In den Nachrichten
In aller Kür­ze: Pap­pa ante por­tas, Kuba­ner aus dem Häus­chen

Och:

Tau­sen­de Kuba­ner jubel­ten dem Papst auf den Stra­ßen von Havan­na zu. Gleich nach der Ankunft for­der­te Fran­zis­kus mehr Reli­gi­ons­frei­heit in dem kom­mu­ni­sti­schen Kari­bik­staat.

Papst Franz, Staats­ober­haupt eines Lan­des, des­sen Staats­bür­ger­schaft nur an Katho­li­ken ver­ge­ben wird, hat offen­sicht­lich ein gespal­te­nes Bild von Reli­gi­ons­frei­heit. – Ach, um Reli­gi­onsfrei­heit geht es gar nicht, son­dern dar­um, den Ein­fluss der Katho­li­ken zu meh­ren?

Die Kir­che wol­le das kuba­ni­sche Volk mit sei­nen Hoff­nun­gen und sei­nen Sor­gen beglei­ten, „in Frei­heit und mit allen not­wen­di­gen Mit­teln und Frei­räu­men“, sag­te der 78-Jäh­ri­ge.

Dann hab‘ ich nichts gesagt!

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes, 17.09.2015

Hur­ra – die Bahn reagiert auf preis­wer­te­re Kon­kur­renz und wird in die­sem Jahr aus­nahms­wei­se günst nicht teu­rer! Also nur ein biss­chen und nicht über­all.


Der Fort­schritt ist nicht mehr auf­zu­hal­ten: Es gibt jetzt trag­ba­re Bana­nen.


Eevee erklärt (bedau­er­li­cher­wei­se auf Eng­lisch), war­um Uni­code geschei­tert ist. Bonus: Im Kom­men­tar­be­reich steht, wie man sich eine Emo­ji-Domain regi­strie­ren kann.


Als wei­ße Per­son die Betei­li­gung einer Schwar­zen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer anti­ras­si­sti­schen Inter­ven­ti­on gegen eine wei­ße Lehr­per­son zu for­dern, ver­ste­hen wir als Toke­ni­zing (Instru­men­ta­li­sie­rung). Was?


Wie schön: Die Wer­be­dienst­lei­ster beto­nen die Qua­li­tät!


Neu­es aus dem Land der Frei­heit: Du darfst als 14-Jäh­ri­ger in den USA natür­lich schon krea­tiv und tech­nisch begabt sein, aber wenn du dir eine Uhr baust und dum­mer­wei­se Ahmed heißt, gibt’s Zel­len­ar­rest.

PersönlichesMusik
Sein oder ich sein? (Fünf Jah­re danach.)

(Und irgend­wann wacht man auf und ist zum ersten Mal im Leben älter als man sich fühlt. Was war denn das jetzt? Man ist doch kein biss­chen rei­fer, wei­ser, bes­ser als noch gestern gewor­den. Ist das das Leben oder war es das oder wird es das gewe­sen sein? Man war ja noch lan­ge kei­ne 30 und ist es bis zum letz­ten Tag auch nicht gewor­den. Wie alt ist eigent­lich zu alt für wen, für was? Vor lau­ter Per­spek­ti­ven sieht man sich selbst schon nicht mehr im Spie­gel, was mit zuse­hends vor­an­schrei­ten­der Alte­rung eine immer erfreu­li­che­re Aus­sicht ist. Die grau­en Haa­re auf dem Kis­sen sind Zeu­ge genug des eige­nen Ver­sa­gens, des eige­nen Ver­rats an sich selbst. Man soll­te, man müss­te, man hat­te nur nicht. Kein Vor­an, kein Bestand. Die Evo­lu­ti­on der Gesell­schaft frisst zuerst die, die sie fürch­ten. Das Leben über­holt immer zwei­mal, wäh­rend man kurz rastet. Man hat längst ver­lo­ren, zuletzt schließ­lich sei­nen Humor.)

… und jeder Son­nen­strahl trifft dich wie ’ne Kugel aus Stahl,
schießt Bil­der in dei­nen Kopf, die dir vor Stun­den egal,
und alte Wun­den fan­gen wie­der zu blu­ten an,
du starrst nur Löcher in die Luft, hun­dert Minu­ten lang …

(Die Fan­ta­sti­schen Vier: Hey!)

(Erschöpft ab.)

