In den Nachrichten
In aller Kür­ze: Pflan­zen­quä­le­rei

Am 20. März 2010 schrieb „luki­ta“ in ein Forum, das sich der Fra­ge wid­me­te, war­um man sich vege­ta­risch oder gar vegan ernäh­ren soll­te, Fol­gen­des:

Tie­re haben Bewusst­sein und ein Emp­fin­den von Schmer­zen. Der Mensch hat mit man­chen Tie­ren eine Über­ein­stim­mung im Erb­gutm­teri­al von 98%. (…) Eine höhe­re Intel­li­genz berech­tigt einen Men­schen noch nicht, einen ande­ren Men­schen zu miss­brau­chen, war­um also soll­te es Men­schen berech­ti­gen, nicht-mensch­li­che Wesen zu miss­brau­chen?

Am 23. Okto­ber 2014 berich­te­te Colin Pay­ne auf dem Web­log „Inha­bi­tat“:

That plants pos­sess an intel­li­gence is not new know­ledge, but accor­ding to Modern Far­mer, a new stu­dy from the Uni­ver­si­ty of Mis­sou­ri shows plants can sen­se when they are being eaten and send out defen­se mecha­nisms to try and stop it from hap­pe­ning.

Nicht nur neh­men Pflan­zen also wahr, wenn sich ihnen Fress­fein­de nähern, sie weh­ren sich über­dies nach Kräf­ten gegen sie – bei­na­he wie ein Schwein, dem man mit einem Beil nach­stellt.

Wenn das so wei­ter­geht, müs­sen unge­zähl­te Eso­te­ri­ker bald wie­der anfan­gen, ihre Mahl­zei­ten vor­ran­gig nach deren Geschmack aus­zu­wäh­len. Ich sehe eine Markt­lücke auf­bre­chen.

Nerdkrams
Tore zum Mist­mach­web

Brow­ser, so ertönt ein viel­fa­cher gequäl­ter Auf­schrei die­ser Tage, über­bö­ten sich dar­in, immer grö­ßer und funk­ti­ons­rei­cher zu wer­den, so dass auch ehe­dem leich­te Pro­gram­me wie Mozil­la Fire­fox nicht sofort nach ihrem Auf­ruf auf dem Bild­schirm erschei­nen. Schlimm sei das, was hät­ten sich die­se Pro­gram­mie­rer nur dabei gedacht?

Dabei kön­nen die gar nichts dafür. Schuld ist die glei­che schreck­li­che Grup­pe von Men­schen wie einst beim Lei­stungs­schmutz­recht: Es kamen Wer­ber, die ein text­la­sti­ges welt­wei­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sy­stem – das Inter­net – sahen und der Mei­nung waren, was da noch drin­gend feh­le, sei­en Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen. Sie kamen in unse­re hood, über­schmier­ten unse­re wei­ßen Wän­de mit grell­bun­ten und fun­keln­den Graf­fi­ti und beklag­ten sich noch bei uns, wenn wir ihren Van­da­lis­mus ein­fach wie­der rück­gän­gig mach­ten. Sie kamen unein­ge­la­den auf eine frem­de Par­ty und woll­ten dann Geld dafür sehen.

Klar, mit einem grif­fi­gen Schlag­wort schmeckt jede Medi­zin. Web 2.0. Was das bedeu­tet? Fragt mal das BWL-Abbre­cher­ge­schmeiß, das klei­nen und grö­ße­ren Fir­men heu­te als con­sul­tant einen Kno­ten in die Ohren quatscht. „Naja, irgend­was mit Mit­ma­chen.“ Mit­mach­in­ter­net am Arsch. Es gibt kei­ne Besu­cher mehr, es gibt nur noch Teil­neh­mer. Will­kom­men im Bla­fa­sel-Mist­mach­web. Und was man da nicht alles mit­ma­chen muss! Die durch­schnitt­li­che Web­site ist etwa 1,5 MB groß; und das betrifft nur Web­sites, noch nicht ein­mal SaaS-Ange­bo­te (nicht mit SARS zu ver­wech­seln, SARS lässt wenig­stens die Augen intakt) wie Online-Office­pa­ke­te, die im Wesent­li­chen dem Zweck die­nen, dass man als Ent­wick­ler künf­tig Mie­te statt nur ein­ma­li­ger Zah­lun­gen ver­lan­gen kann. Die 1,5 MB ver­steht man viel­leicht ein­fa­cher, wenn man sie auf­drö­selt. Ohne gigan­ti­sches Java­Script kein Kom­men­tie­ren. Text­fel­der sind die­sen Fatz­ken, die auf Web.de nach Goog­le suchen, eben nicht sozi­al genug.

