Netzfundstücke
Mary J. Bli­ge – Fami­ly Affair

Und ich: Radio.

Plötz­lich: Mary J. Bli­ge und Rhyth­mus dabei.

We’­re gon­na cele­bra­te all night
Let’s have fun tonight, no fights

(Dar­ge­bo­ten und beju­belt wur­den die­se Zei­len übri­gens auch 2011 anläss­lich der Ver­an­stal­tung „Tri­bu­te to the Tro­ops“, „Ein Tri­but für die Sol­da­ten“ also. Kei­ne Poin­te.)

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXIV: Todes­en­gel für Afgha­ni­stan

Was übri­gens auch ziem­lich tra­gi­ko­misch ist, ist ja die Geschich­te der Klas­se 2b der Gemein­schafts­grund­schu­le in Gum­mers­bach-Bern­berg, deren Sach­kun­de­leh­re­rin Mecht­hild Sül­zer, tief­trau­rig ob des Umstan­des, dass die deut­schen Mör­der­ban­den in Afgha­ni­stan nicht mal über Weih­nach­ten eine Mord­pau­se ein­le­gen dür­fen, eine tol­le Idee hat­te:

Gemein­sam mit ihren Schü­lern, der soge­nann­ten „Dra­chen­klas­se“ bastel­te sie Schutz­en­gel und schick­te die­se ins Camp Mar­mal nach Mazar e‚ Sha­rif.

Damit die armen Sol­da­ten sich nicht fürch­ten, wenn um sie her­um alles explo­diert, bekom­men sie Kin­der­ba­ste­lei­en zu Weih­nach­ten. Juch­hei!

Im neu­en Schul­jahr inte­grier­te Frau Sül­zer aktu­el­le Infor­ma­tio­nen zum deut­schen Ein­satz in Afgha­ni­stan in den täg­li­chen Schul­all­tag der Erst­kläss­ler und neu­en „Dra­chen­kin­der“. Jeden Mor­gen wird seit­her bei Unter­richts­be­ginn die aktu­el­le Uhr­zeit im Ein­satz­land und das dor­ti­ge Wet­ter ver­kün­det.

Aktul­le Infor­ma­tio­nen, Uhr­zeit, Wet­ter. Das Ober­kom­man­do der Wehr­macht gibt bekannt… – so weit, so doof.

Aller­dings scheint es zum Hand­werks­zeug einer Grund­schul­leh­re­rin zu gehö­ren, immer noch eine Schip­pe Doof­heit drauf­wer­fen zu kön­nen:

Außer­dem schlie­ßen die Kin­der die im Ein­satz befind­li­chen deut­schen Sol­da­ten täg­lich ins mor­gend­li­che Gebet ein.

Es ist 2012 nach west­li­cher Zeit­rech­nung, und an einer öffent­li­chen Grund­schu­le, deren Insas­sen Schü­ler nor­ma­ler­wei­se alters- und bil­dungs­be­dingt noch nicht vor Indok­tri­na­ti­on gefeit sind, gibt es jeden Tag ein mor­gend­li­ches Gebet – ich unter­stel­le: zum christ­li­chen Gott – für deut­sche Sol­da­ten.

Damit die Klei­nen schon mal ler­nen, wie hart das Leben sein kann, neh­me ich an.

(via @Fritten)

Persönliches
Mas­ken­ball

Und dann sitzt man wie­der in sei­nem selbst errich­te­ten Gefäng­nis aus Möbeln und Medi­en und blickt nach drau­ßen, wo die Nach­mit­tags­son­ne durch die Bäu­me scheint.

Die Nacht unter kla­rem Ster­nen­him­mel vol­ler Per­sei­den erscheint unglaub­lich weit ent­fernt. Ster­ne waren noch nie so schnup­pe wie in die­sem Augen­blick. Man hat­te gemein­sam geträumt von (einer bes­se­ren Welt und) der Erfül­lung der naiv­sten Wün­sche, die das Unter­be­wusst­sein gera­de nach oben spül­te. Einem Jeden das Sei­ne, und alles, was vom Traum blieb, ist eine Flut an Erin­ne­run­gen und Ebbe im Her­zen.

