Nerdkrams
DashClock: Auf dass der Sperrbildschirm von Android endlich einen Sinn ergeben möge!

Eine der etwas selt­sameren Funk­tio­nen von Android ist die Anzeige des so genan­nten “Sper­rbild­schirms” (oder lockscreens — scheußlich­es Wort). Legt man es kurz zur Seite und wartet, bis der Bild­schirm aus­ge­ht, wird das Gerät in der Regel “ges­per­rt”. Das bedeutet im Stan­dard­fall: Man sieht einen lang­weili­gen Bild­schirm mit ’ner Uhr und unten so einem Schiebe­d­ing, das man nur nach rechts schieben muss, um sein Smart­phone wieder benutzen zu kön­nen. Keine rel­e­van­ten Infor­ma­tio­nen (außer “wie spät ist es denn?!”), obwohl auf dem Bild­schirm viel Platz dafür wäre. (Der Sicher­heit dient’s eh nicht: PIN-Eingabe ist option­al.)

Android-Sperrbildschirm

Abhil­fe schafft das Wid­get “Dash­Clock”. Dash­Clock ist eine quellof­fene Android-app, die sich als alter­na­tiv­er Sper­rbild­schirm ver­wen­den lässt und die man als Erweiterungsen­twick­ler um aller­lei Spiel­ereien erweit­ern kann. Unter Android 4.2 (AOSP-Ver­sion, unter her­steller­seit­ig angepassten Android-Ver­sio­nen kön­nte sich das Vorge­hen ein wenig unter­schei­den) geht das fol­gen­der­maßen:

Zunächst muss man nach erfol­gter Instal­la­tion von Dash­Clock (etwa aus dem Play Store her­aus) den Sper­rbild­schirm aufrufen (also den Bild­schirm aus- und wieder ein­schal­ten) und ihn ganz nach links wis­chen (also den Bild­schirm “nach rechts ver­schieben”), bis die Seite, die nur ein “Plus”-Zeichen enthält, erscheint. Dies ist der Bear­beitungsmodus. Dieses Plusze­ichen ist zu berühren.

Android-Sperrbildschirm mit Pluszeichen

Eine alpha­betisch sortierte Liste an ver­füg­baren “Wid­gets” sollte erscheinen, “Dash­Clock” unter ihnen. Nach der Auswahl von Dash­Clock wird es möglich sein, die anzuzeigen­den Ele­mente auszuwählen und durch Ziehen an eine geeignete Stelle zu ver­schieben. Unten befind­et sich ein Feld mit der Beschrif­tung “Erweiterun­gen hinzufü­gen”, über das etwaige instal­lierte Erweiterun­gen (dazu unten mehr) zur Ver­fü­gung ste­hen.

DashClock-Einstellungen

Sind alle gewün­scht­en Infor­ma­tio­nen vorhan­den, kann das Ein­stel­lungs­menü per Druck auf das “Häkchen” oben links geschlossen wer­den. Noch immer im Bear­beitungsmodus kann man nun nochmals über­prüfen, ob man nichts vergessen hat (natür­lich lässt sich alles auch später noch anpassen):

DashClock-Vorschau

Nun muss der neue Dash­Clock-Bild­schirm nur noch nach rechts ver­schoben (gedrückt hal­ten und ziehen) wer­den, um an die Stelle des bish­eri­gen Sper­rbild­schirms zu treten, und die Ein­rich­tung ist erfol­gre­ich abgeschlossen:

Android-Sperrbildschirm mit DashClock

In meinem Beispiel habe ich außer den mit­geliefer­ten Anwen­dun­gen “Wet­ter” (zu Demon­stra­tionszweck­en) und “Datum/Uhrzeit” auch den Twit­ter-Client Fal­con Pro einge­bun­den, der seit eini­gen Tagen stan­dard­mäßig eine eigene Dash­Clock-Erweiterung mit­bringt. Etliche weit­ere dieser Erweiterun­gen, sog­ar für unge­le­sene Face­book- und What­sApp-Nachricht­en, den Bat­terielade­stand und viele andere Anzeigemöglichkeit­en, lassen sich per Play Store instal­lieren, sie lassen sich dann über den Einstellungs-“Knopf” oben rechts im Sper­rbild­schirm (hier­für wie oben beschrieben wieder in den Bear­beitungsmodus wech­seln) hinzufü­gen.

Zu beacht­en ist jedoch, dass jede Erweiterung wiederum ein wenig Bat­terieka­paz­ität benötigt. Man sollte daher Aufwand und Nutzen in jedem Fall einzeln abwä­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Nie wieder “Nie wieder Krieg!”!