Mit­ma­chen konn­te man schon frü­her, als das Inter­net noch vor­ran­gig in Hoch­schu­len benutzt wur­de. Damals kam con­tent eben­so theo­re­tisch von jedem Teil­neh­mer wie er gele­sen wer­den konn­te, nicht umsonst trägt das Use­net („Benut­zer­netz“) noch heu­te die­sen Namen. Die Wiki­pe­dia als spä­ter Aus­läu­fer die­ses Kol­lek­tiv­ge­dan­kens ist ohne­hin ein bekann­tes altes Bei­spiel.

Ein Web­brow­ser ist ein Web­brow­ser ist ein Web­brow­ser ist kein Gemü­se. Der Brow­ser ist kein Hyper­text­cli­ent mehr, er ist gleich­zei­tig eine Lauf­zeit­um­ge­bung für aller­lei Java­Script-Irr­sinn. Wisst ihr noch, als man dar­über lach­te, dass GNU Emacs (bekannt­lich eine Lauf­zeit­um­ge­bung für Emacs Lisp mit Edi­tor­funk­tio­nen, nicht anders­her­um) sich irgend­wie lang­sa­mer anfühl­te als Vim? So ähn­lich ist es mit Brow­sern. Ein Web­brow­ser ist, so wollen’s die Wirt­schaft­ler, zwar das vir­tu­el­le Tor zur Welt, aber bit­te nur bis zur näch­sten Bezahl­schran­ke. Man kann kom­ple­xe Anwen­dun­gen wie Excel unter Win­dows aus­füh­ren, war­um soll­te man das nicht auch in einem Doku­men­ten­be­trach­ter (was ein Web­brow­ser nun mal eigent­lich sein soll­te) tun kön­nen? – Ich känn­te da ein paar Grün­de, aber ich habe natür­lich auch nicht BWL stu­diert, son­dern mache irgend­was mit Com­pu­tern. Da habe ich natür­lich kei­ne Ahnung von den Bedürf­nis­sen des Mark­tes.

Fire­fox, Chro­mi­um und ihre Abkömm­lin­ge haben euret­we­gen, ihr Schlips tra­gen­den Empör­kömm­lin­ge, ihre Iden­ti­tät auf­ge­ben müs­sen, weil sie von euch für etwas zweck­ent­frem­det wer­den sol­len, was sie nie­mals bie­ten soll­ten. Viel­leicht kommt ja dem­nächst einer von euch auf die gran­dio­se Idee, dass der Markt euret­we­gen wie­der Platz hat für einen klei­nen, schlan­ken HTML-Brow­ser, der nicht ver­sucht, ein Betriebs­sy­stem im Betriebs­sy­stem zu sein. Mido­ri, uzbl, alles gut und schön, aber da habt ihr eure gie­ri­gen Grif­fel noch nicht drin, das muss sich ändern.

