In den NachrichtenPiratenpartei
Hei­ße Luft, und Sie?

Aha:

Die Unter­händ­ler von Uni­on und FDP sind sich laut einem Bericht der Deut­schen Pres­se­agen­tur in allen wich­ti­gen Sicher­heits­the­men einig.

Das klingt wie eine Drohung.

Bei der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung sol­le die Nut­zung der Daten auf schwe­re Gefah­ren­si­tua­tio­nen beschränkt wer­den, zitiert die dpa Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Wolf­gang Schäub­le (CDU).

Wer stän­dig und über­all schwe­re Gefah­ren für das Land wit­tert, hat es ein­fach, sol­cher­lei „Ein­schrän­kun­gen“ zu beschlie­ßen. Inter­es­sant auch: Ursprüng­lich soll­te die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gegen Ter­ro­ris­mus ver­wen­det wer­den, inzwi­schen also all­ge­mein für „schwe­re Gefahrensituationen“.

Bei den Inter­net­sper­ren hät­ten sich die Ver­hand­lungs­part­ner dar­auf ver­stän­digt, dass das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) zunächst ver­su­chen sol­le, kin­der­por­no­gra­fi­sche Sei­ten zu löschen statt zu sperren.

Die Her­vor­he­bung ist von mir und die Ände­rung ist kei­ne. Dank der Inter­ven­ti­on der SPD wur­de das Gesetz bereits in die­ser Form beschlos­sen. Ver­ständ­lich aber, dass davon nicht mehr die Rede ist.

Wie weit sol­len die­se Ver­su­che eigent­lich gehen? Kann da auch einer sagen, och, nö, da sper­ren wir lie­ber gleich?
Da die Zen­surme­cha­nis­men offen­bar also erhal­ten blei­ben, bleibt das ursprüng­li­che Pro­blem auch bestehen. „Vor­erst vom Koali­ti­ons­tisch“? Welch ein Geschwätz!

Für heim­li­che Online-Durch­su­chun­gen von Com­pu­tern soll künf­tig die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft einen Antrag stel­len müssen.

Kei­ne Ände­rung im Vor­ha­ben, nur eine Ver­la­ge­rung der Zustän­dig­keit. Grandios.

Ins­ge­samt mei­nen Glück­wunsch an die F.D.P.; damit wäre die Par­tei, die sich in den Wochen vor der Wahl als „bes­se­re Pira­ten­par­tei“ dar­zu­stel­len ver­such­te, nun­mehr in allen ent­schei­den­den Punk­ten überstimmt.

Wie hieß es noch vor kurzem?

Eine Koali­ti­on darf es nur geben, wenn die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zurück­ge­nom­men wird! 

„Hei­ße Luft wür­de Schwarz-Gelb wählen.“

NetzfundstückeKaufbefehlePersönlichesMusikSonstiges
Wir­re Gedan­ken­fet­zen, mit denen ich Twit­ter nicht beläs­ti­gen wollte.

Ich wur­de nun in einem Blog ver­linkt, das ein eigent­lich recht inter­es­san­tes The­ma behan­delt, und füh­le mich sehr geehrt. Ich soll­te das als Anreiz neh­men, hier mehr und öfter zu schrei­ben, aber – wie so oft – fehlt es ein­fach meist an Berichtenswertem.

Außer­dem hat Peter mein Blog als zu unver­ständ­lich kri­ti­siert. Das nimmt mich doch recht mit.

Also schmie­re ich hier ein­fach mal ein paar nicht zusam­men­hän­gen­de Satz­fet­zen und Gedan­ken hin­ein und hof­fe, dass es kei­nem auf­fällt. Und falls doch: Bit­te nicht petzen.

Also:

Ich soll­te häu­fi­ger Anzü­ge tra­gen, das kommt angeb­lich gut an. In drei­ein­halb Wochen steigt das Kon­zert des Jah­res in der Stadt der Sehn­sucht. Abend­rö­te legt eine merk­wür­di­ge Pati­na über die See­le. Bin ich eigent­lich der ein­zi­ge Blog­ger, der „I wan­na take a ride on your dis­co stick“ für einen ungu­ten Text zu einer Wer­be­un­ter­ma­lung hält? Über­mor­gen erscheint, apro­pos, das neue Album der Gol­de­nen Zitro­nen. Sehr gut, so weit die „Reinhören“-Funktion von Amazon.de dies zuließ. 

