PolitikIn den Nachrichten
Peter Fon­da und die Publicity

Der eine der bei­den Haupt­dar­stel­ler von „Easy Rider“, Den­nis Hop­per, ist mitt­ler­wei­le tot. Dafür ist der ande­re, Peter Fon­da, nach wie vor quick­le­ben­dig und ist sich nicht zu blöd, sich ab und zu mal aner­ken­nend auf die Schul­tern zu klopfen.

Zum Bei­spiel beant­wor­te­te er anläss­lich der vom Maga­zin „GQ“ ver­lie­he­nen Aus­zeich­nung als „Mann des Jah­res 2011“ so man­che Fra­ge und füg­te auch eige­ne Anmer­kun­gen hin­zu. Dass er das getan hat, ist schön und dient ganz bestimmt nicht der publi­ci­ty, denn Peter Fon­da fin­det publi­ci­ty doof.

Mein Lieb­lings­teil aus dem Ver­kün­de­ten ist jeden­falls die­ser hier:

Sei­nen Lands­leu­ten, die aktu­ell gegen den Kapi­ta­lis­mus demons­trie­ren, rät der Schau­spie­ler: „Wenn ihr wirk­lich Ein­druck machen wollt, dann tragt kei­ne Pla­ka­te, brüllt nicht und singt kei­ne Pro­test­lie­der. Geht ein­fach hin, schweigt und schaut irre wütend drein. Das wirkt unkon­trol­lier­bar. Gefähr­lich. Der Staat wird sich fürchten.“

… oder vor Lachen nicht dazu kom­men, sich zu weh­ren; je nachdem.

Aber war­um wen­det sich Peter Fon­da an „sei­ne Lands­leu­te“ in zwei­ter Per­son, statt selbst aktiv zu wer­den, wenn ihm das doch ein ehr­li­ches Anlie­gen ist?

Ach, ist es ja nicht:

Er selbst wol­le sich jedoch nicht unter die Demons­tran­ten mischen: „Nein, das wäre bescheu­ert. Nichts als Publi­ci­ty. Ich schrei­be lie­ber auf Twit­ter, was ich den­ke“, so Fonda.

„Ich las­se euch alle mal machen; wenn ihr die Auf­merk­sam­keit so nötig habt. Ich ja nicht! Wo ist die Kame­ra? Haben Sie mit­ge­schrie­ben? So als GQ-‚Mann des Jah­res‘ hat man ja gewis­se Verpflichtungen.“

Denn über­haupt sei Demons­trie­ren bescheu­ert. Die wah­re Revo­lu­ti­on fin­de anders­wo statt, näm­lich auf Twit­ter. Die neu­en Auto­no­men: Schwer bewaff­net mit dem Internet.

Der „Easy Rider“ kennt das ja noch von frü­her, aus den wil­den 60-ern. Damals, inmit­ten der „68er-Revo­lu­ti­on“, war ihm die offe­ne Demons­tra­ti­on sicher auch schon zuwi­der, er hat es ver­mut­lich bevor­zugt, wüten­de Brie­fe zu schrei­ben und dann aus Pro­test nicht abzusenden.

Born to be wild …

Montagsmusik
Groo­ve und Applaus: Her­bie Han­cock – Chameleon

Anläss­lich bekann­ter Lie­der bekann­ter Pop- und Rock­künst­ler klat­schen Kon­zert­be­su­cher drei- bis viermal.

Die ers­ten klat­schen, weil sie den Namen des Lie­des ken­nen; die zwei­ten klat­schen, weil sie die ers­ten Tak­te des Lie­des erken­nen; die drit­ten klat­schen, wenn das Lied zu Ende ist, um die Leis­tung des Künst­lers zu wür­di­gen; die vier­ten, eine noch recht neue Grup­pe, klat­schen wäh­rend des Lie­des, um ihr ver­meint­li­ches Takt­ge­fühl zu demonstrieren.

Von all die­sen sind mir ein­zig die drit­ten will­kom­me­ne Gesprächs­part­ner. Den ande­ren wür­de ich gern eine klatschen.

Es setzt schon eine Men­ge künst­le­ri­sche Qua­li­tät vor­aus, um stets takt­fer­nes Publi­kum am Mit­klat­schen zu hin­dern; oder eine Men­ge an Respekt, den man sich erar­bei­tet hat, und das ist nicht leicht. Pop­ge­wohn­tes Publi­kum respek­tiert sei­ne Künst­ler ohne­hin nur sel­ten, die­se arbei­ten aller­dings auch nur sehr ungern dar­an, respek­tiert zu wer­den. Ein Album, viel­leicht ein Nach­fol­ge­al­bum, eine Abschieds­tour­nee vor wenig Zuschau­ern und Auf­trit­te in irgend­wel­chen Rück­schau­en auf RTL, das genügt zwar für den Lebens­un­ter­halt, nicht aber für Respekt.

Wech­selt man aller­dings das Gen­re, wird das Klat­schen womög­lich zum tra­gen­den statt zum stö­ren­den Ele­ment und fällt ansons­ten nicht wei­ter ins Gewicht; vor allem dann, wenn die Musi­ker laut genug agie­ren. Man dre­he also den Laut­stär­ke­reg­ler sei­ner Klangaus­ga­be etwas höher, bege­be sich in eine ent­spann­te Sitz­po­si­ti­on und neh­me den Rhyth­mus in sich auf:

Her­bie Han­cock & Tal Wil­ken­feld – Cha­me­le­on – Mon­treux Jazz Fes­ti­val 2010

Wie ange­nehm doch so ein Mon­tag sein kann, wenn man ihn mit groo­ve beginnt!

