In den NachrichtenMontagsmusik
Kun­gens Män – Där pepp­arn växer

Kann man schon wieder rauskommen oder ist noch Weihnachten?Man kommt ja aus dem Fei­ern gar nicht mehr raus; eben war noch Besinn­lich­keit (arm sind jene, die die­se nur weni­ge Tage im Jahr für eine Tugend hal­ten) mit Spei­sen bis zum Abwin­ken und heu­te, freu, freu, ist schon wie­der – ihr ahnt es – Mon­tag, ein Mon­tag ohne vor­her­ge­hen­des Wochen­en­de, das man so nen­nen könn­te, und Ste­phans­tag oben­drein, Gedenk­tag des Schutz­pa­trons der Kut­scher und Mau­rer also, den man bei Kopf­schmer­zen anru­fen möge und wenn es einem nach einem ange­neh­men Ster­ben gelü­stet. Gestern starb, dem Ver­neh­men nach eben­falls zumin­dest ange­nehm, Geor­ge Micha­el, dem die Welt viel („Last Christ­mas“) zu ver­dan­ken hat. Fro­hes Fest. Die Musi­ker­sterb­lich­keit ist im aus­lau­fen­den Jahr eine erschrecken­de.

Apro­pos Ster­ben: Wenn mir lang­wei­lig ist, pro­gram­mie­re ich Din­ge, die fäl­li­ge Jah­res­rück­schau jedoch wird pro­kra­sti­niert. Wer wird wohl gewin­nen? Im Zwei­fel mag Geduld hel­fen wie sonst eben auch. Aber viel­leicht ist das auch gar nicht wahr, Faken­ews sozu­sa­gen. Zum geplan­ten Abwehr­zen­trum gegen miss­lie­bi­ge Behaup­tun­gen jeg­li­cher Art sei an die­ser Stel­le viel­leicht nur kurz ange­merkt, dass aus­ge­rech­net die­je­ni­gen Par­tei­en, die die­sen Vor­stoß maß­geb­lich vor­an­trei­ben zu müs­sen mei­nen, sich bis­her nicht durch einen beson­ders kon­ser­va­ti­ven Umgang mit Wahr- und Offen­heit bemerk­bar zu machen wuss­ten.

Hab‘ ich gera­de „Musik“ geschrie­ben? Ja, ich habe „Musik“ geschrie­ben; und nicht nur das, ich spie­le sogar wel­che ab:

Kun­gens Män – Där pepp­arn växer (Live at Psy­che­de­lic Net­work Festi­val, Würz­burg 2015-11-27)

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz notiert zu den aktu­el­len Vor­gän­gen in der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia

Wenn das Schieds­ge­richt in einem gro­ßen Pro­jekt zur gemein­sa­men Erstel­lung und Pfle­ge einer Enzy­klo­pä­die unter lau­tem Getö­se implo­diert, weil plötz­lich jemand, der von den akti­ven Enzy­klo­pä­di­sten mehr­mals in Fol­ge als her­aus­ra­gen­des Mit­glied der Gemein­schaft erkannt und daher in ein Rich­ter­amt gewählt wur­de, sei­ne Mit­glied­schaft in der AfD bekannt­gab, wor­auf­hin meh­re­re ande­re Schieds­rich­ter, denen die Gemein­schaft eben­falls ihr Ver­trau­en aus­ge­spro­chen hat­te und die bis dahin voll­kom­men zufrie­den mit­ein­an­der waren, von ihrer Auf­ga­be zurück­tra­ten, was letzt­lich dazu führ­te, dass über Klar­na­mens­zwang in der Wiki­pe­dia nach­ge­dacht wird und sich die haupt­säch­li­che Dis­kus­si­on um die Fra­ge dreht, wel­che Gesin­nung man als Frei­wil­li­ger in der Wiki­pe­dia denn haben dür­fe, um kon­struk­tiv und pro­duk­tiv mit­hel­fen zu dür­fen, dann heißt das Pro­blem, das hier zwei­fels­oh­ne exi­stiert, ver­mut­lich eher nicht Rechts­po­pu­lis­mus.