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz notiert zum „Relaunch“ von „ZEIT ONLINE“

Soso, ZEIT ONLINE hat sich ein neu­es, häss­li­ches Gesicht gege­ben: Die Web­site ist jetzt „respon­si­ve“, das bedeu­tet, dass die gro­tesk über­di­men­sio­nier­te Wer­bung, die den eigent­li­che Sei­ten­in­halt ein­rahmt und bei Ein­satz eines Wer­be­blockers auf leid­lich moder­nen Bild­schir­men unfein aus­se­hen­de Sei­ten­rän­der hin­ter­lässt, jetzt mit der Brow­ser­grö­ße wächst. Ich habe ein klei­nes User­script (gete­stet unter Fire­fox mit Grea­se­m­on­key) geschrie­ben, das die schlimm­sten Schmer­zen wenig­stens ober­fläch­lich zu besei­ti­gen ver­sucht.

Noch ärger­li­cher aller­dings ist die­ser Satz:

Das so genann­te mobi­le Inter­net, so glau­ben wir, IST in Zukunft das Inter­net.

Dass „das Inter­net“ mit „dem Web“ iden­tisch sein soll, lässt mich auf­sto­ßen. Dafür, dass Use­net, File­sha­ring, E‑Mail, Gopher und „WWW“ in einen Topf gewor­fen wer­den, sind wir 1989 nicht auf die Stra­ße gegan­gen! – Obwohl sicher­lich ver­schie­de­ne Ver­tre­ter der Indu­strie und Wirt­schaft ins glei­che Horn sto­ßen: Mobi­le Gerä­te tau­gen, allen Klapp­ta­sta­tu­ren zum Trotz, allen­falls zum Kon­sum von so genann­tem con­tent, das Ver­fas­sen von Tex­ten aber macht dar­auf noch immer nicht beson­ders viel Spaß. Dass es in Zukunft eine qua­si strik­te Tei­lung zwi­schen Lese- und Schreib­web geben wird, steht zwar zu befürch­ten, aber eine Gleich­set­zung wäre über­trie­ben.

Dass die „ZEIT“ hier mit der Zeit geht, ist zwar kaum von der Hand zu wei­sen, aber bedrückend alle­mal.

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Blueneck – Seven

MontagseuleMon­tag. Herr­lich. Den „Tages­spie­gel“ kann man ja auch nicht mehr lesen. Wen­den wir uns also lie­ber aus­län­di­schen Medi­en zu, zum Bei­spiel sol­chen aus Öster­reich:

Wenn eine Wei­ter­rei­se nach Deutsch­land nicht mög­lich ist, dann könn­ten in den kom­men­den Tagen zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge in Öster­reich stran­den, mehr als je zuvor.

Das Wort „Stran­den“ kennt man sonst nur in Ver­bin­dung mit ein­sa­men Inseln; viel­leicht hat die Zei­tung „der Stan­dard“ inso­fern also einen noch kri­ti­sche­ren Blick auf ihr Hei­mat­land als es die Impli­ka­ti­on, nie­mand sei ver­zwei­felt genug, um aus­ge­rech­net gezielt nach Öster­reich zu flie­hen, bereits andeu­tet. Punk, Punk aller­or­ten.

Über­haupt, die Revo­lu­ti­on: Bei „Blend­le“ kann man digi­ta­li­sier­te Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel nicht nur kau­fen, son­dern auch zurück­ge­ben (Vor­sicht: t3n.de), was wahr­schein­lich aber nur geht, wenn man nicht ver­se­hent­lich ein Esels­ohr hin­ein­ge­macht hat.

Was soll’s? Es ist, wie erwähnt, Mon­tag. Zeit für etwas Ruhe und viel­leicht ein kur­zes Ver­rei­sen.

Zum Bei­spiel so:

Blueneck – Seven – Live@Bingo, Kiev – Astral4 [05.09.2013]

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Jurek Skro­ba­la und die Pis­se.

Soll ja kei­ner sagen, deut­scher Punk sei tot:

Pis­se hat Schni­po Schran­ke bekannt gemacht. In dem gleich­na­mi­gen Song der Band um Frie­de­ri­ke Ernst und Danie­la Reis, bei­de Mit­te 20, sin­gen sie Zei­len wie „Hab mei­ne Für­ze ange­zün­det“ oder „Dein Han­dy mit den Arsch­backen gehal­ten, nur um dich zu unter­hal­ten“. Im Musik­vi­deo sieht man einen Penis, auf You­Tube ist es gesperrt. (…) Die klu­gen Tex­te krei­sen vor allem um die Lie­be, the­ma­ti­sie­ren auch mal Körb­chen­grö­ßen, Sper­ma­ge­schmack, Scham­haa­re, Pari­ser, voll­ge­kack­te Hosen und eben auch: Pis­se.

