Sonstiges
Heinz grillt nie allein.

Einen beden­klichen Fall von akuter Sprachver­wirrung nahm ich heute in einem der Lebens­mit­telgeschäfte mein­er Wahl wahr. Zwis­chen aller­lei nor­malen Grill­saucen näm­lich ent­deck­te ich auch zwei Sorten der Marke Heinz, die das diesjährige Pro­le­tenduo Grill­sai­son und Fußball-EM (zu deren Boykott ich aus aller­lei poli­tis­chen Grün­den rate und mit gutem Beispiel vor­ange­he; Details sind den Nachricht­en zu ent­nehmen) the­ma­tisieren. Eine von ihnen heißt (dämlicher‑, nicht aber falscher­weise) “Elfme­ter für Würstchen”, die andere “You’ll nev­er grill alone”.

Klar: Hier wird Bezug genom­men auf das meist grölend vor­ge­tra­gene ehe­mals Broad­way- und nun Fußbal­l­lied­chen “You’ll Nev­er Walk Alone”, “Du gehst nie allein”. Aber “grillen” heißt doch im Englis­chen irgend­was mit “bar­be­cue”? Stimmt, “grillen” (etwas auf dem Rost erhitzen) heißt “to bar­be­cue”, im US-Amerikanis­chen auch “to broil”.

Indes: Ana­log zum grill, dem Grill­rost, existiert auch “to grill”. Das Wörter­buch — je nach Wörter­buch — über­set­zt es mit “jeman­den exam­inieren”, “jeman­dem auf den Zahn fühlen”, “jeman­den in die Man­gel nehmen” und, als umgangssprach­liche Kurz­form für “to cook some­thing under the grill” und somit eigentlich kaum rel­e­vant, “etwas unter den Grill­rost leg­en”, und Holzkohle mit Sauce schmeckt ver­mut­lich nicht mal den US-Amerikan­ern.

Grill­sauce ist im Englis­chen bekan­nter­maßen (da vielfach in hiesi­gen Läden zu sehen) “bar­be­cue sauce” oder schlimm­sten­falls “BBQ sauce”, aber eben keine “grill sauce”.

“You’ll nev­er grill alone”, “du wirst nie allein exam­inieren”. Wohl bekomm’s.

NetzfundstückePiratenpartei
Das Niveau des Christian Sickendieck

(Vorbe­merkung: Zur Verdeut­lichung der ver­queren Welt­sicht des vor­beze­ich­neten “Blog­gers” ist es dies­mal lei­der unver­mei­dlich, auf einige sein­er Artikel direkt zu ver­weisen. Ich bitte um Nach­sicht.)

Noch 2009 veröf­fentlichte Het­zblog­ger Chris­t­ian Sick­endieck unter dem lusti­gen Titel “Sen­sa­tion: Neues Logo der Piraten­partei geleakt” eine Reichs­flagge mit Piratensegel als “Satire”. All­ge­mein fand er es zeitweilig ziem­lich spaßig, die lib­er­al-soziale Piraten­partei mit NSDAP-Assozi­a­tio­nen zu bele­gen: Und alle so: “Heil”, ja, da lacht der Demokrat. Am 4. Okto­ber 2009, nur wenige Tage, nach­dem er der Piraten­partei einen über­schrit­te­nen Zen­it attestiert hat­te, fand er es erneut satire­tauglich, dümm­liche Neon­azis als typ­is­che Pirat­en darzustellen.

Als die Diskus­sion um Bodo Thiesen allmäh­lich abzu­flachen begann, war das noch kein Grund für Chris­t­ian Sick­endieck, seine pop­ulis­tis­chen Het­zthe­sen ein wenig zurück­z­u­fahren. Im Mai 2010 nan­nte er die Piraten­partei einen bösar­ti­gen Kinder­garten und blies im Novem­ber des­sel­ben Jahres zum Abge­sang: “Die Piraten­partei liegt am Boden”.

Irgendw­er scheint ihm aber in der Fol­gezeit einen kräfti­gen Schlag auf den Schädel ver­passt zu haben, denn danach kam eine Weile gar nichts mehr — und im Sep­tem­ber 2011, nach dem “sen­sa­tionellen Erfolg” (Chr. Sick­endieck) des Berlin­er Lan­desver­ban­des der Piraten­partei, lob­hudelte er:

Mit dem Berlin­er Lan­desver­band der Pirat­en gab es endlich wieder eine links-lib­erale Alter­na­tive, keine Protest­partei, son­dern eine real­is­tis­che Alter­na­tive für junge, poli­tisch inter­essierte und gebildete Men­schen.