PersönlichesNetzfundstückeNerdkrams
Cha­os Orchid Club (Nach­trag): Der #33c3 und die Feigen_blätter.

Die­ser Arti­kel ist Teil 4 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Ste­fan Krempl („hei­se online“) fin­det, ich hät­te ein Sze­ne­b­log, weil ich zufäl­lig mei­nen Unmut über die poli­ti­sche Ent­wick­lung des „Con­gres­ses“ zu einem pas­sen­den Zeit­punkt ver­schrift­lich­te. Das ist eigent­lich ein biss­chen unfair, weil ich es eigent­lich zu ver­mei­den ver­su­che, die­se Web­prä­senz zu einem die­ser elen­den Nerd­blogs ver­kom­men zu las­sen; aber gut, „hei­se online“ („Das Erwa­chen der Macht: Star Wars ist end­lich erwach­sen“, 16. Dezem­ber 2015 u.v.m.) hält sich ja auch für eine Fach­pu­bli­ka­ti­on.

Seit mei­nem Auf­re­ger ist man­che Zeit ins Land gegan­gen und seit­dem nicht wie­der auf­ge­taucht, wäh­rend­des­sen gescha­hen im Wesent­li­chen zwei Din­ge: Zum Ersten wur­de der vor­läu­fi­ge „Fahr­plan“, also die Vor­trags­li­ste, ver­öf­fent­licht. Einer mei­ner Kom­men­ta­to­ren, Tho­mas Wal­lu­tis, zähl­te auf die­ser Liste die The­men­blöcke zusam­men und stell­te fest, dass der mit Abstand größ­te der Blöcke „Ethics, Socie­ty & Poli­tics“ ist, mit 42 Vor­trä­gen liegt die­ser Son­der­block für Tagungs­tou­ri­sten, für die das Hacker­tum allen­falls noch lusti­ge Folk­lo­re im Rah­men­pro­gramm ist, sogar noch vor „Secu­ri­ty“ (37) und sowie­so weit vor „Sci­ence“ (17); Poli­tik und Wohl­fühl­flau­schi­wat­ti sind eben wich­tig, da sol­len die Alt­nerds sich mal nicht so anstel­len. Kön­nen ja auf Wahl­par­tys gehen, wenn sie was mit Com­pu­tern machen wol­len. In „Ethics, Socie­ty & Poli­tics“ kom­me sogar am Ran­de mal was Tech­ni­sches vor, stell­te er fest, also mal Ruhe bewah­ren hier. Es wer­den ja immer noch ein paar EDV-rele­van­te Vor­trä­ge rein­ge­las­sen, so schlimm wird’s dann wohl nicht sein. Das Fei­gen­blatt – Ent­schul­di­gung, Sie haben da noch etwas Hacken zwi­schen den Zäh­nen – ist von wohl­fei­ler Art.

Zum Zwei­ten hat der CCC (da kann man noch so wort­reich die Unter­schie­de zwi­schen dem Cha­os Com­pu­ter Club und der „Congress“-Veranstaltungs-GmbH zu erklä­ren ver­su­chen) das „Awa­re­ness­team“ für den kom­men­den „Con­gress“ noch ein­mal erklärt; zusam­men­fas­send sind das ein paar Frei­wil­li­ge, die Hil­fe bei See­len­weh­weh­chen anbie­ten:

Sexis­mus, Ras­sis­mus, Homo- und Trans­feind­lich­keit, Ablei­s­mus und ande­re Dis­kri­mi­nie­rungs­for­men sind auch dann nicht okay, wenn sie unbe­ab­sich­tigt gesche­hen. (…) Das Awa­re­ness­team steht euch ins­be­son­de­re zur Sei­te, wenn:
– ihr euch belä­stigt oder dis­kri­mi­niert fühlt
– eure per­sön­li­chen Gren­zen miss­ach­tet wur­den
– ihr (aku­te oder struk­tu­rel­le) Dis­kri­mi­nie­rung von ande­ren Teil­neh­men­den wahr­nehmt
– ihr euch unwohl fühlt und eine Per­son zum Reden braucht