Ande­re Leu­te wer­den mit einem wich­ti­gen Bei­trag zur Gesell­schaft oder wenig­stens zur Kunst bekannt, hier­zu­lan­de genü­gen schon ein blö­der Band­na­me (mir ist aller­dings unklar, wie­so Zen­tral­hei­zung of Death des Todes bis­lang kei­ne nen­nens­wer­te Berühmt­heit erlangt haben) und Pipi­ka­ka­wit­ze; man beach­te spa­ßes­hal­ber auch ein­mal, was Pri­vat­sen­der dies­seits des Weiß­wur­st­äqua­tors für Kaba­rett hal­ten, und fra­ge dann mal gleich­falls spa­ßes­hal­ber nach dem Sinn des Lebens.

„Kraut­rock“ nennt die Jour­na­li­sten­pfei­fe Jurek Skro­ba­la („SPIEGEL ONLINE“) die­sen Unfug: „Klu­ge Tex­te“ – „na nanana­na nana­na na na na“ („Pis­se“) – wer­den zu Kir­mes­mu­sik, die bei Foy­er des Arts wenig­stens noch iro­nisch wirk­te, mehr oder weni­ger inbrün­stig („kaput­te Chan­sons“, J. Skro­ba­la) vor­ge­tra­gen und bewe­gen so die Gemü­ter, weil sie schlüpf­ri­ge Wör­ter ent­hal­ten, als sei 1967 nichts pas­siert. Eine der bei­den „Musi­ke­rin­nen“ erzählt hier­zu:

„Pis­se“ fällt ja vor allem wegen der Wort­wahl auf. Und das, obwohl Pis­se noch nicht mal ein beson­ders schlim­mes Wort ist. Jeder sagt das wahr­schein­lich min­de­stens ein­mal am Tag.

Ich kann mich gera­de nicht dar­an erin­nern, wann genau ich zuletzt min­de­stens ein­mal „Pis­se“ gesagt habe, aber ich woh­ne auch nicht in Ham­burg und bin auch sonst noch eini­ger­ma­ßen rich­tig im Kopf. Und die­ser Name, die­ser Name! Schni­Po Schran­ke, Schnit­zel mit Pom­mes, Ketch­up und Mayon­nai­se, wer von bei­den auch immer was davon genau ver­kör­pern soll, und dann kriegt Jurek Skro­ba­la nicht ein­mal das mit der Umgangs­spra­che auf die Rei­he:

Reis und Ernst grün­de­ten eine Band, die sie nach einem Zitat von Kurt Krö­mer benann­ten, und zogen nach Ham­burg, obwohl sie kei­ne Ahnung von der Ham­bur­ger Schu­le hat­ten.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Ich woh­ne übri­gens eben­falls ziem­lich unbe­hel­ligt in Nie­der­sach­sen, ohne ein Pferd zu besit­zen, aber ich schrei­be auch nur Din­ge ins Inter­net rein und mache kei­ne lang­wei­li­ge Pop­scheiß­mu­sik. Schlim­mer sind zumin­dest die Schwei­zer geplagt, die Schni­po Schran­ke im Juni bereits vor­aus­sag­ten, an ihnen in der zwei­ten Jah­res­hälf­te nicht vor­bei zu kom­men. Schwei­zer Radio­sen­der schei­nen eine Qual zu sein.

Pis­se. Loll. (Natür­lich mit Doppel‑L, was dach­tet ihr denn?)


Mei­ne Lieb­lings­sta­ti­stik des Tages: Vor allem Men­schen aus Ost­deutsch­land sind der Mei­nung, dass es wie­der stär­ke­re Grenz­kon­trol­len inner­halb Euro­pas geben soll­te.

