Was für eine großartige Idee doch ein Musiklehrer aus Niedersachsen da hatte:
Ein Musiklehrer aus Niedersachsen will ein altes Lied der Band Die Ärzte zurück in die Charts bringen — als Reaktion auf den zunehmenden Hass gegen Flüchtlinge und die Anschläge auf Heime, wie zuletzt beispielsweise in Heidenau, Meißen oder Freital. Seit Sonntag existiert die Initiative “Aktion Arschloch” mit eigener Webpage und Facebook- sowie Twitter-Präsenz.
Denn nichts, aber auch gar nichts auf der Welt könnte effizienter das zusehends ärger werdende Kulturproblem zwischen Einwanderern und Einheimischen bekämpfen als ein Poprockliedchen, dessen Kernaussage es ist, dass Rechtsradikale allesamt verweichlichte Memmen und, daher der Name der “Aktion”, “Arschlöcher” seien. Brüllen gegen Rechts, Eierlaufen gegen das Böse.
Nun trägt es zu mehr Sachlichkeit keineswegs bei, dass diejenigen, die diese “Aktion Arschloch” unterstützen, gleichzeitig ernsthaft darüber debattieren, unter welchen Umständen die mediale Zurschaustellung von aufgrund behördlicher Vernachlässigung verstorbenen Flüchtlingen einen wertvollen Beitrag zur Besserung der Situation darstelle, so dass man über althergebrachte Werte wie Menschenwürde, Privatsphäre und Wahrung der Totenruhe großzügig hinwegsehen könne. Irgendwo habe ich in diesem Zusammenhang erst heute gelesen, dass eine Fotografin nach eigenen Angaben beim Sichten der herumliegenden Leichen erst dann nennenswert erschüttert war, als sie sie als Kinder identifiziert hatte. Den Wert einer Leiche am Alter ihres Körpers zu messen ist vielleicht das, was irgendwer von geringer geistiger Leistung als Menschlichkeit und Mitgefühl versteht.
Professionelle Distanz endet an Wasserleichen; zahlreiche tote Flüchtlinge, die irgendwo ertrinken, sind eben nur eine Zahl, bis sie wehrlose Kinder sind und man einen werbefinanzierten Artikel mit ihnen bebildern kann. Als wäre der Bilderwahn nicht schon dadurch auf eine ausreichend irre Art belegt, dass bei der Berichterstattung über Gerichtsverfahren allzu häufig Fotos aus dem Gerichtssaal, die Angeklagte mit Aktenordnern anstelle ihres Gesichts zeigen, eine Rolle spielen. Seht her, liebe Leser, hinter diesem Aktenordner sitzt ein möglicher Täter und unser Fotograf hat keine Mühen gescheut, euch diesen Aktenordner in Farbe präsentieren zu können.
Mir fällt zu all dem auch nicht viel mehr als ein Lied einer Musikgruppe ein, die vielen Unterstützern der “Aktion Arschloch” vermutlich auch nicht völlig unbekannt ist.
Sag’ deine Meinung, übe Kritik,
doch behaupte nicht, dass du die Wahrheit kennst. (…)
Verschon’ mich mit deiner beschiss’nen Moral;
sie ist nicht mal das Band wert, auf dem du sie besingst!
Aber vielleicht ist das zu reflektiert für die, die stets das Richtige tun.



Was für ein selten bescheuerter Beitrag.
Sie sind, mit Verlaub, ein Arschloch.