In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz und abschlie­ßend notiert zum Fall #Gina­Li­sa

Dass eine – das har­te Los der Berufs­blon­di­nen – in der Öffent­lich­keit ste­hen­de Frau dadurch, dass sie ein­ver­nehm­li­chen Sex hin­ter­her blöd fand, das Sexu­al­straf­recht in Deutsch­land dahin­ge­hend beein­flusst hat, dass ein Nein jetzt auch als ein Nein und nicht etwa, wie bis­her, als ein Nein auf­ge­fasst wird, sei mal geschenkt, die Ein­flüs­se auf unser zivi­li­sier­tes Mit­ein­an­der sind doch abseh­bar gering und die Frau hat unter Geze­ter ihrer Sym­pa­thi­san­tin­nenschnipp schnapp, Gerech­tig­keit, wis­sen­schon – und gegen den Wil­len der auf rechts­staat­li­che Prin­zi­pi­en nicht viel Wert legen­den Fami­li­en­mi­ni­ste­rin (SPD, ver­steht sich) ihre gerech­te Stra­fe erhal­ten; ent­schie­de­ner Wider­spruch sei an die­ser Stel­le aller­dings gegen ihre aus­ge­rech­net RTL gegen­über geäu­ßer­te und medi­al viel­fach zitier­te Ver­mu­tung ein­ge­legt, all das gesche­he ihr nicht etwa wegen ihrer Freu­de dar­an, mal wie­der vor einer Kame­ra zu ste­hen (was ande­rer­seits ihr Dasein als wie­der­keh­ren­der Gast in aus­ge­rech­net dem „Früh­stücks­fern­se­hen“, das sich für die Befas­sung mit gesell­schaft­lich bedeut­sa­men Dis­kus­sio­nen nicht deut­lich bes­ser eig­net als ein durch­schnitt­li­cher Wer­be­block auf Pro Sie­ben, erklä­ren könn­te), son­dern nur, „weil sie aus­se­he, wie sie aus­se­he“, denn rich­tig wäre allen­falls, dass es geschieht, obwohl sie, legt man leid­lich nor­ma­le oder wenig­stens femi­ni­sti­sche (i.e. chir­ur­gie­kri­ti­sche) Maß­stä­be an, aus­sieht wie jemand, der mit sei­nem Aus­se­hen (vgl. u.a. Pla­stik­enten bei Schmelz­tem­pe­ra­tur) eigent­lich schon genug gestraft wäre, das jedoch zum Leid­we­sen der Ästhe­tik unver­än­dert straf­frei bleibt.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Was­ser­manns Fie­ber­traum – Jetzt oder nie // Män­bäng!

Die Bahn kommtEs tagt der Mond, es klagt der Kauz; Mon­tag, Mist. Dabei hat sich das Wochen­en­de schon län­ger ange­fühlt als nötig und man war selbst schuld dar­an. Ande­rer­seits: Hur­ra – ein gefühlt lan­ges Wochen­en­de! Die Kunst besteht dar­in, umzu­schal­ten und Stö­run­gen als Ange­bot auf­zu­fas­sen.

Weil man ja eigent­lich doch schon gern mal wie­der lachen wür­de, zum Bei­spiel über Nord­ko­re­as „Netflix“-Konkurrenten, der lusti­ger­wei­se Man­bang heißt, was man doch bit­te­schön nicht unbe­dingt eng­lisch aus­spre­chen soll­te (gesell­schaft­li­che Unart auch: „Män­bäng“ lesen). Fast genau so lustig: Twit­ter hat jetzt einen Qua­li­täts­fil­ter, was unge­fähr gleich­be­deu­tend mit einem Schön­heits­fil­ter für Han­no­ver wäre, er lie­ße näm­lich nur noch ver­ein­zel­te Rui­nen durch; ein­stell­bar, jaja, aber wer wür­de das wol­len?

Die Bun­des­re­gie­rung hat ange­kün­digt, dass es dem­nächst rat­sam sein könn­te, Vor­rä­te ange­legt zu haben. Wie damals im Krieg, die Älte­ren erin­nern sich wahr­schein­lich noch. Habt Angst! Hört ihr? Angst! Nach der Bur­ka sol­len jetzt auch Ruck­säcke auf öffent­li­chen Plät­zen ver­bo­ten wer­den. Es ist nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis end­lich auch mal jemand das ter­ro­ri­sti­sche Essen von Leber­wurst­brot im Zug ver­bie­tet. Das wäre schön.

Noch schö­ner, aller­dings: Musik.

Hier.