(mit Dank an R.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Die Aus­ge­sto­ße­nen

Das Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten schlägt wie­der zu:

Eine wei­ße Frau, die Kla­ge ein­ge­reicht hat­te, nach­dem sie ver­se­hent­lich mit dem Sper­ma eines Afro­ame­ri­ka­ners befruch­tet wor­den war, muss ihre Kla­ge nun erneut stel­len, nach­dem ein Rich­ter aus Illi­nois ihre For­de­run­gen an die Samen­bank abge­lehnt hat­te. (…) [Jen­ni­fer] Cram­bletts Anwalt erläu­ter­te, dass der Feh­ler ihr und ihrer Fami­lie Stress, Schmerz, Leid und medi­zi­ni­sche Kosten ver­ur­sacht habe; außer­dem führ­te er aus, dass sie fürch­ten muss­te, dass ihre Toch­ter Pay­ton, inzwi­schen drei Jah­re alt, in ihrem, Frau Cram­bletts, vor­ran­gig wei­ßen Freun­des- und Bekann­ten­kreis mit dem Gefühl auf­wach­sen wür­de, eine „Aus­ge­sto­ße­ne“ zu sein.

(Über­set­zung von mir.)

Nein, mein Kind, ich habe zwar vor Gericht ver­sucht, dich als Scha­den gel­tend zu machen, weil du schwarz bist, aber weißt du, mei­ne Freun­de sind alle so ras­si­stisch.

:irre:

MusikIn den NachrichtenMontagsmusik
Bee Gees – Stay­in‘ Ali­ve

Party!Es ist Mon­tag. Nach einer mir vor­lie­gen­den Mit­tei­lung sind Sie ver­stor­ben, ganz all­ge­mein ist das ja noch nichts Schlech­tes, wenn das nicht gleich­zei­tig eben auch ein Drücken vor der Ver­ant­wor­tung wäre. Das Bett ist noch warm. Auch der welt­be­ste Som­mer chan­giert ein­mal. Plüsch gefäl­lig?

Ein­mal nicht den Pim­mel zei­gen. Was bewegt die Welt statt­des­sen? Laut „SPIEGEL ONLINE“ ist die Fra­ge, ob Fern­seh­kri­mis wirk­lich so pas­siert sind, meh­re­re Bild­schirm­sei­ten wert, obwohl die Ant­wort in einem Wort gege­ben wer­den könn­te.

Wahr­schein­lich ist das alles egal und wahr­schein­lich gehen die kids in der Schu­le ab heu­te wie­der voll ab, weil Dr. Luke ein wei­te­res Gleich­form-Lied­chen her­vor­brin­gen muss­te. Um man­che „Musi­ker“ ist es scha­de, weil sie noch nicht auf­ge­hört haben.

Was soll’s, das Leben geht sozu­sa­gen wei­ter. Der Zweck ist unklar.

Bee Gees – Stay­in‘ Ali­ve (Offi­ci­al Video)

Mrgn.

SonstigesIn den NachrichtenMusik
Akti­on Doof

Was für eine groß­ar­ti­ge Idee doch ein Musik­leh­rer aus Nie­der­sach­sen da hat­te:

Ein Musik­leh­rer aus Nie­der­sach­sen will ein altes Lied der Band Die Ärz­te zurück in die Charts brin­gen – als Reak­ti­on auf den zuneh­men­den Hass gegen Flücht­lin­ge und die Anschlä­ge auf Hei­me, wie zuletzt bei­spiels­wei­se in Hei­den­au, Mei­ßen oder Frei­tal. Seit Sonn­tag exi­stiert die Initia­ti­ve „Akti­on Arsch­loch“ mit eige­ner Web­page und Face­book- sowie Twit­ter-Prä­senz.

Denn nichts, aber auch gar nichts auf der Welt könn­te effi­zi­en­ter das zuse­hends ärger wer­den­de Kul­tur­pro­blem zwi­schen Ein­wan­de­rern und Ein­hei­mi­schen bekämp­fen als ein Poprock­lied­chen, des­sen Kern­aus­sa­ge es ist, dass Rechts­ra­di­ka­le alle­samt ver­weich­lich­te Mem­men und, daher der Name der „Akti­on“, „Arsch­lö­cher“ sei­en. Brül­len gegen Rechts, Eier­lau­fen gegen das Böse.