„Die Son­ne scheint, als wär‘ es ihr egal.“
– Farin Urlaub

Man ist noch geblen­det vom eige­nen Lebens­traum und (der ver­damm­ten Son­ne und) blickt ver­schla­fen in frem­de Gesich­ter.
Jubel + Tru­bel ≈ Hei­ser­keit.

Das Tor in die Welt der Nar­ren ist noch nicht ver­schlos­sen, ihr Ruf noch nicht ver­hallt. Man hat die Mas­ke, die man jeden Tag trägt, wie­der auf­ge­setzt und dreht sich weh­mü­tig um, die Augen starr nach vorn gerich­tet.

„When I was down …“ – „… I was your clown.“
– Elton John

Frei­heit schmeckt nach mehr. (Min­de­stens halb­gar bis 2012.)
Und dazu ein trocke­ner (Humor oder jeden­falls) Rot­wein vor dem Kamin bezie­hungs­wei­se eben ’ne Cola und ein Eis.

Frei­heit schmeckt kleb­rig.

Persönliches
Gedan­ken im Zug

Aus mei­nem Sin­nie­ren über die eigen­ar­ti­ge Pro­test­kul­tur in die­sen unru­hi­gen Zei­ten wer­de ich unsanft her­aus­ge­ris­sen.

Im Zug neben mir sitzt ein jun­ges Pär­chen, bei­de offen­bar nicht älter als 17, und sie spre­chen unent­wegt mit­ein­an­der. Nun, genau­er gesagt: Sie spricht, er glotzt, nur gele­gent­lich unter­bro­chen von – selbst­ver­ständ­lich wenig dezen­tem – Knut­schen und Schmat­zen, gefolgt von eben­sol­chem bei­der­sei­ti­gem Geki­cher.

Inmit­ten ihres Mono­logs holt sie bil­li­ge Phil­ips-Ohr­hö­rer aus einer Tasche und erwehrt sich der Ver­su­che ihres Beglei­ters, sel­bi­ge zu begut­ach­ten. Die Schmer­zen, die die Par­füm­wol­ke bei Umsit­zen­den her­vor­ruft, machen sich all­mäh­lich neb­lig bemerk­bar, aber man ist ja sozi­al und rennt nicht ein­fach in ein ande­res Abteil, um dort zu kot­zen.

Zu Wort kommt er wäh­rend der gan­zen Fahrt nur ein­mal, damit er ihr die Gescheh­nis­se wäh­rend einer Shi­sha- und Trink­fei­er schil­dern kann, der er im Alter von 14 Jah­ren bei­gewohnt hat­te. Sie schaut inter­es­siert, äußert jedoch nach jedem Halb­satz abwech­selnd ihre Ver­wun­de­rung dar­ob, dass man mit 14 der­lei Din­ge tut, und ihre Über­zeu­gung, dass sie in dem Alter – also nach eige­ner Aus­sa­ge im Vor­jahr – ja nicht so war.

Den bei­den gebe ich kei­ne zwei Wochen mehr. Mir aller­dings – ange­ruchs der Wol­ke, die bereits das Abteil aus­füllt – sage ich auch kei­ne gro­ße Zukunft mehr vor­aus.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt CXIII: Aus den Augen, aus dem Sinn: Hans-Wer­ner und die Schwäch­lin­ge

Wenn es um die Euro­kri­se geht, sind die selbst ernann­ten „Exper­ten“ in so gro­ßer Zahl vor­han­den, dass man sich wun­dert, wie­so es eigent­lich noch Arbeits­lo­se gibt. Nur weni­ge die­ser „Exper­ten“ schaf­fen es zu dau­er­haf­ter Medi­en­prä­senz. Einer von ihnen ist Hans-Wer­ner Sinn, sei­nes Zei­chens so genann­ter „Top-Öko­nom“, gele­gent­lich im Auf­trag von BILD aktiv, was eigent­lich schon alles Nöti­ge über ihn aus­sagt.

