PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 6.1, unvoll­endet)

… Er hat­te nicht mit ihr gerech­net.

Unzäh­li­ge Male schon war er in die­ser klei­nen Stadt gewe­sen, hat­te einen Teil der, wie die Ande­ren sag­ten, besten Jah­re sei­nes Lebens dort zuge­bracht und letzt­lich ver­schwen­det. Er sah Freun­de wie Fein­de kom­men und gehen, ließ sei­ne Lei­den­schaf­ten auf­blü­hen und ver­wel­ken, wie sie ihm gera­de gescha­hen. Es war bequem, aber es füll­te ihn nicht aus. Die Lee­re hat­te ihn beglei­tet, seit er sei­ne Jugend hin­ter sich gelas­sen hat­te, und so oft er sich auch der Fei­er und der Lust hin­gab, so oft kehr­te sie zurück. Er dach­te an Sisy­phos, den grie­chi­schen Sagen­hel­den, und an des­sen Los, eine schwe­re Last ver­ge­bens einen Hang hin­auf­zu­stem­men.

Als in ihm die neue Lei­den­schaft auf­flamm­te, war er noch immer ruhe­los. Er woll­te Ant­wor­ten, doch jede Ant­wort warf neue Fra­gen auf, und jede Fra­ge war ein wei­te­rer Schnitt. Er wähn­te sich ver­lo­ren in dem Dickicht, das er selbst immer wie­der auf­for­ste­te, um der Lee­re zu ent­ge­hen. Auch des­halb nahm er die Gele­gen­heit wahr. Er brach die Brücken ab, die ihn bis dahin über die Lee­re gelei­tet hat­ten, und gab sich dem hin, was, wie er ein­mal gele­sen hat­te, man­che Men­schen als „neu­es Leben“ bezeich­nen. Er moch­te die­se Wor­te nicht.

Tat­säch­lich aber fühl­te es sich für ihn wie ein Neu­an­fang an. Er schätz­te es, in den Krei­sen derer zu ver­keh­ren, die sei­ne Begei­ste­rung teil­ten, und sich mit ihnen aus­zu­tau­schen. Bis zu die­sem Tag hat­te sich hier­bei nie etwas Ein­schnei­den­des ereig­net.

Die­ses Mal war etwas anders.

Es hat­te harm­los begon­nen. Als er den Treff­punkt erreich­te, traf er auf vie­le alte und neue Bekann­te. Er scherz­te mit ihnen und ging auf in den Gesprä­chen, die er führ­te, und ver­gaß hier­über end­lich, wes­halb er so weit gekom­men war und war­um er über­haupt hier war; er ver­gaß, wovor er geflo­hen war, und es inter­es­sier­te ihn auch nicht mehr. Ver­ges­sen waren die Jah­re, die sich für ihn anfühl­ten wie eine end­los schei­nen­de Visua­li­sie­rung des Stückes „Domed“ von And Also The Trees.

Dann sah er sie.

Sie stand am ande­ren Ende der Schlan­ge, in der er sich gera­de befand, und strahl­te ihn an. Ihr Blick war von einer Tie­fe, die er bis dahin nicht kann­te, und so wenig er die­ses Wort auch schätz­te, so kam er doch nicht umhin, ihre Erschei­nung („wie eine Mari­en­er­schei­nung“ dach­te er) ins­ge­samt als süß zu emp­fin­den, und schäm­te sich für die­ses Wort. Er kann­te ihren Namen, immer­hin (stand er auf ihrer Brust und) hat­ten sie sich in der Ver­gan­gen­heit schon aus­ge­tauscht. Nicht ein­mal im Traum aller­dings hät­te er ver­mu­tet, dass sich hin­ter die­sem ein Lächeln wie ihres ver­ber­gen wür­de.

Je län­ger er sich wider­setz­te, je mehr er ver­such­te, das Unaus­weich­li­che zurück­zu­drän­gen, desto lau­ter spiel­te der längst ver­ges­se­ne Plat­ten­spie­ler in sei­nem Kopf Lie­der aus ver­gan­ge­nen Zei­ten. In ano­ther land I try to find some­bo­dy. Längst stand er nicht mehr in der Schlan­ge, er fiel. Die Men­schen, die vor und hin­ter ihm spra­chen und lach­ten, bemerk­ten es nicht.

Nein, er hat­te nicht mit ihr gerech­net. …

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXII: Kann ja mal pas­sie­ren.

Offen­bar ist die Pira­ten­par­tei jetzt auch zum Vor­bild taug­lich. Seit neue­stem redet man näm­lich nicht nur dort aus­schließ­lich in offe­nen Brie­fen mit­ein­an­der, auch in Hol­ly­wood ist die­se Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on nun ange­kom­men:

Kri­sten Ste­wart hat sich bei ihrem Freund und „Twilight“-Kollegen Robert Patt­in­son öffent­lich für einen Sei­ten­sprung ent­schul­digt. In einer Erklä­rung, die das „People“-Magazin ver­brei­te­te, gab die 22-Jäh­ri­ge eine „flüch­ti­ge Indis­kre­ti­on“ mit einem ver­hei­ra­te­ten Mann zu. Gemeint ist dem­nach der 41-jäh­ri­ge Regis­seur Rupert San­ders, mit dem sie in dem Film „Snow White and the Hunt­s­man“ gespielt hat­te. San­ders hat­te kurz vor Ste­wart sei­ne Frau und Kin­der um Ver­ge­bung gebe­ten.

… und er so „kein Pro­blem, aber mach das nie wie­der“ und sie so „tihi“.

Wäre ich Robert Patt­in­son und/oder Frau und Kin­der von Rupert San­ders, ich wäre ein wenig erbost dar­über, dass der Lebens­part­ner über­haupt auf die Idee kommt, mit jeman­dem in die Kiste zu sprin­gen, des­sen Pri­vat­le­ben ohne­hin stän­dig in den Medi­en aus­ge­brei­tet wird (oder eben mit über­haupt irgend­wem), aber bei so Leu­ten ist das wohl nicht so üblich, denn mit einem Welt­star kann man eben her­vor­ra­gend prah­len.

Aller­dings hiel­te ich per­sön­lich es für ange­mes­se­ner, sel­bi­ges Trei­ben im Fami­li­en­kreis zu offen­ba­ren, anstatt den jewei­li­gen Part­ner via Bou­le­vard­pres­se dar­über in Kennt­nis zu set­zen. Aber ich bin ja auch kein Film­star.

Den Ter­mi­nus „flüch­ti­ge Indis­kre­ti­on“ mer­ke ich mir trotz­dem mal. Mit so etwas kann man es zumin­dest zum Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster schaf­fen.

(Mit Dank an L.!)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXI: Empö­rend: Poli­ti­ker hat ein Gewis­sen.

Ich zie­he, posi­tiv über­rascht, mei­nen dem­nächst noch zu kau­fen­den Hut bereits vor dem Erwerb: Rös­ler empört FDP mit Grie­chen­land-Kom­men­tar. Empört!!111

Mit nur zwei Sät­zen hat Phil­ipp Rös­ler die Debat­te um die Grie­chen­land-Ret­tung inner­halb der Regie­rung kräf­tig ange­heizt – und muss sich nun schar­fe Kri­tik aus der eige­nen Par­tei gefal­len las­sen. Er sei „mehr als skep­tisch“, dass Athen die har­ten Spar­auf­la­gen noch erfül­len könn­te, hat­te der Wirt­schafts­mi­ni­ster erklärt. Und: Der Gedan­ke an einen Euro-Aus­tritt der Grie­chen habe für ihn „sei­nen Schrecken ver­lo­ren“. Die Reak­tio­nen in der FDP rei­chen bis zum Vor­wurf der „Unpro­fes­sio­na­li­tät“. (…) Weni­ger diplo­ma­tisch äußer­te sich der libe­ra­le Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Jor­go Chat­zi­markakis. Das „Aus­maß an Unpro­fes­sio­na­li­tät“ der Rös­ler-Äuße­run­gen erstau­ne ihn und über­ra­sche in ganz Euro­pa.

Denn damit, dass ein Poli­ti­ker der F.D.P. zur Abwechs­lung mal etwas Gehalt­vol­les sagt, hat ganz Euro­pa schon auf­grund bis­he­ri­ger Erfah­run­gen nicht gerech­net.


