ten Ein­trag im Menü, so kann die­ser anschlie­ßend auch per Strg+V über­all ein­ge­fügt wer­den, wo man ihn benö­tigt. Ich wür­de so weit gehen, Ars­Clip als unver­zicht­ba­res Werk­zeug für jeden, der was mit Inter­net macht, zu bezeich­nen. Tu‘ ich aber nicht.

Pro­blem Num­mer 2: Der feh­len­de Zwi­schen­spei­cher von Firefox.

Natür­lich gibt es Leu­te, die län­ge­re Tex­te wie etwa die­sen hier in ihrem Text­edi­tor schrei­ben, bevor sie ihn in ihren Brow­ser kopie­ren, und dies etwa mit der Erwei­te­rung „It’s All Text!“ oder Text Edi­tor Any­whe­re unter­stüt­zen. Jedes Mal den Text­edi­tor zu star­ten, wenn man mal eben einen Blog­kom­men­tar hin­ter­las­sen möch­te, ist aber viel­leicht manch jeman­dem zu umständ­lich. Und dann fin­det man plötz­lich zufäl­lig die Tas­ten­kom­bi­na­ti­on, um Fire­fox unge­fragt zu been­den, und darf noch mal von vorn begin­nen. Das ist nicht schön.

Die Fire­fox-Erwei­te­rung Text­area Cache löst die­ses Pro­blem ziem­lich ele­gant: Jeder in ein Text­feld ein­ge­ge­be­ne Text wird auto­ma­tisch pro­to­kol­liert und ist per Klick auf das Sym­bol in der „Addon-Leis­te“ wie­der abruf­bar, kate­go­ri­siert nach dem Titel der Web­sei­te und mit ein­stell­ba­rer Speichergröße:

Mit Laza­rus gibt es eine Alter­na­ti­ve für die­je­ni­gen Inter­net­nut­zer, die Chro­me und/oder Safa­ri neben oder anstel­le von Fire­fox ver­wen­den. Laza­rus kann auch wei­te­re For­mu­lar­ein­ga­ben spei­chern, ver­wen­det aber das Kon­text­me­nü statt eines sepa­ra­ten Fens­ters – wer bereits Down­The­mAll!, Flash­Got, Last­Pass, Color­Zil­la und die übli­chen wei­te­ren Stan­dard­er­wei­te­run­gen benutzt, die das Kon­text­me­nü des Brow­sers zum Teil unge­fragt erwei­tern, der bevor­zugt unter Umstän­den auch des­halb Text­area Cache.

An Alter­na­ti­ven soll’s nicht man­geln. Für jeden­falls mich sind genann­te Pro­gram­me indes inzwi­schen unverzichtbar.
Ergän­zun­gen sind gern gesehen.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Was der so alles treibt!

Ach, „SPIEGEL Online“, da habt ihr so einen schö­nen Ein­lei­tungs­text hinbekommen:

Gauck macht sich stark gegen die „brau­ne Brut“: Der künf­ti­ge Bun­des­prä­si­dent hat am Don­ners­tag mit Ange­hö­ri­gen der NSU-Ter­ror-Opfer gespro­chen. Bei der Begeg­nung tele­fo­nier­te er auch mit dem tür­ki­schen Staats­prä­si­den­ten Gül. Den Rechts­extre­mis­mus ver­ur­teil­te Gauck scharf.

Selbst mir als Nicht­jour­na­lis­ten fal­len da auf Anhieb min­des­tens drei gute Über­schrif­ten ein; auf die­se hier wäre ich aber nie gekommen:

Gauck tele­fo­niert mit tür­ki­schem Staats­chef Gül

Eine gute Über­schrift sei das Salz in der Sup­pe des Jour­na­lis­ten, heißt es. Aber mit dem Salz soll­te man es auch nicht übertreiben.

(Dan­ke an L.!)