Die­ser Hans-Wer­ner Sinn nun hat­te eine tol­le Idee:

Ein Land, das den Euro ver­lässt, bekommt sei­ne eige­ne Wäh­rung zurück, erhält den Sta­tus eines „ange­schlos­se­nen Mit­glieds“ („asso­cia­ted mem­ber“) und darf in der Euro­päi­schen Uni­on blei­ben.

Das klingt nach einem Ange­bot, das man (Grie­chen­land, A.d.V.) nicht aus­schla­gen kann. Man bleibt in der EU mit all ihrem büro­kra­ti­schen Fir­le­fanz, muss aber nicht mehr für ande­re Län­der haf­ten. Aber wie soll Grie­chen­land dann die eige­ne Wirt­schaft wie­der in Schwung bekom­men? Auch dar­auf hat Hans-Wer­ner Sinn gemein­sam mit Fried­rich Sell von der „Bun­des­wehr Uni­ver­si­tät“ – nur echt mit Dep­pen Leer­zei­chen, ist eben nur Armee und nichts, wofür man schrei­ben kön­nen muss – in Mün­chen eine pri­ma Ant­wort:

Gleich­zei­tig blei­ben die reform­be­dürf­ti­gen Staa­ten in der Euro­päi­schen Uni­on. Sie behal­ten damit ihre Ansprü­che auf die Brüs­se­ler För­der­töp­fe.

Sie bekom­men also wei­ter­hin Geld, aller­dings ohne die Auf­la­gen, die eine Mit­glied­schaft in der Wäh­rungs­uni­on mit sich bräch­te.
Das klingt nach einem Plan, wie ihn sich nur ein Hans-Wer­ner Sinn aus­den­ken kann: Es wird wei­ter­hin jemand zah­len, dies­mal aber nicht der Steu­er­zah­ler, son­dern das abstrak­te pars pro toto Brüs­sel. Wer das wohl ist?

Unter die­sem Gesichts­punkt wür­de ich aller­dings auch gern den Euro ver­las­sen. Wo muss ich das bekannt­ge­ben?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­emp­feh­lung: Buil­dings – Melt Cry Sleep

Mir flat­ter­te (in zumin­dest die­sem Zusam­men­hang eigent­lich ein eigen­ar­ti­ges Wort, nicht?) bereits am ver­gan­ge­nen Frei­tag das zumin­dest in den USA bereits 2011 erschie­ne­ne Album „Melt Cry Sleep“ des US-ame­ri­ka­ni­schen Tri­os Buil­dings („Gebäu­de“) pro­mo­ti­ons­hal­ber ins Haus, und ich freue mich dar­über. Der unver­meid­li­che Peter nennt das dann ein­fach mal „eines der besten Rock­al­ben des Jah­res“ und meint damit dann wahr­schein­lich 2011, zumal 2012 noch vie­les erschei­nen wird. Zu viel Zeug, zu wenig Zeit.

Und aber jeden­falls: Buil­dings. Ich erlau­be mir an die­ser Stel­le eine Kür­zest­re­zen­si­on. Musik mit cojo­nes, und das nicht wenig. Ein ziem­li­ches Rock­brett, in low fide­li­ty dem Noi­se­r­ock frö­nend – oder ist’s doch der Punk? Math-Rock? Hard­core? Post-irgend­was? Das Anhef­ten von Gen­re-Attri­bu­ten erwie­se der Grup­pe einen Bären­dienst.

