In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Jet­h­ro Tull – Sweet Dream

herbst-symbolbildEs ist Mon­tag und prin­zi­pi­ell sehr schön; drau­ßen kühlt es und drin­nen, jaja!, wärmt man ein­an­der an der Gewiss­heit, heu­te noch zu leben; war­um dann nicht ein­fach bei­sam­men? Eigent­lich ist das alles ja ganz ein­fach, eigent­lich ist man aber auch gele­gent­lich ein wenig zweck­ge­bun­den ver­stimmt, womög­lich auch der trotz­dem über­ra­schen­den Lin­de­rung wegen, die um so bes­ser wird, je mehr man sie als sol­che wahr­nimmt.

Anders­wo pocht flat­ter auf die Soli­da­ri­tät („alles / was uns fehlt / ist die Soli­da­ri­tät“, schrumm­schrumm!), punkt­ge­nau pfei­fen die immer­glei­chen „Grü­nen“ auf alte Zöp­fe und hei­ßen den Klas­sen­feind herz­lich will­kom­men: Die­ter Zet­sche („Daim­ler-Chef“, „SPIEGEL ONLINE“) sprach auf deren Par­tei­tag und plötz­lich erscheint eine Koali­ti­on der Bil­li­gen aus „Grü­nen“ und F.D.P. nicht mehr so abwe­gig wie noch vor weni­gen Jah­ren. Tem­po­ra mutan­tur.

Ande­re Koali­tio­nen hin­ter­las­sen nicht ein­mal mehr ver­stimm­te Wäh­ler: Wäh­rend das bür­ger­li­che Spie­ßer­tum sich noch über die doo­fe Demo­kra­tie in den USA auf­reg­te, nutz­te die doo­fe Demo­kra­tie im Inland die Gele­gen­heit und beschloss aber­mals die wei­te­re logi­sti­sche Unter­stüt­zung der Zivi­li­sten­meu­che­lei im Irak und in Syri­en. Es ist wirk­lich unbe­greif­lich, wie­so so vie­le Men­schen dort ent­wei­chen wol­len, über­dies in das Land, das über­haupt erst man­chen Flucht­grund lie­fert. Ein gewis­ser Maso­chis­mus mag dem gemei­nen Syrer zu eigen sein, ande­rer­seits: dann könnt‘ er auch gleich dort blei­ben und sich meu­cheln las­sen, wie sich das für einen guten Kol­la­te­ral­scha­den gehört. Ganz schön undank­bar.

Musik? Aber ja doch.

Jet­h­ro Tull – Sweet Dream / For a Thou­sand Mothers Live 1969 HD

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Abschlie­ßen­de Noti­zen zu Donald Trump

Er ver­spricht viel, hält aber nichts? Woher dann die Angst? Als Lin­ker soll­te man Donald Trump jeden­falls schät­zen, nicht nur, weil er den Iwan nicht mehr als Klas­sen­feind begreift: Auch Isra­el ist ange­tan und spricht schon jetzt von Freund­schaft, was nach acht Jah­ren mit dem eher isra­el­kri­ti­schen Barack Oba­ma zumin­dest eine Ver­än­de­rung zeigt. Dass vie­le Leu­te erst jetzt Angst vor den Über­wa­chungs­me­cha­nis­men, schlim­mer noch: den Atom­spreng­köp­fen ent­wickeln, auf denen die USA seit Jahr­zehn­ten schon abschuss­be­reit sit­zen, ist aller­dings obskur; waren die­se denn weni­ger gefähr­lich, als noch der Irre mit dem Intel­li­genz­pro­blem den roten Knopf besaß? Immer­hin gehen da gern mal wel­che ver­lo­ren.

