PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik LXXXIX: Sigmars Verwandlung

Ich bin ja nicht nach­tra­gend; egal, wie wenig ich vom Tun eines Men­schen halte, so weiß ich es doch oft zu würdi­gen, wenn er uner­wartet Wahres äußert.

Annett Meiritz (“twit­tert frei­willig”) etwa, beru­flich SPD-fre­undliche Läster­tante beim SPIEGEL, hat heute nicht nur her­aus­ge­fun­den, dass Deutsch­land regiert wird, son­dern sog­ar, von wem:

Seit eini­gen Tagen ist Angela Merkel nun schon fort. Ihre Abwe­sen­heit fällt aber nicht son­der­lich auf. (…) Dass man von Merkels Pause kaum etwas mit­bekommt, mag an Sig­mar Gabriel (SPD) liegen.

Kein “Angela Merkel (CDU)” oder wenig­stens ein “Angela Merkel (59)”; das kann SPIEGEL ONLINE doch eigentlich bess­er. (Dabei wäre die poli­tis­che Kar­riere von Angela Merkel, deren linkslib­erale Partei “Demokratis­ch­er Auf­bruch” sich 1990 vor allem auf­grund mis­er­ablen Abschnei­dens — 0,9 Prozent — bei der Volk­skam­mer­wahl der CDU anschloss, vielle­icht tat­säch­lich einen genaueren Blick wert, aber die Ziel­gruppe von SPIEGEL ONLINE inter­essiert sich wahrschein­lich ein­fach nicht so für Poli­tik.) Das ist Annett Meiritz zumin­d­est bei Sig­mar Gabriel (SPD; “wird sein­er Chefin immer ähn­lich­er”, wie auch immer das nun ver­standen wer­den soll) wieder einge­fall­en.

Dass augen­schein­lich nie­mand mit­bekommt, dass Angela Merkel nicht da ist, kön­nte man jet­zt entwed­er als Steil­vor­lage nutzen oder ver­suchen, dies als Leis­tung Sig­mar Gabriels zu werten. (Würde es eigentlich auf­fall­en, wäre auch Annett Meiritz fort?) Wenn der nun aber sein­er “Chefin” “immer ähn­lich­er” wird, heißt das nicht auch, dass auch seine Abwe­sen­heit immer weniger Kon­se­quen­zen hat? — Schön wär’s ja.

Aber was will man von SPIEGEL ONLINE schon erwarten? Sprach­liche Qual­ität­skon­trolle jeden­falls nicht. Am Mon­tag etwa ließ ein mir bis dahin zu Recht unbekan­nter Felix Knoke dort sein Kon­ter­fei neben einen Artikel mit dieser Über­schrift set­zen:

Angriff in San Fran­cis­co: Frau reißt Jour­nal­ist Google Glass aus dem Gesicht

Aus­for­muliert lautet diese Über­schrift: Ein Jour­nal­ist — Nom­i­na­tiv — riss ein­er Frau — ver­mut­lich Dativ — eine mys­ter­iös mit diesem ver­schmolzene “Google Glass” nicht etwa von der Nase, son­dern aus dem Gesicht. Warum der Jour­nal­ist das tat, ste­ht lei­der nicht im Artikel, auch auf splat­ter-Bilder wurde lei­der verzichtet. Schade!

(mit Dank an L.!)

Netzfundstücke
Sendeschluss in Neuland

Der Zus­tand des “öffentlich-rechtlichen Inter­nets” kurz zusam­menge­fasst:

Aus­gewählte Beiträge der “Ort­szeit” gibt es mon­tags bis fre­itags zwis­chen 9 und 23 Uhr, sam­stags zwis­chen 9 und 17 Uhr sowie son­ntags zwis­chen 13 und 23 Uhr zum Herun­ter­laden[.]

Außer­halb der genan­nten Zeit­en hat die Down­load­abteilung, die die Dat­en auf den Rech­n­er der Besuch­er schiebt, Feier­abend. :irre:

Montagsmusik
Extrabreit und Hildegard Knef — Für mich soll’s rote Rosen regnen

Ich habe vor eini­gen Tagen erschüt­tert fest­gestellt, dass auf den Fernsehsendern, auf denen sich einst Rock­bands tum­melten, mit­tler­weile Schlager von Helene Fis­ch­er gespielt wer­den. Helene Fis­ch­er, das par­ty­girl; damit man nicht immer Rolf Zuck­ows­ki hören muss, nehme ich an.

Dem Trend zu mehr Schlager­musik ger­ade auch in der Jugend kann und will ich mich nicht ver­schließen. Aber dann doch bitte wenig­stens gute:

Extra­bre­it (+ Hilde Knef)-Für mich solls rote Rosen reg­nen

Guten Mor­gen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LXXXVIII: N24 fühlt sich beobachtet

Es ist neu, es ist böse:

Am Dien­stag kann man in den USA erst­mals Google Glass kaufen. Was erwartet die Tech­nik-Freaks: Ist es Spielzeug oder nüt­zlich­es Gerät? Wir ver­rat­en, was man über die Daten­brille wis­sen muss.

