Ächz, ein Montag; mit bleibenden Schäden, die selbst den montäglichen Routineablauf stören. Was hör‘ ich für Musik in dieser wirren Zeit, in der Alte (Frank-Walter Steinmeier) das Neue (freie Kommunikation) zerstören, was für ein Lied als Begleitung dazu, dass Neues anderem Neuem nachfolgt? Auf Twitter ist der große GNU-Social-Hype schon wieder vorüber, man preist nun um so offensiver ello an. Ich wüsste noch nicht einmal, was ich auf Facebook tun sollte. ello? owdy!
Raus, einfach raus. Sei der Panda! Und dazu ein wenig Rock. Alten, versteht sich.
Davon, dass sie im Juli davon abrücken wollte, weiß sie freilich schon wenige Wochen später nichts mehr: Die SPD, deren Führern daran gelegen ist, aus bloßer Freundschaft das bürgerfeindliche „Freihandelsabkommen“ TTIP mit den Scheiß-USA durchzubekommen, hielt denen, die deutschen Bürgern offen feindselig gegenübertraten, verdächtig lange die Stange.
Zum Glück ist das deutsche Volk traditionell vergesslich. Erinnert sich noch jemand an die zahlreichen bisherigen Verfehlungen der Partei, die es wieder einmal in den Bundestag gewählt hat? Die Vergesslichkeit der Bürger ist das Kapital der SPD, wie es scheint. Zum Glück gibt es immer wieder Nachschub, damit der Deutsche zwischen zwei Fußballmeisterschaften nicht vergisst, was für ein widerwärtiger Haufen ihn da eigentlich regiert:
Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge hat der BND unter Abdeckung des damaligen Geheimdienstkoordinators Frank-Walter Steinmeier (SPD-Außenminister, A.d.V.) zwischen 2004 und 2008 unter der Code-Bezeichnung „Eikonal“ einen Bypass am Frankfurter Knotenpunkt DE-CIX gelegt, dem weltweit größten seiner Art. Die gesplitteten Signale wurden nach Pullach ausgeleitet und sollten von der damaligen BND-Zentrale aus um die „deutsche Kommunikation“ gefiltert an die NSA gehen, deren Kabel am vormaligen NSA-Abhörstützpunkt Bad Aibling nach Input dürsteten.
Anders gesagt: Der BND hat unter federführender Aufsicht der SPD und der Telekom über Jahre hinweg systematisch fremde Kommunikation an ausländische Geheimdienste weitergegeben und dabei billigend Verstöße gegen § 7a des G10-Gesetzes in Kauf genommen. Da insbesondere aufgrund letzteren Verstoßes eine Datenwiedergabe im Rahmen internationaler Verträge hier nicht vorliegen kann, empfehle ich als Rechtslaie, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gemäß § 94 StGB zu behandeln:
(1) Wer ein Staatsgeheimnis einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt (…), um (…) eine fremde Macht zu begünstigen, und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter eine verantwortliche Stellung mißbraucht, die ihn zur Wahrung von Staatsgeheimnissen besonders verpflichtet (…).
Man muss wahrscheinlich keine kriminelle Energie besitzen, um in der SPD Karriere zu machen. Es erleichtert aber so vieles.
Politiker sind Schauspieler ohne Drehbuch, ohne einen Regisseur, der alles zusammenhält.
Luc Besson
Wir erinnern uns: Am 1. August 2013 trat dieses Gesetz in Kraft. Allerlei Verlage in Deutschland haben mal mehr, mal weniger hart mit der Legislative gerungen, um ein Gesetz maßgeschneidert zu bekommen, das im Wesentlichen Bloggern und Suchmaschinen das unbezahlte Zitieren aus den eigenen Onlineauftritten – und damit kostenlose Werbung – verbieten soll.
Mehrere kleinere Suchanbieter haben die entsprechenden Verlagsangebote ersatzlos gestrichen, aber das hat nur wenige Menschen interessiert. Der Fokus liegt natürlich auf Google. Google ist ein großer Konzern, Google hat Geld, Google soll zahlen.
Zunächst hat Google das Gesetz weitgehend ignoriert und in seinem Nachrichtenaggregator „Google News“ trotzdem weiterhin auf die Nachrichtenangebote verschiedener Verlage verlinkt. Dafür ist ein Nachrichtenaggregator da. Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Deutschen Patent- und Markenamt und klagen.