Gestern schrieb der­selbe Chris­t­ian Sick­endieck, der 2009 lustige Nazisatiren über die Piraten­partei für so tre­f­fend hielt, dass er keinen Wider­spruch als Kom­men­tar duldete, unter der Über­schrift “Das Niveau des Vizekan­zlers”:

Wenn er aber im sel­ben Satz zu den Pirat­en vor Soma­lia schwenkt um dann abzuschließen, Pirat­en seien nicht sym­pa­thisch, dann ist dies nicht nur ein demokratis­ches Foul, son­dern eine Unge­heuer­lichkeit. Rösler ver­gle­icht die Piraten­partei Deutsch­land mit Mördern und denkt dabei, er wäre witzig. Das ist das Niveau der FDP im Jahr 2012. (…) Es scheint, als sei Philipp Rösler charak­ter­lich nicht im Ansatz befähigt, den Lib­eralen vorzuste­hen, noch viel weniger unser Land als Regierungsmit­glied zu vertreten.

Was das über Chris­t­ian Sick­endieck aus­sagt? Nun, es scheint, als sei Chris­t­ian Sick­endieck charak­ter­lich nicht im Ansatz befähigt, ein poli­tis­ches Blog zu führen, noch viel weniger unser Land als Wäh­ler zu vertreten.

Er hat sich­er nur die Pointe nicht ver­standen.


Bonuswitz: Die Pirat­en sind eine gefährliche Partei. Sie bedro­hen das einge­spielte poli­tis­che Sys­tem. (Frank­furter Rund­schau, nicht Chris­t­ian Sick­endieck.)

In den Nachrichten
Die radikale Verjüngungskur des ZDF

Das ZDF reagiert auf die bestürzen­den Mel­dun­gen vom Rück­gang der Zuschauerzahlen jeglich­er inter­net­fern­er Medi­en nicht etwa mit Flüchen und Schuldzuweisun­gen an die Piraten­partei, wie es zurzeit Usus ist, son­dern mit tief­sin­nigem Humor. Man wolle sich dort näm­lich nun­mehr ver­stärkt mit Jugen­dar­beit befassen, schrieb Susanne Klingn­er von der anson­sten unsäglichen “taz” heute.

Wie diese Jugen­dar­beit im Detail ausse­hen soll? Nun, Inten­dant Thomas Bel­lut hat große, fast schon wah­n­witzige Pläne:

Bis 2014 will der neue ZDF-Inten­dant Thomas Bel­lut das Durch­schnittsalter der Zuschauer von 61 auf 60 Jahre senken.

Ui!

Nach­dem Thomas Gottschalk (61, bald 62) das ZDF-Pro­gramm in abse­hbar­er Zeit “vor­erst” ver­lässt, ist die halbe Strecke schon geschafft. Zwei Fra­gen drän­gen sich mir aber auf:

  1. Wie?
    Spekuliert Thomas Bel­lut darauf, dass Zuschauer über 60 Jahren nach und nach weg­ster­ben? Da kön­nte er Glück haben. Vielle­icht ist das ein Grund dafür, dass das ZDF-Pro­gramm in der Regel ster­benslang­weilig ist. Oder will man kün­ftig einen neuen Werbe­spruch führen — “mit den Zweit­en kaut man bess­er”? (“Sie sind zu alt für das ZDF!” ist übri­gens auch ein­er dieser Sätze, von denen ich nie ver­mutet hätte, dass sie jemals fall­en wür­den. Worüber soll man sich denn jet­zt noch lustig machen?)
  2. Warum?
    Ist man mit 60 Jahren ein besser­er Zuschauer als ein Jahr später? Und: Braucht Deutsch­land einen weit­eren Jugend­sender?

Ich wün­sche Thomas Bel­lut unab­hängig davon, ob ich auf diese Fra­gen jemals eine Antwort erhal­ten werde, viel schnellen Erfolg: In vier Jahren ist er zu alt für seinen Sender, er sollte sich also ein biss­chen beeilen.

