In den NachrichtenMontagsmusik
Wang Wen – Angelo’s Por­trait // Yoga für die SPD

Schneeflöckchen, Weiß- SCHUHUH!Es ist Mon­tag. Auf nichts ist mehr Ver­lass, selbst ein Kilo­gramm ist jetzt anders. Ich kann so nicht arbei­ten, aber lei­der akzep­tie­ren Arbeit­ge­ber sol­che Vor­komm­nis­se sel­ten als Grund für ein Feh­len.

Ein viel bes­se­rer Grund für ein Feh­len: Man wird erschos­sen. In Flo­ri­da zum Bei­spiel ist das neu­lich in einem Yoga­stu­dio pas­siert, was wie­der ein­mal belegt, dass Yoga nicht ent­spannt, son­dern eher furcht­bar auf­regt.

SPD-Vor­stand Thor­sten Schä­fer-Güm­bel, schreibt die „ZEIT“, „führ­te die Pro­ble­me der Par­tei auf eine pro­gram­ma­ti­sche Lee­re zurück“. Es ist beru­hi­gend, dass das Feh­len jeg­li­cher eige­ner Inhal­te jetzt auch den Par­tei­mit­glie­dern selbst auf­fällt. In einer bes­se­ren Welt stimm­te sie anstel­le der Pira­ten­par­tei dem­nächst über ihre Zukunft ab.

Wer das Pass­wort von jeman­dem her­aus­fin­den möch­te, der könn­te ver­su­chen, ihn ein­fach danach zu fra­gen. Die­ses Recht auf einen Inter­net­zu­gang ohne Nach­weis grund­le­gen­der Sicher­heits­kennt­nis­se wird uns allen noch mal gro­ße Pro­ble­me berei­ten. Aber das ist ja alles die Zukunft, gegen die Zukunft kann man ja nichts machen. – In der Zukunft wer­den alle nur noch flie­gen. Viel­leicht hören sie dabei, ihren Hauspan­da­bä­ren – denn in der Zukunft wird jeder einen Pan­da­bä­ren besit­zen – auf dem Schoß, sogar ein wenig Musik.

Zum Bei­spiel die­se:

Wang Wen – Angelo’s Por­trait

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Nar­co­sa­tá­ni­cos

NarcosatánicosLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Aus Aar­hus (Däne­mark) stammt das wenig geheim­nis­voll hei­ßen­de Noi­se­r­ocksextett Nar­co­sa­tá­ni­cos, des­sen anschei­nend namen­lo­ses („selbst­be­ti­tel­tes“) Debüt­al­bum (Amazon.de, Bandcamp.com) im Mai 2014 erschie­nen ist und unge­fähr die Art von Musik ent­hält, die man bei die­sem Namen erwar­ten wür­de. Das klingt vor­her­seh­bar und lang­wei­lig? Nein, mit­nich­ten.

Von den „Noi­se­spe­zia­li­sten“ (Jim Car­roll) Ein­heit­lich­keit zu erwar­ten hät­te sich ohne­hin schon nach den ersten paar Minu­ten des Albums erle­digt, wenn das erste Erstau­nen über die eigen­ar­ti­ge Stil­mi­schung aus Post­punk und Jazz­rock ver­flo­gen ist. Die Saxo­pho­nes­ka­pa­den von Zeki Jin­dyl durch­zie­hen zwar das gan­ze Album, aber Schub­la­den sind hier höch­stens mit dem Brech­ei­sen zu hal­ten.

NARCOSATANICOS nau­sea █▬█ █ ▀█▀

Wenn es unbe­dingt ein Mehr­heits­stil sein muss, wäre psy­che­de­li­scher Kraut­rock womög­lich ein ver­nünf­ti­ger Ver­gleich („Truck­stop Pro­sti­tu­te“) – das Stück „Hal­lu­zi­na­ti­ons­rausch“ klingt auch so, wie es heißt. Aber bereits „Filth“ wech­selt unver­se­hens die Spur: Ich höre Pri­mus und Green Jel­lÿ, wei­ge­re mich aber auch, das Stöh­nen und das ber­sten­de Glas zu kate­go­ri­sie­ren. Beglei­tet wird das nicht mal schlecht klin­gen­de Cross­over-Durch­ein­an­der mit einem melo­di­schen Fun­da­ment aus Jazz. Ich mag Jazz. Das klingt ver­wir­rend beim Lesen, aber pri­ma beim Hören.

