Netzfundstücke
Kurz ver­linkt XCI: Haa­rig: Hit­ler­sham­poo nur für Männer.

Max Goldt hat ein­mal geschrie­ben, es gebe kei­nen schlech­ten tür­ki­schen Fri­sör, was man dar­an sehe, dass es kei­ne schlecht fri­sier­ten tür­ki­schen Män­ner gebe.

Nun könn­te man dar­aus fol­gern, dass die Beob­ach­tung, tür­ki­sche Män­ner hät­ten Ein­heits­fri­su­ren, nicht ganz falsch ist, und dass das an die Dis­zi­plin in einer Armee erin­nert, schweift viel­leicht ein biss­chen zu weit ab.

Tat­säch­lich aber bre­chen in der Tür­kei jetzt haar­te Zei­ten für die Anhän­ger der Dämo­ni- und Tabui­sie­rung Haar­dolf Adolf Hit­lers und schlech­ter Fri­su­ren an, denn:

„War­um benutzt Du ein Frau­en­sham­poo, wenn Du kei­ne Frau bist?“, don­nert Adolf Hit­ler in einem neu­en tür­ki­schen Wer(b)espot. „Bist Du ein Mann, benutzt Du Bio­men!“ Im Off bran­det tosen­der Applaus der Volks­mas­sen auf.

(…)

Hit­ler wird im Spot frei­lich nicht aus­drück­lich als Juden­mör­der geprie­sen, son­dern soll als Sym­bol für Viri­li­tät her­hal­ten, oder was man in der Tür­kei dar­un­ter ver­steht. Als betont männ­lich gilt auch Erdo­gan, beson­ders wenn er gegen Isra­el zu Fel­de zieht.

Der tür­ki­sche Mann: Viril wie Hit­ler und garan­tiert kein Frau­en­sham­poo in den gegel­ten Haaren.

(Mit Dank an M.!)

Lyrik
… weil er lacht, weil er lebt …

Eines Tages kam der Mensch an einen Fluss, der sei­nen Weg kreuz­te. „Ei“, sprach der Mensch, „viel­leicht hilft mir der Fluss, mei­ne Sor­gen zu ver­ges­sen.“ Und so setz­te sich der Mensch an den Fluss und nahm die gleich­för­mi­gen Bewe­gun­gen des Was­sers in sich auf.

Als er eine Wei­le so geses­sen hat­te, kam eine Ente des Weges geschwom­men. Sie frag­te den Men­schen: „Ach, Mensch, war­um schaust du so betrübt drein?“ Der Mensch erschrak, von der uner­war­te­ten Anre­de über­rascht. „Ente, war­um kannst du spre­chen?“ frag­te er.

Die Ente erwi­der­te: „Sind wir nicht alle­samt Lebe­we­sen? Wäre es nicht absurd, sprä­chen wir kei­ne gemein­sa­me Spra­che, wir Enten und ihr Men­schen? Wir Enten kön­nen schon immer mit euch Men­schen reden. Außer­dem bist du betrunken.“

„Ach so“, sag­te der Mensch. „Betrübt bin ich, weil ich mit dem Leben unzu­frie­den bin und dich nun hier sehe, wie du sorglos -“

„Halt!“, unter­brach ihn die Ente. „Wie­so soll­te ich sorg­los sein, nur weil ich nicht jedem mein Leid klage?“

„Ent­schul­di­ge, Ente; wie du hier also ent­lang­schwimmst, als kön­ne dich nichts erschüt­tern, wäh­rend mich die Sor­gen plagen.“

„Sor­gen sind kein Grund, sich der Trüb­sal hin­zu­ge­ben. Wich­tig ist, dass man sein Leben lebt. Jeder ist sei­nes Glü­ckes Schmied, und wenn das Leben dir Melo­nen gibt, mach Mar­me­la­de dar­aus. Lass die Son­ne rein!“

Nach kur­zem Zögern erhell­te sich das Gesicht des Men­schen. „So habe ich das noch gar nicht gese­hen!“ rief er. „Ich dan­ke dir viel­mals, Ente! Kommst du noch mit auf einen Kaffee?“

„Nein, ich muss noch fah­ren“, sprach die Ente, „aber ich dan­ke dir für die Einladung!“

„Scha­de!“ bedau­er­te der Mensch die Ente. „Den­noch dan­ke ich dir für alles, mein Freund!“

Und fro­hen Mutes schritt er davon. Die Ente aber sah ihm noch lan­ge nach und seufzte.