„Ablei­s­mus“, wie Fefe 2014 ein­mal anschau­lich erläu­tert hat, ist die ver­meint­li­che Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen, die nicht alles kön­nen, was man selbst kann; inso­fern hei­ße es (sie­he ebd.) selbst­ver­ständ­lich „Stand_Sitz_Liegepunkt“ statt „Stand­punkt“, denn nicht jeder Mensch ist des Ste­hens mäch­tig. Es sei über­trie­ben, davon zu reden, dass der „Con­gress“ von Leu­ten mit einer eher merk­wür­di­gen Agen­da in eine bestimm­te Rich­tung gelenkt wer­de, gaben Leser mei­nes vor­he­ri­gen Bei­trags zum The­ma zu beden­ken, aber so sicher bin ich mir da kei­nes­falls.

Wenn sich eines die­ser zar­ten Pflänz­chen, die unbe­dingt auf einem ver­meint­li­chen „Hacker­kon­gress“ sein zu wol­len mei­nen, von einer ver­meint­lich rüden Zurück­wei­sung, wie sie in intro­ver­tiert-tech­no­phi­len Hacker­krei­sen durch­aus nicht unüb­lich ist, der­art ver­stört fühlt, dass ein gan­zes Team nötig ist, um sein anson­sten irrepa­ra­bel zer­rüt­te­tes See­len­heil wie­der auf ein lebens­fä­hi­ges Niveau zu hie­ven, dann hat etwas in sei­ner Ent­wick­lung zu einem gesell­schafts­taug­li­chen Men­schen der­ma­ßen wenig funk­tio­niert, dass der „Con­gress“ sich höchst­wahr­schein­lich eher nicht als geeig­ne­ter The­ra­pie­platz anbö­te. Der da war nicht nett zu mir. Gehalts­ver­hand­lun­gen mit den Betrof­fe­nen stel­le ich mir ziem­lich anstren­gend vor.

Vor ein paar Jah­ren gab es mit den „Cree­per­cards“ schon ein­mal eine Akti­on, die das „Awa­re­ness­team“ ins öffent­li­che Bewusst­sein brach­te, indem eben­sol­che Orchi­deen ihr stän­di­ges Belei­digt­sein in Kar­ten­form mit­brach­ten, was zu gera­de­zu bizar­ren Anschul­di­gun­gen führ­te, aller­dings in den fol­gen­den Jah­ren nicht mehr wie­der­holt wur­de. Nein, die neu­en Mit­tel sind sub­ti­ler.

Und sie wir­ken viel zu gut.

PolitikIn den Nachrichten
Alle Jah­re wie­der: Tho­mas de Mai­ziè­res ver­rä­te­ri­sche Spra­che

Um 0:20 Uhr sag­te Tho­mas de Mai­ziè­re, erschrecken­der­wei­se für inne­re Sicher­heit des Lan­des zustän­dig, zu einem Zwi­schen­fall mit einem Last­kraft­wa­gen und einem die­ser schreck­lich über­flüs­si­gen Weih­nachts­märk­te (cf. SPON et al.) exakt Fol­gen­des im ZDF:

… dass es gera­de das per­fi­de Ziel von Ter­ro­ri­sten ist, Unschul­di­ge zu tref­fen.

Er beton­te hier­bei das Wort „Unschul­di­ge“ der­art deut­lich, dass es kei­nen Zwei­fel mehr gibt, dass Tho­mas de Mai­ziè­re es für ein weni­ger per­fi­des Ziel hält, Schul­di­ge zu tref­fen; und die­se Schul­di­gen wer­den, das sei weis­ge­sagt, schnel­ler ernannt als wir es uns jemals wün­schen wür­den.

Das Weih­nachts­ge­schäft von Heck­ler & Koch wird, fürch­te ich, ein gutes.

In den NachrichtenMontagsmusik
King Giz­zard and the Lizard Wizard (live)

Viel besser!Mon­tag, Tag des Sich-wie-gerä­dert-Füh­lens; wor­an es nichts zu ändern ver­mag, den Vor­tag zumin­dest sinn­voll, näm­lich: gemein­sam bei aller­lei Zer­streu­ung und nicht zuletzt eben auch mit ein­an­der (nicht etwa bloß mit­ein­an­der) ver­bracht zu haben, gänz­lich unge­ach­tet der Fol­gen (i.e. blei­er­ne Bett­schwe­re), wie gewohnt.