Pri­ma und dann doch irgend­wie apro­pos: Frank schreibt und sam­melt wie­der, bei­des in neu­er Gestal­tung. Ab und zu mal vor­bei­zu­schau­en wird empfohlen.

(Reicht für heute.)
‘Wir­re Gedan­ken­fet­zen, mit denen ich Twit­ter nicht beläs­ti­gen woll­te.’ weiterlesen »

PersönlichesSonstigesIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XVI: Dra­ma, Baby! (lächel)

Auf der Suche nach Zer­streu­ung fiel mein Blick vor eini­gen Stun­den auf eines jener Klatsch­blät­ter, die all­wö­chent­lich erschei­nen und die sich in ihrer nied­ri­gen Preis­ge­stal­tung wie auch in ihrer sicher­lich kei­nes­falls krea­ti­ven oder wenigs­tens ein­präg­sa­men Namens­ge­bung gegen­sei­tig noch zu unter­bie­ten wis­sen, so dass auf­merk­sa­me Beob­ach­ter sich jede Woche aufs Neue und nicht ein­mal zu Unrecht fra­gen, woher der von Kri­sen, wie es heißt, arg gebeu­tel­te Markt denn aus­rei­chend vie­le Inter­es­sen­ten für so vie­le Nuan­cen des stets glei­chen Pro­dukts anzu­zie­hen ver­mag, und ich muss­te ein wenig schmun­zeln. Dies nicht etwa, weil die sich mir ent­bie­ten­de Front­sei­te jenes Maga­zins ein gewoll­tes oder gewollt schei­nen­des Amu­se­ment beher­berg­te, son­dern der Absur­di­tät der Schlag­zei­le geschul­det, die sich mehr­far­big ins Auge des Betrach­ters fraß und unge­fähr so lautete:

Fami­li­en-Dra­ma bei TV-Koch Johann Lafer:
Selbstmord-Schock

Die­se immer­hin nur mit gefühl­ten zwölf Aus­ru­fe­zei­chen abge­schlos­se­ne Kurz­mel­dung wur­de kon­tras­tiert mit einer neben­ste­hen­den Foto­gra­fie des ver­gnügt lächeln­den Kon­ter­feis eben­je­nes Fern­seh­kochs, als woll­te er sagen: „Seht mal, für welch voy­eu­ris­ti­sche Kli­en­tel ich als Kauf­an­reiz die­nen soll! Ist das nicht albern?“

Ich bin trotz ste­tig fort­schrei­ten­der Alte­rung noch immer nicht ein­fäl­tig genug, Recher­chen dar­über anzu­stel­len, was bei TV-Koch Johann Lafer denn pas­siert sein mag, dass es die Auf­merk­sam­keit poten­zi­el­ler Leser in glei­chem Maße zu erhei­schen ver­sucht wie die auf nur weni­ge Meter ent­fern­ten Titel­sei­ten gro­ßer Nach­rich­ten­ma­ga­zi­ne zu sehen­den innen- und außen­po­li­tisch aktu­el­len und auch für TV-Koch Johann Lafer sicher nicht unbe­deu­ten­den The­men wie zum Bei­spiel die sich täg­lich in von Frie­dens­trup­pen besetz­ten Gebie­ten eben­falls zutra­gen­de, sich aber kei­nes­falls auf wie auch immer gear­te­te Fami­li­en­krei­se beschrän­ken­den Dra­men (unter Zuhil­fe­nah­me einer, zuge­ge­ben, recht umgangs­sprach­li­chen Ver­wen­dung des Wor­tes Dra­ma), daher ver­zich­te­te ich aus­nahms­wei­se auf einen Blick ins Inne­re des ver­ge­bens um mein Inter­es­se buh­len­den Hef­tes. Viel­mehr gefällt es mir, ver­schie­de­ne mög­li­che Sze­na­ri­en zu ersin­nen und über jedes von ihnen ent­rüs­tet den Kopf zu schütteln.