Apro­pos Afghanistan. Ein Rück­blick: Um das Jahr 1979 herum rot­teten sich die ihren let­zten großen Dro­gen­ab­sturz über­lebt haben­den Hip­pies aus der Frauen‑, Friedens- und Anti-Atom­kraft-Bewe­gung zu ein­er jun­gen, frischen Partei — zunächst son­sti­gen poli­tis­chen Vere­ini­gung — zusam­men, die mantraar­tig irgend­was von “Kein Strom aus Atom!” und “Nie wieder Krieg!” vor sich hin­murmelte. Die nach der deutschen Ein­heit erzielte Fusion mit dem ost­deutschen Bünd­nis 90, das zum Teil aus Mit­gliedern der Ini­tia­tive Frieden und Men­schen­rechte bestand, ver­schob die Pri­or­itäten offen­sichtlich nur ger­ingfügig. Dabei war diese Zweiein­halbthe­men­partei so stur, dass man es irgend­wann nicht mehr aushielt und sie 1998 gar an der Bun­desregierung teil­nehmen ließ, damit sie endlich aufhören möge zu quen­geln. Noch Jahre später vertei­digten Ortsver­bände der Grü­nen den Slo­gan “Nie wider Krieg, nie wider Faschis­mus”, und dass “nie wider” so ziem­lich das Gegen­teil von “nie wieder” ist, ist den Ver­fassern wahrschein­lich wohl bekan­nt.

Denn — ein Zeit­sprung in das Jahr 2013 — die heuti­gen Grü­nen sehen das mit dem Frieden etwas gelassen­er; bere­its im März 1999, nicht ein­mal ein Jahr nach der entschei­den­den Bun­destagswahl, fand man viele Abers für sein Niemals:

Selb­st in ihrem (…) “Magde­burg­er Pro­gramm” heißt es wörtlich: “Bünd­nis 90/Die Grü­nen tra­gen mil­itärische Friedenserzwingung und Kampfein­sätze nicht mit.” [Am 7. März 1999] faßte die 13. Ordentliche Bun­des­delegiertenkon­ferenz in Erfurt einen Beschluß, in dem es heißt: “Bünd­nis 90/Die Grü­nen wen­den sich grund­sät­zlich gegen eine Nato-Selb­st­man­datierung für Mil­itärein­sätze, damit das Gewalt­monopol der UNO nicht außer Kraft geset­zt wird.” In Zukun­ft — soweit es für die Grü­nen eine gibt — soll­ten die Delegierten das Ver­falls­da­tum der­ar­tiger Grund­satzentschei­dun­gen gle­ich mitbeschließen.

Als der Bun­destag nur wenige Stun­den nach dem Angriff auf Ser­bi­en darüber debat­tierte, stellte sich die Frak­tion der Grü­nen mit ein­er Aus­nahme geschlossen hin­ter die Regierung. Chris­t­ian Strö­bele, der als einziger grün­er Abge­ord­neter die Dinge beim Namen nan­nte und der Regierung in einem erregten Beitrag vor­warf, sie führe einen Angriff­skrieg, stieß in der eige­nen Frak­tion auf Unver­ständ­nis und scharfe Ablehnung.

Die ehe­ma­lige Friedenspartei find­et Kampfein­sätze unter bes­timmten Bedin­gun­gen also ziem­lich in Ord­nung, wenn sie nur nicht allzu lange dauern oder wenig­stens vom Gewalt­mo­nop­o­lis­ten UNO ange­ord­net wer­den. Dessen Befehls­ge­walt ist selb­stver­ständlich bindend.

Nun gibt es im Volk aber blöder­weise Leute, die bewaffnete Kon­flik­te (“Krieg” ist ja ein Aus­druck, den es zu ver­mei­den gilt), zumal im fer­nen Aus­land, eher weniger gut find­en und die beteiligten Friedenssicher­er (das sind die mit den gepanz­erten Hub­schraubern, wis­senschon, zum Brun­nen­bauen und so) nicht als Ret­ter eines bedro­ht­en Volkes, son­dern als Mörder beze­ich­nen. Das ist ja auch ziem­lich respek­t­los, Leute, die schw­er bewaffnet ein fremdes Land über­fall­en, mit beab­sichtigter Tötung von Men­schen in Verbindung zu brin­gen. (Juris­ten mögen mir verzei­hen, dass “Tötung” und “Mord” hier ein­mal gle­ichge­set­zt wer­den; das Ergeb­nis ist das­selbe — jew­eils eine Leiche liegt, bed­ingt durch men­schlichen Ein­fluss, tot in der Gegend herum.)

