PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Putins gefähr­li­che Reichs­bür­ger

Dass in Geor­gens­gmünd ein Mensch mit gemein­hin für falsch gehal­te­ner Auf­fas­sung von Völ­ker­recht und legal erwor­be­nen Waf­fen (denn es ist bekannt­lich ein sehr wich­ti­ges Grund­recht, sich unter Umstän­den ein Mord­in­stru­ment unter’s Kopf­kis­sen legen zu dür­fen) einen Poli­zi­sten erschos­sen hat, führt gegen­wär­tig zu aller­lei gesell­schaft­li­chen Urtei­len wie etwa dem, dass man doch bit­te­schön etwas gegen die­se Ter­ro­ri­sten unter­neh­men möge, womit natür­lich die „Reichs­bür­ger“ und nicht etwa die Waf­fen­be­sit­zer gemeint sind, denn bekannt­lich ist man als unbe­waff­ne­ter Geschichts­ver­dre­her wesent­lich gefähr­li­cher als wenn man bloß ein bewaff­ne­ter Spin­ner ist, unter völ­li­ger Aus­blen­dung des Umstands, dass pro­por­tio­nal mehr Frau­en als „Reichs­bür­ger“ irgend­wen umbrin­gen und trotz­dem nahe­zu nie­mand for­dert, man möge Frau­en doch bit­te unter Beob­ach­tung stel­len.

Klar – „Reichs­bür­ger“ sind in ihrem gan­zen Han­deln viel ver­däch­ti­ger. SPIEGEL ONLINE „erklärt“ dazu:

Scrollt man durch die Sei­te, tritt man ein in eine Bla­se, in der (…) das Finanz­sy­stem kurz davor ist, die Welt in den Abgrund zu kol­la­bie­ren, Behör­den nur dar­an arbei­ten, die Bür­ger zu schröp­fen, Medi­en lügen, west­li­che Regie­run­gen auf den drit­ten Welt­krieg gegen Russ­land drän­gen. Der ein­zi­ge Mäch­ti­ge, der hier des Bösen unver­däch­tig ist: Wla­di­mir Putin.

„Ach so“, wird der ver­stän­di­ge „SPON“-Leser nun den­ken, „dann ist ja alles klar“, denn wer das Finanz­sy­stem kri­ti­siert, staat­li­chen Insti­tu­tio­nen oder gar der Bun­des­re­gie­rung die Armut von Bür­gern vor­wirft und dann sogar noch dreist behaup­tet, west­li­che Medi­en oder gar hoch­ran­gi­ge Poli­ti­ker wür­den die Kon­fron­ta­ti­on mit Russ­land ver­schär­fen wol­len, des­sen Prä­si­den­ten er über­dies nicht ein­mal durch ent­sach­li­chen­de Dämo­ni­sie­rung zu ver­teu­feln wagt, der kann nur ein Ter­ro­rist oder min­de­stens ein Sym­pa­thi­sant sein.

Ver­damm­ter Putin.

Nerdkrams
War­um Infor­ma­tik kein Pro­gram­mier­un­ter­richt ist

Was hat das Inter­net sich nicht wie­der köst­lich amü­siert: Die F.D.P. for­dert das „Pro­gram­mie­ren ab Grund­schu­le“, stimmt aber im Land­tag gegen ein Pflicht­fach Infor­ma­tik. Haha, die Pünkt­chen­par­tei immer. So inkon­se­quent.

Nur hat Pro­gram­mie­ren mit Infor­ma­tik zunächst mal so viel zu tun wie ein Horo­skop mit Astro­phy­sik: Irgend­was mit Com­pu­tern, irgend­was mit Ster­nen, wird schon pas­sen. Infor­ma­tik als Ver­tie­fung der Mathe­ma­tik lehrt Logik, trocke­ne Auto­ma­ten­theo­rie, aller­dings nicht zwangs­läu­fig ihre Anwen­dung – und selbst die geht weit über Pro­gram­mie­ren hin­aus.

Die Mehr­zahl aller Infor­ma­tik­ab­sol­ven­ten kann nicht pro­gram­mie­ren (und wenn, dann nur in Java), Infor­ma­tik all­ge­mein läuft super bis auf Pro­gram­mie­ren. Als fer­tig stu­dier­ter Infor­ma­ti­ker mit einer leid­lich akzep­ta­blen Durch­schnitts­no­te kann man einen Algo­rith­mus schrei­ben, der sich in Inter­net­fo­ren über die schlech­te Qua­li­tät sei­nes Stu­di­ums beschwert, aber ihn eben nicht in der Pra­xis umset­zen, weil weder Algo­rith­mik noch Pla­ti­nen­lö­ten nen­nens­wer­te Kennt­nis­se in einer Pro­gram­mier­spra­che (außer, allen­falls, Assem­bler­spra­che oder Lern­spra­chen wie Python, die sowie­so wie lauf­fä­hi­ger Pseu­do­code aus­se­hen; und selbst das nur, wenn genug Begei­ste­rung für das The­ma besteht, weil man in kei­nem der bei­den Fächer zwangs­wei­se mit ech­tem Quell­code arbei­ten muss oder auch nur soll­te) mit sich brin­gen. Für die Wirt­schaft sind Leu­te, die Ideen in ver­kaufs­taug­li­che Pro­gram­me ein­bau­en kön­nen, aller­dings lang­fri­stig wich­ti­ger als sol­che, die sich ab und zu mal was aus­den­ken, weil sich Ideen eben ver­dammt schwer in Greif­ba­res ver­wan­deln las­sen, wenn nie­mand da ist, der das tut; und selbst, wenn man von der Wirt­schaft nicht viel hält: Wenn ich ein Pro­gramm zum Heim­ge­brauch ent­wick­le, dann macht mir das Schrei­ben von Code oft deut­lich mehr Spaß als das Erar­bei­ten der dahin­ter ste­hen­den Logik. Dazu kommt: Kein Wis­sen aus der Infor­ma­tik ist zur pro­duk­ti­ven Arbeit hier­bei zwangs­läu­fig Vor­aus­set­zung, denn pro­gram­mie­ren kann man auch ohne eine detail­lier­te Ver­schrift­li­chung der erwar­te­ten Ergeb­nis­se.