So kom­me ich wenigs­tens zu etwas Bewegung.

KaufbefehleMusikkritik
Jar­dín de la Croix – Pomeroy

Für die Freun­de instru­men­ta­len Jazz­rocks zwi­schen King Crims­on und Rush noch kurz ein musi­ka­li­sches Fund­stück, das, 2008 ent­stan­den, bis vor weni­gen Minu­ten noch in mei­nen Archi­ven schlummerte:

Rau­he, aber melo­di­sche Gitar­ren­riffs über­la­gern und verz­wir­beln sich zu einem kom­ple­xen, aber trotz­dem durch­schau­ba­ren Geflecht. Kur­ze Soli schnei­den wie Mes­ser­sti­che durch das Riff-Netz. Der Bass bril­liert mit melo­di­schen Läu­fen und das Schlag­zeug explo­diert regel­mä­ßig im Unter­grund. Die Spa­ni­er kre­ieren mal metal­lisch ange­hauch­te Riff­or­gi­en, mal melo­di­sche Post­rock-Klang­wäl­le und mal ein­fach fast schon sanft dahin­glei­ten­de epi­sche Ton­land­schaf­ten mit medi­ter­ra­ner Leich­tig­keit. Und ein Händ­chen für unge­wöhn­li­che Arran­ge­ments haben die Jungs auch, da sei exem­pla­risch die Stel­le gegen Ende von „Suo­mi“ erwähnt, wenn sich aus dem E‑Gi­tar­ren-Rif­fing lang­sam eine akus­ti­sche Gitar­re her­aus­schält und dann genau­so lang­sam, majes­tä­tisch, sich wie­der ins E‑Gi­tar­ren-Nir­va­na verliert.

Sicher kei­ne Dut­zend­wa­re und oben­drein kos­ten­los zu bezie­hen, daher eine unein­ge­schränk­te Lausch­emp­feh­lung für alle, denen Atmo­sphä­re in der Musik wich­tig ist und die auch auf Gesang oder all­zu aus­ufern­den Gitar­ren­lärm ver­zich­ten können.

Zu haben gibt es das gute Stück auf Jamendo.com; wer die­ser Sei­te aus belie­bi­gen Grün­den nicht so recht über den Weg traut, der wird natür­lich, wie immer, auch bei eMu­le fündig.

Einen ange­neh­men Start in die Woche wün­sche ich.

PolitikIn den Nachrichten
Kriegs­no­bel­preis für den Messias

22. Sep­tem­ber 2009: Nah­ost: Oba­ma drängt auf schnel­le Friedensverhandlungen

Ah?

9. August 2008: Oba­ma is no fri­end of Israel
29. August 2009: Oba­ma will mehr deut­sche Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan ent­sen­den lassen
12. Sep­tem­ber 2009: 3000 wei­te­re US-Sol­da­ten nach Afghanistan
15. Sep­tem­ber 2009: USA ver­ab­schie­den sich von recht­lich ver­bind­li­chen Zie­len bezgl. des Klimaschutzes
16. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma droht Ent­wick­lungs­län­dern mit „grü­nem“ Handelskrieg
27. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma lässt Guan­tá­na­mo doch län­ger geöffnet
28. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma und Netan­ja­hu dro­hen Iran
30. Sep­tem­ber 2009: Oba­ma bezeich­net Krieg in Afgha­ni­stan als NATO-„Mission“
5. Okto­ber 2009: Oba­ma will das Pro­blem mit dem Iran „nicht mehr lan­ge“ nur mit Wor­ten zu lösen versuchen
6. Okto­ber 2009: Oba­ma emp­fängt Dalai Lama nicht
7. Okto­ber 2009: Oba­ma bekräf­tigt „Kampf gegen Terrorismus“

Die logi­sche Konsequenz:

9. Okto­ber 2009: Oba­ma erhält Friedensnobelpreis


(Auch recht gute Rand­no­tiz: Ein Spre­cher im ZDF ver­wech­sel­te Phis­hing mit Fis­ting. Und ich habe es zu spät gese­hen. Mist.)