Was­ser­manns Fie­ber­traum – Jetzt oder Nie (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik CI: Woo­hoo, „Mäd­chen“!

MÄDCHEN August 2016Ich bin aber auch wirk­lich nach­läs­sig manch­mal, die Zeit­schrift „Mäd­chen“ war mir bis­her als eher lang­wei­lig in Erin­ne­rung. Vor eini­gen Tagen aller­dings nahm ich erst­mals ihren Unter­ti­tel – „Ent­decke, was du liebst!“ – wahr und ver­spür­te sofort den Drang, mir die aktu­el­le Aus­ga­be ein­mal zuzu­le­gen. Wer wür­de nicht ent­decken wol­len, was er liebt? Eben.

Die Ent­schei­dung wur­de ver­süßt durch mein Geschenk („DEIN GESCHENK: TRAUM HAAR (sic!), ZOPFBAND IN EINER VON 3 FARBEN“). So was woll­te ich schon immer mal haben. ‘Medi­en­kri­tik CI: Woo­hoo, „Mäd­chen“!’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Ter­ror­ab­wehr des Tages: Klei­dungs­vor­schrif­ten gegen das Böse

End­lich tut mal einer was:

Die Innen­mi­ni­ster der Uni­on haben sich dar­auf geei­nigt, die Voll­ver­schleie­rung in bestimm­ten Berei­chen zu ver­bie­ten. Dies betref­fe bei­spiels­wei­se Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Dien­stes, im Stra­ßen­ver­kehr oder bei Demon­stra­tio­nen, erklär­te Lorenz Caf­fier, Mini­ster­prä­si­dent von Meck­len­burg-Vor­pom­mern am Nach­mit­tag vor Jour­na­li­sten.

Wofür soll das denn gut sein? Etwa schon wie­der für mehr Sicher­heit („Wich­tig sei es, (…) die Befug­nis­se der Nach­rich­ten­dien­ste zu stär­ken“, ebd.; denn nichts löst Sicher­heits­pro­ble­me so effi­zi­ent wie ein völ­lig frei dre­hen dür­fen­der Geheim­dienst)? Mit­nich­ten:

Die Ableh­nung der Bur­ka habe nichts mit Sicher­heit zu tun, son­dern mit gesell­schaft­li­chem Zusam­men­halt, sag­te Bun­des­in­nen­mi­ni­ster Tho­mas de Mai­ziè­re. (…) Deutsch­land sei eines der sicher­sten Län­der der Welt, so sol­le es auch blei­ben, sag­te der Mini­ster.

Sicher­lich wer­den Übel­tä­ter sich auch künf­tig nicht trau­en, beim Übel­tun eine Bur­ka zu tra­gen. Jetzt müss­te nur noch jemand Ter­ro­ris­mus ver­bie­ten und schon ist der Frie­den gesi­chert, zumin­dest unse­rer­seits. Bewaff­ne­te Mili­zen mit staat­li­chem Auf­trag lau­fen, fah­ren und flie­gen statt­des­sen im Aus­land her­um, zum Bei­spiel, wie gewohnt im Wider­spruch zum Völ­ker­recht, in Syri­en.

Hat alles nichts mit nichts zu tun.

Nerdkrams
Total ver­netzt: Xan­a­dus lan­ger Atem

Im Jahr 2016 fei­ern nicht weni­ge Akti­vi­sten ein Jubel­jahr des Webs als tech­ni­sche Revo­lu­ti­on, oft, weil sie sich gar nicht des­sen bewusst sind, was für ein eigent­lich neben­säch­li­cher Aspekt des Inter­nets das Web eigent­lich ist, oft auch nur in dem Irr­glau­ben, das Web sei im Gegen­satz zum Use­net end­lich und allein eine brauch­ba­re Art, Infor­ma­tio­nen ver­netzt dau­er­haft dar­zu­stel­len.

Dabei ist das Web eigent­lich nicht viel mehr als ein spät gebo­re­ner Krüp­pel, dem allein sei­ne rei­chen Eltern zugu­te kom­men.

‘Total ver­netzt: Xan­a­dus lan­ger Atem’ wei­ter­le­sen »

Sonstiges
Bil­dung für alle, Bil­dung für nichts.

Nach der Pro­mo­ti­on erst mal in den Nied­rig­lohn­sek­tor, dann hilfs­wei­se zum Acker­bau:

Der Herr im Job­cen­ter – mein „Arbeits­ver­mitt­ler“ – schüt­telt mir freund­lich-abwar­tend die Hand. Mög­li­cher­wei­se ist er etwas ner­vös ange­sichts mei­nes Dok­tor­ti­tels, den er auch sofort pflicht­schul­dig aus­spricht (wor­an mir über­haupt nichts liegt). Er weiß, dass er mir außer Zwangs­maß­nah­men, Call­cen­ter und Sai­son­ar­beit (Erd­bee­ren pflücken) nichts zu bie­ten hat.

