In den NachrichtenWirtschaft
Euro­pa ist mehr.

(Vor­be­mer­kung: Ich habe von Wirt­schaft kei­ne Ahnung.)

Ich wur­de gefragt, wel­chen Vor­schlag ich zum wei­te­ren Umgang mit Grie­chen­land und sei­nen feh­len­den Finan­zen denn machen kön­ne; man kön­ne doch die Grie­chen nicht ein­fach ver­hun­gern las­sen. Bei der Betrach­tung die­ses Extrems lie­ße sich ver­mut­lich bei einem Blick ins Gesetz­buch vie­les abkür­zen:

Die Uni­on haf­tet nicht für die Ver­bind­lich­kei­ten (…) von Mit­glied­staa­ten und tritt nicht für der­ar­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten ein (…). Ein Mit­glied­staat haf­tet nicht für die Ver­bind­lich­kei­ten (…) eines ande­ren Mit­glied­staats und tritt nicht für der­ar­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten ein (…).

Aber man müs­se doch den Euro ret­ten, skan­diert man, um sein Gewis­sen zu rei­ni­gen. Die gehen sonst! Dass bei den Dis­kus­sio­nen dar­über, ob dadurch nicht unser Euro­pa gefähr­det wür­de, EU-Län­der wie Groß­bri­tan­ni­en und Schwe­den, die den Euro nicht haben wol­len, sowie völ­lig außen­ste­hen­de euro­päi­sche Staa­ten wie die Schweiz und Nor­we­gen, die trotz feh­len­der Mit­glied­schaft in der Euro­zo­ne nicht unbe­dingt durch eine am Boden lie­gen­de Wirt­schaft auf­fal­len, oft nicht ein­mal berück­sich­tigt wer­den, beein­flusst das Ergeb­nis sol­cher Über­le­gun­gen ver­mut­lich nicht in unbe­deu­ten­dem Aus­maß. Inso­fern zeich­ne­te auch Paul de Grau­we ein merk­wür­di­ges Bild von Euro­pa, als er bereits im April die­ses Jah­res ver­kün­de­te:

Eine Wäh­rungs­uni­on, in der ein­zel­ne Län­der aus­tre­ten kön­nen, wenn der finan­zi­el­le und öko­no­mi­sche Druck zu groß wird, ist eine kom­plett ande­re als das Kon­zept einer dau­er­haft bestehen­den Euro­zo­ne, wie wir sie bis­lang hat­ten.

(Her­vor­he­bung wie gewohnt von mir.)

Weil wir sie eben nicht bis­lang hat­ten. – Ver­schie­de­ne Staa­ten sind eben­so ver­schie­de­nen Markt­be­din­gun­gen unter­wor­fen, eine staa­ten­über­grei­fen­de Wäh­rung kann in einem hete­ro­ge­nen Staa­ten­bund nicht ohne grö­ße­re Kom­pro­mis­se funk­tio­nie­ren.

Grie­chen­land bräuch­te, wenn es nach dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds geht, etwa 30 Jah­re Zeit, um sei­ne Schul­den zurück­zu­zah­len. Wäre das Land bereits 2008 mit dem Ein­set­zen der Rezes­si­on aus dem Euro aus­ge­stie­gen (das schreck­li­che Wort „Grexit“ emp­feh­le ich jedem Men­schen mit auch nur gerin­gem Sprach­ver­mö­gen zu ver­mei­den), spe­ku­liert Simon Jenk­ins, so wäre sei­ne Wirt­schaft bereits nahe­zu sta­bil. Woher die Angst? Viel­leicht soll­te Grie­chen­land aus der Wäh­rungs­ge­mein­schaft aus­stei­gen, die schon jetzt von etwa einem Drit­tel der EU-Län­der nicht beach­tet wird. Viel­leicht soll­te der Euro auch aus der EU aus­stei­gen, denn ein tat­säch­li­cher Mehr­wert einer gemein­sa­men Wäh­rung ist mitt­ler­wei­le, nach­dem ihre ein­sti­gen Stan­dards in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind, zwei­fel­haft.