Nach­trag vom 10. Oktober:
Auch Fami­lie Oba­ma fis­tet gern. Womög­lich im Internet?

In den Nachrichten
Poli­zei, Polizei!

Das mei­nen die aber jetzt nicht ernst, oder?

Der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter … erneu­ert anläss­lich sei­nes gera­de statt­fin­den­den Bun­des­de­le­gier­ten­ta­ges in Suhl sei­ne For­de­rung nach dem Not­ruf-But­ton für Brow­ser. Damit möch­ten die Kri­mi­nal­po­li­zis­ten wirk­sam Web-Ange­bo­te auf­spü­ren, die zum Bei­spiel Kin­der­por­no­gra­fie oder radi­ka­les Gedan­ken­gut ver­brei­ten. Auch schnel­le Infor­ma­tio­nen an eine Clea­ring-Stel­le etwa über Cha­tin­hal­te mit Ankün­di­gun­gen von Sui­zid, Amok­lauf oder ver­ba­ler bezie­hungs­wei­se sexu­el­ler Beläs­ti­gung inner­halb von Chat­rooms haben die Kri­mi­nal­be­am­ten im Visier.

Wirk­sam auf­spü­ren? Um dann was zu tun – ein Stopp­schild davor­set­zen? Löschen geht bekannt­lich „nicht so einfach“.

Und wer soll sich um die Aus­wer­tung der Infor­ma­tio­nen küm­mern, also Spaß­mel­dun­gen her­aus­fil­tern und dann den Kon­text even­tu­ell „ver­däch­ti­ger“ Chat­dia­lo­ge ana­ly­sie­ren, um even­tu­el­le Iro­nie zu erkennen?

Schwa­che Gemü­ter könn­ten sich des Wei­te­ren zum Bei­spiel auch von eini­gen Inhal­ten die­ser von Ihnen, lie­ber Leser, der­zeit kon­su­mier­ten Inter­net­sei­te ver­bal beläs­tigt füh­len oder mei­ne Herbst- und Win­ter­de­pres­sio­nen gar als ange­kün­dig­ten Sui­zid wer­ten. Und wo soll das dann noch enden?

Anders aus­ge­drückt:
Was für welt­frem­de Gestal­ten arbei­ten eigent­lich beim BDK?

NetzfundstückeIn den NachrichtenFotografie
Hei­ter bis wolkig.

Das Herz schlug schon im Herbstrhythmus.

Man hat­te sich schon an den Gedan­ken gewöhnt, nun vor­erst wie­der ein­ge­packt wie das Miche­lin-Männ­chen durch die Herbst­land­schaft spa­zie­ren und düs­te­re Musik hören zu müs­sen, um der merk­wür­di­gen Melan­cho­lie, die der Anblick fal­len­der Blät­ter in der See­le des Beob­ach­ters zwei­fels­oh­ne her­vor­zu­ru­fen in der Lage ist, ange­mes­sen Tri­but zu zol­len, und dann so was:

Heiter bis wolkig

Frech­heit eigentlich.

‘Hei­ter bis wol­kig.’ weiterlesen »

MusikIn den Nachrichten
Nach­rich­ten aus aller Welt: Die­ter Boh­len ist ein Künstler.

Albern­heit des Tages, frisch aus dem ARD-Text kopiert:

Die­ter Boh­len ist nach einem höchst­rich­ter­li­chen Urteil ein Künstler.

WDR.de hat hier­zu eine pas­sen­de Zwi­schen­über­schrift gefunden:

Auch auf nied­ri­gem Niveau künstlerisch

So ist das mit der Kunst. Oof!


(Auch recht künst­le­risch, aber zwei­fels­oh­ne bes­ser als Die­ter Boh­len: The Hid­den Came­ras – In The Na.
Ist das Pop? Falls ja: Scha­de drum. Falls nicht: Juhu!
Anhö­ren und inklu­si­ve des amü­san­ten Vide­os gut fin­den wird wärms­tens empfohlen.)