Nun trägt es zu mehr Sach­lich­keit kei­nes­wegs bei, dass die­je­ni­gen, die die­se „Akti­on Arsch­loch“ unter­stüt­zen, gleich­zei­tig ernst­haft dar­über debat­tie­ren, unter wel­chen Umstän­den die media­le Zur­schau­stel­lung von auf­grund behörd­li­cher Ver­nach­läs­si­gung ver­stor­be­nen Flücht­lin­gen einen wert­vol­len Bei­trag zur Bes­se­rung der Situa­ti­on dar­stel­le, so dass man über alt­her­ge­brach­te Wer­te wie Men­schen­wür­de, Pri­vat­sphä­re und Wah­rung der Toten­ru­he groß­zü­gig hin­weg­se­hen kön­ne. Irgend­wo habe ich in die­sem Zusam­men­hang erst heu­te gele­sen, dass eine Foto­gra­fin nach eige­nen Anga­ben beim Sich­ten der her­um­lie­gen­den Lei­chen erst dann nen­nens­wert erschüt­tert war, als sie sie als Kin­der iden­ti­fi­ziert hat­te. Den Wert einer Lei­che am Alter ihres Kör­pers zu mes­sen ist viel­leicht das, was irgend­wer von gerin­ger gei­sti­ger Lei­stung als Mensch­lich­keit und Mit­ge­fühl ver­steht.

Pro­fes­sio­nel­le Distanz endet an Was­ser­lei­chen; zahl­rei­che tote Flücht­lin­ge, die irgend­wo ertrin­ken, sind eben nur eine Zahl, bis sie wehr­lo­se Kin­der sind und man einen wer­be­fi­nan­zier­ten Arti­kel mit ihnen bebil­dern kann. Als wäre der Bil­der­wahn nicht schon dadurch auf eine aus­rei­chend irre Art belegt, dass bei der Bericht­erstat­tung über Gerichts­ver­fah­ren all­zu häu­fig Fotos aus dem Gerichts­saal, die Ange­klag­te mit Akten­ord­nern anstel­le ihres Gesichts zei­gen, eine Rol­le spie­len. Seht her, lie­be Leser, hin­ter die­sem Akten­ord­ner sitzt ein mög­li­cher Täter und unser Foto­graf hat kei­ne Mühen gescheut, euch die­sen Akten­ord­ner in Far­be prä­sen­tie­ren zu kön­nen.

Mir fällt zu all dem auch nicht viel mehr als ein Lied einer Musik­grup­pe ein, die vie­len Unter­stüt­zern der „Akti­on Arsch­loch“ ver­mut­lich auch nicht völ­lig unbe­kannt ist.

Slime (Schwei­ne­herbst 1993) [22]. Bes­ser­wis­se­rei Stinkt

Sag‘ dei­ne Mei­nung, übe Kri­tik,
doch behaup­te nicht, dass du die Wahr­heit kennst. (…)
Ver­schon‘ mich mit dei­ner beschiss’nen Moral;
sie ist nicht mal das Band wert, auf dem du sie besingst!

Aber viel­leicht ist das zu reflek­tiert für die, die stets das Rich­ti­ge tun.

In den NachrichtenNerdkrams
Goog­le: Nep­per, Schlep­per, Apper (die Abkür­zung ist Zufall)

Heißa, was ist das wie­der für ein Rum­mel: Zuerst hat der US-ame­ri­ka­ni­sche Tech­no­lo­gie­kon­zern Goog­le einen Herrn Sun­dar Pichai, der wohl seit Jah­ren dar­auf gewar­tet hat, zum Fir­men­chef gemacht, die Fir­ma Goog­le aller­dings etwa zur glei­chen Zeit einem noch grö­ße­ren Kon­zern unter­ge­ord­net (wäre ich Herr Pichai, ich hät­te ja den Ein­druck, man wol­le mich ver­ar­schen), der mit „Alpha­bet“ einen kei­nes­wegs tief­sin­ni­ge­ren Namen trägt, sich dann ein grau­en­vol­les neu­es Logo (das aller­dings zumin­dest kon­se­quent ist) zuge­legt und den stets um unauf­ge­reg­te Sach­lich­keit bemüh­ten Jour­na­li­sten die­ser Welt dann kei­nes­wegs eine Atem­pau­se gelas­sen, denn auch die Sei­ten­rang­li­ste wird mal wie­der über­ar­bei­tet:

Start­ing Novem­ber 1, sites that show app install ads that hide “a signi­fi­cant amount of con­tent on the tran­si­ti­on from the search result page” will be pena­li­zed by losing their “mobi­le-fri­end­ly” sta­tus.

Web­sites, die also Besu­chern auf dem Smart­phone oder Tablet statt des gewünsch­ten Inhalts erst mal einen ganz­sei­ti­gen Wer­be­ban­ner für die app zur Web­site ein­blen­den, wer­den künf­tig schlech­ter bewer­tet und somit von Goog­le-Nut­zern nicht mehr so schnell gefun­den.