Spaß mit Spam
Sie haben gewonne

Nur eine kur­ze Replik auf eine erfreu­lich kur­ze Müllmail:

Sie haben gewonne

Du habe gewon­ne? Iche habe gewon­ne! Welch Wonne.

Wir emp­feh­len Ihnen, pdf Atta­ched Datei цffnen,und wen­den Sie sich fьr Ihr Agent Lotteriegewinn.

Ich emp­feh­le Ihnen, weni­ger Kleb­stoff zu trin­ken, bevor Sie Mails ver­fas­sen, und wen­den Sie sich fьr Ihr Kopfarzt.

Mit freund­li­chen GrьЯen,
Management

Ab mit Schaden;
und bis bald.

PolitikIn den Nachrichten
Gaga.

Apro­pos Pop: Clau­dia „Frosch“ Roth, die lus­ti­ge Dada-Ani­ma­teu­rin der Grü­nen, hat anläss­lich der aktu­el­len Steu­er­po­li­tik von Schwarz-GeldGelb eine selt­sa­me Fan­ta­sie heraufbeschworen:

Die Grü­nen-Vor­sit­zen­de Clau­dia Roth hat Mer­kel hef­tig kri­ti­siert. Es sei absurd, mit­ten in der euro­päi­schen Finanz­kri­se einen „Steu­er­sen­kungs­bal­lon“ stei­gen zu las­sen, sag­te Roth am Sams­tag bei einer Lan­des­de­le­gier­ten­kon­fe­renz der baye­ri­schen Grü­nen in Bad Winds­heim. Sie füg­te hin­zu: „Ange­la Mer­kel wird mehr und mehr zur Lady Gaga der deut­schen Politik.“

Wie ist das gemeint? Dür­fen wir bald Ange­la Mer­kels Kon­ter­fei in den ein­schlä­gi­gen Ton­trä­ger­ge­schäf­ten erbli­cken? Wird die Musik­bran­che sie zur neu­en „Köni­gin des Pop“ erhe­ben? Und erwar­ten uns dann in Zukunft wei­te­re Ein­bli­cke in etwas, was wir eigent­lich gar nicht so genau wis­sen wollten?

Clau­dia Roth schafft es immer wie­der, mich zu erschüt­tern; wenn auch nur sel­ten poli­ti­scher Natur.

(Dan­ke an L.!)

Musik
Pop ist Pop (na naaa na na na).

Die Ver­öf­fent­li­chung des neu­en Cold­play-Albums „Mylo Xylo­to“ ging erfreu­li­cher­wei­se bei­na­he unbe­merkt an mir vor­über. Mei­ne Medi­en­kom­pe­tenz ist uner­schüt­ter­lich. Die von mir kon­su­mier­ten Medi­en aber wid­me­ten sich statt­des­sen nicht etwa rele­van­ten welt­po­li­ti­schen The­men, son­dern einer ande­ren über­be­wer­te­ten Musik­ka­pel­le und prei­sen „50 Jah­re Pop­mu­sik“, weil 1961 die ers­te Auf­nah­me der Beat­les (als Begleit­ka­pel­le von Tony Sher­i­dan into­nier­ten sie das schreck­li­che „My Bon­nie“) erschien.

Das war damals eine ziem­lich gro­ße Ange­le­gen­heit, damals wie heu­te galt und gilt: Der deut­sche Main­stream hört wie gehabt vor­zugs­wei­se Dreck. So genann­te Pop­mu­sik. (Klar – des­halb heißt er ja „Main­stream“, weil er von Avant­gar­dis­mus schnell über­for­dert ist.) Dass Peter von­’en Schall­gren­zen qua­si als Gegen­be­leg die ein­tö­ni­ge Pop­knöd­le­rin Les­lie Feist anführt, die unge­fähr so wenig „Main­stream“ ist wie Regi­na Spek­tor oder, sagen wir mal, Sil­ber­mond, erstaunt mich; aber viel­leicht ist mein Gehör auch ein­fach über­for­dert von der Sim­pli­zi­tät moder­nen Pops.

Apro­pos Moder­ne: „50 Jah­re Pop­mu­sik“ und „50 Jah­re Beat­les“ haben nicht viel mit­ein­an­der zu tun, abge­se­hen davon, dass bei­de Jubi­lä­en nicht zutreffen.

Das mit den Beat­les ist ein­fach erklärt; die näm­lich wur­den bereits 1960 gegrün­det und nann­ten sich bereits im August jenen Jah­res „The Beat­les“, eine nach­träg­li­che Ver­öf­fent­li­chung im Fol­ge­jahr, zunächst unter dem Namen „The Beat Brot­hers“ ver­kauft, kann also unmög­lich die Geburt der Pop­mu­sik bedeu­ten, wenn man allein die Geschi­cke die­ser Com­bo als Rah­men­hand­lung für die Pop­ge­schich­te heranzieht.

