PersönlichesMusik
Mein Musik­fa­schis­mus: Die Vier­zehn über­win­den

In der „New York Times“ wur­de im Febru­ar 2018 eine Kolum­ne ver­öf­fent­licht, der zufol­ge sich eines Man­nes Musik­ge­schmack im Alter von 14 Jah­ren für end­gül­tig erklärt. Es ist inso­fern denk­bar, dass ich eines fer­nen Tages – vor mei­nem Able­ben – noch ein­mal erklä­ren soll, war­um ich damals außer mei­nen ersten zag­haf­ten Geh­ver­su­chen mit den Ärz­ten, den Toten Hosen, den Fan­ta­sti­schen Vie­ren und ein paar Punk- und Neo­punk­bands zwei­fel­haf­ter Qua­li­tät vor allem Funk­ti­ons­mu­sik für die für mich geeig­ne­te hielt; unter mei­nen ersten gekauf­ten CDs (das ken­nen die Jün­ge­ren ja gar nicht mehr, „CDs“ und „kau­fen“) befan­den sich meh­re­re von Künst­lern, die sich DJ nann­ten oder wenig­stens einen sol­chen zur Auf­füh­rung ihrer Wer­ke benö­tig­ten.

Dass ich vie­les, was ich heu­te für unver­zicht­ba­re Musik hal­te, mit 14 Jah­ren als stö­ren­des Relikt aus Nach­kriegs­zei­ten wahr­ge­nom­men habe, ist mir heu­te nicht ein­mal pein­lich, son­dern viel­mehr ein Zei­chen für den Wil­len zur Selbst­ver­bes­se­rung. Ich weiß nicht, ob ich der­einst, wenn mein schon jetzt gele­gent­lich Dumm­hei­ten aus­hecken­der Ver­stand sich aufs Alten­teil zurück­ge­zo­gen haben wird, plötz­lich wie­der gro­ßes Inter­es­se an der aus wenig­stens qua­li­ta­ti­ver Sicht eini­ger­ma­ßen schlim­men Musik aus den Neun­zi­gern haben wer­de, wahr­schein­lich wird mich aber auch das dann nicht mehr beson­ders stö­ren. Allein: Ist es nicht wun­der­voll, dass es so viel zu ent­decken gibt? Und soll­ten nicht die­je­ni­gen, die gele­gent­lich fest­stel­len, dass mein Musik­ge­schmack nicht der ihre ist, sich viel­mehr dar­über freu­en, dass ich nur anstren­gen­de Rock- anstel­le blö­der Stampf­mu­sik für fan­ta­stisch hal­te?

Der Autor der „New York Times“, Seth Ste­phens-Davi­do­witz, unge­fähr in mei­nem Alter, schließt sei­nen Text mit der nahe lie­gen­den Fra­ge: Wenn die Zah­len stim­men – war­um hat er sich nur so abnor­mal ent­wickelt? Eigent­lich ist das ein pri­ma Ziel für jeden, dem der gro­ße Plan noch fehlt: Die Vier­zehn über­win­den und sich abnor­mal ent­wickeln. Man bekommt so ein ange­neh­mes Lebens­ge­fühl dadurch.

In den NachrichtenComputer
Dros­se­lOn

Die Deut­sche Tele­kom, die­se Deut­sche Bahn unter den Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men, die­ser Schrecken der Aktio­nä­re, die­se Post ohne Rechts­an­spruch, ver­sucht auf dem frei­en Markt der Mobil­funk­net­ze ihr eige­nes Ange­bot seit lan­ger Zeit mit­tels ver­meint­li­cher Vor­zü­ge von der Kon­kur­renz abzu­he­ben. Seit eini­ger Zeit ist auch in Deutsch­land alles inklu, nur die Netz­neu­tra­li­tät nicht: You­Tube, Spo­ti­fy und noch man­cher Schwach­sinn fließt bei Tele­kom­kun­den nicht in den ver­brauch­ten „Traf­fic“ ein. Wenn man stän­dig sein Volu­men sprengt, weil man zu gei­zig für Schall­plat­ten ist, dann ist man bei der Tele­kom mög­li­cher­wei­se genau rich­tig. Dass das bestimm­te Dien­ste bevor­zugt, näm­lich die „Part­ner“ der Tele­kom, hat bis­her nur weni­ge gestört.