(Nimm das, Antoine de Saint-Exupéry!)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt XC: Freiheitsdiebe!

Hihi:

Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger hat die Pira­ten­par­tei ange­grif­fen. Die Pira­ten sei­en nur „Tritt­brett­fah­rer des Enga­ge­ments für die Frei­heit und gegen einen über­bor­den­den Sicher­heits­staat“ der FDP.

Ach so.

Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger ist, dies zur Erin­ne­rung, die Frau, die gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung nichts hat, so lan­ge sie „maß­voll“ ange­wen­det wird. Das bür­ger­na­he Enga­ge­ment ihrer frei­heits­lie­ben­den F.D.P. ist auch sonst ziem­lich beeindruckend:

Die FDP hat ihren Anfang des Jah­res noch publik­ge­mach­ten Wider­stand gegen die Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­wei­ses aufgegeben.

Wegen des Kapi­tals halt:

Staat und Unter­neh­men hät­ten schon „erheb­li­che Sum­men“ dafür auf­ge­wen­det. Hät­ten die Libe­ra­len die Reiß­lei­ne gezo­gen, wäre ein „gigan­ti­sches Mil­lio­nen­grab“ entstanden.

Und so ein Sicher­heits­staat ist nicht im Inter­es­se der F.D.P., wes­halb Frau Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger es lie­ber unsi­cher mag:

Bei ACTA han­de­le es sich um kein Ein­falls­tor für Netz­sper­ren, erklär­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger (FDP). Damit weist sie die Kri­tik von Geg­nern des Han­dels­ab­kom­men, das nach deren Auf­fas­sung die Ein­schrän­kung von Frei­heits­rech­ten zufol­ge hat, zurück.

Nur, falls sich noch wer fragt, wie­so es mit der F.D.P. so rapi­de berg­ab gehen konnte.

Nerdkrams
Gedan­ken zur gras­sie­ren­den Linuxmanie

Seit bekannt ist, dass Win­dows 8 vor­aus­sicht­lich – das ist ein wich­ti­ges Detail – das Fens­ter­kon­zept zuguns­ten einer geka­chel­ten Umge­bung nur noch stief­müt­ter­lich behan­deln wird und eigent­lich also kein „Win­dows“ mehr ist, tönen wie­der die Fan­fa­ren der Linuxfraktion.

Zuvör­derst natür­lich kra­kee­len die Nut­zer von Ubun­tu, die den Umstand, dass Ubun­tu es selbst war, des­sen „Unity“-Oberfläche erfolg­los gleich­zei­tig Desk­top- und Tablet­um­ge­bung zu sein ver­such­te und so reich­lich Benut­zer zu ande­ren Dis­tri­bu­tio­nen trieb, gern ver­ges­sen, dass die ver­blie­be­nen Win­dows­nut­zer doch jetzt bit­te end­lich auf die hel­le Sei­te wech­seln soll­ten, bevor es zu spät sei.

Aber: War­um?

Dass Win­dows 8 even­tu­ell tat­säch­lich über­sprun­gen wer­den soll­te, ist dabei nicht ent­schei­dend, das ist ledig­lich Objekt sub­jek­ti­ver Ent­schei­dun­gen. War­um aber soll­te aus­ge­rech­net Linux die rich­ti­ge Ant­wort auf mög­li­cher­wei­se unge­lieb­te Ände­run­gen an einem Betriebs­sys­tem sein, wenn es selbst stän­dig mutiert und so die Benut­zer von einer Dis­tri­bu­ti­on zur nächs­ten treibt? War­um nicht BSD, war­um nicht Mac OS X, war­um über­haupt etwas anderes?