Google blieben nun also nur zwei Möglichkeiten, um sich ans Gesetz zu halten: Entweder für jeden kostenlosen Link auf ein VG-Media-Angebot Geld zu zahlen oder die strittigen Angebote gemäß den Vorgaben des Leistungsschmutzrechts zu beschneiden. Google hat nun Letzteres getan(Hinweis: Link auf ein Google-Blog!):
Vor dem Hintergrund dieser Klage werden wir Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen.
Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Kartellamt und klagen.
Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Stefan Niggemeier
Ist mir auch ein Rätsel, wieso Verlage sinkende Einnahmen haben.
Nützliches Handwerkszeug für’s nächste Bullshit-Bingo übrigens: Die Floskelwolke.
Seit der Sache mit der NSA beginnt das Konzept des Selbsthostens der jeweils verwendeten Clouddienste wieder an Fahrt aufzunehmen. So mancher, der bis dahin blind den Heilsversprechen großer US-amerikanischer Konzerne vertraute, wollte plötzlich weg von Google Mail, Dropbox und Evernote.
Während das bei Google Mail und Dropbox aber zumindest theoretisch ziemlich einfach ist, ist ein tauglicher Ersatz für Evernote schwer zu finden. Microsoft bietet OneNote, Google bietet Google Drive, aber beide haben hinsichtlich ihres Funktionsumfangs Evernote nur wenig entgegenzusetzen; und selbst hosten kann man sie auch nicht. Bei den freien Alternativen sieht es noch weit schlimmer aus – es mangelt bereits an einem synchronisierten guten virtuellen Notizbuch mit Android- und Desktopanbindung.
Möglicherweise schließt Octobox – wahlweise gehostet oder zum Selbstinstallieren – diese Lücke. Octobox, wenngleich noch in einer frühen Testphase, bietet bereits jetzt ein Evernote-ähnliches Aussehen und Markdown-Unterstützung, am „Clipper“ und einer Browsererweiterung wird noch gearbeitet. Möglicherweise wird es irgendwann auch mobile Anwendungen geben.
Die Besonderheit von Octobox ist, dass es sämtliche Notizen in der Dropbox speichert, ein Konto hierfür ist also momentan noch vonnöten. Diese Funktionsweise aber hat Vorteile: Anders als in Evernote liegt alles im Klartext vor, lässt sich also mit jedem Texteditor bearbeiten und bei Bedarf manuell sichern; um die Sicherung selbst kümmert sich aber ebenfalls bereits Dropbox, das auf Wunsch auch gelöschte Dateien bis auf Weiteres aufbewahrt.
Für uns nerds auch nicht uninteressant ist übrigens percol. percol ist sozusagen ein Filter für Pipe-Befehle, der eine dem Emacs-helm-Plugin ähnliche Schnellsuche für Befehle, Dateien und Zeilen anbietet. Auf der GitHub-Seite gibt es eine (etwas hektische) Demonstration in GIF-Form.
percol ergänzt also Shellbefehle um type to find. Ein Beispiel:
ls| percol
Dieser Befehl zeigt zum Beispiel die Ausgabe von ls mit dem percol-Filter an:
Der Text „QUERY>“ kann beinahe nach Belieben angepasst werden.
In weiteren Nachrichten: Die BPjM ist doch nicht so nutzlos wie gedacht, sie ist zum Beispiel ein hervorragender Versandhandel für alte Pornos.
Von Queen hielt ich aus ähnlichem Grund nie allzu viel wie von Muse: Dieses Operettenhafte, Künstliche, Überhöhte tut mir beim Hören auch körperlich weh. Wenige Glanzstücke wie „Sheer Heart Attack“ und „Stone Cold Crazy“ stehen der grauenvollen „Bohemian Rhapsody“, dem von Fußballglotzern pervertierten „We Are The Champions“, dem prahlerischen „We Will Rock You“ und weiteren Unmöglichkeiten ziemlich wehrlos gegenüber. Freddie Mercury mag ein Stil prägender Sänger gewesen sein, aber seinen Stil mag ich nicht.