Ist die Wahl Donald Trumps nicht ein­fach nur ein Zei­chen von dem Erstar­ken von Rech­ten? Nein, das Gegen­teil ist der Fall, denn die waren schon län­ger da – die ver­meint­li­che Leh­re aber gilt auch und gera­de in der Par­al­le­le zu Deutsch­land:

Ihr habt die Gesell­schaft kaputt gemacht, Wer­te lächer­lich gemacht, Men­schen ent­so­li­da­ri­siert, Zusam­men­halt geschleift, sozia­le Sicher­heit auf­ge­bohrt und das toxi­sche Kon­kur­renz­den­ken in alle Berei­che des Lebens getra­gen, gefor­dert und geför­dert, seit 25 Jah­ren macht ihr das. Jetzt kommt der Fick­fin­ger. Eure Ver­ant­wor­tung. Eure Quit­tung. Fresst die Medi­zin. Schön schlucken. Lecker. Nicht?

Wäre Donald Trump ein deut­scher Poli­ti­ker, man schöl­te ihn ver­mut­lich einen auto­no­men Anar­chi­sten und Lin­ke druck­ten sein Kon­ter­fei auf ihre T‑Shirts aus Ban­gla­desch. Eine Rebel­li­on gegen die Eli­te muss nicht immer von außen kom­men, die Ido­le der Klas­sen­kämp­fer waren und sind oft Gut­si­tu­ier­te aus bele­se­nem Hau­se.

Nicht mal das krie­gen die Sozia­li­sten noch allein hin.


Mög­li­cher­wei­se ein völ­lig ande­res The­ma: Mozil­la wur­de von einem Troll gegrün­det.

Yes, I abso­lut­e­ly bran­ded Mozilla.org the way for the sub­text of „the­se free soft­ware peo­p­le are all a bunch of com­mies.“ I was trol­ling.

:mrgreen:

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zu den Prä­si­dent­schafts­wah­len in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka

Deut­sche Jour­na­li­sten und Poli­ti­ker sind ent­setzt: Jetzt haben die­se ver­rück­ten US-Ame­ri­ka­ner doch tat­säch­lich die ein­ma­li­ge Chan­ce ver­strei­chen las­sen, die­je­ni­ge Frau, die noch kei­ne Gele­gen­heit aus­ge­las­sen hat, um sich für mehr Krieg ein­zu­set­zen, erneut auf eine hohe poli­ti­sche Posi­ti­on zu hie­ven, damit sie dem Femi­nis­mus und der Rüstungs­in­du­strie – nicht umsonst kam Ursu­la von der Ley­en zu Wort – zu neu­en Höhen­flü­gen ver­hel­fen möge. Zum Glück ist so etwas in Deutsch­land undenk­bar.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Ernie wählt das Quiet­sche­ent­chen.

Es dro­he eine Zeit, in der die mei­sten klas­si­schen Ver­la­ge mit­samt ihren digi­ta­len Ange­bo­ten der Kon­kur­renz durch Blogs und son­sti­ge pri­va­te Bericht­erstat­tun­gen nicht mehr gewach­sen sei­en, pro­phe­zei­en die Digi­tal­an­ge­bo­te der mei­sten klas­si­schen Ver­la­ge in letz­ter Zeit merk­lich ängst­li­cher. Bei „SPIEGEL ONLINE“ weist man gar dar­auf hin, dass man als Gra­tis­le­ser die­ses Qua­li­täts­me­di­ums doch bit­te­schön sei­nen Wer­be­blockie­rer abschal­ten möge, um das Qua­li­täts­an­ge­bot auch wei­ter­hin kosten­los genie­ßen zu kön­nen.

Heu­te zum Bei­spiel die­se Qua­li­täts­mel­dung:

Die Clin­tons oder die Trumps – wer ist bes­ser am Herd? Das Krü­mel­mon­ster ist sich da sicher – und ent­schei­det sich für sei­ne „alten Lieb­lings­kek­se“.

Ich blockie­re Wer­bung auf „SPIEGEL ONLINE“ ja inzwi­schen nur noch aus Mit­leid, damit der Todes­kampf nicht mehr so lan­ge dau­ert. :irre:

In den NachrichtenMontagsmusik
Alcest – Je suis d’ail­leurs // Jeder und die.