Was aber ist „Pop“? „Pop“, das sagen die ein­schlä­gi­gen Wör­ter­bü­cher, steht für „Popu­lär­mu­sik“. Klam­mern wir ein­mal die Come­di­an Har­mo­nists und ähn­li­che Musi­kan­ten gewis­sen Anse­hens aus und set­zen – will­kür­lich – anglo­pho­ne Beat­mu­sik, wie sie die Beat­les anfangs mach­ten, als Aus­lö­ser des „Pop­gen­res“ (bezie­hungs­wei­se ja eigent­lich des Rock­gen­res) fest, auch dann ist die Behaup­tung „Beat­les = Begrün­der der Pop­wel­le“ unsag­bar däm­lich, denn Bill Haley und die „Comets“ (kaum bekann­ter Fakt: „Bill Haley’s Ori­gi­nal Comets“ sind noch immer musi­ka­lisch aktiv) hat­ten bereits fast zehn Jah­re zuvor, im Jahr 1952, mit „Real Rock Dri­ve / Stop Bea­tin‘ Round the Mul­ber­ry Bush“ ihre ers­te Ver­öf­fent­li­chung auf dem Markt, Bill Haley selbst bereits 1948 mit „Four Leaf Clover Blues / Too Many Par­ties and Too Many Pals“. Dass die „Beat­les“ trotz aller Seich­tig­keit bekann­ter wur­den, ist nicht zuletzt ihrer Ver­mark­tung zu ver­dan­ken, aber die „Pop­mu­sik“ haben sie eben­so­we­nig gebo­ren wie die „Rock­mu­sik“ und die „Beat­mu­sik“. Dass sich immer noch vie­le neu gegrün­de­te Musik­grup­pen auf die Beat­les als Ein­flüs­se bezie­hen, könn­te indes dar­an lie­gen, dass sich das bes­ser ver­kau­fen lässt, denn die Beat­les kennt jeder irgend­wo her.

Wobei die Beat­les sich nie in dem Gen­re ver­wur­zelt sahen, das man heu­te schwam­mig „Pop“ nennt, weil man für fein­zi­se­lier­te Nuan­cen kein Ohr mehr hat und nach drei Minu­ten (oder 140 Zei­chen) die Auf­merk­sam­keit rapi­de nach­lässt, Pop(ulär)kultur sei’s geschul­det. Vom Beat der ers­ten Sin­gles über den Psy­che­de­lic Rock von „Revol­ver“ und vor allem „Rub­ber Soul“ bis zu den gemäch­li­chen Rock­bal­la­den von „Let It Be“ war sicher eine Men­ge Mist („Yes­ter­day“) dabei, aber doch nie wirk­lich Pop. Wenn man „Pop“ aber im Wort­sin­ne nimmt, „Pop“ also nur „popu­lä­re Musik“ bedeu­tet, dann sind die Beat­les eben­so „Pop“ wie die Scor­pi­ons, Nickel­back, Miley Cyrus, die Ärz­te, eben die Come­di­an Har­mo­nists, Gene­sis und sogar King Crims­on, die sich nach eini­gen Jahr­zehn­ten im Geschäft ja inzwi­schen auch gut besuch­ter Kon­zer­te erfreu­en dürfen.

Ich wage zu behaup­ten: Men­schen haben zu aller Zeit Klän­ge zur Unter­hal­tung genutzt. Sind Busch­trom­meln, wenn sie nicht gera­de der Kom­mu­ni­ka­ti­on die­nen, eben­falls klas­si­sche Popin­stru­men­te? Andy War­hols Kunst nennt man auch Pop-Art. Ist Pop abs­trakt? Das aber wider­sprä­che der gän­gi­gen Regel „was Pop ist, ist main­stream“. Wenn Pop aber kein Gen­re ist, kein Sam­mel­be­griff irgend­wie zusam­men­hän­gen­der Gen­res und auch sonst eigent­lich nur ein Schlag­wort für belie­bi­ge Gedan­ken­kon­struk­te (Wis­sen­schaft ist Pop, Spit­zeln ist Pop, Ficken ist Pop, alles ist Pop?) – wäre es dann nicht für uns alle am ein­fachs­ten, wür­den wir die­ses Wort künf­tig aus unse­rem akti­ven Wort­schatz tilgen?

Ande­rer­seits: Ver­mut­lich ist Dage­gen­sein nicht Pop genug.

PolitikIn den Nachrichten
End­lich Mord! (2)

Und der nächs­te Staats­mann, des­sen Tod beju­belt wird (Vor­sicht, Ver­weis zeigt Lei­che; die nie­de­ren Gelüs­te per­ver­ser Per­so­nen werden’s danken):

Aus­ge­las­se­ne Freu­de auf den Stra­ßen von Tri­po­lis, tri­um­phie­ren­de Rebel­len in Sirt: In Liby­en fei­ern Men­schen die Mel­dung vom Tod Gad­da­fis. Der Ex-Dik­ta­tor wur­de offen­bar beim Gefecht um sei­ne Hei­mat­stadt töd­lich ver­letzt, sein Leich­nam soll nach Misu­ra­ta gebracht wor­den sein. (…) Der ara­bi­sche Fern­seh­sen­der al-Dscha­si­ra zeigt Bil­der aus Tri­po­lis, auf denen die Men­schen in den Stra­ßen fei­ern. Autos hupen, Kämp­fer jubeln. Auch in Sirt herrscht aus­ge­las­se­ne Stim­mung. Im Inter­net schlägt sich die Eupho­rie der Liby­er nie­der. „Es ist vor­bei“, schrei­ben sie. „End­lich ist er weg.“

Und wer ernst­haft glaub­te, noch mehr zitier­te Wider­lich­keit bringt nicht mal der SPIEGEL zusam­men, der irrt:

Deut­li­cher wur­den die Spit­zen­ver­tre­ter der Euro­päi­schen Uni­on: Sie spra­chen vom „Ende der Ära von Gewalt­herr­schaft und Unter­drü­ckung, unter der das liby­sche Volk zu lan­ge gelit­ten hat“.