Unser Web ist kei­ne Lit­faß­säu­le, kein Pro­dukt­ka­ta­log, kei­ne Platt­form und kein Markt. Wir sind sein Volk, nicht eure Kun­den. Wir wol­len Infor­ma­ti­ons­aus­tausch betrei­ben kön­nen und uns manch­mal ein­fach nur infor­mie­ren las­sen. Wir wol­len kei­ne über­di­men­sio­nier­ten touch-Gestal­tun­gen auf unse­rem Tasta­tur-und-Maus-Gerät. Wir wol­len eure Wer­be­schei­ße nicht. Wir wol­len unse­ren Rech­ner nicht durch das Akti­vie­ren von Java­Script noch angreif­ba­rer machen, weil sonst die gan­ze Sei­te nicht ange­zeigt wer­den kann, weil eure Blin­ke­wer­bung das so will. Wir wol­len kein Betriebs­sy­stem im Betriebs­sy­stem hoch­fah­ren müs­sen, um die Nach­rich­ten zu lesen. Ganz beson­ders aber wol­len wir nie­man­den, der die Regeln des Spiels nicht kennt, das Spiel kampf­los gewin­nen las­sen.

Es soll­te euch nach­denk­lich stim­men, wenn immer mehr Leu­te lie­ber einen Tram­pel­pfad ein­schla­gen als eure aggres­siv beleuch­te­ten Stra­ßen ent­lang­zu­krie­chen. Kul­tur­pes­si­mis­mus? Nicht doch; Kul­tur bedarf wachen Gei­stes. Ihr seid mit eurem Ver­ständ­nis von der Welt, dass alles und jeder eine Ware ist, das para­si­tä­re Gegen­teil von Kul­tur. – Aber was red‘ ich? Die Groß­flä­chen­spam­mer sind längst wei­ter­ge­zo­gen, unse­re rau­chen­den Rui­nen inter­es­sie­ren sie nicht mehr. Das „Web 3.0“, das „mobi­le Inter­net“, rui­nie­ren die­se Gestal­ten sicher­heits­hal­ber schon im Vor­aus. Moder­ne Smart­phones haben doch acht Ker­ne, könn­te man da nicht…? Das seit jeher kom­mer­zi­ell ori­en­tier­te Win­dows Pho­ne ist da viel­leicht vor­bild­lich, dort ist selbst die Drop­box-app nicht nen­nens­wert mehr als die Drop­box-Web­site mit einem zusätz­li­chen Wer­be­ban­ner.

Auf dem Brow­ser der Zukunft soll­te „Bit­te kei­ne Wer­bung ein­wer­fen“ ste­hen.

In den NachrichtenComputer
Schmal­hans des Tages: Alex­an­der Dob­rindt, CSU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 11 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Dass Johan­na Wan­ka der Ansicht ist, Pro­gram­mie­ren sei eine Spra­che und eine wich­ti­ge oben­drein, ist allen­falls ein Schmun­zeln wert. Die Frau ist Bil­dungs­mi­ni­ste­rin, die muss nicht wis­sen, wie Din­ge funk­tio­nie­ren.

Wesent­lich schlim­mer ist’s da schon beim Ver­kehrs­mi­ni­ster. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­um – wir erin­nern uns ungern – wur­de Mit­te Dezem­ber 2013 in „Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur“ umbe­nannt. Klar, die Daten­au­to­bahn muss ja auch aus­ge­baut wer­den, damit Poli­zi­sten dar­auf Strei­fe fah­ren kön­nen. Brumm, brumm.

Momen­tan ist ein gewis­ser Alex­an­der Dob­rindt, Mit­glied der Kom­pe­tenz­par­tei CSU, Herr­scher über Wohl und Wehe der digi­ta­len Infra­struk­tur. In sei­ner Eigen­schaft als Gene­ral­se­kre­tär der CSU hat­te er noch vor weni­gen Jah­ren für das selek­ti­ve Fei­gen­blatt­sper­ren des Inter­nets gestimmt und war sich spä­ter auch nicht zu blö­de, es als wich­ti­gen Bau­stein im Kampf gegen irgend­was zu bezeich­nen.

Und dann jetzt aber; dem „IT-Gip­fel“ sei’s geschul­det:

„Der Zugang zum Inter­net wird über unse­ren Erfolg im glo­ba­len Wett­kampf um die neu­en Märk­te ent­schei­den“, sag­te Dob­rindt.