(via @chriszim)

Montagsmusik
Graham Coxon — City Hall

Zu den eige­nar­tig­sten Musikalben dieses Jahres, die ich bish­er gehört habe, zählt “A+E”, ein Nois­e­rock-Soloal­bum des Blur-Gitar­ris­ten Gra­ham Cox­on und trotz­dem nicht übel.

“Nois­e­rock” ist beina­he unter­trieben:

Zwar ste­ht der rauhe Open­er “Advice” noch in der Tra­di­tion ordentlich­er Cox­on-Granat­en, doch schon hier fiepst und rumpelt es ordentlich im Hin­ter­grund.

Den­noch bere­it­et es einen kaum auf das darauf­fol­gende “City Hall” vor, ein monot­on wabern­des, mit stur pro­gram­miertem Drum­com­put­er nach vorne peitschen­des Exper­i­ment, gegen das jed­er Neu!-Song als lupen­reine Pop­num­mer durchge­ht.

Eige­nar­tig — aber grandios.

Guten Mor­gen.

MusikNetzfundstückeNerdkrams
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nach­dem die GEMA YouTube mal wieder erfol­gre­ich dazu brin­gen kon­nte, noch mehr Inhalte als bis­lang zu fil­tern (“rechts­freier Raum”?), ste­hen Musik­fre­unde, die sich nicht dazu durchrin­gen kön­nen, sich einen guten Proxy einzuricht­en, schon wieder vor der Frage: Wohin jet­zt?

Wo man Musikalben strea­men kann, ist kein Geheim­nis mehr: Groove­shark, sim­fy, Rdio und — wahrschein­lich noch 2012 — WiMP sind nur vier der Dien­ste, bei denen man mehr Musik hören kann als man über­haupt Zeit dafür find­et. (Dass all dies kein Ersatz für einen wom­öglich hüb­schen Ton­träger ist, bedarf, nehme ich an, kein­er geson­derten Erläuterung.)

Was diesen Dien­sten jedoch meist fehlt, ist eine brauch­bare Wieder­ga­belis­ten­ver­wal­tung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst music­playr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor ein­er Weile auf schallgrenzen.de gefun­den habe und der Lieder von zahlre­ichen Quellen — zurzeit YouTube, Vimeo, Dai­ly­mo­tion, Sound­cloud und diverse Musik­blogs — in beliebig vie­len Wieder­ga­belis­ten organ­isieren kann. Was an Liedern nir­gends im Inter­net gefun­den wer­den kann, kann auch ein­fach — wie bei Groove­shark — hochge­laden wer­den, ist allerd­ings dann zwar in der eige­nen Wieder­ga­beliste für jeden sicht‑, jedoch aus rechtlichen Grün­den nicht ver­füg­bar. Lieder, die man selb­st hochlädt, kann man auch nur selb­st hören.

music­playr ist also bezüglich sein­er Aus­rich­tung irgend­wo zwis­chen lokaler Wieder­ga­beliste und Groove­shark anzusiedeln. Vide­o­funk­tion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. (Nach­trag: Vide­o­funk­tion ist doch, mein Fehler.) Alles dreht sich um die Lis­ten. Ich zitiere dreist:

Es kön­nen öffentliche Lis­ten gead­det und Songs kom­men­tiert und bew­ertet wer­den. Das Zusam­men­stellen von Lis­ten ist kinder­le­icht, die Rei­hen­folge der Songs kann jed­erzeit geän­dert wer­den. Alle Songs kön­nen direkt über den inte­gri­erten Play­er inklu­sive Video abge­spielt wer­den. Seine Playlis­ten kann man mit eini­gen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennze­ich­nen. Nutzer fol­gen so einan­der und ent­deck­en neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der “geschlosse­nen” Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Ein­ladung komm­stu nisch rein. Ein­ladun­gen kann jedoch jed­er angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selb­st momen­tan 18.

Bei Inter­esse also ein­fach einen Senf hin­ter­lassen.


Nach­trag vom 22. Okto­ber 2012: musicplayr.com ist nun nicht mehr nur nach Ein­ladung zugänglich. Also here­inspaziert!

Fotografie
Jetzt mit Vollkorn.

Um dem gestiege­nen Gesund­heits­be­wusst­sein der Bürg­er ent­ge­gen­zukom­men, beschloss man im Hause Sin­nack Back­spezial­itäten, die Pro­duk­t­palette der Vol­lko­rn­back­waren um eine Zutat zu bere­ich­ern.