Blöderweise schließt man – schließe ich – wider besseren Wissens von einem einzigen wirklich schlechten Stück oft auf das ganze Album. Lückenfüller als solche zu erkennen vermag man nur, wenn man bereit ist, sich dem ganzen Album trotz der Abschreckung zu widmen. Vorurteile, die ich immer noch nicht ganz abgebaut habe, sind trotz mehrfacher Versuche, mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, zum Beispiel Marillions „Misplaced Childhood“ (wegen „Kayleigh“, dessen elende Ohrwurmmelodie einem auch nach fast 30 Jahren noch aus jedem zweiten Radiosender entgegennudelt) und eigentlich jedes Album von Queen, weil ich von Queen zuerst „Queen Rocks“, dieses seltsame best of aus den Neunzigern, besaß, auf dem zwar die gewohnten Mitklatschhymnen und einige selbst mir gefallende Lieder („Stone Cold Crazy“, „Sheer Heart Attack“, „One Vision“) zu finden sind, allerdings nichts, was umwerfend anders wäre.
Dann habe ich mir noch mal Queens „A Night At The Opera“ von 1975 angehört, weil das Internet fand, ich hätte da was verpasst. Ja, habe ich wirklich.
Schon das erste Stück, „Death On Two Legs (Dedicated to…)“, hat mit dem fröhlichen Poprock der Radio-Queen nicht viel zu tun. Leise Klavierklänge werden allmählich begleitet von anschwellender, beklemmender Perkussion. Es folgt ein Ohrwurm fördernder Rock’n’Roll-Teil, in dem sich E‑Gitarre und Klavier ein Gefecht liefern, während Freddie Mercury für Norman Sheffield, den vormaligen Manager der Band, ein nicht sehr fröhliches Liedchen zum Besten gibt: „You suck my blood like a leech / You break the law and you breach“, Brian May brilliert dazu mit vortrefflichen Gitarrensoli. An den „zornigen“ Freddie Mercury könnte ich mich gewöhnen.
Ganz anders der „Prophet’s Song“, die bessere „Bohemian Rhapsody“: Wiederum ein Geräusch-Intro, das mich an Wind und Meer erinnern lässt, Gitarre und Klavier setzen mit einem ersten Refrain ein: „Oh oh, people of the earth / listen to the warning, the seer he said: / ‚Beware the storm that gathers here. / Listen to the wise man!‘ “ Einen Genrewechsel später geben Bass und Schlagzeug einen treibenden Marschrhythmus vor. Der zweite mehrstimmige Refrain wirkt beinahe bedrohlich. Bedrohlichkeit ist sowieso eine nennenswerte Eigenschaft dieses Stücks, aber da ist auch noch der Mittelteil: Freddie Mercury singt im Terzett mit zwei seiner eigenen Echos und klingt nicht mal dann nach Operettenkram. Anschließend finden die Musiker zurück zum musikalischen Thema des Anfangs.
Natürlich ist auch „A Night At The Opera“ kein perfektes Album, natürlich hat es Längen, Ecken und Kanten.
Aber – ich korrigiere mich ausnahmsweise gern – „A Night At The Opera“, in seiner Dunkel- wie Vertracktheit das musikalische Gegenstück zum im Folgejahr veröffentlichten „A Day At The Races“, ist nach meinem Eindruck wohl eines der besten Musikalben von Queen, es sollte nicht ungehört verklingen.
Aber die „Bohemian Rhapsody“ hätt‘ wirklich nicht sein müssen.
Es wird Herbst, die Frauenzeitschriften schlagen wieder aus.
Die „JOY“ (Ausgabe für Oktober 2014) verspricht „Hammer-Haare“ – keine schöne Aussicht:
Außerdem: „Das verrät Ihr Name über Sie“ und „Die geheimsten Locations“ Berlins, also nicht einfach nur geheim, sondern richtig dolle geheim, wie man es aus einer unerforschten Kleinststadt wie Berlin eben kennt.
Anderswo geht es längst um Wichtigeres:
Das Magazin „ok!“ stellt mit Gerissenheit sicher, dass ich die Ankündigung unten rechts dreimal lese, und ansonsten scheint sich eine Lena Gercke (wer ist das?) von einem Sami Khedira (wer ist das?) getrennt zu haben. „Das Power-Paar in der Krise“, denn es gehört schon eine Menge power dazu, Teil eines Paars zu sein, das für irgendwas bekannt geworden ist.