Rich­tig ist, dass mehr Men­schen pro­gram­mie­ren kön­nen soll­ten, denn Pro­gram­mier­tes löst oft Pro­ble­me, die man bis dahin für unaus­weich­lich gehal­ten hat­te. Mehr noch: Not­wen­dig erscheint es mir, Medi­en­kom­pe­tenz zu einem wich­ti­gen Unter­richts­in­halt in Schu­le und Stu­di­um zu machen. Stimmt, was in Zei­tun­gen und Schul­bü­chern steht? Wie ver­trau­ens­wür­dig ist Face­book und womit ver­die­nen die eigent­lich ihr Geld? Nur ist auch dies nicht die Auf­ga­be der Infor­ma­tik. Ein Infor­ma­ti­ker kann eine lan­ge Kar­rie­re vor sich haben, ohne jemals mit dem in Berüh­rung zu kom­men, was man­che hier­zu­lan­de einen Com­pu­ter nen­nen. „Du bist doch Infor­ma­ti­ker, du kannst doch sicher mein Auto repa­rie­ren, das ist doch heu­te alles mit Com­pu­ter.“ (Viel­leicht ist auch das ein Grund dafür, dass es heißt, es gäbe zu wenig gut aus­ge­bil­de­te Infor­ma­ti­ker: Man wäre schön blöd, das her­um­zu­er­zäh­len.)

Im Übri­gen gibt es durch­aus gute Grün­de dafür, dass Infor­ma­tik ein mehr­jäh­ri­ger Stu­di­en­gang mit meh­re­ren, ein­an­der fak­tisch aus­schlie­ßen­den Ver­tie­fun­gen ist: Die wesent­li­chen Inhal­te die­ser Dis­zi­plin las­sen sich nicht zwi­schen Sport­un­ter­richt und Erd­kun­de begrei­fen. Wer ein „Pflicht­fach Infor­ma­tik“ for­dert, der hat offen­sicht­lich ganz ein­fach das Wesen der Infor­ma­tik nicht begrif­fen. Astro­phy­si­ker – da haben wir es wie­der – sind ja auch nicht nach dem Abitur schon fer­tig.

Wer sich also über die ein­gangs erwähn­te ver­meint­li­che Inkon­se­quenz der F.D.P. amü­siert, dem stün­de etwas mehr Unter­richt ver­mut­lich nicht schlecht zu Gesicht.


Pro­dukt­test des Tages: „Auf den ersten Blick hat Goog­le vie­les rich­tig gemacht: Das Pixel hat eine sepa­ra­te Kopf­hö­rer­buch­se und stand wäh­rend mei­nes fünf­tä­gi­gen Tests kein ein­zi­ges Mal in Flam­men. Für High-End-Smart­phones ist das im Herbst 2016 nicht selbst­ver­ständ­lich.“

In den NachrichtenMontagsmusik
Grob­schnitt – Solar Music // Von Baum­küs­sern und ande­ren Lin­ken

montag-symbolbildEs ist Mon­tag, aber man redet es sich schön, weil unbe­ding­te Vor­aus­set­zung für einen Mon­tag ja ist, dass zuvor ein Sonn­tag statt­fand, aber davon kann kei­ne Rede sein. Für den Mond­tag mag es rei­chen, schon wegen des Voll‑, Quatsch, Super­mon­des, ein Wort wie aus einem Welt­erfolg von Scoo­ter, jeden­falls: Mon­tags hat man auch schon mal bes­se­re Zei­ten (zum Bei­spiel nach­mit­tags an Sonn­ta­gen) gese­hen. Als wäre es erst gestern gewe­sen.

Gute Nach­rich­ten aller­dings – die Ursa­che für das Wald­ster­ben ist gefun­den: DJ Bobo küsst jeden Tag zwei Bäu­me. Dass das nicht ver­bo­ten ist, gehört zu den unver­ständ­li­chen Eigen­hei­ten der Schweiz. Wobei man als Deut­scher, was Eigen­hei­ten angeht, viel­leicht bes­ser schwei­gen soll­te; außer einer Bahn mit Beschwer­de­kul­tur und ver­klemm­ten Groß­mäu­lern mit Penis­neid lei­sten wir uns ande­rer­seits ins­be­son­de­re auch vor­sätz­lich ver­äng­stig­te Lin­ke, denen es ihre eige­ne poli­ti­sche Agen­da ver­bie­tet, ein leid­lich zivi­li­sier­tes Mit­ein­an­der auch von Kul­tur­frem­den ein­zu­for­dern. Die wis­sen das ja nicht bes­ser. Wenn das eige­ne Welt­bild ver­na­gelt ist, hilft ein erho­be­ner Zei­ge­fin­ger nicht beim Blick auf das Leben, das wirk­lich pas­siert. Nicht in jedem Kokon wird man zum Schmet­ter­ling.