In den NachrichtenPiratenpartei
#Gruppe42, Pira­ten und Konzepte

Eines der Pro­ble­me, die das Kon­zept einer Par­tei mit sich bringt, ist es, dass frü­her oder spä­ter irgend­je­mand auf die Idee kommt, dass man auf alles zumin­dest eine Ant­wort haben müss­te. Die momen­ta­ne Ent­wick­lung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land hat einer der Grün­der in einer E‑Mail ges­tern auf den Punkt gebracht:

Im Sep­tem­ber 2006 ent­schlos­sen wir uns wohl­über­legt, eine The­men­par­tei zu grün­den – in bewuss­ter Abgren­zung von den Pro­fi­sch­wät­zern ande­rer Par­tei­en, die von wenig eine Ahnung haben, aber zu allem einen ker­ni­gen Satz raus­hau­en. Genau auf dem Kurs sind wir inzwischen.

Wir woll­ten eine Par­tei sein, die eigent­lich nicht Par­tei sein woll­te. Es ging bloß dar­um, dass die Par­tei­struk­tur Mög­lich­kei­ten eröff­net, die z.B. der CCC nicht hat. Dafür hat der CCC wie­der­um Mög­lich­kei­ten, die wir nicht haben. Der CCC kann von außen kom­pe­tent und sach­lich ein­wir­ken, die Pira­ten­par­tei von innen verändern.

(…)

Die Pira­ten­par­tei hat sich schlei­chend zu etwas ent­wi­ckelt, was mich nicht inter­es­siert. Dumm sein kann ich allein, da brau­che ich kei­ne Partei.

(…)

Der aktu­el­le Höhen­flug der Pira­ten­par­tei – über den ich mich prin­zi­pi­ell freue! -, hat nicht zuletzt einen Grund: Wir sind oft gen­aus so hohl­po­pu­lis­tisch wie die ande­ren Par­tei­en. Plötz­lich erle­ben wir unse­re Funk­tio­nie­re im Small­talk mit Gün­ther Jauch über den Holo­caust, ohne dass dabei pira­ti­ge Posi­tio­nen ver­mit­telt wür­den. Mit Mari­na und Sebas­ti­an haben wir erst­mals eine kame­ra­t­aug­li­che Spit­ze, wohl­ge­fal­lend am Bild­schirm wie im Radio. Super eigent­lich. Wir dür­fen nur nicht ver­ges­sen, wor­auf es uns ankommt. Sym­pa­thisch sein und Volk einlullen?

Das sind kla­re Wor­te, aber sie sind sicher nicht zu hart gewählt. Der Spa­gat, den die Pira­ten­par­tei voll­füh­ren „muss“, ist ein wei­ter: Zum Einen besitzt ein Groß­teil ihrer Mit­glie­der nur ein ein­ge­schränk­tes Inter­es­se eben­so wie ledig­lich voll­um­fäng­li­che Kennt­nis­se an bezie­hungs­wei­se in weni­gen Kern­the­men, zum Ande­ren erwar­tet das Wahl­vieh, an das sich ein Teil der Par­tei­ba­sis mitt­ler­wei­le anzu­bie­dern ver­sucht, eine Ant­wort auf alle Fra­gen, immer­hin bie­ten die­se alle ande­ren Par­tei­en auch, und sei sie noch so wenig fun­diert. Der Zwist zwi­schen Kern­pi­ra­ten („Ker­nis“), deren Fokus auf den Grün­dungs­the­sen der Par­tei liegt, und Voll­pi­ra­ten („Voll­is“), die eine mas­sen­taug­li­che All­the­men­par­tei anstre­ben, ist mit Kom­pro­mis­sen nur unzu­rei­chend zu schlich­ten. (War­um jemand, der mit der Ziel­set­zung einer Par­tei nicht ein­ver­stan­den ist, über­haupt zah­len­des Mit­glied wird, ist auch noch so eine Fra­ge; wer sich um eine zukunfts­fä­hi­ge Gesell­schaft bemüht, der tritt ja zum Bei­spiel auch nicht der CDU bei, neh­me ich an.)

Um zu ver­hin­dern, dass in der Flut an neu­en „Pira­ten­the­men“ die Wer­te, für die der Name „Pira­ten­par­tei“ steht, nicht ertrin­ken, wur­de in den ver­gan­ge­nen Wochen von ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern des Bun­des­vor­stan­des der Pira­ten­par­tei Deutsch­land und eini­gen wei­te­ren Kern­pi­ra­ten – ins­ge­samt 42 von ihnen – die „Grup­pe 42“ (wis­sen­schon, die Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Leben, dem Uni­ver­sum und dem gan­zen Rest) erson­nen und gegrün­det, die sich dafür ein­setzt, …

(…) dass der Grün­dungs­ge­dan­ke der Pira­ten­par­tei — sowohl vom Umfang der The­men, als auch von ihrer Inten­ti­on — in einer brei­te­ren Pira­ten­po­li­tik und im poli­ti­schen Tages­ge­schäft nicht nur erhal­ten bleibt, son­dern wei­ter ver­tieft und in kon­kre­te poli­ti­schen For­de­run­gen aus­for­mu­liert und umge­setzt wird.