Dar­un­ter auch die Rich­ter vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, die nicht nur irgend­was zum The­ma EU-Aus­land fest­ge­stellt haben, son­dern auch, dass Netz­neu­tra­li­tät anders aus­sieht:

Außer­dem hat die Tele­kom in eini­gen Tari­fen die Über­tra­gungs­ra­te für Strea­ming­dien­ste auf maxi­mal 1,7 Mbit/s gedros­selt, zu wenig für Vide­os in HD-Qua­li­tät. Das ver­sto­ße gegen den Gleich­be­hand­lungs­vor­ga­be für den gesam­ten Daten­ver­kehr.

Jetzt könn­te man anneh­men, dass die Tele­kom das Pro­blem ein­fach lösen könn­te, indem sie die­se Dros­se­lung ein­fach sein lässt, wohl wis­send, dass dann erst mal mehr Infra­struk­tur her­müs­se; oder man macht es wie die Tele­kom und denkt lie­ber über die Ein­stel­lung der Vor­tei­le als über nach­hal­ti­ge Inve­sti­tio­nen nach:

Im Inter­es­se unse­rer Kun­den wer­den wir wei­ter­hin alle recht­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, damit Strea­m­On wei­ter­hin ange­bo­ten wer­den kann.

(Schreck­li­che Über­set­zung von mir.)

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land besitzt 14,5 Pro­zent der Unter­neh­mens­an­tei­le an der Deut­schen Tele­kom AG. Nur, falls noch jemand Fra­gen dazu hat­te.

PolitikIn den Nachrichten
Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hört zu.

Es sprach die – ver­mut­lich aus Angst, dass das Inter­net sonst kei­nen Platz mehr hat – von Qua­li­täts­me­di­en grund­sätz­lich als „AKK“ abge­kürz­te Hoff­nungs­trä­ge­rin der CDU, Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, vol­ler Taten­drang:

Ergeb­nis der Zuhör-Tour: All­ge­mei­ne Dienst­pflicht. Brau­chen einen Dienst der deut­lich macht, dass Staats­bür­ger nicht nur Rech­te, son­dern auch Pflich­ten haben.

Der Pöbel wird schon wie­der lästig.

In den NachrichtenMontagsmusik
WIVE – Lazarvs and Dives // Beru­fun­gen und Beru­fe

Kuckuck! Ach, nee... (REUTERS/Ilya Naymushin)Es ist Mon­tag. Natur­ge­mäß dau­ert alles ein biss­chen län­ger, aber die Arbeit macht ja auch kei­nen Urlaub; nicht ein­mal dann, wenn man ein Pan­da­bär ist – Bam­bu­ses­sen und Schlaf sind eine Ganz­tags­auf­ga­be. Falls noch jemand nicht wuss­te, was er ein­mal wer­den möch­te.

Ande­re wer­den Exper­ta­ste­ris­kin und sagen dann unter ande­rem, dass der „Gen­der­stern“ vor­erst kein Teil des Dudens wird, denn man sol­le bis auf Wei­te­res „zunächst den Sprach­ge­brauch wei­ter (…) beob­ach­ten“, was mich hof­fen lässt, dass die Duden­ver­ant­wort­li­chen nie­mals spät­abends oder bei Schul­schluss mit dem Bus fah­ren, denn sonst wird der Duden dem­nächst noch grau­en­vol­ler als bis­lang („Kän­gu­ru“, „Port­mo­nee“).

Wer kei­ne Pro­ble­me (außer einer lächer­lich klin­gen­den Spra­che) hat, der macht sich wel­che: „In meh­re­ren Städ­ten pro­te­stier­ten Dut­zen­de Men­schen bei Umzü­gen gegen den „Zwar­te Piet“ („Schwar­zer Peter“). Die Hel­fer des Niko­laus sei­en ein ras­si­sti­sches Sym­bol.“ Gegen die Ver­klei­dung als alter wei­ßer Mann („Niko­laus“) hat aber nie­mand was ein­zu­wen­den, old­white­mal­e­facing ist allen­falls ein gelun­ge­ner Witz. Ich wer­de schon ganz grün im Gesicht.

