MusikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Jurek Skrobala und die Pisse.

Soll ja kein­er sagen, deutsch­er Punk sei tot:

Pisse hat Schnipo Schranke bekan­nt gemacht. In dem gle­ich­nami­gen Song der Band um Friederike Ernst und Daniela Reis, bei­de Mitte 20, sin­gen sie Zeilen wie “Hab meine Fürze angezün­det” oder “Dein Handy mit den Arschback­en gehal­ten, nur um dich zu unter­hal­ten”. Im Musikvideo sieht man einen Penis, auf YouTube ist es ges­per­rt. (…) Die klu­gen Texte kreisen vor allem um die Liebe, the­ma­tisieren auch mal Kör­bchen­größen, Sper­mageschmack, Schamhaare, Paris­er, voll­gekack­te Hosen und eben auch: Pisse.

Andere Leute wer­den mit einem wichti­gen Beitrag zur Gesellschaft oder wenig­stens zur Kun­st bekan­nt, hierzu­lande genü­gen schon ein blöder Band­name (mir ist allerd­ings unklar, wieso Zen­tral­heizung of Death des Todes bis­lang keine nen­nenswerte Berühmtheit erlangt haben) und Pipikakaw­itze; man beachte spaße­shal­ber auch ein­mal, was Pri­vat­sender dies­seits des Weißwurstäqua­tors für Kabarett hal­ten, und frage dann mal gle­ich­falls spaße­shal­ber nach dem Sinn des Lebens.

“Krautrock” nen­nt die Jour­nal­is­tenpfeife Jurek Skrobala (“SPIEGEL ONLINE”) diesen Unfug: “Kluge Texte” — “na nananana nanana na na na” (“Pisse”) — wer­den zu Kirmes­musik, die bei Foy­er des Arts wenig­stens noch iro­nisch wirk­te, mehr oder weniger inbrün­stig (“kaputte Chan­sons”, J. Skrobala) vor­ge­tra­gen und bewe­gen so die Gemüter, weil sie schlüpfrige Wörter enthal­ten, als sei 1967 nichts passiert. Eine der bei­den “Musik­erin­nen” erzählt hierzu:

“Pisse” fällt ja vor allem wegen der Wort­wahl auf. Und das, obwohl Pisse noch nicht mal ein beson­ders schlimmes Wort ist. Jed­er sagt das wahrschein­lich min­destens ein­mal am Tag.

Ich kann mich ger­ade nicht daran erin­nern, wann genau ich zulet­zt min­destens ein­mal “Pisse” gesagt habe, aber ich wohne auch nicht in Ham­burg und bin auch son­st noch einiger­maßen richtig im Kopf. Und dieser Name, dieser Name! SchniPo Schranke, Schnitzel mit Pommes, Ketchup und May­on­naise, wer von bei­den auch immer was davon genau verkör­pern soll, und dann kriegt Jurek Skrobala nicht ein­mal das mit der Umgangssprache auf die Rei­he:

Reis und Ernst grün­de­ten eine Band, die sie nach einem Zitat von Kurt Krömer benan­nten, und zogen nach Ham­burg, obwohl sie keine Ahnung von der Ham­burg­er Schule hat­ten.

(Her­vorhe­bun­gen von mir.)

Ich wohne übri­gens eben­falls ziem­lich unbe­hel­ligt in Nieder­sach­sen, ohne ein Pferd zu besitzen, aber ich schreibe auch nur Dinge ins Inter­net rein und mache keine lang­weilige Pop­scheiß­musik. Schlim­mer sind zumin­d­est die Schweiz­er geplagt, die Schnipo Schranke im Juni bere­its voraus­sagten, an ihnen in der zweit­en Jahreshälfte nicht vor­bei zu kom­men. Schweiz­er Radiosender scheinen eine Qual zu sein.

Pisse. Loll. (Natür­lich mit Doppel‑L, was dachtet ihr denn?)


Meine Lieblingssta­tis­tik des Tages: Vor allem Men­schen aus Ost­deutsch­land sind der Mei­n­ung, dass es wieder stärkere Gren­zkon­trollen inner­halb Europas geben sollte.

(mit Dank an R.)

Senfecke:

  1. Lieber (na, na, keine Namen hier, A. d. V.),

    danke für Ihren Text. Ich bin ein Befür­worter des kon­struk­tiv­en Dialogs, deshalb schlage ich Ihnen Fol­gen­des vor: Wollen wir uns per­sön­lich tre­f­fen, um über die Punk­te, die Sie inner­halb Ihres Textes ansprechen, in dem Sie mich als eine «Jour­nal­is­tenpfeife» beze­ich­nen, ohne, dass ich genau weiß, weshalb, zu reden? Ich bin ein Fre­und des durch­dacht­en Gesprächs und ein Feind des vorschnellen Urteils.

    Her­zlich
    Jurek Skrobala

    • Einen wun­der­schö­nen guten Abend,

      meine Kri­tik — was SPON bet­rifft, bin ich ja lei­dgeprüft, wie Sie im Archiv vielle­icht bere­its gele­sen haben — zielt darauf ab, dass ich Ihren Artikel, wie ich oben aus­ge­führt habe, für über­aus schlecht recher­chiert halte.

      Das fängt schon damit an, dass Sie ohne weit­ere Erläuterung das Etikett “Krautrock”, das bei uns Musik­fre­un­den offen­sichtlich ganz andere Assozi­a­tio­nen weckt als bei Ihnen, an diese qual­i­ta­tiv frag­würdi­ge Pop­band anheften. Was hat Sie denn dazu ver­leit­et?

      Auch, dass Sie den Band­na­men von Kurt Krömer hergeleit­et wis­sen wollen, halte ich für keine jour­nal­is­tis­che Glan­zleis­tung; selb­st, wenn die Band ihrer offen­sichtlichen Ziel­gruppe bere­its so nahe ist, dass sie in Unken­nt­nis der Umgangssprache ihren Namen von Kurt Krömer her­leit­et, soll­ten zumin­d­est Sie, obwohl Sie unter völ­liger Mis­sach­tung der let­zten fün­fzig Jahre Musikkul­tur sog­ar Miley Cyrus für eine “Meis­terin der Pro­voka­tion” hal­ten, diesem Irrtum nicht auf­sitzen.

      Ich hoffe, Ihre Fra­gen hier­mit beant­wortet zu haben.
      Viele Grüße.

  2. Hihi, du hast mal wieder unbe­darft rumger­an­tet und nun musst du dir eine Antwort an Her­rn Skrobala zusam­men­stop­peln, die dich nicht allzu unüber­legt und unfundiert ausse­hen lässt. Ich bin amüsiert und ver­wette meinen sehr hüb­schen Po, dass du dich um ein Tre­f­fen drück­en wirst. :D

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