Zu viel Offen­heit, ande­rer­seits, ist auch nicht gut, zum Bei­spiel, wenn sie smar­te Elek­tro­nik befällt: Zwölf Jah­re alter OpenS­SH-Bug gefähr­det unzäh­li­ge IoT-Gerä­te, da weiß man die­sen Open-Source-Quatsch doch gleich rich­tig zu wür­di­gen. Kann ja nix pas­sie­ren, kann ja jeder rein­gucken.

Manch­mal wäre Ver­rei­sen, weit weg von all dem, eine über­le­gens­wer­te Alter­na­ti­ve.

Oder, noch bes­ser, Musik.

Grob­schnitt – Solar Music – Live

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Alle Jah­re wie­der: Pen­nys Zip­fel­re­li­gi­on

Es ist wie­der so weit: Vie­len Men­schen ist von den ersten Domi­no­stei­nen und Leb­ku­chen­her­zen des Jah­res schon vor Wochen schlecht gewor­den, es droht das erste „Last Christ­mas“ aus schlim­men Medi­en zu erschal­len und bei Pen­ny (ehem. Pen­ny-Markt) gibt es Zip­fel­män­ner. Das hat vie­le Men­schen ziem­lich ver­är­gert.

Die Zip­fel­män­ner, die­se opti­sche Ver­mäh­lung von Räu­cher­männ­chen mit Schlümp­fen, zeich­nen sich dadurch aus, dass sie mit dem Weih­nachts­mann bei­na­he nichts zu tun haben; nur: unge­sun­de Hohl­fi­gu­ren aus Scho­ko­la­de, deren Ver­füg­bar­keit kalen­da­risch mit christ­li­chen Fest­ta­gen zusam­men­hängt, sind bei­de. Fol­ge­rich­tig lau­tet die Ver­mu­tung sei­tens unge­sun­der Hohl­fi­gu­ren aus Mensch, dass die­je­ni­gen, die den all­herbst­li­chen Ansturm auf das Zeug nicht bloß mit Weih­nachts­män­nern zu befrie­di­gen ver­su­chen, hier­mit den Plan ver­fol­gen, das Chri­sten­tum zu über­vor­tei­len. Die mus­li­mi­schen Flücht­lin­ge sei­en schuld, als wäre der Zip­fel­mann das Abbild einer hohen isla­mi­schen Gott­heit.

Wie der Weih­nachts­mann als Wer­be­fi­gur Coca-Colas eben auch nichts mit Reli­gi­on zu tun hat, womit das ein­zi­ge reli­gi­ös ver­tret­ba­re Geschen­ke­fest im bestehen­den Kalen­der das Gedenk­fest des hei­li­gen Bischofs Niko­laus (6. Dezem­ber) ist, des­sen Leben noch heu­te dadurch gedacht wird, dass man Kin­dern Scho­ko­la­de, meist mit einem mög­li­chen Abbild des Bischofs, in die Schu­he schiebt. Bischö­fe machen so was eben. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Dar­stel­lung des Bischofs als „San­ta Claus“ (was ja nichts ande­res heißt als „Hei­li­ger Niko­laus“), in der Regel am 25. Dezem­ber den Höhe­punkt errei­chend, ist inso­fern eine im Kalen­der ver­rutsch­te Fehl­deu­tung des im Zuge der Kir­chen­spal­tung als Ersatz für den von Katho­li­ken ver­ehr­ten Niko­laus ent­stan­de­nen Christ­kinds (will hei­ßen: Jesus), trotz der ursprüng­li­chen Dar­stel­lung als Engel nach­drück­lich beein­flusst von der Kul­tur­lo­sig­keit bezeu­gen­den Gleich­set­zung von Niko­laus und Jesus. Tät’s nicht einer der Ihren, hie­ße es ver­mut­lich Ket­ze­rei.

Das Ende des christ­li­chen Abend­lan­des – immer­hin: na end­lich – wird inso­fern viel­mehr von denen befeu­ert, die das Andenken an christ­li­che Hei­li­ge suk­zes­si­ve durch die Ver­eh­rung einer Sym­bol­fi­gur des Kapi­ta­lis­mus US-ame­ri­ka­ni­scher Aus­prä­gung erset­zen, als von denen, die die Pri­vat­sa­che Reli­gi­on auch als eine sol­che behan­deln. Die Gebe­te zum mäch­ti­gen Mam­mon blei­ben Jahr für Jahr nicht unge­hört. Besorg­te Bür­ger ver­schan­deln das Chri­sten­tum. Hat sich dage­gen eigent­lich schon Wider­stand for­miert?

MusikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Dich­ten soll sich wie­der loh­nen, aber Anna-Lena Scholz ist nicht inspi­riert.