Tech­nik-Freaks wissen’s, dem Rest erklärt’s N24 (Mot­to unten auf der Web­site: “aktueller Qual­ität­sjour­nal­is­mus rund um die Uhr”), bekan­nt für seine Panzer­berichter­stat­tung im hau­seige­nen Fernsehsender. Das ist sehr nett, sicher­lich macht sich die jahre­lange Erfahrung in “Jour­nal­is­mus” irgend­wie bemerk­bar.

Oder doch nicht?

Mit Google Glass ist es nun möglich, ohne zusät­zliche Geräte und lediglich durch Sprach­s­teuerung in sekun­den­bruchteilen (sic!) Filme und Fotos zu pro­duzieren.

“Ohne zusät­zliche Geräte” außer der Google-Brille mit Sprach­s­teuerung; was ein Fortschritt gegenüber dem bish­eri­gen Zus­tand ist, als man Fotos noch umständlich “ohne zusät­zliche Geräte” (außer dem Smart­phone mit Sprach­s­teuerung) machen musste.

N24 inter­essiert an Google Glass jeden­falls zu Beginn beina­he nur die Foto- und Vide­o­funk­tion. Die sei zwar irre inno­v­a­tiv, aber gefährlich:

Durch Wi-Fi und über UMTS/LTE kön­nen die gemacht­en Auf­nah­men auch sofort ins Inter­net gestellt und mit den Fre­un­den geteilt wer­den. Ger­ade diese Funk­tion lässt Daten­schützer hell­hörig wer­den. Es beste­ht die Gefahr, dass Men­schen ohne Zus­tim­mung und Wis­sen fotografiert oder gefilmt wer­den. Ob die Kam­era von Google Glass aktiv ist, ist für Außen­ste­hende kaum ersichtlich.

So ist’s halt mit “Smart­phones” auch; wenn draußen die Jugend herum­ste­ht und sich einan­der die neuesten Katzen­videos und/oder Sex­chats zeigt, weiß ich als Pas­sant nicht, ob nicht einige der ver­meintlich nur Zeigen­den stattdessen ihre Umge­bung fil­men und/oder fotografieren. Aber so ein “Smart­phone” hält man in der Hand und trägt es nicht auf der Nase, weshalb es über den Ver­dacht, mit­tels sein­er Kam­era und/oder seines Mikro­fons als “Wanze” benutzt zu wer­den, natür­lich erhaben ist. Würde ja nie­mand tun.

Zudem ist es weit­er­hin fraglich, was Google mit den gespe­icherten Dat­en untern­immt. Sollte sich Google Glass wirk­lich so ver­bre­it­en, wie sich das Unternehmen es erwün­scht, wird Google Zugriff auf Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen erhal­ten.

Weit­er unten im Artikel schreibt der Autor, Google Glass biete derzeit “kaum Vorteile gegenüber einem Smart-Phone” (sic!), aber Nachteile scheint es auch kaum zu geben. Android-Smart­phones sam­meln ja auch “Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen” (wen­ngle­ich mich ja schon inter­essieren würde, in welch­er Ein­heit das gemessen wird; sei’s drum).

Vielle­icht ist das auch beim Ver­fassen des Artikels aufge­fall­en, so dass man Gefahr lief, nicht überzeu­gend genug vor dem Teufel­szeug zu war­nen. Na, ein Argu­ment zieht immer:

Prob­leme solle es bere­its mit ille­galen Auf­nah­men von Kinofil­men gegeben haben. Für Kino­be­treiber ist es nicht mehr zu erken­nen, ob Raubkopi­en erstellt wer­den.

Google Glass ist nur gut für Raubkopi­en, weil man damit Dinge fil­men kann! Ver­bi­eten!

Wenn der Autor hier nur etwas kon­se­quenter gewe­sen, hätte er den Gedanken weit­erge­spon­nen: Wer mit “aktivem” Google Glass sein Kind badet, fer­tigt damit außer­dem Kinder­pornografie an — und wer weiß, was Google dann damit macht!!1!elf

Zum Glück gibt es wackere Rit­ter, die etwas dage­gen unternehmen:

Dage­gen beste­ht bere­its eine große Gegen­be­we­gung, die befürchtet, dass ihre Pri­vat­sphäre gefährdet sei.

Und N24 mit­ten­drin.

PolitikIn den Nachrichten
“… dort aber soll er liegen bis zum Tage des jüngsten Gerichts.”

Die Bun­desregierung tut endlich was:

Nach wochen­lan­gen Diskus­sio­nen hat der Bun­destag am Don­ner­stag ohne Debat­te die Mit­glieder der Kom­mis­sion gewählt, die in den näch­sten zwei Jahren die Grund­la­gen für die Suche nach einem Atom­müll-End­lager fes­tle­gen sollen.