Es ist nicht alles schlecht in Däne­mark.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: VAK – Budo

VAK - BudoLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 2008 grün­de­te Schlag­zeu­ger und Per­kus­sio­nist Vla­di­mir Mej­stel­man in Frank­reich, dem Hei­mat­land des Zeuhls, eine Musik­grup­pe namens VAK, die gele­gent­lich eine neue Beset­zung bekam, aber wenig ver­öf­fent­lich­te. 2018, inzwi­schen als Quar­tett, ver­öf­fent­lich­te sie ihr erstes Voll­zeit­al­bum „Budo“ (Bandcamp.com). Für die drei Stücke zwi­schen acht und fast 28 Minu­ten Län­ge emp­feh­le ich im Vor­aus etwas Geduld.

Von den Gen­re­initia­to­ren Mag­ma, an denen Zeuhl­bands teil­be­grün­det gefäl­ligst gemes­sen zu wer­den haben, unter­schei­det VAK vor allem der Vokal­teil: Sän­ge­rin Auré­lie Sain­te­croix arbei­tet weit­ge­hend text­los und ohne mehr­stim­mi­gen Chor (den sie aller­dings auch nicht nötig hat), die Instru­men­ta­li­sten spie­len wäh­rend­des­sen einen ange­nehm dich­ten Jazz­rock, in den auch mal eine E‑Gitarre hin­ein­schnei­den darf. Ich fin­de Gefal­len am Gehör­ten.

VAK – Hquark

Nichts zu meckern? Doch, klar: Bedau­er­li­cher­wei­se gibt es „Budo“ der­zeit nur als digi­ta­les Album (also ohne phy­si­schen Ton­trä­ger) zu kau­fen. Wer auf die­se sowie­so kei­nen Wert legt, der möge sich schä­men, aber sich „Budo“ unbe­dingt zule­gen. Ich kann mir schlech­ter aus­ge­ge­be­nes Geld vor­stel­len.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu Fried­rich Merz

Wäh­rend alt­ge­dien­te Par­tei­bon­zen mit (nach Abzug von Steu­ern) deut­lich fünf­stel­li­gem Monats­ein­kom­men die SPD mit dem Vor­schlag zu ret­ten ver­su­chen, man kön­ne doch mal „emo­tio­na­le Bür­ger­nä­he“ (ebd.) vor­spie­len, rotiert es in der Uni­on nach der Ankün­di­gung Ange­la Mer­kels, dass sie kei­ne Lust mehr auf den Mist habe, wor­auf­hin aus­ge­rech­net Alex­an­der Graf Lamb­s­dorff sei­ne Sor­ge um die „Ach­se der Ver­nünf­ti­gen“ aus „Deutsch­land, Frank­reich und Spa­ni­en“ – Spa­ni­en war das Land, des­sen Exe­ku­ti­ve noch vor nicht lan­ger Zeit Kata­la­nen wegen einer Bür­ger­be­fra­gung ver­prü­gel­te – bekannt­gab, per­so­nell immer noch so geschwind, dass ich mir einen wei­te­ren Satz zur Kan­di­da­ten­li­ste dann doch nicht mehr spa­ren möch­te, denn außer Jens Spahn, einem aus­ge­wie­se­nen Exper­ten dafür, wie man mit mög­lichst weni­gen Wor­ten mög­lichst vie­le Gering­ver­die­ner ver­ab­scheut, hat auch Fried­rich Merz, gei­sti­ger Vater deut­scher Leit­kul­tur und grund­sätz­lich lobens­wer­ter Befür­wor­ter eines Aus­stiegs aus dem Aus­stieg, was gera­de 2018, da der Strom­ver­brauch von Spiel­geld­ma­chern die Nicht­über­flu­tung des Pla­ne­ten gefähr­det, viel­leicht nicht unbe­dingt als unbe­dach­tes Ärger­nis ver­stan­den wer­den soll­te, sei­ne Kampf­kan­di­da­tur ange­kün­digt, um ihr – der Par­tei – die Wür­de zurück­zu­ge­ben, wofür er sich als bekannt Kon­ser­va­ti­ver frag­los eig­nen mag, denn es scheint zumin­dest denk­bar, dass die­je­ni­gen, die sich wegen feh­len­den Kon­ser­va­ti­vis­mus von der CDU ab- und der AfD zuge­wandt haben, sei­net­we­gen wie­der Hoff­nung in erste­re Par­tei set­zen, so schreck­lich uns eher libe­ra­len Gestal­ten, die wir gleich­falls die CDU nicht wegen des Vor­stan­des, son­dern wegen der pro­gram­ma­ti­schen Aus­rich­tung nicht wäh­len, das auch vor­kommt, wor­auf­hin ihm Men­schen, die ohne­hin nie­mals die CDU wäh­len wür­den, aber anschei­nend den­noch sehr besorgt dar­um sind, wer der ihr eh ega­len Par­tei künf­tig vor­ste­hen darf, vor­war­fen, dass er bis­lang lie­ber Geld ver­dient als sich poli­tisch betä­tigt habe, als sei das in Deutsch­land heut­zu­ta­ge nicht sowie­so fast nicht von­ein­an­der zu unter­schei­den; dass er, Merz (63), aber mit­teil­te, er spre­che zwecks Ver­jün­gung der CDU bereits mit sei­ner Mit­be­wer­be­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (56), erklärt mei­nes Erach­tens aus­rei­chend wort­reich, wor­in eigent­lich das Pro­blem lie­gen könn­te, das Par­tei­po­li­tik gera­de in „Volks­par­tei­en“, was auch immer das schon wie­der sein soll, so rostig und alt erschei­nen lässt.