Sicher ist Linux frei. Na und? Die meis­ten Men­schen in mei­nem Umfeld bekom­men eine neue Win­dows­ver­si­on allein mit einem neu­en Rech­ner ins Haus, die bei­lie­gen­den OEM-Lizen­zen kos­ten sie also „nichts“. Wel­chen Vor­teil zieht der typi­sche End­nut­zer aus dem Umstand, dass sein Sys­tem frei ist, wenn ihm Quell­codes, wie meist, eini­ger­ma­ßen egal sind? Lizenz­ge­büh­ren spa­ren kann er so nicht, die hat er ja beim Rech­ner­kauf schon entrichtet.

Die Frei­heit scheint auch allein finan­zi­el­ler Natur zu sein: Aus­ge­rech­net die Open-Source-Apo­lo­ge­ten, die von ideel­ler Frei­heit über­zeugt sind oder dies zumin­dest behaup­ten, sind der Mei­nung, sie müss­ten die­je­ni­gen, die sich bewusst für ein ande­res Sys­tem ent­schie­den haben, bekeh­ren; lus­ti­ger­wei­se gehö­ren zu der Grup­pe der Pre­di­ger sogar Nut­zer von Mac OS X und iOS, die trotz der par­ti­el­len BSD-Basis geschlos­se­ne­re Sys­te­me sind als Win­dows es je sein könnte.

Der ers­te eige­ne Rech­ner ist stets der prä­gen­de. Ist dort zum Bei­spiel Fedo­ra Linux vor­in­stal­liert, so wird man spä­ter mit Win­dows ähn­li­che Pro­ble­me bekom­men wie sogar mit Ubun­tu Linux oder ande­ren Dis­tri­bu­tio­nen. Aber nicht immer ist Bedien­bar­keit das ein­zig ent­schei­den­de Kri­te­ri­um: Spie­len, Bild­be­ar­bei­tung und Video­schnitt – kurz­um: Din­ge, für die man als Heim­an­wen­der eben gern mal am Rech­ner, sei er nun mit Win­dows oder mit Mac OS aus­ge­stat­tet, sitzt – machen unter Linux kei­nen Spaß. Um Anony­mus „Tiles“ zu zitie­ren:

Klar, wenn du nichts am PC machst außer Musik zu hören und hier und da ein wenig an Con­fig­files rum­zu­fin­gern, ist Linux für dich per­fekt. Ein OS ist aber kein Selbst­zweck. Es ist die Platt­form, auf der mei­ne Soft­ware lau­fen soll. Tut es das nicht, dann brauch ich’s auch nicht.

(Tipp­feh­ler­kor­rek­tu­ren mei­ner­seits enthalten.)

Je län­ger man also einen eige­nen Com­pu­ter besitzt, des­to flüs­si­ger kann man dem eige­nen work­flow fol­gen. Man soll­te sich dar­über im Kla­ren sein, dass ein unter Win­dows erlern­ter Arbeits­ab­lauf unter jedem ande­ren Sys­tem ver­mut­lich gänz­lich weg­fällt und neu erdacht wer­den muss, was umge­kehrt natür­lich auch gilt. (Nicht jeder Auto­fah­rer kann auch ein Motor­rad bedienen.)

Eine Par­al­lel­in­stal­la­ti­on hilft zwar, hier­über zunächst weit­ge­hend gefahr­los Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, aber das par­al­lel instal­lier­te Erst­sys­tem setzt hier die Hür­de, dass man nicht gezwun­gen ist, mit dem neu­en Sys­tem zu arbei­ten. Wenn man sich immer wie­der dabei ertappt, „nur mal eben“ wie­der das Erst­sys­tem zu star­ten, ist das Zweit­sys­tem auf jeden Fall die fal­sche Wahl.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: Kei­nes­falls soll dies hier ein flam­men­des Plä­doy­er für mehr Win­dows und weni­ger Linux sein. Ich emp­feh­le nur, die Weis­heit „fass ein lau­fen­des Sys­tem nicht an“ zu beher­zi­gen. Auf Linux umzu­stei­gen, weil das jetzt alle machen, ist defi­ni­tiv der fal­sche Weg. Linux ist eine Alter­na­ti­ve und kein Ersatz, und Mac OS X, BSD, Hai­ku und Win­dows sind es auch – und kei­nes davon ist das bes­te Betriebs­sys­tem. (Ich käme zum Bei­spiel nie­mals auf die Idee, die­se Inter­net­sei­te hier unter Win­dows zu betreiben.)