Web­sites wie, ähm …

Google Interstitials

Google Plus Interstitial

:aufsmaul:

PolitikIn den Nachrichten
Wür­de­viel­leicht­voll

Bei den Lin­ken hat sich ja seit Lan­gem die Bezeich­nung „Kalt­land“ für „Deutsch­land“ durch­ge­setzt, wenn­gleich wohl kein Land so kalt sein kann, dass sie frei­wil­lig aus­wan­dern. Wie­so man ein Land als so herz­los und absto­ßend emp­fin­det und sich trotz­dem dafür enga­giert, dass die eige­nen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen hier mehr Gehör fin­den, ist mir noch nicht klar; „Deutsch­land, ver­recke!“ ist noch nicht so lan­ge her, dass es plötz­lich ein „Deutsch­land, dis­ku­tier‘ mit uns über unse­re Zukunft!“ gewor­den sein könn­te.

Die Gegen­sei­te, die das Über­le­ben Deutsch­lands in einer mög­lichst rei­nen Form über das eige­ne stellt, die doo­fen Nazis also (denn Grau­stu­fen ken­nen die Ver­fech­ter des ein­zig wah­ren Mit­ein­an­ders schon gar nicht mehr), deren Demon­stra­tio­nen immer und grund­sätz­lich „Auf­mär­sche“ genannt wer­den müs­sen, weil es sonst wohl gar zu bescheu­ert wirk­te, gegen die­se Demon­stra­tio­nen statt für Sinn­vol­les zu demon­strie­ren, denkt ihrer­seits auch nicht dar­an, irgend­wo anders hin­zu­rei­sen, und agiert aktiv für ihre Ver­si­on eines bes­se­ren Lan­des, wie’s die­ser Tage durch die Medi­en gei­stert:

In Hei­den­au haben Dut­zen­de Teil­neh­mer einer NPD-Demo die Zufahrt zu einem ehe­ma­li­gen Bau­markt blockiert, in dem etwa 250 Flücht­lin­ge unter­ge­bracht wer­den soll­ten.

Die Blocka­de von geneh­mig­ten Trans­por­ten und/oder Ver­samm­lun­gen heißt eben nur manch­mal „zivi­ler Unge­hor­sam“; wenn es die Fal­schen tun, ist es eine Unge­heu­er­lich­keit. Jeden­falls kämpft da, wenn ich das rich­tig mit­be­kom­men habe, gera­de die Grup­pe derer, die gern mög­lichst vie­le neue Ghet­tos für Flücht­lin­ge errich­ten möch­te, gegen die Grup­pe derer, die es nicht ein­se­hen möch­te, dass die Ein­wan­de­rung in Euro­pa so ungleich ver­teilt wer­den soll, und mit Fackeln und Mist­ga­beln die Initia­ti­ve ergreift; der Mob aber, das sind immer die Ande­ren.

Da hilft auch Sig­mar Gabri­el, der jüngst gekür­te Mr. Zack der SPD, nicht mehr:

Sig­mar Gabri­el wet­tert in Hei­den­au gegen den brau­nen Mob. Doch eigent­lich war­ten sie in Sach­sen auf jemand ande­ren: die Kanz­le­rin.

Schön, dass du da warst, Sig­gi, und jetzt geh‘ aus dem Weg, wir war­ten auf inter­es­san­te­re Leu­te. So ein­fach geht Pro­test gegen die SPD, wer­te Scherz­freun­de, und ich emp­feh­le euch bei ande­ren Gele­gen­hei­ten ähn­lich zu reagie­ren. – Mer­kel also kam irgend­wann und sag­te was:

„Deutsch­land ist ein Land, das die Wür­de jedes ein­zel­nen Men­schen respek­tiert“, so Mer­kel. Das gel­te für jeden, der sich in Deutsch­land auf­hal­te.

  • Bis man eben, wie Murat Kur­naz, ins Aus­land reist, dann hat sich das mit der Wür­de auch sei­tens deut­scher Sol­da­ten und Beam­ter erle­digt.
  • Bis man eben selbst ver­schul­det oder unver­schul­det sei­ne Arbeit ver­liert, dann ist man bis auf Wei­te­res ein uner­wünsch­ter Kosten­fak­tor.
  • Bis man ver­sucht, Poli­zei­ge­walt zu dees­ka­lie­ren, dann ist der Zwang zur Nackt­heit eine ange­mes­se­ne Stra­fe.
  • Bis man mit nicht aus­rei­chend gro­ßen Men­ge Mari­hua­na erwischt wird, dann ist die­ser nack­te Kör­per ein regel­mä­ßi­ges Anschau­ungs­ob­jekt.
  • Bis man, womög­lich aus Ver­se­hen, Opfer des zur­zeit von Ange­la Mer­kels CDU maß­geb­lich geför­der­ten Staats­tro­ja­ners wird, dann ist nicht ein­mal mehr die pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­on tabu.

