In den NachrichtenNerdkrams
Das Inter­net kaputt­ge­sun­den mit Sit­te und Anstand

Unter dem, nun, Künst­ler­na­men „Jigsaw“ – zu Deutsch „Puz­zle“ – erprob­te in der „Saw“-Filmreihe ein offen­bar sadi­sti­scher Täter eine Serie reich­lich unkon­ven­tio­nel­ler Tötungs­ar­ten. „Jigsaw“ ist außer­dem der Name der Erfin­der­grup­pe („Think Tank“, zu Deutsch „Denk­pan­zer“) einer neu­en Zen­sur­soft­ware der all­seits belieb­ten Hip­pie­kom­mu­ne Goog­le. „SPIEGEL ONLINE“ berich­tet:

Belei­di­gun­gen machen vie­le Dis­kus­sio­nen im Netz unge­nieß­bar. Eine Goog­le-Toch­ter will jetzt die Lösung gefun­den haben: Eine selbst­ler­nen­de Soft­ware soll das Gift aus Kom­men­tar­spal­ten sau­gen.

Ich habe ja die vage Ver­mu­tung, dass Arti­kel­au­tor Fabi­an Rein­bold – das war, lang­jäh­ri­ge Leser mögen sich ungern erin­nern, der hier – „das Netz“, „das Web“ und „das Inter­net“ nicht so recht von­ein­an­der unter­schei­den kann, aber gut, ist ja auch nur das Res­sort „Netz­welt“ auf „SPIEGEL ONLINE“ und nichts, wofür man irgend­was wis­sen müss­te, um da zu schrei­ben. Pas­sen­der­wei­se ist der Arti­kel ein­sor­tiert unter „Netz­welt -> Web -> Inter­net“, denn bekannt­lich ist das Inter­net im Web drin und nicht anders­rum. Ein drei­fach Hoch dem Qua­li­täts­jour­na­lis­mus.

Wor­um geht es? Um Anstand natür­lich:

Trol­le ver­trei­ben Anders­den­ken­de, töten damit die Dis­kus­si­on. (…) Jigsaws Lösung: Eine selbst­ler­nen­de Soft­ware namens „Per­spec­ti­ve“ soll die Pöbe­lei­en auto­ma­tisch erken­nen und aus­sor­tie­ren. (…) Jigsaw-Lei­ter Jared Cohen ver­kauft sein Pro­jekt mit dem Satz: „Wir wol­len ein gesün­de­res Inter­net.“

(Her­vor­he­bung von mir.)

„Anders­den­ken­de“, für die Guten ein belieb­ter Kampf­be­griff, um ihre ethi­schen Geg­ner zu kata­lo­gi­sie­ren und stig­ma­ti­sie­ren, sol­len also nicht mehr von „Trol­len“ – basie­rend auf dem Kra­keel der Mas­se, denn wie schon auf Twit­ter sind die, die am lau­te­sten „der da ist böse“ brül­len, immer die, die Recht haben bekom­men – an einer fried­li­chen und vor allem unge­stör­ten Dis­kus­si­on (vul­go „Fil­ter­bla­se“) gehin­dert wer­den, was erfah­rungs­ge­mäß dann unge­fähr so aus­sieht, dass die rück­sichts­lo­se­sten Besu­cher eines Kom­men­tar­be­reichs die­je­ni­gen sind, die ent­schei­den, wor­über dis­ku­tiert wer­den darf:

Gespeist wur­de sei­ne Daten­bank mit Bei­trä­gen aus der „New York Times“-Kommentarspalte und aus Wiki­pe­dia-Dis­kus­sio­nen, die noch von Men­schen als unan­stän­dig gebrand­markt wur­den. (…) Das Pro­gramm soll jeden Kom­men­tar mit einem Gift­wert von 0 bis 100 kenn­zeich­nen – und die­se auto­ma­ti­sche Ein­ord­nung soll Medi­en, die Per­spec­ti­ve ein­set­zen, ent­la­sten.

(Her­vor­he­bung erneut von mir.)