Der Umstieg auf ein ande­res Sys­tem braucht vor allem viel freie Zeit, die Ein­ar­bei­tung in das neue Öko­sys­tem ist in kei­nem Fall mal eben in der Mit­tags­pau­se erle­digt. Zuvor gilt es aller­dings abzu­wä­gen, ob der enor­me Mehr­auf­wand den Mehr­wert wirk­lich recht­fer­tigt. „Win­doof ist uncool“ wird lang­fris­tig nicht genü­gen. Denn die Leid­tra­gen­den sind im Zwei­fel die, die sich mit dem gan­zen Brim­bo­ri­um auskennen.

MusikIn den Nachrichten
„Rock and Roll can never die.“

Lus­tig: Sven Rege­ner, der in sei­ner Frei­zeit zusam­men mit der „Musik„gruppe „Ele­ment of Crime“ – dass ihm der Name nicht merk­wür­dig vor­kommt, ist anzu­neh­men – so genann­te „Musik“ am Com­pu­ter zusam­men­klickt und damit anschei­nend immer noch zu viel Geld „ver­dient“, hat was zum The­ma Urhe­ber­rech­te dumm­ge­sülzt. Mein Lieblingszitat:

Das ein­zig Coo­le am Rock’n’Roll ist es, dass wir jede Mark (sic!), die wir bekom­men, sel­ber verdienen.

Noch ein paar lächer­li­che Zita­te gibt es auf netzpolitik.org, und war­um Sven Rege­ner die Zusam­men­hän­ge in „sei­ner“ Indus­trie noch nicht ver­stan­den hat, erklärt Fritz Effen­ber­ger. Zu mei­nem Lieb­lings­zi­tat konn­te ich aber nichts fin­den, was mich erschüt­tert, wes­halb ich zu all den Bei­trä­gen, die erläu­tern, war­um Sven Rege­ner ein lang­wei­li­ger Typ ist, der scheuß­li­che Musik macht, noch einen hin­zu­fü­ge, in dem ich ein­fach mal was frage:

Ist das noch Rock’n’Roll?

Dass das, was Ele­ment of Crime so fabri­zie­ren, kei­ner ist, ist, mei­ne ich, unstrit­tig. Aber stand Rock’n’Roll nicht mal für Lebens­freu­de und Frei­heits­drang statt für den Stolz auf ein leid­lich gere­gel­tes Einkommen?

Herr Rege­ner macht also (ver­meint­lich) Musik, die er eigent­lich gar nicht mag, weil er damit Geld ver­die­nen kann; und sagt dann weiter:

Die (Mark, A.d.V.) bekom­men wir von Leu­ten, die sagen “Ja, das ist mir das wert. Ich geb’ 99 Cent aus für die­ses Lied”. Das ist die Idee dabei. Das macht den Rock’n’Roll groß.

Rich­tig, denn der Rock’n’Roll basier­te schon immer auf der Geld­gier sei­ner Prot­ago­nis­ten und nicht etwa auf höhe­ren, eher geis­ti­gen Idea­len. Rock­mu­sik ent­stand als Ein­nah­me­quel­le und nicht als Akt der Rebel­li­on, und erfun­den wur­de sie vom Flie­wa­tüüt. Und des­we­gen macht Sven Rege­ner näm­lich „Musik“:

Aber es wird so getan, als wenn wir Kunst machen wür­den als exzen­tri­sches Hob­by oder so.

Ja – war­um denn dann? Aus Lei­den­schaft wohl nicht, immer­hin fin­den Sie Rock­mu­sik ja auch eher doof. Auch sonst geht Ihnen das Ver­ständ­nis von Musik­ent­wick­lung völ­lig ab:

Für die Leu­te zwi­schen 15 und 30 gibt es kei­ne ende­mi­sche Musik mehr. Die haben kei­ne eige­ne Musik mehr.