Symbolbild: Busfahren.Es ist, um Him­mels Wil­len!, Mon­tag, aber wie gewohnt hat man es durch schie­re Blöd­heit geschafft, dem Mon­tag als Wen­de­punkt den Sta­chel zu neh­men. Memo: Blöd­heit ab und zu mal als Chan­ce begrei­fen. Gen­der müss­te man sein: Inklu­si­on sofort! Statt­des­sen bleibt ein Kauz unter einem schwä­cher wer­den­den Mond. Der Win­ter kommt.

Dies auch im meta­pho­ri­schen Sin­ne, ver­steht sich: Auf „hei­se online“ wur­de inve­sti­ga­tiv ent­hüllt, dass Über­wa­chung nicht nur jeden, son­dern sogar Poli­ti­ker tref­fen kann; eine jour­na­li­sti­sche Mei­ster­lei­stung, die ihres­glei­chen ver­geb­lich sucht und die diver­se Prei­se ver­dient hät­te, wären Prei­se nicht meist als Kom­pli­ment gemeint. Dabei kann man sich doch gegen Über­wa­chung inzwi­schen vor­treff­lich schüt­zen: Ein­fach eine häss­li­che Son­nen­bril­le auf­set­zen. Viel­leicht stellt sich dem­nächst her­aus, dass die­se Erfin­dung nur ein Troll­ver­such war, mit­tels des­sen die Krea­ti­ven mög­lichst vie­le Leu­te dazu zu brin­gen ver­su­chen, sich so ein Ding auf­zu­set­zen. Ich nehm‘ gleich drei.

Wo muss denn unbe­dingt mehr Inter­net rein? Rich­tig: in Ther­mo­me­ter. Smar­ter Krem­pel für den Aller­wer­te­sten, ab Werk für’n Arsch.

Ihr seht, mon­tags sind Stim­mung und Niveau im Kel­ler. Zumin­dest für die Stim­mung lässt sich etwas tun, zum Bei­spiel mit­tels der wun­der­ba­ren Musik von Alcest.

Alcest – Je Suis D’ail­leurs [taken from „Koda­ma“]

Guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
Mit Com­mon Lisp gegen Web­müll (fortg.: jetzt mit noch mehr Web)

(Vor­be­mer­kung: Es ist mal wie­der Zeit für ein wenig Eigen­wer­bung. Weni­ger tech­nik­be­gei­ster­te Leser sind herz­lich dazu ein­ge­la­den, statt­des­sen etwas ande­res zu lesen.)

Im März 2016 berich­te­te ich von einem von mir ent­wickel­ten Werk­zeug, mit des­sen Hil­fe aus den mei­sten Web­sites RSS-Feeds erstellt wer­den kön­nen. In der Fol­ge nutz­te ich es zumin­dest selbst regel­mä­ßig, die im Arti­kel ver­merk­te Mög­lich­keit, eine gra­fi­sche Ober­flä­che bereit­zu­stel­len, ver­folg­te ich aber zunächst nicht wei­ter.

Eine Dis­kus­si­on mit einem Inter­es­sen­ten erin­ner­te mich eini­ge Zeit spä­ter dar­an, dass ich mir das durch­aus ein­mal anse­hen woll­te; natür­lich schlicht und schnör­kel­los und ohne die Kom­ple­xi­tät unnö­tig zu erhö­hen. ‘Mit Com­mon Lisp gegen Web­müll (fortg.: jetzt mit noch mehr Web)’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Esst weni­ger Wer­bung!

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on teilt via „hei­se online“ mit:

Wer­bung für unge­sun­des Essen in digi­ta­len Medi­en för­dert nach einem neu­en Report Über­ge­wicht bei Kin­dern.

Und ich dach­te schon, die drol­li­gen Bäl­ger wären so dick, weil sie sich falsch ernährt haben, und nicht, weil zu wenig Wer­bung für Salat im Web zu sehen ist. End­lich erklärt mir das mal wer.