Der Sieg einer bewaff­ne­ten „Rebellen“-Armee, die den Bür­ger­krieg im Land wesent­lich mit­trägt, ist ein kla­res Zei­chen für das Ende irgend­ei­ner Gewalt­herr­schaft; das lässt sich zum Bei­spiel dar­an erken­nen, dass Liby­ens letz­ter Gewalt­herr­scher Muammar al-Gad­da­fi als „Revo­lu­ti­ons­füh­rer“ und füh­ren­des Mit­glied einer Mili­tär­jun­ta an die Macht gekom­men war und seit­dem für Demo­kra­tie und Frie­den im Land stand.

Da hat Liby­en ja noch mal Glück gehabt.


Nach­trag vom 21. Okto­ber 2011: Ich emp­feh­le, auf Tele­po­lis weiterzulesen.

Wenn der Dik­ta­tor gestürzt wird, lech­zen Medi­en und die Öffent­lich­keit nach Bildern.

Und mir dünkt, die Öffent­lich­keit besä­ße da nur wenig Eigen­an­trieb, wür­de er nicht von auf­la­gen­in­ter­es­sier­ten Ver­la­gen kraft­voll erhöht.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kurz­form: Drei­mal Politik

Poli­tik zum Ersten:

FOCUS Online berich­tet heu­te über einen gewalt­sa­men Über­griff in einer Ber­li­ner U‑Bahn. Dabei gab es natür­lich kei­ne Gewalt­tä­ter, son­dern nur unglück­li­che Umstände:

Als das Pär­chen dann den Platz wech­seln woll­te, erhielt der 21-Jäh­ri­ge meh­re­re Faust­schlä­ge ins Gesicht und brach sich das Nasenbein.

(Her­vor­he­bung von mir bezie­hungs­wei­se Götz Wie­den­roth.)

War­um hat er das nur getan?


Poli­tik zum Zweiten:

Miros­lav Klo­se fin­det es voll gemein, dass ein Pla­kat mit der Auf­schrift „Klo­se mit uns“ zwei Sig­ru­nen ent­hielt; zwar nicht neben­ein­an­der, aber er ver­bit­te es sich doch bit­te­s­ehr, ein Sta­di­on mit zwei Sig­ru­nen tei­len zu müs­sen, voll­kom­men unab­hän­gig davon, ob das über­haupt Absicht war oder nur sti­lis­ti­sche Grün­de hat­te. (Mir zum Bei­spiel ist min­des­tens ein grie­chi­sches Restau­rant bekannt, das in sei­nem Logo ins­ge­samt drei die­ser bösen Buch­sta­ben beher­bergt. Immer die­se Nazigriechen.)


Poli­tik zum Dritten:

Am 23. Okto­ber 2011 fin­den in der Schweiz wie­der ein­mal Natio­nal­rats­wah­len statt, und dort las­sen sich die Par­tei­en, ähn­lich wie in Deutsch­land, ihren Wahl­kampf eine Men­ge kos­ten. Selbst den Wahl­un­ter­la­gen liegt mit­un­ter Par­tei­en­wer­bung bei. Wohl wis­send, dass man so nur die Ver­zwei­fel­ten errei­chen kann, sind es dann auch ent­spre­chend eher die klei­nen Par­tei­en, die der­lei Auf­wand betreiben:

Und noch etwas haben wir mit den Schwei­zern gemein: Man legt uns gern unge­fragt nahe, irgend­wel­chen Schwei­nen unse­re Stim­men zu geben. Mit Tier­schutz aller­dings haben sie hier­zu­lan­de nicht viel zu tun.

Persönliches
Befind­lich­kei­ten

Ich kam mehr als ein­mal in die miss­li­che Situa­ti­on, den Heim­weg mit­hil­fe mir bis dahin unbe­kann­ter Drit­te bestrei­ten zu müs­sen. Eigent­lich gefällt mir das, denn in der Regel habe ich wäh­rend­des­sen Gele­gen­heit, die sozia­len Umstän­de die­ser Drit­ten sub­til zu erkun­den. Her­aus­zu­fin­den, wie­so mich die Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der sich vie­le Men­schen in ein Schick­sal, um das ich sie nicht benei­de, fügen, sehr ver­wun­dert und wie­so sie das eigent­lich tun, ist ein abwechs­lungs­rei­cher Zeitvertreib.

Anläss­lich der jüngs­ten Situa­ti­on die­ser Art ent­wi­ckel­te sich erneut ein sol­ches Gespräch. Als ich jedoch bei­läu­fig erwähn­te, dass ich gera­de aus dem, zuge­ge­ben, etwas beängs­ti­gen­den Ort Lie­ben­burg kam, erschrak und ver­stumm­te mein bis dahin rede­freu­di­ger Gesprächs­part­ner. (In der aktu­el­len Aus­ga­be des Maga­zins „Linux Maga­zin“ gibt es übri­gens ein Zwie­ge­spräch mit Miguel de Ica­za, Grün­der des Gno­me-Pro­jekts, zu lesen, der, gleich­falls rede­freu­dig, zu Pro­to­koll gab, dass die stän­di­gen API-Ände­run­gen und dar­aus fol­gen­de Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten des Linux-Ker­nels ein gewich­ti­ger Grund dafür sind, dass Linux als quell­of­fe­nes Sys­tem kei­ne Zukunft beim End­an­wen­der haben wird; sprach’s und tipp­te auf sei­nem iPad her­um. Durch­aus sehr lesens­wert und nicht unwahr; aber ich schwei­fe ab.)