Wenn der Bil­dungs­stand­ort Deutsch­land schnel­ler wächst als die Gehalts­kas­sen auf dem Arbeits­markt Deutsch­land, ist es offen­sicht­lich eher hin­der­lich, qua­li­fi­ziert zu sein. Im Nach­fol­ger des Arbei­ter- und Bau­ern­staats mit dem real exi­stie­ren­den Stu­di­en­pro­blem ist man Glei­cher unter Glei­chen.

Der Held im Erd­beer­feld ist sel­ten der Sie­ger.

(via Schwerdt­fe­gr)

Sonstiges
Bei uns heißt das immer noch „Sie Arsch­loch“!

(Vor­be­mer­kung 1: Ich hat­te bis­her sel­ten das Ver­gnü­gen, beruf­lich mit Sies zu arbei­ten, ich bin meist von Dus umge­ben.
Vor­be­mer­kung 2: Fol­gen­de Hin­wei­se gel­ten nur für Sie, nicht jedoch für euch.)

Apro­pos Stil. In der „Süd­deut­schen Zei­tung“ vom 13. August d.J. berich­te­te Ange­li­ka Sla­vik von der „neu­en Cool­ness“, die in deut­schen Unter­neh­men Ein­zug gehal­ten habe:

Deutsch­lands Unter­neh­men lie­fern sich gera­de einen Wett­be­werb in demon­stra­ti­ver Cool­ness. Elmar Degen­hart etwa, der Chef des Auto­zu­lie­fe­rers Con­ti­nen­tal, erschien im März erst­mals ohne Kra­wat­te zur Bilanz­prä­sen­ta­ti­on sei­nes Unter­neh­mens und ließ dazu wis­sen, man pas­se sich nun „den Gege­ben­hei­ten der Indu­strie“ an. Sie­mens-Chef Joe Kae­ser zeigt sich eben­falls gern leger, seit er dem Unter­neh­men „Start-up-Spi­rit“ ver­ord­net hat, den glei­chen Esprit ver­spricht auch der VW-Chef Mat­thi­as Mül­ler künf­tig in Wolfs­burg. Der Alli­anz-Chef Oli­ver Bäte prä­sen­tier­te sich den Aktio­nä­ren jüngst in knall­ro­ten Turn­schu­hen. Und bei Otto, da wird nun eben geduzt.

Die­se cra­zy Kids mit ihren hip­pen Kla­mot­ten! Kei­ne Kra­wat­te, rote Turn­schu­he, jetzt auch noch die Abkehr von sprach­li­chen Respekts­be­kun­dun­gen, ergo cool­ness statt Manie­ren, denn wenn es eins gibt, was in mir sofort eine Visi­on von gera­de­zu blen­den­der Locker­heit her­vor­ruft, dann sind es duzen­de End­fünf­zi­ger in roten Turn­schu­hen.

Nun ist es ja weder bei IKEA noch im Beruf so, dass das olle Gedu­ze irgend­wie auf­ge­weich­te Hier­ar­chien signa­li­siert, denn bei Gehalts- und son­sti­gen Ver­trags­ver­hand­lun­gen ist man schnell mit dem kum­pel­haft agie­ren­den Vor­ge­setz­ten per Sie und bei der Rol­len­ver­tei­lung gibt es hier auch nicht unbe­dingt einen nen­nens­wer­ten Gestal­tungs­spiel­raum. Anwei­sun­gen vom Scheff blei­ben Anwei­sun­gen vom Scheff, und nie­mand, der nicht gera­de ein Diplom in sozia­ler Arbeit oder son­sti­gem Kram als höch­sten Abschluss vor­zu­wei­sen hat, der nur für die­je­ni­gen Mem­men eine gute Wahl sein kann, die gegen har­te Arbeit nichts ein­zu­wen­den haben, so lan­ge man ihnen dabei drei­mal täg­lich Kek­se und ein Plüsch­ka­nin­chen aus­hän­digt, soll­te es für eine gute Idee hal­ten, wenn die­se Anwei­sun­gen als all­zu jovi­al anbie­dern­des „könn­te­ste mal…?“ statt „erle­di­gen Sie…“ über­mit­telt wer­den, weil die­ses oft kal­ku­liert ein­sei­ti­ge Gefühl der Ver­traut­heit kei­nes­wegs ein bes­se­res Mit­ein­an­der schafft, weil der Riss zwi­schen ver­meint­li­cher Kum­pa­nei und tat­säch­li­cher Hier­ar­chie eben im Zwei­fel nur um so tie­fer wie­der auf­reißt. So lan­ge man mit dem Vor­ge­setz­ten, ja, auch mit dem Arbeits­kol­le­gen weder Bett noch Betäu­bungs­mit­tel geteilt hat, ist es in der Regel unan­ge­bracht, sich über den gegen­sei­ti­gen Distanz­ver­lust zu freu­en. Jeman­dem das Du anzu­bie­ten ist zwei­fel­los eine Mög­lich­keit der stil­vol­len Klä­rung des zumin­dest sprach­li­chen gegen­sei­ti­gen Ver­traut­heits­gra­des, aller­dings gerät die Ange­bots­kom­po­nen­te offen­sicht­lich zuse­hends in Ver­ges­sen­heit. Wir duzen uns jetzt, ob es dir passt oder nicht; bei­na­he hät­te ich ange­fügt: so befeh­len Wir es.