Bob Dylan hat, das hat wohl inzwi­schen selbst der­je­ni­ge Groß­teil der Mensch­heit, dem umge­häng­te Medail­len ein­fach mal schnup­pe sind, mit­be­kom­men, jüngst wenig über­ra­schend den Nobel­preis für Lite­ra­tur, genau­er: für, über­wie­gend, sei­ne Lied­tex­te, erhal­ten. #Stein­mei­er gefällt das. Bob Dylan wur­de auch des­halb aus­ge­zeich­net, weil er nun seit über 50 Jah­ren, allen Aus­fäl­len (man mun­kelt, es sei­en reli­giö­se Alben unter sei­nem Namen erschie­nen) zum Trotz, Gedich­te geschrie­ben und ver­tont hat, die den sound­track gan­zer sog. Bewe­gun­gen bil­de­ten, selt­sa­me Stim­me hin oder her. Irgend­wel­che Ant­wor­ten wer­den noch heu­te in den Wind gebla­sen, Bob Dylan aber ver­weil­te nicht lan­ge. Iko­ne sein zu wol­len hat ihm ohne­hin offen­bar nie gele­gen: Als ihm die ver­damm­ten Hip­pies zu viel Auf­merk­sam­keit zuteil wer­den lie­ßen, offen­bar in der Hoff­nung, er möge für den Rest sei­nes Lebens ihre Lieb­lings­lie­der qua­si als mensch­li­ches Radio wie­der­ge­ben, steck­te er sei­ne Gitar­re in die Steck­do­se und beschloss, dass die Lager­feu­er­lie­der künf­tig ande­re Men­schen machen mögen. So behaup­tet es jeden­falls die Legen­de.

Bob Dylan – Maggie’s Farm (Cham­paign 1985).mp4

Bob Dylan ist nicht erfolg­reich gewor­den, weil er dem Ide­al­bild eines glat­ten Künst­lers ent­sprach, son­dern gera­de auch wegen sei­ner Tex­te. Frie­dens­hym­nen wur­den bald von sub­ti­ler, sel­ten auch bra­chia­ler Gesell­schafts­kri­tik abge­löst – selbst der Prä­si­dent der USA, zum Bei­spiel, habe manch­mal nichts an („It’s Alright, Ma (I’m Only Blee­ding)“, Über­set­zung von mir), was jahr­zehn­te­lang von Jubeln des Publi­kums beglei­tet wur­de, die sind’s eben auch nicht mehr gewohnt – und blie­ben zumin­dest bis Anfang der 1970-er Jah­re beein­druckend wort- und bild­reich, wie man es sonst nur von weni­gen ande­ren Musi­kern wie etwa Leo­nard Cohen kann­te.

Dass gereim­te Tex­te, sei­en sie nun gesun­gen, gespro­chen oder gerülpst, meist zwei­fels­frei als Lite­ra­tur (zumal Lyrik) aus­zu­ma­chen sind, lässt die „histo­ri­sche Zäsur“ (Micha­el Hübl, Res­sort­lei­ter für Kul­tur bei den „Badi­schen Neue­sten Nach­rich­ten“) noch erstaun­li­cher wir­ken. Hat sonst noch nie­mand aus Musi­ker­krei­sen so nach­drück­lich gewirkt? Um einen Lite­ra­tur­no­bel­preis zu erhal­ten, hat­te der Preis­stif­ter immer­hin einst ver­fügt, sel­bi­ger Preis möge der­je­ni­gen Per­son ver­lie­hen (muss man den dann eigent­lich wie­der zurück­ge­ben?) wer­den, die auf dem Fel­de der Lite­ra­tur die her­aus­ra­gend­ste Arbeit im posi­ti­ven Sin­ne ver­rich­tet hat, und dar­an bestehen ver­mut­lich nur gerin­ge Zwei­fel.

Bob Dylan Bal­lad Of a Thin Man

Doof ist nur, dass Bob Dylan ein Mann ist, ein alter wei­ßer oben­drein, was die „Gei­stes­wis­sen­schafts­jour­na­li­stin“ – das ist ver­mut­lich jemand, der für zu viel Geld zu lan­ge Tex­te über Leu­te schreibt, die beruf­lich tat­säch­lich gei­sti­ge Arbeit ver­rich­ten – Anna-Lena „Doc“ Scholz zu dem Hin­weis ver­an­lass­te, dass es wohl nicht sehr inspi­rie­rend (ich neh­me an: für anders­ar­ti­ge Men­schen) sei, wenn der dies­jäh­ri­ge Nobel­preis aus­schließ­lich an „Män­ner über 65“ ver­lie­hen wer­de, was ja schon des­halb nicht stimmt, weil drei der elf Preis­trä­ger noch nicht über 65 Jah­re alt sind, aber Jour­na­lis­mus hat mit Recher­che eben nur am Ran­de etwas zu tun. Wel­che her­aus­ra­gen­den Lei­stun­gen jun­ger Frau­en von den Preis­ver­lei­hern nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt wor­den sein sol­len, teil­te sie bedau­er­li­cher­wei­se nicht mit, so dass ich nur raten kann: Ist Anna-Lena Scholz offen­sicht­lich seit Beginn ihrer beruf­li­chen Lauf­bahn nur des­halb nicht aus­rei­chend inspi­riert, um Bemer­kens­wer­tes zu schaf­fen, weil die Preis­trä­ger 2016 alle­samt im Ruf ste­hen, über ein natur­ge­mäß männ­li­ches Geschlechts­teil zu ver­fü­gen? Den Scholz­preis für beson­de­re Weib­lich­keit bekom­men sie so sicher nicht!