Das Inter­net als Medi­um zur unge­hin­der­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on bedür­fe staat­li­cher Kon­trol­le; der Zugang zu die­sem staat­lich beschränk­ten Medi­um aber dür­fe nicht behin­dert wer­den, denn es gel­te einen Markt zu erobern. Der Markt als Instanz, die dem Bür­ger über‑, dem Inter­net jedoch unter­ge­ord­net ist, das wie­der­um der jewei­li­gen Bun­des­re­gie­rung zu unter­stel­len ist – damit ist wohl auch geklärt, wer die Stra­te­gen der F.D.P. nach deren Schei­tern über­nom­men hat.

Das ist ja wohl der Gip­fel.

NerdkramsMontagsmusik
Soft Machi­ne (1968)

Schau' mir in die Augen, Kleines.Hur­ra, Apple hat ein neu­es Betriebs­sy­stem. Jetzt noch fla­cher, und ein paar schö­ne neue Funk­tio­nen hat es auch bekom­men:

Yosemite:default spyware/keylogger, easi­ly root­ki­ta­ble, unpatched vulnerabilities,safari remo­te explo­ita­ble, etc.The best OS X release ever!

Vor­bei die Zeit, als Ubun­tu noch die schlech­te­sten Ideen von Mac OS X abkup­fer­te; inzwi­schen ist’s anders­her­um. Das Sicher­heits­kon­zept von Mac OS X, laut über­ein­stim­men­den tech­ni­schen Ana­ly­sen das momen­tan mit Abstand unsi­cher­ste Desk­top­sy­stem, war wohl noch nicht grau­en­voll genug, in das noch fla­che­re „neue“ design pas­sen noch ein paar Hin­ter­tür­chen rein. Es wird schon einen Grund haben, wie­so Apple gern wis­sen möch­te, was der Benut­zer auf sei­nem Heim­rech­ner tut. Viel­leicht hat er was zu ver­ber­gen.

Was tun? Tor nut­zen? Schlech­te Idee:

Auch wenn es manch­mal sinn­voll sein kann und man Tor durch­aus sicher nut­zen kann: Für Lies­chen Mül­ler wie Bet­ti­na Bei­spiel erhöht Tor das all­ge­mei­ne Risi­ko.

Das Neue, Moder­ne ist beäng­sti­gend. Zum Glück gibt es das Alte, Bewähr­te; und Musik. Musik geht immer.

SOFT MACHINE – 25 August 1968 Ce Soir On Dan­se

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
In aller Kür­ze: Wenig­stens kein Kom­mu­nist!

Es gibt auch noch gute Nach­rich­ten:

Stan­ding out­side the Hamil­ton Coun­ty cour­t­room whe­re a teen­ager faced a char­ge of raping a 69-year-old man, the boy’s fami­ly said the­re has been a mista­ke. (…) „He ain’t a pedo­phi­le,“ ano­ther fami­ly mem­ber said.

„Er hat einen alten Mann ver­ge­wal­tigt, aber er ist zumin­dest nicht pädo­phil!“ :irre:


Apro­pos durch­ge­knallt:

Scott Wal­ker und Sunn O))) haben zusam­men Musik gemacht.

Lauscht!

Piratenpartei
Recla­im your Bigo­try: Alle rechts außer Mut­ti!

(Vor­be­mer­kung: Fol­gen­der Text über die Ent­wick­lung der Pira­ten­par­tei könn­te ver­se­hent­lich Irr­tü­mer ent­hal­ten. Ich bit­te sol­che in den Kom­men­ta­ren auf­zu­zei­gen.)

Wie­der ein­mal ist ein Pirat wort­reich („eine Abrech­nung“, drun­ter machen sie’s ja nicht mehr) aus der Par­tei aus­ge­tre­ten, und vor Lachen hat mein Bull­shit­de­tek­tor ver­se­hent­lich gekün­digt.

‘Recla­im your Bigo­try: Alle rechts außer Mut­ti!’ wei­ter­le­sen »

Montagsmusik
Eloy – Time to Turn

Huch!Mon­tag. Muss das denn immer sein? Mar­kiert er doch stets ein Ende viel mehr als einen Anfang.