Noch eine kur­ze Durch­sa­ge aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka: Wer sich nicht von Face­book durch­leuch­ten und pro­fi­lie­ren las­sen möch­te, stellt eine Bedro­hung für die Gesell­schaft dar. Der irre Atten­tä­ter von Oslo war eben­so wenig auf Face­book aktiv wie der Bat­man-Kil­ler.

Ein 24 Jah­re alter US-Ame­ri­ka­ner, ein ehe­ma­li­ger Stu­dent und Waf­fen­narr offen­bar, der nicht ver­netzt ist, kei­ne Bil­der tauscht und sei­ne Befind­lich­kei­ten nicht mit der Com­mu­ni­ty teilt. Das ist nicht nur ziem­lich sel­ten, son­dern kommt eini­gen auch ziem­lich ver­däch­tig vor.

Mit der Waf­fen­nar­re­tei hat das alles aller­dings, ver­steht sich, nichts zu tun.

SonstigesPiratenpartei
Dil­lin­ger Escape Plan – Par­ty Smas­her

Ereig­nis­rei­che Wochen­en­den sind ereig­nis­reich. Das Genie über­blickt das Cha­os, heißt es, und an mei­ner Genia­li­tät zweif­le ich dann aus­nahms­wei­se dann doch mal.

Und dann eben, zur Beru­hi­gung, vor allem: Lärm.

Dil­lin­ger Escape Plan – Par­ty Smas­her LIVE Pro-Shot (MI)

We are fore­ver ent­wi­ned stuck in a play we can’t lea­ve

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Last Remai­ning Pin­na­cle: Rhyth­mi­sche Stör­ge­räu­sche

Ich geste­he, ich muss­te mir die­ses Album erst schön­hö­ren; beim ersten Durch­lauf stör­te mich der mit aller­lei Effek­ten ver­se­he­ne Gesang ein wenig. Dann aller­dings hat es gezün­det, und dies mit einer Inten­si­tät, dass ich es für an die­ser Stel­le emp­feh­lens­wert hal­te.

Gemeint ist das Album „Visi­tors“ des Duos Last Remai­ning Pin­na­cle („der letz­te ver­blie­be­ne Gip­fel“) aus Vir­gi­nia Beach, Ju-Es-Ey, auf das ich bei Peter stieß. Gegrün­det wur­de die­se Com­bo als Ein­mann­pro­jekt bereits im Jahr 1995 von Dave Alli­son (Gesang, Gitar­re, Bass, Key­board, Schlag­zeug, Drum­com­pu­ter, Tam­bu­rin), der fort­an in Gemein­schafts­pro­jek­ten mit ver­schie­de­nen ande­ren Musi­kern diver­se Ver­öf­fent­li­chun­gen auf­nahm.

Erst 2011 stieß Dave Dem­bit­s­ky (Gitar­re) hin­zu, womit Last Remai­ning Pin­na­cle nun­mehr zu zweit sind. Das von den bei­den Musi­kern zu Gehör Gebrach­te schep­pert sich sehr ange­nehm in die Gehör­gän­ge, alle Zei­chen ste­hen auf low fide­li­ty und Gara­gen­rock. Unser­eins denkt da an The Fall, Sonic Youth und die legen­dä­ren The Vel­vet Under­ground, was ange­sichts eines Titels wie „Stu­dents Of The V.U.“ viel­leicht auch beab­sich­tigt ist. Das domi­nan­te Instru­ment ist natür­lich die Gitar­re.

Wie­der mal liegt hier Musik vor, die sich in kein Gen­re­kor­sett zwän­gen lässt. Über­wie­gend – ich schrieb es ja schon – wird noi­sig die Gara­ge gerockt. Stück 5 aller­dings, „Man­t­le Rota­ti­on 3“, fällt bereits aus dem Rah­men: Drei Minu­ten lang wird eine wie­der­keh­ren­de Ton­fol­ge abge­spielt, die nach eini­ger Zeit von einer lei­sen, qua­si ambi­en­ten Melo­die beglei­tet wird. Als ich das Album heu­te Mit­tag in Anwe­sen­heit Drit­ter hör­te, frag­te man mich, um wel­che Art von Stör­ge­räu­schen es sich hier­bei han­de­le, was ich ziem­lich amü­sant fand.

„Visi­tors“ erschien am 21. Mai 2012 und ver­dient mei­ne Emp­feh­lung, die es dann hier­mit auch mal bekommt. Inter­es­sen­ten kön­nen auf bandcamp.com das kom­plet­te Album im Stream hören sowie – lei­der momen­tan (?) nur – in nicht-phy­si­scher Fas­sung zum sym­bo­li­schen Preis von min­de­stens 0 Euro erwer­ben. Dies soll­te reich­lich getan wer­den.

In den Nachrichten
Braun­schweig: Schu­le, die kei­ne Schu­le sein will, darf nicht unter­rich­ten und fin­det das ras­si­stisch.

Der nie­der­säch­si­schen Stadt Braun­schweig gehör­ten und gehö­ren vie­le Per­sön­lich­kei­ten an, deren Exi­stenz auf unter­schied­li­che Wei­se berei­chernd war und ist. Eine die­ser Per­sön­lich­kei­ten ist Muha­med Cift­ci, ein dem Sala­fis­mus gegen­über offe­ner Islam­pre­di­ger.

Die­ser Pre­di­ger betreibt seit 2007 eine reli­giö­se Lehr­an­stalt, in der zuletzt bis zu 300 Schü­ler ein­ge­schrie­ben gewe­sen sein sol­len. Im Inter­net ist sel­bi­ge zur­zeit noch unter islamschule.de erreich­bar.

Im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res nun, so schrei­ben Tes­sa Ranzau und Kat­rin Tesch­ner in der heu­ti­gen Aus­ga­be der Braun­schwei­ger Zei­tung, sei die­se Islam­schu­le von der Staat­li­chen Zen­tral­stel­le für Fern­un­ter­richt dar­um gebe­ten wor­den, einen Antrag für eine Geneh­mi­gung für Fern­un­ter­richt ein­zu­rei­chen, der bis dahin nicht ein­ge­gan­gen war. In der ver­gan­ge­nen Woche wur­de die­ser der­weil ein­ge­gan­ge­ne Antrag nun abge­lehnt, da sowohl Muha­med Cift­ci als auch sei­ne Islam­schu­le zur Radi­ka­li­sie­rung der Schü­ler bei­trü­gen und die ver­tre­te­nen Gewalt ver­harm­lo­sen­den, chri­sten- und juden­feind­li­chen The­sen nicht mit den Grund­re­geln die­ser Gesell­schaft ver­ein­bar sei­en. Der Ableh­nungs­be­scheid ver­pflich­tet Herrn Cift­ci nun dazu, von dem Anbie­ten von Fern­lehr­gän­gen künf­tig Abstand zu neh­men.

Muha­med Cift­ci selbst äußer­te sich hier­zu wie folgt:

Wir sind kei­ne Schu­le, jeder kann sich im Inter­net unse­re Vide­os anschau­en. (…) Offen­bar war das Ziel von Anfang an, die Islam­schu­le zu ver­bie­ten.

Wir ler­nen zwei­er­lei:

Erstens: Die Islam­schu­le, die unter islamschule.de bewor­ben wird, ist auch dann kei­ne Islam­schu­le, son­dern ein Video­por­tal, wenn sie einen Antrag ein­reicht, die Rech­te einer Schu­le wahr­neh­men zu dür­fen.

Zwei­tens: Wenn eine staat­li­che Stel­le einem radi­kal­is­la­mi­schen Pre­di­ger, der kei­ne Schu­le betrei­ben will, ver­bie­tet, eine Schu­le zu betrei­ben, ist das das Ergeb­nis einer fie­sen, womög­lich anti­is­la­mi­schen Ver­schwö­rung und nicht etwa ange­mes­sen.

(Klar: In einer Glüh­bir­ne ist ja auch kei­ne Bir­ne drin, also muss in einer Islam­schu­le auch kei­ne Schu­le drin sein.)

„I see dumb peo­p­le.“
– Jim Davis, c/o „Harsh Times“

Spaß mit Spam
You will love the results on your organ

Soeben erreich­te mich eine E‑Mail von einem Herrn Enlar­ge with Free Sam­ple (mit die­sem Namen ist man natür­lich auch nicht son­der­lich gut dran).