Über Anstand dis­ku­tiert man nicht, nein, nein; den unpu­ri­ta­ni­schen Aus­wüch­sen die­ser Dis­kus­si­ons­un­kul­tur möge als­bald Ein­halt gebo­ten wer­den. Die reden da über Sex vor der Ehe, pfui! – Je nach­dem, wel­cher Par­tei Stamm­wäh­ler man fragt, dürf­te die Defi­ni­ti­on von „Anstand“ eine sein, über die sich unter­ein­an­der pop­corn­wür­digst gestrit­ten wer­den kann.

Nun ist das Web („Netz“, F. Rein­bold) und mit ihm die Gara­gen­klit­sche Goog­le kei­nes­wegs des­halb so groß gewor­den, weil sich Men­schen gern dort auf­hal­ten, wo man sie an der unmo­de­rier­ten Äuße­rung pro­vo­kan­ter (wo nicht justi­zia­bler, was hier aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen wer­den darf), dem Zeit­geist wider­spre­chen­der Behaup­tun­gen hin­dert, son­dern des­halb, weil ihnen das „Inter­net“ eine Platt­form zum unge­zü­gel­ten Aus­tausch gewähr­te, den weder Ochs‘ Schäub­le noch Ese­lin von der Ley­en zu begren­zen ver­moch­ten. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Vor­stel­lung von „gif­ti­ger Spra­che“ (die US-Ame­ri­ka­ner sind das­je­ni­ge Volk, wel­ches gegen die Todes­stra­fe, Mord­in­stru­men­te in jedem Haus­halt und Last­wa­gen fah­ren­de Kin­der nichts ein­zu­wen­den hat, aber umge­hend wüten­de Zuschau­er­mails ver­fasst, wenn jemand im Fern­se­hen vom Sau­gen spricht) wür­de ich in all mei­ner Nai­vi­tät jeden­falls kei­nes­falls zur Maxi­me erho­ben sehen wol­len, auch und gera­de nicht unter den gege­be­nen Umstän­den, dass die für mei­ne Ent­wür­di­gung der­zeit zustän­di­ge Bun­des­re­gie­rung im Kampf gegen unhöf­li­ches Mit­ein­an­der im „Inter­net“ gemein­sa­me Sache mit „Schnieptrö­ten“ (N. Her­mann, ande­rer Zusam­men­hang) wie Julia Schramm, die gegen ein paar kla­re Wor­te noch nie etwas ein­zu­wen­den hat­te, macht.

Gewöhn­lich sind es die Ver­gnü­gun­gen, in denen die guten Sit­ten zu Fall kom­men.
Lü Buwei

PolitikIn den Nachrichten
Der Unter­schied zwi­schen dem Irak und Deutsch­land

Was pas­siert, wenn ein deut­scher Sol­dat Kriegs­ver­bre­chen begeht:

Georg Klein ist bei der Bun­des­wehr vom Oberst zum Bri­ga­de­ge­ne­ral auf­ge­stie­gen – Klein war 2009 befehls­ha­ben­der Offi­zier beim Luft­an­griff nahe Kun­duz mit vie­len Toten.

Was pas­siert, wenn ein ira­ki­scher Sol­dat Kriegs­ver­bre­chen begeht:

In Ber­lin hat am Mitt­woch der Pro­zess gegen einen mut­maß­li­chen Kriegs­ver­bre­cher aus dem Irak begon­nen.

Wär‘ das auch mal geklärt.

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Mou­let­tes – Behe­mooth

Käuzchen müde, Käuzchen schlafenEs ist Mon­tag, so schmerz­haft wie es nur ein Mon­tag sein kann. Der Post­ein­gang sym­pa­thi­siert mit die­sem Hin­weis, man mit sich selbst aller­dings kei­nes­wegs. Mon­ta­ge soll­ten – ich wie­der­ho­le mich – anders begin­nen, pel­zi­ger und sanf­ter irgend­wie. Aber Arbeit ist ja auch ganz schön.