Gucken wir uns das mal genau­er an. Von den sechs Nobel­preis­ka­te­go­rien Phy­sik, Che­mie, Physiologie/Medizin, Lite­ra­tur, Frie­den und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten wäre Frau Scholz – sie beschäf­tigt sich laut Selbst­dar­stel­lung außer mit Lite­ra­tur auch mit der Theo­rie- und Ideen­ge­schich­te der Ger­ma­ni­stik sowie mit, als hät­te ich es geahnt, femi­ni­sti­scher Theo­rie und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­cher Geschlech­ter­for­schung, ins­ge­samt also eher mit eso­te­ri­schen als mit nütz­li­chen The­men – qua Kennt­nis­stand zumin­dest für den Nobel­preis für Lite­ra­tur poten­zi­ell qua­li­fi­ziert. Für das Gol­de­ne Brett 2016 kamen ihre Bemü­hun­gen um den Femi­nis­mus aller­dings lei­der auch zu spät, dies­jäh­ri­ger Preis­trä­ger ist, hihi, ein Mann. Nun besteht eine „her­aus­ra­gen­de Lei­stung“ im Preis­sin­ne nicht dar­in, dass man Bücher rezen­siert, sonst hät­te ich sicher­lich auch bereits mehr­fach den Frie­dens­no­bel­preis ver­lie­hen bekom­men, immer­hin rezen­sie­re ich hier mehr oder weni­ger regel­mä­ßig Tex­te über Schar­müt­zel irgend­wo auf der Welt.

Nein, wer nur Bote eines Wer­kes ist, der schafft dadurch kei­ne krea­ti­ve Groß­tat, die es zu wür­di­gen gilt. Die bis­her ein­zi­ge Zwei­fach­no­bel­preis­trä­ge­rin Marie Curie ließ sich nicht davon abhal­ten, dass die vor­he­ri­gen für ihre Ver­dien­ste in Phy­sik und Che­mie Aus­ge­zeich­ne­ten alle­samt Män­ner waren, sie hat ein­fach gear­bei­tet, und das in einer Zeit, in der Frau­en noch weit davon ent­fernt waren, das Pri­vi­leg zu besit­zen, die gan­ze Welt mit ihren regres­si­ven Ansich­ten über die Rele­vanz von Geschlech­tern bei der Wür­di­gung der Lei­stun­gen einer Per­son zu behel­li­gen; und auch Bob Dylan wäre sicher­lich der Letz­te, der die Inspi­ra­ti­on durch sei­ne Zeit­ge­nos­sen nicht zu umfas­sen wüss­te: Ohne die Welt­ge­wandt­heit sei­ner ein­sti­gen Freun­din Suze Roto­lo und ohne die Unter­stüt­zung sei­ner fol­gen­den Freun­din Joan Baez, selbst erfolg­rei­che Musi­ke­rin, hät­te sei­ne Lyrik mög­li­cher­wei­se nie­mals die nun­mehr qua­si gekrön­te Qua­li­tät erreicht, über die manch Gei­stes­wis­sen­schafts­jour­na­li­stin heu­te auf­grund sei­nes (oder auch ihres) Geschlechts die Nase rümpft.

Viel­leicht soll­te Frau Scholz es mal mit Sin­gen ver­su­chen.

Bil­dung ist eine Res­sour­ce, die von jeher ungleich ver­teilt wird.
Anna-Lena Scholz

In den NachrichtenComputer
Smart­phone­blues (II): Feu­er und Flam­me

Wo muss denn unbe­dingt mehr Inter­net rein? Rich­tig: In Tee­kes­sel.

Mark Ritt­man set about try­ing to make a cup of tea at 9am but night had fal­len by the time his new Wi-Fi enab­led kett­le could com­ple­te the task.

Wie halt die moder­ne Tech­nik auch sonst dar­auf ver­zich­tet, dem Men­schen zu Dien­sten zu sein: Sam­sung beer­digt das Gala­xy Note 7 (hät­te es eine Lösch­decke nicht auch getan?) und sam­melt dafür die noch nicht explo­dier­ten Model­le in feu­er­fe­sten Kisten ein. Wer ist schuld an die­ser Ent­wick­lung – Sam­sung? Nein, die Kun­den:

Der immense Erfolgs­druck in der Bran­che führt zu frag­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen auf­sei­ten der Her­stel­ler. Immer mehr, immer dün­ner muss es sein, gleich­zei­tig sol­len die Pro­duk­ti­ons­ko­sten sin­ken und die Gewinn­mar­gen hoch­ge­hal­ten wer­den. Nun zei­gen sich die unge­woll­ten Kon­se­quen­zen.

In einer Zeit, in der die Ver­schlan­kung von Gehäu­sen um weni­ge Mil­li­me­ter als wesent­li­ches Ver­kaufs­ar­gu­ment gewer­tet wird (ich klag­te zuvor), ist das zumin­dest eine gerech­te Stra­fe. Seht nur, wie dünn es ist!

Mit Funk­tio­na­li­tät kann man in der Schu­le nun mal nicht glän­zen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurz­kri­tik: Moon Cir­cle – Moon Cir­cle

moon-circlePotz­tau­send, schon wie­der so ein Album, das Spaß macht. 2016, was ist los mit dir?

Das natür­lich fran­zö­si­sche Trio Moon Cir­cle – Gitar­re, Schlag­zeug, Bass/Flüstern/Geschrei – hat pünkt­lich am 1. Janu­ar die­ses Jah­res ein wirk­lich fei­nes Album via Band­camp ver­öf­fent­licht, das mich bei­na­he zum Luft­gi­tar­ren ange­regt hät­te, was durch­aus unge­wöhn­lich ist, nei­ge ich doch eher zum stil­len Genuss.