Mon­tag, Tag auch des Lie­ber-nicht-die-Nach­rich­ten-Lesens, obwohl: aus Scha­den­freu­de viel­leicht. Linux ist sicher, so lan­ge man es tun­lichst zu nut­zen ver­mei­det. Alles beim Alten, alles rich­tig gemacht. Alles falsch gemacht hin­ge­gen: Die Tages­schau-Sozi­al­me­dia­ner. Was ist das für eins Idio­tie? Die glei­che Tages­schau, übri­gens, die es für bedenk­lich hält, wenn die Prü­fer für die obsku­ren „PISA“-Tests deut­schen Schü­lern eine schlech­te Bewer­tung für man­gel­haf­te Kennt­nis­se in Grund­fer­tig­kei­ten wie zum Bei­spiel hin­sicht­lich der Deutsch­kennt­nis­se geben. – Nicht, dass Deutsch­land anson­sten durch vor­bild­li­ches Sozi­al­we­sen auf­fie­le: Die SPD schön­te den Armuts­be­richt, hält es dann jedoch für ange­mes­sen, auf Twit­ter der CDU die Schuld zu geben. Jemand soll­te die SPD drin­gend mal in die Regie­rung wäh­len, damit sie was ändern kann!

Mon­tag, ande­rer­seits, auch Tag des Musik­tei­lens.

King Giz­zard and the Lizard Wizard – Full Per­for­mance (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Ent­di­gi­ta­li­sie­rung als Chan­ce

Vor eini­gen Tagen schweb­te ein Tweet in mei­ne Auf­merk­sam­keits­bla­se, der eine Kar­te des gesam­ten Inter­nets von Mai 1973 ent­hielt:

Das Internet 1973. Quelle: Paul Newbury, Carnegie Mellon University

Das Inter­net („das war doch das mit dem blau­en E / der bun­ten Kugel, ne?“) hat sich seit­dem ver­än­dert, wenn auch nicht unbe­dingt zum Bes­se­ren. Nicht immer ist mehr auch bes­ser, gera­de qua­li­ta­tiv ist das Netz durch den Zuwachs an Linux­fo­ren, Per­so­na­li­ty­b­logs und spam­men­den Mail­ser­vern nicht gera­de gewach­sen. Dass die Benut­zer selbst dabei eine gro­ße Rol­le spie­len, ist nicht von der Hand zu wei­sen, und wahr­schein­lich wäre vie­les gewon­nen, wür­de das Grund­recht auf Inter­net­nut­zung (sinn­ge­mäß spä­te­stens 2013 vom Bun­des­ge­richts­hof eta­bliert) an ein Min­dest­maß an Medi­en­kom­pe­tenz gebun­den, so dass die­je­ni­gen, die alles anklicken, was wie ein Link aus­sieht, und dadurch einer Men­ge Men­schen gele­gent­lich eine Men­ge Scha­den zufü­gen, gezwun­gen wären, sich ein weni­ger schäd­li­ches Hob­by zu suchen. Neben­ef­fekt: Die Spam­mer­bran­che wür­de aus­ge­trock­net. Dass Frei­heit nicht vor Sicher­heit gehe, ist ein viel zitier­tes Memo­ran­dum der geschätz­ten Bun­des­re­gie­rung – und nie wäre sei­ne Umset­zung will­kom­me­ner als in die­sem Kon­text.

Aber die Regie­rung (nun: die Judi­ka­ti­ve) tut ihr gewohnt Bestes, die Ver­brei­tung von Spam gesetz­lich ein­zu­schrän­ken, indem sie zum Bei­spiel Ver­lin­kungs­haf­tung eta­bliert (selbst­re­dend nur für die Ande­ren), was zumin­dest dem Abmahn­un­we­sen einen neu­en Auf­wind ver­schaf­fen dürf­te.