Auf besag­te Reak­ti­on des Mit­men­schen hin jeden­falls beeil­te ich mich ihm zu ver­si­chern, dass ich trotz der bekann­ten dor­ti­gen Irren­an­stalt (was ist schon nor­mal?) kein ent­lau­fe­ner Insas­se sei, son­dern ledig­lich einer Fei­er außer­halb und unab­hän­gig von jener Insti­tu­ti­on bei­gewohnt hat­te; ande­rer­seits neh­me ich an, ähn­li­ches hät­ten auch ent­lau­fe­ne Insas­sen geäu­ßert. Das Gespräch ver­lief nun­mehr im Sande.

Dabei erstaunt es mich schon, wie kom­mu­ni­ka­ti­ons­freu­dig die sonst noto­risch apa­thi­schen („die da ohm machen eh, watt se wol­len“) Leu­te hier­zu­lan­de gera­de sind. Ob das noch ein Rest von Som­mer ist? Selbst im Super­markt wur­de das der Aggres­si­ons­be­wäl­ti­gung nicht dien­li­che „Sam­meln Sie Punk­te?“ (nein, Froll­ein, das sähe auch merk­wür­dig aus) abge­löst von einem eigen­ar­tig fröh­li­chen „Dan­ke für Ihren Ein­kauf und einen schö­nen Tag!“, als hät­te der Erwerb eines Bechers Espres­so soeben die Filia­le gerettet.

Es ist dem sol­cher­lei Wün­schen­den wahr­schein­lich eher voll­kom­men schnup­pe, ob der Kun­de den Tag wirk­lich als schön emp­fin­den wird oder ob der Wunsch ange­sichts Dau­er­re­gens und eigent­li­chen see­li­schen Unwohl­seins zynisch wirkt und man gern „Sicher nicht, Sie Pfei­fe!“ erwi­dern wür­de, hät­te man es nicht furcht­bar eilig. So jedoch mur­melt man ein nach­denk­li­ches „Eher nicht…“ in den Raum, wäh­rend man, eilends hin­aus schrei­tend, gedank­lich schon die­sen Text hier ver­fasst und sich außer­dem vor­stellt, wie es wäre, hiel­te man das fal­sche Inter­es­se ver­se­hent­lich für ein ech­tes und dis­ku­tier­te also mit dem Wün­schen­den aus­führ­lich über das Welt­ge­sche­hen. Die übri­gen War­ten­den wür­den ver­mut­lich bin­nen weni­ger Sekun­de in Rage ver­fal­len, denn ihre Zeit ist kost­bar und ihr Arbeits­platz meist nicht davon abhän­gig, Inter­es­se an dem Wohl­be­fin­den unsym­pa­thi­scher Kun­den zu simu­lie­ren. Wie vie­le Kas­sie­rer sie wohl heim­lich dar­um beneiden?

So wenig ich auch von der Indus­tria­li­sie­rung jedes Lebens­be­reichs hal­te, so sehr erstre­be ich es doch, dass Kas­sen­au­to­ma­ten in Super­märk­ten eine gro­ße Ver­brei­tung fin­den. Die hal­ten wenigs­tens die Klappe.

Spaß mit Spam
Hal­lo! ich Les­lie Rich

Ach, da schau her, man beflir­tet mich erneut unter obi­gem Sujet und beweist dabei sogar Humor, denn bereits die Ein­lei­tung ist zum Schrei­en:

Klopf, klopf:)

Her­ein!

Wie geht es dir? Hof­fe, Sie sind ok.

Ja, das Deut­sche ist schon kniff­lig mit die­sem förm­li­chen Sie. Aber klei­ne Pan­nen pas­sie­ren selbst Alt­ein­ge­ses­se­nen; wer häu­fi­ger mit dem ÖPNV fährt, der weiß das und ist sehr zu bedauern.

Ich sah Ihre E‑Mail und ent­schie­den sagen: „Hal­lo“.

Mei­ne E‑Mail? Wel­che jetzt? Und vor allem: Wo? Ich ver­mis­se sie näm­lich sehr und weiß nicht mehr, wo ich sie hin­ge­legt habe.

Aber wie, Les­lie, darf ich mir ein ent­schie­de­nes „Hal­lo“ vor­stel­len? Mit ver­schränk­ten Armen und Auf­stamp­fen viel­leicht? Das wäre für­wahr sehr amü­sant! (Und jetzt, um noch eins oben drauf zu set­zen, stel­len wir uns das ent­schie­de­ne „Hal­lo“ mit der Stim­me von Ange­la Mer­kel vor. Fer­tig? Dann wei­ter im Text.)

Ich weiß nicht, wer bist du, aber ich will check up mein Schicksal.

(Ja, so redet die Jugend heutzutage.)

Ich bin ein jun­ges Mäd­chen 24 Jah­re alt, beschei­den, ehr­lich, für­sorg­lich und I ‚m eröff­net für neue Bekanntschaft.

„Ich bin jung, na ja, eher so mit­tel, aber super­toll, pri­ma und ein biss­chen beschei­den viel­leicht. Ach, und ich hab Bock zu vögeln.“

Wenn Sie inter­es­siert sind schrei­ben Sie mir bit­te zurück wer­de ich Ihnen wei­te­re Infor­ma­tio­nen über mich.