Weni­ger schön: Deniz Yücel (frü­her bei der links­po­pu­li­sti­schen „taz“, heu­te bei der rechts­po­pu­li­sti­schen „Welt“) befin­det sich wegen Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ri­sti­schen Ver­ei­ni­gung in tür­ki­schem Poli­zei­ge­wahr­sam. Ich hal­te das für über­trie­ben. So schlimm ist die „Welt“ gar nicht, ist ja nicht die ARD.

Deutsch­land lässt sich der­weil den hart ergau­ner­ten Welt­rang abneh­men: Bei Waf­fen­ex­por­ten sind wir nur noch Fünf­ter. Oben in der Top­li­ste: Der Iwan und der Trump. Bestimmt lässt sich dar­aus ein kla­rer Beleg machen, dass Waf­fen­ex­por­te pfui sind, wenn es die Bösen machen. Also die, nicht wir. Unse­re Waf­fen tun kei­nem was, die wol­len nur spie­len.

Was sie lei­der nicht spie­len: Musik. Las­sen wir das also jemand ande­ren tun.

Mou­let­tes – Behe­mooth – Live Stu­dio Ver­si­on

Guten Mor­gen.

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenComputerMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 17. Febru­ar 2017

In Nord­rhein-West­fa­len ist die Landes‑F.D.P. beim Ver­such geschei­tert, das von den sexi­sti­schen „Grü­nen“ und natür­lich der SPD in Kraft gesetz­te ver­fas­sungs­feind­li­che Lan­des­ge­setz, das schlech­ter qua­li­fi­zier­ten Frau­en im öffent­li­chen Dienst qua Geschlechts­or­gan zu einer schnel­le­ren Beför­de­rung ver­hel­fen soll, für ungül­tig erklä­ren zu las­sen. Unklar bleibt, wie man trotz offen­sicht­li­cher Miss­ach­tung der Grund­rech­te der Hälf­te aller Bür­ger in eine Lan­des­re­gie­rung gewählt wer­den kann.


Unschlag­ba­res Ange­bot von der „FAZ“: Pin­keln­de Rose-Aus­wahl.


Na, erlaubt ihr immer noch jeder daher­ge­lau­fe­nen Web­site das Aus­füh­ren von belie­bi­gem Pro­gramm­code, weil das so kom­for­ta­bel ist? Dann habt ihr ja sicher nichts gegen etwas Schad­soft­ware ein­zu­wen­den.


Imp­fun­gen füh­ren zu Mastur­ba­ti­on.


Für die öffent­li­che Sicher­heit kann nur gesorgt wer­den, wenn die Volks­be­schal­lung per Rund­funk sicher­ge­stellt ist, fin­det Ajit Pai:

Der neue Chef der US-Regu­lie­rungs­be­hör­de setzt sich für UKW-Rund­funk in Smart­phones ein, schon die “öffent­li­che Sicher­heit” sei ein Grund.

Nicht aus­zu­den­ken, wenn die Scha­ren an Smart­phonen­ut­zern noch lan­ge ohne die Qua­li­täts­be­schal­lung mit dem Besten von Phil Coll­ins aus­kom­men müs­sen. Cha­os wäre unver­meid­bar! :ja:

PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Demo­kra­ti­sche Pro­pa­gan­da darf nur „ZEIT ONLINE“.

Auf „ZEIT ONLINE“ deli­rie­ren der­zeit ein Berufs­pro­pa­gan­dist des Aus­wär­ti­gen Amtes und einer des Atlan­tik-Brücke e.V. dar­über, wie man den Rus­sen wohl dar­an hin­dern möge, die kom­men­de Bun­des­tags­wahl zu sei­nen Gun­sten zu ver­än­dern, womit er zwei­fels­frei den Zweck ver­fol­ge, …

eine mög­lichst weit­ge­hen­de Frag­men­tie­rung und Pola­ri­sie­rung der Par­tei­en­land­schaft

… zu erzie­len, auf dass mal wer anders als CDU oder SPD das Gegen­teil von dem machen möge, was vor der Wahl ver­spro­chen wur­de, und, was an Teuf­lisch­keit kaum noch zu über­bie­ten ist:

Ana­log zu Trumps Stra­te­gie wird ver­sucht wer­den, die Wahl als chao­tisch oder gar vom poli­ti­schen Estab­lish­ment mani­pu­liert dar­zu­stel­len, um die Legi­ti­ma­ti­on der demo­kra­ti­schen Kräf­te zu unter­gra­ben.