Ganz unge­ach­tet des­sen, dass Ver­lin­kun­gen sozu­sa­gen das Rück­grat eines wie auch immer gear­te­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zes bil­den, ver­steht sich.

Die Digi­ta­li­sie­rung ist ein wert­vol­les Kul­tur­gut? Je nach Defi­ni­ti­on von Kul­tur. Wenn mei­ne Klo­schüs­sel über des Nach­barn WLAN mei­nem Kühl­schrank sagt, er sol­le schon mal mein Auto hoch­fah­ren, dann ist eini­ges im Argen. Aber auch das ist nur ein Sym­ptom der Digi­ta­li­sie­rung von Nar­ren. Tat­säch­lich: sie war es ein­mal und sie könn­te es wie­der sein, schlös­se man nur end­lich die Kul­tur­ba­nau­sen aus. Ein glo­ba­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz natio­na­ler (Quatsch: regio­na­ler, näm­lich Ham­bur­ger) Juris­dik­ti­on zu unter­stel­len ist jeden­falls in mehr­fa­cher Hin­sicht pro­ble­ma­tisch. Wor­über soll ein deut­sches Land­ge­richt denn noch so ent­schei­den dür­fen – Bun­des­wehr­ein­sät­ze? TTIP? Kli­ma­ab­kom­men? Die Exi­stenz eines Got­tes gar? (Indes: Ange­sichts der bis­he­ri­gen Histo­rie des durch­weg anti­li­be­ra­len Land­ge­richts Ham­burg wäre vor­aus­sicht­lich nichts davon irgend­wie zu begrü­ßen.)

Jaja, deut­sches Inter­net muss unter deut­schen Geset­zen ste­hen, sagen sei­ne Juri­sten. Ich sage: Eine Ent­di­gi­ta­li­sie­rung der Welt in den Gren­zen von 1973 wür­de wirk­lich vie­le Din­ge sehr viel ange­neh­mer machen. Das Grund­recht auf ein Inter­net soll­te dort enden, wo die Rech­te eines auf­ge­klär­ten, fort­schritt­li­chen Men­schen berührt wer­den.

Also irgend­wo kurz vor Ham­burg.

PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Frei­heit gegen Redak­tio­nen

Die Frei­heit Deutsch­lands muss auch am Kau­ka­sus ver­tei­digt wer­den! Im Kampf gegen den Iwan, den ver­damm­ten Putin, ist also jedes Mit­tel recht und bil­lig, soll­te man mei­nen. Et ecce:

Heve­ling ver­däch­tigt Mos­kau, die Mei­nungs­la­ge in Deutsch­land durch Hacker beein­flus­sen zu wol­len. „Russ­land hat ein Inter­es­se dar­an, unse­re Gesell­schaft zu spal­ten und zu ver­un­si­chern“, sag­te der CDU-Poli­ti­ker der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“. „Die Gefahr ist groß.“ (…) Im Kampf gegen „erfun­de­ne Nach­rich­ten, Ver­schwö­rungs­theo­rien, Hass und Het­ze“ wer­de die Koali­ti­on den recht­li­chen Rah­men „kon­se­quent aus­schöp­fen und bei Defi­zi­ten nach­schär­fen“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Opper­mann in den Fun­ke-Zei­tun­gen.

Nun ist die Defi­ni­ti­on von „Hass“ ja durch­aus eine, über die es sich zu strei­ten kaum lohnt, zu emo­tio­nal sind die Gemü­ter der Berufs­be­lei­dig­ten jeg­li­cher poli­ti­scher und sonst­wie gedank­li­cher Fär­bung auf­ge­la­den, zu uner­träg­lich der immer­glei­che #auf­schrei der Ver­fech­ter des Rechts auf Selbst­ge­recht­heit. Allein über „erfun­de­ne Nach­rich­ten“ und „Het­ze“ zu dis­ku­tie­ren mag ergie­big sein, denn ein Ver­bot der sprin­ger­schen Quatsch­me­di­en nebst Ein­ker­ke­rung der gefäl­ligst ver­ant­wort­lich zu Machen­den täte der Gesell­schaft allen­falls mora­lin­sauer theo­re­tisch, nicht aber evo­lu­tio­när einen Abbruch.