Neben­bei auch nach­träg­lich mei­nen Glück­wunsch an die Beatles:

Beatles sell 2.25 million albums

Und sie sind kei­nen Tag geal­tert! :)

(Den­noch möch­te ich allen Lesern davon abra­ten, ein Album aus dem aktu­el­len Stereo-„Remaster“-Katalog der Beat­les zu erwer­ben. Hier wur­de, wie heu­te lei­der üblich, aber­mals zwar dezent, aber durch­aus fest­stell­bar der Loud­ness War bedient, also die Laut­stär­ke wur­de auf Kos­ten eini­ger kaum wahr­nehm­ba­rer Har­mo­nien künst­lich erhöht, so dass die Musik zwar vol­ler klingt, aber es an Dyna­mik feh­len lässt. Für den Kon­sum mit­tels übli­cher Klein­an­la­gen ist dies sicher­lich nicht all­zu rele­vant, aber mit stei­gen­der Aus­ga­be­qua­li­tät von Musik­an­la­gen steigt natür­lich auch die Wahr­neh­mung die­ser Dis­kre­panz. Wenn euch ein sau­be­res Klang­bild wich­tig ist: Fin­ger weg!
Das muss­te mal gesagt werden.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenFotografiePolitik
„Wir kön­nen ja mal zusam­men Tee trinken.“

Ich könn­te mich jetzt an die­ser Stel­le natür­lich schon wie­der über den Auf­re­ger des vori­gen Polit­ta­ges echauffieren:

Gui­do Wes­ter­wel­le setzt vor­aus, dass Repor­ter ihn auf einer deutsch­spra­chi­gen Pres­se­kon­fe­renz auf Deutsch befra­gen, und die Skand­al­lüs­ter­nen jubeln, grö­len als Kom­men­tar zum Video gar – vor­her­seh­bar – „Nazi!“.

Dar­un­ter könn­te ich sei­ten­lan­ge Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten füh­ren, war­um ich es für eine Frech­heit hal­te, dass deut­sche Poli­ti­ker sich auf Eng­lisch befra­gen las­sen sol­len, aber kei­ner wüs­te Beschimp­fun­gen pfleg­te, wür­de sich zum Bei­spiel ein eng­li­scher Minis­ter ver­bit­ten, auf Deutsch befragt zu wer­den. Aber dann wür­de ich mich wie­der nur auf­re­gen und mei­ne Leser lang­wei­len, und davon bekommt man graue Haare.

Statt­des­sen ver­las­se ich das in letz­ter Zeit hier über­hand neh­men­de Feld der Poli­tik, auch wenn sie die ver­lo­cken­de Mög­lich­keit zur Ver­tei­di­gung des Deut­schen bie­tet, und schrei­be statt­des­sen über dies hier:

Die aktu­el­le Bahn­card-Wer­bung ist mal wie­der herr­lich. Drei Frau­en wer­den von ihren Män­nern mit einer Bahn­card beschenkt, „um mal wie­der was mit­ein­an­der unter­neh­men zu kön­nen“, und fal­len auch noch auf die­se Fin­te her­ein. Hihi!

Und oben­drein noch ein amü­san­ter Schnapp­schuss aus Braun­schweig, dies­mal aus einem Park­haus, zur Ver­deut­li­chung bemalt von mir:

Rauchverbot im gesamten Gebäude - auch hier!

Na bit­te, es geht doch. Kein Stress, alles ganz lus­tig und entspannend.
Das war mal wie­der nötig. Reicht aber auch wie­der für heute.

:)

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Und die­se Bie­ne, die ich meine …

... nennt sich Maja!Schön, dass alles beim Alten bleibt: Die Delin­quen­ten reden immer noch kon­se­quent den glei­chen Käse, nie­mand hat so recht ver­lo­ren, man ver­gleicht sich bezüg­lich der neben­bei auch noch statt­ge­fun­de­nen Land­tags­wah­len gar mit der DVU, die „nur noch“ ein Pro­zent erreicht, was, wie auch alles ande­re, ein „gro­ßer Sieg“ ist, für wen auch immer.