Natür­lich könn­te man ein­wen­den, die „Wahl“ zum Bun­des­prä­si­den­ten, deren Ergeb­nis sogar Fern­seh­zei­tun­gen im Vor­feld ange­kün­digt hat­ten, habe gezeigt, wie wahr­heits­ge­mäß die Vor­stel­lung, das poli­ti­sche Estab­lish­ment tref­fe Ent­schei­dun­gen sowie­so völ­lig unab­hän­gig vom Wäh­ler­wil­len, tat­säch­lich ist, aber so etwas wür­de im Hau­se „ZEIT ONLINE“ nie­mals auch nur in Erwä­gung gezo­gen, um dem Iwan kein Was­ser auf die Müh­len zu schüt­ten. Das ist immer­hin eine vor­bild­li­che und lupen­rei­ne (weil: west­li­che) Demo­kra­tie hier.

Zu den sie­ben Stra­te­gien mit dem Umgang mit dem Iwan zählt, so die bei­den Autoren, immer­hin auch die Wahr­heit:

Sieb­tens müs­sen staat­li­che wie auch Medi­en­ka­pa­zi­tä­ten zur Auf­deckung von Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen (…) drin­gend ver­stärkt wer­den.

Ab wie vie­len des­in­for­ma­ti­ven Arti­keln auf „ZEIT ONLINE“ kann man eigent­lich von einer Kam­pa­gne spre­chen?

(via Fefe)

Persönliches
Tag der Lethar­gie

(… und dann, wie jedes Jahr, spricht der Volks­mund wie­der ein­mal vom „Tag der Lie­be“, ganz so, als sei Lie­be für die mei­sten Mün­der des Vol­kes das Gegen­teil von All­tag und Roman­tik ein Kon­sum­gut, und das stimmt dann einer­seits ein wenig nach­denk­lich, hilft ande­rer­seits aber nur unwe­sent­lich bei der Ver­wirk­li­chung des eige­nen Tages­plans, des­sen erschwer­te Bedin­gun­gen man sich oben­drein noch selbst zuzu­schrei­ben hat, denn noch vor weni­gen Wochen hat­te man sich den Febru­ar der­art aus­ge­malt, dass man zu wenig­stens zweit irgend­wo in der Wär­me sich trei­ben lässt, auf dass der Rest­ur­laub aus mehr als nur kalen­da­ri­schen Grün­den sei­ner Bestim­mung zuge­führt wer­den möge, aber man hat es auf gewohnt gei­stes­ab­we­sen­de Wei­se wie üblich mal wie­der nicht wei­ter gebracht als bis eben an genau die­sen Punkt, an dem alles wie­der zu lan­ge gut oder wenig­stens nicht über­mä­ßig grau­en­voll zu sein schien. Allein­sein ist die Waf­fe derer, die ihr Pul­ver ver­schos­sen haben. Rau­te was­fehlt.)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Oath­brea­k­er – Clair Obscur

Haben Sie meinen Panda gesehen?Es ist Mon­tag, tra­di­tio­nell ein eher uner­freu­li­ches Ereig­nis; zumal’s der Mon­tag zwi­schen dem, was ein­mal ein Sonn­tag war, und dem, was eigent­lich ein zwei­ter hät­te sein kön­nen, aber es reicht wohl auch die­ses Jahr wie­der nur für Lethar­gie statt rosen­um­wölk­ten Wäl­zens. Wohl und Neid dem, der der Kalen­der­ro­man­tik nichts abge­win­nen kann. Mon­tags wer­de ich komisch.