(Mit Dank an L.!)

NetzfundstückePiratenpartei
Schmalhans des Tages: Dr. Wolfgang Herles, ZDF (ehemals JU).

Dieser Artikel ist Teil 4 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Bald sind schon wieder irgend­wo Wahlen, und das CDU-geführte ZDF ist davon so über­rascht, dass es nicht mal Zeit hat­te, kurz die Wikipedia zu kon­sul­tieren.

“Dr.” Wolf­gang Her­les, Leit­er der Redak­tion Lit­er­atur und Mod­er­a­tor der Sendung “Das Blaue Sofa” und somit natür­lich prädes­tiniert, kluge Dinge über pro­gres­sive Poli­tik zu schreiben (Büch­er und Blogs haben ja alle was mit Text zu tun), sen­fte also in das ZDF-Blog hinein:

Shit­storms, der frei­wilige (sic!) Verzicht auf Pri­vat­sphäre und Dauer­schnat­tern im Netz, sind neuere Erschei­n­un­gen der Massenkul­tur, doch keine demokratis­che Errun­gen­schaft, auf der sich eine richtige Partei grün­den ließe.

Der erste Satz wäre nur ohne das Kom­ma nach “Netz” wenig­stens teil­weise richtig und wahrschein­lich bess­er ver­ständlich, also denkt es euch weg. Ja, “neuere Erschei­n­un­gen” als das Chris­ten­tum sind genan­nte Punk­te, aber ich nehme an, was ein Mail­boxnetz ist und dass solche vor Jahrzehn­ten schon diese “neueren Erschei­n­un­gen” aufwiesen, weiß Dr. Wolf­gang Her­les nicht — “Inter­net ist das mit dem blauen e”, Diskus­sion been­det. Aber er hat Recht: Shit­storms sind keine geeignete Basis für eine Partei. Was jedoch will er damit sagen?

Ach, um die Pirat­en geht’s, und die mag er gar nicht:

Für mich sind sie schon deshalb unwählbar, weil sie geistiges Eigen­tum enteignen, verge­sellschaften wollen. In diesem Punkt halte ich sie für ver­fas­sungswidrig.

Sie wollen was? Wenn ich jeman­den “enteigne”, nehme ich ihm sein Eigen­tum; wenn ich also “geistiges Eigen­tum” (bess­er: geistige Monopol­rechte) enteigne, hat das “geistige Eigen­tum” kein Eigen­tum mehr? Watis? Nein, darum geht es der Piraten­partei bekan­ntlich nicht, son­dern es geht ihr darum, dass die Urhe­ber von ihren Werken bess­er leben kön­nen als die Rechtev­er­w­ert­er, die zu ihnen ja in der Regel eher wenig beitra­gen.

“Ver­fas­sungswidrig” waren übri­gens laut Bun­desver­fas­sungs­gericht so manche Geset­ze, die eine ganz andere Partei in den ver­gan­genen Jahren zu erlassen ver­sucht hat; in ihrer Jugen­dor­gan­i­sa­tion, der “Jun­gen Union”, war früher auch ein gewiss­er Wolf­gang Her­les Mit­glied. Immer­hin: Mit Ver­fas­sungswidrigkeit­en ken­nt er sich bestens aus.

Lei­der schreibt er stattdessen etwas zu The­men, die nur eines gerin­gen Rechercheaufwands bedurft hät­ten:

Eine außer­par­la­men­tarische Protest­be­we­gung ist bei den Pirat­en nicht zu erken­nen, trotz­dem sind sie bere­its eine Partei. Sie sind eher von Tech­nik besessen als von Ideen.

Für Wolf­gang Her­les sind der Arbeit­skreis gegen Inter­net-Sper­ren und Zen­sur, der Chaos Com­put­er Club, der c‑base e.V., in dessen Räum­lichkeit­en die Piraten­partei Deutsch­land gegrün­det wurde, und The Pirate Bay, Keimzelle der ersten Piraten­partei in Schwe­den, also nicht zu erken­nen. Vielle­icht hil­ft Bril­len­putzen.

Wolf­gang Her­les, geistig enteigneter Blog­ger beim ZDF: Auch eine Art von Kar­riere.

In den Nachrichten
“Natürlich hat das nichts damit zu tun.”