Moni­ka Sched­din, „Coach für Füh­rungs­kräf­te“, offen­sicht­lich also mit­schuld an die­ser unfei­nen Situa­ti­on, und laut ihrer Web­site „Spea­k­er, Coach und Autorin“, also ver­mut­lich beruf­lich nicht in irgend­ein ernst­zu­neh­men­des Ver­trags­ver­hält­nis ein­ge­bun­den und somit wie so vie­le ande­re Frau­en, die Wohl­fühl­kä­se auf Tot­holz stem­peln las­sen, höch­stens indi­rekt mit dem Objekt ihrer phra­sen­haf­ten Betrach­tun­gen ver­traut, wird im glei­chen Arti­kel mit Unver­ständ­nis zitiert:

Den­noch gebe es auch heu­te noch, trotz des all­ge­mei­nen Trends zu Cool­ness und Freund­lich­keit, Füh­rungs­kräf­te mit har­schem Ton­fall und einer Begei­ste­rung für streng hier­ar­chi­sche Struk­tu­ren. „Den klas­si­schen Gene­ral, der Angst und Furcht als Füh­rungs­in­stru­men­te ver­steht, wird es immer geben“, sagt Sched­din. „Kein Wun­der, es funk­tio­niert ja auch.“

Für Frau Sched­din ist die auch sprach­li­che Ein­hal­tung der tat­säch­lich exi­sten­ten und sonst allen­falls ver­schwie­ge­nen beruf­li­chen Distanz, mit­hin die Ein­hal­tung der ver­trag­lich gere­gel­ten Hier­ar­chien, folg­lich ein Vehi­kel zur „Ver­brei­tung von Angst und Furcht“ – als hät­te Angst oder Furcht nicht schon gereicht – und der Fah­rer die­ses Vehi­kels ein „klas­si­scher Gene­ral“ und damit, das steht da aller­dings nicht, fast wie Hit­ler, nur ohne den alber­nen Schnurr­bart.

Kein Wun­der.

Montagsmusik
Orans­si Pazu­zu – Tyh­jä Temp­pe­li // Mehr Robo­ter wagen.

Urlaubsvertretung (flauschig)Es ist Mon­tag, es gibt wahr­lich Schö­ne­res und das ist noch nicht ein­mal all­zu lan­ge her, aber man macht eben auch beim Dumm­sein nur ungern hal­be Sachen. Als wär’s gestern gewe­sen, ein­an­der im Arm habend die Zeit zu ver­ges­sen und des Mon­des tadeln­dem Blick kei­ne Beach­tung zu schen­ken, weil, als es per­fekt schien, man doch selbst miss­ach­tet zu haben weiß. Wenn schon blö­de, dann wenig­stens mit Anlauf.

Apro­pos Anlauf. Neu­es aus Olym­pia: Deutsch­land ist erwar­tungs­ge­mäß ganz gut im Schie­ßen. In Syri­en kommt ihm das zugu­te: In Alep­po kämpft Al Qai­da, unter­stützt von den USA, Deutsch­land, Tür­kei, Sau­di-Ara­bi­en und Katar; die zah­len eben gut, muss man ja ver­ste­hen.