Apro­pos alte wei­ße Män­ner: Der Köl­ner Erz­bi­schof, Kar­di­nal Woel­ki, hat die Musik und das Enga­ge­ment der Punk­rock-Band „Die Toten Hosen“ gelobt. Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Pfaf­fen­mu­sik. Ech­te Ehren­män­ner eben. Zum Glück gibt es noch ehr­li­che Musik.

Wie wär’s damit?

WIVE – Lazarvs and Dives

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenComputer
Von Sam­sung zu ler­nen heißt das Explo­die­ren zu ler­nen

Neu­es von Apple, der Fir­ma mit dem unfrei­wil­lig komi­schen Assi­sten­ten Siri: Nach­dem unter Häme sei­tens app­le­na­her Blog­ger immer mal wie­der Sam­sung-Gerä­te explo­dier­ten, hat man dem Gesetz von Ange­bot und Nach­fra­ge – Sam­sung ist immer­hin Markt­füh­rer in Smart­dings­bums – end­lich nach­ge­ge­ben und selbst ein Explo­si­ons­up­date für iOS 12 frei­ge­ge­ben.

Da das nicht Teil der Liste an Stan­dard­funk­tio­nen eines iPho­nes ist, könn­te die­se Neu­ig­keit die Kun­den den­noch über­ra­schend tref­fen. Bedeu­tet das, dass man künf­tig häu­fi­ger damit rech­nen muss? Nein:

Das ist ein­deu­tig kein erwar­te­tes Ver­hal­ten.
Apple-Sup­port auf Twit­ter

Ach so!

Scha­de eigent­lich.

Piratenpartei
Vor­über­le­gun­gen zum #BPT182

Bereits zum zwei­ten Mal – zuvor im März 2017 – trifft sich die Pira­ten­par­tei Deutsch­land am kom­men­den Wochen­en­de in der Hein­rich-Hei­ne-Gesamt­schu­le („Hein­rich Hei­ne Gesamt­schu­le“, war wohl ein Bud­get­na­me) in Düs­sel­dorf, um über Fer­kel­pe­nis­se, Lizen­zen und Acker­bau zu dis­ku­tie­ren. Dass unter den ein­ge­reich­ten Anträ­gen eini­ge sind, denen ein libe­ral den­ken­der Mensch unmög­lich guten Gewis­sens zustim­men kann, etwa die For­de­rung nach einer supra­na­tio­na­li­sti­schen EU, steht, wie von die­ser Par­tei gewohnt, außer Fra­ge. Zuvor muss jedoch ein völ­lig neu­er Bun­des­vor­stand gewählt wer­den, da der bis­he­ri­ge heil­los zer­strit­ten ist. Das geht so weit, dass erst vor weni­gen Wochen das Bun­des­schieds­ge­richt und, wie man andern­orts lesen konn­te, ein ordent­li­ches Ber­li­ner Gericht den amtie­ren­den Bun­des­vor­stand dazu zwin­gen muss­ten, der gewähl­ten poli­ti­schen Geschäfts­füh­re­rin die wei­te­re Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben zu ermög­li­chen, was eines sei­ner Mit­glie­der zu der Äuße­rung (loka­le Kopie) ver­an­lass­te, man wer­de mal sehen, ob man Lust dar­auf habe, sich an Sat­zung und Par­tei­en­gesetz zu hal­ten. Inmit­ten die­ses Brim­bo­ri­ums nahm der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de, ein „Zah­len- und Zukunfts­exper­te“, sei­nen Hut – nur um in der aktu­el­len Kan­di­da­ten­li­ste, als wäre nichts gewe­sen, als mög­li­cher neu­er Bun­des­vor­sit­zen­der wie­der auf­zu­tau­chen. Auch das Gene­ral­se­kre­ta­ri­at wird ver­mut­lich man­gels Kan­di­da­ten nicht völ­lig anders besetzt wer­den, wor­aus man fol­gern könn­te, dass die Ach­tung vor demo­kra­ti­schen Grund­re­geln beim Auf­stieg in der Pira­ten­par­tei eher hin­der­lich ist.