… vor­ent­hal­ten? Via Mail zusen­den? Ande­rer­seits: Letz­te­res viel­leicht eher weni­ger, denn die tech­ni­schen Fähig­kei­ten schei­nen begrenzt. Immerhin …

Ich gebe Ihnen mein foto, so konn­te man mich sehen.

… fehlt der E‑Mail der ange­kün­dig­te Anhang, was sicher sehr scha­de ist. (Oder war das „geben“ etwa wört­lich gemeint?)

Les­lie Rich

Dr. med. Wurst

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Auch Ihnen ein freund­li­ches lorem ipsum, Gnädigste!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXII: Für’n Arsch.

Ihr konn­tet es auf euren kot­ver­schmier­ten iPho­ne-Bild­schir­men viel­leicht bereits lesen, lie­be Leser:

Die Sta­tis­tik des Tages berei­tet man­chem ein merk­wür­di­ges Gefühl in den Eingeweiden.

Jedes sechs­te Mobil­te­le­fon weist einer bri­ti­schen Stu­die zufol­ge Spu­ren von Fäka­li­en auf. Auf den betrof­fe­nen Han­dys fan­den die Wis­sen­schaft­ler der am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die Rück­stän­de des E‑Co­li-Bak­te­ri­ums, das im Darm vor­kommt und von dem bestimm­te Stäm­me töd­lich sein können.

Zuge­ge­ben, zum Tele­fo­nie­ren ist so man­ches die­ser moder­nen smart­phones ja nun nach­weis­lich nicht geeig­net; aber ein der­art krea­ti­ver Ver­wen­dungs­zweck für die­se mit einem groß­flä­chig kon­ta­mi­nier­ten touch­screen aus­ge­stat­te­ten life­style gad­gets wäre selbst mir im Traum nicht ein­ge­fal­len. Kör­per­hy­gie­ne statt Kom­mu­ni­ka­ti­on. Elek­tro­ni­sches Toi­let­ten­pa­pier. Na dann: Wohl bekomm’s.

(Auch mal inter­es­sant: Die Real­schu­le in Win­nen­den, an der der Amok­lauf statt­ge­fun­den hat, wur­de reno­viert und neu eröff­net. Jetzt freu­en sich alle, dass der Umbau so gut geklappt hat und kei­ner mehr an den Amok­lauf denkt, aber an die Besei­ti­gung der Miss­stän­de, die über­haupt zu jenem Amok­lauf geführt haben, hat nie­mand gedacht. Tim K. lief sicher nicht Amok, weil ihm die Möblie­rung miss­fiel. Sie wer­den es nie lernen.)

MusikKaufbefehleMontagsmusik
Mag­ma – Ëmëhn­tëhtt-Ré (außer­dem: Jean Louis)

Na, wer­det ihr mon­tags auch nicht so recht wach, die Neben­wir­kun­gen des Wochen­en­des noch in den Organen?

Da ist Metal sicher eben­so wenig eine geeig­ne­te Maß­nah­me wie das puber­tä­re Geki­cher irgend­wel­cher Radio­mo­de­ra­to­ren. Womit man so einen Mon­tag viel bes­ser begin­nen kann, ist Jazz; und zwar nicht irgend­ein Jazz, son­dern sol­cher, der nach­hal­tig wirkt.

Zum Bei­spiel Zeuhl.

Und wenn die ehe­mals müden Glied­ma­ßen nach so viel rhyth­mi­scher Bewe­gung wie­der in betriebs­fä­hi­gem Zustand sind, emp­feh­le ich anschlie­ßen­des wil­des Gezap­pel zu den wil­den Struk­tu­ren des eben­falls fran­zö­si­schen Jazz­co­re-Tri­os Jean Lou­is. „Jazz­co­re“? Jawoll:

Wenn es not­wen­dig ist, bellt zu stamp­fen­den Rhyth­men eben ein Hund, dazu schrubbt ein zur Unkennt­lich­keit ver­zerr­ter Bass und zwei Trom­pe­ten erklin­gen gleich­zei­tig in einer Art elek­tro­nisch-dis­so­nan­tem Sing­sang. Dann wie­der wird es fast metal­ar­tig krass, schwe­res Gerif­fe bricht über den Hörer hin­ein, nein, Rück­sicht neh­men Jean Lou­is dabei nicht.

Kunst? Wahr­schein­lich. Und Kunst kennt kein Pardon.

In die­sem Sin­ne: Guten Morgen!

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt LXI: Probleme.

Pro­ble­me hat das Unter­neh­men Goog­le in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung nicht. Es kur­siert aber ein Google+-Beitrag eines Goog­le-Beschäf­tig­ten, der ihn ver­se­hent­lich für alle Besu­cher sicht­bar gemacht hat­te, dies aber dann doch noch bemerk­te und – zum Glück zu spät – den für inter­ne Krei­se bestimm­ten Text lösch­te. Ja, Goog­le und die Transparenz.

Wor­um es in besag­tem Bei­trag geht? Nun, der Schrei­ber nennt das größ­te Pro­blem von Goog­le, gemes­sen an Kon­kur­ren­ten wie Ama­zon und Face­book, beim Namen: Mit Platt­for­men haben sie es nicht so.

That one last thing that Goog­le does­n’t do well is Plat­forms. We don’t under­stand plat­forms. We don’t „get“ plat­forms. Some of you do, but you are the minority.

Für jene, die der eng­li­schen Spra­che zumin­dest leid­lich mäch­tig sind und schon immer mal herz­lich über Mana­ger und Goog­le-Inter­na lachen woll­ten, ist das eine groß­ar­ti­ge Lek­tü­re. (Vor­sicht, Geek­spra­che enthalten.)