Auf­grund der Anforderun­gen, die das The­ma der “dauer­haften” Lagerung radioak­tiv­en Mate­ri­als stellt, gehören diesem “Experten­gremi­um” (taz), gar dieser “Expertenkom­mis­sion” (Tagesspiegel) nicht irgendwelche Laien an, son­dern Leute, die sich ausken­nen:

Ulrich Klee­mann (…)
• Hält den Salz­s­tock Gor­leben für geol­o­gisch ungeeignet, um dort Atom­müll zu lagern

Das tut zwar die Kassiererin bei Lidl wom­öglich auch, aber die ist eben keine Exper­tin und wurde daher nicht gefragt. Nein, nein, wenn schon End­lager­suche, dann nur mit Leuten, die wis­sen, wie man jahrhun­derte­lang brisantes Mate­r­i­al unter sicherem Ver­schluss hält:

Als Vertreter der gesellschaftlichen Grup­pen ste­hen zur Wahl: (…) Ralf Meis­ter (Evan­ge­lis­che Kirche in Deutsch­land), Pro­fes­sor Georg Mil­bradt (Kom­mis­sari­at der Deutschen Bis­chöfe), (…).

So weit, so logisch: Wer eignet sich als Experte für Gift­müll mehr als ein Vertreter ein­er dieser “christlichen” Sek­ten?

Und für das Mate­r­i­al find­et sich sich­er in irgen­deinem vatikanis­chen Giftschrank auch noch ein Plätzchen. :aufsmaul:

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: Alles Nazis außer Mutti!

Endlich erk­lärt uns mal jemand, warum die AfD eine recht­spop­ulis­tis­che Neon­azi­partei ist:

Es sei “Kern recht­spop­ulis­tis­ch­er Agi­ta­tion”, die unter­drück­ten Bedürfnisse der ein­fachen Men­schen anzus­prechen, sagt der Berlin­er Poli­tik­wis­senschaftler Hajo Funke auf “tagesschau.de”.

Und ein ernst zu nehmendes Presseerzeug­nis wie die “Huff­in­g­ton Post” fragt natür­lich auch nicht nach, wenn ein Experte was erzählt; dass näm­lich ein Ein­satz für die ein­fachen Men­schen, deren Bedürfnisse im Wirtschaft­slib­er­al­is­mus kaum Gehör find­en, schon nahe an der Gren­ze zur Volksver­het­zung ent­langschramme.

Die Piraten­partei fordert ein reformiertes Urhe­ber­recht? Recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion! Die Linke fordert Reichen­s­teuer und bezahlbare Woh­nun­gen? Recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion! Von den Nazi-Steuersenkun­gen (F.D.P.) und den erneuer­baren Nazi-Energien (Die Grü­nen) reden wir lieber gar nicht erst. Frei vom Ver­dacht, recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion zu betreiben, ist ver­mut­lich allein eine Partei, die die “Bedürfnisse der ein­fachen Men­schen” gar nicht weit­er zur Ken­nt­nis nimmt.

Wenn es so eine Partei doch nur gäbe! Das wäre ein Traum, nicht wahr?


Ach, falls ihr euch noch immer nicht sich­er seid, ob euch der Heart­bleed-Fehler, der ein Ausle­sen eur­er Pass­wörter im Klar­text — mit OpenB­SD wär’s nicht passiert — ermöglicht, bet­rifft, und “ja” euch nicht ein­deutig genug ist: Hier kön­nt ihr das über­prüfen.

Nerdkrams
${Pointierte Überschrift}

Ach, Fir­ma “HP”, ihr Vor­re­it­er der Dig­i­tal­isierung mit all euren klu­gen Bedienober­flächen, eurem zweifels­frei lobenswerten sup­port, eur­er jahrzehn­te­lan­gen Exper­tise in EDV-Belan­gen und so,

eine Frage hätte ich dann doch mal:

HP

Hä?


In weit­eren Nachricht­en: Nach jahre­langem Wer­be­trom­meln seit­ens der Medi­en ist das scheußliche Betrieb­ssys­tem Lin­ux auf Heiman­wen­der­sys­te­men jet­zt bei unglaublichen 1,49 Prozent Mark­tan­teil ange­langt. Das ist wohl dieser “Durch­bruch auf dem Desk­top”, von dem seit Jahren schwadroniert wird.

Piratenpartei
Soziallaberale Piraten

Bevorzugter Kon­sens im Zwist zwis­chen Hooli­gans und Nichthooli­gans in der Piraten­partei scheint momen­tan, dass “die Pirat­en” sozial­lib­er­al sind; um so größer war die übliche Empörung, als der Bun­desvor­sitzende Thorsten Wirth sich aus­drück­lich nicht “Sozial-Lib­er­al” nan­nte und das zu Recht mit der fehlen­den Def­i­n­i­tion begrün­dete. Was genau soll sozial­lib­er­al denn sein? Eine Dis­tanzierung von Linksradikalis­mus zumin­d­est, genau definiert ist’s halt nicht (und was genau also zum Beispiel die AfD oder die Tier­schutz­partei in dieser Hin­sicht von der Piraten­partei unter­schei­det, ist mir unklar).

