PolitikIn den Nachrichten
Kalter Krieg, reloaded.

Ganz schön was los draußen: Momen­tan ste­hen und liegen Putins Stuhl, Raketen, (immer­hin) ein ver­i­ta­bler Auf­schwung, die Fed-Sitzung, eine Hunger­snot, rus­sis­ches Gas, der homo­phobe Russe und natür­lich jed­er andere Russe auch vor der Tür. Klin­geln möcht­en sie alle nicht.

Let­ztes Mal, als der Russe vor der Tür stand, war Rus­s­land noch ein Teil der Sow­je­tu­nion; Deutsch­land als Puffer zwis­chen West- und Ost­mächt­en, die gele­gentlich auch mal im eige­nen Land (zum Beispiel mit­ten in Berlin) patrouil­lierten, hätte bei tat­säch­lichem Kriegsaus­bruch ein großes Prob­lem gehabt, obwohl klar war, wer der Feind war: “Der Russe” (im West­en) und “der West­en” (im Osten). Nun hat “der Russe” am 15. März 1991, dem Tag des Inkraft­tretens des Zwei-plus-Vier-Ver­trags, darauf verzichtet, für Deutsch­land eine poten­zielle Bedro­hung darstellen zu wollen, was die Wahrnehmung natür­lich ver­schoben hat (und die Annex­ion der DDR durch den West­en, der nur wenige Jahre zuvor — “Oper­a­tion Urgent Fury” — schon ein­mal ver­sucht hat­te, einen Staat wider­rechtlich zu “befreien”, dann eben auch wie eine Erlö­sung ausse­hen ließ).

Ein paar Jahre Abstand schär­fen das Feind­bild: Die alleinige Schuld trägt der Russe, das hat Tra­di­tion; der Russe will mehr Macht und hat sie mit seinem Erdgas jeden­falls über uns, wom­it wir ihm, dem “Iwan” (“WELT am SONNTAG”, 4. August 2013), so hil­f­los aus­geliefert sind wie die Ukraine, deren demokratisch gewählter schlimme Präsi­dent erst unter unserem Beifall ver­trieben wurde und jet­zt zu unserem Entset­zen durch einen demokratisch gewählten noch schlim­meren Präsi­den­ten erset­zt wer­den soll. Demokratisch gewählter schreck­lich­er Präsi­dent Oba­ma, übernehmen Sie! — Aber die Kon­trolle mag man in den USA schon längst nicht mehr haben, als Führer eignet sich tra­di­tionell ein aus einem von Deutsch­land über­nomme­nen Land stam­mender Poli­tik­er bess­er: “USA geben Führungsrolle in Krim-Krise an Merkel ab” (SPIEGEL ONLINE) bzw. “Angela Merkel ist die wichtig­ste Anführerin in Europa” (eben­falls), weil sich CDU/CSU eben ausken­nen mit dem Willen des Volkes, wenn’s schon nicht das eigene ist.

So hat’s der Russe halt auch ver­di­ent, dass man seinem Wun­sch, die bis­lang unab­hängige Repub­lik Krim, deren Bewohn­er zu einem Großteil ohne­hin Russen sind, rus­sisch sprechen und die mit der Ukraine auch son­st nur wenig verbindet (was ich allerd­ings ver­ste­hen kann), auch offiziell unter die eige­nen Fit­tiche zu nehmen, mit Kriegsan­dro­hun­gen begeg­net: Merkel lehnt schär­fere Sank­tio­nen gegen Rus­s­land ab(, aber) US-Präsi­dent Oba­ma (…) fordert von den Europäern höhere Mil­itäraus­gaben, denn so als US-Amerikan­er hat man’s nicht so mit Diplo­matie. Wahrschein­lich lässt Oba­ma auch zu laut brum­mende Fliegen im Schlafz­im­mer mil­itärisch beseit­i­gen.