Ich schon. Und Ele­ment of Crime zählt nicht dazu. Und wis­sen Sie, wor­an das liegt? Die­ser radio­kom­pa­ti­ble Unfug ist zu belie­big, zu aus­tausch­bar. Da bleibt nichts hän­gen, womit man sich iden­ti­fi­zie­ren kann – und sogar der Front­mann ist ein Unsympath.

Den Rock’n’Roll aber, Herr Rege­ner, krie­gen nicht ein­mal Sie kaputt.

Aber kei­ne Sor­ge: Kunst wür­de Ihnen nie­mand unterstellen.

NetzfundstückePiratenpartei
Kurz ver­linkt LXXXIX: Goe­thes Erben

Heu­te vor 180 Jah­ren starb Johann Wolf­gang von Goethe.

Heu­te vor 0 Jah­ren berich­te­te „Der­Bas­tard“ über 16-jäh­ri­ge Nach­wuchs­blog­ger und zitierte:

Wir kauf­ten uns Eis & Cola, wobei Mari­ons Cola nach Pis­se schmeck­te. Nach jedem Schluck schrie sie PISSE xD. Mit dem eis schos­sen wir rum.. schö­ne Saue­rei C: ..

Was wohl die Deut­schen in 180 Jah­ren von uns hal­ten werden?


Apro­pos Idioten:

Wie Ver­tre­ter der Pira­ten­par­tei heu­te gegen 14 Uhr erfuh­ren, wies die Web­prä­senz des saar­län­di­schen Land­tags eine kri­ti­sche Sicher­heits­lü­cke auf. (…) Angeb­lich wur­de eben­so eine Datei mit Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­ten über das Betriebs­sys­tem aus­ge­le­sen. Nach den Anga­ben auf Twit­ter geht dar­aus her­vor, dass es sich um ein Betriebs­sys­tem aus dem Jahr 2003 han­delt, für das seit 2005 kei­ne Sicher­heits­up­dates mehr bereit­ge­stellt wer­de. (sic!)

Natür­lich; war­um soll­te man einen Ser­ver, der erst ein­mal pro­blem­los läuft, auch gele­gent­lich mal war­ten? Is‘ doch das gute Linux, das geht nie kaputt.

PISSE. xD

(Das war jetzt ein wenig unsachlich.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXXXVIII: Tobi­as Eggen­dor­fers Inkonsequenz

Dada Dudu Didi wies heu­te auf den vor weni­gen Tagen gehal­te­nen Vor­trag „Plei­ten – Pech – Pan­nen: die Geschich­te des Com­pu­ters“ hin, auf dem unter ande­rem fol­gen­des gespro­chen wurde:

Viren, Wür­mer und Trojaner…wer hat die heut­zu­ta­ge nicht auf sei­nem Rech­ner? Ok, zwei, drei Linux­nut­zer sind am Stand. Das ist ganz positiv.

Dass der Vor­tra­gen­de „Prof. Dr.“ Tobi­as Eggen­dor­fer bei der Hoch­schu­le der Poli­zei in Ham­burg und somit im Umfeld derer, die in staat­li­chem Auf­trag dafür sor­gen, dass Leu­te „Viren, Wür­mer und Tro­ja­ner“ auf ihrem Rech­ner haben, „arbei­tet“, ist durch­aus inter­es­san­tes Hintergrundwissen.

Noch inter­es­san­ter wird es im Detail: Der Vor­trag wur­de unter ande­rem „prä­sen­tiert“ von der Linux Foun­da­ti­on, und wie von Micro­soft bezahl­te Stu­di­en Linux gern ein­mal nicht als son­der­lich über­ra­gend dar­stel­len, so ist natür­lich auch die­ser Vor­trag vor allem ein­sei­tig und zielt dar­auf ab, die Auf­trag­ge­ber mög­lichst gut daste­hen zu lassen.

Eini­ge der wäh­rend des Vor­tra­ges gezeig­ten Foli­en etwa the­ma­ti­sie­ren ver­schie­de­ne Puf­fer­über­läu­fe in Win­dows-Sys­tem­diens­ten, die zu mas­sen­haf­ter Ver­brei­tung von Schad­soft­ware führ­ten. Dass Herr Eggen­dor­fer nur am Ran­de dar­auf ein­geht, dass auch Linux­diens­te häu­fi­ger ein­mal drin­gend kor­ri­giert wer­den müs­sen, ist nur wenig erstaun­lich. (Zum The­ma „siche­res Linux“ ließ ich mich bereits an ande­rer Stel­le aus­führ­lich aus.)