Wür­de ist eben vor allem ein Kon­junk­tiv.

In den NachrichtenMontagsmusik
Eloi­te­r­on – Once

Facepalm ((c) Joel McNeal)Kreisch, schluchz:

„Dagi Bee“ und „LionT“ sit­zen auf ’nem Baum haben sich getrennt;
zum Glück gibt’s N Vier­und­zwan­zig, sonst hätt‘ ich das ver­pennt! *reim*

:-?

All good things. End. Fla­mes. Mon­tag. Wie eigent­lich immer. Das Para­dies ist ver­lo­ren.

Apro­pos: 1981 ver­öf­fent­lich­te das Schwei­zer Sex­tett Eloi­te­r­on sein offen­bar ein­zi­ges Album namens „Lost Para­di­se“, was in mehr­fa­cher Hin­sicht Pro­gramm war. Das dunk­le Jahr­zehnt der Musik war gera­de ange­bro­chen, vie­les ging in Flam­men auf, gan­ze musi­ka­li­sche Kul­tu­ren star­ben qual­voll. Zum Glück inter­es­sier­te sich die Schweiz noch nie für den Rest der Welt, und so zeu­gen Titel wie „Yapi­tutti­pers­lik­ken­bers“ noch vom alten Prog oder bereits vom Retro-Prog. Jaz­zi­ges steht hier neben Yes­si­gem, und wahr­schein­lich soll­te ich auf­hö­ren, mon­tags Neo­lo­gis­men zu erfin­den. Was ich eigent­lich sagen woll­te: Eloi­te­r­on haben recht gute Arbeit gelei­stet. Ihr soll­tet es mögen.

Guten Mor­gen.

Sonstiges
iNetz­po­li­tik (fortg.)

Es ist wahr­schein­lich, ande­rer­seits, auch nicht in Ord­nung von mir, mich über das schrä­ge per­so­na­li­ty-Pro­pa­gan­da-Blog Netzpolitik.org (aus ethi­schen Grün­den nicht ver­linkt) immer wie­der so zu erei­fern, immer­hin arbei­ten sei­ne Betrei­ber uner­müd­lich auf höch­stem jour­na­li­sti­schen Niveau im Dien­ste der Wahrh-

BILD sprach mit Mar­kus Becke­dahl, Chef­re­dak­teur des Blogs, über die jüng­sten Ent­wick­lun­gen.

:nein:

Sonstiges
Medi­en­kri­tik XCIII: „Clo­ser“ to Hass­at­tacke

„Clo­ser“. So ein schö­nes altes Lied der Nine Inch Nails.

„Clo­ser“. So ein schreck­li­ches neu­es Maga­zin der Bau­er Media Group, bekannt von den Erfolgs­for­ma­ten „JOY“, „InTouch“ und „COSMOPOLITAN“.

closer 35-2015

„Nad­del“, so titelt das dies­wö­chi­ge Heft („Stars, die wirk­lich inter­es­sie­ren“), das auch wie zur War­nung eine ganz­sei­ti­ge Wer­bung für RTL ent­hält, habe einen „schockie­ren­den Absturz“ hin­ter sich, irgend­ei­ne „Sabia“ wol­le irgend­ei­nen „Rafa­el“ erpres­sen, weil sie „doch krank“ sei, außer­dem habe eine „Lena“ mit „schlim­men HASS-ATTACKEN“ (sic!) zu kämp­fen. End­lich mal ein biss­chen Span­nung! Gucken wir mal rein:

„Schlim­me HASS-ATTACKE“ steht über dem Arti­kel, der damit gleich zu Beginn den Plu­ral rela­ti­viert, aber eigent­lich geht es doch um meh­re­re. Die mir bis dato weit­ge­hend unbe­kann­te Lena Gercke („Top­mo­del“, ebd.) wur­de für ein in der „Clo­ser“ abge­druck­tes Urlaubs­fo­to, auf dem sie von hin­ten mit – viel­leicht, um ihr model­ty­pi­sches image als Dumm­chen zu festi­gen – ver­kehrt her­um auf­ge­setz­ter Schirm­müt­ze mit dem Auf­druck „BONNIE“ sowie in einem nicht beson­ders straff sit­zen­den Biki­ni zu sehen ist, auf Face­book „übel beschimpft“ („Clo­ser“). Vie­le ihrer „Fans“ (ebd.) zie­hen, so „Clo­ser“, „über die Kehr­sei­te des Models her“, indem sie schrei­ben:

Wo ist dein Po? :|

Oder:

Sor­ry Viel (sic!) zu dünn, sieht nur extrem krank aus.