Jeden­falls: Rus­s­land will die rus­sis­chen Ein­wohn­er der Krim befreien, nicht unter­drück­en (cf. Ste­fan Gärt­ner, “Gegen Ruß­land”, in: “Titan­ic”, April 2014), und während Grena­da, Koso­vo, Afghanistan und (wird beliebig fort­ge­set­zt) wenig­stens anständig mit ordentlich Gemet­zel vom untrag­baren Zus­tand, nicht beset­zt zu sein, befre­it wur­den, fragt Rus­s­land ein­fach das Volk, das über­wiegend über­raschen­der­weise (wie bere­its 1992, 1994, davor und danach) lieber unab­hängig oder rus­sisch als weit­er­hin zwang­sukrainisch sein möchte; ille­gal und undemokratisch wie son­st nur Volksab­stim­mungen in der Schweiz, ver­ste­ht sich. Ein demokratis­ch­er Staat­spräsi­dent fragt nicht, was das poten­ziell böswillige, gar “kom­mu­nis­tis­che” (Lyn­don B. John­son) Volk gern hätte, das ihn wohl kaum gewählt hätte, wären sie mit ihm nicht ein­ver­standen. (Weshalb im Übri­gen Chris­t­ian Wulff, vorüberge­hend Ober­haupt ein­er beina­he lupen­reinen Demokratie, auch so beliebt war; bis er halt irgend­wo ein­ge­laden wurde. Das kann so ein unge­sel­liger Deutsch­er nicht lei­den.)

Eigentlich ist ja doch schon alles wie früher, nur, dass der Russe nicht mehr mit Panz­ern in bom­bardierten deutschen Großstädten rum­ste­ht, son­dern in einem fer­nen Land eine Umfrage durchge­führt hat. Man würd’ ihn schon gern dafür bestrafen, aber die Dro­hung, ihm für den Win­ter ein­fach keine Wärme mehr abzukaufen, überzeugt nur wenig: Rus­sis­ches Erdgas ist “prak­tisch” alter­na­tiv­los, wie prak­tisch. Jet­zt ste­ht der Russe nicht mehr nur vor der Tür, er zwingt uns außer­dem dazu, ihn seine Liefer­verträge ein­hal­ten zu lassen. Putin, der Wirtschafts­dik­ta­tor.

Und dies­mal kann uns nicht mal der Rea­gan helfen.


Und dann war da noch der Vere­in Cam­pact, der sich für Ange­botsvielfalt im Inter­net jen­seits der großen Konz­erne ein­set­zt und dafür einen Appell for­muliert und darum gebeten hat, ihn zahlre­ich weit­erzu­ver­bre­it­en. Bevorzugt über die Dien­ste großer Konz­erne, ver­ste­ht sich:

Campact

Wer for­muliert nun eigentlich einen Appell an Cam­pact?

Spaß mit Spam
Mitteilung der gesendeten Nachricht

Oh, “Face­book” (mit Anführungsze­ichen) schreibt mir, sog­ar mal von ein­er “echt­en” Face­book-Mailadresse und mit echt­en Face­book­links in der Mail. Ich habe, behauptet “Face­book”, ein Foto erhal­ten:

Prüfen Sie das angebrachte File

“Face­book” testet augen­schein­lich einen neuen Über­set­zungs­di­enst.

Der Mail “ange­bracht” — also beige­fügt — ist eine eher unange­brachte .rar-Datei mit enthal­tener .scr-Datei, also ein­er aus­führbaren Datei für Win­dows-Sys­teme. Ich habe bis auf Weit­eres davon abge­se­hen, sie auszuführen. Der Ver­weis für all diejeni­gen, die Mailan­hän­gen von “Face­book” nicht trauen, führt übri­gens auf offen­bar die gle­iche .rar-Datei auf Dropbox.com, denn “Face­book” kann sich keinen eige­nen Serv­er leis­ten.

Auf Dropbox.com wird die Datei aber wenig­stens schön bunt angezeigt:

Dropbox

Solche Bild­schirm­schon­er mag ich. Gern mehr davon.