Pro­ble­me eher mathe­ma­ti­scher oder ähn­lich theo­re­ti­scher Natur haben oft auch vie­le Dar­stel­ler in den Fil­men, in denen Men­schen mit fort­lau­fen­der Spiel­zeit immer weni­ger Klei­dung am Leib tra­gen. Dass die zu lösen­den Pro­ble­me oft eher tri­vi­al sind, fällt dem Betrach­ter dabei sel­ten auf, denn der Schnitt sorgt oft dafür, dass er davon abge­lenkt wird, zu bemer­ken, dass die Prot­ago­nis­ten oft zu blöd für die ein­fachs­ten Auf­ga­ben sind.

Aber wofür gibt es das Deep Web Inter­net? Kon­se­quen­ter­wei­se ist den Pro­ble­men auf Tafeln in so Fil­men eigens ein Blog gewidmet.

Viel Spaß und einen schö­nen Sonntag!

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Den­nis Ritchie

Was bei den noch immer andau­ern­den Nach­ru­fen auf Ste­ve Jobs und die ban­ge Fra­ge, wie es denn nun mit Apple wei­ter­ge­he, wohl mal wie­der kei­ner mit­be­kom­men hat:

Am 9. Okto­ber 2011, nur weni­ge Tage nach Ste­ve Jobs, ver­starb mit Den­nis Rit­chie einer der wirk­lich essen­zi­el­len Per­sön­lich­kei­ten der EDV-Geschich­te, ohne den Apple ver­mut­lich eben­so wenig exis­tie­ren wür­de wie Linux und Win­dows in ihrer heu­ti­gen Form, denn er hat nicht nur die Pro­gram­mier­spra­che C, die für spä­te­re Ent­wick­lun­gen wie C++ und Java maß­geb­lich war, ent­wi­ckelt, son­dern auch einen wesent­li­chen Anteil an der Ent­wick­lung des Betriebs­sys­tems Unix gehabt, aus dem spä­ter BSD (und, dar­auf basie­rend, Mac OS X) und vie­le wei­te­re Betriebs­sys­te­me erwuch­sen. Selbst Win­dows bedient sich eini­ger Kon­zep­te, die erst­mals in Unix zu fin­den waren.

Kris­ti­an Köhn­topp bringt es auf den Punkt:

Es ist abso­lut unmög­lich, mit Com­pu­tern zu arbei­ten und mit den Arbei­ten und den Ideen von Den­nis Rit­chie nicht an jedem ein­zel­nen Tag in direk­ten Kon­takt zu kommen.

Den­nis Rit­chie war, anders als Ste­ve Jobs, ein Mann der lei­sen Wor­te. Sei­ne Per­son stand nie im Mit­tel­punkt, sei­ne Ver­diens­te für die EDV waren um so grö­ßer. Viel­leicht war das sein Feh­ler; eine kur­ze Umfra­ge in mei­nem direk­ten Umfeld ergab, dass nie­mand mit dem Namen Den­nis Rit­chie etwas anzu­fan­gen weiß, Ste­ve Jobs jedoch ist ihnen allen bekannt.

Und so bleibt das Andenken an die­sen Weg wei­sen­den Mann, gestützt von nur weni­gen deut­schen Medi­en, denen vor­be­hal­ten, die sich mit der Mate­rie ohne­hin aus­ein­an­der­set­zen. Dass sich ein US-Prä­si­dent, einer der Grün­der von Micro­soft und der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Face­book kon­do­lent zei­gen, war bei Ste­ve Jobs noch bei­na­he eine Selbst­ver­ständ­lich­keit – aber Den­nis Rit­chie hat eben kei­ne bun­ten life­style gad­gets ver­mark­tet, son­dern nur ihr Betriebs­sys­tem maß­geb­lich mitgestaltet.

Und so wird Mark Zucker­berg ver­mut­lich dazu schwei­gen. Ande­rer­seits: Viel­leicht ist das auch bes­ser so.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LX: Die Bahn kommt (zu spät).

Wisst ihr schon, wer schuld dar­an ist, dass die Bahn ihre Fahr­plä­ne nicht ein­hält? Nicht etwa inkom­pe­ten­te Ver­ant­wort­li­che oder unge­wöhn­lich nor­ma­les Wet­ter, son­dern die lin­ke Sze­ne, heißt es sei­tens der Bahn AG.

Man habe, hieß es, „an ver­schie­de­nen Kabel­schäch­ten der Bahn Feu­er mit elek­tro­ni­schen Zeit­ge­bern und Brand­be­schleu­ni­ger gelegt“. Obwohl nur einer die­ser Brand­sät­ze los­ging und Sach­scha­den anrich­te­te – an meh­re­ren wei­te­ren Orten zün­de­ten ähn­li­che Vor­rich­tun­gen nicht – hat­te die Akti­on ihre Fol­gen. (…) Anfang die­ser Woche kamen nun mehr als 300 Züge nicht oder mit deut­li­cher Ver­zö­ge­rung ans Ziel. Auf rund 17.000 Minu­ten sum­mier­ten sich die Ver­spä­tun­gen nach Anga­ben der Bahn.

Das bedeu­tet, die Anschla­gen­den sind für eine Ver­spä­tung von ins­ge­samt unge­fähr 10 Minu­ten ver­ant­wort­lich – stimmt das so weit?