Wenn schon ein deutsch­er Bürg­er auf Geheiß der Koali­tion aus der SPD und den Grü­nen jahre­lang den USA beim Töten zuguckt (denn ein deutsch­er Sol­dat nutzt seine Waf­fen ja niemals nicht zum Töten), dann solle er nach sein­er eventuellen Rück­kehr wenig­stens all­ge­mein gewürdigt wer­den, wie man das eben so mit Leuten, die schw­er bewaffnet deutsche Inter­essen im Aus­land vertreten, machen sollte. Man kön­nte diese Rück­kehrer “Vet­er­a­nen” nen­nen. Aber “Vet­er­a­nen” hat so einen üblen Nachgeschmack, denn diesen Titel tra­gen bere­its die Teil­nehmer der größeren Kriege im 20. Jahrhun­dert, und in Afghanistan herumzuschießen ist viel ehren­voller als in Polen herumzuschießen. Also muss nun ein besseres Wort für einen Vet­er­a­nen gefun­den wer­den; bevorzugt eines, das die Gesellschaft dazu anhält, seine immensen Leis­tun­gen angemessen zu preisen.

Da es bish­er noch keinen Kon­sens zu geben scheint: Wie wäre es mit “Shoot­ing-Star”?

Gern geschehen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXLVII: Beinahe radikal.

Das Wort “radikal” hat, sofern man aus­nahm­sweise den Duden als def­i­n­i­tions­fähige Instanz ver­ste­ht, im Deutschen mehrere Bedeu­tun­gen:

    1. von Grund aus erfol­gend, ganz und gar; voll­ständig, gründlich
    2. mit Rück­sicht­slosigkeit und Härte vorge­hend, durchge­führt o. Ä.
  1. eine extreme poli­tis­che, ide­ol­o­gis­che, weltan­schauliche Rich­tung vertre­tend [und gegen die beste­hende Ord­nung ankämpfend]
  2. (Math­e­matik) die Wurzel betr­e­f­fend

Wenn also die USA einen “radikalen Rück­zug” aus Afghanistan ankündi­gen, was, glaubt ihr, wird dann geschehen? Wer­den sich die in Afghanistan sta­tion­ierten Sol­dat­en mit Rück­sicht­slosigkeit und Härte auf den Heimweg machen, wer­den sie beim Rück­zug auch weit­er­hin gegen die beste­hende Ord­nung ankämpfen oder math­e­ma­tis­che Gle­ichun­gen lösen? Weit gefehlt, natür­lich ist lediglich ein “voll­ständi­ger, gründlich­er” …

Weniger als 10.000 Mann sollen nach Infor­ma­tio­nen von SPIEGEL ONLINE ab Ende 2014 am Hin­dukusch sta­tion­iert bleiben.

…, ich bitte den ange­fan­genen Satz aus dem Pro­tokoll zu stre­ichen.

(Ander­er­seits soll­ten wir alle froh sein, dass die USA das mit dem Radikalis­mus nicht so genau nehmen.)

PolitikIn den Nachrichten
Sigmar Gabriel hat keine Wahl.

Und dann war da noch SPD-Men­sch Sig­mar Gabriel, der nach der bis­lang let­zten Land­tagswahl in seinem Heimat­land Nieder­sach­sen total ges­pan­nt darauf wartete, wen seine Partei — die als Wahlsieger tra­di­tionell den neuen Min­is­ter­präsi­den­ten des Lan­des stellt — wohl wählen würde: Stephan “inner­parteiliche Demokratie” Weil oder eben nicht.

Ich nahm an dieser Wahl nicht teil, ich nehme jedoch an, die zur Wahl ste­hen­den Optio­nen lassen sich mit “Stephan Weil” und “Ist mir egal” gut zusam­men­fassen.

Und siehe, weißer Rauch stieg auf. Herr Gabriel ver­meldete über­schwänglich per Twit­ter:

Her­zlichen Glück­wun­sch an den neuen nieder­säch­sis­chen Min­is­ter­präsi­den­ten der SPD, Stephan Weil, zu sein­er Wahl! Im ersten Wahl­gang gewählt!

Er wirk­te ern­sthaft über­rascht.

Nerdkrams
WhatsApp, hike und warum es mich nicht interessiert.