Wer ist eigentlich ger­ade die übel­ste Dik­tatur, die euch in den Sinn kommt? Rus­s­land? Weit gefehlt! Wladimir Putin ist bekan­ntlich ein lupen­rein­er Demokrat und lässt auch die rus­sis­chen Zeitun­gen zu einem beachtlichen Teil ein­fach ihre Arbeit machen. Deutsch­land? Bescheuert, aber keine Dik­tatur. Nein: Großbri­tan­nien natür­lich.

NetzfundstückeNerdkrams
Die Freiheit, Böses zu tun

Erin­nert sich noch jemand an Hans-Peter Uhl? Hans-Peter Uhl hat­te 2013 für De-Mail gewor­ben. De-Mail war das hier:

Sie kön­nen mit De-Mail Ihre Nachricht­en und Doku­mente, die Sie auf­grund ver­traulichen und rechtsverbindlichen Inhalts bish­er per Brief­post versendet und emp­fan­gen haben (zum Beispiel Verträge und Beschei­de), nun auch auf elek­tro­n­is­chem Weg rechtssich­er und nach­weis­bar versenden und emp­fan­gen.

De-Mail, der feuchte Traum jedes Ver­fechters des “papier­losen Büros”, hat sich bis heute so wenig durchge­set­zt, dass offen­bar viele Leute fra­gen, wie man diesen Daten­bal­last wieder loswird. Tja, ganz ein­fach auf dem rechtssicheren Weg:

Um Ihren De-Mail-Ver­trag zu been­den, senden Sie uns bitte eine unter­schriebene Kündi­gung per Brief oder Fax zu[.]

:-?

(Nach­trag: Rechtliche Hin­ter­gründe beleuchtet Didi in den Kom­mentaren hier unten­drunter.)


Und dann war da noch die Free Soft­ware Foun­da­tion, die über Frei­heit und Unfrei­heit von Soft­ware­lizen­zen wacht. Heutzu­tage hat anscheinend beina­he jedes Pro­gramm eine bes­timmte Lizenz, an die die Benutzer gebun­den sind. Und wie wenig es braucht, um eine Lizenz “unfrei” zu machen!

The JSON License: (…) This license uses the Expat license as a base, but adds a clause man­dat­ing: “The Soft­ware shall be used for Good, not Evil.” This is a restric­tion on usage and thus con­flicts with free­dom 0.

Nutzern freier Soft­ware muss es erlaubt bleiben, Bös­es mit der Soft­ware zu tun. (Außer gegen die Lizenzbe­din­gun­gen zu ver­stoßen, ver­ste­ht sich; das ist selb­st der Free Soft­ware Foun­da­tion zu böse.)

Das Böse ist immer und über­all!
Erste All­ge­meine Verun­sicherung: Ba-Ba-Banküber­fall

(via @horse_mans)

In den Nachrichten
Wahrt Christi Totenruhe!

Papst Franz gibt den Aufk­lär­er:

Papst Franziskus (sic! A.d.V.) hat vor Wertev­er­fall und Qual­itätsver­lust in den Medi­en gewarnt. Desin­for­ma­tion, Ver­leum­dung und Ruf­mord seien ihre «drei größten Sün­den», sagte er am Sam­stag im Vatikan vor katholis­chen Medi­en­vertretern aus Ital­ien. Die größte Gefahr gehe hier­bei von der Desin­for­ma­tion aus.

Das Ober­haupt ein­er Glaubens­ge­mein­schaft, die Homo­sex­u­al­ität verurteilt, über 350 Jahre brauchte, um die Sonne als Zen­trum zu akzep­tieren, und auch son­st all­ge­mein keine nen­nenswerten Ein­wände hegt, wenn ein­er der Ihren einen “Sün­der” ver­leumdet (wobei der Vor­wurf der Pädophilie seit­ens katholis­ch­er Wür­den­träger ein recht amüsan­ter ist), beschw­ert sich über “Desin­for­ma­tion, Ver­leum­dung und Ruf­mord” in “den Medi­en”. Das ist ja, als wenn ein Face­book-Ver­ant­wortlich­er die Wahrung der Pri­vat­sphäre… schon gut.