Sie trug die­sen Betreff:

You will love the results on your organ

„Sie wer­den die Ergeb­nis­se auf Ihrer Orgel lie­ben“. das klingt nach einem guten Titel für ein Musik­al­bum. Soll­te ich also jemals Voll­zeit­mu­si­ker wer­den, so wäre die­se Schwie­rig­keit schon im Vor­aus aus der Welt geschafft.

Bis­lang hat­te ich als guten Band­na­men „Denen“ und als guten Namen für ein Musik­al­bum „Das Album da“ im Sinn, nur um Kauf­wil­li­ge im Plat­ten­la­den dabei beob­ach­ten zu kön­nen, wie sie sagen, sie hät­ten gern das Album da von denen. Aber so wird es eben zu einem zwei­ten Album füh­ren müs­sen.

Wie der Text der E‑Mail schon so rich­tig sagt:

Fan­ta­stic results gua­ran­teed
http://hardbiger.(zensiert)/

„Fan­ta­sti­sche Ergeb­nis­se garan­tiert! Mit freund­li­chen Grü­ßen, Ihr har­ter Biger.“

Das wäre natür­lich auch ein tol­ler Künst­ler­na­me.

(Abt.: Wit­ze, für die uns man­che US-Ame­ri­ka­ner gele­gent­lich um unse­re Spra­che benei­den.)

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CX: Die Mär von der wach­sen­den Lösch­höl­le.

heise.de so:

Wiki­pe­dia-Autoren­schaft schrumpft, Zahl der Arti­kel steigt

Um das noch mal klar her­vor­zu­he­ben: Es wer­den mehr Arti­kel.

Dass sich in all den Jah­ren eine gewis­se Sät­ti­gung ein­ge­stellt hat, ist selbst­ver­ständ­lich: Je mehr Arti­kel es gibt, desto weni­ger wei­ße Flecken gibt es. Die ver­blei­ben­den wei­ßen Flecken rich­ten sich immer mehr an „Fach­leu­te“. Men­schen mit einer begrenz­ten All­ge­mein­bil­dung wer­den sich in einer qua­si belie­bi­gen Wiki­pe­dia nicht mehr son­der­lich umfas­send betei­li­gen kön­nen: Aus­rei­chend umfas­sen­de Arti­kel zum Sub­jekt „Baum“ gibt es in jeder – selbst in der latei­ni­schen – Sprach­fas­sung.

Die­se weni­gen „Fach­leu­te“ – die geschrumpf­te Autoren­schaft – ver­fas­sen ins­ge­samt mehr Arti­kel. Und wer ist schuld dar­an? In der Vor­stel­lung der Mit­glie­der des hei­se-Forums ist der Fall klar: Die „lösch­wü­ti­gen Troll-Admins“ natür­lich.

Offen­bar hat da irgend­je­mand etwas miss­ver­stan­den.

Piratenpartei
Alt­pi­ra­ten, Neu­pi­ra­ten, Macht­pi­ra­ten, Schnau­ze hal­ten.

(Vor­be­mer­kung 1: Ich bin nach wie vor Mit­glied der Pira­ten­par­tei, und dass dies nicht unbe­dingt Blind­heit gegen­über dem Zustand der Par­tei und Schön­fär­be­rei äußerst unan­ge­neh­mer Vor­gän­ge mit sich bringt, muss anschei­nend gele­gent­lich klar­ge­stellt wer­den. Das mache ich jetzt mal.
Vor­be­mer­kung 2: Dies ist eine Zustands­ana­ly­se und kein offe­ner Brief. Sie könn­te Pole­mik und/oder über­zo­ge­ne Dar­stel­lun­gen ent­hal­ten.)

Ende Juli fin­det in Nie­der­sach­sen eine neue Auf­stel­lungs­ver­samm­lung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land für die Land­tags­wah­len im Jahr 2013 statt. Natür­lich sehen das jetzt vie­le als ihre Chan­ce, doch noch einen der begehr­ten Listen­plät­ze zu ergat­tern, und dum­mer­wei­se fin­det die Pres­se das inter­es­sant.

Begie­rig neh­men die Medi­en die Que­re­len, die seit Wochen wie­der mal hoch­ko­chen, auf, ver­dre­hen sie und sug­ge­rie­ren, dass die Pira­ten­par­tei mal wie­der an der Stur­heit weni­ger Idio­ten zer­bricht. Und da es ja in letz­ter Zeit Mode gewor­den ist, einen Zwist nicht mehr Auge in Auge aus­zu­tra­gen, son­dern sich nur noch in offe­nen Brie­fen mit­ein­an­der zu unter­hal­ten, bewer­fen sich die Pira­ten gegen­sei­tig immer wie­der mit neu­en Pam­phle­ten, jedes län­ger und bescheu­er­ter als das vor­he­ri­ge.

An die „lie­ben Neu­pi­ra­ten“ etwa wen­det sich ein offe­ner Brief, in dem von selbst ernann­ten Alt­pi­ra­ten, die also allein schon des­we­gen wis­sen müs­sen, wor­um es bei den Pira­ten geht, erklärt wird, wor­um es bei den Pira­ten angeb­lich gehe. Die drei Ver­fas­ser ver­tre­ten die Grün­dungs­the­sen, was an sich löb­lich ist, sind aller­dings auch furcht­bar stolz dar­auf, dass im pira­ti­schen Sin­ne das Pro­gramm um eine libe­ra­le Dro­gen­po­li­tik erwei­tert wur­de. Die­je­ni­gen, die auf dem ent­spre­chen­den Par­tei­tag gegen die­sen Antrag gestimmt haben, wer­den von ihnen indi­rekt als Wich­tig­tu­er beschimpft („(…) wer war gegen die­sen Antrag? Qua­si aus­schließ­lich Leu­te, die zuvor nie­mand auf einem Par­tei­tag gese­hen hat­te. Neue Leu­te.“) und mit einem trau­ri­gen Emo­ti­con bedacht. Das ist ein biss­chen scha­de. (Trotz­dem emp­feh­le ich vor dem Wei­ter­le­sen, besag­ten offe­nen Brief ein­mal zur Kennt­nis zu neh­men, denn im Kern ver­dient das dort Geschrie­be­ne zumin­dest mei­ne Zustim­mung.)

Dem vor­aus­ge­gan­gen war ein ande­rer offe­ner Brief namens „Machen statt labern!“, initi­iert von aus­ge­rech­net denen, die die Pres­se über­ein­stim­mend als macht­gie­ri­ge Empor­kömm­lin­ge ansieht. Zusam­men­ge­fasst sta­tu­ie­ren sie, dass Pirat­sein bedeu­tet, dass man sich aktiv ein­bringt, statt meter­lan­ge Mono­lo­ge auf den pira­ten­ei­ge­nen Mai­ling­li­sten zu hal­ten. Dass die Initia­to­ren selbst vor­treff­lich dar­in sind, in eben­die­sen Listen ihre eige­ne Arbeit zu loben, ist eigent­lich selbst­er­klä­rend. („Machen statt labern“ mit­hil­fe eines ziem­lich lan­gen offe­nen Brie­fes – Gela­bers – zu for­dern setzt immer­hin auch eini­ge Chuz­pe vor­aus, hier­für Applaus.) Ich äußer­te mich hier­zu bereits an geeig­ne­ter Stel­le.

Ein drit­ter offe­ner Brief erreich­te gestern das Web, des­sen Ver­fas­ser immer­hin rich­tig erkannt hat, dass das Pro­blem der Pira­ten nicht Alt- und Neu­pi­ra­ten sind, son­dern „Nicht­pi­ra­ten“, also die­je­ni­gen, denen es allein um einen attrak­ti­ven Posten im Land- oder Bun­des­tag und nicht um die pira­ti­schen Idea­le geht. Der kon­struk­ti­ve Ansatz hier fehlt gänz­lich, ein „so kann es nicht blei­ben“ ist sicher eben­so gut und rich­tig wie die (sel­te­ne) Benen­nung derer, die die pira­ti­schen Idea­le zu tor­pe­die­ren ver­su­chen, aber das Zurück­hal­ten von „Ego­isten und Kar­rie­ri­sten“ – tref­fend zusam­men­ge­fasst – allein besei­tigt die zwei gro­ßen Pro­ble­me noch nicht, die der nie­der­säch­si­sche Lan­des­ver­band der Pira­ten­par­tei zur­zeit hat.