Herbst­zeit­stim­mung, Träu­me enden mit dem Wochen­en­de. Es katert, eine Kat­ze wird man davon aber auch nicht.

Zeit zur Umkehr. Zurück ins Wochen­en­de oder mit Anlauf ins näch­ste. Nur raus, raus.

The glos­sy front’s just fake
The firm base breaks
As this doo­med world slow­ly deca­ys

ELOY in Mainz 2012 – Time to Turn

So we dance and sing, try to bear the thought
Of approa­ching the end of our time

Zieht euch was Anstän­di­ges an und tre­tet nicht in die Scher­ben.

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Bei­na­he Buch­kri­tik: Kon­troll­ver­lust

Der schwie­ri­ge Autor Micha­el See­mann hat heu­te sein lan­ge ange­kün­dig­tes Buch zum The­ma „digi­ta­ler Kon­troll­ver­lust“ unter der WTFPDL ver­öf­fent­licht, die es mir ermög­licht, eine digi­ta­le Fas­sung des Buchs hier nicht nur öffent­lich blöd zu fin­den, son­dern auch zu ver­trei­ben, ohne poten­zi­el­le Leser vom dor­ti­gen VG-Wort-Zäh­ler, Goog­le Ana­ly­tics, Flattr und der­glei­chen tracken zu las­sen, was sich pri­ma mit der Über­schrift „Daten­kon­trol­le schafft Herr­schaft“ eines Kapi­tels aus dem Buch in Ein­klang brin­gen lässt:

Das neue Spiel

Wor­um geht es in dem Buch? Es geht um „Stra­te­gien für die Welt nach dem digi­ta­len Kon­troll­ver­lust“:

Daten­schutz, Urhe­ber­recht, Staats­ge­heim­nis­se. Wir haben die Kon­trol­le ver­lo­ren. Daten, von denen wir nicht wuss­ten, dass es sie gibt, fin­den Wege, die nicht vor­ge­se­hen waren und offen­ba­ren Din­ge, auf die wir nie gekom­men wären. (…) Die Ver­da­tung der Welt stößt die post­in­du­stri­el­le Ord­nung in die Kri­se. All unse­re Insti­tu­tio­nen und unser gan­zes Ver­ständ­nis von Frei­heit sind vom Kon­troll­ver­lust bedroht. (…) Wel­che Stra­te­gien funk­tio­nie­ren nicht mehr, wel­che um so bes­ser, wel­che neu­en gibt es?

Es geht also um Daten­ho­heit bezie­hungs­wei­se die Erlan­gung der­sel­ben. Eigent­lich ist „Das neue Spiel“ weni­ger ein Sach­buch als eine Kampf­schrift: Wir müs­sen was tun! Dabei erwähnt der Autor zahl­rei­che geschei­ter­te Ver­su­che, die seit Jahr­zehn­ten fort­schrei­ten­de Über­wa­chung ein­zu­däm­men; eine Ant­wort aber hat er nicht. „Das neue Spiel“ ist ein Buch vol­ler „wir müs­sen“, „man soll­te“ und wei­te­rer Wün­sche, qua­si ein Wunsch­buch. Gele­gent­lich kommt auch mal eine hand­fe­ste Mei­nung, dann aber nicht zum The­ma Über­wa­chung:

Die NSA mag die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit haben, jeden Ein­zel­nen von uns unter Druck zu set­zen, ein­zu­schüch­tern und zu ter­ro­ri­sie­ren. Vie­len Men­schen pas­siert genau das jeden Tag, und sie wer­den dadurch effek­tiv zum Schwei­gen gebracht – aber nicht von der NSA, son­dern von Trol­len, Mas­ku­li­ni­stin­nen, Nazis oder ande­ren Men­schen­fein­den.

Ich habe bis­her – die Zeit war zu knapp – zwar nur weni­ge Kapi­tel gele­sen, bezweif­le aber, dass mir da noch viel ent­gan­gen ist.