Dass als Zwi­schen­fa­zit all die­ser Dis­kus­si­on die Volks­sou­ve­rä­ni­tät Grie­chen­lands in ein „EU-Pro­tek­to­rat“ (Frank Schäff­ler, F.D.P.) über­ge­hen soll, ver­bes­sert die Lage auch aus mora­li­scher Sicht nicht:

All das, wofür Syri­za im Janu­ar gewählt wur­de und was jetzt beim Refe­ren­dum mit gro­ßer Mehr­heit bestä­tigt wur­de, soll nun über Bord gewor­fen wer­den. So lächer­lich unrea­li­stisch die ange­peil­ten Pri­va­ti­sie­rungs­er­lö­se von 50 Mil­li­ar­den Euro auch sein mögen, sie sind ein Schlag ins Gesicht der Sozia­li­sten in Grie­chen­land.

Eine euro­päi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft ist aus histo­ri­scher wie öko­no­mi­scher Sicht eine gute Idee. Sie kann aber selbst unter der Vor­aus­set­zung, dass sie auch ohne ein Drit­tel der mög­li­chen Teil­neh­mer noch als „intakt“ gewer­tet wird, nur funk­tio­nie­ren, wenn zweit­ran­gi­ge Wer­te wie etwa der Name der in ihren Mit­glieds­län­dern ver­wen­de­ten Wäh­rung kei­nen hohen Stel­len­wert ein­ge­räumt bekom­men. Im Übri­gen ist der Markt noch immer ein Vehi­kel und kein Prot­ago­nist; Schwe­den, Nor­we­gen und selbst Groß­bri­tan­ni­en sind bei allen wirt­schaft­li­chen Unter­schie­den noch immer ein Teil der euro­päi­schen Wer­te­ge­mein­schaft. Nun mag man von der euro­päi­schen Wer­te­ge­mein­schaft ange­sichts von Krieg und Elend so wenig hal­ten wie ich, aber es gilt: Euro­pa defi­niert sich nicht über gemein­sa­mes Geld, Euro­pa ist ein Ide­al.

In Soma­lia ver­hun­gern Kin­der und ihr wollt eure fehl­ge­plan­te Wäh­rung ret­ten?


Zum Aus­gleich noch etwas von die­ser abend­län­di­schen „Kul­tur“ („SPIEGEL ONLINE“), von der immer alle reden: Hihihi, er hat „kom­men“ gesagt!

KaufbefehleMusikkritik
Kür­zest­kri­tik: Are­n­na – Beats of Ola­ri­zu

Beats of OlarizuOlá­ri­zu ist, so vermeldet’s das Inter­net, der Name einer Grün­flä­che in Spa­ni­en, die vor eini­gen Jahr­hun­der­ten ein­mal ein Dorf war. Mir ist nicht bekannt, wie es dort klingt, aller­dings hat bereits 2011 die gleich­falls spa­ni­sche Band Are­n­na – aktu­el­les Album: „Given to Emp­tin­ess“ – mit ihrem Debüt­al­bum „Beats of Ola­ri­zu“ dies zu ver­to­nen ver­sucht.

Sechs Stücke zwi­schen fünf und 31 (davon etwa 11 Minu­ten Stil­le und eini­ge Geräu­sche) pras­seln hier auf den Hörer ein; wobei „Pras­seln“ wahr­schein­lich auch schon wie­der das fal­sche Wort ist, denn die fünf Her­ren den­ken sich etwas dabei, was nicht nur eher unty­pi­sche Lied­ti­tel wie „Meta­mor­pho­sis in Ic [0​,​9168 g​/​cm³]“ – es han­delt sich, wie’s das Inter­net weiß, um die Dich­te von Was­ser bei 0 Grad Cel­si­us – in Ver­bin­dung mit einem über­dies dazu pas­sen­den Text impli­zie­ren. Zu hören ist knacki­ger Stoner Rock mit einem stil­fer­nen Gesang, der über wei­te Strecken Jet­h­ro Tulls Ian Ander­son in Erin­ne­rung ruft, als er noch gut bei Stim­me war.