Ach, “WELT ONLINE”, etwas mehr Sorgfalt würde euch manch­mal gut tun:

Der nor­wegis­che Massen­mörder Anders Behring Breivik hat zu Beginn des vierten Prozesstages zum ersten Mal auf seinen recht­sex­tremen Gruß mit aus­gestreck­tem rechtem Arm und geball­ter Faust verzichtet.

Merk­würdig; so weit ich mich entsinne, bedeutet die geballte Faust am aus­gestreck­ten Arm nicht etwa “Scheißju­den”, son­dern ist ein Zeichen der Bürg­er­rechts­be­we­gung der Afroamerikan­er in den USA, aber auf aus­gestreck­te Arme reagiert man in der Jour­naille eben immer ein wenig aller­gisch. Aber darum soll es ger­ade mal nicht gehen. Der Pro­tag­o­nist bleibt jedoch der­selbe.

Anders Behring Breivik, seines Zeichens offen­bar fanatis­ch­er Mörder divers­er Per­so­n­en in Nor­we­gen, sollte man eigentlich wegsper­ren, heißt es. Nun stellte sich her­aus, dass er gar nichts dafür kann:

Er gab an, sich vor den Anschlä­gen ein ganzes Jahr freigenom­men zu haben, um das Com­put­er­spiel “World of War­craft” zu spie­len. Er habe im Schnitt 16 Stun­den am Tag vor dem Com­put­er gesessen.

Wir fol­gern: Ver­bi­etet Com­put­er! Da kann er sich her­ausre­den, wie er will:

“Das war aber reine Unter­hal­tung, ein Hob­by, und hat­te nichts mit dem 22. Juli zu tun”, betonte er. Für seinen Anschlag habe er mit echt­en Waf­fen trainiert. Er sei mehrmals beim Schieß­train­ing eines Vere­ins gewe­sen.

Denn wenn man ein­mal abwägt, ob ein Third-Per­son-MMORPG, in dem es im Wesentlichen darum geht, Fan­tasiefig­uren plattzuza­ubern, oder ein Schützen­vere­in, in dem man pro­fes­sionell mit Din­gen hantiert, die “bumm” und bei Bedarf auch tot machen, nun den schädlicheren Ein­fluss auf eine offen­bar nicht unbe­d­ingt gesellschafts­fre­undliche Per­son ausübt, fällt die Entschei­dung nicht schw­er.

Denn wenn man vorhat, ein paar Leute über den Haufen zu schießen, sollte man stets berück­sichti­gen, dass man einen Ruf zu ver­lieren hat:

Auf das Com­put­er­spiel-Hob­by habe seine Umge­bung mit Entset­zen und Schock reagiert. “Ich kon­nte ihnen ja nicht sagen, dass ich ein freies Jahr nehme, weil ich mich fünf Jahre später in die Luft spren­gen wollte.”

“Also das mit dem Leutemet­zeln ist ja in Ord­nung, aber World of War­craft? Der Junge braucht drin­gend einen Psy­chi­ater!”

Nein, natür­lich hat das nichts damit zu tun.
Ausre­den, alles Ausre­den!

(Mit Dank an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt XCVII: Wirtschaftsmächte mit Erfahrung

Also damit kon­nte wirk­lich — im Wortsinne — nie­mand rech­nen:

Das krisen­ge­plagte Ital­ien bekommt seine Schulden nicht in den Griff.

Zum Glück hat Ital­ien inzwis­chen einen erfahre­nen Min­is­ter­präsi­den­ten, der weiß, wie man mit Finanzkrisen umge­ht, immer­hin ist das nicht seine erste:

Er ist inter­na­tionaler Berater bei Gold­man Sachs und Coca-Cola.

Und als Berater von Gold­man Sachs “weiß” man: Will man die reichen Bürg­er vor der Pleite bewahren, muss man zunächst die Banken fördern.

Die Banken in Spanien und Ital­ien müssen sich immer mehr Geld bei den europäis­chen Noten­banken lei­hen, um ihre angeschla­ge­nen Volk­swirtschaften mit Kred­iten zu ver­sor­gen. (…) Laut Ifo stiegen die Schulden der ital­ienis­chen Noten­bank von Jan­u­ar bis März dem­nach um 79 Mil­liar­den Euro, allein 76 Mil­liar­den Euro davon ent­fie­len auf den März.

Wir sind gerettet!