Bei Titeln wie „Lost In The Gang-bang (Whe­re Are You?)“, „Attack Of The Nudist Zom­bies“ und „Cum Tog­e­ther“ möge man süf­fi­sant grin­sen, wenn es beliebt, aber musi­ka­lisch ist von Puber­tät hier nichts zu spü­ren. Tex­te gibt es eher so zwi­schen­durch, nach einer kur­zen Text­ein­la­ge im Eröff­nungs­stück ist erst mal eine Wei­le Ruhe. Wenn sich das ändert, dann ist es nicht völ­lig unamü­sant. Der extro­ver­tier­te Gesang in „Cha­se The Hun­ter“ etwa macht kei­nen Hehl dar­aus, dass die­se Band nichts ernst meint oder auch nur ernst nimmt. Yeah.

Moon Cir­cle – Lost In the Gang-bang (whe­re are you ?)

Gen­res, ach, drauf geschis­sen; wer’s braucht: Gitar­ren­be­ton­ter Stoner-Kraut­rock mit dem gewis­sen Etwas. „Spaceship’s Rising“ zitiert, viel­leicht sogar: par­odiert vor­über­ge­hend den Spa­ce­rock mit sei­nen doch oft etwas merk­wür­di­gen Effek­ten, nur um dann mal eben sozu­sa­gen im Vor­bei­flie­gen etli­chen auf­stre­ben­den Postrock­ka­pel­len Kon­kur­renz zu machen, aber das könn­te auch trü­gen. Hier pas­siert noch mehr als es scheint, aber zur Ruhe kommt man trotz­dem nur sel­ten und das ist auch gut so.

Lucifer’s Fri­end, Hawk­wind, Jimi Hen­drix, der Stoner Rock an sich und, ja, durch­aus auch Bands wie Rus­si­an Cir­cles klin­gen in Moon Cir­cles Erst­lings-LP an. Mögen noch mehr sol­cher Alben fol­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Quis cus­to­diet ipsos cus­to­des?

hei­se online berich­tet:

In den Kabi­nett­sit­zun­gen der bri­ti­schen Pre­mier­mi­ni­ste­rin The­re­sa May ist das Tra­gen der Apple Watch künf­tig ver­bo­ten.

Nicht etwa aus ratio­na­len Erwä­gun­gen her­aus (man weiß ja nie so genau, wohin Apple die Bewe­gungs­da­ten fun­ken lässt), son­dern natür­lich aus der Angst vor dem bösen Wolf:

Als beson­de­re Gefahr sehen die Betei­lig­ten dem­nach einen Angriff durch rus­si­sche Com­pu­ter­spe­zia­li­sten. „Die Rus­sen ver­su­chen, alles zu hacken“, so eine Quel­le von The Tele­graph.

Die bri­ti­sche Regie­rung ist übri­gens die, die sich den Geheim­dienst GCHQ lei­stet, der, wie das Inve­sti­ga­to­ry Powers Tri­bu­nal vor einem Jahr ent­schie­den hat­te, nicht nur die gan­ze Welt, son­dern selbst­re­dend auch Abge­ord­ne­te des bri­ti­schen Par­la­ments mit­tels Hacks über­wa­chen darf, wie das so ein Geheim­dienst nun mal macht.

Ver­damm­ter Putin immer.

In den NachrichtenMontagsmusik
Elec­tric Oran­ge – Orga­ni­zed Suf­fe­ring // Immer die­ser Anti­kriegs­is­mus!

blumen-jetztEs ist Mon­tag und man hät­te es bei­na­he nicht gemerkt, weil der Sonn­tag erst nicht wie ein Sonn­tag schien und irgend­wie dann doch. Tra­di­tio­nen haben Charme, wenn man es nur rich­tig anstellt. Wenn schon der Rest der Welt bekloppt scheint: Ab 2030 soll für Autos nur noch Koh­le und kein Ben­zin mehr ver­heizt wer­den dür­fen. Da freut sich die Umwelt schon jetzt.

Die Bun­des­kanz­le­rin hat vor ein paar Tagen ver­mu­tet, Kri­tik am unde­mo­kra­ti­schen Zustan­de­kom­men der gegen­wär­tig dis­ku­tier­ten Frei­han­dels­ab­kom­men sei wohl als Anti­ame­ri­ka­nis­mus zu wer­ten, ein Frei­han­dels­ab­kom­men mit Russ­land wür­de viel weni­ger Kri­tik mit sich brin­gen. Dabei hat der Anti­ame­ri­ka­nis­mus in der Gesell­schaft ganz ande­re Zusam­men­hän­ge, zum Bei­spiel den, dass die USA nicht gera­de dazu nei­gen, das fried­li­che Gleich­ge­wicht auf der Erde auf­recht zu erhal­ten. Ein Frei­han­dels­ab­kom­men mit Russ­land wäre aus ganz ande­ren Grün­den eine net­te Geste. Russ­land hat es ganz all­ge­mein begrün­det satt, dass es von feind­li­chen Trup­pen (i.e. „uns“) umge­ben ist: Russ­land kün­digt Plu­to­ni­um-Abkom­men mit den USA, bis die USA ihre Droh­ge­bär­den ein­stel­len. Da hel­fen nur mehr Pan­zer. Mehr Pan­zer haben schon immer gut Pro­ble­me gelöst, wenn Russ­land sich zu weh­ren ver­such­te.

In wei­te­ren Nach­rich­ten: Kur­di­sches Kin­der­fern­se­hen gefähr­det die natio­na­le Sicher­heit der Tür­kei. Klar: Fern­se­hen macht blöd und blö­de Bür­ger sind nicht mehr wehr­fä­hig. Ein deutsch­land­wei­tes Fern­seh­ver­bot könn­te ver­mut­lich auch die­ses Land vor­über­ge­hend zur Erho­lung füh­ren.