Aber so ein Papst belässt es nicht bei einem Jux, es muss schon ein Dop­peljux sein:

In dem vom Vatikan veröf­fentlicht­en schriftlichen Text beklagte Papst eine sen­sa­tion­slüsterne und entwürdi­gende Berichter­stat­tung. (…) Katholis­che Medi­en müssten dieser Ten­denz durch eine ethisch ver­ant­wortete Berichter­stat­tung ent­ge­gen­wirken. In ihren Sendun­gen müsse deut­lich wer­den, dass men­schliche Schick­sale nicht instru­men­tal­isiert wür­den.

Genau! Men­schliche Schick­sale (zum Beispiel Folter bis hin zur Kreuzi­gung) soll­ten nicht instru­men­tal­isiert wer­den, zum Beispiel für Pil­ger­fahrten oder gar Reli­gion­s­grün­dun­gen. Das wäre doch unmen­schlich, nicht?

Die ethis­che Ver­ant­wor­tung wird allerd­ings wohl vergebens warten müssen.

(via Elias Schw­erdt­feger)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
SH.TG.N — Black Beetle

Die NSA-Sache ist vom Tisch: Ex-NSA-Chef entschuldigt sich bei Deutschen. Was für Unmen­schen müssen wir sein, um ihm nun nicht endlich zu verzei­hen? (Müssen wir ja auch nicht, so ein echter Ex-NSA-Chef bit­tet nicht um Entschuldigung, er entschuldigt sich ganz ein­fach selb­st.)

Ver­rückt, alle­samt.

Apro­pos ver­rückt:

SH.TG.N — 08. Black Bee­tle (Live @ St-Jacobs, Gentse Feesten 2011)

Guten Mor­gen!

(mit Dank an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Combat Astronomy — Kundalini Apocalypse

Combat Astronomy - Kundanini ApocalypseNach so viel schlim­mer Poli­tik wird es Zeit, sich wieder auf die ätherische Kraft Kun­dali­ni im Kör­p­er zu konzen­tri­eren, um vom Zus­tand der völ­li­gen Bestürzung in den der absoluten Glück­seligkeit überzuge­hen. Dabei hil­ft bekan­ntlich Musik.

James Huggetts Musikpro­jekt Com­bat Astron­o­my (“bekämpfe Astronomie!”) macht eben­solche. 2013 erschien mit “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse” das sech­ste Stu­dioal­bum von Com­bat Astron­o­my, die momen­tan als Duo aktive “Band” wird hier unter Anderem von Elaine di Fal­co, seit 2008 Sän­gerin von Think­ing Plague (von mir bere­its 2012 aus­führlich gewürdigt), unter­stützt. Was gibt’s zu hören?

Vor allem Bass:

James Huggetts mächtiger Bass dominiert diese Musik so deut­lich, dass man erst ein­mal wenig von dem mit­bekommt, was hier son­st noch passiert.

Dabei ist das so manch­es. Nehmen wir als Beispiel Stück 2, “Path Find­ers”: Vere­inzelt erklingt ein schräges Sax­ophon über einem anhal­tenden Chort­ep­pich, plöt­zlich zerreißt’s die Stille: Bass, Schlagzeug, Gitarre, dazu weit­er­hin das gele­gentliche Sax­ophon. Frau di Fal­co steuert Gesang bei, der gar keinen Text hat. Ver­rückt. Zwis­chen­durch aller­lei Elek­tron­ik, Key­board­gek­limper, schon wieder der Chor. Bratz, bratz-bratz. Freifor­m­jazz auf Met­alun­ter­grund. Abrupt endet jeden­falls let­zter­er, während erster­er anhält. Keine Sorge, das Pfeifen seid nicht ihr, das ist Teil des Stücks. Assozi­a­tion: broken.heart.collector (ohne die Holzin­stru­mente).