In den Nachrichten
Säku­la­ris­mus wann anders. (2)

Apro­pos Kir­che; wäh­rend die vor­geb­lich öku­me­ni­sche CDU, aus dem Bun­des­tag par­tout nicht weg­zu­oxi­die­ren­de Aus­grün­dung der katho­li­schen Zen­trums­par­tei und somit auf eine lan­ge natio­na­li­sti­sche Tra­di­ti­on zurück­blickend, medi­al wie meist aus per­so­nel­len statt aus pro­gram­ma­ti­schen Grün­den mit geho­be­ner Augen­braue beglei­tet wird, rei­sen ande­re Staa­ten vor­wärts in die gesell­schaft­li­che Jetzt­zeit:

Die iri­sche Bevöl­ke­rung hat sich mit deut­li­cher Mehr­heit für die Abschaf­fung der Straf­bar­keit von Blas­phe­mie aus­ge­spro­chen. Aus­ge­rech­net das katho­lisch gepräg­te Irland zeigt sich so fort­schritt­li­cher als eini­ge ande­re euro­päi­sche Län­der, in denen es noch Blas­phe­mie-Geset­ze gibt – unter ande­rem Deutsch­land.

Ist Irland jetzt eigent­lich noch Teil die­ses christ­li­chen Abend­lan­des und nach wie vie­len Jahr­hun­der­ten Wis­sen­schaft hört das end­lich auf?

In den NachrichtenMontagsmusik
Phideaux – We Only Have Eyes For You // Frei­bur­ger Fol­gen

Wird langsam kalt.Es ist Mon­tag. Die­ses Video aus den eher frag­wür­di­gen Krei­sen des Inter­nets bit­te kei­nes­wegs tei­len, statt­des­sen zum Bei­spiel einen Pan­da­bä­ren adop­tie­ren. Ein Narr, wer sie mei­det.

Apro­pos Nar­ren: In Hes­sen wur­de gewählt. Andrea Nah­les, berich­te­te die „WELT“ noch am Abend, stel­le Bedin­gun­gen für die Fort­füh­rung der Koali­ti­on mit der CDU/CSU. Ich ver­mu­te, wenn man dies­be­züg­lich kei­ne wei­te­ren Infor­ma­tio­nen erhält, liegt es dar­an, dass die Adres­sa­ten sich tot gelacht haben. – Weit weni­ger zum Lachen scheint es zu sein, dass aus den „Simpsons“, einer Serie, deren Humor von der gro­tes­ken Über­zeich­nung US-ame­ri­ka­ni­scher Kli­schees zehrt, dem­nächst eine Figur ent­fernt wer­den soll, weil sie eine gro­tes­ke Über­zeich­nung eines Kli­schees dar­stel­le. Ich bin eini­ger­ma­ßen ent­setzt.