Bis dahin las­sen wir den Fern­se­her ein­fach anlass­los aus und hören statt­des­sen ein wenig Musik.

Elec­tric Oran­ge- Orga­ni­zed Suf­fe­ring

Guten Mor­gen.

MusikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 8. Okto­ber 2016

Selbst­ver­ständ­lich geht es den mei­sten App­le­kun­den aus­schließ­lich um die über­ra­gen­de Tech­nik, was die­ses Pro­dukt nahe­zu schlüs­sig erklärt: Eine Ker­ze, die nach neu­em Mac riecht.


Wir brau­chen mehr Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen, haben sie gesagt. Die machen Fir­men mensch­li­cher, haben sie gesagt.


Eigent­lich jedes Mal, wenn ich Vinyl anprei­se, kann ich mir sicher sein, dass eini­ge Leser geräusch­voll oder auch völ­lig laut­los mit dem Kopf schüt­teln und mich einen rück­stän­di­gen Kon­ser­va­ti­ven schimp­fen, der mit einer rein digi­ta­len Musik­samm­lung so viel anfan­gen kann wie ihr Opa mit Rock­mu­sik. Strea­ming ist die Zukunft und in jeder Hin­sicht einer anstän­di­gen Plat­ten­samm­lung über­le­gen. Mit einer Plat­ten­samm­lung zum Bei­spiel fängt man sich nicht mal Mal­wa­re ein. Voll doof.


Aus der belieb­ten Rei­he „was für ein rück­stän­di­ger Kon­ser­va­ti­ver könn­te denn was gegen den Fort­schritt haben?“ übri­gens auch: Insu­lin­pum­pen las­sen sich im Vor­bei­ge­hen hacken.


Abschlie­ßend das Zitat der Woche, das bit­te­schön pro­mi­nent im öffent­li­chen Raum plat­ziert gehört: „[W]enn die Fra­ge, ob die Bom­be gut ist oder ob die Bom­be böse ist, bei­na­he immer damit beant­wor­tet wer­den kann, wer die Bom­be abge­wor­fen hat, dann kannst du dir völ­lig sicher sein, dass du schon längst im Krieg bist.“

PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Tor­sten Albig, SPD.

Die­ser Arti­kel ist Teil 13 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

In der, aus­ge­rech­net, Fern­seh­sen­dung „Die Anstalt“, in der bekann­te und weni­ger bekann­te Kaba­ret­ti­sten das Publi­kum unter Bei­fall und Gejoh­le, aller­dings anson­sten fol­gen­los zur Erre­gung über die bizar­re Poli­tik vor­nehm­lich des hie­si­gen Lan­des anzu­re­gen ver­su­chen, wur­de kürz­lich (Ach­tung: Flash!) poin­tiert dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Begriff des poli­tisch Lin­ken und Rech­ten sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten dahin­ge­hend ver­scho­ben hat, dass in den gro­ßen Par­tei­en von CDU/CSU bis zur „Lin­ken“ allein ein irgend­wie rech­ter gemein­sa­mer Wer­te­ka­non vor­liegt.

Ein aktu­el­les Bei­spiel dafür lie­fert Schles­wig-Hol­stein. Die Schles­wig-Hol­stei­ne­sen haben im Jahr 2012 – fast wollt‘ ich schrei­ben: n.Chr. – die christ­li­che CDU-Regie­rung durch eine sozi­al­de­mo­kra­ti­sche SPD-Regie­rung aus­ge­tauscht. Man soll­te nun anneh­men, dass die SPD sich wenig­stens vor­der­grün­dig mehr für rea­le und welt­li­che Poli­tik statt für die Anbe­tung von Gei­ster­we­sen inter­es­sier­te, ins­be­son­de­re unter der Prä­mis­se, dass nur wenig mehr als die Hälf­te der Ein­hei­mi­schen Mit­glied der De-fac­to-Staats­kir­che (Chri­sten­tum) ist. Puste­ku­chen:

Schles­wig-Hol­steins Mini­ster­prä­si­dent Tor­sten Albig (SPD) wird am Mon­tag von Papst Fran­zis­kus in Pri­vat­au­di­enz emp­fan­gen. (…) Die Papst­au­di­enz fin­det im Rah­men einer Rei­se Albigs mit Erz­bi­schof Heße statt. Auf dem Pro­gramm des zwei­tä­gi­gen Auf­ent­halts ste­hen gemein­sa­me Gesprä­chen mit der deut­schen Bot­schaf­te­rin beim Hei­li­gen Stuhl, Annet­te Scha­van, und dem Gene­ral­se­kre­tär der Gemein­schaft von San­t’E­gi­dio, Cesa­re Zuc­co­ni, sowie ein Got­tes­dienst im Peters­dom.