What­sApp gehört zu den Dien­sten, deren Pop­u­lar­ität mich irri­tiert.

Das Prinzip hin­ter What­sApp ist es, dass Leute, die ihre gegen­seit­ige Mobil­tele­fon­num­mer ken­nen, sich anstelle ein­er SMS-Fla­trate auch über das Inter­net schriftlich unter­hal­ten kön­nen. Natür­lich kön­nte man, wenn man schon ohne tech­nis­che Zeitbeschränkung mobil (meist per Smart­phone) im Inter­net sein Dasein fris­ten kann, stattdessen auch AIM, ICQ, Yahoo! IM, (noch) den MSN Mes­sen­ger, Jab­ber, Gadu-Gadu oder einen der anderen ungezählten instant mes­sen­ger nutzen, aber das ist ver­mut­lich nicht en vogue genug.

So muss man statt der ICQ‑, Jab­ber- oder son­sti­gen Ken­nung eben nur noch die Tele­fon­num­mer des zu Ner­ven­den ken­nen und ein­ma­lig irgend­wo ein­tra­gen. Das hält die Anzahl der irgend­wo zu notieren­den Zahlen zwar schön klein, hat aber den Nachteil, dass die eigene Tele­fon­num­mer qua­si zum All­ge­meingut wird; zumal What­sApp immer wieder mit Sicher­heit­slück­en, über die sich ein Benutzerkon­to (und somit eine eigentlich ein­deutige Iden­tität) ein­fach übernehmen lässt, von sich reden macht. (Man füt­tere die Such­mas­chine des Ver­trauens mit den Such­be­grif­f­en “What­sApp” und “unsich­er”.)

Dazu kommt, dass es bei What­sApp mit ein­er Inter­net­fla­trate allein nicht getan ist. Die app kostet ein­ma­lig oder — wenn man, wie wohl jed­er halb­wegs vernün­ftige Zeitgenosse, kein iPhone besitzt — jährlich eine geringe Gebühr.

Was ist also zu tun? Nun, entwed­er mietet man eine SMS-Fla­trate und löst das Prob­lem so ele­gant, was aber voraus­set­zt, dass die möglichen Kon­tak­t­per­so­n­en ähn­lich ver­fahren, oder man steigt auf Jab­ber um, das neben­bei Schnittstellen zu ICQ, AIM, Google Talk, dem Face­book-Mes­sen­ger, Stu­di­VZ und eini­gen weit­eren Dien­sten bere­it­stellt und neben­bei auch auf dem heimis­chen PC/Laptop funk­tion­iert.

Oder man guckt sich mal hike an.

hike (über die üblichen Quellen zu instal­lieren) ist eine neue, recht hüb­sche und vor allem jahres­ge­bühren­freie Alter­na­tive zu What­sApp, funk­tion­iert genau so und ist bish­er noch nicht durch schlechte Presse aufge­fall­en.

hike

Woran es noch fehlt? Vor allem an der Bekan­ntheit. Der Nutzen von hike ste­ht und fällt — wie’s bei “sozialen Net­zw­erken” eben­falls zutrifft — mit der Anzahl sein­er Nutzer. Die kön­nt ihr übri­gens selb­st ziem­lich ein­fach ändern.

Wie aber ist das Dilem­ma zu lösen, dass jed­er “Kon­takt” einen anderen Dienst bevorzugt — ein­er Face­book, ein ander­er What­sApp, wiederum ein ander­er SMS und/oder hike, von Joyn mal ganz zu schweigen? Wahrschein­lich nur, indem man selb­st an jed­er dieser Kom­mu­nika­tions­for­men teil­nimmt.

Alter­na­tiv kön­nte man auch ein­fach auf Jab­ber set­zen. Darüber kann man zwar — nor­maler­weise — wed­er SMS-Nachricht­en ver­schick­en noch mit What­sApp-Benutzern in Kon­takt treten, aber es umge­ht das Prob­lem ziem­lich ele­gant, indem man es gar nicht erst zu einem Prob­lem macht. Um die Jahrtausendwende herum musste man bei MySpace sein, wenig später bei Stu­di­VZ, dann bei Face­book, nun bei What­sApp. Die Karawane zieht weit­er, der Sul­tan set­zt sich in seine schat­tige Oase (Jab­ber) und weint ihr keine Träne nach.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CXLVI: Die spinnen, die Römer!

Wenn sich noch irgendw­er fragt, wo eigentlich das Geld hin­fließt, das der Steuerzahler in arme Eurolän­der (Griechen­land, Ital­ien, Berlin) senden darf: In die katholis­che Kirche natür­lich.