PolitikIn den Nachrichten
Was Ange­la Mer­kel so alles alar­miert

Die Kanz­le­rin ver­schär­fe die Kri­tik, heißt es aus Jour­na­li­sten­krei­sen (u.a. „FAZ“, „Tiro­ler Tages­zei­tung“ bzw. eben Reu­ters), indem sie die Ein­schrän­kun­gen der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit in der Tür­kei „in höch­stem Maße alar­mie­rend“ nann­te. Nun kann man bei einer alar­mier­ten Ange­la Mer­kel kei­nes­falls davon aus­ge­hen, dass sie wie eine alar­mier­te Poli­zei oder eine alar­mier­te Feu­er­wehr Maß­nah­men ergrei­fen wird, um die Ursa­che des Alarms wir­kungs­voll zu bekämp­fen, denn die Tür­kei ist eben­so wie Sau­di-Ara­bi­en ein wert­vol­ler Ver­bün­de­ter beim Löschen wirt­schafts­un­freund­li­cher Frie­dens­her­de. Das Fei­ne an der Kanz­ler­schaft mag’s sein, dass man viel reden, aber nur wenig tun muss, um zu gefal­len.

Und bewähr­te Rezep­te kocht man eben dop­pelt so gern: Die huma­ni­tä­re Lage in Nige­ria sei „alar­mie­rend“ (14. Okto­ber 2016); und wahr­lich, sie tat was dage­gen, lehn­te zwar die Auf­nah­me ver­mu­te­ter Wirt­schafts­flücht­lin­ge aus Nige­ria ab, aber Deutsch­land stellt zur Sicher­heit noch eine Mili­tär­ba­sis dane­ben, denn nur dort kann ein Frie­de herr­schen, wo man ihm den Weg frei­schießt; was indes in der Tür­kei völ­lig außer Fra­ge steht, denn dort ist die huma­ni­tä­re Lage eine groß­ar­ti­ge, wenn man nicht gera­de Jour­na­list, Poli­ti­ker der Oppo­si­ti­on, Kur­de, Fern­seh­clown oder syri­scher Flücht­ling ist: „Flücht­lin­ge berich­ten von Miss­hand­lun­gen und Schüs­sen auf Kin­der“, aber die Tür in die EU bleibt selbst­ver­ständ­lich geöff­net, so lan­ge es nicht offi­zi­ell Todes­stra­fe heißt, denn es ließ die Kanz­le­rin höchst­selbst ver­kün­den, dass die Gesprä­che über eine EU-Mit­glied­schaft der Tür­kei enden wür­den, soll­te das Land die Todes­stra­fe wie­der ein­füh­ren, bedau­er­li­che Kol­la­te­ral­schä­den selbst­ver­ständ­lich ein­mal aus­ge­nom­men.

Das Erschie­ßen von Flücht­lin­gen ist im Fron­tex- und Waf­fen­ex­port­land Deutsch­land ja durch­aus eine öko­no­misch wert­vol­le Errun­gen­schaft.

Ihre Fähig­keit zu herr­schen basiert allein auf der Ver­nich­tung des Bewusst­seins.
„Sie leben!“, 1988


Die F.D.P. teil­te in Gestalt ihres Bun­des­vor­stands inzwi­schen mit, dass Volks­ab­stim­mun­gen prin­zi­pi­ell gefähr­lich sei­en, denn das Volk könn­te eine ande­re Mei­nung haben als sei­ne Par­la­men­ta­ri­er und damit wich­ti­ge Ände­run­gen blockie­ren oder gar final ver­hin­dern.

Wär‘ ja noch schö­ner, wenn man dem Pöbel mal das Wort erteilt.