Es scheint wirk­lich schön zu sein auf der Wie­se.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitikNetzfundstücke
KoMa­Ra

:-(Schon wie­der Mon­tag, schon wie­der ent­täuscht. Die dies­jäh­ri­ge Demon­stra­ti­on „Frei­heit statt Angst“ gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, die am jüngst ver­gan­ge­nen Wochen­en­de auch in Han­no­ver, wo es die Regie­rung sicher­lich nur min­der bewe­gen wird, wenn ein Grüpp­chen Ver­rück­ter (Grüne/Linke) und nur weni­ge Ambi­tio­nier­te (AK Vorrat/Piratenpartei) die Stra­ßen säu­men und schüch­tern ver­kün­den, dass ihnen die Über­wa­chung durch den Staat eher weni­ger gut gefal­le, statt­fand, ver­läuft eher mau. Ändert ja eh‘ nichts.

Ande­rer­seits lernt man so neue Sei­ten von Han­no­ver ken­nen, zum Bei­spiel das unglaub­lich inten­siv nach Toi­let­te rie­chen­de Uri­nal am Rasch­platz. Han­no­ver mit allen Sin­nen erle­ben, schö­nes Ambi­en­te und bei­spiel­haf­te Hygie­ne, wis­sen­schon. Das ist kein Durch­ein­an­der, das ist künst­le­ri­sche Impro­vi­sa­ti­on.

Nein, das ist künst­le­ri­sche Impro­vi­sa­ti­on:

Pat Maste­lot­to, David Kol­lar, Pao­lo Rai­ne­ri – KOMARA

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPiratenpartei
Kurz notiert: Leih­da­tei­en

Julia Reda, die für die Pira­ten­par­tei Deutsch­land im Euro­päi­schen Par­la­ment sitzt und sich dort vor­nehm­lich mit dem Urhe­ber­recht befasst, hat es geschafft, ein euro­päi­sches „Lei­stungs­schutz­recht“ sowie eine wei­ter als bis­her gehen­de Ein­schrän­kung der Pan­ora­ma­frei­heit bis auf Wei­te­res zu ver­hin­dern. Das ist schön, das ist gut, das ist aber nicht alles:

Zum ersten Mal for­dert das Par­la­ment ver­pflich­ten­de Min­dest­stan­dards für die Rech­te [von Kon­su­men­ten], die auch nicht durch tech­ni­sche Kopier­schutz­maß­nah­men oder restrik­ti­ve Ver­trä­ge ein­ge­schränkt wer­den dür­fen. (…) Für Biblio­the­ken und für wis­sen­schaft­li­che Zwecke sol­len neue Befug­nis­se im Umgang mit digi­ta­len Medi­en geprüft wer­den – etwa zum Ver­leih von E‑Books.

E‑Books, die in der Regel als ein­zel­ne Datei ver­trie­ben wer­den, sol­len also, wenn alles nach Plan läuft, künf­tig auch ohne Kopier­schutz (etwa durch eine DRM-Imple­men­tie­rung, wie sie Ama­zon ein­setzt) in Biblio­the­ken ver­lie­hen wer­den kön­nen.