Und damit wir nicht den Glauben daran ver­lieren, hielt die Deutsche Botschaft in Wurstschinken Wash­ing­ton es für rel­e­vant, aus­gewählte US-Amerikan­er danach zu fra­gen, wie sie Deutsch­lands Rolle in Europa ein­schätzen. Das Urteil fällt pos­i­tiv aus:

Sowohl inter­na­tion­al als auch in der Euro-Krise spie­len die Deutschen in den Augen der US-Bürg­er eine wichtigere Rolle als noch vor weni­gen Jahren.

Denn das ist zurzeit natür­lich das, was uns die größte Sorge bere­it­et: Was hal­ten die Amerikan­er von uns?
Und selb­stver­ständlich hat das nichts damit zu tun, dass es um die Wirtschaft der USA nicht zum Besten bestellt ist. Die wollen nur unser Bestes.

Unser Geld.

Fotografie
Kreatives Parken

Es ist eine ziem­lich dumme Idee, sein Fahrzeug aus Bequem­lichkeits­grün­den auf einem pri­vat­en Park­platz abzustellen, der oben­drein als für eine Führungskraft reserviert gekennze­ich­net ist.

Mit etwas Glück wird man auf diesen Fehltritt lediglich fre­undlich hingewiesen, im Nor­mal­fall abgeschleppt. Mit etwas Pech allerd­ings ist der Besitzer des Park­platzes nicht nur darauf aus, sein Recht gel­tend zu machen, son­dern oben­drein mit Kreativ­ität und Humor geseg­net (scheußlich­es Wort!).

Denn dann kann es passieren, dass er sich rächt.

Montagsmusik
Extra Life — Voluptuous Life

Nicht unbe­d­ingt begeis­tert bin ich von dem neuesten Album von Extra Life namens “Dream Seeds”, gegenüber dem Vorgänger “Made Flesh” weiß es mich nicht so recht zu überzeu­gen; wohl auch, weil auf let­zterem das als Stu­dio- …

Extra Life — Volup­tuous Life

… wie als Livev­er­sion …

Extra Life — Volup­tuous Life (live)

… her­vor­ra­gende “Volup­tuous Life” enthal­ten ist.

Und über­haupt: Die Texte.

Too much life, too much life,
so much life that we die

Ach.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Experten: “Erde keine Scheibe”

Ich weiß nicht, was mich als einen Inter­ne­t­ex­perten (ich besitze mehrere E‑Mail-Adressen und bin somit ver­mut­lich sog­ar deut­lich überqual­i­fiziert) daran eigentlich am meis­ten erschüt­tert:

Exper­tin: Inter­net ist nicht Aus­lös­er für junge Amok­läufer

Wahrschein­lich die Über­schrift.

(Bonus­pointe: Die benan­nte “Exper­tin” ist laut heise.de übri­gens Medi­en­wis­senschaft­lerin Sabine Jörk. Klar­er Fall: Nie­mand ist bess­er dafür geeignet, die Beweg­gründe jugendlich­er Amok­läufer zu ergrün­den, als eine Medi­en­wis­senschaft­lerin.)

In den Nachrichten
Nazigurken

Der totale Krieg gegen Rechts geht weit­er: Während sich Mit­glieder der Piraten­partei Nieder­sach­sen, ange­feuert von sen­sa­tion­slüster­nen Blog­gern, inzwis­chen wochen­lang gegen­seit­ig vor­w­er­fen, aus den jew­eils falschen Grün­den (“Kampf gegen Rechts” bzw. eben “Pro­pa­gan­da für Rechts”) in der Piraten­partei zu sein, ist man auf dem Land schon einen Schritt weit­er. Die näch­ste Ent­naz­i­fizierung muss nicht mehr in der Poli­tik stat­tfind­en, sie wird als Essenss­chlacht aus­ge­tra­gen — du bist, was du isst. (Veg­e­tari­er sind also, ver­mut­lich, über­wiegend Kohlköpfe.)

Denn in einen deutschen Magen darf nie mehr poli­tisch inko­r­rek­te Nahrung gelan­gen, und damit sind aus­nahm­sweise nicht “Gürkin­nen und Gurken” gemeint. Reinen Gewis­sens darf nicht schlem­men, wer Massen­tier­hal­tung, genetis­che Exper­i­mente oder die falsche Gesin­nung damit unter­stützt. Moment, was?