An ver­schie­de­nen Stil­merk­ma­len fehlt es den „Buil­dings“ tat­säch­lich nicht. Ihrer tags auf Bandcamp.com: Rock, Thrash, Grunge und Punk. Dabei neh­men sie aus jeder der ange­spro­che­nen Schub­la­den das her­aus, was her­vor­ra­gend zuein­an­der passt: „Melt Cry Sleep“ klingt wie eine düste­re Mischung aus The Cure, The Clash, Sonic Youth und dem Debüt­al­bum von …And You Will Know Us by the Trail of Dead. Um noch­mals die Selbst­be­schrei­bung her­an­zu­zie­hen: „Musik, die eure Mut­ter has­sen wür­de“.

Natür­lich gibt es an die­sem anson­sten sehr emp­feh­lens­wer­ten Album auch etwas zu mosern: Mit nur etwas mehr als einer hal­ben Stun­de Lauf­zeit ist es ein wenig kurz gera­ten. Aber um die Län­ge soll’s ja auch nicht immer gehen.

Hören und kau­fen kann man „Melt Cry Sleep“ via Band­camp, im Fal­le ver­ständ­li­cher Daten­spar­sam­keit in digi­ta­ler Form für ein wenig mehr Geld auch per Amazon.de. Man tue dies zahl­reich.

SonstigesFotografie
Ach, übri­gens, „YouShi­Me“!

Eure fort­wäh­ren­de Deutsch-Eng­lisch-Mix­tur mag nied­lich unbe­hol­fen wir­ken und ist gele­gent­lich bei­na­he taug­lich für so Blogs, denn bei „you shi- me“ denkt man als gele­gent­lich puber­tä­re Witz­chen für amü­sant befin­den­der Eng­lisch­spre­cher eigent­lich nicht an Ess­ba­res.

Aber manch­mal ist auch das mit nur Eng­lisch bzw. nur Deutsch nicht so ein­fach, nicht?

Lecker Menschengeschmack

(Und, mal ehr­lich, „Alles auch als take-away“ klingt ja locker-flockig, aber für „bit­te nur nach cash“ war doch sicher auch noch Platz. Oder war your desi­gner zu expen­si­ve?)

Herr­gott­noch­eins.

PersönlichesSonstiges
Gruß­los ver­schwin­den

Zu den eigen­ar­tig­sten Marot­ten der Men­schen gehört die ange­streng­te Höf­lich­keit, das Dre­schen von Phra­sen als Pla­ce­bo für tat­säch­li­ches Inter­es­se an jeg­li­cher Zwi­schen­mensch­lich­keit. So ist es etwa selbst­ver­ständ­lich, sich zur Begrü­ßung gegen­sei­tig die Hand zu geben, ein Relikt aus Urzei­ten, um dem Gegen­über zu zei­gen, dass man zumin­dest in der gege­be­nen Hand kei­ne Keu­le trägt, mit­hil­fe derer man im Fal­le unlieb­sa­mer Gesprächs­ver­läu­fe dem jewei­li­gen Gesprächs­part­ner andern­falls eines auf die Nuss geben könn­te. Eine ähn­lich abson­der­li­che Eigen­art ist es, am Tele­fon wie sonst nur im Mili­tär als Begrü­ßungs­flos­kel statt „Hal­lo“ sei­nen Nach­na­men zu ver­wen­den; mit dem Sie­ges­zug der Mobil­te­le­fo­ne und somit der direk­ten Zuord­nung von der Num­mer zu einer mehr oder weni­ger ein­deu­ti­gen Per­son ist immer­hin sel­bi­ge im Schwin­den begrif­fen.

Und dann wäre dann noch das mit dem Grü­ßen.