Der Poli­tik­teil ist aber auch nicht wesent­lich erfreu­li­cher: Gestern hat über­ra­schend Kon­sens­kan­di­dat Stein­mei­er, sei­nes Zei­chens Archi­tekt von Agen­da 2010 und Hartz IV, deut­scher Bünd­nis­part­ner der NSA in Spio­na­ge­be­lan­gen und Befür­wor­ter des ille­gi­ti­men Weg­sper­rens Unschul­di­ger in Fol­ter­knä­ste, die „Wahl“ zum kom­men­den Bun­des­prä­si­den­ten, die ent­ge­gen den poli­ti­schen For­de­run­gen von AfD und Pira­ten­par­tei nach wie vor ohne direk­te Bür­ger­be­tei­li­gung statt­fand, gewon­nen und sogleich mit­ge­teilt, man möge sich wei­ter­hin um mehr Demo­kra­tie und Frei­heit bemü­hen; mit­hin um das, was er selbst nicht nur ein­mal denen ver­wehrt hat, die es wirk­lich gebraucht hät­ten. Die Umfra­ge­wer­te für sei­ne Armuts­pro­duk­ti­ons­par­tei stei­gen. Die ärm­sten Schwei­ne wäh­len ihre Schläch­ter eben selbst.

Es ist Mon­tag. Man soll­te einen Mon­tag prin­zi­pi­ell mit Musik begin­nen. Ein Leser mail­te mir unlängst, mei­ne Mon­tags­mu­sik sei gele­gent­lich inspi­ra­tiv, obwohl sie eigent­lich vor allem ein Mit­tel dar­stellt, um irgend­wie mit die­sem ver­damm­ten Mon­tag klar­zu­kom­men, was auch schon mal irgend­wie leich­ter war als die­ser Tage.

Augen zu, Ohren auf.

Oath­brea­k­er – Clair Obscur

Guten Mor­gen.

PolitikNetzfundstücke
Den uner­war­te­ten Nah­schuss wie­der posi­tiv beset­zen!

Was treibt eigent­lich die letz­tens erstaun­lich unauf­fäl­li­ge Eman­zi­pa­to­ri­sche Lin­ke, bekann­ter­ma­ßen vor­ran­gi­ge Zuflucht des ein­sti­gen links­rän­di­gen Flü­gels der Pira­ten­par­tei, die­ser Tage?

Nun, unge­fähr das Erwar­te­te: Wohl nicht völ­lig ohne Zusam­men­hang mit der tra­gi­ko­mi­schen Beset­zung eines Insti­tuts einer Ber­li­ner Hoch­schu­le durch Stu­den­ten, die nicht woll­ten, dass ein ehe­ma­li­ger Sta­si­mit­ar­bei­ter (sie­he auch) nicht wei­ter an eben­die­ser Hoch­schu­le arbei­ten darf, gibt es Ende Febru­ar eine gera­de­zu beein­drucken­de Ver­an­stal­tung im Karl-Lieb­knecht-Haus, Rosa-Luxem­burg-Saal, wo sonst?:

[K]eine der Bezeich­nun­gen [Unrechts­staat, Par­tei­dik­ta­tur, Homun­cu­lus sovie­ti­cus oder auto­ri­tä­rer Für­sor­ge­staat] hat sich durch­ge­setzt, ist von der Mehr­heit der Leu­te, die in der DDR gelebt haben, ange­nom­men wor­den. Wir kön­nen sagen, wor­um es sich beim Kai­ser­reich gehan­delt hat, bei der Wei­ma­rer Repu­blik und auch beim Drit­ten Reich. Zur DDR aber feh­len uns die Wor­te. Denn was auch immer man dem SED-Staat vor­wer­fen kann, er war an kei­nem Angriffs­krieg und an kei­nem Völ­ker- und Mas­sen­mord betei­ligt.