Trennungen scheinen ohnehin gerade en vogue zu sein, weiß man auch bei „InTouch“, deren Titelredaktion es andererseits als „Kilo-Schock“ erachtet, wenn man von Schwangerschaft schwerer wird:
Außerdem, so „InTouch“, sei irgendeine Sabia hinsichtlich irgendeiner Sylvie zu weit gegangen. Sabia, so berichtet „Closer“ (Motto: „Stars, die wirklich interessieren“) wiederum, habe Sylvie nämlich zum Weinen gebracht:
Außerdem noch eine Trennung, diesmal sogar mit jemandem, den ich kenne: Cora und Ralf Schumacher nämlich hätten sich ebenfalls getrennt. Warum das berichtenswert ist? Na, es sei ja auch ein „Schock für [den] kranken Schumi“ (Michael Schumacher, A.d.V.). Herzlose Cora „&“ Ralf – hätten die nicht warten können, bis es „Schumi“ wieder besser geht?
Arne Hoffmann, seines Zeichens umstrittener Männerrechtler und Blogger, hat ein Buch geschrieben, und ich komme auch drin vor:
(Hinweis: Trotz Kompression ist die Vollansicht noch recht groß; ich empfehle eine mobile Ansicht nur mit Datenflatrate oder im WLAN.)
Mir kommen die Männertränen vor Rührung – ich hab‘ alles erreicht und fühle mich mehr als nur bloß geehrt. Eine Fußnote! In einem Buch! Mit Seiten drin! Schwester, meine Tabletten!
Montag. Man sollte dieses Wort als Schimpfwort in ein Schimpfwörterlexikon aufnehmen.
Weil’s eben passt: Ein Großteil des Bremer Landesverbandes der Piratenpartei, der sich zu Unrecht (lokale Kopie) nicht mehr willkommen fühlte, hat’s der Berliner Parteiprominenz nachgemacht und ist ausgetreten, natürlich nicht immer ohne einen Blogeintrag. Viel Geschrei allerorten. Der Berliner Landesverband ist schon weiter, er hat sich gestern mehrheitlich dafür ausgesprochen, mit vorhandenen Mitteln eine neue Partei zu gründen, vorerst als Zweitpartei. Ich vermute, dort werden sich in absehbarer Zeit viele Mitglieder der „Progressiven Plattform“ sammeln, was nur konsequent wäre, immerhin will am 28. September auf der „anderen“ Seite des Piratenspektrums auch die Partei „Neue Liberale“ (es gab bereits 2010 den Versuch einer Parteigründung unter diesem Namen) einen Gründungsparteitag abhalten. Damit hätten sich nun sowohl der „neoliberale Flügel“ als auch der „Flügel“ derer, die nach 2009 die Piratenpartei bei eher mauem Wählerzuspruch von einer Nerd- zu einer erkennbar „linken“ Partei erweitern wollten, selbstständig gemacht; zurück aber bleibt womöglich keine rauchende Ruine, sondern eine Partei, die wohl zumindest nicht mehr zwischen den ständigen Flügelkämpfen zerrissen wird und deren Bundesvorstand zu weiten Teilen auch von denen gewählt wurde, die die Vorstellung von einer Partei, die sich vorrangig für direkte Demokratie, ein modernes Urheberrecht, Datenschutz und Privatsphäre einsetzt, noch immer nicht aufgegeben haben. So weit die Theorie.
In der Praxis allerdings ist immer noch Montag. Und Montage sind wirklich, wirklich nicht gut. Aber was soll’s? Die Montagsstimmung raus und es kann losgehen.
Erinnert sich noch jemand an Christopher Lauer?
Christopher Lauer war unlängst noch, nun, charismatischer Landesvorsitzender des Landesverbandes Berlin der Piratenpartei Deutschland und fiel in den letzten Jahren meist dadurch auf, dass er politische Gegner im Berliner Abgeordnetenhaus ebenso wie in diesen scheußlichen talkshows genüsslich zerriss, wobei er sich auch in der eigenen Partei selten mit Kritik zurückhielt.
Sein jüngster großer Auftritt, die Bewerbung als politischer Geschäftsführer auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Halle, hatte auch für mich als Teil des anwesenden Publikums einen hohen Unterhaltungswert:
Christopher Lauer grandiose Kandidatur Rede beim #aBPT14
So dreist und satirisch diese Rede auch gewesen sein mag, er verdrängt nur teilweise den schwelenden Richtungsstreit (wir erinnern uns: auf diesem Parteitag hat der progressive Flügel der Piratenpartei jegliches Vorstandsamt auf Bundesebene aufgeben müssen). Christopher Lauer als Vertreter des linken Teils der Piratenpartei hat sich hier als Landesvorsitzender also mit einer Mehrheit – den Liberalen (von den Progressiven gern bekloppterweise auch die Rechten genannt) – angelegt.