Clau­dia Roth, deren Par­tei nun nicht gera­de erfolg­reich war, freu­te sich mit ihrem schril­len Tim­bre dar­über, dass sie „deut­lich zuge­legt“ hat; ande­re fan­gen an zu rau­chen, um genau das zu ver­hin­dern. Die SPD hat der­weil her­aus­ge­fun­den, dass sie die „Kri­se“ unbe­dingt abwen­den muss und „auch wei­ter­hin“ hart dafür arbei­ten wird. Nach einem Jahr hat sie immer­hin bemerkt, dass die­se „Kri­se“ ent­ge­gen eige­ner Pro­gno­sen doch exis­tiert. Gratuliere!

Das bis­her schöns­te Wort des Tages ist, nach all dem Jamaika‑, Ampel- und sons­ti­gem Koali­ti­ons­quatsch, übri­gens Bie­ne-Maja-Koali­ti­on. Schwarz-Gelb und das alles, mit den lus­ti­gen grü­nen Gras­hüp­fern in der Oppo­si­ti­on. Es ist ein Spaß.

(Und was die viel geschol­te­ne Pira­ten­par­tei angeht: „Zwei bis drei“ Pro­zent, die den Fal­schen ande­ren Par­tei­en jetzt jeden­falls feh­len. Ich bin gespannt, wie vie­le im letz­ten Moment noch schnell „beken­nen­de Pira­ten“ jetzt noch hin­ter den Zie­len der Par­tei ste­hen und wie vie­le sich als blo­ße Agi­ta­to­ren her­aus­stel­len. Soll­ten letz­te­re nun die Lust ver­lie­ren, kann es der Pira­ten­par­tei nur zugutekommen.)

Still­stand ist der Tod, geh‘ vor­an, bleibt alles anders.

(Her­bert Grönemeyer)

Und jetzt, bit­te, wie­der zur Tages­ord­nung über­ge­hen. Dan­ke vielmals.


Nach­trag von einem Tag später:
Gut gemacht, die Tages­ord­nung ist wie­der­her­ge­stellt. Die Musik­in­dus­trie schickt ihre Ver­tre­ter wie­der das Inter­net durch­fors­ten, um das Geld wie­der rein­zu­ho­len, das sie durch die Unfä­hig­keit, Trends zu erken­nen, ver­lo­ren hat. Ich krie­ge das kal­te Grau­sen von dem Verein.

KaufbefehleMusikkritik
Kauf­be­fehl zur Wahl: Gos­sip – Hea­vy Cross

Im Radio, so wur­de mir heu­te zuge­tra­gen, läuft die ers­te Sin­gle „Hea­vy Cross“ der Post­punk­band Gos­sip der­zeit unge­fähr täg­lich. Weni­ger auf­dring­lich als Stan­ding in the way of con­trol, durch das ich im Jahr 2006 erst­mals auf das Trio auf­merk­sam wur­de, dafür mit einer Por­ti­on Tanz­rhyth­mus ver­se­hen treibt das Stück kraft­voll vor­an, gekrönt mit der ener­gie­ge­la­de­nen Stim­me von Front­frau Beth Ditto.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Wha­te­ver you want, the choice is yours,
So choose.

I che­cked you, if it’s alre­a­dy been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to pro­ve it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Sin­gle, sie ist es wert!

SonstigesKaufbefehle
Frisch­luft tanken

Wie­der mal ein unpo­li­ti­scher Kur­zer für zwischendrin:
Es gibt kei­ne Form des Unwohl­seins, die ein paar Minu­ten an der fri­schen Luft und ein zeit­glei­cher Blick in einen gemäch­lich vor sich hin­flie­ßen­den Bach nicht kurie­ren könnten.

Unbe­dingt empfehlenswert.

(Auch emp­feh­lens­wert: Ein neu­es Buch von Max Goldt. Unter ande­rem mit Geschich­ten über schril­le Fried­hö­fe. Genau rich­tig für das stil­le Sit­zen an der fri­schen Luft.)

Tief durch­at­men, bis später.

PolitikNetzfundstücke
Steu­ern für alle!