Eines die­ser bei­den Pro­ble­me ist die anste­hen­de Wahl, die natür­lich auch Leu­te anlockt, von denen man bis dato noch nie etwas gehört hat. Wah­len, infol­ge derer die Pira­ten­par­tei mit ziem­li­cher Sicher­heit eini­ge Plät­ze im Land­tag bekom­men wird, sind ein guter Nähr­bo­den für Leu­te, die Inter­es­se an einem gut bezahl­ten Ses­sel­furz­er­da­sein haben. Für wel­che Par­tei sie in die Ses­sel fur­zen, ist ihnen weit­ge­hend egal, zumin­dest erwecken sie die­sen Ein­druck. Als Poli­ti­ker muss man zwar in der Lage sein, sich selbst posi­tiv her­vor­zu­he­ben, nicht jedoch gegen­über dem Rest sei­ner Par­tei. „Wählt mich, ihr seid alle kacke“ wird nie­man­den in einen Land­tag hie­ven. Wer die Akti­ven-Mai­ling­li­ste des Lan­des­ver­ban­des ver­folgt (dies geht auch per Web­brow­ser), dem dürf­te nicht ent­gan­gen sein, dass die­se simp­le Regel offen­bar noch nicht von jedem ver­stan­den wor­den ist.

Bei den Pira­ten kommt man nicht nach oben, indem man gegen unlieb­sa­me Kon­kur­renz intri­giert, ganz gleich, wie groß und ver­schla­gen der Kreis der eige­nen Unter­stüt­zer ist. Das soll­te sich all­mäh­lich mal her­um­spre­chen.

Apro­pos Ver­schla­gen­heit: Das ande­re der bei­den Pro­ble­me ist der gegen­wär­ti­ge Lan­des­vor­stand, der sich vor allem dadurch her­vor­tut, dass er die bedin­gungs­lo­se Basis­de­mo­kra­tie – bekannt­lich eines der Grün­dungs­idea­le der Pira­ten­par­tei – und die umfas­sen­de Trans­pa­renz gern mal igno­riert. Für in die­ser – rein poli­ti­schen – Hin­sicht beson­ders ver­ach­tens­wert befin­de ich per­sön­lich Tho­mas Gaul, den gegen­wär­ti­gen stell­ver­tre­ten­den Lan­des­vor­sit­zen­den, der beson­ders das mit der Trans­pa­renz nicht son­der­lich gut zu fin­den scheint. Zwar ist er natür­lich meist über kom­men­de Ent­wick­lun­gen des Lan­des­ver­ban­des infor­miert, hält es jedoch nicht für nötig, selbst auf Nach­fra­ge die Basis ins Bild zu set­zen. Eigent­lich könn­te man Tho­mas Gaul pro­blem­los durch ein Perl-Skript erset­zen, das auf jede Ein­ga­be mit „Ich weiß es, ihr wer­det es erfah­ren.“ ant­wor­tet. Es mutet befremd­lich an, dass er auf jede Kri­tik an die­sem Stil mit „Mach’s doch bes­ser!“ reagiert und dann trotz­dem nicht zurück­tritt. Ja, was inter­es­siert so einen Vor­stand schon der Pöbel, der ja doch nur auf Kreis­ebe­ne agiert?

Es ist scha­de, dass der rest­li­che Lan­des­vor­stand eben­falls nicht unbe­dingt geschick­ter agiert. Kürz­lich etwa wur­de gefragt, ob die Mehr­heit der Basi­s­pi­ra­ten in Nie­der­sach­sen eine Auf­stel­lungs­ver­samm­lung in Del­men­horst oder in Wol­fen­büt­tel (eini­ge Wochen frü­her) bevor­zu­gen wür­de. Die Mehr­heit ent­schied sich für Del­men­horst, der Lan­des­vor­stand beschloss ein­stim­mig, sich dar­über hin­weg­zu­set­zen. Begrün­det wur­de die­ses Igno­rie­ren der basis­de­mo­kra­ti­schen Prin­zi­pi­en damit, dass es sich nur um eine Umfra­ge und nicht um eine Abstim­mung gehan­delt habe. Den genau­en Unter­schied konn­ten und/oder woll­ten die Ver­ant­wort­li­chen aller­dings nicht benen­nen. Dass das bis­lang eine (unrühm­li­che) Aus­nah­me war und es sicher gute Grün­de für die Ent­schei­dung gege­ben hat, wird den nach­hal­ti­gen Scha­den, den es ange­rich­tet hat, nicht zu repa­rie­ren ver­mö­gen. Ich schät­ze, eine Wie­der­wahl wird erfolg­los blei­ben.

Dies alles ein­mal bei­sei­te gelas­sen und zurück zum kon­struk­ti­ven Teil: Bei den Pira­ten geht es nicht um alt oder neu, um Basis oder Vor­stand, um Kern­pi­rat oder Voll­pi­rat, wenn­gleich ich per­sön­lich die­je­ni­gen, die eine kon­ti­nu­ier­li­che Pro­gramm­er­wei­te­rung als not­wen­dig erach­ten, mei­ner­seits für rea­li­täts­fern hal­te. Eine in fast jeder Hin­sicht ande­re Par­tei wie die Pira­ten­par­tei kann damit leben, dass sich immer wie­der Neu­an­kömm­lin­ge mit alt­be­kann­ten Fra­gen zu Wort mel­den, weil sie die Pira­ten­par­tei mit einer Pro­test­par­tei oder mit „den bes­se­ren Grünen/Linken/Liberalen“ ver­wech­seln. Das ist nicht schlimm, so lan­ge die­se Neu­an­kömm­lin­ge nicht ver­su­chen, die unum­stöß­li­chen Grund­sät­ze der Par­tei zu beschä­di­gen.

Die Pira­ten­par­tei hat kei­ne Par­tei­li­nie, der man sich unter­ord­nen soll­te. Sie ist nicht „gegen Rechts“, „gegen Hartz IV“ oder „gegen schlech­tes Wet­ter“. Die Pira­ten­par­tei steht nicht „gegen“ etwas. Sie steht „für“ etwas. Die­ses „für“ ist das gemein­sa­me Ziel, eine, wenn schon nicht immer bes­se­re, zumin­dest ande­re Poli­tik zu machen. Das geht ohne die Stö­ren­frie­de genau so gut wie mit ihnen. Das Pro­gramm, das die Pira­ten­par­tei ver­tritt, wird nach wie vor von denen gemacht, die die mei­sten Sym­pa­thien ern­ten kön­nen – eben von der Mehr­heit.

Was also ist zu emp­feh­len? Nun, ich bin da prag­ma­tisch: Ihr wollt Poli­tik machen? Dann tut das – und sprecht nicht dar­über. Alt­pi­ra­ten, Neu­pi­ra­ten, Macht­pi­ra­ten: Ein­fach mal Schnau­ze hal­ten. Die Segel des Pira­ten­schiffs wer­den nicht von der hei­ßen Luft vor­an­ge­trie­ben, die ihr mit euren offe­nen Brie­fen fabri­ziert. Man kommt auch über Umwe­ge ans Ziel; man soll­te es nur nicht weit­räu­mig umfah­ren. Die­ses Ziel ist gesetzt. Sucht euch eine Rou­te, aber fragt nicht stän­dig nach dem Weg. Wenn ihr eure See­kar­te ver­lo­ren habt, dann gebt es wenig­stens offen zu, aber fragt nicht die Pres­se danach, ob sie sie viel­leicht gefun­den hat. Das wird schei­tern.

Ach, die­se Pira­ten sind schon bescheu­ert manch­mal. Aber lie­bens­wert. Sie sind so mensch­lich.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXI: Der Mythos vom Nicht­mit­ma­chen

Das Autoren­duo Hol­ger Bleich und Rag­ni Seri­na Zlo­tos wid­met zwei Dop­pel­sei­ten in der neu­en Aus­ga­be des Tech­nik­ma­ga­zins c’t ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten, die eige­ne Web­prä­senz (und nicht etwa „Inter­net­prä­senz“) mit so genann­ten „sozia­len Netz­wer­ken“ wie Goog­le+ und Face­book sowie mit dem Mikro­blog­sy­stem Twit­ter zu ver­knüp­fen.