Bei allen Pro­ble­men, die ein Com­pu­ter so hat (wuss­tet ihr zum Bei­spiel, dass euer Flach­bild­schirm geka­pert wer­den kann?), wünscht man sich manch­mal doch weni­ger Mensch­lich­keit in all dem Tohu­wa­bo­hu. Man wies mich vor eini­gen Tagen dar­auf hin, dass selbst Robo­ter mensch­li­cher sei­en als man­che Men­schen, wie ein Expe­ri­ment von vor eini­gen Jah­ren bewei­se: Nach einer Wei­le ent­wickeln sie, die Robo­ter, einen eige­nen Altru­is­mus und ler­nen des­sen Vor­zü­ge zu schät­zen. Und die Men­schen? Sie füt­tern Enten mit ihren Kin­dern. Was ja, ande­rer­seits, auch irgend­wie wie­der nied­lich ist.

Was aller­dings kei­nes­falls nied­lich ist, sind Mon­ta­ge, aber dage­gen kann man etwas machen, näm­lich die Musik an.

Orans­si Pazu­zu – Tyh­jä Temp­pe­li

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zu den gro­tes­ken Plä­nen Ber­nard Caze­neu­ves

Ach, Frank­reich:

Wenn es nach dem fran­zö­si­schen Innen­mi­ni­ster geht, wird eine Initia­ti­ve meh­re­rer Staa­ten zur Bekämp­fung ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on zustan­de kom­men. Hin­ter­grund ist der Umstand, dass es bis­lang für Ermitt­lungs­be­hör­den kaum mög­lich ist, ver­schlüs­sel­te Nach­rich­ten aus­zu­wer­ten, die im Zuge der Vor­be­rei­tung von Ter­ror­at­ten­ta­ten aus­ge­tauscht wer­den.

Hin­ter­grund hier­für dürf­ten unter ande­rem die zahl­rei­chen Atten­ta­te in Frank­reich bin­nen der letz­ten paar Jah­re sein, in deren Vor­feld die jewei­li­gen Täter (auch in Niz­za und Paris) zuvor fran­zö­si­sche SMS-Nach­rich­ten aus­ge­tauscht haben, was offen­sicht­lich nicht recht­zei­tig aus­ge­wer­tet wer­den konn­te; wor­aus sich zwei­fel­los ablei­ten lässt, dass der Aus­tausch fran­zö­sisch­spra­chi­ger Mit­tei­lun­gen über ein bereits jetzt vor­rats­da­ten­spei­chern­des öffent­li­ches Netz Ermitt­lungs­be­hör­den der­art über­for­dert, dass es drin­gend anzu­ra­ten ist, den Gebrauch der fran­zö­si­schen Spra­che zwecks Ter­ror­ab­wehr künf­tig euro­pa­weit zu ver­bie­ten.

KaufbefehleMusikkritik
Katie Dey – Flood Net­work

katie dey - Flood NetworkIm Juni 2015 freu­te ich mich über das Debüt­al­bum der austra­li­schen Künst­le­rin Katie Dey im Fazit fol­gen­der­ma­ßen:

Ein Musik gewor­de­nes WTF, das im noch ver­gleichs­wei­se unver­brauch­ten 2015 bis­her eine Aus­nah­me­erschei­nung dar­stellt.

Nach­dem es eini­ge Tage lang für sym­bo­li­sche 1.000 US-Dol­lar zu haben war, erschien gestern (mit­samt erheb­li­cher Preis­sen­kung) end­lich das Nach­fol­ge­al­bum namens „Flood Net­work“, wei­ter­hin mit merk­wür­di­gem art­work und Band­camp-Stream.

Mit 17 Titeln und ins­ge­samt 32:12 Minu­ten Lauf­zeit ist „Flood Net­work“ erneut recht kurz aus­ge­fal­len. Den roten Faden stel­len acht Instru­men­tal­stücke namens „(F1)“ bis „(F8)“ dar, die sich mit den übri­gen Stücken abwech­seln. Kei­nes­wegs soll­te aller­dings davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass ein sti­li­sti­scher Zusam­men­hang besteht. Frau Dey macht auch wei­ter­hin unter Miss­ach­tung kon­ser­va­ti­ver Vor­stel­lun­gen von einem musi­ka­li­schen Rah­men, wonach ihr der Sinn steht, was „Flood Net­work“ schon in der Theo­rie an Wert gewin­nen lässt. Und die Pra­xis?