So ähn­lich funk­tion­iert die kom­plette “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse”. Zwar scheint mein Chakra nach dem Hören noch immer unverän­dert zu sein, aber schön war’s halt doch. Hope­ful­ly some of you wind up check­ing this thing out and find out about a cool band though, if you’re inter­est­ed in jazz and met­al fusions. Das klingt nach mir.

Außer bei Ama­zon gibt’s “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse” übri­gens auch via Band­camp zum Kauf, an let­zterem Ort auch als Kom­plettstream. Kost’ ja nichts.


An dieser Stelle übri­gens meinen verbindlich­sten Dank an den Fem­i­nis­mus, der mich nun endlich dazu bewegt hat, dem CCC beizutreten.

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Hooliganpiraten und Ausländergold

Gut: Es spricht sich langsam herum, dass “die Pirat­en” keinen Rich­tungsstre­it aus­fecht­en.

Die Auseinan­der­set­zung in der Piraten­partei find­et nicht zwis­chen “links” und “rechts” statt, son­dern zwis­chen laut­en, poli­tis­chen Hooli­gans und Leuten, die eine Poli­tik jen­seits der vorhan­de­nen Denksch­ablo­nen machen wollen.

Schlecht: Die Kar­ri­eris­ten in der Partei gehen trotz­dem nicht weg. Vielle­icht haben sie den Text nicht gele­sen.

(Bonus­pointe aus aktuellem Anlass: Wisst ihr übri­gens, mit wem einige Mit­glieder der Piraten­partei — ange­treten auch mit dem Anspruch, Lob­by­is­mus zu bekämpfen — mor­gen gemein­sam “für den Bürg­er” gegen Atom­en­ergie demon­stri­eren wollen? Richtig: Mit der Wind­wärts Energie GmbH. — Manch­mal glaube ich ja, die machen das mit Absicht.)


Wie schön:

Der EU-Gipfel hat Don­ner­stagabend das endgültige Aus für das Bankge­heim­nis für Aus­län­der beschlossen.

Endlich ist Schluss mit der lästi­gen Recht­sauf­fas­sung, das Ver­mö­gen von Aus­län­dern sei Pri­vat­sache. Die sind ja selb­st schuld, wenn sie ihr Gold leicht­fer­tig unserem Volk anver­trauen.

Das hat sich ja bewährt.

(…) man (…) nehme ihnen alle Barschaft und Klein­od an Sil­ber und Gold, und lege es bei­seite zum Ver­wahren.
Mar­tin Luther: Von den Juden und ihren Lügen

MusikIn den Nachrichten
“Anders! Nicht besser!”

Übri­gens, Johannes Strate (c/o “Revolver­held”),

die heuti­gen Gazetten informieren über Ihr Vater­glück, das Sie wie fol­gt bejubel­ten:

Revolver­held-Sänger Johannes Strate freut sich, dass sein ein­jähriger Sohn Emil Papas Stimme im Radio erken­nt. “Wenn er unsere Songs hört, dann guckt er schon genau hin und reagiert darauf anders, als wenn er andere Lieder im Radio hört.”

Ihr Thron­fol­ger, Herr Strate, ist somit bere­its kein kleines Kind mehr, son­dern hat seine Tauglichkeit zu einem voll­w­er­ti­gen Mit­glied ein­er denk­enden Gesellschaft unter Beweis gestellt; denn wir alle, die wir uns für zu denken imstande wäh­nen, reagieren anders, wenn wir Ihren ewigen Teenag­er-Empörungspop ertra­gen müssen, als zum Beispiel auf gute Musik, etwa so:

Sie soll­ten eigentlich viel öfter Ihre Musik hören.