Ach so, im frei­en Westen gilt Pres­se­frei­heit und Staa­ten, die die­se nicht für unein­ge­schränkt gül­tig hal­ten, kön­nen sich nicht als freie Staa­ten begrei­fen? Da bin ich ja beru­higt, dann haben die Tages­the­men nichts zu befürch­ten:

In einem Kom­men­tar in den Tages­the­men for­der­te die WDR-Chef­re­dak­teu­rin Sonia Mikich eine Selbst­ver­pflich­tung von Face­book und Co., gegen gefälsch­te Nach­rich­ten vor­zu­ge­hen. Es dür­fe nicht sein, dass gefälsch­te Nach­rich­ten mehr Ver­brei­tung fän­den als recher­chier­te. (…) Recht­lich gese­hen ver­brei­te­te Mickich damit selbst Fake News, denn nach dem (eigent­lich ein­fach zu recher­chie­ren­den) Art. 5 GG hat jeder das Grund­recht, „sich aus all­ge­mein zugäng­li­chen Quel­len unge­hin­dert zu unter­rich­ten“, wor­un­ter selbst­ver­ständ­lich auch der Stamm­tisch im Inter­net zählt.

Aber gut, Wahl­be­trug durch den Rus­sen wol­len wir hier nicht. Nichts ist einem Rus­sen wich­ti­ger als dafür zu sor­gen, dass hier die Rich­ti­gen gewin­nen. Die Rus­sen­par­tei Deutsch­lands viel­leicht. Die mei­sten Fake-Nach­rich­ten wer­den vom rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin in der Zeit nach Fei­er­abend zwi­schen 17 und 19 Uhr an sei­nem Schreib­tisch im Kreml hand­schrift­lich und unter hef­ti­gem Geki­che­re ver­fasst. Das ist die ein­zig logi­sche Erklä­rung.

Putin ein Schnipp­chen schla­gen. So und nicht anders. Alle Zei­tun­gen zuma­chen, damit Putin sie nicht hacken lässt. Pro­pa­gan­da? Quatsch, Frie­dens­si­che­rung! Wenn der Rus­se, schwer mit Tasta­tu­ren und Ski­mas­ken bewaff­net, wie­der vor der Tür steht, wer­den wir der CDU noch dank­bar sein.

Sofern wir davon über­haupt erfah­ren. Die Feind­pres­se ist tabu.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Sigur Rós – Bren­nist­einn // Lin­ke Fan­ta­sten

Guten MorgenEs ist Mon­tag, (und: mon­tags ins Büro zu hüp­fen, weil die Lau­ne so groß­ar­tig ist, hätt‘ man noch vor weni­gen Jah­ren auch für einen Aus­druck von Gei­stes­schwä­che gehal­ten, aber) man fühlt sich fein. Hun­ger, ver­fluch­ter, nach dem, was (bzw. eben: der, die) wirkt. Kaf­fee?

Weil man ja auch lie­ber nicht die Poli­tik berück­sich­ti­gen mag. Die zweit­äl­te­ste, aber aller­re­ni­ten­te­ste Par­tei Deutsch­lands wirbt damit, einst das Kai­ser­reich zu Fall gebracht zu haben, ver­gisst aber ein paar geschicht­li­che Details, die dann doch eher mit den „Lin­ken“ (damals: des der USPD ent­sprun­ge­nen Spar­ta­kus­bun­des, des­sen Geschich­te mit ein paar SPD-befeu­er­ten Mor­den weit­ge­hend ende­te) zu tun haben. Ein Gespenst geht um.

In Ber­lin darf die­ses Gespenst immer­hin end­lich wie­der spu­ken: Eine knap­pe Mehr­heit in der Ber­li­ner „Lin­ken“ (das sind die mit dem Sta­si­pro­blem, Andrej Holm war mir aller­dings zuvor nur als schlech­ter Jour­na­list auf­ge­fal­len) fin­det zu Recht, die Ber­li­ner „Lin­ke“ sei noch viel zu erfolg­reich, und ernann­te jüngst Julia Schramm (F.D.P., Pira­ten­par­tei, jetzt Lin­ke, bestimmt bald wie­der woan­ders, es sich zu mer­ken lohnt sich also nur bedingt) zu einem ihrer Vor­stän­de. Man muss viel­leicht kein Maso­chist sein, um heu­te noch Par­tei­lin­ker zu wer­den, aber hel­fen wird’s sicher­lich.