Es ist schwer vor­stell­bar, wie das Frol­l­ein Gercke die­se „fie­sen Beschimp­fun­gen“ (ebd.), sie habe kei­nen dicken Po, nur erträgt.

Auch schwer zu ertra­gen, wie man weni­ge Sei­ten spä­ter in der „Clo­ser“ liest, sei das Dasein als Teil­neh­mer der offen­bar irrele­van­ten Fern­seh­schau „Pro­mi Big Brot­her“, in der es augen­schein­lich dar­um geht, dass Leu­te, die jeman­den ken­nen, der mal mit jeman­dem den Geschlechts­ver­kehr voll­zo­gen hat, der mal als Sta­tist durch eine Vor­abend­se­rie getor­kelt ist, vor einer Kame­ra ein mög­lichst nor­ma­les Leben simu­lie­ren. „Clo­ser“ hat hier­zu Ela Tas (woll­te mal eine Liai­son mit einem der ehem. „Bachelor“-Protagonisten ein­ge­hen) und Jani­na Yous­se­fi­an (hat­te mal Sex mit Die­ter Boh­len), zwei durch und durch geschmack­lo­se Per­so­nen, die in einer frü­he­ren Staf­fel der Sen­dung also gut auf­ge­ho­ben waren, zu ihren Erfah­run­gen befragt.

„Wir wur­den jeden Tag eine knap­pe Stun­de mit extrem lau­ter Musik ein­ge­schlos­sen, weil die Bat­te­rien der Kame­ras aus­ge­wech­selt wer­den muss­ten (…)“, erin­nert sich Jani­na, die sich „wie ein Sol­dat im Krieg“ fühl­te.

Wenig­stens muss­te sie dabei kein Pre­ka­ri­ats­fern­se­hen sehen; ande­rer­seits, so weiß es der Volks­mund, bil­de Fern­se­hen, und viel­leicht hät­te sie ein weni­ger komi­sches Bild vom Krieg, wenn sie mehr fern­ge­se­hen hät­te, aber wer sein Geld damit ver­dient, vor Jah­ren mal einem rei­chen Schwe­re­nö­ter unters Gemächt gerutscht zu sein, der braucht augen­schein­lich nichts im Kopf zu haben. Ich habe mei­nen Beruf ver­fehlt.

Ihre zehn Jah­re jün­ge­re Lei­dens­ge­nos­sin Ela ist noch immer sicht­lich trau­ma­ti­siert davon, dass man sie in einer Sen­dung, in der sie beim Leben gefilmt wird, auch beim Leben sehen kann:

Ich wach­te nachts schweiß­ge­ba­det auf, wenn mei­ne Bett­decke ver­rutscht war, aus Angst, man wür­de zu viel sehen. (…) Das war Psy­cho-Ter­ror und wirk­lich eine der schlimm­sten Erfah­run­gen, die wir bis­her gemacht haben.

Ach, Mädels. Ihr müsst es euch wenig­stens nicht hin­ter­her anse­hen. Dass so eine Schlaf­klei­dung deut­lich mehr Haut zeigt als so ein Bade­bi­ki­ni, bezweif­le ich aller­dings.

Vie­le „Pro­mi-Ehen“, so infor­miert mich „Clo­ser“ im Wei­te­ren, ste­hen der­zeit viel­leicht mög­li­cher­wei­se vor dem Aus, was mich fast so sehr schockiert wie der Umstand, dass ein deut­li­cher Groß­teil aller Tex­te in der „Clo­ser“ mit drei Punk­ten („…“) endet. Sei­te 49 berich­tet über die Toch­ter von Ophy­lia Adé, die klei­ne Ange­la Mer­kel, und wenn ich Redak­teur der „Clo­ser“ wäre, hät­te ich die Steil­vor­la­ge „Ange­la Mer­kel Adé“ ja treff­si­cher ver­wan­delt, aber ich habe wohl doch noch zu viel Anstand für sol­che Schund­li­te­ra­tur.

„Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ hat sei­nen Preis (1,90 Euro) …