Ich fra­ge mich ja gera­de, wie die Rück­ga­be dann abläuft. Und wie vie­le Exem­pla­re eines E‑Books soll eine Biblio­thek dann eigent­lich vor­rä­tig haben? :mrgreen:

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Medi­en­kri­tik extern: So fällst du Jungs auf

Wäh­rend ich gele­gent­lich Frau­en­zeit­schrif­ten lese, liest Klop­fer gele­gent­lich die BRAVO und ihre Able­ger, aktu­ell mit die­sen Tipps, wie man sei­nen Schwarm erobert:

16 Wer auf­recht geht und steht, wirkt nicht nur grö­ßer, son­dern auch rei­fer. Und Jungs wer­den von rei­fe­ren Girls magisch ange­zo­gen.
20 Der Klas­si­ker: Stol­pe­re in Dei­nen Schwarm hin­ein. Ent­schul­di­ge Dich über­schwäng­lich bei ihm. Er wird Dich total nied­lich fin­den, weil Du ein klei­ner Toll­patsch bist.
23 Geh lang­sam und auf­recht an dei­nem Schwarm vor­bei. Ruhi­ge Bewe­gun­gen las­sen Dich älter und selbst­be­wuss­ter wir­ken!
24 Wenn Du mit einem Jun­gen sprichst, spie­le dabei mit einer Sträh­ne Dei­nes Haa­res. Das wirkt mäd­chen­haft und ziem­lich süß!
31 Hal­te Dei­ne Hän­de ruhig, wenn Du mit einem hüb­schen Typen sprichst. So wirkst Du gefasst und sicher und nicht so kin­disch wie ande­re Girls.

Das klappt sicher! :irre:


Da sag‘ noch einer, Por­no­gra­fie sei stets plump: Two Hot Invi­si­ble And Silent Les­bi­ans Fuck On The Flo­or.

MusikkritikMir wird geschlecht
HMPLFRN: Miss Plat­num lacht nicht zuletzt

1993 san­gen Ille­gal 2001 auf ihrem Debüt­al­bum in einem beacht­li­chen Refrain: „Mäd­chen sind doof / Mäd­chen sind doof, alle doof“. Von die­sem Schock haben sich deut­sche Musi­ke­rin­nen sehr lan­ge nicht erholt, bis schließ­lich Miss Plat­num kam und deren Ehre zu ver­tei­di­gen ver­such­te.

Miss Plat­num, die Älte­ren unter uns erin­nern sich womög­lich noch an ihre klu­gen Gesangs­bei­trä­ge („yeah / oh“) in Mar­te­ri­as über­durch­schnitt­lich gelun­ge­nem Gas­sen­hau­er „Lila Wol­ken“, ist laut Pres­se­infor­ma­tio­nen „ein nicht weg­zu­den­ken­der Teil der urba­nen deut­schen Musik­sze­ne“. Für sie (wie für mich) sei „das alles Pop­mu­sik“, den­noch sei­en „Schub­la­den“ für sie „genau­so unin­ter­es­sant wie Gen­der­talk“.

Wirk­lich? In ihrem der­zeit vie­ler­orts zu hören­den „Lied“ „MDCHN (Mäd­chen sind die bes­se­ren Jungs)“ (sic!) – lei­der lässt sie die Voka­le beim Into­nie­ren nicht weg – hört sich das ganz anders an.

‘HMPLFRN: Miss Plat­num lacht nicht zuletzt’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenMontagsmusik
Chris Squi­re. Aus Grün­den.

Och nööööEs ist Mon­tag, und mög­li­cher­wei­se soll­te man den Blick in die Nach­rich­ten noch um eine wei­te­re Woche auf­schie­ben, sonst wird man miss­mu­tig und das bekommt der Ver­dau­ung bei die­sem Wet­ter nicht. Aber Neu­gier, du Schelm! – Die Grie­chen, die­se Schla­wi­ner, haben schon wie­der Euro­pa mit ihrer lästi­gen Demo­kra­tie beschämt. Gucken wir also lie­ber auf die Pro­ble­me im eige­nen Land, zum Bei­spiel auf den Ruck von irgend­wem nach irgend­wo. Die AfD lernt von der SPD und treibt den lin­ken Flü­gel aus dem Saal. Pfff, gemä­ßig­te Poli­tik. Damit wird man nichts in die­sem Land.