Persönliches
Kurz notiert zu „Hal­lo­ween“

Ah, der 1. Novem­ber naht, mit­hin der Tag nach „Hal­lo­ween“, dem Tag im Jahr, der nicht nur selbst einem Möch­te­gern­auf­ge­klär­ten als will­kom­me­ner Brücken­tag dient – denn den bedeu­ten­den Vor­teil, den die nerv­tö­ten­den Bimmbamm­re­li­gio­nen, über die man sich sonst vor­treff­lich auf­zu­re­gen ver­mag, der per­sön­li­chen Lebens­qua­li­tät ver­schafft, den der zusätz­li­chen frei­en Tage näm­lich, nimmt man doch gern mit und bemerkt nicht ein­mal, dass man dadurch zum Teil des Pro­blems wird -, son­dern der zudem als Ersatz für den in die­ser vor­der­grün­dig säku­lä­ren Zeit eher unbe­lieb­ten Refor­ma­ti­ons­tag her­hal­ten darf und dann aber eben doch reli­giö­sen Ursprungs, natur­re­li­giö­sen näm­lich, ist und an dem sich eine eigen­ar­ti­ge Käl­te im Land breit­macht, gekenn­zeich­net durch die Dis­kre­panz, dass die­je­ni­gen, die nie­mals auch nur auf die Idee kämen, einem Bedürf­ti­gen über den Win­ter zu hel­fen, im Super­markt für zu viel Geld unge­sun­den Unsinn kau­fen, damit die put­zi­gen klei­nen Strol­che, die nicht ein­fach nur lieb bit­ten, son­dern bei Nicht­be­schen­kung mit Sau­rem dro­hen, schon früh ler­nen, dass man im Leben eine Men­ge errei­chen kann, wenn man ein­fach nur unver­schämt genug ist.

Viel­leicht soll­ten sich die frie­ren­den Bett­ler ein­fach als nied­li­che Kür­bis­se ver­klei­den.

In den NachrichtenMontagsmusik
Ahk­med – Last Hour of Light // Frie­dens­kri­sen

nur-noch-eine-tasse-kaffeeEs ist spä­ter Mon­tag als sonst, nur hat man es kaum bemerkt, weil die ein­ge­scho­be­ne Stun­de am Sonn­tag kei­ne pro­duk­ti­ve war und Brücken­ta­ge auch immer nur die Ande­ren betref­fen. Moder­ner Tech­nik wegen beschränkt sich die Umstel­lung der ange­zeig­ten Uhr­zeit ohne­hin längst meist dar­auf, dass man noch ein biss­chen län­ger im Bett bleibt. Ob der Unsinn nicht ganz aus­blei­ben soll­te, möge jemand mit legis­la­ti­ver Befug­nis ent­schei­den, bedau­er­li­cher­wei­se ist bis­lang kei­ne Ände­rung in Sicht. Russ­land hat die Zeit­um­stel­le­rei schon vor Jah­ren unter­bun­den, und wer will schon wie der Iwan sein?

Ande­rer­seits: Deutsch­land stimmt gegen ein Ver­bot von Mass­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, ver­mut­lich ver­kau­fen die sich so gut. Wenig ver­nich­tet man als deut­scher Frie­dens­po­li­ti­ker so ungern wie Export­ge­win­ne. Wenn man nur lan­ge genug war­tet, wer­den aber offen­bar auch die kru­de­sten Par­tei­ver­su­che ratio­nal: Auf dem „grü­nen“ Netz­kon­gress etwa war Vega­nes unbe­liebt. Bestimmt wur­den bereits Kri­sen­sit­zun­gen ein­be­ru­fen.

Kri­sen sind ja sowie­so so ein Mon­tags­ding. Der so genann­te „Jour­na­lis­mus“ steckt eben­so tief in der­sel­ben wie Poli­tik, Gesell­schaft und Kul­tur – hui, Brü­ste! – und natür­lich man selbst, weil man sich und das alles und den Mon­tag ins­be­son­de­re nur ungern noch ertra­gen moch­te, wäre da nicht die Musik, die so vie­les bes­ser macht.

Machen wir also einen klei­nen Umweg, bevor der Mon­tag beginnt.

ahk­med ~ last hour of light

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ryl­ey Wal­ker – Prim­ro­se Green

ryley-walker-primrose-greenKom­men wir zu etwas schö­nem, kom­men wir zu Musik.