Fast wär‘ die schö­ne Mon­tags­lau­ne dahin. Schlim­mer noch: Kürz­lich hör­te ich Sigur Rós‘ „Bren­nist­einn“ als Unter­ma­lung einer Par­füm­wer­bung. Wenn Musik nur noch Ware ist, die Kunst also zum Mit­tel zum Zweck wird, dann ist das Ende der Zivi­li­sa­ti­on kei­ne fer­ne Zukunft mehr, son­dern bit­te­re Rea­li­tät. Tun wir etwas dage­gen. Make Bren­nist­einn gre­at again!

Sigur Rós – Bren­nist­einn [Offi­ci­al Video]

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik CIII: Hele­ne Fischer: Was sie JETZT tut, hät­ten wir NIE erwar­tet!

Das Gro­schen­heft­chen „Clo­ser“ war hier schon mal The­ma, es zeich­net sich durch das Feh­len jeg­li­cher inter­es­san­ter Inhal­te aus, indem es sich wochen­lang mit dritt­klas­si­gen Würst­chen aus dem Fern­se­hen befasst, deren Namen man schon beim Lesen wie­der ver­ges­sen möch­te. Trotz­dem schafft sei­ne Redak­ti­on es, einen roten Faden durch die gan­ze Geschich­te des „Maga­zins“ zu zie­hen.

Es folgt zur Ver­an­schau­li­chung eine Aus­wahl aus „Closer“-Titeln seit Juli 2016:

Und:

Ist ja auch frech. Die soll gefäl­ligst nicht so fett wer­den, wenn sie schon mal ent­führt wird. Soll gefäl­ligst aus­se­hen wie ein afri­ka­ni­sches Kind, die Kam­pusch! :motz:

Wenig­stens Hele­ne Fischer bleibt ein gutes Vor­bild:

Äh, blieb – bis unge­fähr die­se Woche:

Ich sehe sie schon vor mir, die „Closer“-Autoren, wie sie schluch­zend in der Chef­re­dak­ti­on vor­stel­lig wer­den.

„Hele­ne Fischer…“
„Ah, die schlan­ke schö­ne!“
„Ja, aber… sie… sie ist dicker gewor­den! Was wird jetzt aus unse­rer Glaub­wür­dig­keit?“
„… Kein Pro­blem, schreibt ein­fach was von Trend!“
„Gute Idee, Chef!“

Ande­rer­seits: Juhu – end­lich im Trend!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 8. Dezem­ber 2016

War­um soll­te man die CDU wäh­len? Na, damit Ver­bo­te­nes end­lich ille­gal wer­den kann! Damit reiht sie sich immer­hin naht­los ein in die Rie­ge der auf­rech­ten Demo­kra­ten, deren Poli­tik vor Post­fak­ten kaum noch zu sehen ist, allen vor­an Frank­reich, das am lieb­sten Ter­ro­ris­mus ver­bie­ten wür­de, wenn es nur wüss­te, wel­ches Gesetz es dafür ändern muss.


Apro­pos post­fak­ti­sche Ver­bo­te: In Sankt Andre­as­berg soll Adolf Hit­ler die vor schlap­pen 71 Jah­ren gesetz­lich aus­ge­lau­fe­ne Ehren­bür­ger­wür­de nach­träg­lich aberkannt wer­den; es gehe nicht um Fak­ten, son­dern um Emo­tio­nen, bekun­de­te sicht­lich schäu­mend der Initia­tor und fass­te damit das Pro­blem an der Sache ganz gut zusam­men. Hat­ter jetz davon, der Hit­ler. Kein Berg­breit!


Iwan des Tages: USA belie­fern al-Kai­da mit Waf­fen, damit Putin nicht gewinnt. Was kann da schon schief­ge­hen?