Viel­leicht geht das mit Was­ser­spray ja auch wie­der weg. Was lei­der mit Was­ser­spray mit ziem­li­cher Sicher­heit nicht unge­sche­hen gemacht wer­den kann, ist der doch etwas über­ra­schen­de Tod Chris Squi­res, des ein­zi­gen dau­er­haf­ten Mit­glieds der Band Yes. Die­ses Jahr ist ver­flucht, was die Über­le­bens­chan­cen von Berühmt­hei­ten sei­ner Klas­se angeht, wie es scheint.

Obwohl er Yes in den 1980er Jah­ren in eine Zeit der wirk­lich schau­der­haf­ten Pop­mu­sik geführt und Bil­ly Sher­woods Betei­li­gung nicht ver­hin­dert hat, war sein Bass­spiel doch eins der prä­gen­den Ele­men­te von Yes und indi­rekt auch vie­len Bands, die ihnen nach­ei­fer­ten und zum Teil bis heu­te nach­ei­fern; sein Solo­werk, das ein­zig dar­an krank­te, dass er nie ein beson­ders her­aus­ra­gen­der Sän­ger war, ver­blass­te dahin­ter völ­lig.

Aber heu­te sind wir mal nicht so.

Guten Mor­gen.

PersönlichesFotografie
Tür­kisch für Anfän­ger

Dem auf­merk­sa­men Leser die­ser Zei­len ist womög­lich mein unüb­li­ches Schwei­gen der letz­ten Tage auf die­ser Inter­net­prä­senz nicht ent­gan­gen. Die Zeit, die ich anson­sten mit welt­män­ni­scher Atti­tü­de und hoher Kunst ver­brin­ge, habe ich indes dies­mal ander­wei­tig zu fül­len beschlos­sen und mit der besten, lieb­rei­zend­sten Beglei­tung, die ein alter Gries­gram wie ich eigent­lich kaum ver­dient haben dürf­te, eine Rei­se in ein fer­nes Land ange­tre­ten.

Wäh­rend das stets unzu­frie­de­ne Volk des Hei­mat­lands sich die­ser Tage also, über­wäl­tigt davon, dass sich ihr Seh­nen nach einem Som­mer, wie er frü­her ein­mal war (R.C.), letzt­lich in Form einer Wär­me­pha­se („Hit­ze­wel­le“, die Medi­en) erfüllt hat, ent­setzt stöh­nend in küh­le Schat­ten zurück­zieht, liegt der Ver­fas­ser die­ser Zei­len, aus­ge­stat­tet mit Schirm­chen­ge­tränk und Son­nen­bril­le, am Pal­men­strand und ver­steht das Pro­blem nicht; über­dies in einem Land, das jedes Kli­schee mit hof­fent­lich unbe­ab­sich­tig­ter Selbst­iro­nie wahl­wei­se zunich­te macht oder voll und ganz bestä­tigt. Zwar gibt es weder Feze noch Kopf­tü­cher, dafür aber vie­le schnauz­bär­ti­ge Her­ren auf Pla­ka­ten und an der Stra­ße, an der ande­re Tou­ri­sten mit dem oto­büs oder einem tak­si zum Hotel gefah­ren wer­den, das neben ARD und ZDF einen Fern­seh­sen­der namens Süper RTL kennt. Was bei Hal­ler­vor­den noch poli­ti­sche Spit­ze sein durf­te, genügt hier noch immer zur Neu­aus­rich­tung von Welt­bil­dern (lies: des mei­nen).

Süper RTL

Genug Erleb­nis darf’s bei all der ange­nehm son­ni­gen Ent­span­nung dann doch sein, und so zieht es den Rei­sen­den an einem strand­ar­men Tag in die Stadt (Anta­lya), wo es zu viel Eis und einen Basar gibt, an des­sen Ein­gang man vor „getürk­ter Ware“ gewarnt wird. Erwähn­te ich, dass die­ses Land Kli­schees zu ver­nich­ten imstan­de ist? Anta­lya, bis auf Wei­te­res die Welt­haupt­stadt der Selbst­iro­nie, zeigt sich hier von sei­ner besten Sei­te.