Nicht weni­ger ent­setz­lich: Die UNICEF spricht sich auch wei­ter­hin für die Geni­tal­ver­stüm­me­lung von Kin­dern aus. Aller­dings sind von die­ser Hal­tung natür­lich Mäd­chen aus­ge­schlos­sen. Bei Mäd­chen macht man so was nicht. Die­je­ni­gen, die sol­che archai­schen Riten grund­sätz­lich für bewah­rens­wert hal­ten, haben es aller­dings künf­tig in man­chen Gegen­den noch etwas schwe­rer: Nach­dem und weil, je nach Quel­le, zwi­schen acht und fünf­zehn über­wie­gend aus nicht siche­ren Staa­ten stam­men­de Her­ren sich im „als links­li­be­ral gel­ten­den“ („ZEIT ONLINE“) Frei­burg an einer Acht­zehn­jäh­ri­gen ver­gan­gen hat­ten und aus Pro­test gegen das genau Fal­sche umge­hend eine Demon­stra­ti­on „gegen Rech­te“ (All­er­gi­ker­war­nung: „Tichys Ein­blick“) ein­be­ru­fen wur­de, wür­de der Tübin­ger Ober­bür­ger­mei­ster gern abge­le­ge­ne Lager ein­rich­ten las­sen. In den Geschichts­bü­chern wird von der Ursa­che zur Wir­kung vor­aus­sicht­lich wie­der nur wenig zu fin­den sein.

Ande­rer­seits ist Geschichts- auch eine Art von Bil­dung und steht somit auf dün­nem Eis: „Für Deutsch­land kei­nen Fin­ger krumm, 20 Seme­ster Mini­mum!“ Das muss die­ses Aka­de­mi­ker­tum sein, von dem immer alle reden.

Den­noch soll­te auch die­se Woche nicht trüb­sin­nig begin­nen. Wie wäre es mit etwas Gym­na­sia­sten­mu­sik?

Phideaux – We Only Have Eyes For You (Sin­gle Ver­si­on)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Euro­päi­sche Kir­chen erleich­tert: Kin­der­schän­dung end­lich Men­schen­recht!

„Der Bote Allahs hei­ra­te­te mich, als ich sie­ben Jah­re alt war. Der Erzäh­ler Sulai­man sag­te: oder sechs Jah­re. Er schlief mit mir, als ich neun Jah­re alt war.“
– Aischa bint Abi Bakr, drit­te und jüng­ste Frau Moham­meds, zitiert im Buch der Ehe


Unter mei­nem gest­ri­gen Text über die lusti­gen Sati­ri­ker des Lan­des und ihr feh­len­des Ver­ständ­nis für eine gesun­de Bewäl­ti­gung der Ver­gan­gen­heit, ins­be­son­de­re aber in den Kom­men­ta­ren unter dem­sel­ben war ich ver­se­hent­lich davon aus­ge­gan­gen, dass dies hier immer­hin Deutsch­land und damit Euro­pa sei und eine gewis­se Kunst­frei­heit, über deren Gren­zen ledig­lich zu weni­ge Dis­kus­sio­nen geführt wür­den, damit gewähr­lei­stet sei. Gera­de wegen der Vor­fäl­le um Char­lie Heb­do soll­te man zumin­dest davon aus­ge­hen, dass eine „wehr­haf­te Demo­kra­tie“ (BVerfG) das Recht auf den ganz per­sön­li­chen Irr­sinn nicht der Pflicht zur Nut­zung des gesun­den Men­schen­ver­stan­des über­ord­nen wer­de.

Aber, ach, nous ne som­mes plus Char­lie:

Den Pro­phe­ten Moham­med zu dif­fa­mie­ren „gehe über die zuläs­si­gen Gren­zen einer sach­li­chen Debat­te hin­aus“ und „könn­te Vor­ur­tei­le anfa­chen und reli­giö­sen Frie­den ris­kie­ren“ und über­schrei­te daher die zuläs­si­gen Gren­zen der Frei­heit des Aus­drucks, ent­schied der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te am Don­ners­tag, womit er sich der Ent­schei­dung eines nied­ri­ge­ren Gerichts anschloss. (…) Einer Stel­lung­nah­me zufol­ge, die der Gerichts­hof am Don­ners­tag ver­öf­fent­licht hat, sei das Wie­ner Lan­des­ge­richt für Straf­sa­chen der Ansicht, dass [ihre Äuße­run­gen] den Ein­druck erweck­ten, dass Moham­med pädo­phi­le Nei­gun­gen gehabt habe, und ver­ur­teil­te Frau S. im Febru­ar 2011 für das Ver­un­glimp­fen reli­giö­ser Dok­tri­nen.

(Abscheu­li­che Über­set­zung von mir.)