Doch noch mal apro­pos Wahlen:
Die gan­ze Absur­di­tät der ver­brei­te­ten Mode, mög­lichst schwam­mi­ge Ver­spre­chen mög­lichst grif­fig zu for­mu­lie­ren, zeigt Die Lin­ke ein­drucks­voll auf. Damit dürf­te klar sein, was von ihr zu hal­ten ist, wenn sie schon vor der Wahl nicht so recht weiß, was sie eigent­lich ver­spre­chen soll.

Steuern für alle!

Scha­de eigentlich.


(Apro­pos „dum­me Pla­katideen“: Wie lam­mert man eigent­lich? Und ist das gut oder schlecht? Und war­um? Und überhaupt.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Pira­ten­schiff im Kreuzfeuer

Ich sehe mich bei all dem dum­men Zeug, das man in den Medi­en der­zeit schon wie­der über die Pira­ten lesen muss, außer Stan­de, von einem wei­te­ren Ein­trag der Kate­go­rie „Poli­tik“ hier abzu­se­hen, und ich möch­te ihn nut­zen, um zwei aktu­ell dis­ku­tier­ten Bestand­tei­len die­ses dum­men Zeugs ener­gisch zu wider­spre­chen, weil’s ja sonst mal wie­der kei­ner macht:

1. Die Pira­ten sind kei­ne „Män­ner­par­tei“!

Blog­ge­rin dani­lo­la, „im Her­zen Pira­tin“, ver­wei­gert der Pira­ten­par­tei der­zeit unter ande­rem ihre Stim­me, weil es sich um eine „Män­ner­par­tei“ hand­le, die sich pri­mär mit Män­ner­the­men beschäf­ti­ge und „nur“ männ­li­che Kan­di­da­ten aufstelle.

Zunächst zu zwei­te­rem Punkt: Hier irrt dani­lo­la, in eini­gen Wahl­krei­sen ste­hen die weib­li­chen Pira­ten sogar auf Platz 1. Dass nur weni­ge Frau­en über­haupt Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei sind und also über­haupt für Lis­ten­plät­ze in Fra­ge kom­men, hat, so ist zu ver­mu­ten, weni­ger damit zu tun, dass die Pira­ten­par­tei eine „Män­ner­par­tei“ wäre, als damit, dass den zen­tra­len The­men Inter­net und Daten­schutz gemein­hin das Eti­kett des „eli­tä­ren Nerd­wis­sens“ anhaf­tet, womit sich, sta­tis­tisch gese­hen, eher Män­ner als Frau­en identifizieren.

Hat sich bis­lang eigent­lich schon jemand dar­über beschwert, dass das Amt des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­ters seit 24 Jah­ren nur mit Frau­en besetzt wird? Mir wäre dies nicht bekannt. Fami­li­en­po­li­tik ist Frau­en­sa­che, und das ist voll­kom­men in Ordnung.

Ich füh­le mich dadurch übri­gens nicht im Gerings­ten dis­kri­mi­niert und käme auch nie auf die Idee, die Regie­rung des­halb des Sexis­mus‘ zu bezich­ti­gen. Von dem Pro­zent­satz der männ­li­chen Kin­der­gärt­ner (unge­fähr drei Pro­zent, las ich kürz­lich irgend­wo) mal ganz zu schweigen.

2. Die Pira­ten sind kei­ne Sym­pa­thi­san­ten irgend­wel­cher radi­ka­len Strömungen!

Der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Pira­ten­par­tei, Andre­as Popp, hat der rechts­kon­ser­va­ti­ven Zeit­schrift „Jun­ge Frei­heit“ einen Arti­kel beschert, wie vor ihm unter ande­rem übri­gens auch Ephra­im Kishon, dem ja nun wahr­lich wohl kaum jemand anti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen vor­wer­fen wür­de. Dass er sich und sei­ner Par­tei mit die­sem Inter­view auch kos­ten­lo­se Wer­bung in aus­ge­rech­net und iro­ni­scher­wei­se einem „feind­li­chen“ Blatt ver­schafft hat, wird kon­se­quent nicht beach­tet, und was er in die­sem Inter­view sag­te, ist auch nicht von Inter­es­se; nein, die Vor­ei­li­gen und die Schrei­häl­se, die es ver­mut­lich noch nicht ein­mal gele­sen haben, dre­hen sich ihre eige­ne Wirk­lich­keit zurecht, radi­ka­li­sie­ren das Mas­sen­den­ken mit „unwähl­bar“-Gekreisch und hal­ten auch sonst nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Situa­ti­on zu machen. Cui bono?