Daniel Klein

Döner

Echt ist aller­dings die Kul­tur dahin­ter, vie­le Jahr­hun­der­te Tra­di­ti­on ste­hen west­li­cher Ver­ir­rung dia­me­tral ent­ge­gen:

Kitsch Gewürze

Über­haupt ist in Anta­lya vie­les grö­ßer, selbst der Spam denkt in grö­ße­ren Dimen­sio­nen. Via­gra-Cia­lis-Mails? Ach, i wo! Schnö­de Mails sind der west­li­chen Indu­strie ver­macht, die­ser Adres­sa­ten­kreis ist ein weit wei­te­rer:

Viagra Cialis

Und trotz all­dem: Eigent­lich ist es ja doch ganz schön, die­ses Land.

Antalya 1 Antalya 2 Antalya 3 Antalya 4

Warm hier heu­te, nicht wahr?

In den NachrichtenMontagsmusik
Pixies – Bag­boy

Hi, na?Manch­mal ist so ein Mon­tag­mor­gen dann ja doch noch etwas Schö­nes, wenn man mit den Gedan­ken dort ist, wo das Leben nicht rotiert, son­dern gemäch­lich sei­ne Bah­nen zieht, und man eigent­lich viel zu ent­spannt ist, um sich um die Angst vor grie­chi­scher Demo­kra­tie und femi­ni­sti­schen Non­sens zu sche­ren, weil genug Schö­nes in Sicht- und Reich­wei­te ist und man vor Woh­lig- und Zwei­sam­keit ver­se­hent­lich das Mor­gen­muf­feln ver­gisst.

Auch Schwu­le dür­fen in den USA jetzt unglück­lich ver­hei­ra­tet sein. Leich­ter haben es jetzt immer­hin Idio­ten: Piz­za auf Knopf­druck, was kann da schon schief­ge­hen? Unser­eins macht sich noch Gedan­ken dar­über, wel­che Unter­ho­se er heu­te anzieht, aber die Ver­ein­fa­chung des Lebens wird seit eini­gen Jah­ren pop­kul­tu­rell als Maxi­me aus­ge­schlach­tet. Sim­pli­fy your Mon­tag­mor­gen. Dabei kann es so ein­fach sein.

Und gegen das Aber hel­fen noch immer Lie­be und etwas Rock­mu­sik.

Pixies – Bag­boy – Live At AB Brussel 03-10-2013

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Viel Rauch um nichts

(Vor­be­mer­kung: Es folgt kei­ne Poin­te.)

Wenn die Grü­nen gera­de nicht Krieg und/oder Kin­der­ficken befür­wor­ten und die Ehe für Homo­se­xu­el­le, medi­al oft grif­fig, aber sach­lich völ­lig falsch auch „Ehe für alle“ genannt, ableh­nen, wer­fen sie mit Fei­gen­blät­tern nach ihrer Stamm­kli­en­tel:

Haschisch und Mari­hua­na sol­len im Ber­li­ner Bezirk Fried­richs­hain-Kreuz­berg bald in zwei Cof­fee­shops legal ver­kauft wer­den dür­fen.

Dies sol­le wie in Uru­gu­ay, so heißt es, den offen­bar flo­rie­ren­den Ber­li­ner Schwarz­markt für der­lei Dro­gen, von dem ich anneh­me, dass die Stadt ihren Ruf als „Künstler“-Hochburg ihm zu ver­dan­ken hat, ein­däm­men. Das ist, wie man es von den Grü­nen nicht anders erwar­ten kann, aller­dings etwas zu kurz gegrif­fen. Dass die Gleich­set­zung von „Cof­fee­shop“ – mehr oder weni­ger ein „Kif­fer­ca­fé“ – und apo­the­ken­ähn­li­cher „Abga­be­stel­le“ blan­ker Popu­lis­mus ist, sei den schlim­men Grü­nen ja bei­na­he ver­zie­hen, aller­dings ist ihr Vor­ha­ben auch aus ande­ren Grün­den skep­tisch zu betrach­ten, denn den­je­ni­gen, die Can­na­bis kon­su­mie­ren, geht es nor­ma­ler­wei­se nicht nur dar­um, unter bestimm­ten Umstän­den mög­li­cher­wei­se wel­ches bean­tra­gen zu dür­fen. Es geht um Frei­heit, Bru­der.