In den Medi­en ist von einer „losen Ver­ei­ni­gung außer­halb der Par­tei“, einer Abspal­tung also, die Rede; dabei spal­tet sich nie­mand ab, son­dern inte­griert sich bewusst. Die „Grup­pe 42“ ist sozu­sa­gen eine inner­par­tei­li­che Oppo­si­ti­on, ana­log zur „kom­mu­nis­ti­schen Platt­form“ der Links­par­tei viel­leicht so etwas wie die „kern­the­ma­ti­sche Platt­form“ der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, die kei­nes­falls einen Gra­ben schaf­fen, son­dern viel­mehr ein Forum für die Kern­pi­ra­ten bie­ten soll, das in einer Pha­se wild wuchern­der Pro­gramm­er­wei­te­rung drin­gend von­nö­ten scheint, will man nicht die­je­ni­gen Pira­ten sich ent­täuscht abwen­den las­sen, die einst Mit­glied oder auch nur Sym­pa­thi­san­ten wur­den, weil jene The­men ein­ma­lig ver­tre­ten wur­den und noch werden.

Damit steht die „Grup­pe 42“ im Ein­klang mit der inter­na­tio­na­len, von Skan­di­na­vi­en aus expan­dier­ten Piratenbewegung:

Wir sehen in der Pira­ten­be­we­gung die ein­zig­ar­ti­ge Mög­lich­keit eine neue Ära der Demo­kra­tie ein­zu­lei­ten. Durch das Inter­net kön­nen alle Gren­zen über­wun­den wer­den und die bereits begon­ne­ne Inter­net­re­vo­lu­ti­on kann inter­na­tio­nal fast unein­ge­schränkt vor­an­ge­trie­ben wer­den. Die Pira­ten­par­tei Deutsch­land ist einer der wich­tigs­ten Antrei­ber die­ser Zukunfts­vi­si­on und soll­te sich ihrer Bedeu­tung in der inter­na­tio­na­len Pira­ten­be­we­gung bewusst sein.

Von der Belie­big­keit, der poli­ti­schen Nor­ma­li­tät bleibt die Pira­ten­par­tei also weit ent­fernt. Die Pres­se aller­dings soll­te sich ein­mal ent­schei­den, was sie nun eigent­lich pro­pa­gie­ren will: Dass die Pira­ten­par­tei eine blö­de Ein­the­men­par­tei und somit poli­tisch irrele­vant sei oder dass sie (wie seit Jah­ren) „kurz vor der Spal­tung“ ste­he, weil sie zu vie­le The­men ver­tre­te – bei­des gleich­zei­tig geht halt nicht. Aber viel­leicht sind mei­ne Ansprü­che an die Pres­se auch ein­fach nur zu hoch.

Ihre eige­nen an sich selbst lei­der nicht.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXV: Die Netz­ge­mein­de und wir

Eines die­ser Ärger­nis­se, die den gesell­schaft­li­chen Fort­schritt in ein digi­ta­les Mit­ein­an­der erschwe­ren, ist ja die­ses merk­wür­di­ge Selbst­ver­ständ­nis von Tot­holz­jour­na­lis­ten, die „das Inter­net“ für Goog­le, Wiki­pe­dia, Face­book und Sascha Lobo hal­ten und ansons­ten stets eine Front her­bei­hal­lu­zi­nie­ren, die nicht exis­tiert: „Die im Inter­net“ und „die Gesell­schaft“. Jüngs­ter Spross die­ser Wur­zel ist die­ser merk­wür­di­ge Arti­kel aus dem Hau­se Han­dels­blatt, der schon zu Beginn erfri­schend dane­ben liegt:

Pro­mi­nen­te Köp­fe der Netz­ge­mein­de behaup­ten, die Netz­ge­mein­de gäbe es gar nicht. Weil die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung das Inter­net nut­ze, sei der Begriff über­flüs­sig. Das ist falsch.