Ein Staat mit exakt einer erlaub­ten Par­tei­mei­nung, in dem Men­schen im Regie­rungs­auf­trag ver­schwun­den wer­den, ent­spricht eigent­lich unge­fähr mei­nem Ver­ständ­nis von einer auto­ri­tä­ren Par­tei­dik­ta­tur und einem Unrechts­staat, aber gut, die DDR ist wenig­stens nie in Polen ein­mar­schiert. Da wäre auch was los gewe­sen. Also was, wenn kei­ne Dik­ta­tur? Klar:

Die DDR war eine poli­ti­sche Dik­ta­tur, aber nicht nur. (…) In Ost­ber­lin, Gera oder Rostock wur­de genau­so Brot gebacken, wur­den Häu­ser gebaut, Alte und Kran­ke gepflegt wie in west­deut­schen Städ­ten. Vom Land­le­ben ganz zu schwei­gen. Und auch in der DDR haben Eltern ihre Kin­der geliebt, waren Men­schen glück­lich. Und den­noch hat es gro­ßes Unrecht gege­ben.

In so ziem­lich jedem als Dik­ta­tur oder Unrechts­staat akzep­tier­ten Land wur­den auch Alte und Kran­ke gepflegt und den­noch hat es gro­ßes Unrecht gege­ben. Was immer der Ver­fas­ser die­ser Erläu­te­run­gen – laut Web­site die „Redak­ti­on Ema.Li Bund“ – mir mit­tei­len möch­te: Bis­her habe ich es nicht ver­stan­den. Das ist aber lei­der auch nicht wei­ter zu ver­bes­sern, denn der Rest der Ankün­di­gung besteht aus Text­wie­der­ho­lun­gen und wei­te­ren Umschrei­bun­gen der immer­glei­chen Ansicht, man habe die DDR nur nicht rich­tig ver­stan­den. Es war ja nicht alles schlecht. Irgend­wann immer­hin kommt man im Hau­se „Ema.Li“ zumin­dest auf Inten­ti­on und Zweck des geplan­ten Abends zu spre­chen:

Das zen­tra­le Para­dox bestün­de dar­in, dass das Regime ohne die Mit­ar­beit der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit nicht so lan­ge hät­te über­le­ben kön­nen, das Gros der ‚ein­fa­chen Leu­te’ aber zugleich ver­such­te, ein Leben außer­halb der Regle­men­tie­rung zu füh­ren. (…) Ist es an der Zeit, die DDR neu zu erzäh­len? Ohne dass Staat und Gesell­schaft gleich­ge­setzt, nicht ver­klärt und schon gar nicht dämo­ni­siert wer­den.

Nein, die bestehen­de Erzäh­lung, immer­hin noch maß­geb­lich von Zeit­zeu­gen getra­gen, ist schon ganz in Ord­nung so.

Mode­rie­ren soll den Abend Anne Helm (zur­zeit: „ange­fragt“) – die glei­che Anne Helm, die sich vor ein paar Jah­ren medi­en­wirk­sam beschrif­ten ließ, um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Bom­bar­die­rung der Dresd­ner Gesell­schaft im Zwei­ten Welt­krieg eine grund­sätz­lich lobens­wer­te Akti­on gewe­sen sei, da die Stadt nun mal mit­ten in einem Unrechts­staat lag.

Obwohl da bestimmt auch Brot gebacken wur­de.

In den NachrichtenComputer
Donald Trump ist kein Geschäfts­mo­dell

Bei „hei­se online“ ist man ver­wun­dert:

Twit­ter hat im ver­gan­ge­nen Quar­tal nicht von der Auf­merk­sam­keit für den US-Wahl­kampf und den Tweets des neu­en US-Prä­si­den­ten Donald Trump pro­fi­tie­ren kön­nen. Das Wachs­tum bei Nut­zer­zah­len und Umsatz ver­lang­sam­te sich, der Ver­lust nahm sogar deut­lich zu.

Hät­te denen im elf­ten Jahr ihres Bestehens ja auch mal wer sagen kön­nen, dass eine Gra­tis­platt­form – dank Dritt­an­bie­ter­soft­ware – ohne nen­nens­wer­te Wer­bung kein pro­fi­ta­bles Geschäfts­mo­dell auf­weist.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Pain of Sal­va­ti­on – Lin­ole­um

Was heißt hier Dickkopf?Es ist Mon­tag. Bald ist Krieg und es gibt Din­ge, die einem schon mal weni­ger egal waren. Viel­leicht hilft’s, viel­leicht vertreibt’s wenig­stens die Trüb­sal. Unter­hal­tung muss man sich manch­mal auch ein­fach neh­men. Selbst­be­die­nung. Jeder. Sich. Der Kiez­neu­ro­ti­ker hat sein Blog offen­bar gelöscht. Die Welt ist kei­ne gute.