Zunächst müss­te – wie in Uru­gu­ay – bei einer kon­trol­lier­ten Abga­be hin­ge­gen ein zuver­läs­si­ges, durch­set­zungs­fä­hi­ges Kon­troll­ver­fah­ren ent­wickelt und instal­liert wer­den. Um Miss­brauch – wie auch immer man sich „Miss­brauch“ in Abgren­zung zum „Kon­sum“ genau vor­zu­stel­len hat – vor­zu­beu­gen, müss­ten Käu­fer zen­tral erfasst wer­den. Ent­kri­mi­na­li­siert zu wer­den, indem man in min­de­stens einer wei­te­ren staat­li­chen Daten­bank auf­ge­nom­men und in einem wei­te­ren Aspekt sei­nes Lebens kon­trol­liert wird, ist ver­mut­lich ein Gefühl, um das ich die Fried­richs­hain-Kreuz­ber­ger wie auch um ihren furcht­bar häss­li­chen Stadt­be­zirk wahr­lich nicht benei­de.

Wor­um ich sie im höchst unwahr­schein­li­chen Fal­le der Can­na­bis­frei­ga­be übri­gens auch nicht benei­de, ist die schon jetzt abzu­se­hen­de Beschrän­kung von Men­ge und Wir­kung, die als min­dester Kom­pro­miss mit der elen­den CDU nicht all­zu weit her­ge­holt scheint. Kif­fen dürfen­se, aber nur so viel und so schwa­ches Zeug, dass sie völ­lig den Spaß dar­an ver­lie­ren. Immer­hin ist guter Stoff teu­er, und wäh­rend das einen Kon­su­men­ten oft nicht stö­ren soll­te, ist es bei aus öffent­li­cher Kas­se bezahl­ten Dro­gen nicht so leicht­fer­tig zu hand­ha­ben. Fünf Gramm sind eben auch fünf Gramm, wenn sie nichts bewir­ken. Aber um den blo­ßen Rausch ging es nie und wird es auch nie gehen, wie in den­je­ni­gen Län­dern, die sowie­so kein Pro­blem mit Can­na­bis­kon­su­men­ten haben, zu beob­ach­ten ist, wo Kif­fen kei­ner expli­zi­ten Geneh­mi­gung bedarf, etwa in Jamai­ka.

Dass ein ande­rer sozia­ler Aspekt eben­falls den pri­va­ten Aus­tausch inter­es­san­ter macht als Apo­the­ken­hanf, sei viel­leicht aus eige­ner Erfah­rung bei­gefügt: Can­na­bis schmeckt, nicht völ­lig ver­schie­den vom Whis­key, deut­lich bes­ser, wenn man es in Gesell­schaft genießt. Die men­ta­le Ste­ri­li­tät von staat­lich und büro­kra­tisch kon­trol­liert abge­ge­be­nem Can­na­bis ist wohl nur ver­gleich­bar mit Welt­li­te­ra­tur, die man sich aus der Schul­bü­che­rei aus­leiht, oder Musik­strea­ming statt Plat­ten­kauf. Vor 11 Jah­ren teil­te die jun­ge Lena Bey­er­ling ihrem Film­va­ter Ingo Nau­joks mit, sie wol­le, wenn sie groß sei, auch mal Spie­ßer wer­den. Eine Neu­auf­la­ge wür­de sich anbie­ten. (Das war jetzt etwas unsach­lich.)