Der bayrische Pirat Michael Ren­ner begeg­nete meinem Unver­ständ­nis mit dieser Erk­lärung:

@tux0r @insid­eX dass “sozial­lib­er­al” keinen Wikipedi­aein­trag hat zeigt wie wichtig es ist de.wikipedia.org/wiki/Soziallib… auf eigene Füsse zu stellen

Die “sozial­lib­erale Koali­tion” — kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen — war eine Koali­tion aus F.D.P. und SPD, also aus heutiger Sicht aus Hartz IV und Wirtschafts­förderung, aus Koso­vokrieg und “Gesund­heit­skarte”. Aber nein, es sei ja nicht alles schlecht gewe­sen:

@tux0r @insid­eX die Jahre der sozial­lib­eralen Koali­tion gehören mithin zu den besten. Kennst du bessere? Komm mir jet­zt nicht mit der SED!

“Sozial­lib­er­al ist gut, und wer das nicht so sieht, der ist halt Sozial­ist”. Mut­ti, die Russen sind da!

Nein, wenig­stens ein Teil der “sozial­lib­eralen Koali­tion” habe etwas bew­erk­stel­ligt, näm­lich Phrasendreschen und Niederknien:

@tux0r Brandt: Kniefall, 2. Bil­dungsweg, “mehr Demokratie wagen”, Strafrechts- und Strafvol­lzugsre­form uvm bpb.de/izpb/10109/soz…

Brandt also, der deutsche Kon­sen­skan­zler. Soll er Vor­bild für die Piraten­partei sein? Aber nein:

Pirat­en, die sich “sozial­lib­er­al” nen­nen wollen wed­er Brandt noch Scheel aus­graben. Sie wollen sowohl sozial als auch lib­er­al sein. #iLike

Der noch lebende Wal­ter Scheel freut sich wahrschein­lich darüber, dass Herr Ren­ner ihn nicht aus­graben möchte; Willy Brandts Han­deln erst als Beispiel für gelun­genen “Sozial­lib­er­al­is­mus” anzuführen und nur wenige Stun­den später darauf zu ver­weisen, dass er gar nichts mit der “pirati­gen” Def­i­n­i­tion von “sozial­lib­er­al” zu tun habe, ist aber zumin­d­est rhetorisch ungeschickt. Sozial­lib­er­al? Irgend­wie sozial, irgend­wie lib­er­al; wie eben auch beina­he jede andere Partei. “Sozial­lib­erale Pirat­en”: Wis­sen nicht, wo sie ste­hen, find­en aber wenig­stens kom­plizierte Worte dafür.

Ich bin übri­gens piratiger Pirat.

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Weltelite ohne Zukunft

Es war verdächtig still in der Regierung. Kein Stre­it, kein Pofal­la, nicht mal ein anständi­ger Dok­tor­tite­lentzug (ganz im Gegen­teil). Unsicher­heit dro­hte: Sollte die Leg­is­laturpe­ri­ode dieser Regierung, deren Oppo­si­tion jeden­falls vor allem mit Getöse auf­fällt und schon aus math­e­ma­tis­chen Grün­den son­st nicht viel zu opponieren ver­mag, wider Erwarten von Still­stand und Langeweile geprägt sein?

Aber nicht doch!

Im Koali­tion­sstre­it um die Rente mit 63 dro­ht die stel­lvertre­tende CDU-Vor­sitzende Julia Klöck­n­er der SPD mit einem Scheit­ern des Vorhabens.

Warum Julia Klöck­n­er aussieht wie eine gemein­same Tochter von Mar­tin Rüt­ter und Eri­ka Stein­bach, weiß ich nicht, und es wäre sicher­lich unangemessen und unfair, darüber an dieser Stelle zu referieren; aber ange­merkt möcht’s schon sein. Die Rente mit 63, die Andrea Nahles momen­tan dufte zu find­en vorgibt, habe jeden­falls Män­gel, beklagt die CDU:

Die Kri­tik der Union entzün­det sich vor allem daran, dass bei dem geplanten früheren Rentenein­tritt nach 45 Beitrags­jahren auch Zeiträume berück­sichtigt wer­den sollen, in denen der Betrof­fene arbeit­s­los gemeldet waren.

Ein Bun­destagsab­ge­ord­neter bekommt übri­gens für vier Jahre Par­la­mentszuge­hörigkeit bere­its fast einen vier­stel­li­gen Betrag an “Pen­sion”, ehe­ma­lige Min­is­ter deut­lich mehr. Der Vorstoß der CDU, in die Pen­sions­berech­nung nur tat­säch­liche Arbeit­szeit ein­fließen zu lassen, ist aus Steuerzahler­sicht also dur­chaus zu begrüßen.

Wo’s doch mit der Volk­swirtschaft sowieso nicht zum Besten ste­ht:

“Der Konkur­renz aus den USA müssen wir etwas ent­ge­genset­zen”, sagte Beppe Ulrich Gril­lo, Präsi­dent des Bun­desver­bands der Deutschen Indus­trie, zur Han­nover Messe. (…) “Deutsch­land ver­liert den Anschluss an die Wel­telite.”