Dabei kommt außer diver­sen jeweils haus­ei­ge­nen Plug­ins, etwa dem Face­book-Plug­in für Word­Press, das mal eben den eige­nen Kom­men­tar­be­reich auf den Ser­ver eines Dritt­an­bie­ters ver­la­gert, auch der gran­dio­se Dienst ifttt vor. Dass die bei­den Autoren noch am Anfang ihres Arti­kels die Nach­tei­le eines Face­book-Auf­tritts (näm­lich das Abtre­ten der mei­sten Rech­te an die­sem Auf­tritt) beto­nen und also, aus­ge­rech­net Sascha Lobo zitie­rend, dazu raten, lie­ber auf eine eige­ne Domain zu set­zen, ist ihnen zugu­te zu hal­ten, um so weni­ger jedoch ver­ste­he ich, wie­so sie bei ifttt als „gro­ßen Nach­teil“ benen­nen, dass der Dienst auf die jewei­li­gen Kon­ten (Twit­ter, Face­book, …) Schreib­zu­griff benö­tigt, wäh­rend sie sich über die Nach­tei­le einer direk­ten Face­book-Inte­gra­ti­on aus­schwei­gen.

Beson­ders auf­fäl­lig aller­dings waren die­se Sät­ze:

Sicher­lich wird es eine Wei­le dau­ern, bis sich Ihre Ver­zah­nung mit sozia­len Medi­en posi­tiv aus­wirkt. Eines ist jedoch sicher: Wer nicht mit­macht, der bekommt aus die­sen Kanä­len sel­ten posi­ti­ve Auf­merk­sam­keit.

In ande­ren Wor­ten: Wer bewusst dar­auf ver­zich­tet, sei­ne Bei­trä­ge auto­ma­ti­siert in irgend­ei­nes der unzäh­li­gen „sozia­len Netz­wer­ke“ zu schmie­ren, der han­delt fahr­läs­sig und wird des­we­gen kaum Leser erhal­ten.

So weit die Theo­rie.

Die­se Theo­rie wäre zutref­fend, wären die im Arti­kel genann­ten Dien­ste Face­book, Twit­ter und Goog­le+ vom Rest des Webs abge­schot­te­te Inseln, auf denen man nur wahr­nimmt, was inner­halb ihrer Gren­zen geschieht. (Sym­pa­thi­sche Men­schen wür­den nun sagen: Ja, auf Face­book ist das doch genau so.) Aller­dings funk­tio­nie­ren sozia­le Medi­en eben nicht des­halb mehr oder weni­ger gut, weil Com­pu­ter­pro­gram­me dort Din­ge ver­öf­fent­li­chen, son­dern des­halb, weil Men­schen es tun.

Ich habe, seit ich ein „Web­log“ (bezie­hungs­wei­se eben die­se Sei­te hier) betrei­be, noch nie einen neu­en Arti­kel auto­ma­tisch getwit­tert oder geface­bookt oder gegoo­gle­plust. Eine Aus­nah­me mache ich, wenn ich etwas zu einer aktu­el­len Dis­kus­si­on auf Twit­ter geschrie­ben habe, dann füge ich gele­gent­lich manu­ell einen Ver­weis zu dem ent­spre­chen­den Bei­trag an einen Tweet an. Bei­trä­ge, die ich selbst für beson­ders erwäh­nens­wert hal­te, kopie­re ich manch­mal auch in mein Dia­spo­ra-Pro­fil (zur­zeit wird hier oben rechts dar­auf ver­linkt) und erfreue mich an den drei oder vier Kom­men­ta­ren, die ich dort in der Regel erhal­te, aber zu einem Ansturm an Besu­chern führt das schon des­halb nicht, weil ich sel­ten die Adres­se zum Ori­gi­nal­ar­ti­kel dort hin­ter­las­se. Wel­chen Mehr­wert hät­te das?

Und obwohl ich weder Face­book noch Goog­le+ mit rele­van­ten Inhal­ten befül­le, obwohl ich nicht auto­ma­ti­siert twit­te­re oder sonst­wie das mensch­li­che Mit­ein­an­der dort mit­hil­fe see­len­lo­ser Algo­rith­men stö­re, die nur der plum­pen Eigen­wer­bung die­nen, fin­den immer wie­der Besu­cher von dort mei­ne Arti­kel. Mei­ne dies­wö­chi­ge Ver­weis­sta­ti­stik, also die Sta­ti­stik der Web­sei­ten, von denen aus am häu­fig­sten Besu­cher auf mei­ne Web­prä­senz gelan­gen, wird nicht sel­ten von Twit­ter ange­führt:

Wor­an das liegt? Nun, aller Wahr­schein­lich­keit nach dar­an, dass „sozia­le Netz­wer­ke“ auf dem Prin­zip des Tei­lens basie­ren. Wenn jeman­dem aus irgend­wel­chen Grün­den gefällt, was ich schrei­be, dann steht es ihm frei, hier­auf in einem „sozia­len Netz­werk“ sei­ner Wahl zu ver­wei­sen. Auf die­se Wei­se wer­den mir sogar Besu­cher von facebook.com und plus.google.com beschert, obwohl ich die nun wirk­lich nicht ein­ge­la­den habe.

Aber auch, wer nicht auf Face­book oder der­glei­chen über einen Ver­weis hier­her stol­pert und sich dabei hof­fent­lich kei­ne Bles­su­ren zuzieht, ist in der Lage, in den Wei­ten des Webs aus­ge­rech­net mei­ne Tex­te zu fin­den. Die Tech­nik, die dies ermög­licht, ist älter als Face­book, Goog­le und Twit­ter. Sie heißt Such­ma­schi­ne.

Hol­ger Bleich und Rag­ni Seri­na Zlo­tos schei­nen die Benut­zer von Face­book, Goog­le+ und Twit­ter für so beschränkt zu hal­ten, dass für jene in ihrer Vor­stel­lung „das Inter­net“ nur noch aus die­sen drei Por­ta­len und dem Mail­pro­gramm (bezie­hungs­wei­se eben Goog­le Mail oder Face­books Mail­sy­stem) bestehe; dass sie sich einer Exi­stenz ande­rer Web­sei­ten gar nicht mehr bewusst sei­en, weil sich ihr digi­ta­les Leben allein dort abspie­le. Tat­säch­lich aber ist das, was ich publi­zie­re, pro­blem­los auch per Duck­Duck­Go, Bing, Blek­ko und Goog­le zu fin­den, wenn es nur dem Gesuch­ten nahe kommt.

Wenn etwa jemand wis­sen möch­te, was das Pro­gramm ilividsetupv1.exe (immer noch unan­ge­foch­ten an der Spit­ze der hie­si­gen Such­be­grif­fe) genau macht, dann kann er ent­we­der auf sei­ner Face­book-Pinn­wand danach fra­gen, wor­auf­hin irgend­je­mand in der Such­ma­schi­ne sei­ner Wahl danach suchen und viel­leicht mei­nen Bei­trag dazu fin­den wird, oder dies selbst tun. Das Ergeb­nis ist das glei­che: Web­sei­ten aus dem „rest­li­chen Inter­net“ fin­den in Form eines Ver­wei­ses ihren Weg in die gera­de im Trend lie­gen­den „sozia­len Netz­wer­ke“, ohne dass es dazu akti­ver Unter­stüt­zung des Autors („Urhe­ber“ ist ja die­ser Tage eher ein Schimpf­wort) bedarf.

Wer also von der Face­book-Kli­en­tel gele­sen wer­den möch­te, der muss nicht sei­ne Web­prä­senz mit kilo­byte­wei­se Java­script zu einer Wer­be­platt­form für irgend­wel­che gro­ßen Por­ta­le machen. Es gilt die glei­che Regel wie für die­je­ni­gen, die auf tech­ni­sche SEO (Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung) set­zen und dar­über den Inhalt ver­ges­sen: Leser erwar­ten vor­ran­gig inhalt­li­chen Mehr­wert. Eine tol­le bun­te Kom­men­tar­funk­ti­on und eine Ein-Klick-Lösung, um das Gefal­len aus­drücken zu kön­nen, ohne „Dan­ke!“ schrei­ben zu müs­sen (das scheint ja eine aus­ster­ben­de Tra­di­ti­on zu sein), sind besten­falls zweit­ran­gig. Ich habe noch kei­ne Web­site besucht, weil ich ihre Kom­men­tar­funk­ti­on so toll fand – und wer mir nichts zu sagen hat, der wird mich nie wie­der sehen.