Offen­bar dräut uns in Zeit­en steigen­der Beliebtheit von Bio­gemüse beina­he unabän­der­lich ein neues Deutsches Reich, wenn wir nicht endlich mit har­ter Hand durch­greifen gegen heimatver­bun­dene Bauern, denn ein Gemüsekäufer trägt mit seinem Tun, ob gewollt oder nicht, seinen Teil dazu bei, dass der Gemüse­bauer mit seinen wom­öglich, je nach per­sön­lichem Stand­punkt, frag­würdi­gen Ansicht­en (sei er nun F.D.P.-Mitglied, sei er Radio­head-Anhänger) ein zufriedenes Leben führen kann.

So kann es zum Beispiel auch mal passieren, dass man mit dem Kauf von Bio­gemüse auch die Kasse eines ehe­ma­li­gen Funk­tionärs der NPD, der Partei von Hol­ger Apfel (wom­it wir auch weit­er­hin beim Gemüse wären), zu füllen hil­ft, warnt die “Süd­deutsche Zeitung”:

Im poli­tisch unverdächti­gen Bioland­bau tum­meln sich zunehmend Recht­sex­treme. Und so lan­det neon­azis­tis­ches Gedankengut, unschuldig grün ver­packt, in der Mitte der Gesellschaft.

Klar; Natur- und Heimatschutz, ein beliebtes The­ma von rechts außen, später zum Teil adap­tiert von den “linken” Grü­nen, erfreut sich unge­broch­en­er Beliebtheit, aber Ernährung ist ein Grundbedürf­nis des Men­schen, und da hat Poli­tik nicht viel ver­loren:

“Ich kann ja keine poli­tis­che Grund­hal­tung zer­ti­fizieren, ich kann nur ökol­o­gis­che Anbaumeth­o­d­en zer­ti­fizieren”, sagt [Biopark-Geschäfts­führerin Delia] Mick­lich. “Nur wenn man die Partei ver­bi­etet, dann haben wir eine Hand­habe gegen solche Leute.”

Frech von den Nazis — erst verder­ben sie einem den Stolz auf das Heimat­land und jet­zt kann man nicht mal mehr Gemüse kaufen, ohne sich recht­sradikaler Het­zpro­pa­gan­da auszuset­zen. Was sollen die Nach­barn nur denken, wenn man nichts ahnend an ihnen vor­beige­ht und plöt­zlich schre­it der Eis­bergsalat “Heil Hitler!” aus der Einkauf­s­tasche? Jemand sollte etwas dage­gen tun, bevor es zu spät ist und unsere gesunde Ernährung das Land ein weit­eres Mal in den Abgrund stürzen wird. Immer­hin hät­ten wir dann aber jeman­den, auf den wir zeigen kön­nen.

Denn wer trägt an all dem die volle Schuld? Natür­lich die “Süd­deutsche Zeitung” selb­st, die in ihren Lesern jahre­lang der­maßen Angst vor Gen­mais und der­gle­ichen geschürt hat, dass ihnen let­zten Endes nichts anderes übrig blieb als in den, nun, sauren Apfel zu beißen und for­t­an zu Braunkohl zu greifen. Lieber Nazig­urken als Killer­mais.

Olles Naz­i­blatt.

(Mit Dank an L.!)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XCVI: Religiöse Eiferer

Derzeit gibt es ein Riesen­bo­hei, weil mil­lio­nen­fach kosten­lose Aus­gaben des Koran, über­set­zt auf Deutsch (und somit nach streng mus­lim­is­ch­er Ausle­gung keine Korane), unter das Volk gebracht wer­den. Das sollte an sich kein Prob­lem sein, denn auf dem Papi­er beste­ht in Deutsch­land keine Staat­sre­li­gion, der Islam ist also hierzu­lande gle­ich­w­er­tig neben dem Chris­ten­tum, Sci­en­tol­ogy und dem Pasta­faris­mus einzuord­nen, beachtet man ein­mal nicht die staatlichen Sub­ven­tio­nen an die christlichen Kirchen sowie die christlich-kirch­lichen Feiertage in den gel­tenden deutschen Kalen­dern.