Das ist falsch.

War­um? Weil Autor Ste­phan Dör­ner das Inter­net nicht ver­stan­den hat:

Auch mei­ne Mut­ter nutzt das Inter­net – schon seit 1999. Sie schreibt E‑Mails, kauft auf Ebay Rei­sen und liest Nach­rich­ten auch online. Sie ist den­noch kein Teil der Netz­ge­mein­de. (…) Weil der Begriff Netz­ge­mein­de in der Regel eben nicht 74,7 Pro­zent der Bevöl­ke­rung meint, son­dern die­je­ni­gen, die das Netz aktiv mit­tels Blogs und Twit­ter nut­zen, um Ideen zu ver­brei­ten und Kam­pa­gnen zu organisieren.

Ach so, Teil der „Netz­ge­mein­de“ ist man nur, indem man bloggt oder twit­tert. Akti­ve Nut­zer des Use­nets etwa wer­den gänz­lich igno­riert; „da ist ja gar kein blau­es e dran, also ist das auch kein Inter­net“. (Schön wäre es ja, wür­de die Mehr­heit des Vol­kes das Inter­net nut­zen, aber sie beschrän­ken sich weit­ge­hend auf Mail und WWW und nut­zen bei­de bevor­zugt passiv.)

Dabei konn­te das World Wide Web als wohl erfolg­reichs­ter Dienst des Inter­nets über­haupt nur so groß wer­den, weil in sei­nen Anfangs­ta­gen bis zur „.com-Bla­se“ um die Jahr­tau­send­wen­de her­um ein Groß­teil sei­ner Nut­zer gleich­zei­tig Pro­du­zen­ten waren. Das „Web“ ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und kein sta­ti­sches Informationsmedium.

Sicher­lich ist das Defi­ni­ti­ons­sa­che, aber das Wort „Netz­ge­mein­de“ ist es ja auch: Bin ich Netz­ge­mein­de, sind’s mei­ne Leser? Ste­phan Dör­ners Behaup­tung ist aber sogar nach sei­nen eige­nen Maß­stä­ben gänz­lich Hirn­brei, denn man kann von Face­book hal­ten, was man will, aber ich stel­le die stei­le The­se auf, dass wirk­lich alle, die dort nicht nur als Kar­tei­lei­che ange­mel­det sind, den Dienst zur Infor­ma­ti­ons­ver­brei­tung nut­zen – wahr­schein­lich (sta­tis­tisch gese­hen) auch Ste­phan Dör­ners Mutter.

Und da wird das Pro­blem deut­lich: Wo nie­mand außer Sascha Lobo „Netz­ge­mein­de“ sein will, dort wird es schwie­rig, sie zu defi­nie­ren. War­um über­haupt wird ver­sucht, einen Sam­mel­be­griff für die­je­ni­gen Inter­net­nut­zer zu fin­den, die nicht nur pas­siv Inter­net gucken, sie sozu­sa­gen als Son­der­lin­ge zu kenn­zeich­nen? (Im Inter­net (!) einen Arti­kel zu ver­öf­fent­li­chen, der Leu­te, die sich alle­samt pri­mär als Indi­vi­du­en betrach­ten und eine Unter­schei­dung zwi­schen „schreibt ins Inter­net“ und „nutzt das Inter­net“ prin­zi­pi­ell ableh­nen, pau­schal als „die Netz­ge­mein­de“ bezeich­net, ist übri­gens auch nicht ganz frei von Komik.)

Die ein­zi­ge Gemein­sam­keit derer, die die Medi­en als „Netz­ge­mein­de“ bezeich­nen, ist ein Inter­net­an­schluss, ob mobil oder sta­tio­när. Wenn das als Auf­nah­me­kri­te­ri­um genügt, ist „die Netz­ge­mein­de“ unge­fähr so sinn­voll wie „die Mineralwassergemeinde“.

Wer „Netz“ sagt, meint auch das Nicht­netz; oder, kurz und prä­gnant, eben auch: Netz­ge­mein­de, Zei­tungs­ge­mein­de, Fern­seh­ge­mein­de, Fax­ge­mein­de, Tele­fon­ge­mein­de, Gespräch­ge­mein­de, Brief­ge­mein­de, Höh­len­ma­lerei­ge­mein­de my ass.