Wenn nun aber nur mehr gelehrt wer­den darf, was kei­nem Reli­giö­sen miss­fällt, dann steht es um die Rech­te Homo- und Mehr­se­xu­el­ler, die Leh­re von der Gen­de­rei, die Evo­lu­ti­ons­theo­rie und über­haupt die Mög­lich­keit eines Aus­tritts aus einer Kir­che, in die man meist hin­ein­ge­steckt wird, ohne zunächst sei­ne Zustim­mung ertei­len zu kön­nen, dem­nächst nicht mehr ganz so gut. Nicht alles davon berei­tet mir Sor­ge; den­noch emp­fin­de ich das Gerichts­ur­teil als Ver­let­zung mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Gefüh­le und ver­lan­ge Genug­tu­ung. Ich weiß nur noch nicht, wel­ches Gericht dafür zustän­dig wäre.

Ver­mut­lich ein kirch­li­ches.


„Man muss auch den Mut zur Into­le­ranz denen gegen­über auf­brin­gen, die die Demo­kra­tie gebrau­chen wol­len, um sie umzu­brin­gen.“
– Car­lo Schmid

In den Nachrichten
Gute Juden, schlech­te Juden (2): Welt­ver­schwö­rung roya­le

Nach mei­nen Aus­füh­run­gen zu den „#unteilbar“-Demonstrationen (ohne Rau­te kei­ne Demon­stra­ti­on, so will es das Gesetz) wur­de ich gele­gent­lich ent­rü­stet gefragt, wie ich denn dar­auf kom­me, dass dort, bei der aus­ge­rech­net von Jan Böh­mer­mann, dem nicht gera­de als rechts gel­ten­den Mario Barth für Twit­ter­nut­zer, bewor­be­nen Demon­stra­ti­on, in nen­nens­wer­tem Umfang Anti­se­mi­tis­mus zu fin­den sei.

Nun wäre es sicher­lich all­zu naiv, einer Gesell­schaft, die Mar­tin Son­ne­born wit­zig fin­det, zu unter­stel­len, sie ver­fü­ge über Refle­xi­on und Ein­sicht. Und sie­he, die Welt ist klein:

Oli­ver Polak beschreibt, wie er nach einem Stand-up-Auf­tritt ein­mal „iro­nisch“ von drei Kol­le­gen von der Büh­ne gejagt wur­de. Wäh­rend er abging, spiel­ten die ande­ren, wie sie sich vor ihm ekel­ten. Einer hol­te ein offen­bar zu die­sem Zweck hin­ter einem Sofa plat­zier­tes Des­in­fek­ti­ons­mit­tel her­vor und frag­te die ande­ren: „Habt ihr ihm die Hand gege­ben?“ Dann besprüh­te er ihre Hän­de, um sie zu des­in­fi­zie­ren. (…) Böh­mer­mann ist der Mann mit dem Des­in­fek­ti­ons­spray.

Wenn der Faschis­mus wie­der­kommt, wird er sich nicht als Faschis­mus oder als Anti­fa­schis­mus vor­stel­len. Er wird sagen: „Ich bin die lusti­ge lin­ke Sati­re.“

In den NachrichtenWirtschaft
Wohl­stands­kin­der goog­len gegen Gen­tri­fi­zie­rung (2): Lin­ke, ganz pro­gres­siv das Bestehen­de bewah­rend.

Wie ich fast ohne eige­nes Zutun erfah­ren konn­te, haben die Bewah­rer des Kiezes in Kreuz­berg gewon­nen, denn Goog­le wer­de nun doch kein eige­nes Pro­jekt im Umspann­werk instal­lie­ren, wie es heißt. Statt­des­sen wer­den dort zwei inno­va­ti­ve Unter­neh­mun­gen ein­zie­hen, näm­lich der Sozi­al­ar­bei­ter­ver­ein „KARUNA“ und die Bet­tel­or­ga­ni­sa­ti­on „betterplace.org“, deren Name den krea­ti­ven Gestal­tungs­wil­len ihrer Häupt­lin­ge ver­mut­lich ganz rich­tig wie­der­gibt.