Wor­über ich mich aber eigent­lich aus­las­sen woll­te, ist, dass die­sel­be Par­tei, deren Lieb­lings­the­men gera­de Geld­ge­schen­ke für Faul­pel­ze ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men, Alten- und Kran­ken­pfle­ge, Popo­sex, AfD-Wäh­ler-Belei­di­gen und die Frei­ga­be von Stink­dro­gen zu sein schei­nen, wenn ich mir die­sen Quer­schnitt durch das Mate­ri­al typi­scher „Info­stän­de“ erlau­ben darf, sich zur­zeit in den sozia­len Netz­wer­ken selbst dafür fei­ert, dass die tsche­chi­sche Pira­ten­par­tei ähn­lich erfolg­reich ist wie vor noch nicht lan­ger Zeit die islän­di­sche; in Prag näm­lich ist sie zweit­stärk­ste Par­tei gewor­den. War­um? Nun, das steht eigent­lich im Arti­kel:

Sie ist eine moder­ne libe­ra­le Par­tei, die (…) ein hohes Maß an inner­par­tei­li­cher Demo­kra­tie durch­setzt. Ihre poli­ti­schen Schwer­punk­te sind poli­ti­sche Trans­pa­renz, per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung der Poli­ti­ker, e‑Government, Unter­stüt­zung der klein- und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men. (…) Einen wich­ti­gen Punkt stel­len die Finan­zie­rung der regio­na­len Ent­wick­lung, sowie die Teil­nah­me der Öffent­lich­keit am demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zess dar.

„Der Wäh­ler“, heißt es in der deut­schen Pira­ten­par­tei mit erschrecken­der Mehr­heit, habe gar kein Inter­es­se an einer libe­ra­len Par­tei, die bloß die blö­den Ideen von 2006 bis 2009 ver­tritt. Die Pira­ten­par­tei müs­se lin­ker wer­den, teil­ha­ben­der, gegen­rechtser. Nie­mand wäh­le mehr eine Par­tei, die so rück­stän­dig auf weni­ge gemein­sa­me Idea­le setzt.

Ler­nen durch Schmerz, dann aber das Ler­nen weg­las­sen.


Apro­pos Schwach­sinn: Ras­si­sti­sches Yoga zur Deko­lon­a­li­sie­rung der Wei­ßen.

PolitikIn den Nachrichten
Dar­win hat jetzt Whats­App: Wahl­recht für Tod­ge­weih­te

Mehr Demo­kra­tie e.V. Thü­rin­gen, 4. Sep­tem­ber 2018:

So soll es mög­lich sein, das Wahl­al­ter bis auf 14 Jah­re abzu­sen­ken.

„Merkur.de“, 12. Novem­ber 2018:

Sui­zid wegen „Momo-Chall­enge“ bei Whats­App: Ein 14-Jäh­ri­ger hat sich in Frank­reich im Zuge des Spiels erhängt. (…) Seit Mona­ten gei­stert das Phä­no­men der „Momo-Chall­enge“ durch die Medi­en. (…) Dem­nach wer­den Tele­fon­be­nut­zer über Whats­App auf­ge­for­dert, einen Benut­zer namens „Momo“ zu kon­tak­tie­ren. Wenn sie dies machen, sol­len sie ver­stö­ren­de und grau­si­ge Bil­der von „Momo“ erhal­ten. Mit Dro­hun­gen sol­len sie auf­ge­for­dert wer­den, eine Rei­he gefähr­li­cher Auf­ga­ben aus­zu­füh­ren. Bei der letz­ten die­ser Auf­ga­ben soll es sich um den Selbst­mord des Spie­lers bzw. der Spie­le­rin han­deln.

Eini­ge Eltern möch­ten jetzt Face­book dafür haft­bar machen, dass ihre Kin­der ein biss­chen dumm waren:

Der Vater des ver­stor­be­nen Jun­gen hat auch eine Kla­ge gegen You­tube, Whats­app und gegen den fran­zö­si­schen Staat ein­ge­reicht. Er meint: Die sozia­len Netz­wer­ke und der Staat schüt­zen Jugend­li­che nicht gut genug.