Für den bevorste­hen­den Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. hat die Stadt Rom nach ital­ienis­chen Medi­en­bericht­en 4,5 Mil­lio­nen Euro von der Regierung beantragt. Das „außeror­dentliche Ereig­nis“ ver­lange auch „außeror­dentliche Ressourcen und Mit­tel” (…).

Katholis­che Kirche? Das war die hier:

Doch das von ein­er katholis­chen Stiftung getra­gene Kreszen­tia-Stift winkt ab: Die Schwest­ern woll­ten keinen Homo­sex­uellen im Haus.

Das “außeror­dentliche Ereig­nis” (der Wech­sel des Ober­spin­ners vor dem Tod des derzeit­i­gen Amtsin­hab­ers), das, wie 1996 vom dama­li­gen Papst Johannes Paul II. fest­gelegt, in der Six­tinis­chen Kapelle — die im Vatikanstaat, einem sou­verä­nen Staat auf der ital­ienis­chen Hal­binsel, ste­ht — stat­tfind­en muss, kostet die Haupt­stadt (mithin: die Steuerzahler) eines anderen Staates also 4,5 Mil­lio­nen Euro mehr als wenn der noch amtierende Papst ein­fach gestor­ben wäre.

“Tock, tock, tock.”
– Obelix, “Die Odyssee”

(via [via])

(Mit Dank an K. für die Über­schrift.)

KaufbefehleMusikkritik
Caspian — Waking Season

Caspian - Waking SeasonDie US-amerikanis­chen Postrock­er Caspi­an hat­te ich kurzzeit­ig vergessen. Als im let­zten Jahr Peter, eigentlich über das zulet­zt veröf­fentlichte Caspi­an-Album “Wak­ing Sea­son” berich­t­end, all­ge­mein über die Ein­tönigkeit der aktuellen Postrock­land­schaft referierte, ließ ich mich nur zu einem kurzen Kom­men­tar hin­reißen, in dem ich ihm grund­sät­zlich Recht gab. Ja, natür­lich ist das, was gemein­hin unter dem allzu unklar definierten Begriff “Postrock” ein­ge­ord­net wird, fast immer (die von mir hoch geschätzten Dear John Let­ter etwa sind willkommene Aus­nah­men) Gitar­renge­wit­ter und elegis­che Melo­di­en und Laut-Leise-Wech­sel und diese kurzen Ambi­ent-Momente als Ruhe mit­ten im Sturm, und ja, natür­lich klingt da ein­fach vieles gle­ich.

Auch Caspi­an.

Caspi­an ist ein Quin­tett aus Mass­a­chu­setts, das auch auf seinem drit­ten Album nicht viel anders macht als auf den bei­den Alben davor. Über 57 Minuten machen Caspi­an auf “Wak­ing Sea­son” nicht ein­fach Musik, sie fan­gen Emo­tio­nen ein und wan­deln sie um in Bilder, wie es sich für eine gute Musik­gruppe gehört. Die Stücke tra­gen Titel wie “Halls of the Sum­mer”, “Long the Desert Mile” und “Fire Made Flesh”. Das ist kein fröh­lich­er Som­mer­pop, es ist der sound­track zum ewigen Herb­st. Gele­gentlich, etwa in “Gone in Bloom and Bough” (10:24 Minuten lang), ertönt eine leise, aber gut vernehm­bare Stimme, während die Instru­mente — melodiöse Gitar­ren, darüber ein treiben­des Schlagzeug — den grauen Him­mel im Kopf blau bemalen.

Die ruhi­gen Momente sind es dann, die den blau bemal­ten Him­mel wie mit einem Ham­mer­schlag zusam­men­stürzen lassen. “Wak­ing Sea­son”, der pubertierend rebel­lierende kleine Brud­er von Spir­it of Eden? Möglicher­weise. Postrock hat ja gele­gentlich diese grund­sät­zlich dur­chaus pos­i­tive Eigen­schaft, die vorge­blich heile Gefühlswelt eines Men­schen bin­nen Sekun­den in heiße Lava zu tauchen oder eben unter eine erfrischende Dusche zu stellen. Das hier ist Lava, und wann son­st sollte man Lava hören wollen, wenn nicht am Valentin­stag, an dem es vie­len nur um Roman­tik und lav geht? Ver­bit­terte Men­schen kön­nen gern weit­er­hin affi­gen Mäd­chen­pop mit dum­men Tex­ten (“Baby Baby Baby Baby Baby Baby” usw.) hören, bis er ihnen zu den Ohren her­aus­trieft. Ich höre Lava.