Wann immer man in Gegen­wart gemein­sa­mer Bekann­ter tele­fo­niert, wann immer man einen Besuch bei sol­chen ankün­digt, die auf­ge­bür­de­te Bit­te ist stets die glei­che: „Grüß mal schön!“, manch­mal auch ein­fach „Grüß mal!“, wohl um zu sug­ge­rie­ren, dass ein unschö­ner Gruß voll­kom­men genügt, was das Grü­ßen emo­tio­nal wesent­lich ver­ein­fa­chen soll­te. Das Resul­tat ist meist, dass der um sol­ches Gebe­te­ne in sein Gespräch ein unbe­tei­ligt klin­gen­des „ach so, schön‘ Gruß übri­gens von [Name des Auf­trag­ge­bers]“ ein­flie­ßen lässt, wor­auf meist ein eben­sol­ches „Gruß zurück!“ als Erwi­de­rung folgt, was den Gesprächs­fluss ins Stocken bringt, dem Boten eine wei­te­re Pflicht auf­er­legt und nie­man­dem einen tat­säch­li­chen Mehr­wert ver­schafft, nicht ein­mal dem ursprüng­lich Grü­ßen­den.

Ich erläu­te­re das mal am Bei­spiel mei­ner eige­nen Per­son: Wenn ich jeman­dem einen Gruß zukom­men las­sen möch­te, dann neh­me ich Kon­takt mit ihm auf. Ist mir das nicht mög­lich, dann hat dies in aller Regel zwei mög­li­che Ursa­chen:

1. Ich ken­ne die Kon­takt­da­ten nicht.

In dem Fall wer­de ich sie auch mit einem net­ten Gruß nicht erhal­ten, son­dern, indem ich die Per­son, die mit der gewünsch­ten Kon­takt­per­son zu ver­keh­ren beab­sich­tigt, dar­um bit­te, sie mir zukom­men zu las­sen, sofern sel­bi­ge Kon­takt­per­son kei­ne Ein­wän­de erhebt. Andern­falls trifft zu:

2. Die Kon­takt­per­son erhebt Ein­wän­de.

Falls jemand aus Grün­den ver­sucht, jeden Kon­takt mit mir zu ver­mei­den, so wäre ein Gruß nicht unbe­dingt ange­bracht. Er wür­de die Stim­mung wahr­schein­lich nicht zu heben imstan­de zu sein. Eine Aus­nah­me stellt es dar, wenn ich in der Lau­ne bin, besag­ten Jemand bewusst zu pro­vo­zie­ren, wie es eben so mei­ne Art ist, und ihn genau des­halb wis­sen zu las­sen, dass ich ihn gern grü­ßen wür­de. Dies ist der ein­zi­ge für mich ver­ständ­li­che Anlass, das Grü­ßen über einen Mit­tels­mann durch­zu­füh­ren. Wel­chen Anlass aber haben die ande­ren Men­schen?

Dass man das eben so macht, ist ein Grund, der mir nicht zusagt. Vor nicht all­zu lan­ger Zeit hat man grund­sätz­lich mit jedem Gesprächs­part­ner einen Segens­wunsch für den sei­ner­zeit gegen­wär­ti­gen Dik­ta­tor aus­ge­tauscht, den – also den Wunsch – man eben­falls als Gruß ver­wen­de­te und kon­se­quent bezeich­ne­te. Das mach­te man eben so. Und auch, wenn ich mei­nen gan­zen „Opti­mis­mus“ zusam­men­neh­me und davon aus­ge­he, dass merk­wür­di­ge Riten allein nicht dazu füh­ren wer­den, dass wir in Bäl­de jedem unse­rer Gesprächs­part­ner einen Gruß an unse­ren dann aktu­el­len Kanz­ler mit auf den Weg geben müs­sen, um nicht schwer an den andern­falls zu erlei­den­den Fol­gen tra­gen zu müs­sen, so hal­te ich es doch für ange­mes­sen, gele­gent­lich Din­ge, die man eben so macht, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen.

Und gruß­los zu ver­schwin­den.

In den Nachrichten
Olym­pia 2012: Die Letz­ten wer­den die Letz­ten sein

(Vor­be­mer­kung: Aus all­ge­mei­nem Des­in­ter­es­se am Sofasport wer­de ich mich zu sport­li­chen The­men auch wei­ter­hin nur in gebo­te­ner Kür­ze äußern.)