Ich hof­fe jedoch, mei­nen Lesern ent­geht nicht das ent­schei­den­de Detail: Das Prä­sen­ta­ti­ons­ge­rät ist ein Apple-Lap­top. Apple ist die Fir­ma, die ein Betriebs­sys­tem zum Lebens­stil erho­ben hat, gegen das Win­dows Vis­ta und Win­dows 7 wah­re Boll­wer­ke sind. Jetzt kann es natür­lich sein, dass auf die­sem Apple-Lap­top anstel­le des vor­in­stal­lier­ten Mac OS X Win­dows oder viel­leicht auch Linux oder BSD (wobei ich das bezweif­le) ver­wen­det wer­den, aber war­um wird dann über­haupt ein Apple-Lap­top verwendet?

War wahr­schein­lich gera­de billig.

PolitikIn den Nachrichten
Ein Sieg über die Demokratie

Wenn’s mit der Poli­tik mal nicht mehr klappt, kann die Bun­des­kanz­le­rin immer noch im Kaba­rett reüs­sie­ren. Als die Bun­des­ver­samm­lung näm­lich ges­tern über­ra­schen­der­wei­se unter Aus­schluss des Vol­kes den von CDU, CSU, den Grü­nen, der SPD und der F.D.P., die mal wie­der an allem schuld ist, gemein­sam gestütz­ten – ja, das Alter – Joa­chim Gauck zum Bun­des­prä­si­den­ten gewählt hat­te, nann­te sie das nicht etwa eine Far­ce, eine Unver­schämt­heit, oder einen Kom­pro­miss, für den sich alle Betei­lig­ten fort­an schä­men soll­ten, son­dern qua­si einen Sieg der Demo­kra­tie bezie­hungs­wei­se:

Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) hat nach der Wahl von Joa­chim Gauck zum neu­en Bun­des­prä­si­den­ten vom einem guten Tag für die Demo­kra­tie gesprochen.

Demo­kra­tie – man weiß es – bedeu­tet unge­fähr „Volks­herr­schaft“ und ist nicht deckungs­gleich mit der Olig­ar­chie („Herr­schaft der Weni­gen“). Ande­rer­seits war der ers­te Wahl­sieg der NSDAP damals ja auch nach recht­li­chen Maß­stä­ben demokratisch.

Wo es Sie­ger gibt, gibt es immer auch Ver­lie­rer. Wenn also in die­sem Fall die Demo­kra­tie gewon­nen hat, so ist der Ver­lie­rer zwei­fels­oh­ne das Volk, des­sen Wil­le es nach­weis­lich nicht ist, dass die Null-Pro­zent-Par­tei F.D.P. ihm einen der sonst doch eher wenig belieb­ten Neu­en Rech­ten als Staats­ober­haupt beschert. – „Wah­len“ wie die­se haben indes Tra­di­ti­on, im Hei­mat­land von Ange­la Mer­kel und Joa­chim Gauck waren die Wahl­er­geb­nis­se ja oft ähn­lich vorhersehbar.

Die Demo­kra­tie jeden­falls hat „gewon­nen“, sie bekommt eine ange­mes­se­ne Abfin­dung und darf in Ren­te gehen. Jetzt gel­ten hier ande­re Regeln – wie damals, als der 1940 gebo­re­ne Joa­chim Gauck noch jung war.

Apro­pos Ren­te: 2010 sag­te er im Alter von 70 Jah­ren gegen­über der „BILD am Sonn­tag“, es gebe „vie­le gute Grün­de“ für eine Ren­te mit 67 Jah­ren. So recht über­zeugt hat ihn das wohl selbst nicht.

Montagsmusik
Cult of Youth – Eihwaz

Ei, was? Mit Post-Punk kann ich nor­ma­ler­wei­se nur wenig anfan­gen, das Gen­re eifert zu sehr Ido­len aus den 80-er Jah­ren nach – und was musi­ka­lisch von jenem Jahr­zehnt zu hal­ten ist, soll­te fast jeder Musik­freund ähn­lich beurteilen.