Katie Dey – Fleas (Offi­ci­al Music Video)

„Flood Net­work“ ist die irgend­wie kon­se­quen­te Wei­ter­ent­wick­lung von „asdfasdf“. Bereits das eröff­nen­de „All“ stol­pert in gera­de mal andert­halb Minu­ten mit Sigur-Rós-Stampf­rhyth­mus, psy­che­de­li­scher Aku­stik­gi­tar­re und brü­chi­gem Gesang aus dem Laut­spre­cher in die weit offe­nen Ohren und Arme des Rezen­sen­ten und geht aus­nahms­wei­se dann doch über in das fast halb­mi­nü­ti­ge Inter­mez­zo „(F1)“, das mit einem Hil­fe­ruf aller­dings nichts zu tun zu haben scheint, son­dern ein wenig Elek­tro­nik für das fol­gen­de „Fleas“ vor­be­rei­tet, das über­haupt in den selt­sa­men Radio­club­beats von 2016 auf­ge­wach­sen zu sein scheint. Spu­len wir mal ein biss­chen vor und bemer­ken wir eine Stei­ge­rung, denn natür­lich gibt es dann doch noch so was Ähn­li­ches wie einen longtrack, das Duo aus „Debt“ und „(F8)“ näm­lich, das eine gemein­sa­me Melo­die ver­eint; und natür­lich, schon wie­der, Sigur Rós zu guter Letzt, in „It’s Simp­ler To Make Home on the Ground“ näm­lich, wenn auch aber­mals nur instru­men­tal.

So I sit around / making ani­mal sounds out of cut­lery.
Fear o‘ the Light

Gesang ist Neben­sa­che. Die Frau macht Musik nur für sich und lässt uns an sich teil­ha­ben. Musik für die Leu­te machen ande­re Leu­te schon genug. Sta­gna­ti­on? Na, mei­net­we­gen, denn das bedeu­tet immer­hin, dass die Qua­li­tät nicht nach­lässt. „Flood Net­work“ ist so undurch­dring­lich wie sein Vor­gän­ger, ich wage nicht ein­mal zu ahnen, ob es mich bei all sei­ner Schrä­ge absicht­lich melan­cho­li­scher stimmt.

„Flood Net­work“ ist die musi­ka­li­sche Beglei­tung für das Gefühl nach einem ver­ta­nen Tag, einem ver­lo­re­nen Wochen­en­de, einem ver­reg­ne­ten Urlaub am Meer, nach zu viel Alko­hol und zu viel Che­mie, der Ton zum Film im Kopf nach dem Schrei der Natur – ein in Gän­ze wun­der­vol­les Album also. Nehmt euch die Zeit, es ist sie wert.

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 10. August 2016

Und das alles von mei­nen Steuern!!1!: Chi­ne­si­scher Tou­rist wird aus Ver­se­hen in ein Flücht­lings­heim gesteckt.


Vor weni­gen Tagen, am 6. August, wur­de das World Wide Web als einer der jün­ge­ren Inter­net­dien­ste 25 Jah­re alt. Die ehe­ma­li­ge Netz­kom­pe­tenz­par­tei wür­dig­te das mit einem ange­mes­se­nen Tweet:

25 Jah­re #Inter­net. Für die einen immer noch #Neu­land, für uns #Pira­ten ein natür­li­cher Lebens­raum. :)

Da war wohl jemand lan­ge nicht vor der Tür.


Apro­pos Twit­ter: Eine gei­stig 108-jäh­ri­ge gen­der­flui­de Eule hat her­aus­ge­fun­den, dass der Femi­nis­mus der Welt inner­halb der letz­ten zehn Jah­re das Frau­en­wahl­recht beschert hat. Frü­her hät­te man sol­chen Leu­ten, äh, Eulen noch ver­sucht zu hel­fen, statt sich lusti­ge Wor­te für sie aus­zu­den­ken.


Wisst ihr, wer drin­gend in Sexu­al­the­ra­pie gehört? Bri­ti­sche Fünf­jäh­ri­ge!


Bei BMW fängt Fah­ren auf dem Smart­phone an. An glei­cher Stel­le hört aller­dings auch die Sicher­heit auf, aber das ver­kauft sich nicht so gut.


Da wir gera­de bei Inter­net sind: Wo muss denn unbe­dingt mehr Inter­net rein? Rich­tig: In den Toa­ster!

In den NachrichtenMontagsmusik
Yez­da Urfa – Can­cer of the Band

Ich seh dichMon­tag. Android ist kaputt, aber der Som­mer ist zurück. Er kommt ganz schön oft in die­sem Jahr. Da kann man sich ja gar nicht mehr auf den Herbst freu­en, wenn es end­lich wie­der nor­mal wird.

Ande­rer­seits: Nor­ma­li­tät 2016? Wer Argu­men­te mag, wählt CDU. Kei­ne Expe­ri­men­te! Die Hun­de. Das Land davor. Hurz? In Olym­pia haben die Apo­the­ker mal wie­der Best­zei­ten geschafft, Tau­sen­de jubeln mit Chips auf dem Sofa. Pre­ka­ri­ats-TV für Gespor­tet­wer­den­de.