“Und es mag am deutschen Wesen / ein­mal noch die Welt gene­sen” (E. Geibel); bzw. eben: Deutsch­land als Wel­telite, weil wir gar nicht wis­sen, wohin mit unser­er Elite (außer halt ins Aus­land, weil’s dort weniger kostet), und die Eli­te­u­ni­ver­sitäten bere­its zum Bersten mit kün­ftiger Elite (und Gen­der-Stud­ies-Studierxsen) ange­füllt sind bzw. eben mit sowas:

Baden-Würt­tem­berg [will] Biolo­gie und andere natur­wis­senschaftliche Fäch­er als Schulfäch­er abschaf­fen und durch ein Fach „Natur­phänomene und Tech­nik” erset­zen. The­men wie Klo­nen und Prä­na­tal­diag­nos­tik sollen aus dem Lehrplan ver­schwinden. (…) Unge­fähr so, wie in den USA die Religiösen die Natur­wis­senschaften aus dem Unter­richt drückt (sic!).

Zum Glück stirbt Europa sowieso aus. Wegen Gemüs­es, ver­ste­ht sich. Krieg und Kli­ma wären zu wenig drama­tisch.


Im Übri­gen bin ich der Mei­n­ung, dass es falsch ist, Sonypro­duk­te zu kaufen.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Dreimal kurz verlinkt: Facebook, Feminismus, Verbraucherschutz

Ich mag ja kein Face­book, aber Thomas Knüw­ers Face­book-Vertei­di­gung (gegen Wer­be­hanseln) ist tat­säch­lich applauswürdig, schon weil ich auf­dringliche Wer­bung fast noch ein biss­chen weniger mag als Face­book:

Das durch Hybris anabolisierte Selb­st­mitleid mit dem Ihr derzeit in Sachen Face­book durch die Branchen­me­di­en pro­pa­gandiert, ist nicht mehr zu ertra­gen. Es zeugt vom tiefen Glauben, die ganze Welt wolle nichts sehn­lich­er, als Eure immer plat­ter und unmutiger wer­den­den Botschaften und Eure eben­so immer gle­ichen Waren. (…) Nicht “social” weil die Inter­essen der Nutzer über die der Wirtschaft gestellt wer­den. So denken Wer­ber.

Wenn die Kun­den sich frei­willig keine Ban­ner­wer­bung mehr anguck­en wollen, kleis­tern die Unternehmen den virtuellen Leben­sraum der Kun­den halt zwangsweise mit Wer­bung zu. Viel hil­ft viel. (Ein Idioten­block­ier­pro­gramm — das wär’s.)


Über­raschung:

Die rot-grüne Lan­desregierung (von Rhein­land-Pfalz, A.d.V.) hat­te mit den Auf­druck­en mehr Frauen für die Kom­mu­nal­par­la­mente gewin­nen wollen. (…) Die Ver­fas­sungsrichter stoppten das Vorhaben zunächst in einem Eil­ver­fahren, eine Entschei­dung in der Haupt­sache ste­ht noch aus. Sie macht­en allerd­ings bere­its jet­zt “erhe­bliche Gründe” dafür aus, dass die Vorschriften ver­fas­sungswidrig sind. Das Gericht sah durch die geplanten Stim­mzettel die Gefahr, dass der Grund­satz der Frei­heit der Wahl ver­let­zt wird. (…) Mit Blick auf die mit der Neureglung eigentlich angestrebte Frauen­förderung erk­lärte [der rhein­land-pfälzis­che Innen­min­is­ter Roger Lewentz], die Lan­desregierung werde nun andere Instru­mente entwick­eln, um den Anteil der Frauen in den kom­mu­nalen Par­la­menten und Gremien zu erhöhen.

Eigentlich ja skan­dalös, dass der Vor­sitzende der SPD ein Mann ist; und der let­zte Kan­zlerkan­di­dat auch. Diese patri­ar­chalis­che Partei hält den Fortschritt auf! (Ich bin ja sowieso dafür, Wahlen ganz abzuschaf­fen und Par­la­mente ein­fach nach Rei­hen­folge der Bewer­ber zu beset­zen. Das wäre sich­er eine lustige Zusam­menset­zung.)

(via Schw­erdt­fe­gr)


Apro­pos SPD: Der gegen­wär­tige Bun­desjus­tizmin­is­ter — nicht mehr die großar­tige Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er aus der lang­weili­gen F.D.P., son­dern Heiko Maas aus der SPD — hat­te kür­zlich eine Einge­bung:

Dass jet­zt zum wieder­holten Mal inner­halb weniger Monate mil­lio­nen­fach Nutzer­dat­en abge­fis­cht wer­den, zeigt, wie wichtig das The­ma der Daten­sicher­heit ist (…) Ein Anbi­eter, bei dem die Kun­den­dat­en unsich­er sind, wird auch bei den Ver­brauch­ern kein Ver­trauen find­en.

Wenn es doch nur ein Min­is­teri­um gäbe, das sich für die Belange von Ver­brauch­ern ein­set­zen würde, so dass Heiko Maas’ Ver­mu­tung auch poli­tisch bestärkt wird, indem zum Beispiel Unternehmen zu besserem Daten­schutz verpflichtet wür­den! Man kön­nte es “Ver­brauch­er­schutzmin­is­teri­um” (oder so ähn­lich) nen­nen und sollte jeman­den als Min­is­ter ein­set­zen, der auch zu seinem Wort ste­ht. Wie wäre es mit Heiko Maas?