Es ist in der Piratenpartei nicht verboten, einen Parteitag zu trollen, was mir sehr gelegen kommt; die Satzung gilt trotzdem. Vom neuen Bundesvorstand, der auf diesem Parteitag gewählt wurde, wurde auch erwartet, sich nicht zum Spielball machen zu lassen, wie es der vorherige Bundesvorstand war. Gerüchten zufolge hat dieser Bundesvorstand auch angemessen reagiert und satzungsgemäß nach vorheriger Anhörung möglicherweise Ordnungsmaßnahmen gegen Christopher Lauer verhängen wollen, der Anhörungstermin wäre der 25. September gewesen. Auch sonst macht der amtierende Bundesvorstand vieles anders und versagt etwa der „openmind“, der Konferenz mit dem Symbol der verkrampft geschlossenen erhobenen Faust, die Unterstützung.
Gestern trat Christopher Lauer aus und kam damit einer Amtsenthebung zuvor. Manche Mitglieder der „progressiven“ – 2009 nannte man ja noch die „Netzpolitiker“ in der Partei „progressiv“ – Parteiseite folgten seinem Beispiel, oft unter großem Gezeter (auf Twitter) und Applaus (ebd.), denn ein leiser, unkommentierter Austritt ist ja doch nicht stilecht.
Sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus möchte der „Bubi“ (Christopher Lauer über ausgetretene Parteimitglieder) übrigens behalten. Aus Gründen.
Nachtrag: Auch Anne Helm („THANK YOU BOMBER HARRIS“ – leider überschattete diese doch eher unüberlegte Aktion ihre bis dahin weitgehend löbliche Arbeit für die Menschenrechte) und Oliver Höfinghoff sind ausgetreten, bedauernd begleitet von den Medien, die einen Austritt, wenn er nur laut genug ertönt, grundsätzlich als Zeichen für das sichere Ende der Piratenpartei deuten wollen; andere gehen, weil der Bundesvorstand ihnen vermeintlich nicht antifaschistisch genug sei. Die Piratenpartei ist zwar keine Antifa-Veranstaltung, wohl aber ist sie – wie alle guten demokratischen Parteien – totalitären Strömungen gegenüber negativ eingestellt.
Die Piratenpartei stellt zweifelsohne gesellschaftlich radikale Forderungen; wem eine Partei, in der politischer Radikalismus grundsätzlich nicht willkommen ist, jedoch nicht weit genug geht, der war in der Piratenpartei von vornherein falsch. Es wäre verfrüht, den Austritt von Klassenclowns und ehemaligen Mitgliedern, die sich mit den Grundfesten der Partei von Anfang an nicht identifizieren konnten, als Zeichen für den Niedergang der Partei zu verstehen. Es ist vielmehr ein sicheres Zeichen dafür, dass sie wieder weiß, wo sie stehen möchte, und sich nicht noch länger mit Flügelkämpfen selbst demontieren will. Ich bin damals in eine Partei eingetreten, weil ich das Urheberrecht und aktuelle Überwachungsgesetze in der gegebenen Form nicht in Ordnung fand und finde – nicht, um potenziell Gewaltbereite zu verdreschen.
„Für mich ist die Welt nicht mehr in Ordnung,
nicht früh um 7 und auch nicht nach der Tagesschau.“ – Ton Steine Scherben: Wir müssen hier raus
… Es war ihr Stolz, der sie scheitern ließ.
Er hatte sich das alles so viel leichter vorgestellt. Aber es gab so viel, was sie auseinanderdrückte, und obwohl er jedes Mal glaubte stärker zu sein, fühlte er sich doch schuldig an seiner eigenen Unzulänglichkeit.
Wohl hatte er geahnt, dass das nicht gutgehen würde. Was konnte er ihr schon bieten außer seinem Herzen, das sich danach sehnte, die ruhelose Phase zu beenden, und vielleicht seinem Leben, das er noch führen wollte. Mit ihr? Das klang verlockend. Er fühlte sich zum ersten Mal im Leben gereift, als er bei ihr war, zum ersten Mal wie jemand, der sein Spiegelbild noch ertrug.