War­um mir die Brook­ly­ner Post-Punk-Grup­pe Cult of Youth, deren neu­es­tes Album von immer­hin 2011 stammt, trotz­dem ziem­lich gut gefällt, weiß ich nicht. Viel­leicht ist es die bedroh­lich-aggres­si­ve Stim­mung, die ihre Musik ver­brei­tet, viel­leicht ist es die merk­wür­di­ge Gei­gen­be­glei­tung, die ande­re groß­ar­ti­ge Musik­grup­pen wie Muta­bor in klang­li­che Nähe rücken; in posi­ti­vem Sin­ne bemer­kens­wert ist das Resul­tat in jedem Fall:

(Anders­wo ist von „Neo­folk“ die Rede, und das gefällt mir schon deut­lich besser.)

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Ihre Email-Won 915.810,00

Oh, ein Schreib­feh­ler – aus Email ist viel­leicht die Umman­te­lung eines Woks, aber nicht die eines Wons. – Oder han­delt es sich um 915.810,00 Won? Wenn ja: Was genau hat Email damit zu tun, was habe vor allem ich als Nicht­ko­rea­ner damit zu tun?

„Dr. Maria Gon­za­lez Dri­go“ von der „Lote­ria Nacio­nal“ jeden­falls teilt mir unter obi­gem Sujet fol­gen­des mit:

Fin­den Sie Ihre Infor­ma­tio­nen zu gewin­nen, in der Anla­ge im pdf-Format
Mit freund­li­chen GrьЯen
Dr. Maria Gon­za­lez Drigo

Ah – ich kann 915.810,00 Won (aus Email) gewin­nen. Pri­ma und sehr nütz­lich! Dann schau‘ ich mir die Anla­ge doch mal an.

So eine Art „Brief“ mit ziem­lich pixeli­gen Gra­fi­ken öff­net sich, aus dem ich dann mal zitiere:

NOTARISCHE GEWINNBENACHRICHTIGUNG

Statt nota­ri­el­ler Benach­rich­ti­gun­gen – dazu bedürf­te es eines oder meh­re­rer Nota­re – wer­de ich noto­risch benach­rich­tigt, das ist mal was neu­es. Und zwar hierüber:

Wir sind erfreut, Sie zu infor­mie­ren, das Sie ein gluck­li­cher Gewin­ner vom inter­na­tio­na­lem Euro Mil­li­on Spiel­pro­gramms sind, das am 02/03/2012, abge­hal­ten wurde.

Ja, wie, Euro? Doch kei­ne Won? Das ent­täuscht mich jetzt schon ein wenig, gluck­lich bin ich noch nicht. Viel­leicht ändert sich das noch?
Die Benach­rich­ti­ger jeden­falls sind auf jeden Fall gluck­lich, behaup­ten sie:

Wir Sind sehr gluck­lich Sie ALS einen der Gewin­ner zu benach­rich­ti­gen das Ihr Name mit der Kar­ten­se­ri­en­num­mer uber­ein­stimm­te: 934–03650116-211 und die Stempf­el­zahl: 71225–0 gekauft durch Ihren Bear­bei­tungs­agen­ten von den Kos­ten von zwei Euro, hat folg­lich den Preis in der 2. Kate­go­rie mit den Gewinn­zah­len: 14–18-32–40-46+06:07.gewon­nen Wir Ent­schul­di­gun­gen für die spä­te benach­rich­ti­gung, da es zu Ver­wechs­lun­gen von Namen und Adres­sen kam..

Ich Bin sehr ent­rus­tet das MEIN Name angeb­lich 934–03650116-211 lau­tet – da wäre mir C‑3PO noch lie­ber. Ver­bockt hat das aber anschei­nend mein Bear­bei­tungs­agent, der zwei Euro gekos­tet hat und mir eine Stempf­el­zahl auf den fal­schen Namen hat ein­tra­gen las­sen. Ich hof­fe, ich muss beim Abho­len mei­nes Woks nicht mei­nen Aus­weis vor­zei­gen, sonst kom­me ich in Erklä­rungs­not. (Dass man mich ver­wech­selt hat, ist aber jetzt kei­ne gro­ße Über­ra­schung mehr. Ich wüss­te aber gern, mit wem; mit Frau 27470 viel­leicht, die immer im Super­markt als mei­ne Kas­sie­re­rin auf den Kas­sen­zet­teln steht?)