Bitte meld’ dich nicht,
mach’ dich nicht lächer­lich!
Revolver­held: An dich

(Das war jet­zt etwas unsach­lich.)

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 9)

“We can’t afford the time to sit and cry or to won­der why.
We’ve got so many things start­ed to say, we have to get through.”
– Tin­der­sticks: Rent­ed Rooms


… Sie waren zu weit gegan­gen.

Es spielte keine Rolle mehr, wer sie waren oder was sie einan­der bedeuteten. Es hat­te sich viel getan, seit sie damals in den Wirren der neuen Zeit aufeinan­der­trafen, fest ver­wurzelt in ihrem eige­nen Geflecht, das sie niemals aufgegeben hät­ten.

Die Zeit aber blieb nicht ste­hen. Während ihr Wurzel­w­erk sich immer fein­er ver­flocht, löste er sich aus seinen Ket­ten und schwebte davon, ob er wollte oder nicht; und manch­mal blieb er auf seinem Flug hän­gen an den auf­steigen­den Bal­lons, verf­ing sich in den Lia­nen sein­er Unzulänglichkeit. Sie hat­te ihn durch die Wirren begleit­et, nie als sein Schat­ten, jedoch, wenn er wie so oft strauchelte, als jemand, der ihm das Mess­er lieh, das ihn befre­ite. Trotz allem, was sie tren­nte: Nie hätte er das mis­sen wollen.

Eine unacht­same Berührung war es, die ihn aus seinen Tagträu­men hochschreck­en ließ, ver­sunken im Gedanken an eine Zeit ohne Sor­gen, an den let­zten Tag, an dem er glück­lich gewe­sen war, an dem Ort, an dem er sich lebendig fühlte. Ob es der selt­sam ver­traute Ort war, der Alko­hol oder die Melan­cholie, die ihn vom Hor­i­zont aus umwe­hte? Er wusste es nicht und er weigerte sich, darüber nachzu­denken.

Er musste fliehen.

Als sie darüber sprachen, schien es ihm noch unwirk­lich­er als je zuvor. War sie immer noch die, die er zu ken­nen glaubte? Je mehr er über sie erfuhr, desto unsicher­er wurde er. Bis dahin war es wie selb­stver­ständlich erschienen, ihr zu begeg­nen. Je öfter sie sich for­t­an begeg­neten, desto ver­rück­ter wurde es für sie, die gebotene Dis­tanz zu wahren, da ein Schritt zurück täglich schw­er­er erschien und ein Schritt nach vorn immer auch ein Schritt näher zur Zer­störung gewe­sen wäre. Sie woll­ten einan­der nicht ver­let­zen und scheit­erten an sich selb­st.

Nun, da sie einan­der atem­los gegenüber saßen, berauscht voneinan­der und doch betrübt von der Gewis­sheit, dass sie einan­der zum Greifen nah, aber let­ztlich unerr­e­ich­bar waren, sann er sich zurück an den Ort, an dem er sich gebor­gen fühlte. “Was”, dachte er, “ist Liebe eigentlich?”, während er in ihren Armen lag und wusste, dass nichts mehr von dem, was er jet­zt sagen oder tun würde, von Bedeu­tung sein würde.

Der Mond schwieg, als die Erin­nerung seinen Sinn trübte. Wie schön sie doch war; wie schön es doch gewe­sen war. Er fühlte sich frei und war sich gewiss, dass diese Frei­heit ihren Trib­ut fordern würde. Er ahnte nicht, wie hoch der Preis sein würde. …


“We’re alone and I’m lis­ten­ing;
I’m lis­ten­ing so hard that it hurts.”
– Leonard Cohen: Amen

Nerdkrams
OpenBSD als schlanke Alternative auf betagten ThinkPads

Dass ich das Betrieb­ssys­tem FreeB­SD sehr schätze, ist für regelmäßige Leser mein­er Texte ja kein Geheim­nis mehr. Ein Blick über den Teller­rand bleibt den­noch erhel­lend.