Aber was sind das eigent­lich für Leu­te? Die SPD klärt auf:

Ber­lins SPD-Innen­se­na­tor Ehr­hart Kör­ting erklär­te, mit dem Anschlag habe er dem Links­extre­mis­mus „erneut sein häss­li­ches Gesicht“ gezeigt.

Ach, Ent­schul­di­gung – ver­le­sen. Es heißt natürlich:

Ber­lins SPD-Innen­se­na­tor Ehr­hart Kör­ting erklär­te, mit dem Anschlag habe der Links­extre­mis­mus „erneut sein häss­li­ches Gesicht“ gezeigt.

War­um die Anschla­gen­den irgend­ei­ner poli­ti­schen Ideo­lo­gie unter­wor­fen sein soll­ten, weiß nie­mand, das lin­ke Blatt „taz“ behaup­tet, zuerst sei die­ser Vor­wurf aus Rei­hen der CDU gekom­men; was ja schon mal ein Fort­schritt ist, denn es zeigt immer­hin, dass die CDU, eben­so wie die gleich­falls kon­ser­va­ti­ve „WELT“, außer „isla­mis­ti­schem Ter­ro­ris­mus“ auch „lin­ken Ter­ro­ris­mus“ kennt, wie ande­re Medi­en wie­der­um nur „isla­mis­ti­schen“ und „rech­ten“ Ter­ro­ris­mus ken­nen, denn gänz­lich unpo­li­tisch kön­ne man ja nicht sein, wenn man der Hek­tik die­ser durch­po­li­ti­sier­ten Gesell­schaft mit „Ent­schleu­ni­gung“ begeg­nen wol­le. In der „Tra­di­ti­on der RAF“ jeden­falls, wie man­cher Kom­men­ta­tor behaup­tet, ste­hen die Atten­tä­ter nicht, denn die­se hat­te bereits 1998 die „Stadt­gue­ril­la“ für über­holt erklärt.

Aber ob links, rechts oder Isla­mis­ten; wir wis­sen alle genau: Anschlä­ge wie die­ser las­sen sich nur ver­hin­dern, indem wir jeden Com­pu­ter in die­sem Land, von der Arm­band­uhr bis zum Ser­ver, lücken­los über­wa­chen, das Inter­net abschal­ten und in jedem Schlaf­zim­mer Kame­ras instal­lie­ren. Könn­te ja sein, dass dort Bom­ben gebaut werden.

(Das war jetzt ein biss­chen übertrieben.)

Apro­pos über­trie­ben: Habt ihr auch schon alle den Inter­net Explo­rer, den der­zeit sichers­ten Brow­ser laut Micro­soft, instal­liert?

KaufbefehleMusikkritik
Lon­don Under­ground: So was von 70-er.

In mei­ner Samm­lung obsku­rer musi­ka­li­scher Aus­wüch­se ent­deck­te ich soeben das 2010 ver­öf­fent­lich­te Album „Honey Drops“ von Lon­don Under­ground, einer ita­lie­ni­schen Psychedelic-Rock-Band.

„Psy­che­de­lic Rock“ ist hier kei­nes­falls ein ver­zwei­fel­ter Ver­such, das Gehör­te in Schub­la­den zu ste­cken. Tief atmen Lon­don Under­ground die Luft ein, in der The Kinks, The United Sta­tes of Ame­ri­ca und wei­te­re Hero­en mit und ohne „The“ einst stan­den, und von dem Schweiß­ge­ruch bleibt dem Sän­ger ver­mut­lich die Luft weg, denn „Honey Drops“ ist ein Instru­men­tal­al­bum, aber ein wirk­lich gutes.

Es domi­niert die Ham­mond-Orgel und die Lust am Covern. Von den 12 Lie­dern sind neun Cover­ver­sio­nen auf dem Album zu fin­den, was nie­man­den ernst­haft stö­ren soll­te, denn Lon­don Under­ground spie­len nicht bloß alte Klas­si­ker nach, son­dern war­ten mit einem eige­nen Stil auf. So klingt Arz­a­chels „Queen St. Gang“ hier eben­so wenig nach Arz­a­chel wie Jet­h­ro Tulls „Dhar­ma For One“ hier nach Jet­h­ro Tull klingt, was selbst­ver­ständ­lich bedeu­tet, dass die Ori­gi­na­le auch wei­ter­hin nicht über­flüs­sig sind. (Gera­de Arz­a­chel ist für Freun­de dro­gen­schwan­ge­ren Psy­che­de­lic Rocks ein wah­rer Schatz.) Dass auch die Beat­les („Nor­we­gi­an Wood“) geco­vert wer­den, ist bei­na­he unver­meid­lich, war doch das Album „Rub­ber Soul“ einer der Aus­lö­ser der Psy­che­de­lic-Wel­le in den 60-er Jahren.

In ande­ren Wor­ten und einer ande­ren Sprache:

All in all „Honey Drops“ is a fan­ta­stic album which should plea­se all fans of retro-prog and instru­men­tal psychedelia.

Rein­hö­ren und mögen wird wärms­tens emp­foh­len, zum Bei­spiel per You­Tube.


Apro­pos obskur: Der bizar­re Erfin­der und ein­zi­ge Prot­ago­nist des gleich­sam bizar­ren Gen­res „Hip­pie­punk“, Ey Lou Flynn, sucht in sei­nem bizar­ren Blog reim­be­gab­te Krea­ti­ve, es gibt auch was zu ge-Wii-nnen (ich bit­te um Ver­zei­hung für die­ses sehr vor­her­seh­ba­re Wort­spiel). Helft zahlreich!