Halt, Moment, irgend­wie kommt mir das bekannt vor. Tat­säch­lich – es ist die glei­che Lot­te­rie, bei der ich schon im Novem­ber etwas gewon­nen habe, nur der Sach­be­ar­bei­ter ist ein ande­rer, eben­so das Trans­fer­in­sti­tut und die Fax­num­mer des Bear­bei­tungs­agen­ten. Mist – wird wohl wie­der nichts mit mei­nem Millionengewinn.

Kön­nen die von der Lote­ria Nacio­nal nicht end­lich mal einen Brief­kas­ten kaufen?

Netzfundstücke
Struk­tur­wan­del: Chris­toph Kap­pes hat sich im seman­ti­schen Web verlaufen

Und dann ist da noch Chris­toph Kap­pes, Geschäfts­füh­rer der mir völ­lig unbe­kann­ten Gesell­schaft „Fruc­tus“, die wahr­schein­lich irgend­was mit Obst macht, der aber trotz­dem in der Enquete-Kom­mis­si­on „Inter­net und digi­ta­le Gesell­schaft“ des Deut­schen Bun­des­ta­ges her­um­sitzt und also bestrebt ist, der Bun­des­re­gie­rung das Inter­net mal so rich­tig durch­zu­er­klä­ren. Was ihn zu einem Sach­ver­stän­di­gen macht, wüss­te ich nur all­zu gern, aber Die­ter Gor­ny, Grün­der von Viva, gehört der Kom­mis­si­on ja eben­falls an, was die Mess­lat­te schon recht nied­rig legt.

Die­ser Chris­toph Kap­pes nun hat ges­tern was gebloggt, näm­lich eine aus­führ­li­che Stel­lung­nah­me als Ant­wort auf Fra­gen zum The­ma „Struk­tur­wan­del der poli­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on und Par­ti­zi­pa­ti­on“, also inwie­fern das Inter­net poli­ti­sche Schwer­punk­te und Inter­es­sen in und aus der Gesell­schaft beein­flusst und/oder anders­her­um, und ich möch­te die Poin­te schon mal vorwegnehmen:

Ich bin sehr gespannt, ob man mich für einen Spin­ner hält.

Ja. ‘Struk­tur­wan­del: Chris­toph Kap­pes hat sich im seman­ti­schen Web ver­lau­fen’ weiterlesen »

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXVII: Rechts­frei­er Raum. (Die unend­li­che Geschichte.)

Twit­ter mach­te mich soeben dar­auf auf­merk­sam, dass wie­der mal der „rechts­freie Raum Inter­net“ „wirk­sam“ „bekämpft“ wer­den soll:

Für Deutsch­land schlägt die Stu­die den­noch ein “vor­ge­richt­li­ches Mit­wir­kungs­mo­dell” vor, das aus einem zwei­stu­fi­gen Warn­hin­weis­sys­tem besteht. Der Pro­vi­der soll einen Inter­net­nut­zer war­nen, wenn er mut­maß­lich ille­ga­les Mate­ri­al ver­wen­det hat.

Ich mag die deut­sche Spra­che auch, weil ihre Pro­no­mi­na so fle­xi­bel sind.
„Lie­ber Inter­net­nut­zer, wir haben mut­maß­lich ille­ga­les Mate­ri­al ver­wen­det. Mit freund­li­chen Grü­ßen, Ihr Provider.“

Dass sogar der – lei­der immer noch an Face­book gebun­de­ne und somit nicht emp­feh­lens­wer­te – Strea­ming­dienst Spo­ti­fy hier­zu­lan­de in Zusam­men­ar­beit mit der Musik­in­dus­trie betrie­ben wer­den kann, ohne, dass sie sich über die des­halb aus­blei­ben­den CD-Ver­käu­fe beschwe­ren wür­de, wer­te­te ich als Zei­chen der Ein­sicht. Schade.