Das wird lustig mit dem Wahl­recht ab 14 Jah­ren.

(sie­he auch, sie­he auch)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Tes­ser­acT – Of Mat­ter // Christ­jour­na­lis­mus

Wach (montags)Es ist Mon­tag. Horst See­ho­fer möch­te, wie ver­schie­de­ne Medi­en berich­ten, 2019 von sei­nen ver­blei­ben­den Ämtern zurück­tre­ten. Der Jubel hier­über über­sieht, wie so oft, dass sei­ne mög­li­chen Nach­fol­ger kei­nes­wegs aus dem gemä­ßigt kon­ser­va­ti­ven Flü­gel stam­men. Es gibt kei­ne fried­li­chen Innen­mi­ni­ster; klar, denn sonst hie­ßen sie ja Innen­pan­da­bä­ren.

Über­ra­schend hat sich her­aus­ge­stellt, dass Ver­la­ge lügen. Viel­leicht soll­ten wir uns an den Gedan­ken gewöh­nen, dass ein gewalt­frei­er Staat auch kei­ne vier­te mehr braucht. Ande­rer­seits hat sich das mit dem Jour­na­lis­mus mitt­ler­wei­le ohne­hin anders erge­ben: Bei der „ZEIT“ wid­met man dem Umstand, dass über die Klei­dung Ange­la Mer­kels nur noch wenig gere­det wird, einen unnö­tig lan­gen „Magazin“-Artikel. Von einem „Role-Model“, einem rol­li­gen Modell also, ist die Rede. Was die sich traut! Im „SPIEGEL“ steht (online) der­weil, dass von der Idee einer gesamt­eu­ro­päi­schen Armee zwar kei­nes­wegs der US-ame­ri­ka­ni­sche, wohl aber der rus­si­sche Prä­si­dent begei­stert ist. Sind die­je­ni­gen, die den­noch die­sem Plan nach­ge­hen, jetzt eigent­lich Putin­ver­ste­her?

Apro­pos „ZEIT“: Dort weiß man, was wirk­lich wich­tig ist; dass näm­lich der näch­ste CDU-Vor­sit­zen­de der christ­lich­ste sein möge. Säku­la­ris­mus? Ha, Ket­ze­rei! Libe­ra­le Zei­tun­gen habe ich mir immer ein biss­chen anders vor­ge­stellt. Im „Wall Street Jour­nal“ wird mitt­ler­wei­le auch nicht mehr beson­ders weit gedacht: Dort darf spe­ku­liert wer­den, dass Hil­la­ry Clin­ton sich 2020 als libe­ra­le (das ist US-Eng­lisch und heißt so viel wie „grü­ne“) Fackel im Sturm bewei­sen kön­ne. Tja, noch eine Amts­zeit für Donald Trump.

Paul McCart­ney hat in einem sei­ner neue­ren Inter­views gesagt, er möge Lärm. Er mag also ver­mut­lich nicht nur Berich­te wie die­sen, son­dern auch man­che Musik, zum Bei­spiel die von Tes­ser­acT.

TESSERACT – Of Mat­ter (Live at Sphe­re Stu­di­os)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Annah­men zum Links­sein (8): Iden­ti­ta­ris­mus schützt die Grund­rech­te.

Einen wei­te­ren Beleg für mei­ne Ver­mu­tung, die Exi­stenz „lin­ker“ Par­tei­en sei frei erfun­den, erbrach­te die­ser Tage Katha­ri­na Schul­ze von den bay­ri­schen Grü­nen, die schrieb, man möge doch das Wahl­recht ändern, denn die bestehen­de Gleich­be­hand­lung aller Kan­di­da­ten bevor­zu­ge kein Geschlecht und das sei unfair gegen­über Frau­en. Wie näm­lich jeder weiß, wür­de nie­mand frei­wil­lig eine Frau wäh­len, es sei denn, er wird dazu gezwun­gen. Anson­sten wäre die­se Idee doch reich­lich bedenk­lich.