Oh.

Nerdkrams
Android-Apps absichern mit AFWall+ und AOSP

Panik!:

Ver­brauch­er­schützer haben getestet, welche Zugriff­s­rechte 50 Apps ver­langten, die sowohl im Google Play Store als auch im Apple iTunes Store zu kaufen sind. (…) Zugriffs­berech­ti­gun­gen soll­ten nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich ange­fordert wer­den.

Nicht ungewöhn­lich seien Zugriffe der Apps zum Beispiel auf Adress- und Stan­dort­dat­en der Nutzer, den Browserver­lauf oder die Iden­ti­fika­tion­snum­mer des Gerätes. (…) Außer­dem haben die meis­ten Ver­brauch­er eine Vielzahl an unter­schiedlichen Apps auf Ihren Endgeräten instal­liert: Mit­geteilt wird ein­mal der Stan­dort, ein anderes Mal das Alter und das Gewicht des Ver­brauch­ers, wieder andere Apps wollen Ein­blick in die Kon­tak­tliste und die Seri­en­num­mer des Endgeräts. (…) “Der App-Check hat gezeigt, dass drin­gen­der Hand­lungs­be­darf beste­ht, um die Nutzung von Apps kün­ftig trans­par­enter und sicher­er zu machen”, sagte Elbrecht.

Dieser Hand­lungs­be­darf kann jeden­falls unter Android bere­its von Nutzer­seite erfüllt wer­den — freie “AOSP”-basierte (also nicht geräte­hersteller­seit­ig mit Eigen­wer­bung verse­hene) Dis­tri­b­u­tio­nen wie Cyanogen­Mod, SlimKat und Para­noidAn­droid machen’s möglich. (Im Fol­gen­den wird SlimKat auf einem Sam­sung Galaxy S4 ver­wen­det, gegebe­nen­falls weichen Menüs und Ausse­hen etwas von den Abbil­dun­gen ab.)

‘Android-Apps absich­ern mit AFWall+ und AOSP’ weit­er­lesen »

KaufbefehleMusikkritik
The Rolling Stones — Their Satanic Majesties Request

The Rolling Stones - Their Satanic Majesties RequestNen­nt mal ein paar Lieder der Bea­t­les! — Das ist nicht so schw­er, ein Teil von ihnen (es gibt ja genug) wird sowieso von den Sendern tagein, tagaus einem beina­he wehrlosen Pub­likum vorge­spielt. Ein beson­ders bedrück­endes Beispiel war der Sender Radio 21, der vor ein paar Jahren die Ange­wohn­heit hat­te, jeden Mor­gen ein paar Bea­t­les-Lieder zu spie­len, inzwis­chen ver­mut­lich aber damit aufge­hört hat.

Und jet­zt nen­nt mal ein paar Lieder der Rolling Stones!

“Sat­is­fac­tion”, ja. “Start Me Up”, auch richtig. “Paint It, Black” und “Sym­pa­thy for the Dev­il”, vielle­icht noch “Ang­ie” und “Gimme Shel­ter”. War’s das? Meis­tens. Das ist eigentlich erstaunlich: Nach über 50 Jahren im Musikgeschäft haben “die Stones” deut­lich mehr hin­ter­lassen, was man ken­nen kön­nte. Klar, es war auch viel Unfug dabei, zum Beispiel das über­flüs­sige “Tat­too You”, aber auch einige wahre Alben­perlen wie “Some Girls” und das deut­lich unter­be­w­ertete “Their Satan­ic Majesties Request”.

Let­zteres, ein halbes Jahr nach “Sgt. Pepper’s Lone­ly Hearts Club Band” der Bea­t­les veröf­fentlicht, wird oft als Ver­such missver­standen, jenes zu kopieren. Während aber von “Sgt. Pep­per” ent­ge­gen dem ursprünglichen Konzept nicht viel mehr übrig blieb als eine unzusam­men­hän­gende Lied­samm­lung, deren “Rah­men­hand­lung” um eine Musik­gruppe namens “Sgt. Pepper’s Lone­ly Hearts Club Band” auf ein Min­i­mum gekürzt wurde und deren “psy­che­delis­che Ele­mente” im Gegen­satz zu Pink Floyds wiederum 1967 erschiene­nen Debüt allen­falls den Geist der Hip­pies atmeten, macht­en die Rolling Stones es von Anfang an richtig.

Das wohl bekan­nteste Stück auf “Their Satan­ic Majesties Request” — “She’s a Rain­bow” — ist trotz der beachtlichen Instru­men­tierung zugle­ich das untyp­is­chste:

Wie so oft in den Jahren um 1967 herum wurde auf “Their Satan­ic Majesties Request” näm­lich daneben aller­lei Unfug getrieben; sei’s ein schnar­chen­der Bill Wyman in “In Anoth­er Land”, sei’s das beschauliche Lager­feuer­lied “Sing This All Togeth­er”, das die erste LP-Seite (mit John Lennon und Paul McCart­ney als Hin­ter­grund­sänger) eröffnet und in ein­er etwas län­geren, aber völ­lig anderen, psy­che­delisch-durchge­dreht­en Ver­sion (nicht der fol­gen­den) wieder schließt:

Das alles ist noch kein Grund, “Their Satan­ic Majesties Request” über­ra­gend zu find­en; aber da ist auch noch “Citadel”.