Diese Lava klingt natür­lich wie Mog­wai, wie Russ­ian Cir­cles und wie Mono (deren Pro­duzent Matt Bayles auch hier seinen Teil beitrug), außer­dem aber klingt sie unver­wech­sel­bar nach Caspi­an. Und Caspi­an klingt gut — den Stream gibt es zurzeit hier, Hör­proben dort.

Sollte euch ein Banause ein­mal fra­gen, wofür man heutzu­tage noch Kopfhör­er (und einen Plat­ten­spiel­er) braucht, wenn man gute Laut­sprech­er besitzt, gebt ihm “Spir­it of Eden”. Oder dieses Album.

Denn es ist wirk­lich ziem­lich gut.

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz verlinkt CXLV: Der Mythos vom unabhängigen “cyberspace”

(Vorbe­merkung: Eigentlich gehört dieser Artikel in die Kat­e­gorie der “Schmal­hänse des Tages”. Da der Pro­tag­o­nist aber wed­er Deutsch­er noch in der CDU ist, würde ich die Serie voll­ständig brechen — ich bitte daher die Umkat­e­gorisierung zu verzei­hen.)

Das mit diesem freien Inter­net, das ist nicht gut. Das Inter­net als Leben­sraum oder gar als teil­weise oder voll­ständig inkludierte Par­al­lelge­sellschaft, so ein Quatsch. Fax ist ja auch kein Leben­sraum.

A lib­er­al regime will pass leg­isla­tive safe­guards against gov­ern­ment mis­use of data and com­mu­ni­ca­tions and will gen­er­al­ly take a light hand, when it comes to reg­u­la­tion and tax­a­tion, in the inter­est of per­son­al free­dom and ease of com­merce. But the fact that bad states may abuse the pow­er to reg­u­late telecom­mu­ni­ca­tions does not mean that benign states lack, or should lack, that pow­er. (…) If you’re not con­vinced by now that the very notion of cyber­space is sil­ly, try sub­sti­tut­ing “fax” or “tele­phone” or “tele­graph” for “cyber” in words and sen­tences. The results will be com­i­cal. “Activists denounced gov­ern­ment crim­i­nal sur­veil­lance poli­cies for col­o­niz­ing Fax Space.” “Should Tele­phone Space be com­mer­cial­ized?” (…) Like oth­er intel­lec­tu­al-polit­i­cal fads of the late 20th cen­tu­ry, includ­ing neolib­er­al eco­nom­ics and neo­con­ser­v­a­tive for­eign pol­i­cy, the idea of cyber­space as a par­al­lel real­i­ty free from gov­ern­ment reg­u­la­tion and com­mer­cial cor­rup­tion was con­fused in its con­cep­tion and doomed in prac­tice.

Frei über­set­zt:

Ein lib­erales Regime wird geset­zliche Schutz­maß­nah­men gegen regierungs­seit­i­gen Miss­brauch von Dat­en und Kom­mu­nika­tion (sic!) erricht­en und generell im Inter­esse per­sön­lich­er Frei­heit und der Vere­in­fachung des Han­dels in Bezug auf Reg­ulierung und Besteuerung eher sachte agieren. Der Umstand jedoch, dass böswillige Staat­en die Macht, Telekom­mu­nika­tion zu reg­ulieren, miss­brauchen kön­nten, bedeutet nicht, dass fre­undliche Staat­en diese Macht nicht haben soll­ten. (…) Wenn Sie noch nicht davon überzeugt sind, dass der Begriff des “Cyber­spaces” blöd ist, pro­bieren Sie ein­mal, “Fax” oder “Tele­fon” oder “Telegraf” in Wörtern und Sätzen durch durch “Cyber” zu erset­zen. Die Ergeb­nisse wer­den komisch sein. “Aktivis­ten prangerten Überwachungspoli­tik der Regierung für Krim­inelle zur Kolonisierung des Fax­spaces an.” “Sollte der Tele­fon­space kom­merzial­isiert wer­den?” (…) Wie andere intellek­tuell-poli­tis­che Marot­ten des späten 20. Jahrhun­derts, ein­schließlich neolib­eraler Wirtschafts- und neokon­ser­v­a­tiv­er Frem­den­poli­tik, wurde die Idee des Cyber­spaces als Par­al­lel­welt frei von staatlich­er Reg­ulierung und kom­merzieller Kom­pro­mit­tierung in seinen Grundzü­gen ver­wirrt und in der Prax­is zer­stört.