Und doch: Je mehr er sich nach ihr sehnte, nach ihr griff, nach ihr rief, desto schwieriger schien es ihm, Schritt halten zu können. Sie war ihm immer überlegen, sie lebte. Sie schien unerreichbar, das faszinierte ihn. Er fühlte sich ihr nicht gewachsen, doch er hatte sich schon viel zu oft unterschätzt. Was konnte er verlieren, wenn er es wagte? Dieses Mal, nahm er sich vor, würde es für immer sein. Die richtige Zeit, der richtige Ort, das richtige Gefühl. Und doch, bei allem, was sie ihm in lauen Sommernächten gestanden hatte, war er immer zu feige gewesen, erfüllt von der Furcht sich aufzugeben, sich auf sie einzulassen.
Das alles war nun viele Wochen her, sie war längst weitergezogen und hatte, wer weiß?, ihn längst vergessen. Er aber blieb zurück, allein und voller Erinnerungen an ihr Lächeln, ihre Wärme.
Und er wusste, was das bedeutete. …
„Liebe, Liebe, Liebelei,
morgen ist sie vielleicht vorbei.“ – Tony Holiday: Tanze Samba mit mir.
Wer die Internetsuche von web.de, GMX oder T‑Online nutzt, bekommt keine Ergebnisse mehr von „Bild“, „Welt“, „Hannoversche Allgemeine“, „Berliner Zeitung“ und zahlreichen weiteren Online-Angeboten von Zeitungen angezeigt. Die drei Portale haben jene Verlage, die in der VG Media organisiert sind, um Ansprüche aus dem neuen Presse-Leistungsschutzrecht geltend zu machen, ausgelistet.
Und als Nächstes schmeißt Amazon alle Autoren raus, die gegen Amazon und sein Angebot protestieren, und vielleicht merken dann ein paar Idioten, dass sie selbstverständlich gern die Forderung stellen dürfen, dass andere dafür Geld zahlen müssen, Werbung für sie machen zu dürfen, dieses Geschäftsmodell allerdings nur bedingt realitätstauglich ist.
Andererseits: Würden manche von ihnen etwas merken, wären sie nie zur HAZ gegangen.
Im Osten des Landes fanden wieder einmal Wahlen statt, und weil die Uhren dort anders ticken als im Rest des Landes, hat die „Alternative für Deutschland“ den Einzug in zwei weitere Landesparlamente geschafft, die F.D.P. bekommt wie üblich den Trostpreis für’s Mitspielen. Sympathisanten der kurzlebigen Spaßpartei AfD finden, die Piraten seien ja wohl weg vom Fenster. Wahlkampf ist der einzige Kampf ohne einen Verlierer. Man kann sich auch totdiskutieren.
Auch tot ist übrigens Joe Sample („Joachim Beispiel“). Das ist ein bisschen schade, er war kein so übler Pianist. Beginnen wir den Tag in stillem Gedenken mit ordentlich Death Metal passender Begleitung:
Erinnert sich noch jemand an die Grünen, von denen man seit ihrem tiefen Fall im Jahr 1999 nicht mehr viel gehört hat? Die Grünen, ich erkläre das kurz für die Jüngeren, sehen ungefähr so aus:
Eigentlich also genau so, wie man sich seine Regierung schon immer gewünscht hat. Aber die Grünen tauchen in der Presse kaum mehr auf, sie sind zu brav und konform geworden. Das ist auch nicht ganz unbeabsichtigt, öffentlich präsentiert sich die Partei bevorzugt als Alles-ist-erlaubt-Partei:
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen die Freiheit haben, ihr Leben selbst zu gestalten. Die Grünen sind eng verwurzelt mit den Bürgerrechtsbewegungen, mit emanzipatorischen Bestrebungen. Diese wie auch libertäre und liberale Traditionen prägen unsere gemeinsame freiheitliche Orientierung. Für eine Gesellschaft, die jedem eine Chance gibt. Ohne Bevormundung.
Außer, wenn’s um Kleidung geht, denn da verliert auch eine bayrische Grüne die Fassung:
In Tracht nahm [Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär, CSU] auf der Regierungsbank Platz – was die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl (61) zu einer öffentlichen Kritik im Netz ermunterte. Es ging dabei keineswegs um Politik, sondern um das Dirndl der Bambergerin. Dieses sei „rückständig“.
Freiheit gern, aber ohne die Einhaltung der Kleiderordnung verfällt hier alles in Anarchie. Anarchie!!1
Turnschuhe und Männer mit langen Haaren sind kein Problem, aber Dirndln sind eine klare Respektlosigkeit.