Aber viel­leicht habe ich das mit dem Web auch ein­fach nur falsch ver­stan­den.

Persönliches
Das Damo­kles­schwert der eige­nen Avant­gar­de: Eli­te ist ein Arsch­loch.

Gele­gent­lich wirft man mir vor, ich wür­de hier emp­foh­le­ne Musik, die nicht dem Zeit­geist ent­spricht, nur des­halb gou­tie­ren, ein rich­ti­ges Buch nur des­halb jedem „eBook“ vor­zie­hen und das momen­tan modi­sche Linux prin­zi­pi­ell nur des­halb kri­ti­sie­ren, um auf­zu­fal­len. Ein ent­fernt Bekann­ter drück­te es ein­mal so aus: „Haupt­sa­che, gegen den Wind pis­sen.“ Wer aber so han­delt, ist schlicht dumm (und kann sich ver­mut­lich öfter neue Klei­dung lei­sten als ich). Ich wer­de die­se kon­kre­ten Vor­wür­fe im Fol­gen­den aus Grün­den kurz the­ma­ti­sie­ren.

Begin­nen wir am Ende, näm­lich bei der eigent­li­chen Anschul­di­gung des Auf­fal­len­wol­lens. Bei­spie­le für Men­schen, die man mit die­ser Vor­hal­tung immer noch viel zu sel­ten zu kon­fron­tie­ren scheint, sind die lästi­gen Zeit­ge­nos­sen, die, sobald sie sich beob­ach­tet wäh­nen, ihr stets griff­be­rei­tes elek­tro­ni­sches Spiel­zeug von Apple zücken, um auf­fäl­lig damit her­um­zu­han­tie­ren, als woll­ten sie signa­li­sie­ren: Seht her, was ich mir irgend­wann mal lei­sten konn­te! Mein eige­ner Anspruch an das, was ich nach außen hin an mate­ri­el­len Wer­ten trans­por­tie­re, ist jedoch nicht auf blo­ße Zuge­hö­rig­keit zu einer Mas­se beschränkt.

Die Sache mit den Betriebs­sy­ste­men.

Dass ich an BSD-Syste­men außer ihrer bedin­gungs­lo­sen Frei­heit, ihrer beein­drucken­den Geschich­te und ihren tech­ni­schen Inno­va­tio­nen auch den cool­ness-Fak­tor schät­ze, steht außer Fra­ge. Ich ren­ne jedoch nicht mit mei­nem jeweils gegen­wär­ti­gen Betriebs­sy­stem in der Gegend her­um und hal­te es jedem unter die Nase, um damit zu prah­len, das wäre doch zu viel des Guten.

Wäh­rend sich ehr­fürch­ti­ge Linux­jün­ger von nack­ten tech­ni­schen Fak­ten allein – ich berich­te­te – nicht über­zeu­gen las­sen und sich nach Her­zens­lust in den mei­sten EDV-Foren dar­um zan­ken, wel­che Dis­tri­bu­ti­on die wirk­lich aller-aller­be­steste ist, aber sich immer­hin dar­auf ver­stän­di­gen kön­nen, dass Wind000f voll kacke ist, nut­ze ich die Zeit näm­lich sinn­vol­ler und arbei­te mit den Betriebs­sy­ste­men, statt über sie zu dis­ku­tie­ren. Ein Betriebs­sy­stem ist ein Werk­zeug, mit­hil­fe des­sen man sei­ne Arbeit ver­rich­tet, und nicht die Arbeit selbst. (Man stel­le sich vor, Bau­markt­kun­den wür­den sich bei jedem Auf­ein­an­der­tref­fen dar­über strei­ten, dass ihr bevor­zug­tes Ham­mer­mo­dell das bes­se­re ist. Das gäbe ein Getö­se!)

Wer das ver­stan­den hat, der weiß, dass jedes Betriebs­sy­stem sei­ne Exi­stenz­be­rech­ti­gung hat, dass jedes von ihnen sei­ne indi­vi­du­el­len Stär­ken und Schwä­chen besitzt und wie man die ver­schie­de­nen Syste­me also opti­mal ein­setzt, um für sich per­sön­lich das best­mög­li­che Ergeb­nis zu errei­chen. Aber als rei­ner (gar: neu­er) Linux­nut­zer möch­te man natür­lich auf­fal­len, man möch­te dazu gehö­ren zu der unfass­bar eli­tä­ren Mas­se der paar Mil­lio­nen ande­ren Linuxan­wen­der. Womög­lich trügt der Anschein, aber ich habe den Ein­druck gewon­nen, stol­ze Linux­er (die mit dem Pin­gu­in-T-Shirt) erhö­hen die Laut­stär­ke ihrer Start­klän­ge mit vol­ler Absicht, um allen Umste­hen­den unmiss­ver­ständ­lich klar­zu­ma­chen, dass man Linux (und zwar jeweils das ein­zig rich­ti­ge Linux) nutzt und somit gefäl­ligst als Geek zu gel­ten hat. Linux­er, ein vor­neh­mer Geheim­bund wie sonst nur die CDU.

Und sol­che Leu­te wer­fen mir vor, mich je nach Ein­satz­zweck für das eine oder ande­re Werk­zeug zu ent­schei­den, um auf­zu­fal­len. Da bedan­ke ich mich und wün­sche gute Bes­se­rung.

Die Sache mit den Büchern.

Für eBooks gilt im Wesent­li­chen das, was für Musik unter vie­lem ande­ren auch gilt: Das Auge isst mit. Und abge­se­hen von dem meist weit ansehn­li­chen Äuße­ren: Ein eBook kann man sich nicht ins Regal stel­len, man spürt das Umblät­tern nicht, und vor allem kommt aller Vor­aus­sicht nach nicht eines Tages ein Buch­händ­ler vor­bei und nimmt mir mei­ne Bücher wie­der weg.

Abson­der­li­cher­wei­se warf man mir schon mehr­fach Tech­nik­feind­lich­keit vor, weil ich mich weder mit „Tablet-PCs“ – die Din­ger haben ja nicht mal eine brauch­ba­re Tasta­tur – noch mit „eBook“-Lesegeräten wie dem Kind­le von Ama­zon anfreun­den kann; als wäre man rück­stän­dig, wenn man nicht jeden Trend blind ver­folgt; als wäre es eine Behin­de­rung, nicht jedes neue elek­tro­ni­sche Spiel­zeug besit­zen zu wol­len.

Ein­mal abge­se­hen vom ideel­len Stand­punkt: Leu­te, euer Geld hät­te ich mal ger­ne. Ach, apro­pos Geld.

Die Sache mit der Musik.

Dass ich viel Zeit damit ver­brin­ge, nach dem per­fek­ten Hör­ge­nuss zu stre­ben, ist regel­mä­ßi­gen Lesern mei­ner Publi­ka­tio­nen sicher bekannt. Mein gele­gent­li­cher Kon­sum ver­meint­lich unhör­ba­ren Krachs – und wäh­rend ich dies schrei­be, spielt mein Web­brow­ser hier gera­de das Stück „Bien­ve­nue à Baby­lo­ne“ von Sebkha-Chott ab – lässt auch des­halb oft irri­tier­te Men­schen mit fra­gen­dem Blick zurück. „War­um“, fra­gen sie dann, „hörst du denn so was?“.

Dabei ist die­se Fra­ge eigent­lich nicht unbe­dingt sinn­voll. Ich höre Musik, weil sie mir gefällt oder weil ich gern her­aus­fin­den möch­te, ob sie mir gefällt. (Auf Amazon.de heißt das dann „Rein­hö­ren“.) Dass ich schrä­ge Musik nicht nur des­halb schät­ze, weil sie so schön schräg ist, soll­te klar sein, ich ver­wei­se hier­zu noch­mals auf mei­nen Bei­trag über Musik­fa­schis­mus. Jede Situa­ti­on, jeder Moment im Leben erfor­dert ande­re Musik, und wenn man den gan­zen Tag lang nur die glei­chen drei Lie­der hört, wird man doof.

Inwie­fern man mit Musik­ge­schmack, dem man nor­ma­ler­wei­se für sich allein oder im Kreis Gleich­ge­sinn­ter frönt, auf­fal­len kann, weiß ich nicht zu begrei­fen. Womit man jedoch auf­fal­len kann und zwei­fels­oh­ne auch wird, ist die zwei­te Ebe­ne des Musik­kon­sums, näm­lich die Wie­der­ga­be selbst.