Prob­lema­tisch wird’s eben, wenn sich zum Glauben und/oder Aber­glauben eine große Por­tion Fun­da­men­tal­is­mus gesellt, denn dann wird es kom­pliziert:

Jede Menge Kri­tik lässt sich indes gegen jene Gruppe anführen, die den Koran ger­ade so freimütig unters Volk bringt. Der Predi­ger Ibrahim Abu Nagie ist nach Überzeu­gung der Sicher­heits­be­hör­den längst nicht jen­er harm­lose Geschäfts­mann, zu dem er sich gerne selb­st stil­isiert.

Son­dern ein religiös­er Eifer­er, der jen­er wach­senden Zahl von Salafis­ten zuzurech­nen ist, die ein­er strik­ten, bru­tal­en und rück­ständi­gen Inter­pre­ta­tion des Islam fol­gen. Ein­er Denkrich­tung, die aggres­siv auf Kri­tik­er reagiert und grundle­gende Men­schen­rechte in Frage stellt.

Daran soll­ten wir alle denken, wenn wir das näch­ste Mal mit dem Gedanken spie­len, unseren Tag, unsere Gedanken und unser Radio­pro­gramm lenken zu lassen von denen, die mit ein­er Denkrich­tung sym­pa­thisieren, zu deren Schutz vor Kri­tik­ern es sog­ar ein eigenes Gesetz gibt (§ 166 StGB) und deren Vor­denker grundle­gende Men­schen­rechte in Frage stellen.

Zur näch­sten Wei­h­nacht dann.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: “The Winner is…” ist… oder?

Mit riesi­gen und schi­er all­ge­gen­wär­ti­gen Plakat­en warb jüngst Sat.1 (“SAT.1”) für eine weit­ere über­flüs­sige Ver­sion der immer gle­ichen “Unter­hal­tungssendung” mit dem überzeu­gen­den Konzept “Kan­di­dat macht sich zum Heinz und kriegt dafür vielle­icht Geld und vielle­icht nicht”, deren Name “The Win­ner is…” lautet, was in Zeit­en ein­er Sendung wie “The Voice of Ger­many” mit ein­er afrikanis­chen Siegerin mit englis­chsprachigem Titel ja auch nur kon­se­quent erscheint, aber schon irgend­wie einen Hap­pen dätsch ist, wie man in eini­gen Gegen­den Deutsch­lands zu sagen pflegt.

Apro­pos “The Voice of Ger­many”: Die Pro­duzen­ten sind geblieben, die Mod­er­a­tion nicht. Diese hat für “The Win­ner is…” Lin­da de Mol über­nom­men, was ziem­lich passend ist, denn sturzfreies Deutsch war bekan­ntlich nie ihre Stärke.

Gese­hen habe ich, Medi­enkom­pe­tenz sei Dank, keine der bei­den Sendun­gen, aus­nahm­sweise schlägt aber auch der Ver­such fehl, mir anhand der Berichter­stat­tung ein Urteil zu bilden. Über­schwänglich­er Jubel in allen Medi­en ist nor­maler­weise ein Zeichen für dümm­liche Beliebigkeit, aber so leicht machen’s einem die Medi­en halt nicht.

WELT ONLINE so:

Der blonde hol­ländis­che Engel ver­strömt gute Laune mit jed­er Fas­er und rockt jet­zt für acht Sendun­gen das Cast­ing­show-gebeutelte Deutsch­land, das seine Kicks nun endlich wieder über der Gürtellinie bekommt. (…) Super Stu­dio, grandiose Stim­mung, viele Stand­ing Ova­tions, kurz: Jede Menge Unter­hal­tung für die ganze Fam­i­lie – das ist “The Win­ner is …”.

SPIEGEL ONLINE so:

Worum geht es? Um den inni­gen Wun­sch der Inter­pre­ten, das Pub­likum mit ihrer Musik zu berühren. Klein­er Scherz. Es geht um “die Kohle” (Lin­da de Mol).

(…)

Bester Satz? Lin­da de Mol vor der Verkün­dung eines Ergeb­niss­es: “So, das ist jet­zt ein sehr span­nen­der Moment.” Das hätte man näm­lich um ein Haar wirk­lich nicht gemerkt, dass das jet­zt ein span­nen­der Moment war.

Obwohl ich aus­ge­wo­gene Berichter­stat­tung fast eben­so schätze wie wohldosierten Sarkas­mus, bin ich jet­zt doch ein wenig rat­los: Ist “The Win­ner is…” nun über­be­w­erteter Quatsch oder stüm­per­hafter Mist?

Wer hat’s gese­hen?