Ohne Schwur­be­lei kommt Micha­el See­mann frei­lich auch dies­mal nicht aus:

Wir haben das Buch in geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che geschrie­ben. Wir ver­wen­den das gene­ri­sche Femi­ni­num und das gene­ri­sche Mas­ku­li­num abwech­selnd. Soll­te jemand beim Lesen dar­über stol­pern: Das ist so gewollt.

Stol­per­fal­len beim Lesen sind mei­ne Sache nicht. Da ver­lier‘ ich die Kon­trol­le.


Schö­ne Sport­art auch: Extrem­bü­geln.

NetzfundstückeNerdkrams
One­Plus­Mi­nus­Eins

Wer bis­her dach­te, als Andro­id­nut­zer sei man vor einem schreck­li­chen Gewe­se um die Ver­öf­fent­li­chung neu­er Gerä­te gefeit und man wür­de nie­mals eine Hor­de von Andro­id­nut­zern vor dem näch­sten Saturn cam­pie­ren sehen, wenn zum Bei­spiel das näch­ste Sam­sung Gala­xy S erscheint, der soll­te sich nicht zu früh freu­en, lan­ge dürf­te es näm­lich nicht mehr dau­ern.

Das mir bis heu­te unbe­kann­te Unter­neh­men One­Plus hat im April 2014 sein Smart­phone „One“ vor­ge­stellt, im Wesent­li­chen ein Ober­klas­ses­mart­phone mit vor­in­stal­lier­ter Cya­no­gen­Mod-Dis­tri­bu­ti­on und aller­lei nütz­li­chen Extras sowie einem lei­der ein­ge­lö­te­ten Akku, was jeden­falls mich davon abhält, das Ding irgend­wie inter­es­sant zu fin­den.

Offen­sicht­lich kann man es mitt­ler­wei­le auch kau­fen, denn in den sozia­len Net­zen, in denen ich mich so her­um­trei­be, wer­den der­zeit rege Ein­la­dun­gen ver­teilt.

Ein­la­dun­gen? Ja, denn bestel­len darf das One­Plus „One“ nur, wer Zugang zum eli­tä­ren Zir­kel hat:

To buy the One­Plus One, you will need to get an invi­te[.]

Da es schon jetzt deut­lich mehr freie Ein­la­dun­gen als Inter­es­sen­ten gibt, ist die­ses System der künst­li­chen Ver­knap­pung als die Blen­de­rei ent­tarnt, die sie von Anfang an war. Wenn’s wenig­stens eine Ein­la­dung für ein Gra­tis-Smart­phone wäre! Aber wenn jeder ein­fach so ein „One“ kau­fen könn­te, wäre es ja nichts Beson­de­res mehr, eines zu besit­zen. Dann müss­ten die Macher womög­lich noch durch Inno­va­tio­nen auf­fal­len und sich nicht mit der Rol­le als zwei­tes „Oppo“ zufrie­den­ge­ben. Von Apple zu ler­nen heißt Ver­mark­tung zu ler­nen; Ver­mark­tung und Selbst­über­schät­zung.

Das alles scheint so eine Art Intel­li­genz­test zu sein. Ich wür­de wirk­lich gern die Aus­wer­tung sehen.

Montagsmusik
Wish­bo­ne Ash – The King Will Come

Kauz AdlerÄchz, ein Mon­tag; mit blei­ben­den Schä­den, die selbst den mon­täg­li­chen Rou­ti­ne­ab­lauf stö­ren. Was hör‘ ich für Musik in die­ser wir­ren Zeit, in der Alte (Frank-Wal­ter Stein­mei­er) das Neue (freie Kom­mu­ni­ka­ti­on) zer­stö­ren, was für ein Lied als Beglei­tung dazu, dass Neu­es ande­rem Neu­em nach­folgt? Auf Twit­ter ist der gro­ße GNU-Social-Hype schon wie­der vor­über, man preist nun um so offen­si­ver ello an. Ich wüss­te noch nicht ein­mal, was ich auf Face­book tun soll­te. ello? owdy!