Momen­tan fin­den die Medi­en es ja höchst beacht­lich, dass wäh­rend der Olym­pi­schen Spie­le 2012 eini­ge Mann­schaf­ten absicht­lich schlecht spie­len, um sich so eine bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on zu ergau­nern.

Ich ver­ste­he die Auf­re­gung nicht. Ein­tracht Braun­schweig spielt seit Jah­ren so schlecht, dass das kein Zufall mehr sein kann, und offen­sicht­lich nie­mand fin­det das ernst­haft ver­werf­lich. (Aller­dings schafft Ein­tracht Braun­schweig es auch seit Jah­ren nicht auf eine gute Ausgangs‑, also Tabel­len­po­si­ti­on. Tja.)

Dass übri­gens die deut­schen Olym­pio­ni­ken bis­lang medail­len­arm blei­ben, spricht für sie. Selbst, wenn sie gedopt wor­den sind: Nicht lei­stungs­stei­gern­de Mit­tel sind nicht zu bean­stan­den.

(Mit Dank an L. für den Hin­weis.)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXII: Ey krass, Süd­deut­sche Zei­tung!

Durch Zufall fiel mir am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de die sei­ner­zeit aktu­el­le „Süd­deut­sche Zei­tung“ qua­si in die Hän­de. Im ent­hal­te­nen „Medien“-Teil macht sich euer, „Süd­deut­sche Zei­tung“, Ralf Wie­gand über den gegen­wär­ti­gen trend der script­ed rea­li­ty in Nach­mit­tags-talk­shows leid­lich „lustig“, indem er sei­ne eige­ne Leser­schaft auf ein höhe­res intel­lek­tu­el­les Niveau hebt:

… das voy­eu­ri­sti­sche Publi­kum, das sich woh­lig noch ein Dosen­bier auf­ma­chen durf­te: Guck‘ mal, die im Fern­se­hen sind auch nicht bes­ser. (…) War­um Sat 1 (sic!) sogar die abge­häng­te­ste Unter­schicht mit so einem Müll belei­digt, ist leicht zu beant­wor­ten[.]

In der glei­chen Aus­ga­be eures Quatsch­blatts begibt sich euer Autor Alex Rüh­le in Gefahr für Leib, Leben und Lach­mus­keln, indem er eine Woche lang Insas­sen der Dep­penMittel‑, ehe­mals Haupt­schu­le „an der Wies­ent­fel­ser Stra­ße“ – das scheint ein Eigen­na­me zu sein, der aber mit gan­zen acht Sil­ben auch nicht unbe­dingt zum Ver­ständ­nis bei­tra­gen dürf­te – mit dum­men Fra­gen belä­stig­te. Sein Resü­mee:

Und dann waren da noch die zwei Fünft­kläss­ler auf dem Gang:
„Tschul­di­gung, Ihre Zei­tung, ist das so was wie die Bild?“
„Na ja, mit mehr Text.“
„Ey krass, Mann, noch mehr Text!“

Ihr, „Süd­deut­sche Zei­tung“, fühlt euch anschei­nend also recht wohl in eurer selbst­de­fi­nier­ten Rol­le als Bild für ver­meint­lich Intel­lek­tu­el­le und lasst kei­ne Gele­gen­heit aus, sie zu beto­nen. Nun bekommt jede Zei­tung die Leser, die sie ver­dient, und so lasst ihr es euch nicht neh­men, fol­gen­den reprä­sen­ta­ti­ven Leser­brief von Micha­el Maresch aus Mün­chen abzu­drucken:

Da gibt es jun­ge Män­ner, die so ver­einsamt sind, dass sie mona­te­lang Waf­fen und Spreng­stoff zusam­men­sam­meln und gebrauchs­fä­hig machen kön­nen und nie­mand ist in ihrem Umfeld, nie­mand, der das merkt. Da gibt es eine Gesell­schaft, die setzt die­se jun­gen Män­ner, allein mit ihrem Hirn, vor die Com­pu­ter, bis sie auch noch den letz­ten Fun­ken sozia­ler Ver­ant­wor­tung ver­lo­ren haben. Weil die Com­pu­ter nur so tun, als för­der­ten sie „sozia­le“ Netz­wer­ke. In Wahr­heit ver­su­chen dort vom Kapi­ta­lis­mus fehl­ge­lei­te­te Mega­zocker mit mög­lichst wenig Arbeit mög­lichst viel Geld abzu­grei­fen. Wenn dann irgend­ei­ner in so einem „sozia­len“ Ein­sam­keits­netz­werk mal ein Tref­fen vor­schlägt, krie­chen Tau­sen­de aus ihren aso­zia­len Com­pu­t­er­höh­len und die Poli­zei muss sie zer­streu­en. Wir las­sen die Jun­gen allei­ne mit den anony­men Zockern im Inter­net. Und im Won­ne­mo­nat Juli, wenn alles blüht, plat­zen die jah­re­lang gereif­ten kran­ken Hir­ne der Mas­sen­mör­der auf: Ern­te­zeit der Ein­sam­keit.

Ey krass, Mann.

In einer Gesell­schaft, die nur aus Micha­el Mareschs, Alex Rüh­les und Ralf Wie­gan­ds bestün­de, wür­de mein Hirn auch frü­her oder spä­ter plat­zen. Viel­leicht soll­te ich ein­fach auf­hö­ren, die „Süd­deut­sche Zei­tung“ zu lesen.

In den NachrichtenPiratenpartei
INDECT-Demos, Bil­der, Heu­che­lei

Wenn Neu­pi­ra­ten (ich äußer­te mich an ande­rer Stel­le bereits zu die­sem Begriff) demon­strie­ren, tun sie dies natür­lich mit oran­ge­far­be­ner Flag­ge, denn die Anne­xi­on poli­ti­scher Demon­stra­tio­nen, kom­men sie nun von Arbeits­krei­sen, Anony­mous oder ande­ren Par­tei­en, scheint bei man­chen Flag­gen­pi­ra­ten heut­zu­ta­ge Brauch zu sein; „oh, eine Demo, gleich mal Flag­ge schwen­ken“, und inzwi­schen scheint’s dann auch egal zu sein, von wem und/oder wofür und/oder woge­gen da über­haupt demon­striert wird; in der Punk­sze­ne gibt es da den Begriff des „Mode­punks“, und die­se Popu­li­sten wür­de ich jetzt ein­fach mal unter „Mode­pi­ra­ten“ abhef­ten. So viel zur Ein­lei­tung.

Und wie ich heu­te so durch Osna­brück latsch­te, begab es sich, dass ich kon­fron­tiert wur­de mit eini­gen Pira­ten, die von wei­tem an ihren Shirts und Flag­gen zu erken­nen waren, so dass die Umste­hen­den grin­sten, „ah, eine Pira­ten­de­mo“ kon­sta­tier­ten und ihrer Wege gin­gen. Dass Demon­stra­tio­nen gegen INDECT kei­ne „Pira­ten­de­mos“ sind, son­dern die Pira­ten­par­tei sich ihnen ledig­lich ange­schlos­sen hat, kommt so natür­lich nicht voll­stän­dig zur Gel­tung, und obwohl ich Pirat bin, hal­te ich das für reich­lich befremd­lich. Es wäre gege­be­nen­falls für unse­re Außen­wir­kung för­der­lich, wür­den die Flag­gen­schwen­ker gele­gent­lich auf das Schwen­ken ver­zich­ten und sich ein­fach mit blo­ßer Teil­nah­me für die gele­gent­lich gute Sache ein­set­zen.

Aber das ist noch nicht der eigent­li­che Grund für mei­nen jet­zi­gen Schrieb.