Damit mei­ne ich nicht ein­mal unbe­dingt die Unart, Kopf­hö­rer als por­ta­ble Laut­spre­cher zu ver­wen­den oder gleich auf sie zu ver­zich­ten. Was ein Zeit­ge­nos­se hört, ist mir per­sön­lich näm­lich ziem­lich schnup­pe, so lan­ge er es mir nicht auf­drängt. Zur Prah­le­rei genügt der Kon­sum schlech­ten deut­schen Gang­star­aps für­wahr nicht. Statt­des­sen die­nen die­sem Zweck offen­bar eben die jeweils ver­wen­de­ten Kopf­hö­rer (zu den Abspiel­ge­rä­ten äußer­te ich mich ja ein­gangs bereits).

Wenn ich gele­gent­lich einen neu­en Kopf­hö­rer erwer­be, kau­fe ich sel­ten die Zwan­zig-Euro-Blechtrö­ten im Super­markt, son­dern stecke viel Zeit, Recher­che und letz­ten Endes auch Geld in die Anschaf­fung der geeig­ne­ten Aus­rü­stung. (Wer mir jetzt ent­geg­nen möch­te, man höre zwi­schen Kopf­hö­rern ohne­hin kei­nen Unter­schied, der einen Preis von über 50 Euro recht­fer­ti­gen wür­de, der möge sei­ne ble­cher­nen Fünf-Euro-Ohr­stöp­sel ein­mal spa­ßes­hal­ber beim Händ­ler sei­nes Ver­trau­ens gegen einen SRH 240 A oder ähn­li­che Gerä­te ein­tau­schen und fort­an schwei­gen.) Aber fal­le ich damit auf?

In letz­ter Zeit beliebt ist augen­schein­lich die Kopf­hö­rer­se­rie „Mon­ster Beats“, ent­stan­den in Kol­la­bo­ra­ti­on mit „Dr. Dre“, einem Pro­du­zen­ten scheuß­li­cher Klän­ge, wofür die­se Kopf­hö­rer wohl auch pri­ma geeig­net sind. Es ver­geht kaum ein Tag, an dem ich nicht gan­ze Hor­den von her­an­wach­sen­den Würm­lin­gen sehe, die mit die­sen klo­bi­gen wei­ßen Din­gern – wer sie nicht kennt, sie sehen so aus – her­um­lau­fen. Das tun sie nicht etwa auf­grund des Klangs, denn der erin­nert eher an ein Pau­ken­or­che­ster, abge­spielt über ein ana­lo­ges Tele­fon, als an HiFi-Beschal­lung, son­dern aus Pre­sti­ge­grün­den: Beats sind [dafür] gebaut [wor­den], um um den Hals getra­gen zu wer­den.

Mit etwa 150 Euro ist das eine stol­ze (und ein wenig merk­wür­di­ge) Anschaf­fung, wenn man nur mal eben ein ver­meint­lich hüb­sches Hals­band braucht. Um so weni­ger ver­ste­he ich, dass ernst­haft Leu­te davon aus­ge­hen, aus­ge­rech­net ich, der größ­ten Wert auf den Klang und kei­ner­lei sol­chen auf das Aus­se­hen legt, wür­de ähn­li­che Beträ­ge aus­ge­ben, um anzu­ge­ben. Kopf­hö­rer sind kein Pre­sti­ge­pro­dukt, sie sind ein Lebens-Mit­tel (bewusst gekop­pelt). Wer sich dumpf und ver­wa­schen klin­gen­de Kopf­hö­rer kauft, weil sie gera­de cool sind, dem gön­ne ich aller­dings Kopf schüt­telnd die ent­gan­ge­ne Lebens­qua­li­tät.

Guten Kopf­hö­rern sieht man ihren Preis nicht an, sei es, weil sie ohne­hin im Ohr stecken und Haare/Mützen/Kapuzen dar­über hän­gen, sei es, weil sie optisch auf under­state­ment set­zen. Form fol­lows func­tion, wie der Grie­che sagt. Der pre­sti­ge­be­wuss­te HiFi-Freund trägt Mon­ster Beats um den Hals und etwas von Bey­er­dy­na­mic, Senn­hei­ser oder Shu­re auf dem Kopf, bevor­zugt sol­che Model­le, die spar­sam mit Fir­men­lo­gos und Pro­dukt­na­men umge­hen. Ich mei­ner­seits pfei­fe auf’s Pre­sti­ge.

Natür­lich weiß ich, wie viel mei­ne Audio­aus­rü­stung kostet. Ich wer­de aller­dings nie­man­dem ent­ge­gen­ru­fen: Seht her, wie teu­er mein Kopf­hö­rer war und/oder wie toll er aus­sieht! Nein, ent­schei­dend ist, wie er klingt, und das weiß selbst bei offe­nen Kopf­hö­rern (denen, aus denen das gera­de abge­spiel­te Musik­stück auch die Umste­hen­den anbrüllt, weil Leu­te, die mit sol­chen Kopf­hö­rern in der Öffent­lich­keit unter­wegs sind, auch auf so etwas wie eine noch halb­wegs gesun­de Laut­stär­ke nur sel­ten ach­ten) nur der, der ihn trägt. Wer sei­nen Musik­kon­sum als Vor­wand nutzt, um das ander­wei­ti­ge Feh­len inter­es­san­ter Per­sön­lich­keits­merk­ma­le zu über­spie­len, der muss jeden­falls noch vie­les ler­nen.

Und ja, ich bevor­zu­ge auch Kopf­hö­rer mit gol­de­nem Stecker, weil sie an mei­nem Vier­zig-Euro-MP3-Spie­ler ein­fach bes­ser klin­gen. :mrgreen:

Eli­te ist ein Arsch­loch.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CIX: Auf­marsch der Sam­mel­bild­chen

Nach den Nazi­gur­ken – was ist eigent­lich aus denen gewor­den, wur­den sie alle­samt ver­speist? – dräut am Hori­zont bereits neu­es Unge­mach.

Die Poli­zei Braun­schweig berich­tet:

Ver­däch­ti­ge pla­ka­tier­ten rechts­extre­me Auf­kle­ber

Eine schau­der­haf­te Vor­stel­lung: Auf­kle­ber, die an natio­nal­so­zia­li­sti­schen Gedenk­ta­gen im Gleich­schritt durch gro­ße deut­sche Städ­te mar­schie­ren und grund­ge­setz­wid­ri­ge Paro­len grö­len. Lei­der geht die Pres­se­mit­tei­lung mit kaum einem Wort auf die genaue Beschaf­fen­heit oder auch nur das Motiv der rechts­ra­di­ka­len Auf­kle­ber ein, ledig­lich ihre Urhe­ber wer­den in Kür­ze beschrie­ben. Bekannt ist allen­falls, dass die Auf­kle­ber nicht selbst­tä­tig zu kle­ben imstan­de sind, wes­halb eine Pla­ka­tie­rung not­wen­dig war.

Soll­tet ihr in abseh­ba­rer Zeit im Raum Braun­schweig unter­wegs sein, ist also Vor­sicht gebo­ten: Hin­ter der näch­sten Later­ne könn­ten ein oder meh­re­re poten­zi­ell gewalt­be­rei­te Auf­kle­ber lau­ern.

Aber, immer­hin:

Der Staats­schutz hat die Ermitt­lun­gen über­nom­men.

Wir sind geret­tet!

Nerdkrams
Muss man haben: Swy­pe Beta (und ande­re Tasta­tu­ren) für Android

(Vor­be­mer­kung: Es folgt ein bei­na­he humor­frei­er Bei­trag über Android-„apps“. Wer hier lie­ber die übli­chen schlech­ten Wit­ze lesen möch­te, der möge sich bit­te noch ein wenig gedul­den.)

Ich bin nun seit etwa zwei Jah­ren (ich berich­te­te) Nut­zer der Android-Platt­form. In die­sen zwei Jah­ren habe ich die Vor- und Nach­tei­le von Android weit­ge­hend erfor­schen kön­nen und habe dabei eini­ge Unzu­läng­lich­kei­ten bemerkt. Wie die mei­sten frei­en Betriebs­sy­ste­me ist Android stan­dard­mä­ßig zwar mit vie­len, aber eben doch nur rudi­men­tä­ren apps aus­ge­stat­tet. Eine davon ist die ein­ge­bau­te „Tasta­tur“.