Eine Wei­le zuvor hat­te ein deut­scher Poli­ti­ker sei­nen Rück­zug von der Platt­form abge­ord­ne­ten­watch ange­kün­digt, weil dort auch Ver­tre­ter der NPD zur Spra­che kom­men. Dass so ein Ver­hal­ten gera­de für einen Bun­des­tags­kan­di­da­ten höchst unde­mo­kra­tisch ist, hat unter ande­rem die Pira­ten­par­tei bemän­gelt; ein „undenk­ba­rer“ Vor­gang, in den prompt NPD-Nähe hin­ein­in­ter­pre­tiert wurde.

Wäre die Kri­tik von ande­ren Par­tei­en gekom­men, hät­te man ver­mut­lich statt­des­sen applaudiert.

Die Pira­ten­par­tei ist eine Par­tei, die sich nicht auf die Fah­ne geschrie­ben hat, sich von irgend­ei­ner poli­ti­schen „Sei­te“ ein­span­nen zu las­sen. Sie ist weder links noch rechts, sie macht Poli­tik für die Gesell­schaft und nicht für irgend­wel­che radi­ka­len Kräf­te. Natür­lich hat jede Par­tei Mit­glie­der, deren Welt­an­schau­ung bis­wei­len kru­de erscheint. Die F.D.P. hat­te unter ande­rem Jür­gen W. Möl­le­mann, den­noch wür­de sie nie­mand mehr in rechts­extre­me Ecken stel­len wol­len. Die Pira­ten­par­tei hat­te Bodo Thie­sen und zehrt noch heu­te von des­sen For­mu­lie­run­gen, obwohl ihre übri­gen Mit­glie­der sich aus­drück­lich von Thie­sens Aus­sa­gen distan­ziert und ihm den Aus­tritt nahe gelegt haben. Das ver­ste­he, wer will.

Radi­ka­les Den­ken gibt es in jeder Par­tei. Inter­es­sant ist offen­bar nicht die­ses radi­ka­le Den­ken an sich, son­dern in wel­cher Par­tei der­je­ni­ge ist, der es äußert. Natür­lich ist es kurz vor der nächs­ten Wahl attrak­tiv für die Anhän­ger der eta­blier­ten Par­tei­en, den Split­ter im Auge der unlieb­sa­men Kon­kur­renz zu ent­de­cken. Nur das mit dem Bal­ken im eige­nen Auge hat sich noch nicht über­all herumgesprochen.

Nein, die Pira­ten­par­tei ist sicher nicht „unwähl­bar“. Sie stellt immens wich­ti­ge For­de­run­gen und steht für eine Poli­tik, die näher an der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät ist als alle miss­lun­ge­nen „Refor­men“ der letz­ten zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden. Nie­mand erwar­tet, dass sie ihre Zie­le qua­si über Nacht durch­setzt oder gar in abseh­ba­rer Zeit einen Teil der Regie­rung stellt. Aber sie hat es ver­dient, die not­wen­di­gen 5 Pro­zent der Stim­men zu bekom­men; genug, um sich in Bun­des­tags­de­bat­ten ein­zu­brin­gen, Anträ­ge zu stel­len und sich somit an der poli­ti­schen Bil­dung in die­sem Land aktiv zu beteiligen.

Ich schlie­ße mich dem Kom­men­tar von „tani­ne“ in Andre­as Popps Web­log an:

Ich wäh­le eine Par­tei auf­grund ihres Inhalts, nicht auf­grund medi­en­po­pu­lis­ti­scher Vorwürfe.

Geht wäh­len!
Es lohnt sich.


(Das war jetzt eigent­lich schon wie­der viel zu viel Text. Ent­schul­digt bitte.)