Wie auch, wenn jeder Alarm schlägt? Die Deut­schen ver­trau­en den USA nicht mehr, pras­sel­te man auf „SPIEGEL ONLINE“ trau­rig, als das mit Snow­den her­aus­ge­kom­men war, und nun, da die USA einen neu­en Prä­si­den­ten haben, der es nicht schafft, sozu­sa­gen von heu­te auf mor­gen all die Droh­nen­mor­de sei­nes Vor­gän­gers unge­sche­hen zu machen, gibt es schon wie­der einen neu­en Anlass: Das Ver­trau­en in die USA sinkt auf das Niveau von Russ­land, der Iwan lau­ert über­all. Geht ja mal gar nicht, geht das nicht. Gegen ein biss­chen Rum­ge­schie­ße im Nahen Osten haben die Deut­schen nichts, aber ein twit­tern­der Prä­si­dent geht echt zu weit.

Ein Blick ins Inland: Die ehe­ma­li­ge Arbei­ter­par­tei SPD, Hei­mat der künf­ti­gen Win­ke­kat­ze der Repu­blik (die wenig­stens die Fin­ger von Twit­ter lässt), hin­ter­lässt Spu­ren. Für eine Mil­li­on Men­schen in Deutsch­land ist das Leben am Exi­stenz­mi­ni­mum Dau­er­zu­stand. Der Auf­schwung will hart erar­bei­tet sein. Gar­çon, den Eimer bit­te!

Und ein biss­chen Musik.

PAIN OF SALVATION – Lin­ole­um (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Haste Berufs­ethos, komm­ste beim Spie­gel gleich in Qua­ran­tä­ne.

Novem­ber 2016: Der „SPIEGEL“ sti­li­siert auf sei­ner Titel­sei­te Donald Trump als einen sehr hung­ri­gen Meteo­ro­iden (nein, ich habe es auch nicht ver­stan­den), der auf die Erde zu stür­zen und dort vor­aus­sicht­lich, nicht voll­stän­di­ges Ver­glü­hen vor­aus­ge­setzt, Scha­den anzu­rich­ten im Begriff ist.

Febru­ar 2017: Der „SPIEGEL“ sti­li­siert auf sei­ner Titel­sei­te Donald Trump in der typi­schen Sie­ger­po­se der Kämp­fer des „Isla­mi­schen Staa­tes“, den blu­ten­den (wie das eben so ist bei Sta­tu­en) Kopf der Frei­heits­sta­tue in einer Hand hal­tend.

Noch zwei Mona­te bis zum lusti­gen Bärt­chen, neh­me ich an. 

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2016 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 17 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Wie, was, 2016 ist schon lan­ge vor­über? Zum Glück habe ich gewar­tet. Das könn­te man für schlecht hal­ten, aber sta­ti­stisch gese­hen ist es gut, denn 2016 hat nicht nur die Ankün­di­gung der bal­di­gen Auf­lö­sung von The Dil­lin­ger Escape Plan, son­dern auch eine gan­ze Rei­he an Toden auf der Rech­nung, dar­un­ter nicht nur diver­se ehe­ma­li­ge Poli­ti­ker der F.D.P., son­dern vor allem auch Musi­ker. Nach Wolf­gang Roh­de (frü­her mal Die Toten Hosen), Hagen Lie­bing (frü­her mal Die Ärz­te) und Chris Squi­re, dem letz­ten in der Band ver­blie­be­nen Grün­dungs­mit­glied von Yes, sowie vie­len ande­ren hat es vor eini­gen Wochen schließ­lich auch den groß­ar­ti­gen Greg Lake erwischt, und auch für Leo­nard Cohen wäre es zu spät, sei­nem letz­ten Album „You Want It Dar­ker“ einen gebüh­ren­den Preis zu ver­lei­hen, über das ande­rer­seits jedes geschrie­be­ne Wort sowie­so und ohne­hin Blas­phe­mie gli­che.