Ich schlen­der­te also, wie bereits erwähnt, durch Osna­brück und lan­de­te plötz­lich inmit­ten der loka­len INDECT-Demon­stra­ti­on. Vie­le Men­schen mit bösem Gesichts­aus­druck und lusti­gen Schil­dern („1984 war kei­ne Anlei­tung“, stimmt, es ist eine Jah­res­zahl) stan­den dort her­um und lausch­ten andäch­tig dem in ein Mega­phon spre­chen­den, nun, Spre­cher. Die­se Ver­an­stal­tung wur­de beglei­tet von meh­re­ren Per­so­nen, die zur Doku­men­ta­ti­on des Gesche­hens Foto­gra­fien von sel­bi­gem anfer­tig­ten.

Dabei haben sie durch­aus auch Pas­san­ten erfasst, zudem haben sie wäh­rend mei­ner Anwe­sen­heit dort nicht ein­mal die umste­hen­den Teil­neh­mer gefragt, ob ihnen eine Ablich­tung recht sei.

Es wur­de also von Pri­vat­leu­ten fahr­läs­sig in unge­zähl­ten Fäl­len das Recht am eige­nen Bild und auf Pri­vat­sphä­re ver­letzt.

Auf einer Demon­stra­ti­on gegen stän­di­ge Über­wa­chung und unge­frag­tes Fil­men durch Pri­vat­leu­te.

Eigent­lich ist das lustig.

Natür­lich ist eine Demon­stra­ti­on in einer Innen­stadt eine „öffent­li­che Ver­an­stal­tung“, inso­fern „müs­sen“ Leu­te, die unbe­dacht in Reich­wei­te der Kame­ras gelan­gen, damit rech­nen, auf die­se Wei­se ver­ewigt – was man eben so „ewig“ nennt – zu wer­den.

Nach der glei­chen Logik ist aber auch gegen Über­wa­chungs­ka­me­ras im öffent­li­chen Raum nichts ein­zu­wen­den. Ich als pri­vat­sphä­ren­be­wuss­ter Pirat bin der Ansicht, es mache zwar quan­ti­ta­tiv, kei­nes­falls aber qua­li­ta­tiv einen Unter­schied, ob Drit­te unge­fragt foto­gra­fiert oder gefilmt wer­den.

Ich gehe davon aus, dass die ange­fer­tig­ten Foto­gra­fien von einem über­eif­ri­gen „Pira­ten“ frü­her oder spä­ter auch auf aus­ge­rech­net Face­book ver­öf­fent­licht wor­den sein wer­den.

Ich mag sol­che Poin­ten. Sie sind so schön bit­ter.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Die baby­lo­ni­sche ZEIT-Ver­wir­rung

Und dann war da noch die gest­ri­ge ZEIT, die sich nicht so recht ent­schei­den konn­te, in wel­cher Spra­che man sein Publi­kum anre­den soll­te.

Ein Bericht über die rus­si­sche Feman­zen­grup­pe Pus­sy Riot etwa wur­de über­schrie­ben mit dem vom Rus­si­schen ins Deut­sche über­setz­ten Titel:

Mut­ter Got­tes, ver­ja­ge Putin!

Noch auf der glei­chen Sei­te wur­de ein Nach­ruf (ich habe ledig­lich die Ein­lei­tung und die Über­schrift gele­sen, ich kann hier also leicht dane­ben lie­gen) auf den fran­zö­si­schen Mode­schöp­fer Yves Saint Lau­rent mit „Bye-bye, Yves“ über­schrie­ben.

Offen­sicht­lich ver­sucht man im Hau­se ZEIT der­zeit, die Penis-Geschich­te so auf­zu­bau­schen, dass die Sprach­ver­lot­te­rung der ansäs­si­gen Redak­teu­re nicht mehr auf­fällt. Die­ser Ver­such schlägt offen­bar fehl.