Auf Twit­ter, wo man das eben so macht, freut sich nur die F.D.P. nicht so recht, anson­sten ist weit­hin Jubel zu ver­neh­men, dass man es wie­der ein­mal geschafft hat, ein Unter­neh­men fern­zu­hal­ten, das kei­nes der Ihren ist. Dass die bei­den Nicht­goo­gles für eine Ver­bes­se­rung der sozia­len Situa­ti­on ihrer neu­en Nach­barn kaum kämp­fen kön­nen und sich somit allen­falls als Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nah­me eig­nen, ist wohl auch genau so gewünscht. Dass das links­ra­di­ka­le Bünd­nis „Beset­zen“ – noch so’n Krea­ti­vi­täts­sie­ger – mit sei­nem Sieg der kon­ser­va­ti­ven Spie­ßig­keit über Fort­schritt und Ver­än­de­rung so neben­bei mal wie­der belegt hat, dass die Huf­ei­sen­theo­rie stim­men könn­te, ist ein Aspekt, der medi­al zu wenig Auf­merk­sam­keit erfährt.

Wenn das links ist, über­ra­schen mich mei­ne Wahl-O-Mat-Ergeb­nis­se noch ein biss­chen weni­ger als sowie­so schon.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 22. Okto­ber 2018

FDP-Män­ner wol­len gegen den Wil­len der mei­sten FDP-Frau­en eine Frau­en­quo­te in Erwä­gung zie­hen. Ich wür­de dar­über gern einen Witz machen, aber es steht noch kei­ne Frau abwech­selnd am Mikro­fon.


Ein schlim­mes Medi­um, das ich hier absicht­lich nicht nen­nen wer­de, hat her­aus­ge­fun­den, dass Men­schen, die sich mit Whis­ky beschäf­ti­gen, gebil­de­ter wir­ken. Auf dem Sym­bol­fo­to ist ein Herr abge­bil­det, der einen „Tumb­ler“, also ein Glas für Whis­ky mit Eis und/oder Cola, in der Hand hält. Ich fin­de das zumin­dest respek­ta­bel bizarr.


Apro­pos Stil: Eine bis­her nicht durch her­aus­ra­gen­de Lei­stun­gen auf­ge­fal­le­ne natür­lich in der SPD täti­ge Dame hat eine teu­re Arm­band­uhr und bit­tet hier­für um Ver­ständ­nis, denn sie habe als Kind Holz gehackt. Ver­mut­lich habe ich nur des­halb kei­ne teu­re Arm­band­uhr: Ich habe noch nie Holz gehackt.


Im Auf­trag der Regie­rung von Sau­di-Ara­bi­en ist ver­se­hent­lich ein Mensch getö­tet wor­den, sei­ne Lei­che ist ver­schwun­den. Da passt man nur mal kurz nicht auf und dann pas­siert so etwas. Schlimm, schlimm.


War­um müs­sen Wirt­schafts­re­dak­teu­re noch arbei­ten?


Zu mei­ner aus­blei­ben­den Über­ra­schung könn­te Har­vey Wein­stein, trotz sei­nes zer­stör­ten Lebens und sei­ner zer­stör­ten Kar­rie­re natür­lich, sich als unschul­dig her­aus­stel­len. Wäre es nicht ein­fa­cher und kosten­gün­sti­ger für die Film­in­du­strie, sie setz­ten die Klä­ge­rin­nen anstatt sei­ner vor die Tür?

In den NachrichtenMontagsmusik
Kei­ne Zäh­ne im Maul aber La Palo­ma pfei­fen – Leb so, dass es alle wis­sen wol­len

Seufz.Es ist Mon­tag. Nie­mals kann man so wun­der­bar melan­cho­lisch sein wie an einem Mon­tag. Schnell ein paar Mup­pets! Auch der schlech­te Ersatz kann zur Manier gehö­ren. Die Sinn­su­che ist eine von frag­li­chem Zweck.

Irgend­wo wird dau­ernd irgend­was gewählt und die Poin­ten blei­ben im Hals stecken. Wer Komik­to­le­ranz mit Inter­es­se an sei­ner Umwelt ver­wech­selt, der hat es nicht bes­ser ver­dient. Nicht mal fol­ge­rich­tig has­sen darf man noch. Eine mög­li­che Ursa­che für das Unge­mach ist schnell ent­deckt: Mus­li­me bete­ten 37 Jah­re lang in die fal­sche Rich­tung. So wird das nichts mit der Erlö­sung, allen­falls noch durch Full Spec­trum Cyber.

Es ist Mon­tag und alles scheint schreck­lich ver­zicht­bar. Dem Hass der Welt und ihrer Dumm­heit mit Zynis­mus zu begeg­nen hat zum Leben nicht gereicht. Was bleibt?

Kei­ne Zäh­ne im Maul aber La Palo­ma pfei­fen – Leb so, daß es alle wis­sen wol­len

Guten Mor­gen.