Nun könn­te man durch­aus einen gewis­sen Witz dar­in sehen, dass im Vati­kan auch ein Gespräch mit einer ver­ur­teil­ten Betrü­ge­rin (CDU, natür­lich) ansteht, womit das alles wun­der­schön zusam­men­wächst, aber inter­es­san­ter ist dann doch, dass das SPD-gebeu­tel­te Ober­haupt eines Bun­des­lan­des mit einer ein­stel­li­gen Pro­zent­zahl an Katho­li­ken es für sei­ne Auf­ga­be zu hal­ten scheint, beruf­lich (also kei­nes­falls als Pri­vat­mann) in aller Pracht mit dem Papst zu par­lie­ren und einem Gott, kei­nes­falls also dem Wäh­ler­sou­ve­rän, zu die­nen, jeg­li­che Lip­pen­be­kennt­nis­se über die Tren­nung von Staat und Kir­che als sol­che ent­lar­vend. Dass Katho­li­zis­mus, in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­tau­sen­den nicht gera­de ein Fanal für Bür­ger­rech­te und eine lebens­wer­te Zukunft, über aus­rei­chend emp­feh­lens­wer­te Ant­wor­ten auf drin­gen­de poli­ti­sche Fra­gen unse­rer Zeit ver­fügt, darf bezwei­felt wer­den.

Tor­sten Albig hät­te nun die Mög­lich­keit, Zwei­fel an sei­nem Ansin­nen zu zer­streu­en, wenn er mög­lichst bald bekannt­gibt, dass es außer­dem poli­ti­sche Gesprä­che mit „Dagi Bee“ und Tim Cook geben wird. Den Vor­wurf der ein­sei­ti­gen poli­ti­schen Beein­flus­sung durch eine schein­bar wahl­los aus­ge­wähl­te poli­tik­fer­ne Min­der­heit kann er nur glaub­wür­dig aus­räu­men, indem er zeigt, dass sei­ne poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen unter Abwä­gung aller Ein­zel­in­ter­es­sen zustan­de­kom­men.

Davon wür­de ich mir dann viel­leicht sogar ein Video anse­hen.

Die Über­tre­ter aber wer­den ver­tilgt mit­ein­an­der, und die Gott­lo­sen wer­den zuletzt aus­ge­rot­tet.
Psalm 37,38

(via Patrick Brey­er)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Toma­hawk – God Hates a Coward // Digi­ta­le Abgrün­de in Brüs­sel

stellt-euch-vor-es-ist-montag-und-ihr-sitzt-nur-muede-rumEs ist Mon­tag, ein Tag der deut­schen Ein­heit, ob wir wol­len oder nicht. Der Kanz­ler der Ein­heit, Hel­mut Kohl, wuss­te, dass Volks­ab­stim­mun­gen gar nicht so gut sind. Fol­ge­rich­tig emp­feh­len Deutsch­lands Lin­ke für den heu­ti­gen Tag in bekannt bigot­ter Wei­se einen von lästi­gen Din­gen wie Gemein­schafts­sinn oder Mensch­lich­keit befrei­ten Auf­stand des anti­ka­pi­ta­li­sti­schen Pöbels gegen die­ses ver­damm­te Land. Nur hier­blei­ben wol­len sie schon, weil es hier so ein­fach ist, halb­wegs gut zu über­le­ben. Wenn man nie­man­den in Dres­den kennt, ist die For­de­rung nach einer Ein­eb­nung der Stadt bedeu­tend ein­fa­cher zu stel­len. Der Mensch ist dem Men­schen ein Dings­bums. Ein unglaub­lich blö­der, manch­mal, noch dazu. Wer nicht über sei­nen Schat­ten sprin­gen kann, der hat einer­seits Phy­sik ver­stan­den, ist aber ande­rer­seits weni­ger gut geeig­net für das, was zählt (i.e. Gebor­gen­heit und etwas Musik). Was fehlt? I wo: Wer. Eine Woche zurück und ein neu­er Ver­such, noch mal im Arm statt immer nur im Bett ein­schla­fen, mehr muss es ja gar nicht sein.

Da wir gera­de bei Blö­den waren: Den „Grü­nen“ gefällt es gar nicht, wenn ein Unter­neh­men zu vie­le Kun­den hat, denn dann muss eine „miss­brauchs­un­ab­hän­gi­ge Ent­flech­tungs­mög­lich­keit“ her. Ich wür­de ja die miss­brauchs­un­ab­hän­gi­ge Ent­flech­tung der „Grü­nen“ befür­wor­ten, aber dann muss die ja irgend­wer anders neh­men. Aller­dings ist „Digi­tal­po­li­tik“ (allein das Wort schon!) auch nicht für jeden Men­schen geeig­net; der EU-Digi­tal­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger etwa hat bis­her offen­kun­dig noch nicht mal eine Such­ma­schi­ne benutzt, was zumin­dest die ein­zi­ge Erklä­rung für sei­ne Theo­rie ist, dass kaum ein Nut­zer einer sol­chen Such­ma­schi­ne jemals auf ein Such­ergeb­nis klickt. Die lesen alles immer nur in Goog­le, die Leu­te. Sei­ne Par­tei, die CDU, hat der­weil den Femi­nis­mus am Hals: Die Betei­lig­ten hät­ten (…) ver­ein­bart, das The­ma Sexis­mus „ab sofort (…) in ver­schie­de­nen Gre­mi­en (…) zu dis­ku­tie­ren“, was mich doch hoff­nungs­froh stimmt, dass dem­nächst Ruhe ist, denn an einer gre­mi­en­über­grei­fen­den Femi­ni­stin­nen­grup­pe (mein­ten Sie: Grip­pe?) haben sich bekannt­lich schon ganz ande­re Par­tei­en ver­schluckt.

Bit­te kei­ne Post­kar­ten aus dem Iran! Statt­des­sen: Musik aus Ame­ri­ka. Ist ja auch mal ganz nett.

Guten Mor­gen.