Weni­ger zu beju­beln: Isra­el will Aus­län­der, die es nicht so gern sehen, wenn israe­li­sche Rake­ten Palä­sti­nen­ser zer­fet­zen, künf­tig nicht mehr ins Land las­sen. Das ist immer­hin bes­ser als in ande­ren Unrechts­staa­ten, da kommt man dann zwar noch rein, aber nicht mehr lebend raus. Den Guten, bewaff­net mit Paro­len, Palä­sti­nen­ser­tuch und Isra­el­fah­ne, gefällt das. Alle bekloppt, alle rest­los bekloppt.

Was macht man eigent­lich, wenn man einen über­zäh­li­gen Behin­der­ten hat? Ab damit!

Apro­pos ab: Musik ab!

Guten Mor­gen.

PersönlichesNetzfundstücke
Anzüg­lich­kei­ten

(Vor­be­mer­kung: Ich sehe im Anzug schei­ße aus und tra­ge trotz­dem gern mal einen, und zwar aus frei­en Stücken.)

Im Unter­blog kom­men­tier­te Dr. Horst Lüning, haupt­be­ruf­lich Whis­ky­trin­ker und ‑ver­käu­fer, vor einer Wei­le sein Ver­hält­nis zu Her­ren­an­zü­gen sinn­ge­mäß der­ge­stalt, dass er nichts von ihnen hal­te, weil ihm ein Smo­king für die mei­sten Anläs­se zu förm­lich erschei­ne; weil’s zwi­schen Polo­hemd und Smo­king oder Frack anschei­nend kei­ne nen­nens­wer­ten Abstu­fun­gen gibt.

Es dau­er­te selbst­re­dend nicht lan­ge, bis die ersten zustim­men­den Kom­men­ta­re zu lesen waren:

wer anzug trägt hat die kon­trol­le über sein leben ver­lo­ren

Dabei hat, wer sich nicht nur einen Anzug lei­sten kann, son­dern auch noch eine Gele­gen­heit fin­det, ihn zu ange­mes­se­nem Anlass zu tra­gen, kei­nes­wegs die Kon­trol­le ver­lo­ren; im Gegen­teil: es bedarf eini­ger Lebens­kon­trol­le, um an die­sen Punkt zu gelan­gen und dort zu blei­ben. Ein Anzug ist oft Resul­tat, nicht Aus­lö­ser, und längst nicht immer Aus­druck aus­drück­li­cher Beklei­dungs­vor­schrif­ten. Klei­der machen Leu­te ist eben auch nur so halbrich­tig, das Gegen­teil ist das ent­schei­den­de Aber.

Aber so ganz ernst zu neh­men sind der­lei Flap­sig­kei­ten ja nur bedingt, sprin­gen wir also amü­siert zum näch­sten bemer­kens­wer­ten und gering­fü­gig durch­dach­te­ren Kom­men­tar:

Kra­wat­ten tra­gen heu­te doch nur noch Ver­tre­ter (Ver­tre­ter­schal) und ver­filz­te Poli­ti­ker. Ken­ne kaum noch gestan­de­ne GF die sich die­se Fol­ter antun.

Nun, der Vor­wurf der Ver­filzt­heit ist ein belieb­ter, impli­ziert er doch, dass das, was die der Ver­filzt­heit beschul­dig­te Per­son reprä­sen­tiert, regres­siv und nicht mehr zeit­ge­mäß sei, in die­sem Fall also, dass jemand, der vom Volk gewählt wur­de, damit gefäl­ligst auf­zu­hö­ren habe, weil das sooo letz­tes Jahr­hun­dert sei; aber Mode allein nach Trends zu bewer­ten (dazu gleich noch mehr) ist doch etwas kurz­sich­tig. Wer sieht schon gern wie eine Vagi­na aus? – Es gilt, die zeit­lo­se Mode zu fin­den, und dazu gehö­ren zwei­fel­los auch Anzü­ge, zumin­dest die nor­mal und nicht tren­dig geschnit­te­nen, gefärb­ten und sonst­wie gefer­tig­ten.