Nerdkrams
□□□□□□□□□: 0 □□□□□□□□

Für eine eilends ange­fer­tig­te Pro- und Con­tra-Lis­te für und gegen die neu­en Ver­sio­nen eini­ger aktiv gepfleg­ter Büro­an­wen­dun­gen für Win­dows – Libre­Of­fice benimmt sich all­zu oft ein wenig wun­der­lich – habe ich in einer vir­tu­el­len Maschi­ne eini­ge Kom­bat­tan­ten gegen­ein­an­der antre­ten lassen.

Soft­Ma­ker Office 2012 – ein Pro­dukt deut­scher Geis­tes­kraft – mag es aber gar nicht, wenn man es deinstal­lie­ren will, und spricht spon­tan asia­tisch, jeden­falls behaup­tet der Zei­chen­satz das:

Das ist ziem­lich gewitzt; noch gewitz­ter wäre es, wür­de man in der glei­chen Spra­che eine Fra­ge stel­len, die rich­tig beant­wor­tet wer­den muss, bevor man mit der Instal­la­ti­on fort­fah­ren kann, denn so dürf­te das Abwan­dern von Kun­den dau­er­haft gehemmt sein. Na, viel­leicht in der nächs­ten Version.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Tom Waits – Rain Dogs

Jene, die mit mei­nen musi­ka­li­schen Emp­feh­lun­gen kon­fron­tiert wer­den, attes­tie­ren mir mit­un­ter ein feh­len­des Gespür für die schö­ne Kunst und einen Hang zu mög­lichst Abs­trak­tem. Dabei ist dem gar nicht so. Ich schät­ze jedoch Tex­te mit Tief­gang, eine extro­ver­tier­te Dar­bie­tung und kom­ple­xe Melodien.

Zum Bei­spiel „Rain Dogs“ von Tom Waits, ent­hal­ten auf dem gleich­na­mi­gen Album.

Tom Waits Rain Dogs

Hübsch, nicht? :)

(Mit spä­tem Dank an T.!)


War­um die F.D.P. am Wochen­en­de nicht Phil­ipp Rös­ler nomi­niert hat, son­dern Cars­ten Maschmey­ers per­sön­li­chen Freund Joa­chim Gauck, bleibt mir übri­gens ein Rät­sel, hat ers­te­rer doch sei­ne ihm offen­bar von einer Mehr­heit der Par­tei­mit­glie­der zuge­trau­ten Füh­rungs­qua­li­tä­ten bereits erfolg­reich unter Beweis stel­len dür­fen, immer­hin gibt’s die F.D.P. noch; aber sei’s drum.

PiratenparteiFotografie
KPTWFSZ2012.1 (oder so)

… und dann lernt man auch immer in klei­ne­rem Rah­men zu den­ken, wenn’s eben statt vie­ler nur weni­ge Anwe­sen­de sind und zum Wäh­len eilends Wahl­ti­sche als Kabi­nen­er­satz erschaf­fen wer­den und man trotz­dem da sitzt und man­gels Kaf­fees merk­wür­di­ge „Club Mate“ trinkt, bis sie irgend­wann geschmack­lich neu­tral wirkt, der ört­li­chen Betäu­bung oder jeden­falls Neu­tra­li­sie­rung der Geschmacks­ner­ven mit­tels Mate­über­schus­ses sei Dank, und …

… muss ein biss­chen lachen.

Sonstiges
Post-Post-Pri­va­cy: Nach der Spackeria …

… kommt die pri­va­cy zurück. („Wat, Spa­cke­ria?“ – dat Spa­cke­ria, guck­s­tu hier!)

Nimm dies, Daten­of­fen­heit im Internet!

(Bezie­hungs­wei­se die Fra­ge, wofür eine US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma mei­ne vol­le Anschrift benö­tigt, wenn ich dort etwas her­un­ter­la­den will, und die mei­ner­seits aus­blei­ben­de Erklä­rung, wie­so sie sie nicht bekommt; jeder leckt sei­nen Arsch für sich [u.a. den von Mozart, so scheint’s].)