Schon frü­her im abge­lau­fe­nen Jahr aller­dings schien es mir nicht ver­fehlt, loben­de Wor­te über eini­ge der groß­ar­tig­sten Musikal­ben des Jah­res zu fin­den, dar­un­ter katie deys flood net­work, Mai­da­Va­les Tales of the Wicked West, miso­pho­nia von Elec­tric Oran­ge sowie das Debüt­al­bum von Moon Cir­cle.

Im Fol­gen­den fin­det ihr, was bis jetzt noch fehl­te, näm­lich die bis­lang noch unre­zen­sier­ten Alben des Jah­res. Viel­leicht ist ja was für euch dabei?

‘Musik 12/2016 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Mono // Prä­si­di­al­prio­ri­tä­ten

Kuckuck!Es ist Mon­tag. Soll weg­ge­hen, ist nicht gut und wird auch nicht bes­ser, wenn man ihn nicht so beginnt, wie sich das ver­dammt noch mal gehört. Gewohn­heits­tie­re, anstren­gen­de. Irgend­wann gebe ich mal Kur­se im Es-nicht-bes­ser-Ver­die­nen. Lie­be besiegt alles, Quatsch: jeden.

Nicht besiegt ist übri­gens Donald Trump, obwohl sich femi­ni­stisch strick­be­mütz­te Demon­stran­ten vor ein paar Tagen viel zu viel Mühe gege­ben haben, ihn am Amts­an­tritt zu hin­dern; könn­te dar­an lie­gen, dass der Femi­nis­mus noch mit den Tücken des patri­ar­cha­li­schen Inter­nets kämpft. Viel­leicht soll­ten die Tau­sen­de „erwach­se­ner“ Frau­en auch ein­fach mal ler­nen sich nicht zu beneh­men wie 13-jäh­ri­ge Tee­nies auf dem Schul­hof, ande­rer­seits: wo krieg‘ ich dann mei­ne Frau­en­zeit­schrif­ten für den monat­li­chen Lacher her? Eine Gesell­schaft, die ver­langt, dass man ein wenig Dezenz im Umgang mit dem Glied wal­ten lässt, wäh­rend ihr Sau­fen und Syrer­schie­ßen eigent­lich nur genehm sind, kann und soll­te dem Den­ken­den prin­zi­pi­ell nicht als Maxi­men­ge­ber gel­ten. Wenn jemand noch eine Idee für einen Flash­mob (nennt man das noch so?) braucht: Ein­fach mal frei schwin­gen las­sen. Aus Pro­test. – Femi­nis­mus, anson­sten: Es gibt Schei­ben­wisch­was­ser für sie und ihn; hof­fent­lich mit Speck­ge­ruch, sonst wäre das doch voll­kom­men über­flüs­sig.

Lustig: Sig­mar Gabri­el ist jetzt Außen­mi­ni­ster, sei­nen Vor­gän­ger Stein­mei­er zieht es ja als Kon­sens­kan­di­dat dem­nächst mög­li­cher­wei­se (als sei es das Wesen einer Wahl, dass man eine sol­che über­haupt hat) ins Prä­si­den­ten­amt. Bei all der Auf­re­gung um die Prä­si­dent­schaft von Donald Trump: Ich wünsch­te, die, die am lau­te­sten ver­su­chen, die­sen Prä­si­den­ten aus dem Amt zu twit­tern, wür­den erken­nen, dass die­ser ohne­hin #NotT­heir­Pre­si­dent ist, weil: Wir haben kei­nen Trump, wir bekom­men statt­des­sen einen Stein­mei­er, Hand­lan­ger der Agen­da 2010, NSA-Ver­trags­part­ner und mit Frei­heits­rech­ten offen­sicht­lich auf Kriegs­fuß ste­hend. Hala­li.

Musik, aus Grün­den.

Mono – Holy Ground – NYC Live With The Word­less Music Orche­stra DVD [Post Rock] [Full set] [Con­cert]

Guten Mor­gen.