Ryl­ey Wal­ker, 1989 gebo­ren, singt und spielt Gitar­re auf Auf­nah­men, die eigent­lich gar nicht nach Her­ren sei­nes Alters klin­gen. Nach einem sozu­sa­gen rasan­ten Auf­stieg in der prin­zi­pi­ell viel zu gro­ßen Musik­sze­ne Chi­ca­gos ver­öf­fent­lich­te er seit 2014 bis heu­te bereits vier Alben und min­de­stens drei EPs, Ideen scheint er also zu haben. „Prim­ro­se Green“, 2015 erschie­nen, ist das zwei­te die­ser Alben.

Ryl­ey Wal­ker – „Prim­ro­se Green“ (Offi­ci­al Audio)

Was ist davon zu hal­ten? Nun: Eine Men­ge. Ryl­ey Wal­ker steckt musi­ka­lisch tief in den 1960ern und, hilfs­wei­se Mit­mu­si­ker auf den Stu­dio­auf­nah­men (hier: sechs) hin oder her, erweckt kei­nes­falls den Ein­druck, er habe nicht viel mit­zu­tei­len. Ver­damm­te Hip­pie­mu­sik oder eben: Folk­jazz mit Gefühl bis hin zum gele­gent­li­chen, uner­war­te­ten Aus­bruch, ohne gewollt zu klin­gen, mit­un­ter auch mal am Eti­kett des RIO ent­lang­strei­fend, ohne es auf­ge­klebt zu bekom­men. Singer/songwriter nen­nen das jene, die Musik nur hören, aber nicht füh­len wol­len, weil er hier, man höre und stau­ne, singt und schreibt.

Aus­bruch? Aber natür­lich. Ryl­ey Wal­ker reißt mit, not­falls mit Nach­druck.

Ryl­ey Wal­ker – Sweet Satis­fac­tion

Natür­lich ist „Prim­ro­se Green“ auch der Schwer­mut, der elen­den, ein Motor, was unver­meid­lich ist, wenn stil­ler Folk den psy­che­de­li­schen Pop als Teil sei­ner selbst begreift, denn dicht ist sie, die Woge, die den Hörer auf die Rei­se schickt; zuvör­derst aber bleibt ein sanf­tes Gefühl der Befrei­ung mit Rück­stän­den von Fern­weh zurück.

Ich bin ange­tan und emp­feh­le wärm­stens Imi­ta­ti­on.

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 27. Okto­ber 2016

Die­ser Absturz da auf dem Mars, der hat doch fast funk­tio­niert:

Sin­ce we obtai­ned at least 80% of the data during the des­cent, the over­all suc­cess rate can be cal­cu­la­ted as fol­lows: 80+20*0.8 = 96%. All in all, a very posi­ti­ve result.

Wenn ich mal was pro­gram­mie­re, was zu 96 Pro­zent funk­tio­niert und zu 4 Pro­zent in einem Total­scha­den endet, dann schimp­fen immer alle. Viel­leicht soll­te ich statt­des­sen was mit Raum­fahrt­tech­nik machen.


Apple defi­niert Inno­va­ti­on: Das kom­men­de Mac­Book hat vor­aus­sicht­lich nicht ein­mal mehr eine Esc-Taste. Wenn sie das Tem­po, in dem sie inno­va­tiv Funk­tio­nen aus ihrem Pla­stik­spiel­zeug ent­fer­nen, eini­ger­ma­ßen bei­be­hal­ten, sehe ich schon bald die ersten Urhe­ber­rechts­kla­gen auf die Macher des NoPho­nes zukom­men. Das hat näm­lich auch kei­ne stö­ren­den Anschlüs­se, Tasten oder Funk­tio­nen.


Es gibt seit kur­zem ein lesens­wer­tes Gespräch mit dem bemer­kens­wert blog­gen­den „Kiez­neu­ro­ti­ker“, das aus­zugs­wei­se zu zitie­ren der vol­len Pracht hier Unrecht täte.


Deutsch des Tages: Die vom IS explo­dier­te Gift­wol­ke.


Scheiß­fri­sur? Scheiß­fri­sur.

WirtschaftIn den Nachrichten
Min­dest­hohn

(Vor­be­mer­kung: Mei­ne Ahnung von Wirt­schaft wei­gert sich auch wei­ter­hin beharr­lich zu exi­stie­ren.)