Raus, ein­fach raus. Sei der Pan­da! Und dazu ein wenig Rock. Alten, ver­steht sich.

Guten Abend.

PolitikIn den Nachrichten
Mor­gens Eiko­nal, abends TTIP

Davon, dass sie im Juli davon abrücken woll­te, weiß sie frei­lich schon weni­ge Wochen spä­ter nichts mehr: Die SPD, deren Füh­rern dar­an gele­gen ist, aus blo­ßer Freund­schaft das bür­ger­feind­li­che „Frei­han­dels­ab­kom­men“ TTIP mit den Scheiß-USA durch­zu­be­kom­men, hielt denen, die deut­schen Bür­gern offen feind­se­lig gegen­über­tra­ten, ver­däch­tig lan­ge die Stan­ge.

Zum Glück ist das deut­sche Volk tra­di­tio­nell ver­gess­lich. Erin­nert sich noch jemand an die zahl­rei­chen bis­he­ri­gen Ver­feh­lun­gen der Par­tei, die es wie­der ein­mal in den Bun­des­tag gewählt hat? Die Ver­gess­lich­keit der Bür­ger ist das Kapi­tal der SPD, wie es scheint. Zum Glück gibt es immer wie­der Nach­schub, damit der Deut­sche zwi­schen zwei Fuß­ball­mei­ster­schaf­ten nicht ver­gisst, was für ein wider­wär­ti­ger Hau­fen ihn da eigent­lich regiert:

Einem Bericht der Süd­deut­schen Zei­tung zufol­ge hat der BND unter Abdeckung des dama­li­gen Geheim­dienst­ko­or­di­na­tors Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD-Außen­mi­ni­ster, A.d.V.) zwi­schen 2004 und 2008 unter der Code-Bezeich­nung „Eiko­nal“ einen Bypass am Frank­fur­ter Kno­ten­punkt DE-CIX gelegt, dem welt­weit größ­ten sei­ner Art. Die gesplit­te­ten Signa­le wur­den nach Pul­lach aus­ge­lei­tet und soll­ten von der dama­li­gen BND-Zen­tra­le aus um die „deut­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on“ gefil­tert an die NSA gehen, deren Kabel am vor­ma­li­gen NSA-Abhör­stütz­punkt Bad Aib­ling nach Input dür­ste­ten.

Anders gesagt: Der BND hat unter feder­füh­ren­der Auf­sicht der SPD und der Tele­kom über Jah­re hin­weg syste­ma­tisch frem­de Kom­mu­ni­ka­ti­on an aus­län­di­sche Geheim­dien­ste wei­ter­ge­ge­ben und dabei bil­li­gend Ver­stö­ße gegen § 7a des G10-Geset­zes in Kauf genom­men. Da ins­be­son­de­re auf­grund letz­te­ren Ver­sto­ßes eine Daten­wie­der­ga­be im Rah­men inter­na­tio­na­ler Ver­trä­ge hier nicht vor­lie­gen kann, emp­feh­le ich als Rechts­laie, Bun­des­au­ßen­mi­ni­ster Frank-Wal­ter Stein­mei­er gemäß § 94 StGB zu behan­deln:

(1) Wer ein Staats­ge­heim­nis einer frem­den Macht oder einem ihrer Mit­tels­män­ner mit­teilt (…), um (…) eine frem­de Macht zu begün­sti­gen, und dadurch die Gefahr eines schwe­ren Nach­teils für die äuße­re Sicher­heit der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land her­bei­führt, wird mit Frei­heits­stra­fe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In beson­ders schwe­ren Fäl­len ist die Stra­fe lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe oder Frei­heits­stra­fe nicht unter fünf Jah­ren. Ein beson­ders schwe­rer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter eine ver­ant­wort­li­che Stel­lung miß­braucht, die ihn zur Wah­rung von Staats­ge­heim­nis­sen beson­ders ver­pflich­tet (…).