Deutsch­lands Dro­gen­po­li­tik sei rück­stän­dig, befand Den­nis Schulz heu­te auf Twit­ter. Viel­leicht ist sie aber auch das, was Can­na­bis aus den dunk­len mit Tabak und bil­li­gem Schnaps befüll­ten Ecken der Gesell­schaft weit­ge­hend fern­zu­hal­ten ver­mag.

PolitikNetzfundstückeMontagsmusik
Jule­ah – Beau­tiful For You

Bitte drückenEs ist Mon­tag. „Auf­ste­hen, Krön­chen rich­ten, wei­ter­ge­hen“, so lau­tet eine ver­brei­te­te Twit­ter­weis­heit, aber die Mon­ar­chie ist abge­schafft.

Wenig­stens tut end­lich jemand etwas für die Kin­der: Jugend gefähr­den­de E‑Books dür­fen nur noch nachts online ver­kauft wer­den, weil Jugend­li­che zwi­schen 22 und 6 Uhr bekannt­lich nicht im Inter­net sind, son­dern brav mit einem Mär­chen­buch im Bett lie­gen. Ent­schul­di­gung, Ihre Kunst steht im Hal­te­ver­bot.

Und sonst so? Der SPD-Abge­ord­ne­te und ‑Mini­ster Rein­hold Gall ver­zich­tet gern auf ver­meint­li­che Frei­heits­rech­te, was über die Qua­li­tät der SPD 2015 alles Not­wen­di­ge aus­sagt. Immer­hin wird so die Ener­gie­wen­de geför­dert, allein die Rota­ti­ons­en­er­gie Wil­ly Brandts in sei­nem Grab reicht für Hun­der­te sol­cher Idio­ti­en. Eine Rede, eine Rede!

Schnell ab- und ein­tau­chen, bevor es noch schlim­mer wird.

Jule­ah – Beau­tiful For You

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeNerdkrams
Ver­que­e­re Ent­wick­ler­lo­gik

Open Source schei­tert regel­mä­ßig auch dar­an, dass sei­ne Ent­wick­ler nur Men­schen sind. Dass Linus Tor­valds und Theo de Raadt nicht unbe­dingt zu den beson­nen­sten Dis­ku­tan­ten gehö­ren, ist bekannt; man muss ja auch weder Open­BSD noch Linux nut­zen, wenn man lie­ber Soft­ware von Men­schen nut­zen möch­te, denen Sanft­heit aus jeder Sil­be quillt. Mir per­sön­lich ist es bei einer Soft­ware übri­gens eigent­lich aus­schließ­lich wich­tig, wie gut sie den von mir gewünsch­ten Zweck erfüllt, wes­halb ich mich auch nicht auf ein System fest­le­ge und auch Syste­me von Unsym­pa­then nicht zu nut­zen aus­schlie­ße, wenn sie funk­tio­nie­ren.

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In den NachrichtenPolitik
Ver­bre­chen aus Waf­fen­be­sitz

Seit gestern wird wie­der ein­mal wild spe­ku­liert: Ein Nicht­schwar­zer betrat eine Kir­che und erschoss dort diver­se Schwar­ze beim Beten. Die zyni­sche Anmer­kung, dass ihr Glau­be sie damit wohl getö­tet hat, könn­te ich hier anbrin­gen, mir damit die alt­be­kann­ten Anfein­dun­gen ein­fan­gen und alles wär‘ beim Alten. Ras­sis­mus sei doch schreck­lich, Ras­sis­mus sei das Pro­blem.

Wenn jemand in den USA irgend­wo hin­geht und schein­bar wahl­los Leu­te umbringt, dann ist es eigent­lich erst ab einer zwei­stel­li­gen Zahl von Opfern von beson­de­rem Nach­rich­ten­wert. Da tra­gen ja alle Waf­fen und schie­ßen stän­dig auf wen, haha­ha, kennt man ja, die­se Ame­ri­ka­ner. So doof. – Bis es jeman­den trifft, des­sen Haut­far­be nicht der des Angrei­fers ähnelt.

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