Toll:

Der seit ein­ein­halb Jah­ren gel­ten­de gesetz­li­che Min­dest­lohn wird 2017 erst­mals ange­ho­ben. Der Min­dest­lohn soll von der­zeit 8,50 Euro auf dann 8,84 Euro pro Stun­de stei­gen. Das Bun­des­ka­bi­nett bil­lig­te am Mitt­woch in Ber­lin eine Ver­ord­nung von Arbeits­mi­ni­ste­rin Andrea Nah­les.

Damit sinkt das Risi­ko der Alters­ar­mut für Gering­ver­die­ner um, Moment…

Auf eine schrift­li­che Fra­ge (…) muss­te Staats­se­kre­tä­rin Gabrie­le Löse­krug-Möl­ler ein­räu­men, dass ein Beschäf­tig­ter 45 Jah­re lang und mit einer wöchent­li­chen Arbeits­zeit von 38,5 Wochen­stun­den, 11,50 Euro ver­die­nen müss­te, um im Alter eine Ren­te zu erhal­ten, die über der aktu­el­len Grund­si­che­rungs­schwel­le von 769 Euro liegt.

Aber war­um dann über­haupt die­se gerin­ge Anhe­bung, wenn man im Alter sowie­so nichts davon hat? Ach, rich­tig:

Dage­gen erhofft sich Nah­les durch die 34-Cent-Anhe­bung posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Kon­sum­nach­fra­ge.

Ist ja bald Weih­nach­ten.

Aber nicht alles auf ein­mal aus­ge­ben! :ja:

PolitikIn den Nachrichten
Beton­köp­fe: Mar­kus Becker erklärt die Demo­kra­tie.

Auf „SPIEGEL ONLINE“ darf Mar­kus Becker der­zeit die Demo­kra­tie erklä­ren und bringt uns drei­er­lei bei.

Erstens:

Man mag Ceta gut fin­den oder schlecht, aber der Beton-Wider­stand der Wal­lo­nie ist kein Sieg der Demo­kra­tie.

Von dem Recht, gegen ein Abkom­men zu votie­ren, Gebrauch zu machen heißt „Beton-Wider­stand“.

Zwei­tens:

Selbst Par­tei­freun­de der wal­lo­ni­schen Rebel­len – etwa Gian­ni Pit­tel­la, Frak­ti­ons­chef der Sozi­al­de­mo­kra­ten im EU-Par­la­ment – wer­fen Paul Magnet­tes Regie­rung inzwi­schen vor, ganz Euro­pa in Gei­sel­haft zu neh­men.

Gegen ein Abkom­men, das von vie­len Euro­pä­ern abge­lehnt wird, die aber zur Freu­de der Demo­kra­tie und Mar­kus Beckers gar nicht erst gefragt wur­den, zu stim­men nimmt ganz Euro­pa „in Gei­sel­haft“, wäh­rend eine Zustim­mung zu die­sem Abkom­men ganz Euro­pa selbst­ver­ständ­lich völ­lig frei von Zwän­gen lie­ße.

Drit­tens:

Dass die – demo­kra­tisch gewähl­ten – Regie­run­gen aller EU-Staa­ten Ceta zuge­stimmt haben? Inter­es­siert nicht. Die Glaub­wür­dig­keit Euro­pas und womög­lich Tau­sen­de Arbeits­plät­ze, um die es immer­hin auch geht? Bedau­er­li­che Kol­la­te­ral­schä­den.

Euro­pa kann sei­ne Glaub­wür­dig­keit nur auf­recht erhal­ten, wenn es sei­ne Mit­glie­der künf­tig nicht mehr nach ihrer Mei­nung fragt. Demo­kra­tie kann nur funk­tio­nie­ren, wenn sie auf ergeb­nis­of­fe­ne Abstim­mun­gen ver­zich­tet. Die Arbeits­plät­ze, wis­sen­schon. :aufsmaul:

End­lich erklärt uns das mal einer.