Das kann es doch nicht sein. Das sind sie? Die mit der Macht? Dem Geld? Sol­che Leu­te sind das? Mehr steckt da nicht hin­ter? So ein­fach? Ganz nor­ma­le Brat­zen? Nur reich?


Brat­zen, apro­pos: Es scheint eine sel­fie-chall­enge zu geben, die dar­in besteht, dass man sich selbst nackt foto­gra­fiert und Wesent­li­ches (oder ver­mut­lich gänz­lich Unwe­sent­li­ches) ein­zig mit einem Fin­ger ver­deckt. Ren­te? Wir? Ha!

In den NachrichtenMontagsmusik
Mike Old­field – Tubu­lar Bells // Doof genug für’s BKA.

Huu!Es ist Mon­tag und arsch­kalt; eine Kom­bi­na­ti­on, der zumin­dest ein war­mer Arbeits­platz mit hei­ßem Kaf­fee etwas Lin­de­rung zu ver­schaf­fen ver­mag, wenn die Bett- und Men­schen­wär­me der letz­ten Nacht schon abzu­klin­gen beginnt. Wie zum Trotz scheint die Son­ne noch dazu, als ver­such­te sie ihre Auto­ri­tät zu wah­ren; die gel­be Sau (Peter­Licht, 2001 u.a.).

Wenn es schon um ande­re Berei­che des Lebens nicht so gut bestellt ist, Char­ta­schrei­ber (schö­nes Schimpf­wort eigent­lich) selbst­re­dend mit­ge­meint; die ande­rer­seits auch gute Bun­des­po­li­zi­sten wären, denn dort ist ein­fa­ches Text­ver­ständ­nis optio­nal: Deutsch nich gutt? Ein­fach die Anfor­de­run­gen sen­ken. Nach­dem ein Poli­zist schon nicht mehr beson­ders sport­lich sein muss, weil es für eine ange­mes­se­ne Kon­di­ti­on nicht mehr reicht, kann er jetzt auch noch zu blöd für sei­ne eige­ne Mut­ter­spra­che sein. Ver­fol­gungs­jag­den erle­digt man ja im Auto und Schrei­ben tut man mip’m Com­pu­ter, der macht das schon. Die Welt wird blöd und man selbst ist mit­ten­drin. 

Da ist nicht mal Musik noch hei­lig: Spo­ti­fy ist viel bes­ser als Vinyl, sogar die Wer­bung funk­tio­niert bes­ser als erwar­tet. Ein typi­sches Pro­dukt für App­le­kun­den also? Nein, selbst die wer­den mil­de: „Ich wer­de das Gefühl nicht los, dass sich App­les Mac­Book Pro eher an Anwen­der rich­tet, die ihre Tasta­tur betrach­ten, denn an Mac-Nut­zer, die die­se auch nut­zen wol­len.“ Eine spä­te, aber zumin­dest wei­se Beob­ach­tung, immer­hin.

Auch beob­ach­tet: Mon­tag ist’s. Zeit für etwas Musik.

Guten Mor­gen.

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„Euro­päi­sche Wer­te“ des Tages

Apro­pos Char­ta: Dass die Tür­kei mit ihrem eigen­wil­li­gen Ver­ständ­nis von Grund­rech­ten in einer vor­der­grün­dig frei­heits­lie­ben­den Gemein­schaft wie der Euro­päi­schen Uni­on nichts zu suchen hat, steht wohl außer Fra­ge. Viel­leicht ist es aber Zeit, ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, ob die­je­ni­gen, die bereits drin sind, wirk­lich hin­ein­pas­sen.

Auf hei­se online ist zu lesen:

Immer mehr Men­schen wer­den in Frank­reich zu Gefäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt, weil sie „regel­mä­ßig Inter­net­sei­ten mit Ter­ror-Pro­pa­gan­da“ auf­ge­sucht haben. (…) Wie Le Mon­de berich­tet, wird zum Bei­spiel kri­ti­siert, dass der Begriff „Ter­ro­ris­mus“ über­haupt nicht klar genug defi­niert sei.

Die Wer­te des frei­en Westens las­sen sich erschreckend genau bezif­fern.