Man muss wahr­schein­lich kei­ne kri­mi­nel­le Ener­gie besit­zen, um in der SPD Kar­rie­re zu machen. Es erleich­tert aber so vie­les.

Poli­ti­ker sind Schau­spie­ler ohne Dreh­buch, ohne einen Regis­seur, der alles zusam­men­hält.
Luc Bes­son

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Geld oder Geschrei!

Das Lei­stungs­schmutz­recht ist offen­bar ein vol­ler Erfolg.

Wir erin­nern uns: Am 1. August 2013 trat die­ses Gesetz in Kraft. Aller­lei Ver­la­ge in Deutsch­land haben mal mehr, mal weni­ger hart mit der Legis­la­ti­ve gerun­gen, um ein Gesetz maß­ge­schnei­dert zu bekom­men, das im Wesent­li­chen Blog­gern und Such­ma­schi­nen das unbe­zahl­te Zitie­ren aus den eige­nen Online­auf­trit­ten – und damit kosten­lo­se Wer­bung – ver­bie­ten soll.

Meh­re­re klei­ne­re Such­an­bie­ter haben die ent­spre­chen­den Ver­lags­an­ge­bo­te ersatz­los gestri­chen, aber das hat nur weni­ge Men­schen inter­es­siert. Der Fokus liegt natür­lich auf Goog­le. Goog­le ist ein gro­ßer Kon­zern, Goog­le hat Geld, Goog­le soll zah­len.

Zunächst hat Goog­le das Gesetz weit­ge­hend igno­riert und in sei­nem Nach­rich­ten­ag­gre­ga­tor „Goog­le News“ trotz­dem wei­ter­hin auf die Nach­rich­ten­an­ge­bo­te ver­schie­de­ner Ver­la­ge ver­linkt. Dafür ist ein Nach­rich­ten­ag­gre­ga­tor da. Ren­nen also die Schmal­hän­se von VG Media zum Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt und kla­gen.

Goog­le blie­ben nun also nur zwei Mög­lich­kei­ten, um sich ans Gesetz zu hal­ten: Ent­we­der für jeden kosten­lo­sen Link auf ein VG-Media-Ange­bot Geld zu zah­len oder die strit­ti­gen Ange­bo­te gemäß den Vor­ga­ben des Lei­stungs­schmutz­rechts zu beschnei­den. Goog­le hat nun Letz­te­res getan (Hin­weis: Link auf ein Goog­le-Blog!):

Vor dem Hin­ter­grund die­ser Kla­ge wer­den wir Snip­pets und Thumbnails eini­ger bekann­ter Web­sei­ten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzei­gen, also jener Ver­la­ge, die in der VG Media orga­ni­siert sind. Für die­se Sei­ten wer­den wir nur noch den Link zum Arti­kel sowie des­sen Über­schrift anzei­gen.

Ren­nen also die Schmal­hän­se von VG Media zum Kar­tell­amt und kla­gen.

Die Ver­la­ge haben sich zuerst dar­über beklagt, dass Goog­le ihre Inhal­te (angeb­lich) rechts­wid­rig nutzt. Nun bekla­gen sie sich dar­über, dass Goog­le ihre Inhal­te nicht mehr rechts­wid­rig nutzt.
Ste­fan Nig­ge­mei­er

Ist mir auch ein Rät­sel, wie­so Ver­la­ge sin­ken­de Ein­nah­men haben. :irre:


Nütz­li­ches Hand­werks­zeug für’s näch­ste Bull­shit-Bin­go übri­gens: Die Flos­kel­wol­ke.


Nach­trag vom 23. Okto­ber 2014: Das Lei­stungs­schmutz­recht hat die Ver­la­ge dazu gezwun­gen, es nicht anzu­wen­den. :lachtot: Euch, Ver­la­ge, hat nie­mand geru­fen, also beschwert euch nicht, wenn ihr wie die Ein­dring­lin­ge behan­delt wer­det, die ihr seid.