Der Autor dieser kon­fusen Zeilen ist Michael Lind, ein US-amerikanis­ch­er Nation­aldemokrat (natür­lich aus Texas, wen wundert’s?) mit neokon­ser­v­a­tiv­er Ver­gan­gen­heit. Falls euch jet­zt beim Lesen ein kalter Schauer über den Rück­en läuft: Der Text wird übri­gens deut­lich lustiger, wenn man sich vorstellt, wie Michael Lind ihn auf ein­er Apfelsi­nenkiste auf dem Mark­t­platz ein­er beliebi­gen deutschen Kle­in­stadt vorträgt. Pro­biert es mal aus!

NerdkramsNetzfundstücke
Legalsoftwarez-BB.

Was “warez” sind, muss ich hof­fentlich nie­man­dem, der schon mal was mit diesem Inter­net gemacht hat, erk­lären — es han­delt sich um einen Szenebe­griff für in nicht immer mit den Lizenzbe­din­gun­gen kom­pat­i­bler Weise kopierte Com­put­er­pro­gramme (bis hin zu ganzen Betrieb­ssys­te­men). Ich wage zu behaupten: Nie­mand, der noch ganz bei Trost ist, käme auf die Idee, eine Inter­net­seite namens “warez-irgend­was” — abge­se­hen vielle­icht von “keine-warez.de” (derzeit anscheinend nicht reg­istri­ert) — zu eröff­nen und dort auss­chließlich freie und kosten­lose Soft­ware zu veröf­fentlichen.

(Für solche Zwecke gibt es ohne­hin bere­its genug Por­tale, darunter Gizmo’s Free­ware und Free­wareBB.)

Insofern habe ich ger­ade amüsiert zur Ken­nt­nis genom­men, dass das “warez”-Portal Warez-BB (aus Grün­den nicht ver­linkt), auf dem seit Jahren immer wieder neue Win­dowsver­sio­nen, aller­lei Sys­tem­pro­gramme und ähn­lich­es Gedöns einen Platz find­en, neben ein­er Infor­ma­tion, dass man Organ­i­sa­tio­nen wie die Free Soft­ware Foun­da­tion finanziell unter­stützt, diesen Hin­weis­text am Fuß jed­er Seite anzeigt:

Warez-BB respects the rights of oth­ers and is com­mit­ted to help­ing third par­ties pro­tect their rights. Our terms of ser­vice offer any­one to send inquiries to (Mailadresse).

Frei über­set­zt: “Wir, das Schwarzkopi­en-Forum, berück­sichti­gen die Rechte Drit­ter und helfen gern, die Ver­bre­itung von Schwarzkopi­en einzudäm­men. Schick­en Sie uns ein­fach eine E‑Mail.”

Das scheint nicht allzu oft zu passieren.

KaufbefehleMusikkritik
Somnambulist — The Paranormal Humidor

Somnambulist - The Paranormal HumidorIn meinem Fun­dus an Musik, die sich im Laufe der Zeit so ange­sam­melt hat, fand ich zufäl­lig auch das Album “The Para­nor­mal Humi­dor” (“Der para­nor­male Feuch­traum”) des US-amerikanis­chen Quin­tetts Som­nam­bu­list, veröf­fentlicht im Jahr 2001.

Dabei han­delt es sich um das zweite Album beziehungsweise das erste (und bis heute offen­bar let­zte) nach der Neu­grün­dung der Band. Als Sänger ist Peter Cor­nell, Brud­er von Chris Cor­nell (unter anderem Mit­glied von Soundgar­den), zu Som­nam­bu­list gestoßen, was keineswegs eine stilis­tis­che Übere­in­stim­mung bed­ingt. Vielmehr ertönt hier mit aller­lei Anlei­hen am Pro­gres­sive Rock angere­ichert­er Hardrock.

Das Album begin­nt mit “In The Mind­warp Pavil­lion”: Tiefes Atmen, Stim­mengewirr. “The Sum­mer has end­ed and you’re not pre­pared to meet God — are you afraid to die?”. Sehr stim­mungsvoll und ein wenig beängsti­gend. Es begin­nt mit einem Hardrock­teil mit fiesem Death-Met­al-Gesang, passend zur Ein­leitung, wird aber rasch san­ft. Getra­gen wird das Album ins­ge­samt vom Zusam­men­spiel der dom­i­nan­ten Retro-Prog-Key­boards und der Gitarre ein­er­seits, vom gele­gentlich ausufer­n­den Schlagzeugspiel ander­er­seits. Auf den “Baby­blauen Seit­en” ist außer­dem von einem “wuchti­gen Bass” die Rede — den ver­schluckt mein Abspiel­gerät in diesem Fall lei­der. Ich nehme an, das liegt aus­nahm­sweise an mir. (Nach­trag: Es lag tat­säch­lich am Abspiel­gerät.)