Wei­ter: „Gestan­de­ne GF“ (Geschäfts­füh­rer, nicht Girl­fri­ends, neh­me ich an) tun sich also die „Fol­ter“ einer Kra­wat­te nicht mehr an. Lei­der ver­schweigt der Kom­men­ta­tor, wor­an man einen „gestan­de­nen“ Geschäfts­füh­rer erkennt (viel­leicht an der löch­ri­gen Jeans?) und wie eng man sei­ne Kra­wat­te wohl bin­den muss, um sie als Fol­ter aus­zu­ma­chen. Es gibt tat­säch­lich auch Mode, die ich als Fol­ter emp­fin­de, ver­se­hent­lich bauch­freie Ober­tei­le und Phil-Coll­ins-Fan­shirts gehö­ren dazu. Anson­sten bin ich davon über­zeugt, dass es eine Men­ge Din­ge gibt, die auch kör­per­lich mehr fol­tern als eine Kra­wat­te: Nasen­rin­ge; Täto­wie­run­gen; Ohren­tun­nel, durch die man durch­gucken kann; …

Eine Kra­wat­te ist da doch deut­lich ästhe­ti­scher. Vor allem eine mit Ent­chen drauf.

Was haben wir noch? Ach ja, einen Kom­men­ta­tor namens „Asgaia­Me­tal“, offen­bar eine gan­ze Band vol­ler mit­tel­jun­ger Her­ren in schwar­zen Shirts, was die Indi­vi­dua­li­tät der Band­mit­glie­der ver­mut­lich gera­de auf der Büh­ne auch optisch unter­strei­chen soll:

Im Anzug ist man ein grau­schwar­zes nichts. Uni­fo­miert, der Indi­vi­dua­li­ät, der Per­sön­lich­keit beraubt.

Mon­ty Python das Leben des Bri­an Indi­vi­dua­li­tät

Bezie­hungs­wei­se (glei­cher Autor):

Anzug sieht all­ge­mein nicht gut aus. Es ist letzt­end­lich Alt­her­ren­klei­dung, die häß­li­che alte fet­te Kör­per kaschie­ren sol­len.

Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob ein Mäd­chen in einem die­ser Län­der, das als Schul­uni­form so was Ähn­li­ches wie einen Anzug zu tra­gen hat, dadurch nun zu einem häss­li­chen alten fet­ten Alt­herrn wird: Das neh­me ich als zumin­dest nicht über­mä­ßig dicker Mann jetzt doch ein biss­chen per­sön­lich.

Dabei ist man in einem Anzug, wenn schon kein Nichts, nicht mal unbe­dingt grau­schwarz. Dass man schwar­ze Anzü­ge nur als Kell­ner, Trau­er­gast oder Zyni­ker tra­gen soll­te, ver­mö­gen weni­ge Minu­ten Web­re­cher­che ein­leuch­tend zu erläu­tern; aber wie ein­falls­los muss man sein, um sich beim Anzug­kauf aus­ge­rech­net einen grau­en aus­zu­su­chen? Natür­lich gibt es Vor­komm­nis­se wie die furcht­ba­re PARTEI, deren gemein­sa­me Uni­form nun mal ein bil­li­ger grau­er Anzug ist, aber an Farb- und Stil­aus­wahl man­gelt es in der Anzug­welt wahr­lich nicht.

Sei­ne indi­vi­du­el­le Per­sön­lich­keit zeigt man durch den Ein­kauf von Mas­sen­wa­re aller­dings nur unzu­rei­chend, das gilt für Anzü­ge eben­so wie für schwar­ze Shirts, hoo­dies, bun­te Haar­far­be vom Ross­mann oder DM an der näch­sten Stra­ßen­ecke und für das iPho­ne in einer von vier Far­ben. Wer sich nur durch Din­ge, die er kau­fen muss, von sei­nen Mit­men­schen abzu­he­ben weiß, der hat viel­leicht auch ein­fach einen ent­schei­den­den Punkt nicht so rich­tig ver­stan­den; den näm­lich, dass Klei­der zwar Leu­te machen, dass aber, wer über­haupt gemacht wer­den muss, in jedem Kleid nur ein grau­es, schwit­zen­des Nichts bleibt.

Es sind die Details.

(In T‑Shirt und drecki­ger Hose von der Stan­ge geschrie­ben.)

Netzfundstücke
Beson­ders gro­ße Nul­len

Wie­so heißt Cola Zero eigent­lich Cola Zero und nicht Cola Null?

Wie­so steht auf Red Bull Zero eigent­lich „zero Kalo­rien“ und nicht „ohne Kalo­rien“?

Ganz ein­fach: Weil das deut­sche Wort „zero“ offen­sicht­lich nichts mit dem eng­li­schen zu tun hat:

Zwischen null und zero

:irre:

Ich bin irgend­wo zwi­schen Null und Zero / die Welt ver­brennt auf mei­nem Video.
Rio Rei­ser