Wer sich ein Android-Gerät zulegt, der ist meist Besit­zer eines Gerä­tes mit touch­screen. Das Ver­bau­en einer ech­ten Hard­ware-Tasta­tur wür­de ja das design rui­nie­ren, und das iPho­ne hat ja auch kei­ne, also wer wür­de so etwas haben wol­len? Auf einem Tablet hat man immer­hin die Mög­lich­keit, auf das gran­dio­se Hacker’s Key­board zurück­zu­grei­fen, aber auf einem Smart­phone-Bild­schirm (gera­de im Hoch­for­mat) ist es doch beschwer­lich, die Viel­zahl an Tasten zu bedie­nen, ohne sich stän­dig zu ver­tip­pen. (Wer gele­gent­lich auch unter­wegs mit SSH oder ähn­li­chen Anwen­dun­gen arbei­ten muss, dem bleibt aller­dings nicht viel ande­res übrig.)

Die nor­ma­le Tasta­tur von Android gibt sich eher bie­der:

Für die Schar an klei­nen, dicken Mäd­chen, die kei­ne hal­be Stun­de ohne das Tip­pen von SMS-Nach­rich­ten aus­kom­men, ist die­se Tasta­tur ver­mut­lich zumin­dest zweck­dien­lich, simu­liert sie doch in ihrer Schlicht­heit die gän­gi­gen alten Mobil­te­le­fo­ne: Nicht viel Schnick­schnack, kei­ne künst­li­che Intel­li­genz, man drückt auf einen Buch­sta­ben und er erscheint, und Son­der­zei­chen wie das Aus­ru­fe­zei­chen, das den gewöhn­li­chen Punkt mitt­ler­wei­le abzu­lö­sen begon­nen hat, sind mit einem Druck erreich­bar.

Wenn man aber des Öfte­ren län­ge­re Tex­te (und seien’s nur mehr­tei­li­ge SMS-Nach­rich­ten) schrei­ben muss und sich par­tout nicht damit anfreun­den kann, ein­fach mal einen Notiz­block mit­zu­neh­men, ist man natür­lich froh, wenn die Tasta­tur ver­sucht mit­zu­den­ken. Zum Glück kann man die Android-Tasta­tur-app ein­fach aus­tau­schen, zum Bei­spiel gegen Sprach­ein­ga­be oder eben eine ande­re Tasta­tur – die Ein­stel­lung „Spra­che & Ein­ga­be“ macht es mög­lich:

Außer dem Hacker’s Key­board sind Swift­Key und Swy­pe Alter­na­ti­ven, die man sich mal anse­hen soll­te.

Swift­Key ist im Wesent­li­chen eine um sto­cha­sti­sche Funk­tio­nen erwei­ter­te nor­ma­le Tasta­tur. Bei der Ein­rich­tung kann sie auf Wunsch die bis­he­ri­gen Mails, Tweets, Face­book-Bei­trä­ge und der­glei­chen ein­le­sen, um zu ermit­teln, wel­che Wör­ter man oft hin­ter­ein­an­der ver­wen­det. Das klappt erschreckend gut, auch in meh­re­ren Spra­chen, und sieht mit sei­ner wech­sel­ba­ren Ober­flä­che auf Wunsch sogar eini­ger­ma­ßen erträg­lich aus (Bild aus­nahms­wei­se gefun­den auf n‑droid.de):

Eigent­lich sind es nur zwei Din­ge, die mich an Swift­Key stö­ren: Es gibt kei­ne sepa­ra­ten Umlaut­ta­sten, wie ande­re Tasta­tur-apps sie besit­zen, und nach Ablauf der 30-tägi­gen Test­pha­se sind 3,99 Euro fäl­lig, wenn man die app wei­ter­hin benut­zen möch­te. (Die 3,99 Euro sind indes gut ange­leg­tes Geld.)

Bei­de Man­kos besitzt die jeweils jüng­ste Beta­ver­si­on von Swy­pe (ich ver­wen­de bewusst die Beta­ver­sio­nen, da sie oft höchst will­kom­me­ne Neue­run­gen bie­ten) nicht, wes­halb es seit über einem Jahr mei­ne Stan­dard-Tasta­tur-app ist. Um am Beta­pro­gramm teil­zu­neh­men, muss man ledig­lich auf beta.swype.com eine vali­de E‑Mail-Adres­se hin­ter­le­gen und dem Ver­weis aus der E‑Mail fol­gen, der zum Instal­la­ti­ons­pro­gramm führt. (Falls die Instal­la­ti­on aus Dritt­an­bie­ter­quel­len auf dem eige­nen Gerät deak­ti­viert ist, wird dies erkannt und der Benut­zer auto­ma­tisch auf die Ein­stel­lungs­sei­te geführt, auf der er das behe­ben kann – sehr gut gemacht.)

Die Instal­la­ti­on ver­läuft hier­bei in drei Schrit­ten: Der Beta-Account, den man anfangs ange­legt hat, muss ange­ge­ben wer­den (Mail­adres­se und Pass­wort), danach wird Swy­pe instal­liert. Zum Schluss ist die Ein­rich­tung not­wen­dig, denn mit den Stan­dard­ein­stel­lun­gen (Eng­lisch und Spa­nisch als unter­stütz­te Spra­chen) kann man hier­zu­lan­de oft nicht viel anfan­gen. Das Instal­la­ti­ons­pro­gramm führt den Benut­zer bis zur Akti­vie­rung von Swy­pe im Android-System, danach ist es sofort ein­satz­be­reit.

Im Ein­satz sieht es so aus:

Das Swy­pe-Sym­bol unten links dient dem Schnell­zu­griff auf die Swy­pe-Ein­stel­lun­gen, der Rest sieht weit­ge­hend unauf­fäl­lig aus.

Sieht aber eben nur so aus: Swy­pe basiert auf dem Prin­zip des „Wischens“. Möch­te man etwa „Hal­lo“ tip­pen, tippt man auf das „H“, belässt den Fin­ger auf der Tasta­tur und wischt zu „a“, „l“ und „o“. Groß- und Klein­schrei­bung beach­tet Swy­pe hier­bei eben­so wie Mehr­fach­buch­sta­ben; bei Mehr­deu­tig­kei­ten (Halo – Hal­lo) kann man auch das „l“, etwa durch Krei­sen, mehr­fach über­mit­teln, um einen wei­te­ren Schritt zu erspa­ren. Im Gegen­satz zu Swift­Key rät Swy­pe nicht, wel­ches Wort als näch­stes gewünscht wer­den könn­te, jedoch, wel­ches Wort man gera­de tip­pen woll­te. Je prä­zi­ser die Erken­nung ein­ge­stellt ist, desto prä­zi­ser muss man zwar „wischen“, aber desto genau­er ist auch die Erken­nung.

Swy­pe merkt sich manu­ell ein­ge­tipp­te Wör­ter auto­ma­tisch, das „per­sön­li­che Wör­ter­buch“ kann in den Swy­pe-Ein­stel­lun­gen von ver­se­hent­li­chen Ver­tip­pern berei­nigt wer­den. Son­der­zei­chen sind über die Taste „+!=“ unten links erreich­bar.

Auf neue Ver­sio­nen kann Swy­pe inzwi­schen selbst prü­fen, in den Swy­pe-Ein­stel­lun­gen unter „Aktua­li­sie­run­gen“ kann dies aber auch hän­disch erfol­gen. Übri­gens: Vie­le Sam­sung-Gerä­te sind ab Werk mit einer nicht ganz aktu­el­len Ver­si­on von Swy­pe aus­ge­stat­tet – auch unter ihnen ist die Beta­ver­si­on pro­blem­los lauf­fä­hig. Eine Beschäf­ti­gung mit die­ser app wird wärm­stens emp­foh­len.


Nach­trag vom 20. Febru­ar 2013: Mitt­ler­wei­le besitzt Swift­Key (Ver­si­on 4) eine „Flow“ genann­te Funk­ti­on, die Swy­pes Wisch­tech­nik nach­bil­det. Somit ist Swift­Key auch für die­je­ni­gen inter­es­sant gewor­den, die sich an Swy­pe gewöhnt haben.