Mir hin­ge­gen scheint die­ses Pochen auf eine Eigen­schaft, die man sich nicht aus­ge­sucht hat (etwa Sexua­li­tät, Her­kunft, Geschlecht), kei­nes­wegs geeig­net, um ein bes­se­res Mit­ein­an­der zu erzie­len, son­dern, um wei­ter zu spal­ten. Es lässt sich nur noch schwer leug­nen, dass in wei­ten Tei­len der Grü­nen ein Iden­ti­ta­ris­mus (der schlech­te, spal­ten­de, nicht der gute, ver­tei­di­gen­de) herrscht, der nicht mehr zu bän­di­gen ist, weil das schlicht nicht gewünscht ist. War­um man ein Gesell­schafts­bild, in dem Men­schen nach ihren ange­bo­re­nen Eigen­schaf­ten und nicht nach ihren Fähig­kei­ten sor­tiert wer­den, links und pro­gres­siv und nicht etwa rechts und regres­siv nennt, weiß ich nicht, ist aber so:

Die deut­schen Grü­nen haben die Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Ska Kel­ler und Sven Gie­gold zu ihren Spit­zen­kan­di­da­ten für die EU-Wahl im kom­men­den Mai gewählt. (…) „Wir stel­len uns gegen den Rechts­ruck, wir schüt­zen unse­re Grund­rech­te.“

Pro­gres­si­ver Iden­ti­ta­ris­mus muss ein Grund­recht blei­ben. Wir hat­ten ja nichts.

PolitikIn den Nachrichten
Der Tod ist ein hun­dert­jäh­ri­ger Mei­ster aus Deutsch­land.

9. Novem­ber 1918:
Zwei Poli­ti­ker der SPD, die die nöti­gen Anlei­hen für den Ersten Welt­krieg bewil­ligt und so sowohl vie­le Tode als auch den Auf­stieg Adolf Hit­lers begün­stigt hat­te, rufen unab­hän­gig von­ein­an­der das Ende des deut­schen Kai­ser­reichs und den Beginn einer deut­schen Repu­blik aus. 1919 wird einer von ihnen auf Befehl des Volks­be­auf­trag­ten für Heer und Mari­ne, eben­falls Mit­glied der SPD, auf unfei­ne Art gemeu­chelt.

9. Novem­ber 1938:
In der „Reichs­kri­stall­nacht“ kommt es infol­ge besag­ten Auf­stiegs zur Zer­stö­rung jüdi­scher Geschäf­te und zu aller­lei Ver­haf­tun­gen zwecks spä­te­rer Ermor­dung.

9. Novem­ber 1989:
Die räum­li­che Tren­nung zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der DDR, die unter der Herr­schaft der als SED fir­mie­ren­den Fusi­ons­par­tei aus SPD und KPD ein armes, aber immer­hin grau­sam regier­tes Land gewor­den war, endet über­ra­schend. Das stellt sich spä­ter als Pro­blem her­aus.

9. Novem­ber 2001:
Deutsch­land, regiert von der SPD und den Grü­nen, führt die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein.

9. Novem­ber 2007:
Deutsch­land, regiert von der SPD und der CDU/CSU, führt die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein.

9. Novem­ber 2018:
In Ber­lin schei­tert Innen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) mit sei­nem Vor­stoß, eine Ver­samm­lung zum Geden­ken an die Toten zwi­schen 1961 und 1989 zu ver­bie­ten. In der­sel­ben Stadt schlägt Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD) am sel­ben Tag vor, Deutsch­land sol­le es für „bestän­di­gen Ansporn“ mit mehr Patrio­tis­mus ver­su­chen.

Eine Poin­te erüb­rigt sich.

PolitikIn den Nachrichten
Migra­ti­ons­nicht­pakt

„Wir wer­den die­sen Migra­ti­ons­pakt unter­schrei­ben.“

„Unse­re Nach­bar­län­der machen aber viel­leicht nicht mit.“

„Wir müs­sen aber mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen.“

„Ist die­ser Pakt denn nötig?“

„Ja, er legt end­lich Min­dest­stan­dards fest.“

„Und was ist mit den Sor­gen unse­rer euro­päi­schen Part­ner­staa­ten?“

„Die machen sich zu vie­le Gedan­ken, der Pakt ist sowie­so nicht bin­dend.“

„Aber heißt das nicht, dass er eigent­lich bloß hei­ße Luft ist und wir uns den gan­zen Ärger damit auch ein­fach spa­ren könn­ten?“

„Nein, wir müs­sen ja mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen.“

(ad inf.)

MusikNetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 7. Novem­ber 2018

Zu nie­man­des Über­ra­schung hat sich her­aus­ge­stellt, dass es, gesell­schaft­lich gese­hen, gar kei­ne „Gene­ra­tio­nen“ gibt.


„Die Ost­deut­schen stel­len mit Erschrecken fest, dass das neue Deutsch­land der alten DDR immer ähn­li­cher wird, wenn die Eli­ten auf obrig­keits­staat­li­che Mit­tel und Struk­tu­ren set­zen, weil sie der Pro­ble­me nicht mehr Herr wer­den.“


Eine gera­de­zu groß­ar­ti­ge Lösung für das Pro­blem, dass Men­schen neu­er­dings Pla­stik kacken, ist Thi­lo Spahl ein­ge­fal­len: „Man könn­te Schuh­soh­len ver­bie­ten.“


Die F.D.P. hat die Nase voll von den guten Umfra­ge­wer­ten und ver­sucht es wahr­schein­lich dar­um jetzt mit Frau­en­för­de­rung.


Bei „ZEIT ONLINE“ ist man empört von Horst See­ho­fer: „Der CSU-Vor­sit­zen­de zeigt sich unbe­ein­druckt von einem ZEIT-Bericht über sei­nen Rück­tritt.“ Wie kann er es wagen‽


Jazz macht anschei­nend wahn­sin­nig: „Desprez rei­tet die Stra­to­ca­ster wie Hen­drix, reißt dabei aber jede Hür­de nie­der.“


Ein Blick in die USA: Pfad­fin­de­rin­nen ver­kla­gen Pfad­fin­der, weil die­se sich künf­tig geschlechts­neu­tral nen­nen möch­ten.

NetzfundstückeNerdkrams
Die Sieb­zi­ger sind da, sie möch­ten ihre Design­ent­schei­dun­gen mit­neh­men.

Aus der Kate­go­rie „nicht unin­ter­es­sant“:

Wir leben im Jahr 2018 und unter Win­dows 10 kann man kei­ne Datei­en namens LPT3.txt anle­gen, weil die Win­dows-NT-Rei­he kom­pa­ti­bel mit mög­lichst viel alter Soft­ware sein möch­te und der Ent­wick­ler von CP/M, dem Urahn von MS-DOS, die Idee von UNIX, dass auch Gerä­te (und somit auch der Par­al­lel­port) als Datei­en abge­bil­det wer­den, vor 44 Jah­ren über­nom­men hat.

Das kön­ne mit einem moder­nen System wie Linux nicht pas­sie­ren? Stimmt, denn einer der bis heu­te bestehen­den selt­sa­men Stan­dards in der Linux­welt, dass näm­lich man­che (gele­gent­lich: alle) Binär­da­tei­en unter /usr/bin statt, was sinn­vol­ler erscheint, unter /bin lie­gen, ist noch etwas älter: Weil auf dem System­lauf­werk der PDP-11, auf der Unix ab 1971 ent­wickelt wur­de, der Platz aus­ging, wur­den so lan­ge Pro­gram­me und Biblio­the­ken auf das „Benut­zer­lauf­werk“ ver­scho­ben, bis wie­der genug Platz war.

Sind also alle rele­van­ten Datei­hier­ar­chien kaputt? Nein, rich­tig macht es neben Plan 9 und sei­nen Dis­tri­bu­tio­nen und Forks, unter denen /usr als Benut­zer­ord­ner reser­viert ist, aus­ge­rech­net Apple mit macOS, des­sen aus NeXTS­TEP über­nom­me­nes Datei­sy­stem wenig­stens logisch auf­ge­baut ist.

Viel­leicht soll­ten wir die EDV ein­fach ganz abrei­ßen und noch mal von vorn anfan­gen.