Das Resul­tat der Mix­tur ist mit sein­er Melan­cholie, aber auch Düster­heit eine dur­chaus eigen­ständi­ge Mis­chung aus echolyn (“mei”), den frühen (also besseren) Gen­e­sis (“Fox­trot”, gele­gentlich “The Lamb Lies Down on Broad­way”) und Van der Graaf Gen­er­a­tor (“Still Life”). (Ich finde Stil­ver­gle­iche ja immer blödsin­nig, aber wenn sie der Wahrheits­find­ung dienen, will ich mal nicht so sein.)

Ach, oben hat­te ich ja die “Baby­blauen Seit­en” erwäh­nt. Ich zitiere mal von dort:

Die sieben Songs des neuen Out­puts bieten kom­plex­en Pro­gres­sive Rock, der typ­is­che Retro-Ele­mente mit ein­er gesun­den Härte verbindet. Dabei ist man jedoch von üblichen Met­al-Ten­den­zen meilen­weit ent­fer­nt, son­dern verbindet die tra­di­tionelle und sym­phonis­che Rock­tra­di­tion mit aggres­siv­en Aus­brüchen, wobei sich ins­beson­dere Sänger Peter Cor­nell statt des üblichen pathetis­chen Gesangs durch bisweilen fast schon brachial anmu­tende Aus­brüche ausze­ich­net. (…) [Es] braucht dem Prog-Puris­ten keines­falls angst und bange zu wer­den, da ins­beson­dere der Key­board­sound tief in den seli­gen 70er Jahren ver­wurzelt ist und die volle Bre­it­seite an Ham­mond- und Mel­lotron­sounds geboten wird.

Alles endet mit ein­er weit­eren gesproch­enen Pas­sage. “I’m scared some­times”. Passt.

“The Para­nor­mal Humi­dor” ist ein hörenswertes Album für jeden Musik­fre­und, der nichts dage­gen hat, wenn die Siebziger bemüht wer­den, ohne dass es anges­taubt oder kün­stlich klingt. Mein­er­seits eine unbe­d­ingte Gutfind­empfehlung. Es muss ja nicht immer Heino sein.

In den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik in Kürze: Die Zeugen Ponaders

Nur noch mal kurz zum Real­itätsab­gle­ich, was die medi­ale Aufmerk­samkeit doch für ein wankelmütiges Biest ist:

Mari­na Weis­band, erk­lärter Liebling der Medi­en (denn sie sei “(e)ine junge Frau, die zwei ger­ade Sätze her­aus­bringt, und dabei auch noch gut aussieht”), analysierte vor eini­gen Tagen den Zus­tand der Piraten­partei und forderte, dass sie sich endlich wieder mehr auf ihre Wurzeln besin­nen solle.

Das Ergeb­nis: Es wird virtuell zu ihr gebetet und ihre Rück­kehr an die Parteispitze erhofft, auf dass sie die angezählte Partei zurück ans Licht führen möge. Angezählt? Ja, und das liegt allein am poli­tis­chen Geschäfts­führer Johannes Pon­ad­er, heißt es.

Johannes Pon­ad­er näm­lich, erk­lärter Schuldiger an jed­er Wahlnieder­lage der let­zten Monate, heißt es in den Medi­en, analysierte vor eini­gen Tagen den Zus­tand der Piraten­partei und forderte, dass sie sich endlich wieder mehr auf ihre Wurzeln besin­nen solle.

Das Ergeb­nis: Die anderen Mit­glieder des Bun­desvor­stands beschimpfen Johannes Pon­ad­er öffentlich und find­en seine Aus­sagen gar nicht gut.

Vielle­icht ist er nicht niedlich genug.


Nach­trag (zum The­ma) vom 7. Feb­ru­ar 2013:

Falls sich noch jemand fragt, warum in Berlin lediglich zwei Abge­ord­nete der Piraten­partei unbe­liebter sind als Klaus Wow­ere­it: Das kön­nte daran liegen, dass zumin­d­est ein­er von ihnen sich etwas zu wichtig nimmt.