Vor ein­er Weile erstand ich ein gün­stiges ThinkPad T60. Meine ander­swo kurz geschilderte Lei­dens­geschichte beim Ver­such, ver­schiedene BSDs darauf zu testen, möchte ich hier gar nicht en detail repro­duzieren, son­dern das Augen­merk auf eine ganz andere Frage lenken: Wie lässt sich ein “ural­ter” 32-Bit-Lap­top opti­mal nutzen?

‘OpenB­SD als schlanke Alter­na­tive auf betagten ThinkPads’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Entspannung, Dialog, Zusammenarbeit (2)

Der West­en so:

Nach dem Umsturz in Kiew (…) hat­ten rus­sis­che Sol­dat­en die Krim fak­tisch beset­zt und die moskautreue Region­al­regierung in Sim­fer­opol ein Ref­er­en­dum abhal­ten lassen: 96,8 Prozent sprachen sich dabei am ver­gan­genen Son­ntag für einen Anschluss an Rus­s­land aus.

Der West­en betra­chtet dieses Votum jedoch als völk­er­rechtswidrig und hat inzwis­chen eine Rei­he von Sank­tio­nen beschlossen.

Die grüne “taz” so:

Wagenknecht meint zum Beispiel fälschlicher­weise, der West­en habe kein Recht, die Ver­let­zung des Völk­er­rechts durch Rus­s­land zu kri­tisieren. Denn: Der West­en habe ja, von Irakkrieg bis Koso­vo, selb­st das Völk­er­recht ver­let­zt. In dieser Logik dür­fen sich kün­ftig nur noch San Mari­no und Liecht­en­stein auf das Völk­er­recht berufen. Das Völk­er­recht, das die Linkspartei gern wie eine Mon­stranz vor sich herträgt, ist dann nur noch ein Haufen Papi­er.

Aber… aber DAS VÖLKERRECHT!!1 :aufsmaul:

Spaß mit Spam
Kurzspam: “This is not spam!”

Unter dem Betr­e­ff “Sport­ing shirts” erre­ichte mich heute eine Mail, deren Absender mir sicher­lich lediglich Infor­ma­tio­nen zukom­men lassen wollte; Infor­ma­tio­nen, deren schiere Wichtigkeit eine Über­mit­tlung in Textform natür­lich von vorn­here­in lächer­lich erschienen ließ:

This is not spam

This mes­sage is not SPAM. The con­tent is infor­ma­tive.

Fühlt ihr euch auch so gut informiert wie ich?

Montagsmusik
Leonard Cohen — So Long, Marianne

(Und dieser Mon­tag schlägt ja immer auch in jed­er nur erden­klichen Härte zu, weil man dann eben doch zu viel investiert in das mit der Ein­samkeit oder ihre Über­win­dung, und während Rus­s­land sich die Krim ein­ver­leibt, sich aber partout weigert, auch Ost­deutsch­land mitzunehmen, und während in Berlin irgendwelche SEO-Arschlöch­er, die nie etwas Anständi­ges gel­ernt haben, völ­lig von der Erken­nt­nis über­rascht wer­den, dass Inter­net­nutzer sich gele­gentlich auch mal für den Inhalt ein­er Web­site und nicht nur für ihre Metatags inter­essieren, und während beina­he der halbe Bun­desvor­stand der Piraten­partei die schwe­lende Diskus­sion über den Umgang mit ide­ol­o­gisch verblende­ten Spin­nern nicht mehr aus­sitzen will und sich in den dor­ti­gen Kom­mentaren wohl jede nur denkbare Schreib­weise von “Rück­grat” find­et, fällt es mir schw­er, das alles in mehr als kurze Neben­sätze zu pressen, weil dann ja doch wieder alles über­lagert wird von der Schw­er­mut.)

Leonard Cohen Live on Ger­man TV, 1979 1 So Long Marianne2

(Kön­nen wir Berlin nicht ein­fach gegen die Schweiz ein­tauschen?)