“Citadel” — one of the most under­rat­ed Stones songs ever — ist das psy­che­delis­che Lied der Rolling Stones, klingt natür­lich nach John Lennon, Jef­fer­son Air­plane, The Unit­ed States of Amer­i­ca und …And You Will Know Us by the Trail of Dead (und zwar gle­ichzeit­ig) und kann gar nicht genug gewürdigt wer­den:

Dass “Citadel” wie auch die meis­ten anderen Stücke auf diesem Album nie live gespielt wurde, ist eben­so bedauer­lich wie die Rück­kehr der Rolling Stones zum gewohn­ten Blues­rock mit dem Nach­fol­geal­bum “Beg­gars Ban­quet” 1968. Mit­grün­der Bri­an Jones blieb nicht mehr lange in der Band — ver­mut­lich wegen über­triebe­nen Dro­genkon­sums zog er sich wie Syd Bar­rett immer mehr zurück, 1969 wurde er vor die Tür geset­zt und starb noch im sel­ben Jahr. “Their Satan­ic Majesties Request” ver­schwand im Fol­gen­den weit­ge­hend aus der öffentlichen Wahrnehmung, was etwas schade ist.

Ich empfehle jenen, die (wie ich) an den Rolling Stones vor allem ihre gele­gentlichen Exper­i­mente (Dis­co und Punk auf “Some Girls” sowie eben dieses hier) schätzen, diese Wahrnehmung zurück­zugewin­nen, stilecht auf Vinyl (weil’s schön­er ist) oder eben auf einem Ton­träger eur­er Wahl. Der Rest kann’s natür­lich ignori­eren, aber dann ver­passt er was.

Open our heads, let the pic­tures come!
The Rolling Stones: Sing This All Togeth­er

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Autismus, Sascha Lobo, Lächelvermeidung

Missver­ständ­nisse über Autismus in den Medi­en zu suchen ist müßig; der Autismusver­gle­ich für jeden Men­schen, der irgend­wie anders ist, hat sich schon vor Jahren abgenutzt. Trotz­dem finde ich diese Frage — aus­nahm­sweise mal in einem aus­ländis­chen Medi­um — über­aus ent­lar­vend:

Wenn Autismus keine Krankheit ist, wie kann man ihn dann behan­deln?

“Wenn ein Holzele­fant kein Auto ist, wo kommt dann das Ben­zin rein?”

(Und wie kann man eigentlich solche “Jour­nal­is­ten” behan­deln?)


Sich­er auch nur ein Missver­ständ­nis war es, dass ich ern­sthaft davon aus­ge­gan­gen war, Sascha Lobos im Jan­u­ar in der “Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung” veröf­fentlichter Text mit dem Faz­it, “das Inter­net” sei kaputt und “der Net­zop­ti­mis­mus” führe in sein­er gegen­wär­ti­gen Form vol­lkom­men am Ziel vor­bei, habe zur Folge, dass er, Lobo, kün­ftig nicht mehr als “Inter­net-Experte” dummes Zeug in Medi­en, die das Leis­tungss­chmutzrecht fördern, hinein­schreiben würde. Er schrieb damals, der “Recht­be­hal­tewun­sch” sei bei “der Net­zge­meinde” so stark wie nir­gends son­st.

Und er, Lobo (SPD), der “Sprech­er”, gar Erlös­er der “Net­zge­meinde”, habe es ja damals schon gewusst, schrieb er also gestern in einem weit­eren “FAZ”-Text: Man brauche — Gedanken­strich — “einen neuen Inter­ne­top­ti­mis­mus”. Dies­mal einen ohne Dummheit­en, meinte er damit; und ich bin opti­mistisch, dass die kollek­tive Dummheit, die “uns” alle paar Wochen einen neuen Text unseres “Vor­denkers” Sascha Lobo zu fressen gibt, “im Inter­net” dann dem­nächst auch mal aufhört.


Noch so ein Phänomen im “Jour­nal­is­mus” sind im Übri­gen gestellte Fotos zur Bebilderung lang­weiliger Tex­twüsten. Gezeigt wer­den meist betont fröh­liche, betont trau­rige oder sonst­wie betonte Men­schen, mit denen vorher geübt wurde, wie sie möglichst unnatür­lich ausse­hen, damit es bess­er in die Zeitung passt.

Oder halt zum SWR, wo es ein Foto namens “Kinder hal­ten Brief in die Höhe und guck­en traurig.jpg” gibt:

Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig

Na ja, zwei von vier.

Ach, ihr.
Die Ärzte: Ein Lächeln (für jeden Tag deines Lebens)

In den NachrichtenPiratenparteiNetzfundstücke
PISA beweist: Deutscher Nahverkehr macht Schüler blöd!