Guten Mor­gen.

Piratenpartei
“… von MEINEN Gebühren!”

Erin­nert sich noch jemand an Anke Dom­scheit-Berg?

Anke Dom­scheit-Berg (Frau von Daniel Dom­scheit-Berg, dessen Umtriebe nor­maler­weise wesentlich inter­es­san­ter sein soll­ten) ist nicht nur gele­gentliche Kan­di­datin für alles Mögliche (momen­tan für die “Europal­iste”) in der Piraten­partei Deutsch­land, son­dern oben­drein Fem­i­nistin und Buchau­torin, die nicht nur ihr Blog (Vor­sicht: Ver­weis auf Anke Dom­scheit-Bergs Blog!), son­dern auch von der Basis — also unter anderem von mir — bezahlten web­space der Piraten­partei für Eigen­wer­bung nutzt (siehe zum Beispiel hier, hier und hier).

Und wie putzig sie die Vollbeschal­lung auf allen Kanälen zu begrün­den ver­sucht!

Das ist natür­lich Wer­bung in eigen­er Sache, aber hätte ich nicht gewollt, dass Men­schen mein Buch lesen, dann hätte ich auch keines geschrieben[.]

So weit die Rah­men­hand­lung.

Anke Dom­scheit-Berg ist oben­drein allerd­ings nicht nur Mitgliedsbeitrags‑, son­dern auch GEZ-Zahlerin (hat sie das Memo nicht gele­sen?), und als solche find­et sie es natür­lich total blöde, wenn andere Autoren, die sie nicht mag (zum Beispiel Thi­lo Sar­razin), von ihren Gebühren was sagen dür­fen:

Ich zahle GEZ, um ras­sis­mus u men­schen­feindlichkeit bei buchmesse eine plat­tform zu bieten?! WTF. @ard mess­e­s­tand: pic.twitter.com/2Ay3AjMhfb

Nun kann man von Thi­lo Sar­razin hal­ten, was man will (straf­bare Äußerun­gen hat er offen­bar bis­lang nicht getan), aber mir erschließt sich der direk­te Zusam­men­hang nicht. Darauf ist Anke Dom­scheit-Berg später noch ein­mal einge­gan­gen: Es wider­spreche dem Bil­dungsauf­trag, “finanziert von öffentlichen Geldern”, Her­rn Sar­razin eine Plat­tform zur Ver­mark­tung seines Buch­es zu bieten; es fordere auch nie­mand ein Ver­bot, ihn reden zu lassen, nur eben nicht wer­bend in der ARD.

Ich stimme ihr insofern zu, als öffentlich-rechtlich­er Rund­funk meines Eracht­ens nicht der Selb­st­darstel­lung Einzel­ner dienen sollte (obwohl ich mir noch nicht ganz sich­er bin, ob nicht schon das Abspie­len von Musik nicht mehr als bloße kom­merzielle Wer­bung für die jew­eili­gen Inter­pre­ten ist).

Anke Dom­scheit-Bergs Buch trägt übri­gens den Titel “Mauern ein­reißen!”. Das “Kul­turge­spräch” über die Über­win­dung von Mauern — Ende Jan­u­ar 2014 im SWR, einem Sender der ARD — hat­te damit sicher­lich nichts zu tun.


Nach­trag: Soeben erfahre ich, dass das, was ich oben “ihr Blog” nan­nte, trotz der Adresse ankedomscheitberg.de und des Impres­sums gar kein Teil ihrer Web­site ist, denn auf ihrer Web­site — anders als auf besagtem Blog — ste­he “nix von piraten­partei”. Da hat mich doch das Piraten­signet in der Adresszeile fast in die Irre geführt!

Nach­trag (2): Anke Dom­scheit-Berg ist wieder einge­fall­en, dass sie gar nicht Lan­des­geschäftsstelle heißt; ein eigenes Signet hat sie sich aber immer noch nicht zugelegt. P wie Panke.