Es gibt auch noch gute Nachricht­en: Nur ein Fün­f­tel der deutschen Schüler ist zu doof für All­t­agsauf­gaben, was Deutsch­land im Ver­gle­ich zu anderen Län­dern seinem ehe­ma­li­gen Sta­tus als Land der Dichter und Denker wieder ein wenig näher bringt.

Wie gut kön­nen Deutsch­lands Schüler alltägliche Prob­leme lösen? Neue Dat­en aus der Pisa-Studie zeigen: Ein Fün­f­tel der 15-Jähri­gen ist schnell über­fordert. (…) Deutsch­lands Schüler liegen leicht über dem OECD-Durch­schnitt[.]

“Alltägliche Prob­leme” — das klingt doch schon weniger nach Intel­li­gen­ztests (“sortieren Sie diese abstrak­ten Gebilde nach Richtigkeit”) als nach prax­is­na­hem Bil­dungsver­gle­ich. Was für Prob­leme waren das denn so?

Die U‑Bahn fährt ein, schnell noch ein Tick­et kaufen: Tageskarte? Kurzstrecke? Ein Ring? Ermäßigt — oder doch nicht? Eine kleine Entschei­dung nur, aber sie lässt täglich Tausende rät­seln. Für die Pisa-Studie mussten sich weltweit 15-Jährige mit solchen Auf­gaben befassen. (…) Beson­ders gut schnit­ten bei diesem Test wieder ein­mal asi­atis­che Län­der ab: Sin­ga­pur, Korea und die chi­ne­sis­chen Städte Macau, Hongkong und Shang­hai ste­hen erneut an der Spitze. Auch Japan lan­dete weit vorn.

Selb­st die Asi­at­en ver­ste­hen das Preis­sys­tem von blö­den Verkehrsun­ternehmen wie der üstra also bess­er als “wir”; bzw. haben sie die gar nicht erst. Daran kön­nte man natür­lich arbeit­en, aber man kön­nte auch ein­fach jeden, der es nicht ver­ste­ht, für nicht all­t­ags­fähig befind­en. Kön­nte man. Wie’s halt auch bei anderen Auf­gaben so ist:

Schon frühere Stu­di­en hat­ten vor einem “Sock­el der Abge­hängten” in Deutsch­land gewarnt, der Bun­des­bil­dungs­bericht aus dem Jahr 2012 beispiel­sweise. Auch diese Pisa-Auswer­tung zeigt: Fast 20 Prozent der deutschen Schüler erre­icht nicht das Basis­niveau (Lev­el 2 von 6), in etwa gle­ich viele Jun­gen wie Mäd­chen. Sie kön­nen also nur sehr ein­fache Auf­gaben bewälti­gen, ohne vorauszu­denken; beispiel­sweise schaf­fen sie es, das gün­stig­ste Möbel­stück aus einem Kat­a­log auszuwählen. Im Ver­gle­ich: In Japan und Korea erlangten weniger als 7 Prozent nur das Basis­niveau.

Deutsche Kat­a­loge: Viele Bilder, wenig Fak­ten. Japanis­che Kat­a­loge kenne ich allerd­ings nicht.

Aber nicht nur ökonomisch rel­e­vante Aspek­te waren in der Studie gefragt:

Wer im All­t­ag und in der Arbeitswelt beste­hen will, so die Forsch­er, der müsse mehr kön­nen, als reines Schul­wis­sen anzuwen­den. (…) Der muss auch mal spon­tan ein fremdes Handy bedi­enen kön­nen, eine Kli­maan­lage oder einen MP3-Spiel­er.

Genau — in der Arbeitswelt find­et keinen Platz, wer nicht schon in der Schule Fotos auf dem geklaut­en smart­phone machen kann.

“Machen Sie mal die Kli­maan­lage an!”
“Ich kann das nicht, Chef.”
“Sie sind ent­lassen!”

Und wer senkt mal wieder den Schnitt? Richtig:

Spitzen­werte hinge­gen erziel­ten rund 13 Prozent der deutschen 15-Jähri­gen. Darunter sind deut­lich mehr Jun­gen (60 Prozent) als Mäd­chen (40 Prozent), dieser Geschlechterun­ter­schied entspricht dem OECD-Durch­schnitt.

Vielle­icht sollte die grundle­gende Förderung von Mäd­chen also nicht in Ein­stel­lungsquoten beste­hen, son­dern darin, dass sie erst mal beige­bracht bekom­men, wie man lebt; also das volle Zugabteil richtig mit MP3s beschallt. Son­st wird ja nie was aus denen!


Was macht eigentlich die “Piran­tifa” grade so? Nun, Oliv­er Höf­in­g­hoff (“Geh’ mir aus der Sonne, son­st knallt’s hier”, hier nachzule­sen), Pirat in Berlin, find­et, Ali Utlu, schwuler, athe­is­tis­ch­er, türkisch­er Pirat aus Köln, sei auf­grund sein­er harschen Kri­tik an der Antifa klar ein Ras­sist und damit sowas von raus aus jedem poli­tis­chen Diskurs. Poli­tis­ch­er Diskurs muss het­ero­sex­uell bleiben! — Egal. Gegen das Sys­tem. Fuck die Nuss! Auch, wenn’s schmerzt.